#21

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.10.2016 09:20
von der Anderdenkende | 1.179 Beiträge

Würde sich hier mal bitte wieder ums Thema gekümmert werden?
Uwe,wie war die bisherige Resonanz der Besucher?


zuletzt bearbeitet 03.10.2016 09:22 | nach oben springen

#22

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.10.2016 09:20
von der Anderdenkende | 1.179 Beiträge

Doppelt


zuletzt bearbeitet 03.10.2016 09:21 | nach oben springen

#23

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.10.2016 09:28
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #19
Was hat BND,Guantanamo oder sonstwas hier in diesem Thema zu suchen?
Lutze


Lutze--da magst Du Recht haben--genauso kann man nun die Frage stellen--was hat das Thema mit Russenknechten zu tun und nun hier eine Gruppe so zu bezeichnen, Da fehlt wohl der Anstand.


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zuletzt bearbeitet 03.10.2016 09:31 | nach oben springen

#24

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.10.2016 09:32
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #17


Heute steht beim BND im Gegensatz zum MfS nicht nur ein Dorf sondern die ganze Welt unter Generalverdacht
Kein Gericht oder Staatsanwalt hat Dieses genehmigt. Rechtsstaat pur made in Germany


passport





ich sprach von den 50ern und 60ern, bezugnehmend auf die Beschreibung von UWE. Das mit heute zu vergleichen hinkt ja wohl etwas,@passport
Zu der Beschreibung des Überwachungszustandes von heute stimme ich dir voll und ganz zu. Deinen werten GD Kollegen von damals werden insgeheim allerdings vor Neid platzen, wenn sie sehen was heute möglich ist. Ich glaube das MfS wäre mit den heutigen elektronischen Möglichkeiten zur Höchstform aufgelaufen und die Gefängnisse der DDR wären übervoll


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#25

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.10.2016 09:40
von der Anderdenkende | 1.179 Beiträge

Das das Mfs die Handlangerarbeiten,sprich Überwachung und Co. vor Ort übernahm damals,wollt Ihr das wirklich bestreiten?
Wie Gert schon richtig schrieb,man kann die damaligen Zeiten schon allein von den technichen Möglichkeiten her nicht vergleichen!


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zuletzt bearbeitet 03.10.2016 09:43 | nach oben springen

#26

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.10.2016 09:44
von linamax | 2.015 Beiträge

Na , Gert die waren damals schon voll . Heute hätten sie neue bauen müssen .


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#27

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.10.2016 09:54
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Zitat von der Anderdenkende im Beitrag #25
Das das Mfs die Handlangerarbeiten,sprich Überwachung und Co. vor Ort übernahm damals,wollt Ihr das wirklich bestreiten?
Wie Gert schon richtig schrieb,man kann die damaligen Zeiten schon allein von den technichen Möglichkeiten her nicht vergleichen!


Das stimmt--aber auch heute läuft die Überwachung weiter.


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#28

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.10.2016 10:51
von damals wars | 12.113 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #24
Zitat von passport im Beitrag #17


Heute steht beim BND im Gegensatz zum MfS nicht nur ein Dorf sondern die ganze Welt unter Generalverdacht
Kein Gericht oder Staatsanwalt hat Dieses genehmigt. Rechtsstaat pur made in Germany


passport





ich sprach von den 50ern und 60ern, bezugnehmend auf die Beschreibung von UWE. Das mit heute zu vergleichen hinkt ja wohl etwas,@passport
Zu der Beschreibung des Überwachungszustandes von heute stimme ich dir voll und ganz zu. Deinen werten GD Kollegen von damals werden insgeheim allerdings vor Neid platzen, wenn sie sehen was heute möglich ist. Ich glaube das MfS wäre mit den heutigen elektronischen Möglichkeiten zur Höchstform aufgelaufen und die Gefängnisse der DDR wären übervoll

OG und BND waren auch nicht gerade faul, was Post und Telefonkontrolle betrifft. Und politische Gegner landeten auch zahlreich im Knast
,
und wieder und wieder und wieder:https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Angenfort

Und um auf Gerts letztige Erkenntnis zurückzukommen:
"Walter Menzel, damals Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion sagte dazu:[6]

„Vergleicht man dieses Urteil mit den milden Urteilen gegen Kopfjäger aus den hitlerschen KZs, gegen viehische Mörder, die nachträglich noch begnadigt werden, dann ist man empört darüber, dass Menschen vor dem Richterstuhl so behandelt werden. Wir sind in Westdeutschland wieder soweit, dass alle Gegner des Bundeskanzlers als Bolschewisten oder des Hochverrats angeklagt werden.“"


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#29

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.10.2016 11:36
von der Anderdenkende | 1.179 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #27
Zitat von der Anderdenkende im Beitrag #25
Das das Mfs die Handlangerarbeiten,sprich Überwachung und Co. vor Ort übernahm damals,wollt Ihr das wirklich bestreiten?
Wie Gert schon richtig schrieb,man kann die damaligen Zeiten schon allein von den technichen Möglichkeiten her nicht vergleichen!


Das stimmt--aber auch heute läuft die Überwachung weiter.

Streitet doch keiner ab.


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#30

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.10.2016 11:36
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Zitat von der Anderdenkende im Beitrag #29
Zitat von Rostocker im Beitrag #27
Zitat von der Anderdenkende im Beitrag #25
Das das Mfs die Handlangerarbeiten,sprich Überwachung und Co. vor Ort übernahm damals,wollt Ihr das wirklich bestreiten?
Wie Gert schon richtig schrieb,man kann die damaligen Zeiten schon allein von den technichen Möglichkeiten her nicht vergleichen!


Das stimmt--aber auch heute läuft die Überwachung weiter.

Streitet doch keiner ab.



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#31

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.10.2016 11:39
von der Anderdenkende | 1.179 Beiträge

Durch Mobiltelefone weis man doch,wann man zu Hause ist und im ungünstigstem Fall sogar,wan man dort auf Thron ist!


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#32

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.10.2016 11:56
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #28
„Vergleicht man dieses Urteil mit den milden Urteilen gegen Kopfjäger aus den hitlerschen KZs, gegen viehische Mörder, die nachträglich noch begnadigt werden, dann ist man empört darüber, dass Menschen vor dem Richterstuhl so behandelt werden. Wir sind in Westdeutschland wieder soweit, dass alle Gegner des Bundeskanzlers als Bolschewisten oder des Hochverrats angeklagt werden.“"


also Hubert, das Argument mit dem Jupp Angenfort ist ja nun mehr als schwach. Meine Meinung ist, dass das FDJ und KPD Verbot damals in den 50ern überflüssig war, mit den paar Hansels hätte man sich erfolgreich politisch auseinander setzen können, vor allem nach dem Supergau des 17.6.53 wo die selbsternannte Arbeiterpartei so was auf die Fresse gekriegt hat, wie sie es wohl in ihren kühnsten Träumen nicht erwartet haben.
Nun, wie auch immer, die paar eingesperrten Kommunisten, die auch schnell wieder frei kamen, gegen die Hundertausende Stasiopfer, die in den ostdeutschen Kerkern Bautzen, Hoheneck, Brandenburg einsassen, aufzurechnen ist für mich ein Witz.


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
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#33

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.10.2016 12:16
von Merkur | 1.018 Beiträge

Hallo Uwe,

vielen Dank für Deinen ausführlichen Beitrag. Gern würde ich mir die Ausstellung ansehen, wenn diese wiederholt werden sollte und Du noch etwas mehr Vorbereitungszeit investieren konntest.
In vielen Dingen kann ich Deine Ansichten nachvollziehen und die Besucher sind sicher zu Recht empört, wenn Du Ihnen aufzeigst, dass ein ganzes Dorf unter Spionageverdacht stand. Nach meiner Auffassung ist es als quasi "Kustos" Deine Aufgabe, die Besucher objektiv und allumfassend zu informieren. Und da scheinen mir einige Dinge zu kurz gekommen zu sein, was aber auch daran liegen kann, dass Du sie einfach nicht aufgeschrieben hast. Ich möchte Dir aber trotzdem meine Auffassung mitteilen.
M. E. sollte eine solche Ausstellung in den Kontext der damaligen Zeit gesetzt werden, vor allem deshalb, damit jüngere Besucher, die diese Zeit nicht selbst erlebt haben, überhaupt einen Einstieg haben und erfahren, durch welche Einflüsse die Zeit des Kalten Krieges geprägt war. Da auch viele ältere Besucher dahingehend nicht im Detail informiert sind, bietet es sich eine grundlegende Information auch für diesen Personenkreis an, denn die Vorgänge in und um Kietz fanden ja nicht im luftleeren Raum statt. Um auch Dich dahingehend fit zu machen, bietet sich die Lektüre des Buches "BND contra Sowjetarmee" von A. Wagner und M. Uhl an. Die beiden Historiker gelangen zu der Einschätzung:
"Mithilfe einer Vielzahl von V-Leuten zeigte sich die Organisation Gehlen in der Lage, die Standorte der GSBT und GSSD flächendeckend zu überwachen. Ab 1951 ist dies durch die Standortkartei des BND im Einzelnen nachweisbar. (...) Aus US-Dokumenten ist bekannt, dass Pullach Mitte der fünfziger Jahre hinter dem Eisernen Vorhang bis in die Sowjetunion hinein mehr als 4000 Agenten besaß. Im Mittelpunkt des westdeutschen Aufklärungsinteresses standen vor allem die Standorte von Truppenkontingenten bis hinunter zur Regimentsebene. Ebenso wichtig war die Beobachtung des Verkehrswesens, und hierbei in den fünfziger Jahren besonders der Bahnlinien - unfehlbare Barometer russischer Truppenbewegungen." Ich meine, dass es allein anhand dieser Zahlen wichtig ist, den Besucher dahingehend zu informieren, dass das MfS mit seinen Abwehrmaßnahmen nicht gegen ein Phantom operiert hat, sondern gegen ein Heer unsichtbarer Agenten, die es aufzuspüren galt. Daneben könnten natürlich auch Maßnahmen der amerikanischen Dienste und der MVM Erwähnung finden.
Was die operative Kontrolle des Ortes angeht, so ist auch hier zu differenzieren. Wenn man den Eindruck erweckt, dass jeder Bewohner zu jeder Zeit operativ bearbeitet wurde, so ist das nicht korrekt und der Besucher der Ausstellung bekommt einen unzutreffenden Eindruck vermittelt. Natürlich wurde aus der Masse der Einwohner nach der Klärung der Frage "Wer ist wer?" selektiert und die Bearbeitung in Vorgängen erfolgte bei entsprechenden Anhaltspunkten bis zur Bestätigung bzw. Nichtbestätigung des Spionageverdachts. Wie sollte denn das MfS gegnerische Agenten aufspüren, wenn nicht aus der Analyse des Verhaltens eines möglichen Personenkreises oder der Kontrolle der Post, mit der die entsprechenden Informationen an die GHD-Zentralen in WB/WD übersandt werden konnten?
Ich finde es wichtig, dass im Rahmen einer solchen Ausstellung, die über die Maßnahmen des MfS informiert auch konkret aufgezeigt wird, warum diese in dieser Intensität erfolgten. Es wird heute gern von einer flächendeckenden Überwachung seitens des MfS gesprochen. Dass heutige Historiker zu der Auffassung gelangen, Gehlens Leute sind flächendeckend gegen die GSSD tätig gewesen, wird dabei gern vergessen.



Ebro, Alfred, LO-Wahnsinn, schulzi, sieben-seen, passport, vs1400, ABV und Hackel39 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.10.2016 12:22 | nach oben springen

#34

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.10.2016 12:39
von SET800 | 3.090 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #1
Später, nach dem Ende der DDR und entsprechender Akteneinsicht, erfuhr die Familie, dass ihm seine Kollegen verraten hatten. Sieben Jahre Bautzen, lautete das Urteil.



Von Kollegen "veraten"?

Agententätigkeit und Spionage zugunsten von Feindstaaten ist in jedem Land verboten und strafbewehrt.

Und davon Kenntniss erhalten verpflichtet jeden Staatsbürge zu einer Meldung.

Und rückblickend betrachtet zeigt sich daß auch der "Freie Westen" ganz massiv unter Führung der USA imperialistische Kriege auch mit sehr brutalen Mittlen führte.


Also nicht pauschal galt "Verbresherischer Vertrag von Warschau unter Führung der UdSSR" gegen brave menschfreundliche friedensliebende NATO, so einfach war und ist es nicht



LO-Wahnsinn hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.10.2016 12:40 | nach oben springen

#35

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.10.2016 11:07
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo Freunde!
Erstmal vielen Dank für die lobenden Worte! Eines kann ich jetzt schon versprechen: Die Ausstellung wird auf jeden Fall wiederholt! Ich denke mal, dass mir im kommenden Jahr noch weiteres Material zur Verfügung stehen wird, so dass das Thema im einzelnen noch mehr vertieft werden. Wie sehr das Thema DDR im allgemeinen und das Thema DDR im besonderen auf breites Interesse stößt, war mir ja eigentlich schon vorher klar.
Die Reaktion der Familie eines der Betroffenen hatte ja gezeigt, wie gut und richtig solche Ausstellungen sind.
Es gab aber auch durchaus negative Reaktionen. Zum Beispiel schnauzte ein Mann im mittleren Alters, sichtlich genervt, " ob denn wirklich alle Namen geschwärzt seien?" Dann nahm er die Unterlagen in die Hand, um hektisch darin zu blättern. Auf meinen Einwand, " dass die BSTU grundsätzlich alle Namen schwärzt und es im übrigen ohnehin darum geht geschichtliche Abläufe darzulegen, nicht jedoch konkrete Personen an den Pranger zu stellen, kam lediglich ein " Ja, Ja." Was immer das auch heißen sollte. Deutlicher hätte der Unbekannte, dessen Frau die ganze Zeit vergeblich versuchte ihm den Mund zu verbieten, der Öffentlichkeit nicht verrraten können, dass er beim MfS war. Auch wenn das nicht der Fall gewesen sein sollte, was immerhin möglich ist, hat er dafür gesorgt das nun alle glauben, dass er bei der Stasi war. Wäre es nicht besser und mutiger gewesen, sich offen zur eigenen Vergangenheit zu bekennen und die Ausstellung mit eigenen Worten zu ergänzen? Bei der überwiegenden Masse der Besucher wäre solch eine an den Tag gelegte Offenheit besser angekommen, als dieses wütende, hektische Blättern in den Unterlagen.
Jetzt aber noch mal zum eigentlichen Thema:
Man kann darüber nicht reden oder streiten, ohne die damals herrschende politische Gesamtsituation in Europa zu beachten. Immerhin standen sich zwei Machtblöcke gegenüber, die einander alles andere als freundlich gesinnt waren.
Wie jeder andere Staat auch, besaß die DDR ebenfalls das Recht ihre staatlichen Einrichtungen inklusive der damit verbundenen Geheimnisse zu schützen.
Aber-wo hört der legitime Schutz auf und wo fängt " Big Brother" an? Kann bzw. darf ein Staat einfach so, selbst in die privatesten Winkel seiner Bevölkerung eindringen?
Genau das ist aber 1967 in meinem Wohnort Kietz und ganz sicher nicht nur dort, intensiv geschehen.




Wobei ich mir natürlich immer die Frage stelle: Wie hättest Du dich in dieser Zeit verhalten? Hättest Du nicht auch der " Notwendigkeit alles zu tun, um den westlichen Geheimdiensten keine Chance zu geben", zugestimmt? Hättest Du nicht auch in jedem Fremden, jedem harmlosen Eisenbahn der die Gleisanlagen fotografiert, einen westlichen Agenten vermutet? Ja, ich hätte!! Darum halte ich mich mit moralischen Verurteilungen, die mir ohnehin nicht zustehen, verdammt zurück.

Mit dem Wissen von heute erscheint einem vieles in einem völlig anderen Licht. Heute kann ich solche Dinge wie gezielte Bespitzelung oder die mühelose Aufhebung auch in der DDR verbriefter Grundrechte wie das Post und Bankgeheimnis, einfach nur noch zum Kotzen finden.
Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel.
Übrigens scheinen sich manche Verhaltensweisen, wie zum Beispiel das Mißtrauen gegenüber jedem Fremden, vor allem wenn er fotografiert, bis in den heutigen Tag " herübergerettet" zu haben. Wer es nicht glaubt, kann ja mal an den Gleisen in Küstrin-Kietz oder im Dorf selbst ein paar Fotos schießen. Es dauerte unter Garantie nicht lange, bis einem ein sichtlich kurz vor dem Herzinfarkt stehender Mitbürger auf das "Fotografierverbot" hinweist. Auch wenn man heute keine Agenten, sondern " polnische Banditen" fürchtet. Und das in einem Ort, in dem es in diesem Jahr ganze drei Schuppeneinbrüche gegeben hat.

Aber ich schweife ab:

Solche Maßnahmepläne zeigen aber auch ein grundlegendes Dilemma auf, dass das MfS bis 1989 begleiten sollte: Der überwiegende Teil der Bevölkerung stand eben nicht wirklich hinter der SED und ihren politischen Maßnahmen! Ich vergleiche das immer mit einem Topf, in dem es brodelt und kocht. Das MfS stellte den Deckel dar, der verhinderte das der besagte Topf überkochte. Bis 1989 der Druck so stark wurde, dass der Deckel vom Topf flog.
Die Staatssicherheit hatte daher in vielerlei Hinsicht allen Grund, der Bevölkerung zu mißtrauen. Obwohl längst nicht jeder, der dem Staat ablehnend gegenüberstand, ein " potentieller Spion" war. Der überwiegende Teil wollte ganz einfach seine Ruhe haben, hatte sich in speziellen Nischen eingerichtet, um sein Dasein möglichst stressfrei zu fristen. Das war in Kietz nicht anders, als im Rest der DDR.
Mustergültige, hundertprozentige Kommunisten, die glaubten was sie sagten, gab es hier ebenfalls kaum. Selbst auf die "IM" konnte sich das MfS in Kietz nicht immer verlassen. So traf sich beispielsweise ein IM mit einem Westberliner Funktionär des Vertriebenenverbandes, den er aus seiner Kindheit her kannte. Das MfS erfuhr über diese Begegnung nicht etwa von ihm selbst, sondern von einem anderen "IM". An dem sich der "IM" ohne zu ahnen das sein Gesprächspartner ebenfalls " bei der Firma ist", vertrauensvoll gewandt hatte. Über manche Dinge kann man heute nur noch schmunzeln.

Die DDR ist wie eine auf dem Seziertisch liegende Leiche. Man kann und will sie nicht wiederbeleben. Allerdings sollte man, im Interesse nachfolgender Generationen und einer präzisen Aufarbeitung der jüngeren deutschen Geschichte, " sämtliche Krankheiten und die genaue Todesursache der DDR-Leiche" ermitteln. Das verhindert Legendenbildungen und Verklärungen aller Art.

Einen schönen Gruß ins Forum
der Uwe aus dem Oderland


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#36

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.10.2016 15:07
von andy | 1.196 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #24

ich sprach von den 50ern und 60ern, bezugnehmend auf die Beschreibung von UWE. Das mit heute zu vergleichen hinkt ja wohl etwas,@passport
Zu der Beschreibung des Überwachungszustandes von heute stimme ich dir voll und ganz zu. Deinen werten GD Kollegen von damals werden insgeheim allerdings vor Neid platzen, wenn sie sehen was heute möglich ist. Ich glaube das MfS wäre mit den heutigen elektronischen Möglichkeiten zur Höchstform aufgelaufen und die Gefängnisse der DDR wären übervoll


Das BfV und die Ämter auf Landesebene wurden 1950 offiziell gegründet, davor war ein Verfassungsschutz unter Leitung der Amerikaner tätig. Warum wohl?
Innerhalb des BfV/LfV gab und gibt es die Abt. Spionageabwehr mit folgender (selbst beschriebenen) Aufgabenstellung:

Was macht die Spionageabwehr des BfV?
Das heimliche Beschaffen von Informationen in Deutschland für einen ausländischen Nachrichtendienst ist eine Straftat. Derartiges aufzudecken und damit für die Zukunft zu verhindern ist Aufgabe der Spionageabwehr. Sie schützt damit vertrauliche Informationen und Daten vor der unbefugten Verwendung durch ausländische Nachrichtendienste für deren Interessen.


Es besteht hier sicherlich Übereinstimmung in der Tatsache, dass nicht nur die westlichen GD in der DDR sondern auch die östlichen GD im Westen Informationen gesammelt haben und damit nach dem jeweiligen nationalem Recht Straftaten begingen. Darunter waren auch Informationen über den Aufbau der BW, die Stationierung und Ausrüstung der alliierten Truppen usw. Da diese Infos nun mal nicht in der Zeitung stehen, muss der Agent, Aufklärer oder was auch immer vor Ort sein. Wenn die Spionageabwehr seinen selbst gestellten Auftrag erfüllen will, muss sie wissen, wer sich für die z.B. militärischen Einrichtungen interessiert. Das erfährt sie entweder, wenn sie selber vor Ort ist oder jemanden hat, der da ein Auge drauf wirft. Da ersteres nicht möglich ist und GD in der Welt eigentlich überall gleich funktionieren, werden sie auch nichts anderes gemacht haben, als sich entsprechende V-Leute, ähnlich wie in der rechten Szene, geschaffen haben. Ob es so gewesen ist - wir wissen es nicht genau. Dass die Spionageabwehr der BRD aber nicht nur Däumchen gedreht hat sehen wir allein daran, dass es in den Jahren des kalten Krieges immer wieder zur Verhaftung von Ost-Spionen gekommen ist. Ob die Größenordnungen vergleichbar sind, steht auf einem anderen Blatt, dass aber z.B. die Amerikaner, die noch bis 1955 die Aufsicht über das BfV hatten sich dieser Behörde oder auch des MAD bei der Abwehr von Militärspionage bedient haben, steht für mich ausser Zweifel. Da die Archive derzeit noch geschlossen sind, wird das vom Umfang her sicher niemand gross bestätigen. Dass es sie aber gab, ist allein schon dadurch bestätigt, des es im, unter Aufsicht der USA gegründeten BfV überhaupt eine Spionageabwehr gab.
Die wussten schon warum und in der Schaffung von breit aufgestellten Agentennetzen haben sie im Osten ja umfangreiche Erfahrungen sammeln können - im eigenen Einflussbereich ist es dann noch ungleich einfacher.

andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
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#37

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.10.2016 19:12
von ABV | 4.202 Beiträge

Zu den Hauptaufgaben von Geheimdiensten gehören nun einmal Spionage und Spionageabwehr! Das wird wohl niemand bestreiten.
Unterschiede gab es jeoch, bezogen auf BND und MfS, auf die jewiligen Methoden. Vor allem die Methoden der Spionageabwehr und deren mittelbaren oder unmittelbaren Konsequenzen für die eigene Bevölkerung.
Ein Beispiel: ab dem Ende der Sechziger Jahre wurde in Kietz ein Friedhof zur Sperrzone erklärt, weil er unmittelbar an eine sowjetische Kaserne, in der Luftabwehrraketen stationiert waren, grenzte.


Bereits vor der Sperrung war der Friedhof stillgelegt worden. Beerdigungen fanden dort nicht mehr statt. Es gab jedoch noch einige Familien, welche die Gräber ihrer hier bestatteten Angehörigen besuchten und pflegten. Das wurde ihnen jedoch in der Folge verwehrt, was nicht gerade für Sympathien gesorgt hat. Aus den Akten geht weiterhin hervor, dass vor der Sperrung die Besucher des Friedhofs vom MfS erfasst und durch IM unter Kontrolle gehalten wurden. Als der Friedhof wieder betreten werden durfte, war er völlig zugewuchert.



Wer zum Beispiel in diesen Häusern wohnte, konnte sich, weil diese einen guten Blick auf die Bahnanlagen boten, der besonderen Aufmerksamkeit des MfS sicher sein. Wobei der größte Teil der Bewohner von der Aufmerksamkeit nichts bemerkt haben dürfte.

Übrigens geht aus den Akten auch hervor, dass das MfS bestens über einige Aktivitäten des BND hinsichtlich des Dorfes Kietz bestens im Bilde war. So kannte man beispielsweise all jene Einwohner mit Namen und Adresse, die von anderen gegenüber dem BND als mögliche Spionagekandidaten " getippt" worden waren. Auch diese Leute durften in aller Regel nichts von ihrer " Ehre" erfahren haben. Und wenn doch, dann wird sich wohl so manche " unverständliche Behördenentscheidung" im nachhinein aufgeklärt haben. Zum Beispiel warum " XY" die begehrte Wohnung in einem bestimmen Mehrfamilienhaus oder die Genehmigung zu einer Besuchsreise in den " Westen" nicht bekommen hat. Weil er, ohne es zu ahnen, dem BND als Spion empfohlen wurde. Deutsch-deutscher Wahnsinn der Spitzenklasse. Bloß gut, dass der Mist vorbei ist.
Und zum Schluß noch eine interessante Erkenntnis: Die Bundesrepublik wurde noch 1967 in den MfS-Akten als Westdeutschland bezeichnet. Bemerkenswert auch diese Wortschöpfung: " Westdeutschland und das kapitalistische Ausland". Was wohl im Klartext bedeutet, dass man auch im MfS 1967 noch von einem einheitlichen Deutschland ausging.

Der Grenzbahnhof Kietz, Schauplatz mancher Agentenstory, im Jahre 2016

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#38

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.10.2016 21:26
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #37


(....)
Und zum Schluß noch eine interessante Erkenntnis: Die Bundesrepublik wurde noch 1967 in den MfS-Akten als Westdeutschland bezeichnet. Bemerkenswert auch diese Wortschöpfung: " Westdeutschland und das kapitalistische Ausland".
(....)

Gruß an alle
Uwe



Die Bezeichnung "Westdeutschland" oder auch mal "westdeutsche Bundesrepublik" war meines Wissens bis 1968 in der DDR der Standard-Sprachgebrauch. Erst mit der DDR-Verfassung von 1968, in der sich die DDR vom Ziel der Wiedervereinigung verabschiedete, wurden diese beiden Bezeichnungen aus dem Sprachgebrauch "entsorgt".

Gruss

icke



Ebro hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#39

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.10.2016 22:32
von CASI | 78 Beiträge

Hallo Uwe,

da beschreibst Du sehr schön den Unterschied zwischen BND, MFS und generell den Unterschied der Systeme.
Hierzu einmal ein Vergleich, wie ich es selber in den 80er Jahren auf der RAF Airbase Gütersloh erlebt habe.
Als Jugendliche sind wir oft zur Airbase mit dem Fahrrad gefahren um Flugzeuge zu schauen. Da gab es am Ende der Start/Landebahn den sog. Gütersloher Affenfelsen.(das war die Emsbrücke) Da standen immer wenn Manöver waren mindestens 30 Planespotter mit Mords Optiken vor den Kameras. Da gab es immer schön spektakuläre Starts/Landungen von Kampfjets vieler Nato Partner. Interessiert hat das sprichwörtlich "keine Sau".
Da tauchte nie, nie jemand auf der auch irgendwie nur Fragen stellte. Ab und an kam die MP vorbei, schaute sich das ganze an und zog wieder ab.
Hier einmal ein Link wo die besagte Brücke zu sehen ist: http://sg-etuo.de/Main/SGG
Schaut Euch auch einmal die Galerie an, was die Jungs mit den Teles da für schöne Aufnahmen gemacht haben. Wie gesagt: Völlig entspannt.
Legendär war auch die Tommy Disko gegenüber der Airbase. Da ging immer die "Post" ab! - Was haben wir mit denen da für Partys gefeiert.
Man musste nur aufpassen das die "Jungs" (die britischen Soldaten) nicht Zuviel "Promille" auf dem Kessel hatten. Wenn die MP anrückte, war es besser sich sofort und unverzüglich "In Luft aufzulösen". Die MP haute da knallhart zu, egal auf wen!
Als ich Anfang 1990 die DDR kennengelernt hatte (sehr intensiv) gab es gar keine Möglichkeit einmal ein paar Migs starten zu sehen. Auf die Nachfrage kam bei meinen Gasteltern nur völliges Unverständnis!
Ich habe nicht weiter nachgefragt, wollte nicht auffallen oder Missfallen auslösen, ich war grade mal 19 und Gast.
Da war irgendwie eine absolute Paranoia drin, wenn es um die Russen ging.
Das war bei uns definitiv anders!
Ich wünsche allen eine schöne Gute Nacht,

Viele Grüße
Carsten



Gert und lhsecurity haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#40

RE: Der Grenzbahnhof Kietz / ein vergessener Frontbahnhof des "Kalten Krieges".

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.10.2016 22:59
von eisenringtheo | 9.156 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #38
(...)
Die Bezeichnung "Westdeutschland" oder auch mal "westdeutsche Bundesrepublik" war meines Wissens bis 1968 in der DDR der Standard-Sprachgebrauch. Erst mit der DDR-Verfassung von 1968, in der sich die DDR vom Ziel der Wiedervereinigung verabschiedete, wurden diese beiden Bezeichnungen aus dem Sprachgebrauch "entsorgt".

Gruss

icke



Erst anfangs 1970, als die Aufnahme beider deutscher Staaten in Reichweite kam. Im Kursbuch der Deutschen Reichsbahn hat man noch unterschieden zwischen dem Reiseverkehr nach der westdeutschen Bundesrepublik und dem internationalen Reiseverkehr:
http://www.eisenbahnwelt.com/Kursbuecher.../000_start.html

In der Diplomatie achtet man nämlich immer auf gegenseitige Gleichbehandlung. Nach dem Abschluss des Grundlagenvertrages hat sich die DDR bei der BRD wiederholt beschwert, dass die BRD Gesetzgebung im Bürgerrecht eine Missachtung der gegenseitigen Gleichbehandlung darstellt und die friedliche Koexistenz beinträchtigt.
Theo


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