#41

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.05.2016 23:51
von Josef | 631 Beiträge

Ja, mittlerweile hab ich auch aus glaubhafter Quelle per PN erfahren, dass die meisten Bürger im Alltag die Stasi nicht unbedingt auf dem Schirm hatten. Vielleicht ist das eine Westlegende, von den Bürgern, die täglich auf der Hut sein mussten, ob der "Überwachung".

Wie dem auch sei, ich wollte etwas erfahren zum persönlichen Erleben der MfSler, anhand der o.g. 3 Fragenbereiche. Bisher kam, außer von Ebro, dazu ziemlich wenig, meine Herren.


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#42

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.05.2016 23:56
von Kalubke | 2.289 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #39
Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #38
Zitat von passport im Beitrag #26
Zitat von Josef im Beitrag #25
Zumindest hatten die meisten Bürger große Angst vor der Stasi,
wahrscheinlich nicht zu Unrecht.

Die grosse Masse der DDR-Bürger hatte aber mit dem MfS oder das MfS mit den Bürger nichts zu tun.
passport

Da sind wohl die vielen Akten sicher auch nur eine Erfindung der bösen Wessis?




Wie teilen sich denn die Akten auf ?


M.E im Wesentlichen Personalakten der Hauptamtlichen, IM-Akten sowie Vorgangs- und OPK-Akten. Des Weiteren sicher noch Untersuchungs- und Justizakten der HA IX bzw. Abt. IX/BV sowie VSH-Akten.
Dazu noch die entsprechenden Karteien:
Kartei HA Abt. KuSch,
F 18 (Untersuchungsvorgänge),
F16 (Klarnamenkartei IM- und Zielpersonen und OPK/SiVo, allg. Personenablage),
F 22/F 22a (Vorgangskartei),
F 401 Vorverdichtungs- und Suchkartei),
F 402 (Hinweiskartei),
F 404 (Dokumentenkartei),
F 405 (Dokumentensammelkartei),
ZKA (Zielkontrollaufträge) ,
Kartei zu Amateurfunkern,
F 402 (Kartei zu Schiffbesatzungen, Binnenschifffahrt)
Karteien zu Eingaben und Beschwerden der Bürger,
Kartei zu übergesiedelten Personen (ZKG/BKG ÜS/BRD)
F 401 (Kartei zu im Sicherungsvorgang erfassten Personen)
F 402 (Kartei zu ehemaligen MfS-Angehörigen)
Kartei zu Fahndungsaufträgen

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 10.05.2016 23:57 | nach oben springen

#43

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.05.2016 23:58
von Josef | 631 Beiträge

Kalubke, das kann man auch in Archivfindbüchern (teilweise sogar online) nachlesen, hier soll es um das - persönliche - Erleben von Stasi-Mitarbeitern gehen.


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#44

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 00:00
von Kalubke | 2.289 Beiträge

O.K. , aber die Frage nach der Aufteilung der Akten wurde aufgeworfen.

Gruß Kalubke



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#45

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 00:09
von Moskwitschka | 2.526 Beiträge

Zitat von Josef im Beitrag #41
Ja, mittlerweile hab ich auch aus glaubhafter Quelle per PN erfahren, dass die meisten Bürger im Alltag die Stasi nicht unbedingt auf dem Schirm hatten. Vielleicht ist das eine Westlegende, von den Bürgern, die täglich auf der Hut sein mussten, ob der "Überwachung".



Betrachte es mal von der anderen Seite. Man musste nicht nur auf der Hut sein "überwacht" zu sein, sondern es konnte ganz schnell passieren, dass man zur Auskunftsperson wurde.

Die Stasi führte die sogenannten Auskunftspersonen, kurz AKP, auf besonderen Karteikarten. Müller-Enbergs und Booß berichten, dass beispielsweise im Thüringer Kreis Saalfeld 5,7 Prozent der Bürger auf mehr als 3300 solcher Karteikarten erfasst waren. Im Vergleich dazu betätigte sich dort nicht einmal ein Prozent als IM. „Im Kreis Saalfeld waren deutlich mehr Menschen als IM bereit, Auskunft zu geben“, unterstreicht Müller-Enbergs. Für die Bezirksverwaltung Rostock spricht Christian Booß von 18 Prozent der Bevölkerung, die „inklusive Karteileichen“ als „AKP“ erfasst waren. Und im früheren Karl-Marx-Stadt zeigte die Stasi sich so unzufrieden mit der Leistung ihrer Mitarbeiter, dass sie ab 1973 den „GM“ als neuen Zuträger einführte: den „Guten Menschen“. Nach damaliger Auskunft der MfS-Kreisdienststelle lieferten diese ein Drittel aller Informationen, erzählt Müller-Enbergs. Allerdings müsse dies noch genau erforscht werden.

http://www.pnn.de/potsdam/958988/

Moskwitschka

PS "Gutmensch" hat scheinbar einen viel älteren Ursprung als bisher vermutet


Fatal ist mir das Lumpenpack,
das, um die Herzen zu rühren,
den Patriotismus trägt zur Schau,
mit allen seinen Geschwüren.

Heinrich Heine

Kalubke hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.05.2016 00:14 | nach oben springen

#46

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 02:02
von Josef | 631 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #45


Betrachte es mal von der anderen Seite.


Es soll hier um die Erfahrungen der MfSler gehen. Ich würde mich über weitere diesbezügliche Schilderungen freuen. Für das Empfinden der Bürger kann vielleicht ein zweiter Faden eröffnet werden, wo ehemalige Bürger ihre Erfahrungen schildern.


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#47

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 07:36
von furry | 3.562 Beiträge

@Josef , vor längerer Zeit hatten wir das Thema schon in ähnlicher Form.
Hier Erlebnisbericht eines ehem. MfS- Offiziers bzw. "Stasischweins" (Zitat) nenne ich ein Buch, das Dir eher Deine Fragen beantwortet.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#48

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 07:58
von Hanum83 | 4.662 Beiträge

Josef, ich glaube hier wirst du deine Fragen wohl nicht beantwortet bekommen, schade das ein guter Bekannter von mir leider verstorben ist, der war Oberst im MfS mit einem speziellen Aufgabengebiet im Inland, der hing nicht in irgendwelchen Foren rum, sondern hat privat ganz offen und ehrlich über seine alte Arbeit geredet, mit dem hätte ich dir gerne einen Kontakt gemacht, aber leider.
Trotzdem find ich Ebro und Karnak gut die ganz sachlich berichten, auf jeden Fall besser als den anderen Hafer wie das quasi die übergroße Mehrheit der DDR-Bürger irgandwann nach 90 aus der Zeitung erfahren hat das es überhaupt ein MfS gab.


Ein Jahr lang 10 Kilometer der innerdeutschen Grenze 1983/84 mitbewacht.
(Zusatz-Info auf Wunsch eines einzelnen Users: War dabei auch Postenführer.)
zuletzt bearbeitet 11.05.2016 08:06 | nach oben springen

#49

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 08:16
von Ebro | 561 Beiträge

Beim "Kundschaftertreffen" kommt schon das erste Störfeuer, aus der Ecke, aus der ich es erwartet habe.
"Nicht arbeiten müssen"- als operativer MA hatte man nie eine 40 Stunden Woche, einfach weil Treffs mit IM nur nach dessen Feierabend durchgeführt wurden. Einmal war Samstagsdienst im Monat befohlen. Und da wir ein militärisches Organ waren, gab es Befehle. Und wenn der Leiter der DE auf die Idee kam, irgendetwas nach Dienstschluß anzusetzen-dann war es eben so. Und das häufig.
Und die Begriffe "krank, schwerkrank "und so habe ich einfach überlesen, weil ich ja weiß, wo sie herkommen.



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#50

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 08:23
von Ebro | 561 Beiträge

Aber weiter mit den eigenen Erlebnissen.
Nach einiger Zeit (3 oder 4 Jahre) war mir das dann doch zu eintönig und ich ging meinem Führungsoffizier regelmäßig auf den Geist. Ich wollte, gemäß Absprache vor der Einstellung, als "richtiger" Mitarbeiter tätig werden. Und es dauerte, Bürokratie wurde auch beim MfS groß und größer geschrieben.
Irgendwann war es dann soweit.
Dummerweise hatte mein Vater genau zu der Zeit Mist gebaut und bekam von der Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl. Damit hatte sich eine Übernahme in die territoriale KD für mich erledigt. Man wollte dem Gedankengang-der Alte vorbestraft, der Sohn beim MfS-aus dem Weg gehen, nach dem Motto saubere Hände und so.
So kam für die Abteilung Kader und Schulung für Ebro nur ein Einsatz ganz woanders in Frage. Also vom Süden des Bezirkes in den Norden des Bezirkes-man nannte das "räumliche Trennung"
Und Ebro, der ein kleines Haus hatte (schon vorher, bevor ich da anfing), war gerade beim Umbau, bei uns hatte sich Nachwuchs angekündigr.
Was tun?



Josef und vs1400 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.05.2016 08:29 | nach oben springen

#51

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 08:28
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von Ebro im Beitrag #49
Beim "Kundschaftertreffen" kommt schon das erste Störfeuer, aus der Ecke, aus der ich es erwartet habe.
"Nicht arbeiten müssen"- als operativer MA hatte man nie eine 40 Stunden Woche, einfach weil Treffs mit IM nur nach dessen Feierabend durchgeführt wurden. Einmal war Samstagsdienst im Monat befohlen. Und da wir ein militärisches Organ waren, gab es Befehle. Und wenn der Leiter der DE auf die Idee kam, irgendetwas nach Dienstschluß anzusetzen-dann war es eben so. Und das häufig.



Darum durften ja die Mitarbeiter des MfS auch nicht an den FKK-Strand. Niemand sollte sehen, wie sie in den A....gekniffen waren.



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#52

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 10:25
von SET800 | 3.090 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #42


Kartei zu Amateurfunkern,
.....
.....

Gruß Kalubke



Hallo,
auch zu GST-Fliegern?

In der aktuellen BRD müssen alle Piloten, auch Privatpiloten über die Landesluftfahrtbehörden eine Züverlässigkeitsüberprüfung beantragen, sprich Strafregister und ganz bestimmt unausgesprochen auch via Landesämter für Verfassungsschutz.

Daher Personen in sensibelen Bereichen werden auch jetzt von der Staatssicherheit überprüft und bestätigt, nur nennt man die Behörde jetzt anders....




Datenbanken / Datenmonster, https://aopa.de/interessen-vertretung/zu...ormationen.html

Wir Piloten gelten offensichtlich als so gefährlich, dass sowohl bei dem Erstantrag zur ZÜP, als auch bei Wiederholungsüberprüfungen bei diesen Behörden und Stellen Informationen eingeholt und Daten gesammelt werden:



Polizeivollzugsbehörden der Länder
Verfassungsschutzbehörden der Länder
Bundeskriminalamt
Zollkriminalamt
Bundesamt für Verfassungsschutz
Bundesnachrichtendienst
Militärischer Abschirmdienst
Stasi - Unterlagenbehörde
Ausländerzentralregister
Ausländerbehörden
Flugplatzbetreiber
Luftfahrtunternehmen
Arbeitgeber



zuletzt bearbeitet 11.05.2016 10:26 | nach oben springen

#53

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 11:06
von KARNAK | 1.690 Beiträge

Zitat von Josef im Beitrag #23
@KARNAK: Ich kann Dir Deine Frage schlecht beantworten, ich bin als Wessi zur Welt gekommen und war beim Fall der Mauer im Kindergarten/Grundschul-Alter.

Das macht es noch mal einen Zacken schwieriger Dir die Sache zu erklären.
Ansonsten,und sehr wahrscheinlich werde ich hier Widerspruch ernten.Ich kann das was hier angesprochen wurde nur bestätigen,zumindest für meine Zeit bei der "Firma "von Ende der Siebziger bis zum Schluss.Es gab bei Otto-Normal-DDR-Bürger keine flächendeckende Angst vor dem MfS,man konnte sich nämlich gar nicht vorstellen,dass man für das MfS interessant sein könnte und letztlich war es auch so, dass sich das MfS für den größten Teil der Bevölkerung überhaupt nicht interessiert hat.Das nun vielleicht ein paar mehr einen wie immer gearteten Aktenvermerk zu einer Sicherheitsüberprüfung oder was weiß ich hatten mag ja sein,dass hatte aber keinerlei Auswirkungen auf die Lebensumstände dieser Personen.
Der Eindruck der Heute zu dieser Zeit vermittelt wird,jeder bekam ständig das große Zittern weil er an jeder Ecke und hinter jedem einen Schlapphut vermutet ist schierer Unsinn.
Ich kannte in meiner Freizeit x Leute die nicht zum MfS gehörten, ob in der Gartensparte,in der Hausgemeinschaft oder im Arbeitskollektiv meiner Frau. So manch einer von denen ahnte zumindest wo ich arbeite,sie konnten damit leben,haben mich dafür nicht gehasst und hatten auch keine Angst vor mir.Sie haben sich beim Verbringen von gemeinsamer Freizeit auch nur sehr bedingt zurückgehalten was ihre Kritik an speziellen Umständen des täglichen Lebens betraf. Weil sie sich wie gesagt nicht vorstellen konnten,dass dich das MfS damit beschäftigen könnte und in dem von mir genannten Zeitraum hat das MfS das auch nicht mehr getan.Zumindest solange nicht wie solche kritischen Gespräche im privaten Rahmen abliefen und keine öffentliche Demonstrierung stattfand oder der Kontakt zum Westen gesucht wurde um es dort publik zu machen,dann konnte man allerdings sehr empfindlich reagieren.


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
Ebro, werner und vs1400 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#54

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 11:22
von Josef | 631 Beiträge

Zitat von KARNAK im Beitrag #53
Zitat von Josef im Beitrag #23
@KARNAK: Ich kann Dir Deine Frage schlecht beantworten, ich bin als Wessi zur Welt gekommen und war beim Fall der Mauer im Kindergarten/Grundschul-Alter.

...


Du beantwortest nicht meine o.g. 3 Fragen, sondern Deine eigene Frage, die Du mir gestellt hast. Mich interessiert nicht das Befinden der Bürger, sondern das der MfSler. Karnak, "Thema verfehlt, setzen sechs". Nimm Dir ein Beispiel an Ebro, der hier genau das erzählt, was ich gefragt habe. Es muss niemand meine Fragen beantworten, aber wer hier schreibt, sollte es tun.


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#55

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 11:45
von KARNAK | 1.690 Beiträge

Zitat von Josef im Beitrag #25
Zumindest hatten die meisten Bürger große Angst vor der Stasi, wahrscheinlich nicht zu Unrecht.

Das hat mich zum Verfehlen des Themas verleitet.
Deine Fragen auch nur einigermaßen schlüssig zu beantworten,dass wird ein riesen Text und wie gesagt die Antworten würdest Du hier an verschiedenen Stellen finden.
Mal sehen was zu dem Thema hier noch geschrieben wird,wenn es passt hänge ich mich mit rein.


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
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#56

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 12:02
von sentry | 1.077 Beiträge

Zitat von Josef im Beitrag #41
Ja, mittlerweile hab ich auch aus glaubhafter Quelle per PN erfahren, dass die meisten Bürger im Alltag die Stasi nicht unbedingt auf dem Schirm hatten.


Hier muss man sicher ein bisschen differenzieren. Es stimmt sicher, dass die Menschen nicht flächendeckend "Angst vor der Stasi" hatten. Dazu waren die Berührungspunkte des Durchschnittsbürgers mit dem Tätigkeitsfeld zu selten bzw. nicht offensichtlich genug.
Es fiel auch die Bemerkung, dass manche enttäuscht waren, dass es über sie keine Akte gab. Auch das kann ich bestätigen. Ich kenne einige von dieser Fraktion, die zu DDR-Zeiten so staubig waren, dass zugegebenermaßen auch ich gedacht hätte, da gäbe es mehr Material.

"Auf dem Schirm" hatten wir das MfS aber sehr wohl. In meinem Berliner Umfeld waren wir uns des "Organs" durchaus bewusst und hatten auch auf dem Schirm, welche Aktionen uns ggf. in deren Licht rücken könnten.
Sagen wir's mal so: Wenn uns heute in irgendwelchen "Geschichtssendungen" über die Stasi oder die Normannenstraße ansehen und Zeitzeugen berichten, sie hätten gar nicht gewusst, wo das MfS ("Stohsi") saß, lachen wir immer und sagen: "Hättste doch mal ins Telefonbuch unter "M" geguckt".
Bei den Grenztruppen waren wir uns dann der Gegenwart des MfS sogar absolut bewusst.


Moskwitschka und vs1400 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#57

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 12:24
von Josef | 631 Beiträge

Zitat von KARNAK im Beitrag #55
Zitat von Josef im Beitrag #25
Zumindest hatten die meisten Bürger große Angst vor der Stasi, wahrscheinlich nicht zu Unrecht.

Das hat mich zum Verfehlen des Themas verleitet.
Deine Fragen auch nur einigermaßen schlüssig zu beantworten,dass wird ein riesen Text und wie gesagt die Antworten würdest Du hier an verschiedenen Stellen finden.
Mal sehen was zu dem Thema hier noch geschrieben wird,wenn es passt hänge ich mich mit rein.



Ich freue mich auf Deinen Text. Du kannst ihn ja auch in Etappen schreiben und veröffentlichen, wie der Ebro es macht. Schau halt, wie's Dir passt. Es wäre schön, wenn hier noch mehr MfS-Leute über ihre persönlichen Erlebnisse berichten könnten, anhand der 3 o.g. Fragen.


zuletzt bearbeitet 11.05.2016 12:24 | nach oben springen

#58

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 12:25
von GKUS64 | 1.605 Beiträge

Zitat von sentry im Beitrag #56

Bei den Grenztruppen waren wir uns dann der Gegenwart des MfS sogar absolut bewusst.



Lag es nun an meiner Grenzzeit (1963/1965) oder an meiner Naivität mit 20 Jahren, die Durchsetzung mit dem MfS war mir und vielen anderen
nicht bewusst. Wir haben im Dienst ganz offen diskutiert, z.B. "Wer abhauen will, sollte zum Schutz des Kumpels, das während eines Ausgangs tun", oder " Wenn ich daneben schieße, kann mir keiner bewusstes Handeln nachweisen".
Mitte der 1970er Jahre wohnte im Hause meiner Eltern ein Kraftfahrer, der sein Dienstfahrzeug, einen "Lada" immer im Hof des Hauses abstellte (manchmal änderte sich das Kennzeichen?).
Meine Mutter sagte manchmal: "Nicht so laut, der Nachbar ist bei der Stasi!" Ich sagte: "Du hörst die Flöhe niesen!" Ich und auch andere glaubten
nur wenig oder gar nicht an die Gefährlichkeit dieser Organisation, wir waren aber auch "brave" Bürger!

MfG

GKUS64


vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#59

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 13:07
von sentry | 1.077 Beiträge

Zitat von GKUS64 im Beitrag #58
Lag es nun an meiner Grenzzeit (1963/1965) oder an meiner Naivität mit 20 Jahren, die Durchsetzung mit dem MfS war mir und vielen anderen nicht bewusst.



Zeit, Ort, Naivität, wer weiß das schon.
Wir sind auch mit Einzug in die Grenzkompanie nicht automatisch zu Stasi-Spezialisten geworden. Solches Wissen wurde vererbt.
Die offiziellen MfSler einschließlich auch der PKE kannten wir ganz genau und wussten, wie wir mit ihnen umzugehen hatten.
Wir gingen allerdings auch genauso mit unserem Komapniechef und unserem Polit um, muss man hier relativierend erwähnen.

Bei den Inoffiziellen sah das schon anders aus. Da gab's doch erhebliche Überraschungen im Aktenmaterial zu lesen.
In unserer Einheit in den späten 80ern wurde auch nicht über Fluchtszenarien oder Danebenschießen gesprochen.
Wir stellten einfach solche Fragen nicht. Erstens machte man sich schon verdächtig, dass man seine Kameraden aushorchen will, wenn man solche Themen anriss und zweitens kam so auch keiner in die Verlegenheit, seine Kameraden anlügen zu müssen...und die IM's hatten nicht so viel zu berichten.

Ungeachtet dessen haben natürlich auch wir jungen Bengels eine gehöriges Maß an Naivität an den Tag gelegt. Viele Verhaltensweisen im Grenzdienst oder Inhalte von Briefen fielen definitiv unter "Gefährdung der Grenzsicherheit".


Zange, GKUS64 und vs1400 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.05.2016 13:09 | nach oben springen

#60

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 13:56
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von GKUS64 im Beitrag #58
Zitat von sentry im Beitrag #56

Bei den Grenztruppen waren wir uns dann der Gegenwart des MfS sogar absolut bewusst.



Lag es nun an meiner Grenzzeit (1963/1965) oder an meiner Naivität mit 20 Jahren, die Durchsetzung mit dem MfS war mir und vielen anderen
nicht bewusst. Wir haben im Dienst ganz offen diskutiert, z.B. "Wer abhauen will, sollte zum Schutz des Kumpels, das während eines Ausgangs tun", oder " Wenn ich daneben schieße, kann mir keiner bewusstes Handeln nachweisen".
Mitte der 1970er Jahre wohnte im Hause meiner Eltern ein Kraftfahrer, der sein Dienstfahrzeug, einen "Lada" immer im Hof des Hauses abstellte (manchmal änderte sich das Kennzeichen?).
Meine Mutter sagte manchmal: "Nicht so laut, der Nachbar ist bei der Stasi!" Ich sagte: "Du hörst die Flöhe niesen!" Ich und auch andere glaubten
nur wenig oder gar nicht an die Gefährlichkeit dieser Organisation, wir waren aber auch "brave" Bürger!

MfG

GKUS64



Es gab da wohl beides. Es gab Personen, die hielten schweigen für angebracht, andere plauderten ohne Hemmungen. Und dann gibt es aus meinen Erfahrungen noch die Gruppe, die nach 1990 mit IHREN Wissen , Vermutungen kam.


GKUS64 und vs1400 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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