#101

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.10.2016 15:43
von SET800 | 3.090 Beiträge

Zitat von sentry im Beitrag #98

Vertrauenswürdig waren sie nur, wenn die mit dieser Einschätzung beauftragten Organe meinten, die Fluchtgefahr der entsprechenden Personen wäre eher gering. Damals ja irgendwie "normal" kommt einem das doch heute ziemlich erbärmlich vor.



Hallo,
gibt es wirklich einen Grund daß als erbärmlich zu sehen? Wer erinnert sich noch oder kann es nachlesen und nachfragen was es für die Menschen und Volkswirtschaft vor dem 13.08.1961 bedeutete wenn am Montag Arbeiter, Ingenieure, Schichtführer oder Ärzte nicht zur Arbeit erschienen?

Bis zu 3000 Personen an einem Wochenende!


Daß es besonders 1948 bis 1954 in der Spätphase des Stalinismus auch oft vorkam Bürger "guten Willens" und Engangements für die Republik unter Druck zu setzen und fast zur Flucht zu drängen stimmt auch. Ebenso die trickreiche "Enteignung" von Firmeninhabern, die Verhältnisse so gestaltend daß 100% legal nicht funktionierte zur Planerfüllung, dann aber mit dem Finanzamt zuschlagen.... , obwohl keine persönliche Bereicherung vorlag.



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#102

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.10.2016 16:16
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #101
Zitat von sentry im Beitrag #98

Vertrauenswürdig waren sie nur, wenn die mit dieser Einschätzung beauftragten Organe meinten, die Fluchtgefahr der entsprechenden Personen wäre eher gering. Damals ja irgendwie "normal" kommt einem das doch heute ziemlich erbärmlich vor.



Hallo,
gibt es wirklich einen Grund daß als erbärmlich zu sehen? Wer erinnert sich noch oder kann es nachlesen und nachfragen was es für die Menschen und Volkswirtschaft vor dem 13.08.1961 bedeutete wenn am Montag Arbeiter, Ingenieure, Schichtführer oder Ärzte nicht zur Arbeit erschienen?

Bis zu 3000 Personen an einem Wochenende!


Daß es besonders 1948 bis 1954 in der Spätphase des Stalinismus auch oft vorkam Bürger "guten Willens" und Engangements für die Republik unter Druck zu setzen und fast zur Flucht zu drängen stimmt auch. Ebenso die trickreiche "Enteignung" von Firmeninhabern, die Verhältnisse so gestaltend daß 100% legal nicht funktionierte zur Planerfüllung, dann aber mit dem Finanzamt zuschlagen.... , obwohl keine persönliche Bereicherung vorlag.



deinem letzten Absatz stimme ich voll zu, so war es.Diese Mafia-Methoden waren aber nicht 1954 zu Ende, sie begleiteten diesen Staat über seine gesamte Existenz in immer neuen Varianten. Man tat alles um ganze Schichten, die nicht der Arbeiter und Bauern angehörten ,das Leben so zu vergraulen, sodass sie nicht blieben und überwiegend über Berlin das Weite suchten. Ich erinnere, als ich zur Schule ging in den 50ern, wenn ein Kind morgens nicht kam, so war die Frage: krank oder nach dem Westen abgehauen? Die meisten Fluchten liefen am Wochende, sodass montags die Leute nicht mehr erschienen. Du musst dir aber mal die Frage stellen warum, lassen Menschen alles zurück, warum verlassen sie ihre Heimat?
Da muss vorher 'ne Menge passiert sein. Die ganzen Flüchtlinge aus Syrien kommen doch auch nicht aus Jux und Dollerei hier nach Zentraleuropa , da ist vorher Schlimmes passiert. So war es auch vor dem Mauerbau.


.
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#103

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.10.2016 16:30
von SET800 | 3.090 Beiträge

Hallo,
war das wirklich pauschal so richtig, ich las daß auch ehemalige Gutsverwalter oder Großbauern anerkannte erfolgreiche LPG-Vorstände wurden.

Fabrikeigentümer als Betriebsleiter nach Staatsbeteiligung weiter den Betrieb führten.



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#104

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.10.2016 17:23
von Kalmus | 33 Beiträge

das Buch zum Thema.
(epub vorhanden bitte pn)


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#105

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.10.2016 11:31
von sentry | 1.077 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #101

Hallo,
gibt es wirklich einen Grund daß als erbärmlich zu sehen?



Ja, es gibt einen, selbst wenn man Deine gesamte Argumentation in dem von mir gekürzten Zitat als plausibel annimmt und so die Richtigkeit der Grenzschließung begründen will.

Ein Land, das sein Bürger nur noch im Land halten kann, in dem es sie einsperrt und es ggf. sogar besser findet, auf sie zu schießen, als sie ziehen zu lassen, ist, nun ja, zumindest erbärmlich.


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#106

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.10.2016 12:39
von SET800 | 3.090 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #102
Die meisten Fluchten liefen am Wochende, sodass montags die Leute nicht mehr erschienen. Du musst dir aber mal die Frage stellen warum, lassen Menschen alles zurück, warum verlassen sie ihre Heimat?


Klingt logisch, aber dann taucht die Frage auf wie schlimm war es denn daß fast alle Westreiserentner auch nach 1961 immer zurückkehrten in die so "schreckliche" DDR.



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#107

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.10.2016 12:51
von GKUS64 | 1.605 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #106
Zitat von Gert im Beitrag #102
Die meisten Fluchten liefen am Wochende, sodass montags die Leute nicht mehr erschienen. Du musst dir aber mal die Frage stellen warum, lassen Menschen alles zurück, warum verlassen sie ihre Heimat?


Klingt logisch, aber dann taucht die Frage auf wie schlimm war es denn daß fast alle Westreiserentner auch nach 1961 immer zurückkehrten in die so "schreckliche" DDR.



Wenn man alt und gebrechlich ist muss man leider viele Umstände hinnehmen, ein Neuanfang ist dann kaum mehr möglich! Das leuchtet dir doch bestimmt auch ein, oder?


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#108

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.10.2016 12:55
von der alte Grenzgänger | 997 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #106
..
Klingt logisch, aber dann taucht die Frage auf wie schlimm war es denn daß fast alle Westreiserentner auch nach 1961 immer zurückkehrten in die so "schreckliche" DDR.


.. sie "haben ihr Land verlassen .. und sind zurückgekehrt"
Einfach ein ganz normales Menschenrecht eingeräumt und wahrgenommen..
(ich meine, das steht in der UN- Charta von ??... 40er Jahre ??..)

"Jeder Mensch hat das Recht, sein Land zu verlassen und jederzeit dorthin zurückzukehren" (sinngemäß)
Wäre diese elementare Recht Recht von Anfang an von der DDR eingeräumt worden, wäre alles anders gelaufen.. (es hätte sicher nicht so lange eine DDR gegeben..

Und das eigentliche Leben findet nunmal für die Menschen in der Heimat, in der Familie, unter Freunden statt..

Siggi


"Man rühmt und man schmäht die meisten Dinge, weil es Mode ist, sie zu rühmen oder sie zu schmähen"
La Rochefoucauld (1613 - 1680)
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#109

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.10.2016 12:58
von SET800 | 3.090 Beiträge

Zitat von GKUS64 im Beitrag #107

Wenn man alt und gebrechlich ist muss man leider viele Umstände hinnehmen, ein Neuanfang ist dann kaum mehr möglich! Das leuchtet dir doch bestimmt auch ein, oder?


Nein leuchtet mir nicht ein, ich kenne inkl. meiner damals verwitweten Mutter etliche Rentnersenioren aus der BRD die auch mehrfach noch den Wohnort wechselten. Mal zu "den" alten Bekannten, dann in die Nähe "der" Enkel oder zu den anderen.



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#110

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.10.2016 12:59
von SET800 | 3.090 Beiträge

Zitat von der alte Grenzgänger im Beitrag #108

Wäre diese elementare Recht Recht von Anfang an von der DDR eingeräumt worden, wäre alles anders gelaufen.. (es hätte sicher nicht so lange eine DDR gegeben..
Siggi



Mit Moskaus Zustimmung?



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#111

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.10.2016 13:08
von GKUS64 | 1.605 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #109
Zitat von GKUS64 im Beitrag #107

Wenn man alt und gebrechlich ist muss man leider viele Umstände hinnehmen, ein Neuanfang ist dann kaum mehr möglich! Das leuchtet dir doch bestimmt auch ein, oder?


Nein leuchtet mir nicht ein, ich kenne inkl. meiner damals verwitweten Mutter etliche Rentnersenioren aus der BRD die auch mehrfach noch den Wohnort wechselten. Mal zu "den" alten Bekannten, dann in die Nähe "der" Enkel oder zu den anderen.



Wer hatte denn im Westen alte Bekannte, und wenn welche existierten und besucht wurden, zeigten die den Ossis ganz unverholen, dass sie nur kurz geduldet waren. Und außerdem waren die Kinder und Enkel auch im Osten, ja diese Bindung war dann doch stärker!


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#112

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.10.2016 13:12
von der alte Grenzgänger | 997 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #110
...

Mit Moskaus Zustimmung?


.. ich schrieb:.. "alles anders gelaufen"- auch Moskau hätte nicht mehr lange was zu sagen gehabt ..

Siggi


"Man rühmt und man schmäht die meisten Dinge, weil es Mode ist, sie zu rühmen oder sie zu schmähen"
La Rochefoucauld (1613 - 1680)
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#113

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.10.2016 13:14
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #102
Die meisten Fluchten liefen am Wochende, sodass montags die Leute nicht mehr erschienen. Du musst dir aber mal die Frage stellen warum, lassen Menschen alles zurück, warum verlassen sie ihre Heimat?



Die Frage ist berechtigt Gert. In der DDR stand damals sicher vieles nicht zum besten, es gab wirtschaftliche Probleme und kein Wirtschaftswunder und sicher trafen politisch Verantwortliche auch unpopuläre Entscheidungen. Aber ganz bestimmt gingen die meisten Menschen nicht, weil sie in der DDR verfolgt wurden. Das Leben im Westen war wirtschaftlich attraktiver, insbesondere für ausgebildete Fachkräfte. Und es war doch recht einfach, in die andere Seite der Stadt zu wechseln. Und natürlich wirkten insbesondere aus Westberlin Organisationen und Institutionen, die insbesondere auf Fachkräfte einwirkten die DDR zu verlassen.
Im Mai 1961 beispielsweise verabschiedete das Kuratorium für unteilbares Deutschland einen Plan zu verstärkten Anwerbung von Hochschullehrern, Wissenschaftlern und Studenten aus der DDR. Bereits im Mai 1961 hatte man sich dahingehend Gedanken gemacht, wonach die Auswahl der Einladungen von Professoren, Lehrern und Studenten aus der DDR durch wissenschaftliche Einrichtungen der Bundesrepublik sowie andere Kontaktmöglichkeiten verstärkt werden sollten, dabei sollten die Beauftragten des Kuratoriums an den Hochschulen entsprechende Einladungen zu versenden.
Aber auch andere Stellen waren an der Inspiration von Bürgern zum Verlassen der DDR beteiligt. Einzelne Interessengemeinschaften, Verbände und Organisationen wurden angeleitet, bestimmte Schichten und Gruppen der DDR-Bevölkerung mit differenzierten Methoden anzusprechen. Das waren z. B.:
- der Mitteldeutsche Wirtschaftszweig im Gesamtverband der Sowjetzonenflüchtlinge e. V., der insbesondere Geschäftsleute und Inhaber von Privatbetrieben in der DDR mit dem Ziel zu beeinflussen versuchte, dass ganze Betriebe in der DDR aufgelöst und in der Bundesrepublik mit der alten Belegschaft etabliert werden sollten
- der Hochschul-Arbeitsausschuss der Bundesausgleichsstelle, der sein Augenmerk insbesondere auf Wissenschaftler und Hochschullehrer der DDR richtete und diese nach erfolgter Abwerbung unverzüglich in entsprechende Ämter bringen sollte.

Eine besonders aktive Rolle bei der Abwerbung von Spezialisten und Fachkadern spielten in der Zeit vor der Schließung der Grenzen die Konzerne und Unternehmensverbände wie:
- die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber-Verbände. Bereits im September 1956 richtete diese einen Aufruf an ihre Mitglieder und gab Empfehlungen für die Abwerbung von Fachkräften.
- der Bundesverband der Deutschen Industrie. Das ihm angegliederte Deutsche Industrieinstitut erarbeitete dabei Pläne für die Abwerbung von DDR-Fachkräften aus. 1955 bereits forderte der Präsident des BDI, Fritz Berg, auf einer Tagung mit Vertretern des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen den verstärkten Abzug von Facharbeitern und Wissenschaftlern aus der DDR.

Die maßgebliche Beteiligung an der Abwerbung von hochqualifiziertem Fachpersonal aus der DDR wird z. B. dadurch sichtbar, dass die Nachfolgekonzerne der IG-Farben für jeden abgeworbenen Wissenschaftler je nach Wert Prämien von 500 bis 3000 DM zahlten. Ähnliches gilt für Konzerne wie AEG und Telefunken, die große Aktivitäten entwickelten, Arbeitskräfte aus Ostberlin und den angrenzenden Bezirken abzuwerben. Dabei wurde jedem Abwerber eine Prämie von 50 DM in Aussicht gestellt, wenn er auf Bekannten und Verwandte in der DDR erfolgreich einwirken konnte.

Das sind Probleme, mit denen die DDR zu kämpfen hatte. Noch komplizierter war die Situation im Gesundheitswesen. Darauf will ich hier gar nicht eingehen. An Rentnern und nicht qualifiziertem Personal war man natürlich nicht sonderlich interessiert und diese kehrten i. d. R. in die DDR zurück.



damals wars, Ebro, passport, SET800 und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.10.2016 13:17 | nach oben springen

#114

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.10.2016 16:26
von Gert | 12.354 Beiträge

zu #113 @Merkur
das ist sicher alles größtenteils richtig. Es ist aber nur das halbe Bild und der Teil " Wirkung " vom Gesamtbild "Ursache und Wirkung".
Ein Gesamtbild ergibt sich wenn man schildert, wie die Ideologen der SED gehaust haben. Sie enteigneten alles was nicht niet-und nagelfest war an Produktionsmitteln,und das in einer Weise, die die Mafia hätte erfinden können. Recht und Gesetz wurden derart mit Füßen getreten, dass es einem schauderte.Und das hatte nichts, aber auch gar nichts , mit dem verlorenen Krieg zu tun.Ich kenne in Düsseldorf 2 bedeutende Fabriken die man wie Hunde aus der Stadt Dresden gejagt hatte, das ist die Firma Teekanne, Produzent von Aufgussbeuteln und auch Patentinhaber dieser Art Teeverpackung und zweitens Lingner Werke ( Odol + Rasierwasser Pitralon) neugegründet in Düsseldorf 1949.
Zitat Spiegel 1949 zu den Enteignungen:
Enteignungsprüfung
Berlins Ost-Stadträte unterziehen Berliner Privatbanken, Versicherungen und Grundstücksgesellschaften im Ostsektor der sozialistischen Enteignungsprüfung. Stadtrat Bullerjahn vom Ostmagistrat begründete: "Der Mißbrauch der Versicherungsgelder bei privaten Versicherungsunternehmen" müsse in Zukunft verhütet werden.
Die Gesamt-Enteignungskurve im Berliner Ostsektor steht bis jetzt auf 465 Betrieben. Darunter Reemtsma, Siemens-Bau-Union, Schultheiß-Bier, Trumpf-Schokolade und die Aschinger-Betriebe. 247 Objekte wurden für die ursprünglichen Besitzer wieder freigegeben.
In Hamburg-Altona, Behnstraße 67, erwartet Dr. Otto Dietrich von der neuen Ostberliner Enteignungsaktion einen erhöhten Posteingang mit Neuanmeldungen. "Interessengemeinschaft der in der Ostzone enteigneten Betriebe" steht an der Tür seines Büros. Ueber 400 Großbetriebe haben sich bereits hilfesuchend in Dietrichs Interessengemeinschaft geflüchtet.
Das Gesamtkapital aller beteiligten Unternehmen wiegt millionenschwer. Nach dem Zusammenschluß der geschädigten Wertpapierbesitzer, der Flüchtlinge, der Körperbeschädigten und der enteigneten Ostzonen-Landwirte will Dietrichs IG als gemeinsamer Verfechter der enteigneten ostdeutschen Industrieunternehmen auftreten.
"Ich bin wegen meines Namens schon häufig mit dem Reichspressechef unseligen Angedenkens verwechselt worden", lächelt der 50jährige geborene Berliner. Bis zu seiner Uebersiedlung an die Elbe hatte Dietrich eines der größten Berliner Anwaltsbüros und fungierte als Landgerichtsdirektor. Heute muß er sich mit einem bloßen Notariat in der armseligen Altonaer Mietskaserne begnügen. So schart er nebenberuflich die nach dem Westen geflüchteten Firmen Ostdeutschlands um sich.
Das nächstliegende Ziel seiner Interessengemeinschaft ist es, den enteigneten Berliner und Ostzonen-Firmen in Westdeutschland die gleiche Rechtsstellung zu verschaffen, wie sie den flüchtigen Unternehmern aus dem Gebiet hinter der Oder-Neiße-Linie zugebilligt werden*). Das soll für die Wiedererrichtung der Betriebe, für die Rohstoffzuteilungen und die steuerliche Behandlung der emigrierten Firmen an ihren neuen Standorten gelten. Als weitere Punkte seines Programms erläutert Dietrich:
• Die IG vertritt die Interessen der mit ihrem westzonalen Vermögen weiterarbeitenden Unternehmer gegenüber den enteignenden Ländern der russischen Zone.
• Die IG will die Haftung des Filialvermögens im Westen gegenüber den Gläubigern beschränken.
• Die IG will erreichen, daß die Enteignungsverluste bei der Heranziehung des Westvermögens zum Lastenausgleich gesetzlich anerkannt werden.
Dietrichs Schützlinge, die in den kapitalistischen Westen geflohen sind, geben die ersten Berichte über die Handhabung der Enteignung in der Sowjetzone. Namen nennen sie nicht gern. Grundsätzlich fühlen sich alle zu Unrecht gemaßregelt.
Während in den ersten Jahren nach der russischen Besetzung hauptsächlich Betriebe von Kriegsverbrechern und Nazi-Führern
in den Schoß des Volkes fielen, wurde später nur noch zwischen "sabotierenden Kapitalisten" und "Nicht-Kapitalisten" unterschieden. Da mußten viele gehen.
Allgemein wird die entschädigungslose Enteignung eines Ostzonenbetriebes durch ein Dekret der Sowjetischen Militäradministration verfügt. Das Dekret wird durch die Briefpost oder per Eilboten zugestellt.
Manchmal geht es auch einfacher. Der Eigentümer einer thüringischen Konservenfabrik erfuhr beim Morgenkaffee durch seine Tageszeitung, daß er seit dem Vortage nicht mehr Inhaber seines Werkes war.
Nicht in jedem Falle werden die zur Enteignung vorgesehenen Fabriken vorher durch eine Kommission der SMA oder der Wirtschaftskommission (WIKO) besichtigt. In den Dekrets wird die Beschlagnahme als "volksnotwendig im Interesse der deutschen Ostzonenbevölkerung" bezeichnet. Eine sonstige Begründung gilt als überflüssig.
Der Fabrikationsbetrieb der betroffenen Werke läuft ohne Unterbrechung weiter. Die handelsgerichtlichen Eintragungen der Firmen erlöschen sofort. Die neuen Direktoren erhalten Prokura.
Bei der Greiling-Zigarettenfabrik in Dresden avancierte der Maschinenführer Lorenz über Nacht zum ersten Direktor. Sein Stellvertreter wurde ein Lohnbuchhalter. Beide sind Mitglied der SED.
Den früheren Besitzern ist das Betreten des Werksgeländes ab sofort verboten. Darüber hinaus dürfen sie sich innerhalb einer Bannmeile von 25 km rund um den Betrieb nicht mehr sehen lassen. Die meisten sind daher gleichzeitig gezwungen, umzuziehen. Viele reihen sich in die Dauertrecks nach Westen ein und werden Dietrichs Kunden.
"Als Mitinhaber der Firma Welzel, Buch- und Werbedruckgesellschaft in Dresden-A 47, gestatte ich mir die Anfrage, ob Sie auch die Interessen unserer Firma wahrnehmen, die im August 1945 seitens des damaligen Stadtkommandanten von Dresden Major Osetrow mit allen Einrichtungen (Maschinen), Inventar, Vermögen, Vorräten an Papier, Farben und Schriften ohne jede Entschädigung der kommunistischen Partei übereignet worden ist". Mit diesem Brief begab sich beispielsweise Walter Welzel in die Obhut des Hamburger Verbandes der Enteigneten.
Dr. Dietrichs Briefmappe enthält auch eine Sammlung von Briefen, in denen sich die Osthabenichtse über ihre unfreundliche Aufnahme bei der alteingesessenen westdeutschen Industrie beschweren. "Bisher hat sich niemand um die Ostgeschädigten gekümmert", wettert einer der Verschlagenen. "In der Kontingents-Bemessung werden wir, die wir wieder einen Betrieb aufbauen wollen, laufend benachteiligt. Die hier im Westen scheinen froh zu sein, daß sie unsere Konkurrenz endlich losgeworden sind."


Ich selbst habe in einem Nachfolgebetrieb der IG gearbeitet in dem Werk Mittelrhein, nach dem Krieg Hoechst AG genannt. Da waren viele Mitarbeiter aus der IG Zeit. Wenn ich bei ehemaligen Werken der IG z.B. Leuna oder Agfa gearbeitet hätte, so hätte ich mich auch in den Westen abgesetzt. Diese MA hatten z.B.Pensionszusagen der alten IG, die von den Nachfolgebetrieben anerkannt wurden. (Die DDR hat das unter den Tisch fallen lassen ) Und die IG + Nachfolger hatten und haben sehr attraktive Pensionskassen. Sie hatten überhaupt schon solche sozialen Einrichtungen wie auch Krankenkassen, als das in D noch gar nicht üblich war. Das waren wirkliche sozialistische Betriebe, von Kapitalisten eingerichtet und organisiert-
Solche Werke hatte auch AEG ( in Erfurt z.B), Auto Union Zwickau usw. usw., nicht zu vergessen die Strumpfbuden in Sachsen, die alle im Westen nach ihrer Vertreibung zur Höchstform aufliefen.Also diese ganzen Enteignungen und Vertreibungen ganzer Industrien waren nur mit Hilfe der sowjetischen Bajonette möglich und sind sicher nicht vergessen worden Sowas wie die SED gemacht hatte, macht man nicht ohne "Strafe" oder anders formuliert, man sieht sich im Leben immer 2 x. Die Rechnung wurde der SED am 9.November 1989 präsentiert , da war Zahltag und sie waren bankrott. Das nennt man ausgleichende Gerechtigkeit


.
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#115

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.10.2016 16:43
von Pit 59 | 10.123 Beiträge

Eine der besten Fluchten aus der Zone,ich denke auch mit Insiderwissen. Schusswaffengebrauchsbestimmung (Luftziele)


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#116

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.10.2016 17:45
von SET800 | 3.090 Beiträge

Zitat von der alte Grenzgänger im Beitrag #112

.. ich schrieb:.. "alles anders gelaufen"- auch Moskau hätte nicht mehr lange was zu sagen gehabt ..
Siggi


Und Moskau gibt die Zustimmung für den eigenen Untergang....



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#117

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.10.2016 18:07
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #115
Eine der besten Fluchten aus der Zone,ich denke auch mit Insiderwissen. Schusswaffengebrauchsbestimmung (Luftziele)


ich war gerade in Erfurt an dem Tag bei meinen Eltern zu Besuch. Sie erzählten davon beim Frühstück und ich konnte es fast nicht glauben. Ein richtiges Husarenstück. Ich bin dann nachmittags zurück nach WD gefahren und habe direkt nach dem Grenzübertritt in Herleshausen Deutschlands bestinformierte Zeitung gekauft um Näheres zu erfahren. Es war grandios und ein Tiefschlag für das SED Regime und ihre Reputation.


.
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#118

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.10.2016 08:23
von berlin3321 | 2.513 Beiträge

Neben der Auto Union BMW nicht vergessen. Im Harz der Traktorenhersteller Normag.

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#119

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.10.2016 09:05
von SET800 | 3.090 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #115
Eine der besten Fluchten aus der Zone,ich denke auch mit Insiderwissen. Schusswaffengebrauchsbestimmung (Luftziele)



Andere Meinung, eine extrem gefährlich unverantwortliche Sache, in Verblendung der Realität das Leben von Personen hochgradig gefährdet die die Risiken der Ballonfahrt nicht einschätzen konnten.

Im Übrigen der Alltag in der DDR war nicht so wie in Sobibor, Treblinka oder Auschwitz.

Die Regierung der DDR war aufgrund der besonderen Lage mit zwei Deutschen Staaten zu den rechtlichen Reisebeschränkungen zum Wohle der Gesamtvolkswirtschaft gezwungen.

Eine Reisefreiheit die für 90% der Erdbevölkerung schon aus materiellen Gründen nicht möglich war, mit dem Wohlstand der DDR ging es, z.B. Bulgarien schwarzes Meer oder mit eigenen PKW der "Goldene Ring" durch die UdSSR.



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#120

RE: Vor 30 Jahren- Ballonflucht aus der DDR

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.10.2016 09:09
von Pit 59 | 10.123 Beiträge

Im Übrigen der Alltag in der DDR war nicht so wie in Sobibor, Treblinka oder Auschwitz.


Das hat auch Niemand geschrieben

Die Regierung der DDR war aufgrund der besonderen Lage mit zwei Deutschen Staaten zu den rechtlichen Reisebeschränkungen zum Wohle der Gesamtvolkswirtschaft gezwungen.



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