#61

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 16.08.2016 14:21
von icke46 | 2.593 Beiträge

Also, ich wurde nie gefragt, zu welchem Grenzübergang ich wollte - ob nun Wartha oder Marienborn, dass schien niemanden zu interessieren.

Im Nachhinein betrachtet, beisst sich das eigentlich mit dem Text auf dem Visum, dass man die kürzeste Fahrtstrecke nutzen soll. Das wäre bei mir (Richtung Hannover, Wohnort) logischerweise Marienborn gewesen, andrerseits kann einem ja niemand verwehren, im Anschluss an einen Berlin-Besuch noch München unsicher zu machen.

Jedenfalls wurde auch auf den Visa nichts vermerkt bezüglich Ausreise-Grenzübergang, denn nur so würde die Frage auch Sinn machen. Vermutlich wäre das Ganze auch arbeitstechnisch ein enormer Aufwand gewesen - einmal Abfrage und dann ein entsprechender Vermerk auf dem Visum.

Gruss

icke



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#62

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 16.08.2016 22:08
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #58

Um nochmal auf das Bild von Drewitz zu kommen: Vermutlich sind meine Augen zu schlecht, da ich weder Fahrbahnbeschriftungen entziffern kann noch Betonblockaden auf der Alliiertenspur sehen kann. Was ich sehen kann, sind im Vordergrund Rollsperren, die im Ernstfall die die Fahrbahnen komplett blockiert haben. Dahinter beginnt links die Alliertenspur, die geradeaus weiterführt (also hinter dem Uniformierten vorbei, der links vom Motorrad zu sehen ist). Der Abfertigungsbereich war nach den Einweisungsschildern nach rechts verschwenkt, während die Allierten geradeaus weiterfuhren. Analog war es auch in Marienborn, nur kann man es da durch Augenschein nachvollziehen, während man bei Drewitz auf Bilder angewiesen ist.


Wir haben da eine erhebliche Meinungsverschiedenheit. Aber das kann man klären.

Zunächst einmal liegst Du bei Marienborn bzgl. Alliierter falsch (vermutlich auch bei Drewitz). Auf der Autobahn stand ein Vorwegweiser über alle Spuren, die Alliierten wurden nach links sortiert. Anders als Du annimmst, ging die Alliiertenspur aber nicht über das Kontrollgelände sondern verblieb auf der Autobahn. Dort befand sich dann der sowjetische Kontrollbereich: Postenhäuschen, STOP-Schild, Rotes Ampel-Licht, Zebrastreifen.

Zu dem Foto oben, angeblich Drewitz, west->ost. Ich vermute, dass das Foto die Vorkontrolle zeigt, also schon auf der Zufahrt zum Kontrollgebiet. Zu den Betonblöcken: Deren Funktion ist (mir) unklar: Für Rollsperren fehlen mir die Puffer, zudem wären Rollsperren an dieser Stelle wohl wenig glücklich. Für Schlagsperre fehlt mir der seitliche Schlagbaum.

Die frühere/spätere Markierung: Links vor dem linken Betonblock steht ein Verkehrsleitkegel. Dieser steht genau auf der NEUEN Fahrbahnmarkierung. Links und rechts davon ist (verblasst) jeweils ein Strich der alten, ursprünglichen Fahrbahnmarkierung zu sehen.

Ich lasse mich gern eines besseren belehren: Ich halte es für kaum möglich, dass die Alliierten-Spur durch die DDR-Vorkontrolle GÜSt ging; das hätten sich die Alliierten wohl nicht bieten lassen. Ich vermute ohne Beweis, dass das ähnlich wie bei der GÜSt Marienborn lief.

Es wäfre schön, wenn @KARNAK das mal örtlich aufklären könnte.


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#63

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.08.2016 10:03
von ehem. Hu | 466 Beiträge

In Marienborn wurden jeweils ab den Vorkontrollen (E u. A) die Militärfahrzeuge vom restlichen Verkehr getrennt. Sie wurden auf die alte (heutige) Autobahn geleitet. Da die GÜST südlich der Autobahn lag, kam es dadurch auf dem Kontrollterritorium in unmittelbarer Nähe der Vorkontrollen zu kreuzendem Verkehr, wenn Militärfahrzeuge in das Territorium einfuhren bzw. davon wieder herunterfuhren. Da die GÜST Drewitz "links" neben der Autobahn lag, wird es dort auch etwa so gewesen sein. Das hätte man nur durch Brückenkonstruktionen oder durch den Bau des Kontrollteritoriums links und rechts der Autobahn (zu teuer und unflexibel in der Abfertigung) verhindern können.

PS: hat aber nichts mit dem gelb/schwarz gestreiften Betonklotz auf dem o. g. Bild zu tun


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zuletzt bearbeitet 17.08.2016 11:34 | nach oben springen

#64

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.08.2016 10:51
von icke46 | 2.593 Beiträge

Vielleicht hilft dieser Plan von der BStU weiter (von berlinermauerweg.com):



Den Erklärbär für den Plan muss aber jemand anders machen - ich halte mich da raus.

Gruss

icke



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#65

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.08.2016 13:32
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #64
Vielleicht hilft dieser Plan von der BStU weiter (von berlinermauerweg.com):
...
Den Erklärbär für den Plan muss aber jemand anders machen - ich halte mich da raus.


Da ist es genau so - wie von mir vermutet: "M" ist der sowjetische Kontrollbereich, "3" ist das sowjetische Kontrollgebäude - beides direkt an/auf der eigentlichen Autobahn.

Was da an Brücken auf dem DDR-Kontrollgelände stand - ist insoweit irrelevant, da kamen die Alliierten nie vorbei.

Die Brücke auf dem Bild - das sollte der Kasten ganz rechts im Bild (und darüber vergrößert) sein. das ist schon Kontrollterritorium. Den sowjetischen Kontrollbereich erreicht man sowohl durch den "Kasten" - als auch auf der Hauptspur der Autobahn.

Es wird schon so sein wie ich vermutete: Die Alliierten haben sich schlicht geweigert durch irgendwelche DDR-Kontrollen zu fahren: "Freier Zugang von und nach Westberlin".


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zuletzt bearbeitet 17.08.2016 13:47 | nach oben springen

#66

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.08.2016 17:14
von KARNAK | 1.695 Beiträge

Zitat von ehem. Hu im Beitrag #63
In Marienborn wurden jeweils ab den Vorkontrollen (E u. A) die Militärfahrzeuge vom restlichen Verkehr getrennt. Sie wurden auf die alte (heutige) Autobahn geleitet. Da die GÜST südlich der Autobahn lag, kam es dadurch auf dem Kontrollterritorium in unmittelbarer Nähe der Vorkontrollen zu kreuzendem Verkehr, wenn Militärfahrzeuge in das Territorium einfuhren bzw. davon wieder herunterfuhren. Da die GÜST Drewitz "links" neben der Autobahn lag, wird es dort auch etwa so gewesen sein. Das hätte man nur durch Brückenkonstruktionen oder durch den Bau des Kontrollteritoriums links und rechts der Autobahn (zu teuer und unflexibel in der Abfertigung) verhindern können.

PS: hat aber nichts mit dem gelb/schwarz gestreiften Betonklotz auf dem o. g. Bild zu tun

Sie fuhren einfach rechts an der Schlange vorbei,unmittelbar hinter der Vorkontrolle Ausreise gerade aus war die Schranke in den Militärkorridor. Dort stellten sie davor und die Schranke wurde von dem dort Diensthabenden geöffnet. Der übrige Verkehr bog halb links ab in den Ausreisebereich.


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
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#67

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.08.2016 17:24
von eisenringtheo | 9.180 Beiträge

Wurden westliche Konvois eigentlich angemeldet (z.B. bei den Sowjets); und wenn nein, wie wurde die (verdeckte) Überwachung auf der Transitstrecke kurzfristig organisiert?
Theo


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#68

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.08.2016 17:46
von KARNAK | 1.695 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #67
Wurden westliche Konvois eigentlich angemeldet (z.B. bei den Sowjets); und wenn nein, wie wurde die (verdeckte) Überwachung auf der Transitstrecke kurzfristig organisiert?
Theo


Eigentlich kann ich mich an sehr viele Konvois gar nicht erinnern,meistens waren es nur PKW.Aber sonderlich interessiert hat uns das eigentlich nicht,man hat uns da eh nicht reinschschauen lassen und somit war das nicht so unser Thema,wir hatten genug anderes zu tun. Ich glaube auch nicht,dass eine Transitüberwachung ein großes Thema war. Ich weiß noch nicht mal ob es für die überhaupt so was wie Transit gab. Wir kannten die Papiere nicht die sie mitzuführen hatten,haben sie nie gesehen und auf welchen Wegen sie sich zu bewegen haben wussten wir auch nicht.


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#69

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.08.2016 21:15
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von KARNAK im Beitrag #68
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #67
Wurden westliche Konvois eigentlich angemeldet (z.B. bei den Sowjets); und wenn nein, wie wurde die (verdeckte) Überwachung auf der Transitstrecke kurzfristig organisiert?
Theo


Eigentlich kann ich mich an sehr viele Konvois gar nicht erinnern,meistens waren es nur PKW.Aber sonderlich interessiert hat uns das eigentlich nicht,man hat uns da eh nicht reinschschauen lassen und somit war das nicht so unser Thema,wir hatten genug anderes zu tun. Ich glaube auch nicht,dass eine Transitüberwachung ein großes Thema war. Ich weiß noch nicht mal ob es für die überhaupt so was wie Transit gab. Wir kannten die Papiere nicht die sie mitzuführen hatten,haben sie nie gesehen und auf welchen Wegen sie sich zu bewegen haben wussten wir auch nicht.

Dazu kann ich -zumindest theoretisch und für die 1980er Jahre- etwas sagen.

Meist waren das -wie oben gesagt- Einzelfahrzeuge. Militärische Einzelfahrzeuge wurden auch sowjetischerseits nicht kontrolliert, es wurde Kennzeichen und Anzahl Personen notiert. Bei Zivilpersonen lies sich der sowjetische Posten den Militärausweis zeigen.

Es gab durchaus Militärkonvois, meist zwischen Marienborn und Drewitz. Diese wurden teilweise wohl von der entsprechenden militärischen Seite vorgemeldet. Nebst Anzahl Fahrzeuge, Personen wurde teilweise auch Bewaffnung durchgezählt. (Zugefügt: Von einer Kontrolle im Sinne einer DDR-GÜSt kann aber nicht ansatzweise gesprochen werden, die Fahrzeuge und Personen wurden faktisch nicht kontrolliert.)

Obwohl das aus DDR-Sicht praktisch Transit war, war das aus alliierter Sicht kein Transit: Es war der im Vier-Mächte-Abkommen vereinbarte freie Zugang aller Alliierter zu Großberlin (praktisch aber: Westberlin). Einerseits lief da in kleinem Rahmen Technikaustausch, andererseits ging es ganz formal darum, die eigenen Rechte zu wahren und durch angewandte Praxis klarzustellen.

Als beispielsweise Walter Ulbricht in den 1960er Jahren immer mal wieder einen Teil der heutigen A2 sperrte, erklärten die Amerikaner der sowjetischen Seite, dass sie gestaffelt deutlicher würden - im Falle des Falles würden sie sich längs der heutigeen A2 in Richtung Berlin bewegen, einen Angriff würden sie dann als kriegerischen Akt werten.

Alle vier Alliierten haben da nie etwas anbrennen lassen: Die DDR beschwerte sich immer mal wieder bei der UdSSR wegen der vermeindlichen Souveränität, die UdSSR tat das mit einem Schulterzucken ab. Bei BStU gibt es entsprechende Dokumente, sie sind erhalten.

Interessant ist, dass es bis [unklare Zeit] an der heutigen A2 gleich zwei alliierte Zwischenstops gab, man darf sich das wie einen Autobahnparkplatz vorstellen - aus DDR-Sicht exterritoriales Gebiet der westlichen Aalliierten.


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zuletzt bearbeitet 17.08.2016 21:18 | nach oben springen

#70

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.08.2016 22:01
von Hanum83 | 4.785 Beiträge

So ein Schreiben wo sich die DDR beim großen Bruder wegen ihrer Souveränität beschwert hat würde ich gerne mal sehen.
Wo findet man so etwas im Internet?


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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zuletzt bearbeitet 17.08.2016 22:04 | nach oben springen

#71

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.08.2016 23:11
von Mart | 735 Beiträge

Das kann ich Dir gar nicht sagen. Ich bezog mich auf mein privates Archiv. In verschiedenen Zusammenhängen gibt es (bei BStU) Berichte verschiedener DE, die folgende Berichtstendenz haben: Man habe sich "bei den Freunden" beschwert, aber gar meine oder nur ausweichende Auskunft bekommen. Recht oft taucht das z.B. in Zusammenhang mit den MVM auf.

Aber auch beim Teilabzug 79/80 (der interessiert mich, weil der primär meinen Ort betraf) stellte das MfS entsetzt fest, dass trotz aller Absicherung sowjetische (da kamen dann Vornamen wie Sergej usw) Kontakt zu westlichen Journalisten aufnahmen und das der ZDF-Journalist trotz aller Absicherung auf einem Panzer war und Interviews führte. In etwas weinerlichen Ton war das Resumee: Also an dem Punkt könne man nun wirklich nichts machen, die sowjetische Seite reagiere nicht.


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#72

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 18.08.2016 11:12
von eisenringtheo | 9.180 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #70
So ein Schreiben wo sich die DDR beim großen Bruder wegen ihrer Souveränität beschwert hat würde ich gerne mal sehen.
Wo findet man so etwas im Internet?

Zumindest für das Jahr 1961 sind Fälle bekannt, wo die DDR von der SU gefordert hat, dass ihre Souveränit beachtet werden muss. Das gilt für den Vorfall vom 22. Oktober 1961 an der Strassengüst Friedrichstrasse und beim Fluchtversuch im westalliierten Militärzug bei Gerwisch
http://www.zeit.de/wissen/geschichte/201...ckpoint-charlie

Die Frage bleibt offen, ob die jeweiligen Proteste bei der SU nicht einfach ein Show für die Westalliierten war, ähnlich wie das ostentativ zur Schau gestellte Desinteresse der SU am Mauerbau ("als Entscheid der DDR, eine Ordnung an der Grenze einzurichten, wie es bei allen souveränen Staaten der Welt üblich ist").
Theo


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#73

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.08.2016 10:46
von sentry | 1.108 Beiträge

Zitat von Mart im Beitrag #62

Zu den Betonblöcken: Deren Funktion ist (mir) unklar: Für Rollsperren fehlen mir die Puffer, zudem wären Rollsperren an dieser Stelle wohl wenig glücklich. Für Schlagsperre fehlt mir der seitliche Schlagbaum.



Zu dem Bild in Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem? (3):

Der vollschraffierte Betonblock scheint nur genau das zu sein, ein Betonblock.
Die teilschraffierten abgeschrägten Blöcke sind typische Bestandteile einer Sperrschlagbaumanlage. Das sind diese horizontal schließenden schrankenähnlichen Gebilde. Einer dürfte links im Bild versteckt hinter den Blöcken stehen, der andere steht rechts neben der PKW-Kolonne neben dem Audi Quattro (oder was das ist). In der Mitte zwischen den Motorrädern und den Pkw's sieht man das Widerlager, in das die Schlagbäume einschwenkten. Dieses war in Marienborn grundsätzlich versenkbar, um ggf. überbreite Schwertransporte durchlassen zu können. Beide Sperrschlagbäume decken jeweils zwei Fahrspuren ab. Das technische Prinzip ist so, dass nur Durchbrüche aus Richtung Osten verhindert werden konnten, also hier entgegengesetzt der Fahrzeugkolonnen im Bild.
Im Einsatz sah das so aus (versuchter Grenzdurchbruch in Marienborn während meiner Dienstzeit am 21.11.1987):


zuletzt bearbeitet 30.08.2016 11:22 | nach oben springen

#74

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.08.2016 11:07
von sentry | 1.108 Beiträge

Zitat von Mart im Beitrag #69

Es gab durchaus Militärkonvois, meist zwischen Marienborn und Drewitz. Diese wurden teilweise wohl von der entsprechenden militärischen Seite vorgemeldet. Nebst Anzahl Fahrzeuge, Personen wurde teilweise auch Bewaffnung durchgezählt. (Zugefügt: Von einer Kontrolle im Sinne einer DDR-GÜSt kann aber nicht ansatzweise gesprochen werden, die Fahrzeuge und Personen wurden faktisch nicht kontrolliert.)



In der Alliierten-Abfertigung in Marienborn gab es übrigens auch solche Sperrschlagbäume, weil dies natürlich unter Umgehung des Kontrollterritoriums der direkte Weg in den Westen war. Diese wurden auch in die nächtliche Alarmüberprüfung einbezogen und dann mit geschlossen. Natürlich wurde das nur gemacht, wenn keine alliierten Fahrzeuge anwesend waren. Ansonsten wurde so lange gewartet, bis die Fahrzeuge weg waren.

Einzelfahrzeuge fuhren sehr häufig, einige Transporter fuhren so regelmäßig, dass sie schon Spitznamen hatten. Ein großer, typisch amerikanischer Truck mit einem unlackierten aluminiumglänzenden Container hieß bei uns "Komplekte-Joe".
Kolonnen auf Straße habe ich gelegentlich auch gesehen, teilweise sogar mit selbstfahrenden Schützenpanzerwagen (franz. VAB) sowie Panzern (M113, Abrams) und Hubschraubern (Gazelle) auf Tiefladern.
Wie die Kontrolle auf der Autobahn ablief, weiß ich nicht. Ich war dort in der SiK und wir hatten nur an wenigen Stellen Einblick in den sowjetischen Kontrollpunkt. Er war zum zivilen KT durch Wände getrennt und von unserem Abschnitt durch einen Zaun. Ab und zu haben wir dort mit den armen Hunden eine geraucht und uns geduldig ihre Familienfotos angeguckt, ihr Job war da uninteressant. Die Kontrollen waren sicher nur formell.

Das meiste schwere Gerät wurde nachts auf Schiene transportiert.
Es gab reine Truppentransporter und Güterzüge, die vom Jeep über Hubschrauber bis zum Panzer alles nach WB brachten. Die Züge waren grundsätzlich getrennt für die einzelnen Westmächte unterwegs.
Zur Kontrolle rückten ein paar Russenoffiziere auf den Bahnhof Marienborn. Ihre Kasernen lagen unmittelbar neben den Bahnanlagen, ca. 5km östlich der Grenze im Sperrgebiet.
Zur Bewachung des Zuges während der Standzeit waren auch noch 3 Soldaten dabei.
Die Russen hatten auf dem Bhf ein eigenes Büro. Hier empfingen sie jeweils den Kommandanten des Zuges und seine Adjutanten und ließen sich Angaben zu den transportierten Truppen und der Bewaffnung und Ausrüstung machen. Alles basierte praktisch auf Vertrauen, der Zug wurde, so lange wie ich da war, nie von irgend jemand betreten.

Nach Abschluss der Kontrolle meldete der Russenhäuptling Vollzug an den DHO der Sicherungskompanie. Dieser (oder sein Gehilfe, weil der DHO meist schlief) meldete das Ganze an den Fahrdienstleiter der Reichsbahn. Wenns nach Westen ging, gab er noch das Signal für das Gleis frei und weg war der Zug. (Richtung Westen konnte die DR keine Signale öffnen, sie mussten jedesmal von der SiK freigeschaltet werden.)

Anschließend ging der Gehilfe des DHO zu den Russen und holte die oben genannten Informationen ein, die er dann in Richtung Berlin telefonisch weitergab. Der Informationsaustausch erfolgte anhand von vorgefertigten deutsch-russischen Listen mit aller möglichen Bewaffnung und Ausrüstung, die in Folien eingelegt waren. Man schrieb einfach auf die Folien die entsprechenden Informationen (im wesentlichen die Mengen an Personal und verschiedenem Gerät) und löschte es später wieder, wenn man es weitergemeldet hatte.
Das war jedenfalls der einzige Moment im ganzen Alliierten Transit-Kontrollmechanismus, wo ein Deutscher eingriff...ein glatter grundwehrdienstleistender Soldat in seinem ersten Halbjahr an der Grenze.

Dann rückten die Russen mit den idR übergebenen (flüssigen) Gastgeschenken wieder in ihre Kaserne, bis der nächste Zug kam...alles ganz fahrplanmäßig.


zuletzt bearbeitet 30.08.2016 11:46 | nach oben springen

#75

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.09.2016 13:01
von Georg | 1.027 Beiträge

Thema war " Zeitüberschreitung im Transit "
Also, wenn die Alliierten nur von den Russen kontrolliert wurden, wie konnte da eine Zeitüberschreitung ein Problem werden ?


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#76

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.09.2016 13:04
von Georg | 1.027 Beiträge

Thema war " Zeitüberschreitung im Transit "
Also, wenn die Alliierten nur von den Russen kontrolliert wurden, wie konnte da eine Zeitüberschreitung ein Problem werden ?


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#77

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 05.09.2016 11:36
von sentry | 1.108 Beiträge

Sorry, habe einfach nur ein paar Gedanken und meines Erachtens interessante Ergänzungen zu den vorherigen Beiträgen aufgeschrieben. Ist ja nicht immer gleich ein Drama, wenn das Thema nicht hundertprozentig durchgezogen wird, so lange noch ein Zusammenhang zu erahnen ist.

"Zeitüberschreitungen", über die hier gesprochen wurde, resultieren ja nicht aus der Kontrolle sondern aus dem Verhalten auf der Transitstrecke zwischen den Kontrollen.
Die Message ist, dass zumindest beim Bahntransport möglichst genau erfasst wurde, was alles an Bord war und mit der Abfahrt in Richtung Berlin auch von Marienborn aus nach Berlin weitergemeldet wurde, wann und mit welchem Material der Zug die Transitreise angetreten hat. Möglicherweise wären ja irgendwo Alarmzeichen angegangen, wenn so ein Transport unerklärbar lange in der DDR verbracht hätte.

Übrigens wurden in Marienborn auch andere Fahrzeuge regelmäßig überwacht und die Zeiten ihrer Ein- und Ausreise genau protokolliert.
Das galt beispielsweise für Abschleppfahrzeuge der Fa. Ulrichs aus Helmstedt, die wohl autorisiert waren, westdeutsche Pannenfahrzeuge zurückzuholen und Ethylentransporter, die sich wohl zwischen Ein- und Ausreise maximal 24h in der DDR aufhalten durften, wenn ich mich rech erinnere. Allerdings weiß ich nicht genau, warum ausgerechnet (und nur) diese Gefahrguttransporter planmäßig durch uns Grenzer überwacht wurden. Ich weiß auch nicht, welche Sanktionen es bei Zeitüberschreitungen gegeben hätte.


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#78

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 05.09.2016 11:47
von passport | 2.639 Beiträge

Zitat von sentry im Beitrag #77
Sorry, habe einfach nur ein paar Gedanken und meines Erachtens interessante Ergänzungen zu den vorherigen Beiträgen aufgeschrieben. Ist ja nicht immer gleich ein Drama, wenn das Thema nicht hundertprozentig durchgezogen wird, so lange noch ein Zusammenhang zu erahnen ist.

"Zeitüberschreitungen", über die hier gesprochen wurde, resultieren ja nicht aus der Kontrolle sondern aus dem Verhalten auf der Transitstrecke zwischen den Kontrollen.
Die Message ist, dass zumindest beim Bahntransport möglichst genau erfasst wurde, was alles an Bord war und mit der Abfahrt in Richtung Berlin auch von Marienborn aus nach Berlin weitergemeldet wurde, wann und mit welchem Material der Zug die Transitreise angetreten hat. Möglicherweise wären ja irgendwo Alarmzeichen angegangen, wenn so ein Transport unerklärbar lange in der DDR verbracht hätte.

Übrigens wurden in Marienborn auch andere Fahrzeuge regelmäßig überwacht und die Zeiten ihrer Ein- und Ausreise genau protokolliert.
Das galt beispielsweise für Abschleppfahrzeuge der Fa. Ulrichs aus Helmstedt, die wohl autorisiert waren, westdeutsche Pannenfahrzeuge zurückzuholen und Ethylentransporter, die sich wohl zwischen Ein- und Ausreise maximal 24h in der DDR aufhalten durften, wenn ich mich rech erinnere. Allerdings weiß ich nicht genau, warum ausgerechnet (und nur) diese Gefahrguttransporter planmäßig durch uns Grenzer überwacht wurden. Ich weiß auch nicht, welche Sanktionen es bei Zeitüberschreitungen gegeben hätte.




Nur mal eie Frage @sentry , wie habt Ihr diese Art LKW überwacht ? Abgesehen davon das diese Fahrzeuge die A1 Spur befahren mussten sind mir andere Massnahmen nicht bekannt !


passport


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#79

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 05.09.2016 12:00
von sentry | 1.108 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #78

Wie habt Ihr diese Art LKW überwacht ?


Ethylener waren ganz normale, blaue Tanklastzüge.
Wir kannten alle "Etylener", jedem Truck war eine Nummer zugeordnet. Listen lagen auf den Postenpunkten. Alle an der Autobahn im Grenzstreckenabschnitt befindlichen Postenpunkte hatten u.a. die Aufgabe den Autobahnverkehr auf ein- und ausreisende Ethylener zu beobachten. So bald einer entdeckt wurde, wurde idR mit dem DF das Kennzeichen aufgeklärt, die entsprechende Nummer aus der Liste gesucht und an die Führungsstelle "Ethylener xy in der Einreise/Ausreise" gemeldet. Das Ganze wurde mit Uhrzeit protokolliert.

In der Einreise war der erste Posten mit Sichtung die A1 (das "Schiff"), meist schon in der GKSt Helmstedt. Interessant war, dass die Ethylenerfahrer ganz offensichtlich wussten, dass sie aufgeklärt wurden. So kam es z.B. nachts häufig vor, dass die Fahrer schon in der GKSt nach der Kontrolle kurz Lichthupe gaben, so dass der Posten auf der A1 aufmerksam wurde, dass da was kam. Beim Überfahren der Grenzlinie sind sie oft besonders langsam gefahren und haben sogar manchmal das Licht abgeblendet, so dass der Posten bessere Sicht auf das Kennzeichen hatte.
Wie sie zu diesen Erkenntnissen (und Verhaltensweisen) kamen, weiß ich nicht. Nett war es allemal, weil es natürlich auf eine mangelnde Diesntdurchführung schließen ließ, wenn man die Nummer nicht aufklären konnte oder den Ethylener gar ganz verpasst hat.


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#80

RE: Transit Westdeutschland/ Berlin, Berlin/ Westdeutschland, "Zeitüberschreitungen" ein Problem?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 05.09.2016 23:51
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von sentry im Beitrag #77
Sorry, habe einfach nur ein paar Gedanken und meines Erachtens interessante Ergänzungen zu den vorherigen Beiträgen aufgeschrieben.

Und ich danke Dir ausdrücklich dafür!
Die Lokalitäten (der sowjetischen Truppe) sind mir bekannt. Nicht bekannt war mir das genaue Prozedere der Alliierten-Kontrolle (Schiene) - ganz herzlichen Dank!

Zur Ergänzung: Für den Personentransport der Alliierten hielten selbige Schnellzugwaggons vor, die in ihrem eigenen Bestand (also nicht Bundesbahn) waren. Teilweise waren das Salonwagen der vormaligen Reichsregierung: Neu lackiert und neu eingerichtet. Die Wagen wurden an den GüSt verschlossen und verplombt.

Zur weiteren Ergänzung: Die Kontrollen wurden durch eine KGB-Einheit in sowjetischer Uniform vorgenommen. Jeder Vergleich hinkt: Man darf sich Soldaten ähnlich des MfS-Wachregiments vorstellen.

Zitat von sentry im Beitrag #77
Übrigens wurden in Marienborn auch andere Fahrzeuge regelmäßig überwacht und die Zeiten ihrer Ein- und Ausreise genau protokolliert. Das galt beispielsweise für ...
... Ethylentransporter

Sicher Ethylen? Oder Azetylen?
Wobei sich beides nicht so recht erschließt: Nun ausgerechnet per LKW ...

Zitat von sentry im Beitrag #77
... planmäßig durch uns Grenzer überwacht wurden.

Ein weiteres Mysterium:
PKE hat ja jeden Quatsch überwacht und gemeldet. Aber das nicht - das habt ihr gemeldet. Verstehe das - wer will.

Vermutlich müssen wir noch froh sein, dass grad kein Zöllner da ist: Nicht ausgeschlossen, das die auch noch was im Sinne der Zeitüberschreitung überwachten und meldeten.


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