#21

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 03.07.2016 23:50
von vs1400 | 2.392 Beiträge

hm, ... und ... ... funzt.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#22

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 04.07.2016 19:35
von Kalubke | 2.296 Beiträge





....jetzt gehts endlich wieder. Der Provider hatte wohl keinen Bock mehr und ohne Ankündigung Sirup in die Datenleitung gekippt oder ein paar Bits quer gestellt.

Der Ausschnitt zeigt die Wasser-Güst Nedlitz, Meedehorn und die "Exklave" (rot schraffiert).

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 05.07.2016 10:48 | nach oben springen

#23

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 05.07.2016 08:30
von Kalubke | 2.296 Beiträge

... hier noch zwei Ausschnitte aus der TK 10 AS mit eingetragenen Grenzsperranlagen:


1. Jungfernsee mit GüSt Nedlitz und Liegeplatz Bootskompanie 44 (Bertinistraße 6)


2. Abschnitt Meedeorn

Meedehorn ca. 1988:


1. Betonmauer mit KS und Lichttrasse am S-Ufer


2. Streckmetallzaun mit Lichttrasse ohne KS am N-Ufer

Gruß Kalubke



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zuletzt bearbeitet 11.07.2016 11:58 | nach oben springen

#24

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 05.07.2016 09:17
von EIL-Radler | 13 Beiträge

An diesem Beitrag aus der MAZ vom 30.06.2016 kommt mir so einiges spanisch vor, was überhaupt nicht so recht in das Bild meines damaligen Grenzdienstes in der Bootskompanie im Jahre 1970/1971 passt.
Vorab: Von der Verlegung der Wasser-GÜST von Nedlitz zur Bertinienge im Jahre 1965 kann ich keine Argumente / Infos beitragen, da dieses Ereignis einige Jahre vor meiner Grenzzeit lag. Dazu könnte vielleicht unser Experte PKE etwas beitragen.
Zu den anderen Argumenten / Informationen in diesem Pressebeitrag nachfolgend meine Gedanken bzw. Erläuterungen:

Schon der Titel Erinnerungen an Potsdamer Exklave – Badestelle in der Schweinebucht / Potsdam ist gleich mal falsch! Dies hatte ja bereits Kalubke im ersten Beitrag nach der Veröffentlichung in der MAZ erläutert. Hier mal zum Verständnis kurz die Definitionen:
Eine Exklave ist ein Teil (Eigentum) eines politischen Gebietes (Mutterland), das vom Rest des Gebietes durch Grenzen räumlich abgetrennt und ausschließlich über fremdes Gebiet zu erreichen ist. Eine Enklave ist ein fremdes Gebiet das von einem anderen Gebiet vollständig umgeben ist.
Also sind viele Exklaven aus der Sicht des sie umgebenden Gebietes auch zugleich Enklaven und umgekehrt.
Im Süden von Berlin (Bereich Potsdam) gab es folgende Exklaven: Steinstücken (bis 1972), Wüstemark, Nuthewiesen, Böttcherberg in Klein Glienicke (3 Mini-Exklaven). Weitere sind mir nicht bekannt.
Bei einer Exklave hätte es sich also um ein Gebiet, welches zu Westberlin gehörte, handeln müssen. Und dieses gab es im Jahre 1970 definitiv nicht, dann hätten die Angehörigen der Bootskompanie die Sicherung dieses Gebietes (Exklave?) übernehmen müssen, da der Standort (Kaserne) in unmittelbarer Nähe lag. Eine Sicherung vom GR 44 (Babelsberg) wäre viel zu unwirtschaftlich gewesen (große Entfernung durch die ganze Stadt).
Es kann sich damit höchstes um ein militärisches Sperrgebiet handeln, das von den Sowjets (zeitweise) annektiert wurde. Die Sicherung derartiger Gebiete übernahmen die Sowjets i.d.R. selbst.
Den freien Zugang durch den Neuen Garten zum Jungfernsee bis zum Jahre 1965 möchte ich nicht in Frage stellen, da die eigentliche Grenzlinie noch relativ weit weg war und die Grenzsicherung zu dieser Zeit noch ziemlich leger erfolgte.

Lt. Aussage wohnt der Zeitzeuge in der Straße „Am Neuen Garten“ kurz vor der Einmündung der „Großen Weinmeisterstraße“.Dazu folgender Kartenausschnittes des Sicherungsgebietes der Bootskompanie (innerhalb der roten Line):



Kalubke hatte ja nach seinem x-ten Versuch eine ähnliche Karte veröffentlicht. Dafür schönen Dank. Ich hatte die Karte aber bereits fertig. Sie zeigt das betreffende Territorium etwas genauer und sollte deshalb als Ergänzung dienen.

Zitat aus MAZ: "Fragte man ihn damals, wo er wohnt, habe er gesagt: „Zwischen den drei Zäunen.“ Im Süden war hinter einer Bretterwand ein sowjetisches Militärobjekt, das heute als Sitz des sowjetischen Geheimdienstes KGB­ Städtchen genannt wird. Im Norden war der Jungfernsee mit dem Grenzübergang nach West­Berlin, im Osten die Mauer des Neuen Gartens".
Also, wie auf obigen dem Kartenausschnitt zu erkennen liegt im Süden der Neue Garten mit dem Schloss Cecilienhof (immer frei zugänglich, da öffentliche internationale Gedenkstätte). Es kann also in dieser Richtung gar keine Bretterwand gegeben haben!
Im Norden verlief als Verlängerung der Straße am Neuen Garten die Bertinistraße, die ebenfalls frei zugänglich war. Lediglich die Uferzone war nicht frei zugänglich, da die Grundstücke sowieso Privatbesitz waren. Der Grenzübergang war die Wasser-GÜST, also für Personen von keinerlei Bedeutung.
Im Osten die Mauer des Neuen Gartens: Dazu kann ich nur sagen, dass im Jahre 1970 auf der roten Linie noch keine Mauer stand, sondern ein Streckmetallzaun. Die Mauer am Ufer des Jungfernsees wurde gerade 1970 errichtet und löste den Streckmetallzaun ab. Auf der rückwärtigen Seite des Grenzsicherungsgebietes am Heiligen See verlief ein Weg, der für jedermann freizugänglich war (auch für Jogger).
Also wenn eine Bretterwand, dann kann sie ja nur im Westen gestanden haben. Aber ein derartiges Sperrgebiet wie auf Kalubkes Karte ist mir in keinster Weise bekannt (Stand 1970). Vielleicht wurde es aber später eingerichtet, obwohl ich darin keinerlei Sinn sehe, da es von den übrigen sowjetisch besetzten Flächen und auch von der eigentlichen Grenzlinie viel zu weit weg liegt. Die dargestellte Fläche hängt ja auch einen Teil der Großen Weinmeisterstraße ab, hätte auch den Konsum (als einzige Verkaufsstelle im Wohngebiet beschrieben) mit einverleibt und mit seiner nördlichen Grenze das Territorium der Bootskompanie tangiert.
Für mich alles eher unwahrscheinlich.
Die Schwanenallee war Grenzgebiet und durfte nur von Bürgern mit Passierschein betreten werden. Den Anwohnern war das z. T. gar nicht so unrecht, konnten sie sich dadurch z.B. auch unbeliebte Besucher vom Hals halten (keinen beantragten Passierschein erhalten?). So war dieses auch ein schönes ruhiges Gebiet, leider aber mit dem Nachteil, dass der Zugang zum Wasser nicht mehr möglich war.
Zu: "Für die Anwohner des Viertels vom Grünen Haus am Heiligen See bis hinüber zur Bertini­- und zur Höhenstraße gab es nur eine Straßenverbindung in die Stadt: den Wirtschaftsweg des Schlosshotels Cecilienhof im Neuen Garten"
Ist wieder nicht zutreffend, siehe Karte. Also wie beschrieben war die Bertinistraße immer frei öffentlich zugänglich. Und das trifft natürlich auch auf die Straße „Am Neuen Garten“ zu, von der lediglich der o.a. Wirtschaftsweg in östlicher Richtung zum Cecilienhof abzweigte. Bis zum Knoten "Am Neuen Garten / Große Weinmeisterstraße" verkehrte im Zeitraum um 1970 eine Buslinie, die wir Grenzer auch immer zur Fahrt in die Stadt (u.z.) nutzten.
Wenn wir Grenzer aus der Bertinistraße wegen großem Durst die nächstgelegene Kneipe aufsuchen mussten, führte uns der Weg aus der Bertinistraße-Große Weinmeisterstraße-Am Pfingstberg zur Gartenkneipe der Anlage „Pfingstberg“. Also auch in diesem Bereich war alles öffentlich zugänglich (entgegen der Darstellung auf Kalubkes Karte > Große Weinmeisterstraße annektiert).
Auch die Aussage „Straßenbeleuchtung in Eigeninitiative“ ist zumindest in Frage zu stellen. Eine Zufahrt ohne Straßenbeleuchtung zum bedeutsamen Schloss Cecilienhof, auch zur damaligen Zeit, halte ich doch für etwas unwahrscheinlich. Die Straße am Neuen Garten war immer öffentlich (in kommunalem Eigentum). Damit war die Stadt für alle Teilanlagen der Straße (auch die Beleuchtung) in der Pflicht.
Soweit mal einige Überlegungen zu dem MAZ-Beitrag aus meiner Sicht, wie geschrieben, zum Zeitpunkt meiner Dienstzeit im Jahre 1970/1971.
Danke allen, die sich an der Diskussion beteiligten und auch einige gute Informationen / Argumente eingebracht haben.

Das Projekt vom Verein „Erinnerungsorte Potsdamer Grenze“ und dem Zentrum für zeithistorische Forschungen halte ich aber für sehr gut, kommt aber leider etwas zu spät, da fast alle alten Grenzerspuren bereits beseitigt wurden. Das habe ich bei meinen Befahrungen leider feststellen müssen.
meint der EIL-Radler Willi


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#25

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 05.07.2016 11:45
von EIL-Radler | 13 Beiträge

Danke Kalubke für die Karten und Bilder.
Beim Streckmetallzaun ist das Metall aber unter dem Beton versteckt worden.
Ich habe mal in der Karte der Bertinistraße /Jungfernsee das Territorium der Bootskompanie eingemalt.


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#26

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 05.07.2016 13:50
von Kalubke | 2.296 Beiträge

Auf diesem Bild sieht man das gaube ich etwas besser, dass der Zaun am N-Ufer wirklich Streckmetall und keine Betonplattenwand war. Auch gab es hier keinen Maschendraht-Vorzaun und keinen KS wie am S-Ufer, welches der Grenze direkt zugewandt ist.



Gruß Kalubke



schulzi und EIL-Radler haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.07.2016 23:03 | nach oben springen

#27

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 05.07.2016 19:44
von EIL-Radler | 13 Beiträge

Hallo Jörg,
das sieht schon eher nach Metall aus. Ich hab ja die Halbinsel Meedehorn immer nur aus "westlicher Sicht" gesehen, also vom Wasser. Unser Buschfunk (unsere Längerdienenden) verbreitete damals die Info, dass es dort 3 Mauern gab:
- die äußere entlang des Ufers
- die nächste als Absperrung der Gartenanlage, also der Halbinsel
- und innerste als Trennung des Grenzgebietes zum Hinterland.
Ob das wirklich so war, weiß ich nicht. Wir konnten ja nicht über die äußere Mauer schauen. Kontakt nach Groß-Glienicke hatten wir auch nicht (zumindest das "Fußvolk"), weil ja immer Wasser ohne Brückenverbindung dazwischen lag.
Die Bootskompanie war da sowieso eine Art Insel, denn auch nach der anderen Seite (Babelsberg) gab es keine Landverbindung.
So war das nun mal.


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#28

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 06.07.2016 01:43
von Kalubke | 2.296 Beiträge

Ja, das sieht man in der TK 10 ganz gut, dass die Halbinsel auch zum DDR-Hinterland hin durch Sperranlagen abgegrenzt war. Es gab nur eine kleine Gasse mit Kontrollpunkt, so ähnlich wie bei den Westberliner Exklaven "Erlengrund" und Fichtewiese" oder dem "Entenschnabel" in Glienicke (Nordbahn).

Mal ne Frage, in Deiner Karte hast Du auch Teile des Neuen Gartens als Sicherungsbereich der Bootskompanie 44 dagestellt. Musstet Ihr da auch an Land Streife laufen?

Gruß Kalubke



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#29

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 06.07.2016 08:10
von EIL-Radler | 13 Beiträge

Hallo Jörg,
Der Landbereich gehörte natürlich auch dazu. Unser (Land)Bereich erstreckte sich ja von der Bertinienge (GÜST) bis zur Babelsberger Enge. Dazu gehörten auch die beiden B-Türme "Berta" und "Emil" sowie die Glienicker Brücke (damals ja Brücke der Einheit). Auf der "Berta" (Quappenhorn) war der Führungspunkt stationiert.
Im Sommer war der Landbereich mit Streifen relativ dünn besiedelt. Im Spätherbst wurden dann die Boote aus dem Wasser geholt und zur Überwinterung in der Bootshalle eingelagert. Dann mussten wir den Landbereich etwas mehr besetzen. Durch die fehlenden Boote war ja nun auch mehr Personal vorhanden. Im Sommer waren meistens 3 Boote in unserem Bereich vom Griebnitzsee (vor Kohlhasenbrück) bis zur GÜST Bertinienge bzw. in der Sacrower Bucht bis kurz vor der Pfaueninsel im Einsatz. Dazu kam noch ein Boot in Bereitschaft aus der vorhergehenden Schicht, das meist im Hafen lag.
Schau doch mal in die Fotogalerie. Dort habe ich ein Thema Bootskompanie Potsdam installiert, wo auch andere Forumsmitglieder schöne und ergänzende Kommentare dazu eingestellt haben.
Viele Grüße und danke für dein Interesse
Willi


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#30

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 06.07.2016 12:25
von DHH GR44 | 48 Beiträge

Der lange Bretterzaun war defitiv westlich, er war die Abtrennung zum russisch besetzten Nauener Vorstadt.
Hatte in der Gegend mal eine Freundin wenn ich mich recht erinnere war das Haus wo sie wohnte nur durch den neuen Garten zurereichen und lag nicht im Grenzgebiet sonst hätte ich sie ohne Passierschein nicht besuchen können.

VG Hubi


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#31

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 06.07.2016 21:16
von EIL-Radler | 13 Beiträge

Hubi hat natürlich Recht!
Ich habe mich da etwas "vergaloppiert" und werde zeitnah eine Korrektur (mit Karte) meines ersten Beitrages einstellen. Man muss auch mal Fehler eingestehen. Wir haben das vor mehr als 45 Jahren gar nicht so verbissen gesehen, da ja vieles in Potsdam mit Brettern vernagelt war. Ein Bretterzaun (auch mit Wachturm) war für Außenstehende gar nichts Außergewöhnliches, da ja fast überall das Militär präsent war.
Also entschuldigt bitte den Stockfehler.


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#32

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 10.07.2016 09:08
von EIL-Radler | 13 Beiträge

Nun wie angekündigt, möchte ich meinen ersten Beitrag berichtigen. Irritiert hat mich etwas die Karte von Kalubke, denn diese Ecke kannte ich ganz gut, weil wir, wie beschrieben, an die nächstgelegene Tränke (zur Gartenanlage am Pfingstberg) durch den nördlichen Teil der Weinmeisterstraße zur Gartenanlage Pfingstberg marschierten. War also öffentlich zugänglich. Hier unser Kneipenweg


Etwas weiter im Süden gab es schon ein verbrettertes Gebiet, welches bis an die Straße "Am Neuen Garten" reichte, was auch Hubi bestätigte.
Dies war uns damals aber gar nicht so bewusst, weil wir, wenn wir doch mal zu Fuß in die Stadt gingen die Wege im Neuen Garten, vorzugsweise am Heiligen See benutzten. Und aus dem Bus (auf der Verbindung zur Innenstadt) nahm man das gar nicht so wahr.
Ich glaube auch, wenn mich meine grauen Zellen nicht ganz täuschen, wurde uns bei den Ausgangsbelehrungen gesagt, dass wir uns dem Bretterzaun nicht unbedingt nähern sollten, denn die Russen die sich dahinter einquartiert hatten, verstehen keinen Spaß.
Ich habe dazu mal recherchiert und folgendes in Erfahrung gebracht:
Bei dem Gebiet handelte es sich um das „Militärstädtchen Nr. 7“. Es beinhaltete ca. 16 ha mit etwa 100 Häusern, darunter zahlreiche herrliche Villen und wurde von den Sowjets nach dem Krieg in Beschlag genommen. Im Ergebnis der Potsdamer Konferenz der Siegermächte im August 1945 wurde beschlossen, dass in dem vorgesehenen Gebiet alle Bewohner ihren Gründstücke verlassen (beräumen) mussten, weil in diese Häuser dann sowjetische Offiziere (Besatzungsmacht) einzogen. Es handelte sich im Prinzip um das Territorium zwischen der Straße "Am Neuen Garten" im Osten, dem nördlichen Teil der Langhansstraße im Norden, dem Pfingstberg im Nordwesten und der Puschkinstraße im Westen.
Nach Aussage von damaligen Zeitzeugen wurde das gesperrte Territorium aber im Laufe der Zeit mehrmals verändert (erweitert).
Eine ehem. Bewohnerin äußerte sich dazu, dass ihre Familie im Jahre 1945 aus der Mirbachstraße in die benachbarte Langhansstraße zwangsumgesiedelt wurde. Diese musste sie dann zu einem späteren Zeitpunkt aber auch wieder „freiziehen“. Das belegt auch eine etwas undeutliche Karte, auf der die Langhansstraße dann Bestandteil des besetzten Territoriums ist.
Eine detaillierte Karte mit ordentlicher Auflösung konnte ich leider nicht finden, nur so Arten von Kartenskizzen, die jedoch im Detail voneinander etwas abweichen.
Die beiden Karten nachfolgend:


Ich stelle mal nachfolgend noch verschiedene Karten ein. In einer (Auszug aus dem heutigen Stadtplan) habe ich mal anhand der obigen Karten versucht, das mutmaßliche Territorium der ehemaligen verbotenen Stadt einzuzeichnen. Eine 100 % ige Gewähr für die Exaktheit kann ich da aber nicht geben. Vielleicht weiß da jemand besser („Eingeborener“) über das exakte Territorium Bescheid.
Berüchtigt in diesem Gebiet war das Untersuchungsgefängnis des KGB in der Leistikowstraße 1 (die ehemalige Mirbachstraße), welches heute eine Gedenkstätte mit einem 2,5 km langen Geschichtslehrpfad (also durch das ehemals gesperrte Gebiet) beinhaltet.
Hier die Karte mit dem von mir eingezeichneten Gebiet


Und dann wäre noch das Problem mit der Verbindung von der Innenstadt zu den Straßen am nördlichen Jungfernsee sowie natürlich auch zum Schloss Cecilienhof, das bekanntlich eine bedeutende internationale Gedenkstätte beinhaltet. Und das war im Zeitraum 1970 / 1971, das nahm ich damals eigentlich mit Sicherheit an, die Straße „Am Neuen Garten“ als einzige straßenmäßige Verbindung.
So wurde uns das von unserer Obrigkeit auch gesagt und an der Buslinie von und zur Innenstadt stand diese Bezeichnung auch.
Nun habe ich aber auf der obigen (undeutlichen) Karte des Militärstädtchens in deutsch und in russisch entdeckt, dass die Straße „Am Neuen Garten“ Bestandteil des sowjetischen Sperrgebietes war und an deren Ostseite (also der Seite, die dem Heiligen See zugewandt ist) auch 3 Wachtürme eingezeichnet sind. Und die Straßenchronik besagt auch, dass diese Straße von 1945-1994 (Bestand des Militärstädtchens Nr. 7) als Uliza Bibliotetschnaja (Bibliotheksstraße) bezeichnet wurde. Das brachte mich doch etwas ins Grübeln, denn wie sollten wir denn mit dem Bus von der Kaserne in die Stadt und zurück gekommen sein, wenn es gar keine öffentliche Straße gab?
Da habe ich mal weiter recherchiert und herausgefunden, dass auf einem alten Stadtplan von 1968, die Buslinie F, die vom Platz der Einheit zu Höhenstraße fuhr, auf einem parallelen Weg östlich der Straße „Am Neuen Garten“ verzeichnet war. Das war also der vom Zeitzeugen beschriebene „Wirtschaftsweg zum Schloss Cecilienhof“. Nur dass es eben kein Wirtschaftsweg war, sondern eine ganz normale (wenn auch schmale) Straße, die in dieses Gebiet zum Cecilienhof und nördlich des gesperrten Territoriums führte. Also da lagen wir doch damals ganz schön neben der Mütze, da uns praktisch keiner etwas Richtiges über die verbretterte Straße „Am Neuen Garten“, die vormals die normale Straßenverbindung darstellte, sagte. Da ich mich aber nach der Grenzzeit so gut wie nicht mehr dafür interessierte, hat dieser Irrtum eben bis heute angedauert!
Hier mal der Auszug aus dem Stadtplan von 1968 mit ein paar Hinweisen


Also alle die sich durch meine Darstellungen „hinters Licht geführt“ fühlen, bitte ich somit um Entschuldigung für meine falsche Darstellung. Das war keineswegs beabsichtigt

Zu meiner Rechtfertigung muss ich aber auch erwähnen, dass, wenn der MAZ-Beitrag richtiger, konkreter und etwas informativer mit ein paar Hintergrundinformationen (zum Militärstädtchen > Hinweis auf die Gedenkstätte) geschrieben worden wäre, wäre die lange Diskussion sicher gar nicht aufgekommen. Aber da auch gleich die Überschrift falsch war … Erinnerungen an Potsdamer Exklave … hat das natürlich erst mal das Thema etwas angeheizt. Und dann folgte ja gleich etwas richtig Falsches mit …lebte seit 1962 in der Potsdamer Exklave zwischen dem KGB­Städtchen … hinterher. Das wurde aber bereits ausführlich behandelt, dass das gar keine Exklave war, denn es existierten ja normale öffentliche Verbindungen (ohne Kontrollen) zur Innenstadt.
Nicht zutreffend kann auch meiner Meinung nach die Aussage … Probleme, die die Bewohner in der Exklave lange beschäftigten, waren eine Beleuchtung für die Straße „Am Neuen Garten“ bis zum sowjetischen Tor, die sie letztendlich in Eigeninitiative anlegten, weil es sich ja nicht um die offizielle Straße „Am Neuen Garten“ handelte.
Soweit mal die Berichtigungen zu meinem ersten Beitrag sowie einige weitere Gedanken zum Thema aus meiner Sicht.
Vielleicht könnte jemand noch nähere Infos zur ehemals verbotenen Stadt einbringen und das alles noch präzisieren bzw. auch korrigiren, wenn es notwendig ist. Wäre doch sehr interessant.
Bei meinem nächsten Potsdam- Besuch werde ich die Gedenkstätte in der Leistikowstraße aber mal frequentieren.
Den Neuen Garten habe ich bereits ein paar mal nach alten Spuren durchforstet und unseren alten Picknickplatz (die Steinbank > siehe Fotogalerie Bootskompanie Potsdam) schön restauriert wiedergefunden.


damals wars, Kalubke und der Anderdenkende haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#33

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 10.07.2016 10:43
von eisenringtheo | 9.173 Beiträge

Stadtplan 1984


EIL-Radler hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#34

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 10.07.2016 11:53
von EIL-Radler | 13 Beiträge

Hallo Theo,
Danke für den Vergleich. Die Pläne sehen ja fast gleich aus. Nur die Farben sind etwas geändert. Auf meinem Plan steht zwar keine direkte Jahreszahl des Standes, doch gehe ich anhand der Druckgenehmigung Nr. 935/68 davon aus dass der Plan Stand 1968 oder auch früher ist. Außerdem steht nach den ganzen Erläuterungen und dem Straßenverzeichnis: "Nr. 550 / 26 / 68", jedoch ohne einen Hinweis, auf was sich diese Nr. bezieht.
Aber auf beiden Ausgaben sind keinerlei Hinweise auf die "Verbotene Stadt" zu finden. Sieht aus, als ob alles frei zugänglich ist.


zuletzt bearbeitet 10.07.2016 11:56 | nach oben springen

#35

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 10.07.2016 15:51
von eisenringtheo | 9.173 Beiträge

Zitat von EIL-Radler im Beitrag #34
(..)Aber auf beiden Ausgaben sind keinerlei Hinweise auf die "Verbotene Stadt" zu finden. Sieht aus, als ob alles frei zugänglich ist.


Nicht unbedingt! Zum Vergleich das Gelände der Güst Griebnitzsee auf der Stadtkarte von 1984
Theo
Theo


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#36

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 11.07.2016 11:31
von EIL-Radler | 13 Beiträge

Hallo Theo,
danke für das Detail der Karte. Ich habe aber mit der "verbotenen Stadt" nicht ganz WB gemeint, sondern nur das Militärstädchen Nr. 7. So wurde sie damals allgemein gennannt. Auf der Karte von 1984 sieht man aber gut, dass Steinstücken keine Exklave mehr war. Sie war da schon durch einen Korridor (Straße) mit dem "Westen" verbunden. Diese Änderung wurde im Jahre 1972 realisiert.
Ich stelle nachfolgend mal die Lage der Exklaven in der Umgebung von Potsdam ein, ebenfalls auf der 68er-Karte. Da ist Steinstücken noch Insel. Auf der Karte sind jedoch nicht die Miniexklaven in Klein Glienicke am Böttcherberg eingezeichnet. Wäre sicher bei dem Maßstab schlecht möglich gewesen.



Detaillierte Infos zu diesem Gebiet auf dem Kartenausschnitt und wie das damals in Sachen Grenzsicherung war, kann ich aber nicht abgeben, da das ja nicht unsere Spielwiese war. Aber vielleicht melden sich dazu mal unsere GR 44-Experten GHH GR44 (Hubi), damals wars (Hubert), KC1 (Helmut) sowie natürlich auch der PKE unser Hans-Dieter mal zu Wort.
Ich habe noch ein kleines Video (nur 4 Minuten) über Steinstücken und würde es auch hier einstellen, weiß aber nicht, ob dies hier möglich ist. Ich sehe eigentlich nur die Möglichkeit über Links (z.B. You Tube). Vielleicht kann mir mal jemand einen Tipp geben, welche Möglichkeiten diesbezüglich bestehen.
Soweit mal noch etwas über die richtigen Exklaven bei Potsdam.


Kalubke hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#37

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 11.07.2016 19:18
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Link youtube ist doch ok.

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#38

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 12.07.2016 08:45
von EIL-Radler | 13 Beiträge

Hallo Thomas,
danke für Deine Antwort Das Video iat aber nicht bei youtube (habe ich jedenfalls nicht gefunden). Das ist ein kurzer Beitrag der Berlin/Brandenburger Abendschau, den ich mal runtergeladen habe. Habe also keinen Link dazu, nur das "nackte" Video. Ansonsten gibt es ja bei youtube ne ganze Menge über Steinstücken. Mir ging es also darum: Kann ich eigene Videos hier ins Forum stellen?
VG Willi


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#39

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 12.07.2016 09:24
von Kalubke | 2.296 Beiträge

Das Video als Dateianhang hochzuladen müsste gehen.

Hier mal zum Vergleich mit den zivlen Stadtplänen von @eisenringtheo und @EIL-Radler die militärische TK 10 AS. Das ganze Terrain war Grenzgebiet, mit Sperranlagen vollgepflastert und praktisch mit Ausnahme der Hochschule Potsdam für den Normalbürger völlig unzugänglich. Kann mich nicht erinnern, damals auch nur einen Fuß in diese Gegend gesetzt zu haben.



Das absolute Grenzkuriosum gab es in der Stubenrauchstraße. Dort gehörte das Haus Nr. 25 an der südlichen Straßenseite zu Zehlendorf und die Mauer musste umständlich drum herum gebaut werden.









Gruß Kalubke



EIL-Radler und DHH GR44 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 12.07.2016 13:33 | nach oben springen

#40

RE: Potsdamer Exklave

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 12.07.2016 15:43
von DHH GR44 | 48 Beiträge

Ja der besondere Raum Stubenrauchstrasse wurde nur zu Fuss bestreift. der Gruppenführer nebst Fahrer lief glaube 3 mal pro Schicht den zum teil sehr schmalen KS ab. In meiner Dienstzeit gab es dort keine Vorkommnisse nur ein von der Westseite über die Mauer gehängtes Transparent. Das sehr schnell vom Komando 2000 entfernt wurde so das ich garnicht weiss was drauf stand.
Wenn ich mich recht erinnere war das besagt Transparent genau an der Stelle welche auf dem Foto mit dem Lada zusehen ist weil die KP Posten es zuerst bemerkt haben.

VG Hubi


Kalubke und EIL-Radler haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 12.07.2016 15:54 | nach oben springen


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