#61

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 15:10
von Alfred | 6.841 Beiträge

Erstens stimmt dies so nicht, zweitens sollten wir mal beim Thema / Buch bleiben.


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#62

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 15:54
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #59
Zitat von Gert im Beitrag #57
Zitat von Ebro im Beitrag #52


welchen "Schaden" richtet ein solcher Jurist an, wenn er Eierdiebe verurteilt ? Oder Leute die zu schnell gefahren sind?


Welchen Schaden würden denn ehemalige hauptamtliche MA des MfS bei der Müllabfuhr oder anderweitig im öffentlichen Dienst anrichten?


wozu müssen MfS Angehörige im öffentlichen Dienst arbeiten ? Es besteht überhaupt keine Notwendigkeit, dass der Staat sie einstellt zumal es genug Leute gibt die nicht im MfS waren. In der privaten Wirtschaft gibt es genug Arbeitsplätze und die interessiert es nicht ob MfS oder nicht. Die interessiert nur, ob du die ausreichende Quali hast. Natürlich für Vernehmer z.B. von HSH ist es schwierig, das kann ich verstehen.



Gert,

dass Thema MfS und entsprechende Arbeit gehört hier zwar nicht her aber ich könnte zig Beispiele nennen, wo auf die Arbeitgeber entsprechender Druck ausgeübt wurde, MA des MfS zu entlassen.

Du lebst in einigen Bereichen in einer Traumwelt.[/quote]

@Alfred, ich gebe gern zu dass du über das MfS mehr bescheid weisst als ich. Aber vorne liege ich mit meiner Erfahrung, wie Arbeitgeber in diesem Land ticken. Da habe ich genug Erfahrung gesammelt und daher weiss ich was ich schreibe. Es sind keine Träume, wie du sie in deiner allseits bekannten Desinformationsstrategie hier postulierst, sondern reale Erfahrungen in 39 Jahren Berufstätigkeit in der Bundesrepublik erworben.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#63

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 15:57
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #61
Erstens stimmt dies so nicht, zweitens sollten wir mal beim Thema / Buch bleiben.



das was Marienborn versucht zu erklären, hat sehr wohl etwas mit dem Thema zu tun. Wer lesen kann ist klar im Vorteil.
Wieder diese aus alten Zeiten mitgebrachte Desinformation/Zweifel verbreiten usw.


.
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#64

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 16:01
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Marienborn89 im Beitrag #58
Zitat von Gert im Beitrag #55
Für die Westmächte war das keine Frage. Kohl hat das erkannt zugepackt. Mit Putin wäre in der Richtung kein Millimeter gegangen.


Rot: Das ist nicht richtig. Thatcher und Mitterand hatten massive Vorbehalte und die Einführung des Euro ist eine der Folgen der Wiedervereinigung. Entgegen aller Propaganda ist der Euro kein Erfolgskonzept und das wussten auch in den 90ern schon einige. Das Ende des Euros werden wir alle noch erleben, da mache ich mir keine Sorgen.

Grün: Das ist schlicht eine Mutmaßung. Putin hatte in den frühen Neunzigern eine sehr Jelzin-freundliche Einstellung, also ist eine damalige völlig reformunwillige Haltung seinerseits fast auszuschließen.


was hatten denn Thatcher und Mitterand denn schon zu sagen ? Entscheidend waren Moskau und Washington und das wars


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#65

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 16:58
von Lutze | 8.034 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #45
So ein blödes Thema, mein Vater war bei der Waffen-SS und ich habe ihn trotzdem lieb gehabt weil er einfach lieb war zu mir.
Der hat mit 14 Jahren 1936 Hauer im Steinkohlenschacht gelernt und den Beruf von 1943 bis 1953 in der Sowjetunion ausgeübt und dann in der DDR bis er sogar Steiger war, alles ganz normal, auf seiner Stirn stand nicht Nazi.
Warum sollte da ein Jurist nicht seinen Beruf in der BRD ausüben dürfen?
Wir haben doch einfach einen an der Klatsche, es muss doch mal gut sein mit der alten Scheiße.


Auf der Stirn sicherlich nicht,viele hatten aber eine Blutgruppentätowierung
am linken Oberarm
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#66

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 17:19
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #62
Zitat von Alfred im Beitrag #59
Zitat von Gert im Beitrag #57
Zitat von Ebro im Beitrag #52


welchen "Schaden" richtet ein solcher Jurist an, wenn er Eierdiebe verurteilt ? Oder Leute die zu schnell gefahren sind?


Welchen Schaden würden denn ehemalige hauptamtliche MA des MfS bei der Müllabfuhr oder anderweitig im öffentlichen Dienst anrichten?


wozu müssen MfS Angehörige im öffentlichen Dienst arbeiten ? Es besteht überhaupt keine Notwendigkeit, dass der Staat sie einstellt zumal es genug Leute gibt die nicht im MfS waren. In der privaten Wirtschaft gibt es genug Arbeitsplätze und die interessiert es nicht ob MfS oder nicht. Die interessiert nur, ob du die ausreichende Quali hast. Natürlich für Vernehmer z.B. von HSH ist es schwierig, das kann ich verstehen.



Gert,

dass Thema MfS und entsprechende Arbeit gehört hier zwar nicht her aber ich könnte zig Beispiele nennen, wo auf die Arbeitgeber entsprechender Druck ausgeübt wurde, MA des MfS zu entlassen.

Du lebst in einigen Bereichen in einer Traumwelt.


@Alfred, ich gebe gern zu dass du über das MfS mehr bescheid weisst als ich. Aber vorne liege ich mit meiner Erfahrung, wie Arbeitgeber in diesem Land ticken. Da habe ich genug Erfahrung gesammelt und daher weiss ich was ich schreibe. Es sind keine Träume, wie du sie in deiner allseits bekannten Desinformationsstrategie hier postulierst, sondern reale Erfahrungen in 39 Jahren Berufstätigkeit in der Bundesrepublik erworben. [/quote]


Gert,

wie viele MA des MfS kennst Du denn die nach 1990 einen neuen Arbeitsplatz gesucht haben ? Ich gehe mal davon aus, dass ich da einen besseren Überblick habe und auch darüber wie ein Teil der Arbeitgeber mit ihnen umgegangen ist.


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#67

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 17:20
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #63
Zitat von Alfred im Beitrag #61
Erstens stimmt dies so nicht, zweitens sollten wir mal beim Thema / Buch bleiben.



das was Marienborn versucht zu erklären, hat sehr wohl etwas mit dem Thema zu tun. Wer lesen kann ist klar im Vorteil.
Wieder diese aus alten Zeiten mitgebrachte Desinformation/Zweifel verbreiten usw.



Gert, es geht hier um eine Buchvorstellung bzw. um das BMJ.


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#68

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 17:38
von Ebro | 565 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #62
Zitat von Alfred im Beitrag #59
Zitat von Gert im Beitrag #57
Zitat von Ebro im Beitrag #52


welchen "Schaden" richtet ein solcher Jurist an, wenn er Eierdiebe verurteilt ? Oder Leute die zu schnell gefahren sind?


Welchen Schaden würden denn ehemalige hauptamtliche MA des MfS bei der Müllabfuhr oder anderweitig im öffentlichen Dienst anrichten?


wozu müssen MfS Angehörige im öffentlichen Dienst arbeiten ? Es besteht überhaupt keine Notwendigkeit, dass der Staat sie einstellt zumal es genug Leute gibt die nicht im MfS waren. In der privaten Wirtschaft gibt es genug Arbeitsplätze und die interessiert es nicht ob MfS oder nicht. Die interessiert nur, ob du die ausreichende Quali hast. Natürlich für Vernehmer z.B. von HSH ist es schwierig, das kann ich verstehen.



Gert,

dass Thema MfS und entsprechende Arbeit gehört hier zwar nicht her aber ich könnte zig Beispiele nennen, wo auf die Arbeitgeber entsprechender Druck ausgeübt wurde, MA des MfS zu entlassen.

Du lebst in einigen Bereichen in einer Traumwelt.


@Alfred, ich gebe gern zu dass du über das MfS mehr Bescheid weisst als ich. Aber vorne liege ich mit meiner Erfahrung, wie Arbeitgeber in diesem Land ticken. Da habe ich genug Erfahrung gesammelt und daher weiss ich was ich schreibe. Es sind keine Träume, wie du sie in deiner allseits bekannten Desinformationsstrategie hier postulierst, sondern reale Erfahrungen in 39 Jahren Berufstätigkeit in der Bundesrepublik erworben. [/quote]

Ach@ Gert, so richtig hast Du keine Ahnung, und davon recht viel. Ich weiß nicht, ob ich es schon mal geschrieben hatte, ich war vor 6 Jahren arbeitslos. Bewerbungen ohne Ende geschrieben, endlich ein Vorstellungsgespräch. Ich fuhr dorthin, war nicht weit von meinem Dorf. Da saß dann der Personaler, guckte mich lange an und meinte dann: " so sieht also ein ehemaliger Offizier des MfS aus, das wollte ich nur mal sehen. Und jetzt können Sie wieder gehen!"
Und ich weiß, ich bin nicht der Einzige, dem seine Vergangenheit in der Privatwirtschaft auf den Fuß fiel, also erzähle nicht immer so einen Mist, Du hast überhaupt keinen Schimmer!!!



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zuletzt bearbeitet 14.10.2016 17:39 | nach oben springen

#69

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 19:07
von bürger der ddr | 3.614 Beiträge

Diese ganze Diskussion isrt eigentlich für die Katz....

Mich ärgert nur eines, die Ungleichbehandlung!

Fern von jeder Ideologie und Siegerjustiz, wie kann ich (als der gleiche Staat) erst alte Nazirichter dulden, Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes (GESTAPO) die vollen Rentenbezüge gewähren und nach der "Wende" Mitarbeitern von "staatsnahen Institutionen" die Rente kürzen?

Hier zeigt sich für mich die Verlogenheit der Politik und diese Verlogenheit nimmt heute neue Formen an.



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#70

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 19:24
von IM Kressin | 914 Beiträge

Vorher schon einmal habe ich in einem anderen Thread beschrieben, wie die Übernahme von NS-Juristen und „alten Kameraden“ in den Justizdienst erfolgte und durch „Modifikation“ der Gesetze durch den seinerzeitigen Ministerialbeamten Eduard Dreher eine Strafverfolgung nicht möglich bzw. verhindert oder behindert wurde.

Die Erkenntnisse des hier in Rede stehenden Geschichtswerkes „Die Akte Rosenburg“ sind nicht neuwertig.

Filmisch wurde diese Angelegenheit mit einer Kino- bzw. Fernsehproduktion des Regisseur
Wolfgang Staudte 1959 mit dem Film „Rosen für den Staatsanwalt“ aufgegriffen.

Kurz zum Inhalt:

Kriegsgerichtsrat Dr. Wilhelm Schramm verurteilt den Gefreiten Rudi Kleinschmidt wegen Diebstahl von zwei Dosen Scho-Ka-Kola zum Tode. Auf dem Weg zur Hinrichtung wird der Trupp vor der Exekution am Waldrand angegriffen und Rudi kann entkommen.

Nach dem Krieg treffen der entnazifizierte Oberstaatsanwalt Schramm und Rudi Kleinschmidt wieder aufeinander...

Viele werden den Film kennen, sofern das nicht der Fall ist, Angucken lohnt sich.


Die Redaktion „Kontraste“ brachte 2014 im Fernsehen einen vom WDR und BR produzierten und ausgestrahlten Beitrag.

„Akte D: Das Versagen der Nachkriegsjustiz“

Es soll weder etwas beschönigt noch unter den Teppich gekehrt werden.

Ich stelle meinen Beitrag deshalb ein weiteres Mal ein und erläutere die Vertuschung und Vernebelungstaktik am Beispiel von SS Obersturmbannführer Dr. Friedrich Engel.

Der Text ist ausgedehnt, um die juristischen Purzelbäume zu überblicken, leider nicht komprimiert zu präsentieren.

.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Obersturmbannführer Engel wurde 1944 zur Partisanenbekämpfung nach Italien versetzt und Befehlshaber der Sicherungspolizei Genua.

Nach einem Partisanenanschlag, bei dem 5 deutsche Soldaten getötet wurden, ließ er 59 italienische Gefangene erschießen.

Diese und weitere von ihm zu verantwortende Maßnahmen brachten ihm den Beinamen „Schlächter von Genua“ ein.

1945 nahmen US-Soldaten ihn in Italien gefangen und brachten ihn in ein Gefangenenlager nach Oberursel. Engel leugnete die ihm zur Last gelegten Taten, doch die Beweislast war erdrückend.

1947 gelang ihm die Flucht mit einen gefälschten Entlassungsschein auf den Namen „Schottenberg“. Engel setzte sich zunächst in die Ostzone ab, denn dort wurde er nicht gesucht.

Er verdingte sich dort mehrere Monate als Waldarbeiter und trat später eine Stelle als Bademeister in Braunlage an.

Alte Kameraden vermittelten ihn an eine Holzimportfirma nach Hamburg. Dort beginnt eine typische Nachkriegskarriere zur Normalität der 50er Jahre.

Die Bundesregierung möchte Beamte aus dem Staatsapparat wieder einstellen, die von ihren Ämtern auf Grund der NS-Vergangenheit entfernt wurden.

Konkret: Wie arrangierte man die Einstellung von Gestapo-Beamten, ohne dass die Alliierten Anstoß daran nehmen.
Zu diesem Zweck wurde der Artikel 131 GG zum Beamtenrecht aufgenommen.

Eine Durchführungsbestimmung zum „131er“ regelte:

„Gestapo-Beamte sind von einer Übernahme ausgeschlossen.
Es sei denn, sie sind – von Amts wegen – zur Gestapo beordert worden.“

Was klingt wie eine Ausnahme, wurde zum Normalfall.
Jeder Gestapo-Beamte war – von Amts wegen – zur Gestapo beordert worden.

50.000 Angehörige der Gestapo gelangten zurück in den Staatsdienst und wurden übernommen.

Dieses Gesetz wurde von Spezialisten vorbereit und als einfache Sache den Abgeordneten verkauft, dass nicht jeder die verborgene, dahinter stehende Absicht erkennt.

Durch diese Aktion gelangten NS-Juristen des ehemaligen Reichsjustizministeriums in das neu gegründete Bundesjustizministerium.

Die weiteren Einstellungen in das Bundesjustizministerium waren ab hier nur noch Formsache. Man „hat sich geholfen“ in der Hochburg der Ehemaligen!

Dem Bundesjustizministerium oblag die „pflichtgemäße Überprüfung der Wiedereinstellung“. Damit wurde der Bock zum Gärtner gemacht.

Es ist kein Fall bekannt geworden, wo ein Mitarbeiter des Reichsjustizministeriums für sein Verhalten in der Zeit von 1933 – 1945 zur Rechenschaft gezogen worden ist.

Friedrich Engel lebt weiter unter seinem Tarnnamen in Hamburg.

1954 wird ein „Amnestiegesetz“ verabschiedet, das die Möglichkeit bietet, sich zu offenbaren und ohne eine Strafe befürchten zu müssen, seinen Namen wieder anzunehmen. Nach dem Grund für die Illegalität fragt niemand.

Die strafrechtliche Ahndung kommt zum Erliegen.

1958, die Zeit der NS-Prozesse scheint vorbei zu sein, kommt es in Ulm zu einem neuen Verfahren.

Angeklagt werden 10 ehemalige SS-Führer, die sich wegen Massenerschießungen in Litauen verantworten sollen.

Der „Einsatzgruppenprozeß“ wird zum Medienereignis. Kleinste und grausame Details werden von Fernsehkameras in deutsche Wohnzimmer übertragen. Die Öffentlichkeit ist schockiert über die im Osten begangenen Verbrechen. Die Ermordung von 5000 Zivilisten wurde nachgewiesen.

Das Gericht erklärt Hitler, Himmler, Heydrich und das nähere Umfeld zu Haupttätern. Die Angeklagten haben als „Werkzeug des Führers“ gehandelt und sind als Handlanger anzusehen.
Dadurch wurden sie zu „Gehilfen“.

Aus tausenden von Tätern wurden auf diese Weise Gehilfen.

Für den künftigen Umgang mit NS-Tätern in der BRD war dies eine Weichenstellung. Amtsleiter im Reichssicherheitshauptamt wurden zu Gehilfen.

Im Ausland wurden die Urteile sehr kritisch gesehen, die bundesdeutsche Politik mußte reagieren.

Die „Zentralstelle für Aufklärung von NS-Verbrechen“ wurde in Ludwigsburg angesiedelt.

Während Friedrich Engel weiterhin Karriere machte, sammelten Militärstaatsanwälte in Italien weiterhin Beweise für seine Verbrechen.

Sie vernahmen Zeugen, führten Exhumierungen durch, ermittelten die an den Verbrechen beteiligten Truppen und stellten fest, wer die Kommandogewalt hatte.

1956 trifft sich der italienische Außenminister zu vertraulichen Gesprächen mit Bundeskanzler Adenauer in der Bundesrepublik.

Es geht um den deutschen Wehrbeitrag zur NATO.

Für den Beitritt zur NATO stellte Adenauer die Bedingung, dass im Ausland keine Verfahren gegen ehem. dt. Soldaten angestrengt werden.

Dieser Kuhhandel war brisant: Hunderte von Akten mit Beweisen über deutsche Kriegsverbrechen wurden aus dem Verkehr gezogen und weggeschlossen. Zahlreiche Ermittlungen im Ausland wurden auf Eis gelegt.

Davon betroffen war auch die Akte von Friedrich Engel.

1962 wird Wolfgang Fränkel Generalbundesanwalt.

Auf Nachfrage des Bundesjustizministeriums erklärt er, nicht an Todesurteilen des NS-Staates beteiligt gewesen zu sein.

Die Akten des Reichsjustizministeriums lagerten in Ostberlin.

Durch eine in Ost-Berlin veranstaltete Pressekonferenz gelangten Beweise an die Öffentlichkeit, das Fränkel in 44 Fällen von ausgesprochenen Haftstrafen, diese in Todesurteile umwandelte.
Dazu gehörte ein von Ihm verhängtes Todesurteil für den Diebstahl von einem Laib Brot.

Die Recherchen des Magazins Kontraste weichen in diesem Punkt von den Angaben in Wikipedia ab.

Es folgte der Rücktritt des Generalbundesanwalts. Die bundesdeutsche Justiz, zu diesem Zeitpunkt selbst belastet, zeigte kein Interesse an einer Strafverfolgung.


1963 werden im sogenannten „Auschwitz-Prozeß“ 22 Mitglieder der Lagermannschaft für die Beteiligung am Massenmord angeklagt.

Das Gericht beharrt auf den Nachweis einzelner Morde. Jede Tat sollte so belegt werden, als ob sie fotografiert worden wäre.

Das Gericht verlangte von den Zeugen, die selbst Opfer waren, Beweise für die Taten zu liefern. Lückenlose Beweise waren oft nicht mehr zu erbringen.

18 der 22 Angeklagten wurden für eine Mordtat verurteilt, zahlreiche weitere Ermittlungen wurden eingestellt.

Diese Urteile hatten fatale Auswirkungen auf künftige Ermittlungen.

Die Mithilfe der Beteiligung an einem Mord reichte nicht mehr aus für eine Verurteilung, es mußte die konkrete Einzeltat nachgewiesen werden.

Aufgrund des in Jerusalem durchgeführten „Eichmann-Prozesses“ erhält Dr. Friedrich Engel eine Vorladung der Hamburger Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwälte ermitteln hinsichtlich des Holocaust zur Deportation von Menschen.

Engel erklärt, an Deportationen nicht beteiligt gewesen zu sein und wird, wie weitere 300 Schreibtischtäter im Bundesjustizministerium, nicht weiter behelligt.

Die von ihm zu verantwortenden Massenerschießungen sind nicht Gegenstand des Ermittlungsverfahrens.

Ein zusätzliches Gesetz wird durch den Bundestag gepeitscht mit folgendem Wortlaut: „Fehlen besondere Verhältnisse, persönliche Eigenschaften oder Umstände, welche die Strafbarkeit des Täters begründen beim Teilnehmer, so ist dessen Strafe nach den Vorschriften über die Bestrafung des Versuches zu mildern.“

Der Trick dahinter:

NS-Verbrecher können nicht mehr wegen Beihilfe zum Mord angeklagt werden sondern nur wegen Beihilfe zum Totschlag.

Die Beihilfe zum Totschlag für NS-Taten ist somit verjährt.

Der Initiator und verantwortliche Ministerialbeamte Eduard Dreher wird später behaupten, die juristischen Folgen seien ihm nicht bewußt gewesen.

Eduard Dreher war zur Zeit des Nationalsozialismus Staatsanwalt am Sondergericht in Innsbruck.

Das Gesetz, das Straffreiheit für tausende NS-Verbrechen garantiert, wird vom Bundesgerichtshof bestätigt.

Die Gehilfen des Dritten Reiches im Sicherheitshauptamt konnten aufatmen, Riesenprozesse platzten, einmal verjährt war immer verjährt.

In den 70er Jahren störten die USA den Frieden.

Sie boten der Bundesregierung an, Akten und Datenmaterial von 13 Millionen Deutschen (Mitgliedschaften in Partei und staatlichen Organisationen) zu überlassen.

Auf Grund der Brisanz des Materials und des sich abzeichnenden großen Mediendrucks entwickelte sich ein weiterer Kuhhandel.

Die Daten waren in den USA sicher und sollten keinesfalls nach Deutschland gelangen. Die Bundesregierung betrieb ein doppeltes Spiel.

Offiziell würde die unverzügliche Herausgabe verlangt werden. Man erwarte jedoch von den USA einen ablehnenden Bescheid.

Washington spielte mit. Das Parlament wurde belogen. Das Volk erfuhr nicht, dass 26 Bundesminister und 2 Bundespräsidenten der NSDAP angehörten.

Mit dem Ende des Kalten Krieges öffneten sich 1989 weitere Archive und Akten.

In Italien entdeckte ein Justizbeamter die bisher unter Verschluß gehaltenen Akten Dr. Friedrich Engels.

Engel, der in Hamburg lebte, wurde in Abwesenheit der Prozeß gemacht und zu lebenslanger Haft verurteilt. In Deutschland nahm kaum jemand Notiz von dem Prozeß.

Ein Journalist des Magazins Kontraste wurde auf den Prozeß aufmerksam und erkundigte sich im Jahr 2000 bei der Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen nach dem Stand der Ermittlungen.

Die Behörde gab die Auskunft, dass die Ermittlungsmöglichkeiten erschöpft sind. Von Hamburger Behörden wurde mitgeteilt, dass der Aufenthaltsort der Person nicht festgestellt werden kann.

Der Journalist konfrontierte den Behördenmitarbeiter mit der Telefonnummer und der Anschrift der Person Engel aus dem Hamburger Telefonbuch.

Der Mitarbeiter erklärte lakonisch: „Bei der Suche nach Verdächtigen ist es nicht die Art und Weise der Ermittlungsbehörde, Telefonbücher zu lesen.

Ein TV-Team des Magazins suchte den um 60 Jahre älter gewordenen Engel auf und traf ihn unter der im Telefonbuch genannten Adresse bei der Gartenarbeit an. Zu einem Interview war er nicht bereit.


2001 verbrachte Bundeskanzler Gerhard Schröder seinen Urlaub in Italien. Der zu diesem Zeitpunkt amtierende italienische Justizminister besuchte den Bundeskanzler an seinem Urlaubsort und sprach den Sachverhalt Engel erneut an.

Friedrich Engel wurde verhaftet und am 7. Mai 2002 erneut der Prozeß eröffnet.

Wegen „besonderer Grausamkeit bei der Massenerschießung“ wird Friedrich Engel zu 7 Jahren Haft verurteilt.

Engel geht in Revision, der Bundesgerichtshof kassiert das Urteil wieder ein.

Die Massenerschießung war durch das Kriegsrecht abgedeckt.

Die Tat war grausam, sei aber nicht „absichtlich grausam“ gewesen. Die Erschießungen hätten nicht anders durchgeführt werden können.



Dr. Friedrich Engel stirbt 2 Jahre später, im Jahr 2003.

.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Die Akte Rosenburg ist für mich eine alte Kamelle, welcher Erkenntnisgewinn ist noch zu erwarten?

"Kein Ende der Geschichte" sagt Bundesjustizminister Heiko Maas.

„Ich bin überzeugt: Das Wissen um die Geschichte schärft die Sinne dafür, wenn heute Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit wieder in Frage gestellt werden!“ so der Minister.

Ich stelle keine Grundfeste in Frage, die Publikation im gegenwärtigen Zeitpunkt ist vordergründig.

Wer mag, darf weiter dran ziehen am Endloskaugummi, er ist schlecht kaschiert.


Es grüßt Euch

Kressin


"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

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#71

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 19:26
von linamax | 2.019 Beiträge

Ich frage mich nur die ewigen Jammerer, was wäre gewesen ,wenn die DDR die BRD übernommen hätte .


IM Kressin und Hapedi haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#72

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 19:30
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #71
Ich frage mich nur die ewigen Jammerer, was wäre gewesen ,wenn die DDR die BRD übernommen hätte .


Und ich frage mich---wenn es das 3.Reich nicht gegeben hätte --dann hätte es keine DDR und BRD gegeben. Jaja --hätte,hätte


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#73

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 19:33
von linamax | 2.019 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #72
Zitat von linamax im Beitrag #71
Ich frage mich nur die ewigen Jammerer, was wäre gewesen ,wenn die DDR die BRD übernommen hätte .


Und ich frage mich---wenn es das 3.Reich nicht gegeben hätte --dann hätte es keine DDR und BRD gegeben. Jaja --hätte,hätte

Und ich frage mich ob die DDR in diesen Falle auch so human mit dem Klassenfeind um gegangen wäre .


Hapedi, IM Kressin und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#74

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 19:36
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Ebro im Beitrag #68



Zitat


Ach@ Gert, so richtig hast Du keine Ahnung, und davon recht viel. Ich weiß nicht, ob ich es schon mal geschrieben hatte, ich war vor 6 Jahren arbeitslos. Bewerbungen ohne Ende geschrieben, endlich ein Vorstellungsgespräch. Ich fuhr dorthin, war nicht weit von meinem Dorf. Da saß dann der Personaler, guckte mich lange an und meinte dann: " so sieht also ein ehemaliger Offizier des MfS aus, das wollte ich nur mal sehen. Und jetzt können Sie wieder gehen!"
Und ich weiß, ich bin nicht der Einzige, dem seine Vergangenheit in der Privatwirtschaft auf den Fuß fiel, also erzähle nicht immer so einen Mist, Du hast überhaupt keinen Schimmer!!!



och Freund @ebro, da läuft dir ein solch Debiler über den Weg und da bastelst du gleich eine Allgemeine Aussage daraus. Du warst auch schon mal besser


.
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#75

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 21:20
von IM Kressin | 914 Beiträge

Zitat von Marienborn89 im Beitrag #60
Wenn ein Ideologie-System zusammenbricht und das betroffene Land muss von vorne anfangen, dann ist es in vielen Bereichen einfach nicht möglich, bei Null zu beginnen.
Neue Justiz, Hochschulen, Verwaltung, Medien etc. pp. können nicht aus dem Boden gestampft werden.
Da werden eben nur die aussortiert, die ganz oben auf der Liste stehen.

Da herrscht ein ziemlicher Pragmatismus vor und es war auch kein Zufall, dass die Aufarbeitung in der BRD zwei Jahrzehnte nach 1945 begann.

Die DDR hat dagegen nie Aufarbeitung betrieben, sondern hat einfach behauptet, es gebe keine faschistischen Altlasten. Das war ziemlich naiv und Augenwischerei und es entsprach nicht der Wahrheit, jedenfalls nicht so, wie die DDR es propagiert hat.


Prägnante Zustandsbeschreibung des Entwicklungsprozesses der beiden deutschen Staaten.

Ich bin nur etwas pessimistisch, damit sind wir allein auf weiter Flur.

Das ist der Casus knaxus oder allgemeinverständlich:

Hier liegt der Hund begraben.

Am Beispiel von Generalmajor Wilhelm Adam

Wer Nazi ist, bestimmen wir (2)

wird dies sichtbar.


Sühnen mussten die Verführten, der Verführer wurde rehabilitiert, erhält den Schein von Spee „die schlaue Art zu waschen“.

In einem russischen Holzhaus, mit einem russischen Ofen, angenehm warm, lässt es sich aushalten und haushalten mit dem
Sozialismus, mit Gesprächen in freundlicher Atmosphäre, guter Verpflegung und Kooperation.

Der Gewandelte zieht alsdann aus, sein Land vor dem Bösen zu retten, wird Finanzminister im Lande der Sachsen und macht
weiterhin Karriere.

Der NS-Offizier Wilhelm Adam, der bis zu seiner Gefangennahme die Leitbilder des NS-Regimes hochstilisierte,

17-jährige Bengel zu Grunde richtete, die den von ihm propagierten Mist geglaubt haben, dafür ins Lager gingen oder ohne

Umweg erschossen wurden, dieser NS-Generalstabsoffizier war kein Einzelfall, als er vom Nationalsozialismus zum Sozialismus transformierte.

Rudolf Bamler, Generalleutnant der Wehrmacht, Chef des Generalstabes,
später Generalmajor der Kasernierten Volkspolizei/NVA.

Walter Freytag, Generalmajor der Wehrmacht,
später Generalmajor der Kasernierten Volkspolizei/NVA.

Otto Korfes, Generalmajor der Wehrmacht,
später Generalmajor der Kasernierten Volkspolizei/NVA.

Arno von Lenski, Generalmajor der Wehrmacht,
später Generalmajor der Kasernierten Volkspolizei/NVA.

Vincenz Müller, Generalleutnant der Wehrmacht,
später Generalleutnant der Kasernierten Volkspolizei/NVA.

Hans Wulz, Generalmajor der Wehrmacht,
später Generalmajor der Kasernierten Volkspolizei/NVA.

Karl Walther, Generalarzt der Wehrmacht,
später Generalmajor der Kasernierten Volkspolizei/NVA.

Die Liste kann ich fortsetzen, habe aber keine Lust,
weiter zu texten.

Damit wird die Propaganda der SED ad absurdum geführt.

Sie wurden gebraucht, die alten Nazikader, für die neue Kaderschmiede, zur Kontaktpflege ihrer ehemaligen Kriegskameraden,

die sich nun dem Klassenfeind andienten und durch bekennende Überzeugungstäter zum Marxismus-Leninismus,

Sozialismus bekehrt werden sollten.

Der Widersinn im Realsozialismus wird deutlich mit der Behauptung:

„Wer Nazi ist, bestimmen wir!“


Es grüßt Euch

Kressin


"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!
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#76

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 21:48
von Ebro | 565 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #74
Zitat von Ebro im Beitrag #68



Zitat


Ach@ Gert, so richtig hast Du keine Ahnung, und davon recht viel. Ich weiß nicht, ob ich es schon mal geschrieben hatte, ich war vor 6 Jahren arbeitslos. Bewerbungen ohne Ende geschrieben, endlich ein Vorstellungsgespräch. Ich fuhr dorthin, war nicht weit von meinem Dorf. Da saß dann der Personaler, guckte mich lange an und meinte dann: " so sieht also ein ehemaliger Offizier des MfS aus, das wollte ich nur mal sehen. Und jetzt können Sie wieder gehen!"
Und ich weiß, ich bin nicht der Einzige, dem seine Vergangenheit in der Privatwirtschaft auf den Fuß fiel, also erzähle nicht immer so einen Mist, Du hast überhaupt keinen Schimmer!!!



och Freund @ebro, da läuft dir ein solch Debiler über den Weg und da bastelst du gleich eine Allgemeine Aussage daraus. Du warst auch schon mal besser



Nee Gert, ohne Scheiß, das gab und gibt es öfter!!(kannste glauben, Copy by Pittiplatsch, dem Lieben)



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#77

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 21:59
von eisenringtheo | 9.171 Beiträge

Bis zur Westanbindung und der Gründung der Bundeswehr in Westdeutschland war Nazivergangenheit eigentlich kein Thema in Deutschland. Nach dem Weltkrieg war die Begeisterung für Militär und Wehrpflicht in der Bevölkerung gleich Null. Die DDR wollte das propagandistisch ausnützen und hat deshalb alle Personen mit Nazivergangenheit bis 1956 in Rente geschickt. Bis 1961 wurde dann eine richtige Antikriegs- und Antiwehrpflichtinitiative betrieben, die DDR jubelte sich als Hort des Friedens in Deutschland hoch, weil sie keine Wehrpflicht kannte und nunmehr auch keine hohen Nazimilitärs in leitender Stellung mehr hatte. Die westdeutschen Bundeswehr Generäle mit Nazivergangheit wurden häufig in der DDR Presse erwähnt, quasi als Beweis für den militaristischen Charakter der USA und "ihrer Marionetten in Bonn"-

oben v. l. n. r Gerhard Wagner, Wolf Graf v. Baudissin, Ernst Kusserow, Burkhardt Müller-Hillebrand; unten v. l. n. r. Johannes Steinhoff, Hans Speidel, Adolf Heusinger. Im Sommer 1961 gibt es in der Bundeswehr 136 Generale und Admirale, die wegen ihrer während des zweiten Weltkrieges verübten Kriegsverbrechen zu je 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden waren.
http://www.dreizehnter-august.de/ihh-17/3.htm
Die Kampagne war durchaus erfolgreich. Viele glaubten, dass Nazis in der DDR von Anfang an aus wichtigen Ämtern ausgeschlossen waren. Die ersten fünf Jahre der DDR wurden diesbezüglich erfolgreich ausgeblendet.
Theo


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#78

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 22:08
von ABV | 4.202 Beiträge

Vor einigen Wochen hatte ich ein Telefongespräch mit einem mittlerweile neunzigjährigen, ehemaligen Kriminalisten aus Bonn. Der Mann hatte 1949 bei der KVP in Küstrin-KIetz, meinem Wohnort, gedient. Und zwar in der ehemaligen Artilleriekaserne, unmittelbar an der Oderbrücke gelegen.
Die Kaserne wurde im Krieg, bei den Kämpfen um Küstrin, wie der gesamte Ort, schwer zerstört. Bereits wenige Jahre nach dem Kriegsende zogen wieder Truppen in die von der " Märkischen Bauunion" wieder hergerichteten Gebäude ein.
Das diese Baumaßnahmen den Unmut der Bevölkerung nach sich zogen, liegt auf der Hand. 1949 lebten die meisten Einwohner von Küstrin-Kietz noch in den Kellern der Ruinen.
Das Personal bezog die KVP-Truppe, bei denen es sich um Artilleristen handelte, aus den sowjetischen Gefangenenlagern in Sibirien. Die Insassen wurden vor die Wahl gestellt, entweder beim Aufbau des Militärs in der " Sowjetischen Zone" mitzuwirken, oder weiter im Lager " zu schmoren". Wer kann einem solchen Angebot schon widerstehen.......
Jedenfalls wurden keineswegs nur ehemalige Soldaten oder Unteroffiziere der Wehrmacht, sondern selbst Offiziere, bis hin zum Oberst für den Dienst in der KVP geworben.
Laut meinem Gesprächspartner, soll solch ein " gewendeter" Wehrmachtsoberst vor versammelter Truppe von der " bevorstehenden gewaltsamenBefreiung der gesamten Arbeiterschaft" gesprochen haben. Dabei sollen auch Parolen wie " nächste Woche stehen wir in Hamburg" und ähnlicher Blödsinn gefallen sein. Herr Oberst ging, voller Begeisterung, von einem erneut bevorstehenden Krieg aus. Manche können eben nie genug bekommen.
Auch andere in die KVP übernommene Ex-Wehrmachtsoffiziere sollen sich bei der KVP sehr wohl gefühlt haben.
Aber auch zuvor, in der Gefangenschaft, haben die Herrn Offiziere gegenüber den Mitgefangenen auf ihren Status gepocht. Die viel beschworene Kameradschaft hat es wohl nur in schlechten Filmen gegeben.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#79

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 22:42
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von IM Kressin im Beitrag #75
Zitat von Marienborn89 im Beitrag #60
Wenn ein Ideologie-System zusammenbricht und das betroffene Land muss von vorne anfangen, dann ist es in vielen Bereichen einfach nicht möglich, bei Null zu beginnen.
Neue Justiz, Hochschulen, Verwaltung, Medien etc. pp. können nicht aus dem Boden gestampft werden.
Da werden eben nur die aussortiert, die ganz oben auf der Liste stehen.

Da herrscht ein ziemlicher Pragmatismus vor und es war auch kein Zufall, dass die Aufarbeitung in der BRD zwei Jahrzehnte nach 1945 begann.

Die DDR hat dagegen nie Aufarbeitung betrieben, sondern hat einfach behauptet, es gebe keine faschistischen Altlasten. Das war ziemlich naiv und Augenwischerei und es entsprach nicht der Wahrheit, jedenfalls nicht so, wie die DDR es propagiert hat.


Prägnante Zustandsbeschreibung des Entwicklungsprozesses der beiden deutschen Staaten.

Ich bin nur etwas pessimistisch, damit sind wir allein auf weiter Flur.

Das ist der Casus knaxus oder allgemeinverständlich:

Hier liegt der Hund begraben.

Am Beispiel von Generalmajor Wilhelm Adam

Wer Nazi ist, bestimmen wir (2)

wird dies sichtbar.


Sühnen mussten die Verführten, der Verführer wurde rehabilitiert, erhält den Schein von Spee „die schlaue Art zu waschen“.

In einem russischen Holzhaus, mit einem russischen Ofen, angenehm warm, lässt es sich aushalten und haushalten mit dem
Sozialismus, mit Gesprächen in freundlicher Atmosphäre, guter Verpflegung und Kooperation.

Der Gewandelte zieht alsdann aus, sein Land vor dem Bösen zu retten, wird Finanzminister im Lande der Sachsen und macht
weiterhin Karriere.

Der NS-Offizier Wilhelm Adam, der bis zu seiner Gefangennahme die Leitbilder des NS-Regimes hochstilisierte,

17-jährige Bengel zu Grunde richtete, die den von ihm propagierten Mist geglaubt haben, dafür ins Lager gingen oder ohne

Umweg erschossen wurden, dieser NS-Generalstabsoffizier war kein Einzelfall, als er vom Nationalsozialismus zum Sozialismus transformierte.

Rudolf Bamler, Generalleutnant der Wehrmacht, Chef des Generalstabes,
später Generalmajor der Kasernierten Volkspolizei/NVA.

Walter Freytag, Generalmajor der Wehrmacht,
später Generalmajor der Kasernierten Volkspolizei/NVA.

Otto Korfes, Generalmajor der Wehrmacht,
später Generalmajor der Kasernierten Volkspolizei/NVA.

Arno von Lenski, Generalmajor der Wehrmacht,
später Generalmajor der Kasernierten Volkspolizei/NVA.

Vincenz Müller, Generalleutnant der Wehrmacht,
später Generalleutnant der Kasernierten Volkspolizei/NVA.

Hans Wulz, Generalmajor der Wehrmacht,
später Generalmajor der Kasernierten Volkspolizei/NVA.

Karl Walther, Generalarzt der Wehrmacht,
später Generalmajor der Kasernierten Volkspolizei/NVA.

Die Liste kann ich fortsetzen, habe aber keine Lust,
weiter zu texten.

Damit wird die Propaganda der SED ad absurdum geführt.

Sie wurden gebraucht, die alten Nazikader, für die neue Kaderschmiede, zur Kontaktpflege ihrer ehemaligen Kriegskameraden,

die sich nun dem Klassenfeind andienten und durch bekennende Überzeugungstäter zum Marxismus-Leninismus,

Sozialismus bekehrt werden sollten.

Der Widersinn im Realsozialismus wird deutlich mit der Behauptung:

„Wer Nazi ist, bestimmen wir!“


Es grüßt Euch

Kressin






Hallo,


warum vergisst Du aber z.B. zu schreiben, dass Korfes in sow. Kriegsgefangenschaft geraten ist, Mitbegründer des NKFD und Mitglied des Vorstandes des BDO war. Übrigens wurde er auch aus diesen Gründen in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Und auch das Lenski 1944 in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde gehört zur Geschichte


zuletzt bearbeitet 14.10.2016 22:42 | nach oben springen

#80

RE: BM Justiz.....Akte Rosenburg.....Altnazis im Justizdienst

in Themen vom Tage 14.10.2016 23:04
von Marder | 1.413 Beiträge

Es ist schon merkwürdig, dass Personen bzw. hohe Offiziere, die bereitwillig über Jahre bereit waren einen Krieg für das " dritte Reich" zu führen einen plötzlichen Gesinnungswandel machen und dann geeignet sind hohe Ämter in der DDR zu übernehmen. Gleiches wird den ebenso gearteten mit ähnlichen Handeln in der BRD übelgenommen.
Noch seltsamer finde ich allerdings, dass man diesen Berufsoffizieren etwas zugesteht, wass man einem 17 jährigen Wehrpflichtigen von mir aus auch Freiwilligem in der Waffen SS nicht zugesteht.
MfG Marder


Er wirft den Kopf zurück und spricht: "Wohin ich blicke, Lump und Wicht!" Doch in den Spiegel blickt er nicht.
Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selber. Er lässt auch anderen eine Chance.
Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.

Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten.
Gert, bürger der ddr und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
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