#161

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 18:03
von lhsecurity | 161 Beiträge

@KARNAK
Um das zu verstehen muss man nun mal mindestens"gelernter DDR-Bürger"sein,besser noch Ex-MfS-Mitarbeiter.

Ich frage mich nur was die Reise Deiner Schwiegermutter - auch mit einem eventuellem Verbleib im Westen - mit Dir zu tun hatte. Das war doch ihre persönliche Angelegenheit. Ich kann das alles nur schwer verstehen da ich ja so was überhaupt nicht kannte.
Meine Schwiegermutter wäre ohne mich oder jemanden anderen einzuweihen oder zu fragen hingefahren wohin sie wollte. Selbstverständlich auch in die DDR zu ihrer Schwiegertochter!


Danke, vielleicht kannst Du mir das doch noch etwas näher erläutern.
Ich will ja gerne noch dazu lernen, auch wenn ich die von Dir vorgegebenen Voraussetzungen für das Verstehen nicht erfüllen kann.
Gruß lhsecurity


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Henry Ford


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#162

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 18:15
von andy | 1.199 Beiträge

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publik...publicationFile

Naja, etwas umfassender war der Aufgabenbereich der HA Kader und Schulung bzw. die der nachgeordneten Abteilungen in den Bezirksverwaltungen schon.
Im obigen Link findest Du auf Seite 66 ff mehr dazu.


andy


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#163

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 21:26
von Signalobermaat | 358 Beiträge

Mal zu den OSL Privilegien,
als ich zu meiner letzten Dienststelle versetzt wurde,( Februar) habe ich erst einmal ca. 4 Wochen in einem Hotelzimmer verbracht,Bett Stuhl, Tisch, Waschbecken, Schrank. Toilette auf dem Flur.Wie eben so ein kleines Hotel zur damaligen Zeit ausgerüstet war.
Von da aus in eine Umzugswohnung, mit Kohleheizung.Vorher hatte ich eine moderne Neubauwohnung, mit zum Teil eingebauten Möbeln z.B. Küche und Flur.
Nach Dienstschluß und Sonntags ( SA wurde noch bis Mittag gearbeitet().wurde renoviert,dann ein LKW organisiert und von einer Brikettfabrik Kohle organisiert, da zu dem Zeitpunkt schon alle Kohlemarken vergeben waren.
Umzugshaus heißt,eine leerstehende Notwohnung, wenn jemand vorübergehend ausquartiert werden mußte, wegen Havarie, usw..
Da habe ich mit Fam. 2 Jahre gewohnt, mit viel Ärger mit den Örtlichen, da ich eine notwenige Wohnung blockiert hatte, die immer wieder dringend gebracht wurde.
Da in unserer Kreisstadt keine neuen Wohnungen gebaut wurden und der Kreis immer mehr Druck machte,entschloß sich die BV,neben der KD eine Zweiraumwohnung, ehemalige Bürobaracke zu einer Dienstwohnung 4 Zimmer umzubauen. Ich hatte damals schon zwei schulpflichtige Kinder Junge u. Mädchen.
Kein Keller, kein Boden, Fahrräder u. alles was abzustellen war, blieb draußen.
Nach vielem hin und her, Haben wir dann auf eigene Kosten auf MfS Territorium eine Garage bauen dürfen.
Ein Privileg war auch 12 Jahre auf einen Trabbi warten.
Bei uns war es üblich,daß immer ein Leiter erreichbar sein mußte, das heißt Leiter oder Stellvertreter.Damit hatten wir beide jeden 2. Tag Stubenarrest und in der Urlaubszeit 3-4 Wochen je nachdem wie lange einer in Urlaub war,oder bei Krankheit .
Da war nicht so einfach mal baden fahren, wenn es heiß war,da fuhr meine Frau mit den Kindern und ich saß in Reichweite des Telefons.
Wir hatten keine Funktelefone, sodaß wir immer ans Netz gebunden waren.Mein einzigstes Privileg war das Diensttelefon,hatte den riesigen Vorteil,daß einen der General auch gleich am Wickel hatte, wenn dem was einfiel.
Geregelte Arbeitszeit, im Normalfall 10h und länger.Ich war früh meistens der Erste und abends der Letzte.
Trotz allem habe ich meine Arbeit gern gemacht,und sie war notwendig und beinhaltete im Wesendlichen nicht das, was die Medien so über uns verbreitet haben,oder was der Eine oder Andere so glaubte zu wissen.
Es hatte etwas mit der Einstellung zum Dienst und zur Sache zu tun.
Das war nicht nur beim MfS so, sondern auch bei vielen Berufssoldaten der NVA u.a. bewaffneten Organe.
Da wurden viele hin und her versetzt, da wurde die Familie nicht gefragt.Meine Kinder hatten es beide sehr schwer sich neu einzugewöhnen.
Noch dazu bei dem Beruf des Vaters.Es war eine kleinbürgerliche Kreisstadt, da sprach sich schnell etwas herum.Ich kannte anfangs niemand in der STADT aber viele kannten mich als neuen Bürger.
Ein weiteres "Privileg "war,das man nicht einfach Kontakte eingehen konnte, auch wenn man sich mit Familien gut verstand, da stand immer das Problem innere Sicherheit. Als MfS Mann stand man immer im Blickfeld eines GD, wir haben ja umgedreht auch jede Möglichkeit genutz um an MA des GD heranzukommen.
Wenn man sich nach der Wende dann mal mit jemanden darüber unterhalten hat,sagten die und wir dachten, daß bei Euch alles zum Besten organisiert wurde, das alles geebnet und geglättet wurde.
Ich will janicht sagen, daß es das nicht auch gegeben hat,aber es hat eben auch einen solchen OSL wie mich gegeben.Und ich denke, es ging vielen ähnlich wie mir.



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#164

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 22:12
von lhsecurity | 161 Beiträge

Zitat von Signalobermaat im Beitrag #163
Mal zu den OSL Privilegien,
Problem innere Sicherheit. Als MfS Mann stand man immer im Blickfeld eines GD, wir haben ja umgedreht auch jede Möglichkeit genutz um an MA des GD heranzukommen.

Ich will janicht sagen, daß es das nicht auch gegeben hat,aber es hat eben auch einen solchen OSL wie mich gegeben.Und ich denke, es ging vielen ähnlich wie mir.



Kann ich irgendwo für die Abkürzungen eine Erklärung finden?


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#165

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 22:23
von Ebro | 586 Beiträge

Welche Abkürzungen?
OSL-Oberstleutnant
GD-Geheimdienst
MA-Mitarbeiter
KD-Kreisdienststelle

viel mehr waren da ja nicht. Aber frag nur....!



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#166

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 22:31
von lhsecurity | 161 Beiträge

Zitat von Ebro im Beitrag #165
Welche Abkürzungen?
OSL-Oberstleutnant
GD-Geheimdienst
MA-Mitarbeiter
KD-Kreisdienststelle

viel mehr waren da ja nicht. Aber frag nur....!


Danke, GD habe ich nicht zuordnen können, es gibt so viele Abkürzungen hier im Forum - vielleicht check ich die ja mal.
Waren denn die fremden Geheimdienste wirklich so nah an jedem von Euch dran?


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zuletzt bearbeitet 12.05.2016 22:33 | nach oben springen

#167

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 22:36
von Ebro | 586 Beiträge

Zitat von KARNAK im Beitrag #155
Ebro! Heißt also Du hast Dich von Deinem Vater getrennt?
Dann will ich Dir meine Geschichte zu dem Thema erzählen, obwohl sie hier schon zu finden sein müsste.
Ich habe meiner Schwiegermutter frühzeitig klargemacht,dass sie wegen mir Probleme bekommen wird wenn sie in den Westen fahren will.Das hat sie aber nicht davon abgehalten einen Reiseantrag zu stellen der abgelehnt wurde.Daraufhin hat sie eine Eingabe an den 1.Sekretär der SED-Bezirksleitung Neubrandenburg genacht.Sie wohnte zu dem Zeitpunkt in Neudtrelitz.Nach meiner Einschätzung hat sie ihr Pfarrer,sie war religiös gebunden,bei diesem Schreiben maßgeblich unterstützt.
Ich war zu dem Zeitpunkt auf der Bezirksparteischule und ein Mitarbeiter von Kader und Schulung meldete sich bei mir an.Ich habe vorgeschlagen wir gehen in das dort vorhandene Cafe,dass hat er merkwürdigerweise abgelehnt,er wollte mit mir in seinen Wartburg.Dort wurde mir klar warum,sein Kassettenrecorder hatte eine Rückkopplung und war damit dekonspiriert.Ich habe ihm gesagt er soll kein Theater weiter machen und das Band einfach laufen lassen.Aber das nur nebenbei
Jedenfalls hat er mir die Sachlage, einschließlich der Eingabe meiner Schwiegermutter mitgeteilt, ich wusste bis dahin nichts davon.Ich habe ihm klar genacht,dass meine Schwiegermutter von mir weiß wie die Lage ist und ich es durchstehe wenn man sie nicht fahren lässt.Das wollte aber er, bzw.Kader und Schulung so offensichtlich nicht.
Er hat mich wörtlich gefragt"Was wäre denn wenn wir sie fahren lassen,meinst Du sie bleibt da?Ich habe ihm mitgeteilt ,dass das nicht passieren wird, ich mir da ziemlich sicher bin.
Er dann zu mir"Sei Dir aber darüber im Klaren,bleibt sie da war es das dann für Dich".Da man sich zu diesem Zeitpunkt um Arbeit keine Sorge machen musste habe ich gesagt,ich werde dann eben damit leben müssen, es wird aber nicht passieren.
Gut sagt der gute Mann,dann werden wir die Reisegenehmigung befürworten, dem General, welchen weiß ich nicht,vielleicht dem BV-Chef,das vorschlagen.Lustigerweise hat er noch erwähnt,wenn sie etwas aus dem Westen mitbringt,es ist vom Prinzip nichts dagegen zu sagen,aber übertreibe es nicht Jedenfalls ist meine Schwiegermutter von en Zeitpunkt regelmäßig in die BRD und nach WB gefahren und für mich war es zumindest nicht erkennbar,dass sich irgendjemand dafür interessiert.Sie ist irgendwann nach Potsdam gezogen und wir hatten einen völlig normalen familieren Kontakt.
Ach so,und ich habe schon ab Mitte der Achziger regelmäßig Mon Cheri gegessen, mit Genehmigung der Firma.


@Karnak, da sind wir ja doppelte Leidensgenossen Ich habe dann wirklich den Kontakt zu meinem Vater abgebrochen und einige Jahre nicht mal mit ihm telefoniert. (keine Bange, seit 87 oder 88 hat sich alles wieder eingerenkt und wir haben auch heute noch ein prima Verhältnis)
Sicher kam bei mir noch verschärfend hinzu, dass der Bruder meiner Frau bei der HVA war und täglich als "S-Bahnfahrer" nach WB zur Arbeit fuhr.
Wobei ich keine Mon Cherie gelutscht habe, sondern Camel geraucht, die als sein Eigenbedarf in WB gekauft wurde. (Sähe auch auch blöd aus, wenn er innnerhalb von WB öffentlich Cabinet rauchen würde...)



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#168

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 22:42
von der alte Grenzgänger | 1.010 Beiträge

Mon Cheri und Camel hatten wir jetzt .. gabs noch mehr "Leckerli" in der Art ?
(ist ernst gemeint.. )

Siggi


"Man rühmt und man schmäht die meisten Dinge, weil es Mode ist, sie zu rühmen oder sie zu schmähen"
La Rochefoucauld (1613 - 1680)
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#169

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 22:45
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von lhsecurity im Beitrag #166
Zitat von Ebro im Beitrag #165
Welche Abkürzungen?
OSL-Oberstleutnant
GD-Geheimdienst
MA-Mitarbeiter
KD-Kreisdienststelle

viel mehr waren da ja nicht. Aber frag nur....!


Danke, GD habe ich nicht zuordnen können, es gibt so viele Abkürzungen hier im Forum - vielleicht check ich die ja mal.
Was war denn der GD im Gegensatz zum MfS?



Die "natürlichsten" Gegner des MfS waren in erster Linie die CIA und andere amerikanische Geheimdienste, die in Mitteleuropa sehr aktiv waren. Natürrlich gehörten auch der BND und das Bundesamt f. Verfassungsschutz sowie die nachgeordneten Landesämter desselben dazu. Dass sie in der DDR sehr aktiv waren, habe ich selber im Einsatz als HIM erlebt. Genau wie wir,haben Sie versucht, in sensible Bereiche einzudringen und Informanten zu gewinnen. Aufgabe des GD war, diese rechtzeitig zu erkennen und einen Informationsabfluss zu verhindern.

andy


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#170

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 22:47
von Ebro | 586 Beiträge

Nee, von meiner Seite nich, hatte naturgemäss kein Westgeld, wegen nix Verwandtschaft und nix Geschenk vom Papa.
Und habe es überlebt!!!!!!!!



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#171

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 22:50
von Gert | 12.362 Beiträge

Zitat von der alte Grenzgänger im Beitrag #168
Mon Cheri und Camel hatten wir jetzt .. gabs noch mehr "Leckerli" in der Art ?
(ist ernst gemeint.. )

Siggi

@der alte Grenzgänger , ich verschlucke mich lieber an Mon Cherie als an Dinkelplätzchen


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#172

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 22:50
von lhsecurity | 161 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #169
Zitat von lhsecurity im Beitrag #166
Zitat von Ebro im Beitrag #165
Welche Abkürzungen?
OSL-Oberstleutnant
GD-Geheimdienst
MA-Mitarbeiter
KD-Kreisdienststelle

viel mehr waren da ja nicht. Aber frag nur....!


Danke, GD habe ich nicht zuordnen können, es gibt so viele Abkürzungen hier im Forum - vielleicht check ich die ja mal.
Was war denn der GD im Gegensatz zum MfS?



Die "natürlichsten" Gegner des MfS waren in erster Linie die CIA und andere amerikanische Geheimdienste, die in Mitteleuropa sehr aktiv waren. Natürrlich gehörten auch der BND und das Bundesamt f. Verfassungsschutz sowie die nachgeordneten Landesämter desselben dazu. Dass sie in der DDR sehr aktiv waren, habe ich selber im Einsatz als HIM erlebt. Genau wie wir,haben Sie versucht, in sensible Bereiche einzudringen und Informanten zu gewinnen. Aufgabe des GD war, diese rechtzeitig zu erkennen und einen Informationsabfluss zu verhindern.

andy


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Gruß lhsecurity


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#173

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 22:54
von Ebro | 586 Beiträge

Fällt mir gerade ein, hatte doch von meinem Schwager, dem "S-Bahner" in WB geschrieben.
Er und seine Gruppe hatten ein eigenes Büro, neben der berühmten Disco "La Belle". Deshalb kann ja das Gerücht nicht stimmen, dass die Stasi an dem Attentat irgendwie beteiligt war. Man hätte sicher die eigenen Leute gewarnt, sie mussten im Tiefflug vor den Razzien verschwinden. Und man hätte sicher mit so einer Aktion nicht die Legendierung der Firma, mit eigenem Dienstwagen, die jahrelange Vorbereitungsarbeit gekostet hat, auf`s Spiel gesetzt.
Deshalb ist das großer Quatsch, dem MfS da eine Mitwisserschaft anzudichten.



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#174

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 23:08
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von lhsecurity im Beitrag #166


Danke, GD habe ich nicht zuordnen können, es gibt so viele Abkürzungen hier im Forum - vielleicht check ich die ja mal.
Waren denn die fremden Geheimdienste wirklich so nah an jedem von Euch dran?


Diese Frage pauschal zu beantworten, wäre Kaffeesatzleserei. Wenn ein MA des MfS aber einen Angriffspunkt (Alkohol, fremdgehen, Schulden etc.) geliefert hätte und das dem gegnerischen GD bekannt geworden wäre, hätten sie es schon zu nutzen gewusst. Wir hätten es im Gegenzug ja genauso gemacht.
Mir ist ein Fall aus Mitte der 80'er Jahre bekannt, in dem ein MA der Aufklärung der HA I durch den auf ihn lastenden Erfolgsdruck darauf kam, IM's und entsprechende Informationen aus dem OG (Operationsgebiet Westberlin) zu erfinden, um dadurch dem vermeintlichen Druck gerecht zu werden. Das ging nicht lange gut, wäre der damalige Gegner schneller gewesen, wäre der Schaden ungleich größer gewesen - mit dem entsprechendem Druck, hätte man ihn durchaus unter Druck anwerben können.


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#175

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 23:27
von Kalubke | 2.306 Beiträge

Zitat von Ebro im Beitrag #173
Fällt mir gerade ein, hatte doch von meinem Schwager, dem "S-Bahner" in WB geschrieben.
Er und seine Gruppe hatten ein eigenes Büro, neben der berühmten Disco "La Belle". Deshalb kann ja das Gerücht nicht stimmen, dass die Stasi an dem Attentat irgendwie beteiligt war. Man hätte sicher die eigenen Leute gewarnt, sie mussten im Tiefflug vor den Razzien verschwinden. Und man hätte sicher mit so einer Aktion nicht die Legendierung der Firma, mit eigenem Dienstwagen, die jahrelange Vorbereitungsarbeit gekostet hat, auf`s Spiel gesetzt.
Deshalb ist das großer Quatsch, dem MfS da eine Mitwisserschaft anzudichten.


Die Sache mit La Belle war m.E. etwas komplexer. Es waren keine Hauptamtlichen datrin verstrickt, sondern der IMB "Alba" der HA II/5/1 (Fahndung im OG, Bearbeitung arabische TO, POZW mit HA XXII/8 (Überwachung Linksterrorismus)), ein Araber (Libanese) im Umfeld der PFLP-GC (Palästinensische Befreiungsfront-Generalkonsulat). Er hatte das Pech, dass die PFKP-GC, die im Auftrag des Lybischen Volksbüros den Anschlag organisierte, Vorbereitungstreffen ausgrechnet in seiner Wohnung abhielt. Seine deutsche Freundin, ebenfalls IMB, wurde beauftragt, den Sprengsatz in die Diskothek zu bringen. Das einzigste was er möglicherweise.noch tun konnte, ohne aufzufliegen, was seinen sicheren Tod bedeutet hätte, war heimlich die Menge des eingesetzten Sprengstoffs zu reduzieren. Ich denke die Sache war dem MfS völlig aus der Hand geglitten und ihre Möglichkeiten der Einflussnahme relativ gering, auch weil die Attentatsplanung und die Attentatsziele im Vorfeld mehrfach geändert wurden. Den 1. Plan, einen Bus mit amerikanischen Militärangehörigen in Ostberlin mit Feuerwaffen anzugreifen, konnte das MfS durch offensichtliche Observation noch verhindern.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 13.05.2016 09:25 | nach oben springen

#176

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.05.2016 23:31
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von lhsecurity im Beitrag #172
Zitat von andy im Beitrag #169
Zitat von lhsecurity im Beitrag #166
Zitat von Ebro im Beitrag #165
Welche Abkürzungen?
OSL-Oberstleutnant
GD-Geheimdienst
MA-Mitarbeiter
KD-Kreisdienststelle

viel mehr waren da ja nicht. Aber frag nur....!


Danke, GD habe ich nicht zuordnen können, es gibt so viele Abkürzungen hier im Forum - vielleicht check ich die ja mal.
Was war denn der GD im Gegensatz zum MfS?



Die "natürlichsten" Gegner des MfS waren in erster Linie die CIA und andere amerikanische Geheimdienste, die in Mitteleuropa sehr aktiv waren. Natürrlich gehörten auch der BND und das Bundesamt f. Verfassungsschutz sowie die nachgeordneten Landesämter desselben dazu. Dass sie in der DDR sehr aktiv waren, habe ich selber im Einsatz als HIM erlebt. Genau wie wir,haben Sie versucht, in sensible Bereiche einzudringen und Informanten zu gewinnen. Aufgabe des GD war, diese rechtzeitig zu erkennen und einen Informationsabfluss zu verhindern.

andy


Ich bitte Dich darüber was zu berichten.
Gruß lhsecurity


Das werde ich tun. Aber nicht jetzt, jetzt gehe ich schlafen.


Gruss andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
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#177

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.05.2016 10:18
von Merkur | 1.026 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #175


Es waren keine Hauptamtlichen datrin verstrickt, sondern der IMB "Alba" der HA II/5/1 (Fahndung im OG, Bearbeitung arabische TO, POZW mit HA XXII/8 (Überwachung Linksterrorismus)), ein Araber (Libanese) im Umfeld der PFLP-GC (Palästinensische Befreiungsfront-Generalkonsulat).
Gruß Kalubke


Wie kommst Du denn darauf, dass "Alba" von den von Dir genannten Diensteinheiten geführt wurde?



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#178

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.05.2016 10:41
von sentry | 1.108 Beiträge

Zitat von Ebro im Beitrag #173
Fällt mir gerade ein, hatte doch von meinem Schwager, dem "S-Bahner" in WB geschrieben.
Er und seine Gruppe hatten ein eigenes Büro, neben der berühmten Disco "La Belle".


Kannst Du zu dieser interessanten Geschichte etwas mehr schreiben?
Wie lief das mit der Tarnung als S-Bahnfahrer? Galt das praktisch nur zu Hause und für den Grenzübertritt oder ist er tatsächlich "nebenbei" S-Bahn gefahren?
Und das Büro am La Belle, war das eine DR-Dependance oder ein MFS-Office getarnt als "Interessengemeinschaft unabhängiger S-Bahnfahrer" oder sowas?


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#179

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.05.2016 11:04
von Ebro | 586 Beiträge

Fällt mir gerade ein, hatte doch von meinem Schwager, dem "S-Bahner" in WB geschrieben.
Er und seine Gruppe hatten ein eigenes Büro, neben der berühmten Disco "La Belle". Deshalb kann ja das Gerücht nicht stimmen, dass die Stasi an dem Attentat irgendwie beteiligt war. Man hätte sicher die eigenen Leute gewarnt, sie mussten im Tiefflug vor den Razzien verschwinden. Und man hätte sicher mit so einer Aktion nicht die Legendierung der Firma, mit eigenem Dienstwagen, die jahrelange Vorbereitungsarbeit gekostet hat, auf`s Spiel gesetzt.
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So genau weiß ich das auch nicht mehr, und fragen kann ich ihn nicht mehr.
Er hatte einen Dienstausweis der Deutschen Reichsbahn. Der hatte ja in Westberlin damals das Streckennetz gehört. Er ist immer über Güst Friedrichstrasse hin und zurück. Das Büro war als irgendeine Westberliner Firma legendiert, auf die auch ein Golf zugelassen war. Zu seinen Aufgaben (und der beiden Mitstreiter, die ich bei seiner Beerdigung kennengelernt habe) gehörte u. a. die Aufklärung von Personen, die US-Dienststellen in Westberlin aufsuchten. Er führte auch einige IM, vermutlich aus diesen Dienststellen, die Treffen fanden aber in Ostberlin statt.
Seine Unterlagen wurden leider nicht vernichtet und es fand ein Gerichtsverfahren gegen ihn statt. Während des Verfahrens verstarb er, er war psychisch ziemlich am Ende. In einer Kaufhalle hatte er als Lagerarbeiter Arbeit gefunden. Er hob eine Kiste an - Herzversagen. Für mich war er eigentlich mehr als ein Schwager, eher wie ein älterer Freund.....!



sentry, Fritze, Josef, vs1400 und EK87II haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#180

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.05.2016 11:16
von sentry | 1.108 Beiträge

@Ebro
Vielen Dank für die interessante Geschichte. Tut mir leid mit Deinem Schwager.
Ich hatte mit meinem unmaßgeblichen Zivilistenverstand lediglich den Gedanken, dass es evtl. recht riskant wäre, jemanden legendiert als S-Bahnfahrer nach WB zu senden, wenn der dann keine S-Bahn fährt. So was lässt sich ja leichter aufklären als beispielsweise ein Wartungsmonteur, der nie irgendwas wartet.


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