#21

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 10:39
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von turtle
... Wenn ich nicht ganz sicher war, schob ich dem Barkeeper 20 DM
über den Tresen und fragte ihm ob er nicht eine nette Dame kenne welche mich zum Essen bekleiden könnte. Da dauerte es nicht lange und der Platz neben mir war besetzt! In den Nachtbars in Ostberlin oder Leipzig war es natürlich nie ein Problem ein hübsches Mädchen kennen zu lernen. Die hatten einen Blick für Bundesbürger ,oder der Kellner gab ihnen einen Tipp.



Und unsereener, där sisch schdundenlang de Biggel ausgedriggd und d'n Aggselschwees mid Gerneife nausgewaschen hadde, guggde inde Röhre ...


ciao Rainman


Übersetzung: Und unsereiner, der sich stundenlang die Pickel ausgedrückt und den Achselschweiß mit Kernseife ausgewaschen hatte, guckte in die Röhre ...


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#22

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 11:01
von josy95 | 4.915 Beiträge

Hallo Angelo,

hätte zwei eigene Erfahrungen auf Deine Frage beizusteuern.

Damit ich einen bereits geschriebenen Beitrag nicht noch einmal wiederholen muß, schau bitte mal bei "Metallgitterzaun, Stacheldraht ect." rein. Da hab ich am 28.08.09 um 12.33 Uhr einen kleinen Beitrag dazu ins Forum gestellt.
Wenn Ergänzung(en) gewünscht, bitte sagen.

Das andere Erlebte bezieht sich auf meine Zeit an der Lokfahrschule Güstrow (Mecklenb./ Vorpommern, damals Bezirk Schwerin) im August/ September/ Oktober 1983 und dann nochmal im April 1984.

In der Innenstadt von Güstrow gab es eine Gaststätte/ Nachtbar Namens "Borw**" (Namen möchte ich aus den bekannten Gründen nicht voll benennen!). Hier war eindeutig auch käufliche Liebe zu haben. Selbst war ich da einmal mit drin (Gruppenzwang), derartige Etablissimants waren aber noch nie mein Ding, außerdem hatte ich zu der Zeit auch eine feste Freundin. Zwei von meinen Kollegen, einer war aus Brandenburg, der andere aus Halle sind da mal gewaltig "versackt". Geld und Ausweise weg, Ausweise hat man nachher wohl irgendwo gefunden und die durften sie sich dann bei der VP abholen. Gab auch ne Menge Ärger an der Schule. Bei der Reichsbahn nannten diese Einrichtungen sich "Zentrale Betriebsakademie der Deutschen Reichsbahn", Güstrow war bekannt für seine doch sehr freizügigen Umgangsformen, andere, wie z. Bsp. Weißenfels nannte man nur Militärakademie der Reichsbahn. Ich erzähl jetzt keinen Hokus- Pokus, der Morgen begann mit einer Art Apell und einem Lied. Ganz zu schweigen von der akribischen Durchsetzung der Kleiderordnung, sprich Uniform und einer Art Abmeldebuch zum "Ausgang". Bis 24 Uhr mußte man auch wieder im "Objekt" sein! Zum besseren Verständnis: Hier wurden neben noch nicht volljärigen Lehrlingen auch erwachsene Leute ausgebildet! Aber die Hausordnung galt eben für alle!

Wie gesagt, in Güstrow ging es da eher sehr locker her. Es wurde nur Wert darauf gelegt, ist ja auch irgendwie Normalität, das man morgens früh zum Unterricht pünktlich und ausgeschlafen da war.
Von den beiden kam morgens jedoch nur einer an, total benebelt schläfrig. Es gab ein furchtbares Theater, besonders nach dem anderen, der nicht aufkreuzte. Es wurde auch sofort die VP und Trapo informiert. Gegen Mittag tauchte auch er dann auf, Zustand wie bei unserem anderen Kollegen... !
Da gabs vor versammelter Manschaft nochmal ein Tobago vom Feinsten!

Wie beide uns später erzählten, konnten sie sich an fast nichts mehr erinnern, nur, das sie eben in besagter Bar waren und irgendwann mit zwei Damen in eine Privatwohnung gegangen sind. Aufgewacht dann einzeln auf irgendeiner Parkbank... . Und wie schon gesagt, Geld und Ausweis weg.

Beide konnten vom Glück reden, das sie nicht von der Schule geflogen sind. Hätten für eine derartige Verfehlung auch die Lehrgangskosten aus eigener Tasche und voll bezahlen müssen, wer nicht gerade wenig gewesen.

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#23

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 11:09
von wosch (gelöscht)
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In Ost-Berlin gab es mitten im Zentrum ein Speiselokal, das "Gastmahl de Meeres" (Im Volksmund: Die "Gräte"), ich denke mal, Alfred wird es kennen. Ab einer gewissen Uhrzeit in den Abendstunden wurde daraus ein Tanzlokal mit Bar gemacht und da bin ich ab und zu auch reingegangen. Beim ersten Male stellte ich mich brav in die Reihe der auf Einlaß Wartenden und bekam schnell heraus, daß es hier nicht der Reihe nach ging. Ab und zu kam jemand an die Tür und ließ wen rein, der irgend ein "Zauberwörtchen" gesprochen haben mußte. In der Warteschlange standen mindestens 10 uniformierte Soldaten der NVA, oder der GT (Hatte damals nicht so sehr darauf geachtet), sie mußten schon sehr lange da gestanden haben. Als mir das Warten auf Einlaß langsam zu bunt wurde, machte ich mich nach vorne an die Tür und flüsterte dem guten Mann mein "Zauberwort": "Ich hatte bestellt" ins Ohr, und schon war ich drinnen. Nachdem ich einen kleinen Obulus in DM-West entrichtet hatte, fand ich mich an der Bar wieder und konnte feststellen, daß das Lokal noch nicht mal halb voll besetzt war. Als ich einem von Personal fragte, warum man die Soldaten so lange draußen stehen lasse, erwiderte der: "Die von der Wehrmacht wollen wir gar nicht drin haben!". Das war 1983 und ist eine wahre Geschichte aus dem Nachtleben der Hauptstadt der DDR!!Wie, wo, was, warum, wer´s nicht glaubt bleibt dumm!
Schönen Gruß aus Kassel


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#24

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 11:25
von turtle | 6.961 Beiträge

Aber mein lieber Klaus-Peter,
Bei Deinem Charme dürfte das doch kein Problem gewesen sein netten Kontakt zu haben!
Übrigens waren meine Kontakte dem MfS nicht verborgen geblieben! In meiner Stasiakte stand" sucht gezielt Kontakt zu Frauen mit hwG!" Welche nebenbei für die Firma gearbeitet haben hatten mich zu hoch eingestuft. Auch mit Rolex muss man kein Direktor sein. Fotos oder ein Filmchen waren eher peinlich als verwertbar.
Aber immerhin lässt es doch tief blicken ,Sitte und Moral haben in so einem Geschäft ob Stasi oder jeder andere Geheimdienst keinen Wert!
Gruß Peter(turtle)


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#25

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 11:33
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo wosch,

diese Gepflogenheiten - Warteschlangen, nur Einlass bestimter Leute - bestätige ich sofort. Das Wichtige an einer Stammbar war, dass man eben trotz der Riesentraube vor dem Eingang reinkam. Ein Getränk für die Leute am Einlass, ein etwas höheres Trinkgeld und das über mehrere Besuche hinweg, und man wurde auch ohne Westgeld als Stammgast akzeptiert. Die Sache mit der "Wehrmacht" ... naja, vielleicht wollten sich die Typen bei Dir als "erkannten Wessi" und damit "interessante Geldquelle" irgendwie einschleimen. Aber Soldaten wurden prinzipiell nicht gern in Nachtbars reingelassen, vor allem nicht in Gruppen. Die drei Verdachtsmomente lauteten: Zu wenig Geld, wahrscheinlich bereits angetrunken und "sexuell Überinteressiert". Keine gute Mischung für eine Bar. Das unselige "Sie-werden-platziert"-Prinzip in der DDR leistete solchen Haltungen und mehr noch solchem Verhalten durchaus Vorschub. Ein Gastronom verzichtet lieber auf Differenzierungen, wenn die Chance besteht, dass die Einrichtung ganz bleibt. Außerdem konnten ja Uniformierte, die auch noch Frauen anmachten oder wegschnappten, die Westgäste vor den Kopf stoßen ...

ciao Rainman


PS: Erst nach meinem Post entdeckt:

Zitat von turtle
Bei Deinem Charme dürfte das doch kein Problem gewesen sein netten Kontakt zu haben!


Hallo Peter (turtle),

danke für die Blumen, aber damals war mein Charme noch nicht so ausgeprägt. Es war halt der unselige Lebensabschnitt, in dem man meint, mit Aussehen und Sportlichkeit kommt man noch an die große Liebe. Eine furchtbatre Zeit, wenn ich so zurückdenke. Natürlich landete ich hin und wieder einen "Zufallstreffer". Aber wenn ich meine Memoiren mit denen Casanovas vergleiche: Entschieden zuwenige!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
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zuletzt bearbeitet 18.09.2009 11:39 | nach oben springen

#26

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 11:39
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Rainman2
Hallo wosch,

diese Gepflogenheiten - Warteschlangen, nur Einlass bestimter Leute - bestätige ich sofort. Das Wichtige an einer Stammbar war, dass man eben trotz der Riesentraube vor dem Eingang reinkam. Ein Getränk für die Leute am Einlass, ein etwas höheres Trinkgeld und das über mehrere Besuche hinweg, und man wurde auch ohne Westgeld als Stammgast akzeptiert. Die Sache mit der "Wehrmacht" ... naja, vielleicht wollten sich die Typen bei Dir als "erkannten Wessi" und damit "interessante Geldquelle" irgendwie einschleimen. Aber Soldaten wurden prinzipiell nicht gern in Nachtbars reingelassen, vor allem nicht in Gruppen. Die drei Verdachtsmomente lauteten: Zu wenig Geld, wahrscheinlich bereits angetrunken und "sexuell Überinteressiert". Keine gute Mischung für eine Bar. Das unselige "Sie-werden-platziert"-Prinzip in der DDR leistete solchen Haltungen und mehr noch solchem Verhalten durchaus Vorschub. Ein Gastronom verzichtet lieber auf Differenzierungen, wenn die Chance besteht, dass die Einrichtung ganz bleibt. Außerdem konnten ja Uniformierte, die auch noch Frauen anmachten oder wegschnappten, die Westgäste vor den Kopf stoßen ...

ciao Rainman



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Rainman, Genau so hatte ich es auch immer empfunden, ich frage mich nur , was haben die "Betroffenen" dieser Diskrimminierung selbst empfunden, sie mußten doch eine richtige Wut im Bauch gehabt haben??
Schönen Gruß aus Kassel


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#27

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 11:48
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von wosch
Rainman, Genau so hatte ich es auch immer empfunden, ich frage mich nur , was haben die "Betroffenen" dieser Diskrimminierung selbst empfunden, sie mußten doch eine richtige Wut im Bauch gehabt haben??
Schönen Gruß aus Kassel



Hallo wosch,

da ich selbst mehr als einmal in dieser Situation war (allein schon 3 Jahre Offiziershochschule) kann ich mich noch wie folgt dran erinnern:
- Zunächst wurde der Typ am Einlass gruppenintern für doof erklärt
- Nächste Methode: Warten, bis der Typ weich wird oder ein Vertreter für ihn übernimmt
- Nach zu langer Wartezeit (konnte schon eine bis anderthalbe Stunde sein) schimpfend davon ziehen und eine andere Quelle auftun, um die negativen Spannungen zu dem Typen verbal zu vertiefen

Krawall oder Ärger machen brachte nichts ein. War man noch zu nüchtern, wollte man das auch gar nicht. War man schon zu besoffen, war es einem sowieso schon egal, oder die Streife war sehr schnell da. Die Machtposition der Typen in der Gastronomie war extrem. Sie mussten nicht zwingend auf den Umsatz achten, aber man selbst wollte was von ihnen. Gib einem schlichten Gemüt Macht ...

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
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zuletzt bearbeitet 18.09.2009 11:48 | nach oben springen

#28

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 12:03
von wosch (gelöscht)
avatar

Zitat von Rainman2
[quote="wosch"]

Hallo wosch,

da ich selbst mehr als einmal in dieser Situation war (allein schon 3 Jahre Offiziershochschule) kann ich mich noch wie folgt dran erinnern:
- Zunächst wurde der Typ am Einlass gruppenintern für doof erklärt
- Nächste Methode: Warten, bis der Typ weich wird oder ein Vertreter für ihn übernimmt
- Nach zu langer Wartezeit (konnte schon eine bis anderthalbe Stunde sein) schimpfend davon ziehen und eine andere Quelle auftun, um die negativen Spannungen zu dem Typen verbal zu vertiefen

Krawall oder Ärger machen brachte nichts ein. War man noch zu nüchtern, wollte man das auch gar nicht. War man schon zu besoffen, war es einem sowieso schon egal, oder die Streife war sehr schnell da. Die Machtposition der Typen in der Gastronomie war extrem. Sie mussten nicht zwingend auf den Umsatz achten, aber man selbst wollte was von ihnen. Gib einem schlichten Gemüt Macht ...

ciao Rainman



---------------------------------------------------------------------------------------------

Ja Rainman, Da hatte ich es schon einfacher, mit meinem "Zauberwörtchen" war ich überall schnell drin.
Schönen Gruß aus Kassel


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#29

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 12:19
von werraglück | 679 Beiträge

Hi @ Rainman2,

Und unsereener, där sisch schdundenlang de Biggel ausgedriggd und d'n Aggselschwees mid Gerneife nausgewaschen hadde, guggde inde Röhre ...

ich muss schon sagen dein Sächsisch lässt keine Wünsche offen...

Eine Bar muss in jedem Fall noch erwähnt werden: der Schorschl in Leipzig-Connewitz!

Autorin von "Leipzig.Sex and the City" Kerstin Mauersberger in einem Interview von 2007: "Leipzig war ja auch außerhalb der großen Herbst- und Frühjahrsmessen eine etwas weltoffenere Stadt. Ein Aspekt, der im Film nicht so konkretisiert wird: Es hatte sich tatsächlich unter den West-Männern herumgesprochen, dass die Ostfrauen und die Leipzigerinnen im Speziellen was Besonderes sind. Es sind wirklich Busse mit Kegelklubs, Tennisvereinen und so nach Leipzig gefahren, um in diesem legendären Schorschl Frauen kennen zu lernen. Insofern hatte das wirklich etwas Vergnügliches und Leichtes. Es gab natürlich auch einzelne schwerere Schicksale, insbesondere wenn sich die Stasi eingeschaltet hat."

Der Schorschl war der ultimative Anmachtempel in Leipzig, in dem sogar echte Ost-Westbezieheungen entstanden sind.

MfG




"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Ge­genwart nicht verstehen und die Zukunft nicht ge­stalten"

ROMAN HERZOG
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#30

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 12:47
von turtle | 6.961 Beiträge

Ja werraglück stimmt bei Schorschl das ist unvergessen! Ich habe einmal am Connewitzer Kreuz gewohnt! In der Innenstadt gab es das Ribeckbräu,und in den 60er Jahren den Schlachthof,
Der Gutenbergkeller, Astoria, das waren auch meine Nahkampfdielen! Überhaupt das Nachtleben in Leipzig war Spitze .Die Nachtbars kannte ich alle. War schon toll mein Leipzig!!
Gruß Peter(turtle)


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#31

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 13:11
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo wosch,
Nicht nur in diversen Bars wurden DDR Bürger benschteiligt! Im Auslandsurlaub wie in Bulgarien oder Rumänien wurden DDR Touristen wenn sie als solche zu erkennen waren als Touristen 2. Klasse angesehen. Das habe ich selber gesehen!
Auch in den Bruderländern wurde der Wessi bevorzugt und dementsprechend behandelt.
Der DDR Tourist hatte meistens auch nur eine bestimmte Menge Geld in der Landeswährung da gab es feste Untauschsätze . Ich glaube mich zu erinnern das musste bereits in der DDR erfolgen,und wurde sogar im Pass vermerkt! Schon daher war der DDR Tourist benachteiligt!
Die Unterbringung erfolgte zudem ebenfalls meistens in unterschiedlichen Hotels. Jedenfalls habe ich das so in meiner Erinnerung!
Gruß Peter(turtle)


zuletzt bearbeitet 18.09.2009 13:14 | nach oben springen

#32

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 13:25
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von werraglück
... Eine Bar muss in jedem Fall noch erwähnt werden: der Schorschl in Leipzig-Connewitz!
... Es sind wirklich Busse mit Kegelklubs, Tennisvereinen und so nach Leipzig gefahren, um in diesem legendären Schorschl Frauen kennen zu lernen. ... Der Schorschl war der ultimative Anmachtempel in Leipzig, in dem sogar echte Ost-Westbezieheungen entstanden sind.



Hallo werraglück,

zunächst das Geständnis: Ich war in fast allen Leipziger Nachtbars in den 80-ern, aber niemals im Schorschl! Und nun der Dank: Dank dieser Sätze von Dir bin ich nun froh, nie dort gewesen zu sein. Im "Intermezzo" wurden keine Busladungen ausgekippt. Da hatte man mit Schönheit noch eine echte Chance, gegen das Westgeld anzutreten um die Gunst der schönen Leipziger Frauen.


ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
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#33

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 13:34
von werraglück | 679 Beiträge

@ Turtle,

heute ist das Nachtleben von Leipzig nicht mehr das von damals!

Heute ist hier Discokrieg und die Dealer halten Ausschau nach potenziellen Opfern...trotz allem ist Leipzig eine kulturelle Reise wert!
Hier steppt natürlich jeden Tag der Bär und es ist ständig was los.

Wann hast du denn deiner Heimatstadt das letzte Mal einen Besuch abgestattet?

Ich mach hier mal Werbung für unsere Stadt...am 9.10. ist hier das große Lichtfest, der Gedenktag für die damals wichtigste Demonstration vom 9.10.89.

Vielleicht hast du Lust, vorbei zuschauen!


Lichtfest Aufbruch Leipzig - 20 Jahre Friedliche Revolution und Einheit Europas“
9.10.2009 / ab 18:00 Uhr / Nikolaikirchof - Augustusplatz - Innenstadtring

Das Lichtfest „Aufbruch Leipzig - 20 Jahre Friedliche Revolution und Einheit Europas“ entlang des historischen Demonstrationsweges von 1989 bezieht Architekten, Lichtplaner, Designer und Künstler aus verschiedenen europäischen Ländern ein. Rund 20 Kreative beteiligen sich unter einer künstlerischen Gesamtleitung mit Interpretationen zum Thema Friedliche Revolution über die Medien Licht, Audio und Video.

Das Lichtfest 2009 beschäftigt sich mit der Erinnerung, bleibt jedoch dabei nicht stehen, sondern wirkt als Symbol für Einheit, Freiheit und Überwindung von Grenzen. Angesprochen werden soll dabei eine breite Öffentlichkeit; die Bürgerinnen und Bürger, die 1989 selbst mit erlebt haben; junge Menschen, nationale und internationale Gäste der Stadt.

Strecke der Demonstration wird illuminiert


Ort der Veranstaltung ist der Weg, den die Demonstranten 1989 über den Ring genommen haben. Dieser Weg beginnt auf dem Nikolaikirchhof. Augustusplatz, Georgiring, Hauptbahnhof, Tröndlinring und Goerdelerring schließen sich als weitere Abschnitte an. Wichtige Punkte des Weges, sogenannte Landmarken, werden durch Großprojektionen und künstlerische Aktionen in besonderer Weise betont.

Der Weg führt bis zur „Runden Ecke“ – dort wird es im Laufe des Abends eine musikalische Untermalung durch Chor und Orchester unter Leitung von Nikolaikantor Jürgen Wolf geben.

Das Lichtfest hat drei inhaltliche Ebenen:


Die Friedliche Revolution und die Demonstration vom 9. Oktober 1989.

Den städtebaulichen Kontext des Demonstrationsweges und

eine europäische Dimension.

Quelle:www.leipzig.de

MfG





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ROMAN HERZOG
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#34

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 13:49
von werraglück | 679 Beiträge


zunächst das Geständnis: Ich war in fast allen Leipziger Nachtbars in den 80-ern, aber niemals im Schorschl! Und nun der Dank: Dank dieser Sätze von Dir bin ich nun froh, nie dort gewesen zu sein. Im "Intermezzo" wurden keine Busladungen ausgekippt. Da hatte man mit Schönheit noch eine echte Chance, gegen das Westgeld anzutreten um die Gunst der schönen Leipziger Frauen.

@Rainman,

zum Glück waren ja die meisten(klügsten)Leipziger Frauen nicht nur scharf auf die harte Westmark !
Aber es war schon lustig mit anzusehen, wie sich die Stadt zur Messezeit in eine kleine Weltstadt verwandelte!
Vorher relativ ruhig und vielleicht auch etwas trist und dann Action in der City am Tag und in der Nacht...
So ähnlich war das auch wenn Lok im EC Fußball spielte...das war eine unvergessliche Atmosphäre.

MfG




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#35

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 13:50
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo werraglück,
Ich war ewig nicht mehr in meinem Leipzig. Das letzte mal in der runden Ecke 1994 da hatte ich meinen Termin zur Einsicht in meine Stasiunterlagen! Am 9.10. -11.10. haben wir unser Forumtreffen in Helmstedt! Trinke da aber sehr gern mit Rainman ein Bier oder Wodka auf unser
Leipzig! Gruß Peter(turtle)

Habe gerade Deine letzten Zeilen gelesen! Ich bin immer noch LOK. Fan


zuletzt bearbeitet 18.09.2009 13:52 | nach oben springen

#36

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 13:55
von werraglück | 679 Beiträge

Ok turtle,

dann trinkt bitte ein kühles für mich mit!

Ich hoffe, im nächsten Jahr bei einem Treffen dabei zu sein!

MfG


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#37

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 16:46
von wosch (gelöscht)
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Zitat von turtle
Hallo wosch,
Nicht nur in diversen Bars wurden DDR Bürger benschteiligt! Im Auslandsurlaub wie in Bulgarien oder Rumänien wurden DDR Touristen wenn sie als solche zu erkennen waren als Touristen 2. Klasse angesehen. Das habe ich selber gesehen!
Auch in den Bruderländern wurde der Wessi bevorzugt und dementsprechend behandelt.
Der DDR Tourist hatte meistens auch nur eine bestimmte Menge Geld in der Landeswährung da gab es feste Untauschsätze . Ich glaube mich zu erinnern das musste bereits in der DDR erfolgen,und wurde sogar im Pass vermerkt! Schon daher war der DDR Tourist benachteiligt!
Die Unterbringung erfolgte zudem ebenfalls meistens in unterschiedlichen Hotels. Jedenfalls habe ich das so in meiner Erinnerung!
Gruß Peter(turtle)



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Ja Peter, das kann ich bestätigen und folgendes dazu beitragen:
Anfang der 80er war ich zu einem Kurzbesuch mit einer Reisegruppe in Moskau, gewohnt
hatten wir in einem Hotel, welches zur Olympiade gebaut wurde, allerdings wohnten da auch Reisegruppen aus der DDR. Wir Westdeutsche hatten mit unserem Westgeld den Rubel 1:1 eingetauscht und die Flasche "Krim" hatte uns umgerechnet 9 DM gekostet. Bis um 03:00 Uhr war die "Bar" geöffnet, austrinken konnten wir aber noch bis ca 06:00 all das , was wir noch schnell vor 03:00 Uhr gekauft hatten. Es war immer sehr lustig und es wurde auch jedesmal sehr laut, ich denke, Peter, Du weist wie schön deutsche Männer singen können. Die im selben Hotel wohnenden DDR-Bürger kamen meistens gegen 21:00 Uhr von ihren "Stadt-und Museumsbesuchen angerollt, tranken noch 1 oder 2 Bier (das schmeckte übrigens scheußlich) und verschwanden dann zum Schlafen. Zu Kontakten zwischen uns ist es nie gekommen, ich glaube, sie durften nicht! Da mein Russisch seinerzeit noch ganz gut war, fuhr ich einmal mit dem Taxi alleine in die Stadt rein, um in ein georgisches Restaurant zu essen. An der Garderobe wurde ich gefragt: "Ost, oder West". Ich wurde als West-Germane in ein Kellergewölbe hinabgeleitet und kann nur sagen: "Alles vom Feinsten". Später hatte ich mir mal zwei Treppen höher die Gegebenheiten für die "sozialistischen Klassenbrüder angeschaut; Ein Unterschied wie Tag und Nacht, erinnerte mich so ein bischen an "Warteraum-Atmosphäre! Passt zwar nicht ganz zum Thema "Vergnügungsmeile in der DDR" aber schon ein bischen zum Thema DDR.
Schönen Gruß aus Kassel.


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#38

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 18:37
von Nomex | 254 Beiträge

Da wir hier schon mal bei Leipzig sind muß ich sagen das dort auch außerhalb der Messe die Post abging. Und das auch in der Woche, für uns Studenten ja auch wichtig. Das Schauspielhaus war sehr beliebt. Meine Lieblingsbar lag im Peterssteinweg, leider ist mir der Name entfallen. Da bin ich aber auch erst mit einer gehörigen Portion Hartnäckigkeit reingekommen, ging von Besuch zu Besuch einfacher und irgendwann gehörte man einfach zum Stammpublikum.

Zur Messe war ich nicht so gern da, einfach zu viel Auswärtige. Da sind wir dann in die Clubs in Grünau, wo wir gewohnt haben, ausgewichen.

Hinsichtlich der Türsteher war es auch in Eisenach ähnlich. In der Disco am Karlsplatz wurde ich sogar in Uniform schon mal vom Ende der Schlange reingerufen, man kannte sich halt. In die Bar eines Hotels links vorm Nikolaitor kam ich weil ich eine Aushilfe der Barbesatzung im Haus der GT kennengelernt hatte. WItziger Weise stand auf der Rechnung immer mein Name, nur nicht als ich mal in Zivil da war, da stand plötzlich Uffz. oben. Ein Jahr nach meinem Heimgang war ich noch mal da und es war als wäre ich nie weggewesen.

Gruß


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Günther Zieschong: "Mir hätten das System erst mal leasen solln...."
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#39

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 18.09.2009 18:55
von dein1945 (gelöscht)
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Zitat von wosch

Zitat von turtle
Hallo wosch,
Nicht nur in diversen Bars wurden DDR Bürger benschteiligt! Im Auslandsurlaub wie in Bulgarien oder Rumänien wurden DDR Touristen wenn sie als solche zu erkennen waren als Touristen 2. Klasse angesehen. Das habe ich selber gesehen!
Auch in den Bruderländern wurde der Wessi bevorzugt und dementsprechend behandelt.
Der DDR Tourist hatte meistens auch nur eine bestimmte Menge Geld in der Landeswährung da gab es feste Untauschsätze . Ich glaube mich zu erinnern das musste bereits in der DDR erfolgen,und wurde sogar im Pass vermerkt! Schon daher war der DDR Tourist benachteiligt!
Die Unterbringung erfolgte zudem ebenfalls meistens in unterschiedlichen Hotels. Jedenfalls habe ich das so in meiner Erinnerung!
Gruß Peter(turtle)



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Ja Peter, das kann ich bestätigen und folgendes dazu beitragen:
Anfang der 80er war ich zu einem Kurzbesuch mit einer Reisegruppe in Moskau, gewohnt
hatten wir in einem Hotel, welches zur Olympiade gebaut wurde, allerdings wohnten da auch Reisegruppen aus der DDR. Wir Westdeutsche hatten mit unserem Westgeld den Rubel 1:1 eingetauscht und die Flasche "Krim" hatte uns umgerechnet 9 DM gekostet. Bis um 03:00 Uhr war die "Bar" geöffnet, austrinken konnten wir aber noch bis ca 06:00 all das , was wir noch schnell vor 03:00 Uhr gekauft hatten. Es war immer sehr lustig und es wurde auch jedesmal sehr laut, ich denke, Peter, Du weist wie schön deutsche Männer singen können. Die im selben Hotel wohnenden DDR-Bürger kamen meistens gegen 21:00 Uhr von ihren "Stadt-und Museumsbesuchen angerollt, tranken noch 1 oder 2 Bier (das schmeckte übrigens scheußlich) und verschwanden dann zum Schlafen. Zu Kontakten zwischen uns ist es nie gekommen, ich glaube, sie durften nicht! Da mein Russisch seinerzeit noch ganz gut war, fuhr ich einmal mit dem Taxi alleine in die Stadt rein, um in ein georgisches Restaurant zu essen. An der Garderobe wurde ich gefragt: "Ost, oder West". Ich wurde als West-Germane in ein Kellergewölbe hinabgeleitet und kann nur sagen: "Alles vom Feinsten". Später hatte ich mir mal zwei Treppen höher die Gegebenheiten für die "sozialistischen Klassenbrüder angeschaut; Ein Unterschied wie Tag und Nacht, erinnerte mich so ein bischen an "Warteraum-Atmosphäre! Passt zwar nicht ganz zum Thema "Vergnügungsmeile in der DDR" aber schon ein bischen zum Thema DDR.
Schönen Gruß aus Kassel.




Hallo ihr Beiden
dem kann ich nur voll zustimmen, Ende der siebziger Jahre in Prag als Westler ein Hotel was DDR Bürger nicht einmal betreten durften, habe es selbst an der Rezeption erlebt, DDR Bürger hatten keine Unterkunft und wollten in unserem Hotel ein Zimmer, obwohl sie einen Gutschein über drei oder vier Nächte hatten und anboten dafür nur zwei Tage zu bleiben, kein Zimmer, was mich allerdings gewundert hat Russen waren in diesem Hotel. War letzte Woche wieder einmal in Prag kaum widerzuerkennen. Noch ein Nachtrag zum Palasthotel am 29.06.1990 hat die Bank in der meine Frau beschäftigt war, ihr Jahresfest gefeiert, alles durfte in DM bezahlt werden, es hat auch nicht mehr lange gedauert bis das Hotel einem Neubau weichen mußte, bei der Demontage war ein guter Bekannter beteilig, aus vielen Zimmern führten Telefonleitungen ins NIRWANA.
Gruß aus Berlin und allen ein schönes Wochenend


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#40

RE: Vergnügungsmeile in der DDR ?

in Leben in der DDR 29.05.2013 12:12
von Paulaberlin (gelöscht)
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Kennt jemand ehemalige Mitarbeiter des Palasthotels/Sinusbar. Würde ihnen für einen Roman gern ein paar Fragen stellen.

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