#1

Aus meiner Jugendzeit

in Grenztruppen der DDR 05.10.2016 10:23
von PKE | 149 Beiträge

Hans-Dieter Behrendt 27.10.1996





Einige Erlebnisse und besondere Höhepunkte im Jahr 1950 .

Das Deutschlandtreffen der Jugend zu Pfingsten in Berlin war für viele Jugendliche und FDJ ler ein großer Höhepunkt . Kurze Hosen , FDJ - Hemd und Kniestrümpfe war unsere Anzugsordnung .Die Marschkolonnen der einzelnen Länder formierten sich . Fahnen der
DDR , FDJ ,Jungen Pioniere , DSF u.a. wurden den Marschblöcken vorangetragen . Lange , uns unbekannte Marschwege führten uns durch Köpenick um dann die Straße Unter den Linden zu erreichen . Linker Hand sahen wir das Brandenburger Tor und bewegten uns in Richtung Lustgarten . Vorher wurden wir von schweren Regengüssen überrascht , die für kurze Zeit die Marschblöcke auseinander rissen . Wir suchten Zuflucht in den Haustüren der umliegenden Häuser um dann aber wieder den Marsch mit Begeisterung fortzusetzen . Auf der Ehrentribühne erkannten wir Wilhelm Pieck , Otto Grotewohl , Willi Stoph und Adolf Hennicke .
Beim Betrachten der Fotos von den damaligen Ereignissen findet man viele bekannte Gesichter unter den teilnehmenden Jugendlichen wieder .Sie haben aber in den folgenden Jahren , bis auf wenige Ausnahmen nie mehr meinen Weg gekreuzt .
Weitere Einzelheiten sollen vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt eingeflochten werden .


Im Frühsommer des Jahres 195o erhielt die FDJ - Betriebsgruppe des Postamtes Brandenburg von der FDJ - Kreisleitung das Angebot zu einem Aufenthalt in einem Ferienlager . Es gelang mir als FDJ - Sekretär andere FDJ - Mitglieder für die Fahrt zu gewinnen und den Urlaub vom Betrieb zu bekommen . Ich erhielt für die Fahrt einen Reiseleiterausweis und bekam die Verantwortung für eine Gruppe übertragen . Die Anreise erfolgte mit der Eisenbahn über Falkenberg bzw . Herzberg / Elster . Unterwegs schlossen wir die Bekanntschaft mit einer anderen Reisegruppe aus Brandenburg , welche dort in einem Wohnheim untergebracht waren.
Wir stiegen an einem kleinen Haltepunkt der Reichsbahn aus dem Zug und gingen zu Fuß in Richtung des Schlosses Neudeck , damals im Kreis Schweinitz gelegen . Auf der Landkarte habe ich dieses Schloß bisher nicht gefunden. Es lag einige hundert Meter von der Schwarzen Elster entfernt und war als FDJ - Jugendherberge Geschwister Scholl ausgewiesen . Auf der Wiese waren große 12 Mann - Zelte aufgebaut in denen wir Quartier bezogen . Vorher mußten wir aber noch unsere Schlafsäcke mit Stroh stopfen . Offensichtlich wurde das Lager für einen Aufenthalt der Jungen Pioniere vorbereitet . So sollten wir für die anderen Zelte die Schlafsäcke auch mit Stroh stopfen , welches jedoch durch uns abgelehnt wurde . Wir hatten ja schließlich Urlaub und waren nicht zum Arbeiten dort hin gefahren . Hätte man uns das von Anfang an , also bereits vor der Abfahrt gesagt ,wären wir diesem Ersuchen sich nachgekommen . Aber im Lager wurde von der Mehrzahl der Jugendlichen das gemacht , was ich festlegte . Alle folgten mir bereitwillig . Das erste Drama begann bereits mit dem ersten Mittagessen , welches ich den Köchen als unzumutbar vor die Füße kippte . Wir versorgten uns mit etwas Naschwerk . Es gab auch Überlegungen anderer Jugendlicher , sich aus dem Kiosk des Nachts mit den erforderlichen Lebensmitteln zu versorgen . Ich konnte dies mit den zu erwartenden Folgen verhindern .
Wir unterstellten der Lagerleitung , daß sie sich mit den Lebensmitteln der Jugendlichen versorgte und sicher ein besseres Mittagessen einnahmen . Daraufhin wurde durch die Lagerleitung festgelegt , daß jeweils ein Abgeordneter des Ferienlagers an ihrem Mittagessen teilnimmt . Nun war die Situation klar und ich kam als erster in den Genuß des Mittagessen mit der Lagerleitung .
Aber sie hatten die gesamte Zeit so ihre Probleme mit uns . Nach dem Wecken war Frühsport und Fahnenappel angesagt . Dies behagte uns nun wieder einmal nicht . Wir wollten unsere Ruhe haben . Nur wenn ich dies anordnete , folgten sie meinem Aufruf . Zu unseren Pflichten als Jungen gehörte auch die nächtliche Lagerwache für jeweils zwei Stunden . Auf was wir da so achten sollten in diesem nicht abgegrenzten , großen unübersichtlichen Gelände , wußten wir auch nicht . Trotzdem kamen wir dieser Aufgabe widerspruchslos nach und erfüllten unsere Pflicht . Das gesamte Schloßgebäude wurde von uns dabei durchstöbert . Um Mitternacht setzten wir die Turmuhr in Gang , nachdem wir den Mechanismus ausgekundschaftet hatten .
Am nächsten Morgen schilderte uns die Mädels , wie gruselig dies gewesen wäre .
Die Tage waren mit Sport und anderen Veranstaltungen ausgefüllt . Wie bereits angeführt , befand sich das Lager in unmittelbarer Nähe des Flusses Schwarze Elster ,dessen Weg durch viele Kohlentagebaue führte . Das Wasser hatte infolge des Zuflusses von Grundwasser in der Tat eine schwarze Farbe .. Natürlich negierten wir das ausgesprochene Badeverbot und tummelten uns in dem bis zum Bauch reichenden Wasser . All unsere Poren waren sofort mit schwarzen Kohlepartikeln zugesetzt . Es war sicher erfrischend , aber nicht reinigend .

Irgendwie erhielten wir nun Kenntnis vom einem stattfindenden sogenannten Heiratsmarkt in Schweinitz und entschlossen uns zum Besuch desselben . Wir entfernten uns heimlich aus dem Lager und fuhren mit dem Zug dort hin . In einer Gaststätte aßen wir Mittag , wofür wir aber noch Lebensmittelmarken benötigten . Nach dem Besuch des Rummel traten wir dann die Rückfahrt an, von einem Heiratsmarkt war für uns nicht zu spüren . Das Lager wurde so heimlich betreten , wie wir es verlassen hatten .
Das Lager wurde für den Aufenthalt von Jungen Pionieren vorbereitet . Arbeiter zimmerten an einem großen Lagertor und einem Rednerpult . Wir nutzten das herumliegende Werkzeug , wie Beile ,. Hämmer und Nägel , um ein Floß zu bauen . In der Umgebung des Lagers gab es Wald und wir begannen schlanke Bäume zu fällen . Die Absicht bestand darin , mit dem Floß auf der Schwarzen Elster bis nach Herzberg zu schippern . Wegen der Schinderei gaben wir jedoch unsere Absicht dann bald auf .
Nun wurde eine große Abendveranstaltung auf der Wiese vorbereitet und ein großer Holzstoß für ein Lagerfeuer errichtet . Nun ging wieder einmal unsere Abenteuerlust mit uns durch . Der Entschluß reifte heran , den Holzstapel schon vorher anzuzünden . Nachdem wir alles besprochen hatten und uns gegenseitig Verschwiegenheit zusicherten , schritten wir zur Tat . Aber ich hatte alles richtig organisiert. Einer mußte seine Streichholzschachtel zur Verfügung stellen , der nächste nahm ein Streichholz heraus , gab es dem anderen , welcher das Zündholz anzündete und dem nächsten weitergab . Dieser setzte nun den Holzstapel in Brand . Wir erreichten ungesehen von der Seite aus dem Wald kommend das Lager . Jeder hatte eine Aktie
an dem Geschehen und konnte nicht plaudern . Wie es auch heute noch oft bei Bränden zu verzeichnen ist war ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr oft der Täter und als erster am Tatort . Wir hatten aber ein Alibi , waren im Lager und bemerkten das brennende Lagerfeuer zuerst .Nun schlugen wir Alarm und rannten mit den anderen Jugendlichen zum Feuer . Aber das war nichts mehr zu retten und wir sammelten nun alle Holz für ein neues Lagerfeuer .
Aber irgendwie wurde meine Rolle und mein Einfluß auf die Lagerinsassen wohl doch erkannt und eines Tages wurde ich über den Lagerlautsprecher in die Lagerleitung zitiert , welche ihren Sitz in einem kleinen Gartenpavillion hatte .Wir stimmten sofort unsere Vorgehensweise untereinander ab .So hatte die Lagerleitung noch gar nicht richtig angefangen mit mir zu sprechen , als sich alle Lagerteilnehmer vor dem Pavillon versammelten und meine sofortige Freilassung forderten. Ich unterstützte dies und forderte selbst ultimativ , das ich unverzüglich den Raum verlassen könne . Ich würde für nichts garantieren wenn dies nicht geschieht . Dem wurde stattgegeben und ich draußen mit großem Jubel begrüßt . Ein weiterer Sieg war so errungen . Am letzten Abend unseres Aufenthaltes war es der Lagerleitung nun doch nicht geheuer . Sie forderten vorsorglich Polizeiunterstützung an und mehrere Polizisten erschienen mit Schäferhunden im Lager . Es verlief jedoch alles friedlich und wir unterhielten uns freundschaftlich mit den Polizisten . Außerdem hatten wir in der Tat nichts Böses geplant .

Sicher hatte alles noch ein kleines Nachspiel ,da die Lagerleitung natürlich die Kreisleitung in Brandenburg verständigt hatte und auch die Erzieherin aus dem Kinderheim ebenfalls ihre Kenntnisse preisgab . Aber ich brachte meine Gegenargumente vor und stellte Vieles als Verleumdung und Unwahr hin . Außerdem hatte ich ja auch meine Zeugen .

So fand der Sommer des Jahres 1950 seinen Abschluß .


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#2

RE: Aus meiner Jugendzeit

in Grenztruppen der DDR 05.10.2016 12:56
von eisenringtheo | 9.174 Beiträge

Du warst in Gefahr, meint die West-Wochenschau
https://www.filmothek.bundesarchiv.de/video/585914
Theo


rasselbock hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#3

RE: Aus meiner Jugendzeit

in Grenztruppen der DDR 09.10.2016 13:16
von der 39. | 522 Beiträge

Hallo PKE,
das war schon eine aufregende Zeit. Habe sie in Beendorf erlebt. Viele Jugendliche kamen aus Helmstedt und wurden dann von uns aus abgeholt und nach Berlin gebracht. Auch wir hatten etwas davon, ausser dem 12-Std-Dienst. Es gab Sonderzuteilungen und und neue Zigaretten, in Weichpackungen, ähnlich Chesterfield und Lucky Strike, kamen aber aus der DDR. Und verschwanden auch nach einigen Wochen wieder. Damals war es auch, dass ich in Zivil nach Helmstedt bzw Brunntal ging, um 2 FDJler abzuholen, die das FDJ-Banner von Nordrhein/Westfalen zum Deutschlandtreffen brachten.
der 39.


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