#41

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.10.2016 23:01
von vs1400 | 2.397 Beiträge

hallo Casi,
es gab diese möglichkeiten, wimre. oberhalb von salzwedel,
doch ob deine gasteltern davon wussten?

gruß vs ... sorry für's ot!


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


zuletzt bearbeitet 05.10.2016 23:06 | nach oben springen

#42

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.10.2016 23:29
von Gert | 12.362 Beiträge

Zitat von CASI im Beitrag #39
Hallo Uwe,

da beschreibst Du sehr schön den Unterschied zwischen BND, MFS und generell den Unterschied der Systeme.
Hierzu einmal ein Vergleich, wie ich es selber in den 80er Jahren auf der RAF Airbase Gütersloh erlebt habe.
Als Jugendliche sind wir oft zur Airbase mit dem Fahrrad gefahren um Flugzeuge zu schauen. Da gab es am Ende der Start/Landebahn den sog. Gütersloher Affenfelsen.(das war die Emsbrücke) Da standen immer wenn Manöver waren mindestens 30 Planespotter mit Mords Optiken vor den Kameras. Da gab es immer schön spektakuläre Starts/Landungen von Kampfjets vieler Nato Partner. Interessiert hat das sprichwörtlich "keine Sau".
Da tauchte nie, nie jemand auf der auch irgendwie nur Fragen stellte. Ab und an kam die MP vorbei, schaute sich das ganze an und zog wieder ab.
Hier einmal ein Link wo die besagte Brücke zu sehen ist: http://sg-etuo.de/Main/SGG
Schaut Euch auch einmal die Galerie an, was die Jungs mit den Teles da für schöne Aufnahmen gemacht haben. Wie gesagt: Völlig entspannt.
Legendär war auch die Tommy Disko gegenüber der Airbase. Da ging immer die "Post" ab! - Was haben wir mit denen da für Partys gefeiert.
Man musste nur aufpassen das die "Jungs" (die britischen Soldaten) nicht Zuviel "Promille" auf dem Kessel hatten. Wenn die MP anrückte, war es besser sich sofort und unverzüglich "In Luft aufzulösen". Die MP haute da knallhart zu, egal auf wen!
Als ich Anfang 1990 die DDR kennengelernt hatte (sehr intensiv) gab es gar keine Möglichkeit einmal ein paar Migs starten zu sehen. Auf die Nachfrage kam bei meinen Gasteltern nur völliges Unverständnis!
Ich habe nicht weiter nachgefragt, wollte nicht auffallen oder Missfallen auslösen, ich war grade mal 19 und Gast.
Da war irgendwie eine absolute Paranoia drin, wenn es um die Russen ging.
Das war bei uns definitiv anders!
Ich wünsche allen eine schöne Gute Nacht,

Viele Grüße
Carsten






danke für die Beschreibung Casi. Bin ja nun in den Genuss gekommen , in beiden Teilen Deutschlands zu leben. Die Spionage Paranoia war eindeutig ein Alleinstellungsmerkmal der DDR und ihrer russischen "Freunde ". Der größere Anteil Misstrauen kam wohl von den Freunden, denn was ich so hörte waren Russen an sich schon sehr mißtrauisch, das setzte sich dann auch in der Öffentlichkeit sprich Staatsorgane durch.
Die Lässigkeit in der Bundesrepublik im Umgang mit sicherheitsrelevanten Dingen sowohl auf deutscher Seite als auch Alliierte hat mich schon manchmal ins Staunen versetzt. Obendrein habe ich auch immer gestaunt, wenn dann mal einer für Spionage verurteilt wurde, so waren die Urteile mitunter lächerlich, jeder Hühnerdieb fuhr ein größeres Risiko. Spion gegen die Bundesrepublik gewesen zu sein muss ein vergleichsweise leichter und risikoarmer Job gewesen sein. So habe ich das über Jahrzehnte wahrgenommen, nicht als Insider aber als Beobachter


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
nach oben springen

#43

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.10.2016 23:47
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #42


danke für die Beschreibung Casi. Bin ja nun in den Genuss gekommen , in beiden Teilen Deutschlands zu leben. Die Spionage Paranoia war eindeutig ein Alleinstellungsmerkmal der DDR und ihrer russischen "Freunde ". Der größere Anteil Misstrauen kam wohl von den Freunden, denn was ich so hörte waren Russen an sich schon sehr mißtrauisch, das setzte sich dann auch in der Öffentlichkeit sprich Staatsorgane durch.
Die Lässigkeit in der Bundesrepublik im Umgang mit sicherheitsrelevanten Dingen sowohl auf deutscher Seite als auch Alliierte hat mich schon manchmal ins Staunen versetzt. Obendrein habe ich auch immer gestaunt, wenn dann mal einer für Spionage verurteilt wurde, so waren die Urteile mitunter lächerlich, jeder Hühnerdieb fuhr ein größeres Risiko. Spion gegen die Bundesrepublik gewesen zu sein muss ein vergleichsweise leichter und risikoarmer Job gewesen sein. So habe ich das über Jahrzehnte wahrgenommen, nicht als Insider aber als Beobachter


unter beachtung der zeit , Gert

die harten zeiten, für "spione",
hast auch du dir nur angelesen.

gruß vs ... und sorry für's ot.


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


zuletzt bearbeitet 05.10.2016 23:48 | nach oben springen

#44

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.10.2016 15:34
von ABV | 4.204 Beiträge

Man kann sich über die Notwendigkeit von Spionageabwehrmaßnahmen streiten.
Aber diese Unterlagen sprechen wohl für sich:






Angler, Fischer, Menschen die lediglich die Gräber ihrer Angehörigen auf einem Friedhof pflegen, Bauern die im Sommer die Oderwiesen mähen, Mieter bestimmter Wohnungen, alle sind pauschal verdächtig, werden von IM unter Kontrolle gehalten.
Ganz ehrlich-früher hätte ich das ganze für ausgemachten Blödsinn gehalten. Dem Hirn irgend eines Drehbuchautors von einem Privatfernsehsender entsprungen. Spätestens nach dem Lesen der Unterlagen wurde ich eines besseren belehrt. Schwer vorstellbar was sich in meinem Wohnort zu DDR-Zeiten abgespielt hat. Das kann man nicht entschuldigen, oder mit Sicherheitsbedürfnissen erklären.
Diese Angst, dieses Mißtrauen der "Mächtigen" gegen jeden, wird der DDR so oft von ihren Kritikern vorgeworfen.
Mindestens ebenso oft, wird dieses von den Verteidigern der DDR abgestritten. Hier haben wir dieses Mißtrauen aber einmal schwarz auf weiß " für die Ewigkeit" dokumentiert.
Dieses Mißtrauen, die ständigen Kontroll und Überwachungsmaßnahmen gehören wohl nicht umsonst zu den " Sargnägeln" der DDR. Das konnte einfach auf Dauer nicht gut gehen.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


Gert, Lutze, lhsecurity, RudiEK89, Kalubke, Hanum83 und der alte Grenzgänger haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#45

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.10.2016 15:47
von Gert | 12.362 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #43
Zitat von Gert im Beitrag #42


danke für die Beschreibung Casi. Bin ja nun in den Genuss gekommen , in beiden Teilen Deutschlands zu leben. Die Spionage Paranoia war eindeutig ein Alleinstellungsmerkmal der DDR und ihrer russischen "Freunde ". Der größere Anteil Misstrauen kam wohl von den Freunden, denn was ich so hörte waren Russen an sich schon sehr mißtrauisch, das setzte sich dann auch in der Öffentlichkeit sprich Staatsorgane durch.
Die Lässigkeit in der Bundesrepublik im Umgang mit sicherheitsrelevanten Dingen sowohl auf deutscher Seite als auch Alliierte hat mich schon manchmal ins Staunen versetzt. Obendrein habe ich auch immer gestaunt, wenn dann mal einer für Spionage verurteilt wurde, so waren die Urteile mitunter lächerlich, jeder Hühnerdieb fuhr ein größeres Risiko. Spion gegen die Bundesrepublik gewesen zu sein muss ein vergleichsweise leichter und risikoarmer Job gewesen sein. So habe ich das über Jahrzehnte wahrgenommen, nicht als Insider aber als Beobachter


unter beachtung der zeit , Gert

die harten zeiten, für "spione",
hast auch du dir nur angelesen.

gruß vs ... und sorry für's ot.



so hab ich das auch mitgeteilt und eingrenzt. Wer lesen kann ist klar im Vorteil (meine rot Markierung)


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
nach oben springen

#46

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.10.2016 15:54
von Gert | 12.362 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #44
Man kann sich über die Notwendigkeit von Spionageabwehrmaßnahmen streiten.
Aber diese Unterlagen sprechen wohl für sich:

Angler, Fischer, Menschen die lediglich die Gräber ihrer Angehörigen auf einem Friedhof pflegen, Bauern die im Sommer die Oderwiesen mähen, Mieter bestimmter Wohnungen, alle sind pauschal verdächtig, werden von IM unter Kontrolle gehalten.
Ganz ehrlich-früher hätte ich das ganze für ausgemachten Blödsinn gehalten. Dem Hirn irgend eines Drehbuchautors von einem Privatfernsehsender entsprungen. Spätestens nach dem Lesen der Unterlagen wurde ich eines besseren belehrt. Schwer vorstellbar was sich in meinem Wohnort zu DDR-Zeiten abgespielt hat. Das kann man nicht entschuldigen, oder mit Sicherheitsbedürfnissen erklären.
Diese Angst, dieses Mißtrauen der "Mächtigen" gegen jeden, wird der DDR so oft von ihren Kritikern vorgeworfen.
Mindestens ebenso oft, wird dieses von den Verteidigern der DDR abgestritten. Hier haben wir dieses Mißtrauen aber einmal schwarz auf weiß " für die Ewigkeit" dokumentiert.
Dieses Mißtrauen, die ständigen Kontroll und Überwachungsmaßnahmen gehören wohl nicht umsonst zu den " Sargnägeln" der DDR. Das konnte einfach auf Dauer nicht gut gehen.

Gruß an alle
Uwe



Uwe , konntest du feststellen, ob unter den Fischen in der Oder auch ein IM des MfS war ? Die Fische hatten ja von der Oder aus vollen Einblick in die Wehrhaftigkeit der Sowjetarmee


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
nach oben springen

#47

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.10.2016 16:18
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #46
Zitat von ABV im Beitrag #44
Man kann sich über die Notwendigkeit von Spionageabwehrmaßnahmen streiten.
Aber diese Unterlagen sprechen wohl für sich:

Angler, Fischer, Menschen die lediglich die Gräber ihrer Angehörigen auf einem Friedhof pflegen, Bauern die im Sommer die Oderwiesen mähen, Mieter bestimmter Wohnungen, alle sind pauschal verdächtig, werden von IM unter Kontrolle gehalten.
Ganz ehrlich-früher hätte ich das ganze für ausgemachten Blödsinn gehalten. Dem Hirn irgend eines Drehbuchautors von einem Privatfernsehsender entsprungen. Spätestens nach dem Lesen der Unterlagen wurde ich eines besseren belehrt. Schwer vorstellbar was sich in meinem Wohnort zu DDR-Zeiten abgespielt hat. Das kann man nicht entschuldigen, oder mit Sicherheitsbedürfnissen erklären.
Diese Angst, dieses Mißtrauen der "Mächtigen" gegen jeden, wird der DDR so oft von ihren Kritikern vorgeworfen.
Mindestens ebenso oft, wird dieses von den Verteidigern der DDR abgestritten. Hier haben wir dieses Mißtrauen aber einmal schwarz auf weiß " für die Ewigkeit" dokumentiert.
Dieses Mißtrauen, die ständigen Kontroll und Überwachungsmaßnahmen gehören wohl nicht umsonst zu den " Sargnägeln" der DDR. Das konnte einfach auf Dauer nicht gut gehen.

Gruß an alle
Uwe



Uwe , konntest du feststellen, ob unter den Fischen in der Oder auch ein IM des MfS war ? Die Fische hatten ja von der Oder aus vollen Einblick in die Wehrhaftigkeit der Sowjetarmee


Heute nennen sie sich V-Leute des VS--ja die Fische habe nur neue Schuppen bekommen.


nach oben springen

#48

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.10.2016 17:08
von Alfred | 6.861 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #44

Angler, Fischer, Menschen die lediglich die Gräber ihrer Angehörigen auf einem Friedhof pflegen, Bauern die im Sommer die Oderwiesen mähen, Mieter bestimmter Wohnungen, alle sind pauschal verdächtig, werden von IM unter Kontrolle gehalten.


Gruß an alle
Uwe



Uwe,


dies lag vielleicht auch daran, dass auch unter diesen Personenkreisen von westlichen Geheimdiensten Quellen gesucht wurden.


nach oben springen

#49

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.10.2016 17:23
von eisenringtheo | 9.190 Beiträge

Westberlin lag im östlichen Drittel der DDR in ganzen Gebiet des ehemaligen Grossberlin herrschte Freizügigkeit für alliiertes Militärpersonal. Auch Ortschaften die nahe bei Berlin waren, konnten leicht aufgeklärt werden. Es war möglich, ohne grosses Risiko für die westlichen Spione, aus Ostberlin Agenten in der DDR anzuwerben und in Ostberlin konspirative Treffen abzuhalten oder dort Material zu übergeben.
Für das MfS war die politische Situation in Zusammenhang mit Westberlin, immer ein Schreckensszenario


Ebro und SET800 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#50

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.10.2016 18:43
von damals wars | 12.216 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #42
Zitat von CASI im Beitrag #39





danke für die Beschreibung Casi. Bin ja nun in den Genuss gekommen , in beiden Teilen Deutschlands zu leben. Die Spionage Paranoia war eindeutig ein Alleinstellungsmerkmal der DDR und ihrer russischen "Freunde ". Der größere Anteil Misstrauen kam wohl von den Freunden, denn was ich so hörte waren Russen an sich schon sehr mißtrauisch, das setzte sich dann auch in der Öffentlichkeit sprich Staatsorgane durch.
Die Lässigkeit in der Bundesrepublik im Umgang mit sicherheitsrelevanten Dingen sowohl auf deutscher Seite als auch Alliierte hat mich schon manchmal ins Staunen versetzt. Obendrein habe ich auch immer gestaunt, wenn dann mal einer für Spionage verurteilt wurde, so waren die Urteile mitunter lächerlich, jeder Hühnerdieb fuhr ein größeres Risiko. Spion gegen die Bundesrepublik gewesen zu sein muss ein vergleichsweise leichter und risikoarmer Job gewesen sein. So habe ich das über Jahrzehnte wahrgenommen, nicht als Insider aber als Beobachter



Ob Rudolf Petershagen und Otto John genauso gesehen hätten, wage ich zu bezweifeln.
Auch Heinz Felfe und Günter Guillaume wußten anderes zu berichten.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
nach oben springen

#51

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.10.2016 22:37
von Telamon | 129 Beiträge

Hallo Uwe,
das war mir auch neu, dass ganz Kietz unter Spionageverdacht stand. Ich bin einige Jahre (Ende der 70 Jahre) Personenzüge nach Kietz gefahren.
Eine Leistung war Strausberg - Kietz, Kietz - Frankfurt/O, Frankfurt/O - Kietz, Übernachtung in Kietz (im Kulturhaus am Bahnhof) und am Morgen den ersten Zug nach Strausberg. Es gab auch noch viele andere Leistungen wie 6 x Strausberg - Müncheberg - Strausberg. Wir sind die Leistungen
mit der Diesellok (BR 110) und Personenwagen gefahren unser Dienststelle war das Bahnbetriebswerk Berlin Ostbahnhof. Die Kleintriebwagen die auch Personenverkehr durchgeführt haben kamen aus Frankfurt. Wir waren in unserer Dienstplangemeinschaft (25 Mitarbeiter) alles junge Leute und es war eine Superzeit, besonders wenn im Kulturhaus Disco war. Von der Grenze haben wir nichts mitbekommen, wurden auch nie danach befragt, auch ich nicht. Ich war der Dienstplangemeinschaftsleiter der" Kietzfahrer". Ich habe die Menschen in Kietz als sehr nett und freundlich kennengelernt. Wir sind auch außer den Plandiensten Gütersonderzüge von Kietz gefahren (mit der BR 118) da waren auch Militärzüge bei. Wir wurden dazu nicht extra eingewiesen oder belehrt. Es gab auch keine extra Überwachung.

Gruß Winfried



vs1400, ABV und Hackel39 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#52

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.10.2016 22:59
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Oder aber, du hast die "Überwachung" nicht bemerkt.
Das war ja Sinn und Zweck der Maßnahme.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#53

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 06.10.2016 23:01
von Gert | 12.362 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #50
Zitat von Gert im Beitrag #42
Zitat von CASI im Beitrag #39





danke für die Beschreibung Casi. Bin ja nun in den Genuss gekommen , in beiden Teilen Deutschlands zu leben. Die Spionage Paranoia war eindeutig ein Alleinstellungsmerkmal der DDR und ihrer russischen "Freunde ". Der größere Anteil Misstrauen kam wohl von den Freunden, denn was ich so hörte waren Russen an sich schon sehr mißtrauisch, das setzte sich dann auch in der Öffentlichkeit sprich Staatsorgane durch.
Die Lässigkeit in der Bundesrepublik im Umgang mit sicherheitsrelevanten Dingen sowohl auf deutscher Seite als auch Alliierte hat mich schon manchmal ins Staunen versetzt. Obendrein habe ich auch immer gestaunt, wenn dann mal einer für Spionage verurteilt wurde, so waren die Urteile mitunter lächerlich, jeder Hühnerdieb fuhr ein größeres Risiko. Spion gegen die Bundesrepublik gewesen zu sein muss ein vergleichsweise leichter und risikoarmer Job gewesen sein. So habe ich das über Jahrzehnte wahrgenommen, nicht als Insider aber als Beobachter



Ob Rudolf Petershagen und Otto John genauso gesehen hätten, wage ich zu bezweifeln.
Auch Heinz Felfe und Günter Guillaume wußten anderes zu berichten.

Guillaume ist doch gut weggekommen, nach ein paar Jahren wurde er ausgetauscht. Umgekehrt wäre es anders gelaufen. Ein Spion in Honnis direkter Nähe , da wäre die Rübe ab gewesen. So geht Sozialismus. Ich war unzufrieden mit dem Urteil für Guillaume.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
nach oben springen

#54

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.10.2016 02:50
von ABV | 4.204 Beiträge

Zitat von Telamon im Beitrag #51
Hallo Uwe,
das war mir auch neu, dass ganz Kietz unter Spionageverdacht stand. Ich bin einige Jahre (Ende der 70 Jahre) Personenzüge nach Kietz gefahren.
Eine Leistung war Strausberg - Kietz, Kietz - Frankfurt/O, Frankfurt/O - Kietz, Übernachtung in Kietz (im Kulturhaus am Bahnhof) und am Morgen den ersten Zug nach Strausberg. Es gab auch noch viele andere Leistungen wie 6 x Strausberg - Müncheberg - Strausberg. Wir sind die Leistungen
mit der Diesellok (BR 110) und Personenwagen gefahren unser Dienststelle war das Bahnbetriebswerk Berlin Ostbahnhof. Die Kleintriebwagen die auch Personenverkehr durchgeführt haben kamen aus Frankfurt. Wir waren in unserer Dienstplangemeinschaft (25 Mitarbeiter) alles junge Leute und es war eine Superzeit, besonders wenn im Kulturhaus Disco war. Von der Grenze haben wir nichts mitbekommen, wurden auch nie danach befragt, auch ich nicht. Ich war der Dienstplangemeinschaftsleiter der" Kietzfahrer". Ich habe die Menschen in Kietz als sehr nett und freundlich kennengelernt. Wir sind auch außer den Plandiensten Gütersonderzüge von Kietz gefahren (mit der BR 118) da waren auch Militärzüge bei. Wir wurden dazu nicht extra eingewiesen oder belehrt. Es gab auch keine extra Überwachung.

Gruß Winfried


Hallo Winfried!
Das hört sich sehr interessant an. Ich denke mal, dass ich da noch einige Fragen an dich als Zeitzeuge habe.
Was den Verdacht angeht: der Maßnahmeplan stammt aus dem Jahr 1967. Der Wortlaut der Akten hat selbst viele alte Kietzer, die am letzten Samstag zum ersten Mal von diesen Maßnahmen erfuhren, überrascht. Richtig gewusst hat davon wohl kaum jemand etwas.
Immerhin war es so, dass sämtliche Erwachsene Einwohner nach vorher festgelegten Kriterien in den Speichern des MfS überprüft und dann, abhängig von dem jeweiligen Ergebnis, unter Kontrolle gehalten wurde. Das man in aller Regel von diesen Maßnahmen als " Otto Normalbürger" nichts bemerkte, liegt wohl in der Natur der Sache. Es hat sie aber gegeben, soviel steht schon mal fest. Es sei denn, die Akten "lügen", wovon ich aber nicht unbedingt ausgehe.

Viele Grüße aus dem Oderbruch
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


nach oben springen

#55

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.10.2016 17:55
von Telamon | 129 Beiträge

Hallo Uwe,

wenn Du noch Fragen an mich hast gerne.

Leider wohne ich ziemlich weit weg, in Leverkusen (800 km), sonst würde ich mir gerne alles noch einmal ansehen.

Gibt es das Kulturhaus am Bahnhof noch?

Gruß Winfried



nach oben springen

#56

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.10.2016 19:36
von Kalubke | 2.306 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #36
Zitat von Gert im Beitrag #24

ich sprach von den 50ern und 60ern, bezugnehmend auf die Beschreibung von UWE. Das mit heute zu vergleichen hinkt ja wohl etwas,@passport
Zu der Beschreibung des Überwachungszustandes von heute stimme ich dir voll und ganz zu. Deinen werten GD Kollegen von damals werden insgeheim allerdings vor Neid platzen, wenn sie sehen was heute möglich ist. Ich glaube das MfS wäre mit den heutigen elektronischen Möglichkeiten zur Höchstform aufgelaufen und die Gefängnisse der DDR wären übervoll


Das BfV und die Ämter auf Landesebene wurden 1950 offiziell gegründet, davor war ein Verfassungsschutz unter Leitung der Amerikaner tätig. Warum wohl?
Innerhalb des BfV/LfV gab und gibt es die Abt. Spionageabwehr mit folgender (selbst beschriebenen) Aufgabenstellung:

Was macht die Spionageabwehr des BfV?
Das heimliche Beschaffen von Informationen in Deutschland für einen ausländischen Nachrichtendienst ist eine Straftat. Derartiges aufzudecken und damit für die Zukunft zu verhindern ist Aufgabe der Spionageabwehr. Sie schützt damit vertrauliche Informationen und Daten vor der unbefugten Verwendung durch ausländische Nachrichtendienste für deren Interessen.


Es besteht hier sicherlich Übereinstimmung in der Tatsache, dass nicht nur die westlichen GD in der DDR sondern auch die östlichen GD im Westen Informationen gesammelt haben und damit nach dem jeweiligen nationalem Recht Straftaten begingen. Darunter waren auch Informationen über den Aufbau der BW, die Stationierung und Ausrüstung der alliierten Truppen usw. Da diese Infos nun mal nicht in der Zeitung stehen, muss der Agent, Aufklärer oder was auch immer vor Ort sein. Wenn die Spionageabwehr seinen selbst gestellten Auftrag erfüllen will, muss sie wissen, wer sich für die z.B. militärischen Einrichtungen interessiert. Das erfährt sie entweder, wenn sie selber vor Ort ist oder jemanden hat, der da ein Auge drauf wirft. Da ersteres nicht möglich ist und GD in der Welt eigentlich überall gleich funktionieren, werden sie auch nichts anderes gemacht haben, als sich entsprechende V-Leute, ähnlich wie in der rechten Szene, geschaffen haben. Ob es so gewesen ist - wir wissen es nicht genau. Dass die Spionageabwehr der BRD aber nicht nur Däumchen gedreht hat sehen wir allein daran, dass es in den Jahren des kalten Krieges immer wieder zur Verhaftung von Ost-Spionen gekommen ist. Ob die Größenordnungen vergleichbar sind, steht auf einem anderen Blatt, dass aber z.B. die Amerikaner, die noch bis 1955 die Aufsicht über das BfV hatten sich dieser Behörde oder auch des MAD bei der Abwehr von Militärspionage bedient haben, steht für mich ausser Zweifel. Da die Archive derzeit noch geschlossen sind, wird das vom Umfang her sicher niemand gross bestätigen. Dass es sie aber gab, ist allein schon dadurch bestätigt, des es im, unter Aufsicht der USA gegründeten BfV überhaupt eine Spionageabwehr gab.
Die wussten schon warum und in der Schaffung von breit aufgestellten Agentennetzen haben sie im Osten ja umfangreiche Erfahrungen sammeln können - im eigenen Einflussbereich ist es dann noch ungleich einfacher.

andy



Sag mal @andy, war die Auslandsaufklärung mit Ausnahme der Gegenspionage (Eindringen ind gegnerische Nachrichtendienste) nicht eher das Metier des BND? oder betrieb das BfV auch Wirtschafts- und Militärspionage im Osten?



zuletzt bearbeitet 07.10.2016 19:39 | nach oben springen

#57

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.10.2016 19:44
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #56
dass aber z.B. die Amerikaner, die noch bis 1955 die Aufsicht über das BfV hatten sich dieser Behörde oder auch des MAD bei der Abwehr von Militärspionage bedient haben, steht für mich ausser Zweifel. Da die Archive derzeit noch geschlossen sind, wird das vom Umfang her sicher niemand gross bestätigen. Dass es sie aber gab, ist allein schon dadurch bestätigt, des es im, unter Aufsicht der USA gegründeten BfV überhaupt eine Spionageabwehr gab.
Die wussten schon warum und in der Schaffung von breit aufgestellten Agentennetzen haben sie im Osten ja umfangreiche Erfahrungen sammeln können - im eigenen Einflussbereich ist es dann noch ungleich einfacher.

andy



Sag mal @andy, war die Auslandsaufklärung mit Ausnahme der Gegenspionage (Eindringen ind gegnerische Nachrichtendienste) nicht eher das Metier des BND? oder betrieb das BfV auch Wirtschafts- und Militärspionage im Osten?
[/quote]


Nach meinem Wissen betrieben das BfV und die LfV keinerlei Auslandsspionage sondern waren u.a. für die Spionageabwehr zuständig.
Worauf willst Du hinaus?


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
nach oben springen

#58

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.10.2016 19:48
von Kalubke | 2.306 Beiträge

Der "Rotmark-Satz": "...nicht Däumchen gedeht...immer wieder zu Verhaftung von Ost-Spionen gekommen.", ist möglicherweise zweideutig. Sind mit Ost-Spionen BfV-CM in der DDR oder MfS-IM in der BRD gemeint? Dass es BfV-CM in der DDR gab, wie z.B. den Cottbuser Kreisschulrat und HV A-IM Horst Garau, wurde ja von Klaus Kuron bestätigt.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 07.10.2016 19:57 | nach oben springen

#59

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.10.2016 22:20
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von Telamon im Beitrag #55
Hallo Uwe,

wenn Du noch Fragen an mich hast gerne.

Leider wohne ich ziemlich weit weg, in Leverkusen (800 km), sonst würde ich mir gerne alles noch einmal ansehen.

Gibt es das Kulturhaus am Bahnhof noch?

Gruß Winfried


ja, @Telamon
und sogar noch immer in der karl-marx-straße

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


nach oben springen

#60

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 08.10.2016 09:12
von Hanum83 | 4.806 Beiträge

Wirklich interessante Dokumente.
Mit welcher Akribie sich doch um jeden Sch... gekümmert wurde und die wirklich alleinig wichtige Ermittlungserkenntnis "Wir (das System DDR) haben keinerlei wirklichen Rückhalt in der Bevölkerung", ging darin irgendwie unter.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
der alte Grenzgänger und ABV haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.10.2016 09:18 | nach oben springen



Besucher
15 Mitglieder und 35 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: TalSiar
Besucherzähler
Heute waren 785 Gäste und 61 Mitglieder, gestern 3617 Gäste und 188 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14376 Themen und 558765 Beiträge.

Heute waren 61 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen