#101

RE: Ohne Mampf kein Kampf

in Grenztruppen der DDR 23.04.2016 11:08
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Zitat von coff im Beitrag #99
... Da hat halt jeder so seine Erinnerungen an die Großküchen. Schade das man damals noch keine Smartphones hatte sonst könnte ich jetzt ein leckeres Foto beisteuern wie es in einem Großkochkessel aussah wo eigentlich nur Hülsenfrüchte gekocht werden sollten und die ganze Oberfläche mit einer zentimeterdicken Schicht gekochter Maden bedeckt war. Das war das Highlight bei den Küchendiensten im ersten halben Jahr.

Oha, das klingt nicht gut. Da waren die Hülsenfrüchte wohl falsch gelagert worden. Allerdings war es tatsächlich hygienisch unbedenklich, wenn die leichteren Maden abgeschöpft und die Hülsenfrüchte komplett durcherhitzt wurden. Schön ist es nicht und es klingt auch, offen gestanden, nach einer "Nacht und Nebel Aktion" des Küchenleiters, dem hier augenscheinlich ein Fehler unterlaufen war und der versuchte zu retten, was noch zu retten ist. "Ach, das kochen wir aus, das geht schon". Wenn keine Hygienekommission davon erfuhr, ist die Erinnerung der Beteiligten der einzige Schaden.

Es gab allerdings auch durchaus schräge Sachen. Bei einer meiner ersten Hygienekontrollen in der Stabsküche (ich war auch dort Leiter der Hygienekommission) öffnete der Küchenleiter ein großes Fass mit Sauerkraut. Obenauf präsentierte sich eine ca. 5 Zentimeter dicke Schimmelschicht. Ich war entsetzt. Der Küchenleiter insistierte: Das müsse so sein, hygienisch ist das unbedenklich. Die Schimmelschicht wird beiseite geschoben, die Sporen können nicht bis in die Lake eindringen. Das erschien mir zwar logisch, aber ich holte mir dennoch heimlich eine Bestätigung bei unserem Offizier für Verpflegung des Regiments. Auch spätere höher angebundene Kontrollen nahmen daran keinen Anstoß, bis einschließlich hin zu einer Hygienekontrolle durch das Ministerium für Nationale Verteidigung (da kam ein Kapitän zur See = Oberst in Blau). Würde man das heute über die sozialen Netzwerke verteilen, gäbe es Entsetzen, wo keines nötig ist. So hat jede Zeit schon die richtigen Kommunikationsmittel.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#102

RE: Ohne Mampf kein Kampf

in Grenztruppen der DDR 23.04.2016 11:14
von vs1400 | 2.389 Beiträge

wimre, so wurden von jeder selbst hergestellten speise proben zurückgehalten.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#103

RE: Ohne Mampf kein Kampf

in Grenztruppen der DDR 23.04.2016 11:20
von Harsberg | 3.247 Beiträge

War schon zu meiner Zeit üblich, von allen selbterstellten Speisen ein Probe 24 h aufzuheben.


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
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#104

RE: Ohne Mampf kein Kampf

in Grenztruppen der DDR 23.04.2016 11:47
von Gesamtdeutscher Kamerad | 154 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #100
Es schmeckt nichts so schlecht, wie es aussieht. Also, der menschliche Verdauungstrakt verträgt so Einiges und wenn man die Augen dabei zumacht, schmecken eben auch gekochte Maden, wenn sie gut gewürzt sind. Da fällt mir Haggis ein, das schottische Nationalgericht. Esse ich sehr gern, auch wenn es aussieht wie schon mal gegessen. Die Würze macht´s halt.


In manchen Fällen muss man sich auch die Nase zuhalten. Und die Geschmacksnerven abstellen.

Haggis ist eine Sache, aber die große Herausforderung ist Andouille - Haggis auf Französisch. Haggis kann, richtig verstanden, eine Delikatesse sein; kann ich aus Erfahrung mit der schottischen Küche ebenfalls bezeugen (ich persönlich schwärme eher für Cullen Skink, eine feine Kartoffelsuppe mit Lauch und Schellfisch, aber das ist wieder was Anderes - und auf den Orkneys isst man sagenhaft! Kein Wunder, dass die schon so lange besiedelt sind!).

Andouille hingegen nicht. Wer noch essen will, der lese jetzt nicht weiter. Meine Großmutter beschrieb das Aroma einmal als das eines "russischen Eisenbahnklos im Sommer". Ich war wiederholt so unvorsichtig, ein größeres Stück zu probieren, weil ich das einfach nicht glauben konnte - ich glaube, das russische Eisenbahnklo schmeckt besser.

Der Gag ist, dass Andouille wirklich überall gleich schmeckt. Ich hatte welche in der Bretagne, im Pays d'Oc, in Burgund... Es schmeckt nicht mal nach Fleisch. Einfach nur Salz, Schmalz, und... ich erwähnte es bereits.

Und die Franzosen lieben sie. Ihre Andouille, darauf schwören sie. Es gibt eine "Bruderschaft der Andouille" (wie es für fast jedes Nahrungsmittel eine solche gibt).
Sie haben, gleichwohl, auch Verständnis dafür, dass man an den Geschmack von klein auf gewöhnt sein muss - auf eine Bestellung von Andouille reagierte der Ober einmal mit einem besorgten Gesicht und nickte in die Richtung des Empfängers: "Va-t-il aimer?" ("Wird er das mögen?")


"Wer einen kommenden Krieg für sicher hält, wirkt gerade durch diese Gewißheit mit, daß er entsteht. Wer den Frieden für sicher hält, wird unbesorgt und treibt ohne Absicht in den Krieg. Nur wer die Gefahr sieht und keinen Augenblick vergißt, kann sich vernünftig verhalten und tun, was möglich ist, um sie zu beschwören."

- Karl Jaspers
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#105

RE: Ohne Mampf kein Kampf

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 12:22
von grenzgänger86 | 375 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #86
hallo grenzgänger86,

zu meiner zeit gab es einen BU als küchenleiter, einen stellv. dessen (UaZ) und einen gehilfen (gwd'ler). etwas später kam noch ein gehilfe dazu
und dann gab es noch 4 zivil beschäftigte frauen, welche zweischichtig arbeiteten.

verpflegt wurde durch unsere küche der bataillonsstab, die kompanie für sicherstellung, unsere gk und der brockenzug, der damals noch aus dem
bestand der 4 züge unserer gk gestellt wurde. später kam dann noch der 5.zug dazu.
bei größeren arbeiten im gab kamen ja dann auch noch die gäste hinzu, denn deren arbeiten konnten, rein personal mäßig, durch uns schon nicht mehr abgesichert werden.

was da in der küche geleistet wurde, war wirklich großes kino.

gruß vs



Hallo zusammen,

kann ich dir nur zustimmen vs.
Was da geleistet wurde alle Achtung. Auch bei deiner Schilderung der Küchenbesetzung hast Du recht,Die beiden Gwdler waren mit mir zusammen von Potsdam nach Schierke gekommen.Der eine war aus Thüringen und der andere hatte es nicht soweit nach Hause der war aus Blankenburg/Harz.Das Essen war jedenfalls iO.

04/86-04/87 in Schierke


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