#1

Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 12.10.2016 21:17
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Wie war er , der letzte Tag und die letzte Schicht.
Die Goldene Schicht !
Wusste jeder, wann sie ist ?
Ich hatte eine doppelte EK Schicht, denn wir sind beide gegangen.
Deshalb - Postenführerverwöhnung beidseitig.
Wie war euer Abschied von der GK ?
Dem Vieze - Unseren Nachfolgern ?
Die letzten Schnipsel von LO werfen !

Denkt ihr noch oft an diese sch___ oder auch besch______ Zeit zurück ?

Geht mal in euch !?

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#2

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 12.10.2016 22:48
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Ganz neu am Kanten beobachteten wir den Spieß und einige Helfer, wie sie vorn am 6-m Alulöffel einsammelten.
Vorher, bei der Ankunft in der Kompanie, wunderten wir uns über Kleiderbügel, die mit einem Faden zur Angel umgebaut wurden, mit dem Haken als "Angelhaken". Daneben lag ein Plastefisch. Kinder im Objekt?

Ein Jahr später spielten auch wir das Sporttoto der DDR nach, mit seinen 50 Sportarten - jeden Tag eine.
Die 1 war ............Angeln.

In der letzten Schicht gaben auch wir den Löffel ab. Ich hatte die Möglichkeit einen Alulöffel oben am BT-11-Führungspunkt zu befestigen. Mein gleichaltriger Schichtpartner und Zugführer hat es zugelassen. Ich sah den Löffel beim Weggehen noch in der Sonne glänzen.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#3

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 12.10.2016 23:40
von vs1400 | 2.387 Beiträge

die letzte schicht war ne erleichterung, Oss'n
und auch etwas wehmut. denn diesen teil der ddr hätte ich offiziell wohl nie wieder betreten dürfen und dieser damalige oberharz war wirklich sehr schön.

an meine letzte schicht erinnere ich mich schlichtweg nicht mehr, bin mir jedoch relativ sicher, dass ich den abschnitt rückwärts durchs gasstor toter-weg verlassen habe. dies war ein ritus, zu meiner zeit und es wurde von den kgsi auch jedesmal so eingerichtet, dass dieser aufzug den gab über diese gasse fahren lassen "musste".

mein heimigrab erstellte ich, ca. eine woche vor meinem abgang, auf dem großen winterberg und dass war es dann auch schon.
mit schnipseln und dergleichen hatte ich es nicht so.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#4

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 13.10.2016 10:11
von Heckenhaus | 5.127 Beiträge

29. April 1970

Lief alles ohne viele Faxen ab, letzte Schicht ebenfalls.
Dann ab nach Plauen ins GR, großer Appell, und ab zum Bahnhof, immer schön brav, um die Zeit nicht unnötig
zu verlängern. Schließlich war man noch bis 24 Uhr Armeeangehöriger, und im Falle von Randale bestand schon
die Möglichkeit, daß man bis zu diesem Zeitpunkt festgehalten wurde.
Die Fahrt nach Berlin, nach Hause, emotionslos. War eben Ende, Schluß, aus, nicht mehr und nicht weniger.
Keine Trauer, keine Euphorie, nichts, absolut nichts.
Dieses Kapitel des Lebens war für mich mit diesem Tage abgeschlossen.
.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#5

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 13.10.2016 10:23
von bürger der ddr | 3.598 Beiträge

Ich hatte keine letzte Schicht, ich war bei der PIK und die letzten Tage hatte ich als "Strafmaßnahme" Objektwache. Den Löffel haben wir einem "Vize" symbolisch überreicht.
Das war schon ein seltsames Gefühl hinten auf dem LKW (den man selber gefahren hat) zum letzten mal durch den Objekt Schlagbaum zu fahren....
Wenn ich das richtig nachfühle, etwas ungläubig und das Gefühl der Erleichterung, ich konnte es so richtig nicht fassen, endlich vorbei!



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#6

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 13.10.2016 10:32
von Hanum83 | 4.718 Beiträge

An irgendeine Wehmütigkeit kann ich mich nicht erinnern, nur an Freude nun endlich wieder zu Frau und Kind nach Hause zu dürfen.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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#7

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 13.10.2016 10:40
von bürger der ddr | 3.598 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #6
An irgendeine Wehmütigkeit kann ich mich nicht erinnern, nur an Freude nun endlich wieder zu Frau und Kind nach Hause zu dürfen.


Nicht wehmütig, ungläubig das nun endlich zum Glück diese Zeit vorbei war....., so lange auf diesen Tag gewartet.....



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#8

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 13.10.2016 10:47
von Hansteiner | 1.412 Beiträge

Ja, ungläubig trifft die Sache ganz gut !

VG H.



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#9

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 14.10.2016 11:45
von terraformer1 | 193 Beiträge

Ich habe als Unteroffizier auf Zeit im GR 42, 5. Grenzkompanie Heinersdorf gedient und wurde am 26.08.88 entlassen.

Zu der Zeit wurden gerade die Einberufungs- und Entlassungstermine für UAZ um zwei Monate nach vorne verlegt, so dass ich zu den Glücklichen gehörte, die nur zwei Jahre und 10 Monate dienen mussten.
Meine letzte Schicht war am 24.08.88, ein Nachtdienst im Sicherungsabschnitt III als Stellvertreter Zugführer.
Ich war also mit dem Trabant Kübel unterwegs. Mein Fahrer war ein EK der in zwei Monaten nach Hause gehen sollte. Sein Spitzname war "Moses". Da sich die Führungsstelle des Kommandeurs Grenzsicherung im Abschnitt III befand, musste ich diesen zu Dienstbeginn mit dorthin fahren. Es war an diesem Tag der stellvertretende KC, Offizier für Grenzsicherung, Hauptmann Li.... ein stämmiger, großer, gemütlicher 120 kg Typ.

Ich kann mich nur noch an wenige Rituale erinnern, die im GR42 in der letzten Schicht durchgeführt wurden. Ich hatte meine Unterfeldwebel-Schulterstücke gold bemalt. Das war so Tradition bei den UAZ. Die Beförderung hatte ich erst zwei Wochen vorher erhalten. Das hatte ich wohl meiner schlechten politischen Einstellung und dem noch schlechteren Verhältnis zu meinem KC Hauptmann Wu.... zu verdanken.
Gefreite haben übrigens ihren Balken in der letzten Schicht in Gold getragen.
Außerdem war es Tradition eine Zigarre zu rauchen und die Zigarrenhülse in den K6 zu stecken. Ob wir einen Löffel dabei hatten, weiß ich nicht mehr genau. Aber ich glaube ja.
Das mit dem Rauchen war für mich als Nichtraucher nicht ganz leicht. ;-)
Die Schicht war wohl ziemlich ruhig. Eine unauffällige Augustnacht am Kanten. Zum Schichtende habe ich den KGS von der Führungsstelle abgeholt und wir haben den Grenzabschnitt am Postenpunkt 44 verlassen. Normalerweise sind UAZ in ihrer letzten Schicht rückwärts aus dem Kanten raus gefahren, aber das war wegen "Offizier an Bord" nicht möglich. Also habe ich das GSZ-Tor und Hinterlandtor abgeschlossen und bin ein paar Schritte rückwärts zum Kübel gelaufen. Dann habe ich mich reingesetzt und wir sind zur Kompanie gefahren. Zum Hauptmann habe ich noch gesagt: "Wenn ich jetzt noch mal hier her will, werde ich wohl verhaftet." Der Hauptmann hat nur gegrinst.
Der 25.08.88 war es in der Kompanie ziemlich unruhig wegen Dienstumstellungen und Renovierarbeiten in einigen Zimmern. So bin ich kaum zum Schlafen gekommen. Abends haben wir wenigen EK-UAZ dann schon Zivil angezogen. Die Nacht zum Entlassungstag war genau so unruhig weil wir schon ein bisschen Party gemacht haben und die Kompanie am 26.08.88 zum Frühdienst ging.
Die Sachen hatten wir schon alle gepackt und gegen 9 Uhr kam ein W50 und hat uns ins Regiment in Klein Machnow abgeholt.
Eine Minute vor der Abfahrt kam unser KC Hauptmann Wu.... zum Dienst. Ich hatte ihn an diesem Tag noch nicht gesehen. Da wir uns nie gut verstanden haben, hätte ich auch gerne darauf verzichtet mich von ihm zu verabschieden. Da er aber nun vor mir stand wollte ich doch die Gelegenheit nutzen. Ich trat zu ihm und gab ihm die Hand und sagte: "Genosse Hauptmann, ich wünsche ihnen alles Gute und viel Erfolg bei ihrer weiteren Karriere in den Grenztruppen." Das grimmige Gesicht werde ich nie vergessen. Ich glaube ich habe ihn nur sehr selten lächeln sehen. Sein Spitzname in der Kompanie war "Bröckel". Alle kannten ihn, auch seine Stellvertreter. Nur er nicht. Er hat ihn erst hier im Forum durch mich erfahren. ;-)

In Klein Machnow haben wir dann unsere Klamotten und Ausrüstung abgegeben. Danach war Abschiedsessen für alle UAZ im Offizierskasino. Dabei war mir etwas wehmütig zu Mute, weil ich wusste, dass ich die Kameraden wohl nie wiedersehen würde, mit denen ich drei Jahre gedient hatte.
Am Tor standen schon mein Vater und meine Oma mit dem Auto und dann fuhren wir nach Hause.
Damit waren drei Jahre Grenztruppen beendet.


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#10

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 14.10.2016 12:00
von sentry | 1.081 Beiträge

Zitat von terraformer1 im Beitrag #9
Da wir uns nie gut verstanden haben, hätte ich auch gerne darauf verzichtet mich von ihm zu verabschieden. Da er aber nun vor mir stand wollte ich doch die Gelegenheit nutzen. Ich trat zu ihm und gab ihm die Hand ...



Kurz vor Aufsitzen zum Abmarsch ins Regiment zur offiziellen Verabschiedung mussten wir zu entlassenden Grundwehrdienstler bereits zivil gekleidet auf dem Hof antreten.
Der Kompaniechef sagte ein paar Worte und ging dann die Linie ab, um sich von jedem mit Handschlag zu verabschieden. Auch wir hatten ein äußerst schlechtes Verhältnis zu unserem KC (auch verbunden mit diversen passenden Spitznamen).

Wir allerdings hatten kein Bedürfnis "die Gelegenheit zu nutzen" und standen alle mit den Händen auf dem Rücken da, sahen ihm mit mehr oder weniger unbewegter Mimik in die Augen und ignorierten (bis auf einen Kameraden) die dargebotene Hand...


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#11

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 14.10.2016 14:48
von matzelmonier79-2 | 27 Beiträge

Meine letzte Schicht war eine Nachtschicht ( 21.00- 05.00 Uhr) genau so wie meine erste Schicht und Genau auf dem selben Postenpunkt
PP 19 nördlich TSE (Transit Strecke Eisenbahn) in Marienborn. War einfach nur ein Bunker.
Genau um 00.00 Uhr hat mir mein Posten in einem " Feierlichen Akt" meine Schulterstücken von der Uniform geschnitten und hat vor mir verbeugt
und mir eine gute Heimkehr gewünscht. Ich übergab ihm eine leere Handleuchter Verpackung, er steckte die Schulterstücken hinein, ich entfernte noch mein Kragenbinde( die ich schon mit " EK 79/2 Herbst- Heimat " beschriftet hatte ) und legte sie ebenfalls in die Verpackung. Danach ca. 10m
vom PP nach rechts auf dem K6 ein loch gegraben und Feierlich beerdigt. (Spurensicherheit wieder hergestellt) im Anschluss ernannte ich meinen Posten zum EK 80/1.
05.00 Uhr Rückmarsch ins Objekt, Diensnachbereitung, Nachtruhe bis 11.00 Uhr, Restabgabe von Waffen und Uniformen dann Zivilempfang, Mittagessen. 14.00Uhr Abschlussapell vor der Kompanie. Die neuen Genossen waren gerade aus Halberstadt eingetroffen. Wir haben noch unsere
leeren Bandmaßbehälter an sie übergeben mit dem Hinweis sie gut zu verstecken. Aufsitzen auf die LO`s und Abmarsch Richtung Oschersleben ins Regiment . Am KTP gab es dann noch ein Regen aus Braunen Plastetassen von jedem LO.
Es waren doch schon einige Emotionen dabei, weil man ja die Kammaraden warscheinlich nie wieder sieht .
Wenn man gewusst hätte das sich in 10 Jahren alles ändert. na ja

Grüße
matzelmonier79-2



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#12

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 14.10.2016 15:27
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Man war ja in einer ungeheuer guten Stimmung. Da schlägt man einen Handschlag nicht so selbstverständlich aus.

Sozusagen "gönnerhaft" gegenüber dem an dem Tage meist depressiv Zurückbleibenden, wirkte man sicherlich souveräner als immer noch eingeschnappt.


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#13

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 14.10.2016 17:42
von Mart | 734 Beiträge

An der Unteroffiziersschule hielt es sich mit Riten in Grenzen, es gab ja nur wenige Abgänger. Bezogen auf die Fachrichtung Nachrichten waren das aus dem Sicherstellungszug vielleicht 10 oder 15 Gefreite, aus den beiden UAK ganz wenige UaZ. Zwar hatte ich auch ein Bandmaß, aber da wurde schon mal vergessen, das abzuschneiden. Ich lebte ganz gut damit, dass ich die Auswüchse der EK-Bewegung nicht selbst erlebte: Ich hatte auch als E keinen Bedarf.

B/A-Abgabe war am Vortag. Da gab es auch die abschließende Belehrung: Geheimhaltung, nachträgliche Regressmöglichkeit, nichts schlechtes erzählen.

Am Entlassungstag war man in zivil. Nach einer kurzen Verabschiedung (auf der Kompanie war wegen Zwischenlehrgang kaum jemand) gab es ein relativ oppulentes Frühstück in der Fachrichtung. Es waren mehrere Offiziere anwesend, die Belehrung des Vortages wurde in freier Form im Grunde wiederholt. Auch die Taschen waren da schon dabei - vermutlich wollte man den Löffelkontakt verhindern.

Nach dem Frühstück ging es in lockerer Marschordnung zum KdL-1. Ich habe da keinen Löffel über den Zaun geworfen, ich kann mich zudem erinnern, dass auch keiner der Gefreiten derart veranstaltete. Ich kann mich gut erinnern, dass ich mich nicht umdrehte - das hatte ich mir vorgenommen. Und ich schwor mir, dass ich freiwillig nie wieder dort hin gehe (den Schwur brach ich später [¹]).

Von dort aus ging es ohne weitere Begleitung zu Fuß zum Bahnhof Perleberg. Im Bummelzug nach Wittenberge nahm ich mein EK-Tuch ab und verstaute es in meiner Reisetasche. Ich sah keinerlei Grund, mich auch noch freiwillig eine Sekunde länger als zugehörig zu outen. Bei jedem weiteren Zughalt wurde die Zahl der Entlassenen im Zug und auf den Bahnsteigen höher - und auch deren Alkoholpegel. Meiner nicht - mit diesen komischen Gestalten mit den noch komischeren Tüchern hatte ich nichts zu tun.

Das Leben hatte mich wieder - nach drei verlorenen Jahren meiner Jugend.

Anmerkungen:
Später sah und sehe ich das differenzierter: Einerseits sehe ich die drei Jahre noch immer als verlorene Jahre. Aber ich habe durchaus das eine oder andere gelernt. Das wurde später dann für mich wichtig.

[¹] Nie wieder - den Schwur brach ich. Allerdings erst nach der Wende. Da fuhr und fahre ich mit Neugier nach Perleberg und zur nun ehemaligen Kaserne. Und die nette Kleinstadt kann ja eigentlich nichts dafür.


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#14

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 14.10.2016 20:24
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Danke für euren Tollen Berichte.
So etwas liest der Oss`n gern.
Beitrag 10 hat mich besonders berührt - da ist halt jeder anders .

Bei mir war das so :
Ich müsste noch einmal nach schauen, wann meine goldene Schicht war.
Ich habe das nicht mehr im Kopf.
Eines weis ich aber und das war alles andere als ich das erwartete.
Ich hatte meine letzte Schicht mit einen Stubenkammeraden, der auch "ging".
Keiner von uns (glaube ich) wusste das.
Wir sind nach der Schicht raus und waren von dort an nicht mehr eingesetzt.
Die letzten 3-4 Tage haben wir auf der Kompanie ab gegammelt.

Zur Verabschiedung und dem damit verbundenen Ausfahrt mit dem LO zum Tor raus kann ich mich noch ganz genau erinnern.
Unser KC hatte uns gewarnt:
Fallen Schnipsel, dient ihr nach.
Keiner hat sich getraut - alle wollten nur nach hause.

Der PF mit dem ich meine letzte Schicht hatte, wollte (obwohl er der Liebling der Gruppe war) nach dem GWD nix mehr von uns wissen.
Besuchen ? Nö.
Treffen ? Nö.
Naja, da kann man sich sein eigenes Bild machen.
Die Fahrt aus den Tor war für mich wie ein neuer Anfang.
Man hatte (zumindest an der Grenze) genug Zeit Pläne für die Zukunft zu schmieden und das hatte ich getan.
Pläne ohne Ende.
Mit der Wende brauchte ich neue Pläne .

Fazit letzte Schicht: Ein Lebensabschnitt ging zu Ende !!

Man war reifer, hatte mehr Lebenserfahrung und konnte sein Leben neu bzw. anders ausrichten.

18 Monate GWD - es hat mir gestunken - aber ich denke gern daran zurück !

Oss`n


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zuletzt bearbeitet 14.10.2016 20:26 | nach oben springen

#15

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 14.10.2016 23:13
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Ich denke, man hat sein Leben vor der Armeezeit ausgerichtet und danach das gemacht, was vorher geplant war, oder?


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#16

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 14.10.2016 23:49
von vs1400 | 2.387 Beiträge

dein oder, Freienhagener,
macht mich nachdenklich.
warum?
für viele hatte sich während dieser zeit ( in der masse gwdl'er) das private leben extrem verändert und dass ohne wirklich eine eigenschuld erkennen zu können ( gwd war pflicht), die möglichkeit an der situation wirklich etwas ändern zu können war nicht gegeben .

egal ...
in der masse mag es so geklappt haben.
doch nicht wenige blieben auf der strecke und dass war echt schade.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#17

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 15.10.2016 02:14
von andyman | 1.875 Beiträge

Der letze Tag war für mich sehr unspektakulär.Das Frühstück in Zivil im GKM war ohne Höhepunkte,danach Übergabe der Ausrüstung Waffenkarte und was sonst noch dazu gehörte.Die Übergabe von Fahrzeugen fand bereits in den Tagen vorher statt und jeder hatte sich bereits von seinem aktuellem Dienstherren verabschiedet.Es folgten Belehrungen über Schweigepflicht,Verhalten in der Öffentlichkeit usw.und danach konnte man sich von Angehörigen abholen lassen was ich dankend angenommen habe.Es war am vormittag so gg.11.00 Uhr als ich nach Verabschiedung von den Kameraden im Clubraum,das Objekt verlassen habe.Alle anderen EK`S,wir waren ca.30Mann, wurden dann mit dem LO Bus nach Lichtenberg oder Schöneweide gebracht um ihre Züge zu erreichen.Es wurde viel Wert auf unverzügliche Abreise aus der Hauptstadt gelegt,vielleicht ging die Angst um man könnte irgendwo versacken.
Nach der Entlassung fuhren wir erst in die Wohnung von meinem Bruder,danach ins Kaufhaus am Ostbahnhof,wo ich per Zufall mein Tonbandgerät B93 erwerben konnte.Danach war feiern angesagt,es war immerhin der Vorabend meines 21.Geburtstages,der 24.Oktober 79.Ich erinnere mich dunkel an das Ballhaus in der Auguststraße.Genau ein Jahr später trafen sich die EK`s meines Zuges nochmal in Berlin,wo wir mit großem Hallo meinen Geburtstag gefeiert haben und das war dann auch der endgültige Abschluß dieses Kapitels.
Zu einem Kameraden habe ich immer noch Kontakt,nach jetzt 37 Jahren.
Lgandyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
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zuletzt bearbeitet 15.10.2016 02:21 | nach oben springen

#18

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 15.10.2016 04:11
von Major Tom | 851 Beiträge

Wie ging das dann nach der Grenze weiter, wurde Euch Geld bezahlt bis Ihr wieder im Beruf wart oder hattet Ihr Urlaub?


Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
http://www.costarica-forum.net
http://directorios-costarica.com
http://www.link-team.net
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#19

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 15.10.2016 09:41
von Heckenhaus | 5.127 Beiträge

Zitat von Major Tom im Beitrag #18
Wie ging das dann nach der Grenze weiter, wurde Euch Geld bezahlt bis Ihr wieder im Beruf wart oder hattet Ihr Urlaub?

Man hat nahtlos wieder im alten Betrieb angefangen. Manch einer blieb ein paar Tage unbezahlt zu Hause, aber dann rief
der Job, der hundertprozentig sicher war.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#20

RE: Nicht der erste sondern der letzte Tag - wie war der für euch ??

in Grenztruppen der DDR 15.10.2016 10:48
von Krepp | 533 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #19
Manch einer blieb ein paar Tage unbezahlt zu Hause, aber dann rief
der Job, der hundertprozentig sicher war.


Und diese paar Tage fehlen heute als Beitragspflichtige Zeiten im Rentenbescheid



Gruß aus Leipzig
I/1979-II/1979 GAR05 GAK9
II/1979-II/1980 GR6 3.GB 10.GK Zarrentin
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