#141

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.04.2016 18:50
von Waldersee | 83 Beiträge

Ratze mein alter Freund und Mitstreiter:
Eindeutig US und BGS! Schau mal auf die Uniformen, M-16 Magazintaschen alle an der gleichen Stelle.
Ansonsten kann ich Ratze nur zustimmen, der Britisch Fronier Service tauchte im Norden nur SEHR selten als Streife in Uniform auf.
Uniformierte US-Soldaten hatte ich nur bei Grenzinformationsbesuchen, dann aber auch manchmal in Zugstärke. Eine solche Gruppe verlieh mir mal unmittelbar am Grenzverlauf-mit zwei GAK hinter mir - ihr Kompnieabzeichen. Was ich nicht wusste, dass dazu auch der "Kompaniekampfschrei" gehörte...für mich und für die GAK zwei Meter dahinter sehr überraschend.


mibau83, Moskwitschka und vs1400 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#142

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.04.2016 19:08
von Waldersee | 83 Beiträge

Zu moskwitschka in 132
Wir im aus dem obersten Norden hatten zu unseren "Briten" einen sehr guten Kontakt und der Verbindungsoffizier war ab und zu mal bei uns.
Von ihm wurden wir auch informiert, wenn der BFs mit einer Streife draußen war. Wir fuhren dann auch mit raus.
Nach der Grenzöffnung hatte ich dann Gelegenheit mit dem Verbindungoffz. eine ausgedehnte Tour auf der Ostseite zu machen.
Dabei erzählte er mir, dass eine britische Luftwaffeneinheit sich einen Grenztrabant "besorgt" hatte und den als Staffelfahrzeug einsetzten.


zweedi04 und Moskwitschka haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.04.2016 19:09 | nach oben springen

#143

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.04.2016 20:38
von Zange | 395 Beiträge

Ich habe in meinen in meinen unzähligen Grenzstreifen nicht eine Britische Militärstreife gesehen. Von der SMM ganz zu schweigen.

@Waldersee Sind die überhaupt zu meiner Zeit, erste Hälfte der 80er Jahre bei uns mal Streife gefahren? Ich meine nicht.


Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen (Helmut Schmidt)
nach oben springen

#144

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.04.2016 20:51
von Waldersee | 83 Beiträge

Hallo Zange,
ich glaube, die letzte Streife war so 1981/82. Ob die aber bis in den Ratzeburger- und Schwarzenbecker Abschnitt gefahren sind...glaub ich nicht.
Vielleicht weiß ja jemand ob der ehemalige II/S der III/7 im Internet unterwegs ist... der würde hier gut reinpassen.
Euer Abschnitt war aber auch für uns interessant. Ich bin mit jedem Grenzstreifenführerlehrgang bis zum Gartenschlägereck gefahren.


Zange hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#145

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.04.2016 20:57
von mibau83 | 829 Beiträge

sah im süden dann doch etwas anders aus!

us-army an der grenze im bereich unterfranken-thüringen, mitte/ende der 80er jahre.




Waldersee und Kalubke haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#146

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.04.2016 20:58
von Zange | 395 Beiträge

Ich kann mich noch erinnern, dass wir auf meinem Streifenführerlehrgang die Baustelle der A 24 besichtigt haben. Das war, glaube ich, im Herbst 82. Kurz danach wurde die Autobahn freigegeben. Ich habe noch die Betonplatten vor Augen, die gegen Durchbrüche sichern sollten.


Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen (Helmut Schmidt)
nach oben springen

#147

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.04.2016 21:06
von Zange | 395 Beiträge

@mibau83

Mein Eindruck ist, dass die Amis wohl im Süden eine rege Streifentätigkeit durchführten. Bei Grenzerinnerungen.de sieht man einen US-Panzer auf der alten A4 fast an der Grenzlinie stehen. Auf einem anderen Foto hier im Forum habe ich gesehen, dass dort, bei Obersuhl, auch eine Sandsackstellung war.

Die Briten bei uns im Norden waren da wohl etwas zurückhaltender


Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen (Helmut Schmidt)
Moskwitschka hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#148

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.04.2016 21:29
von Ratze | 403 Beiträge

Hallo @Walderdsee, da habe ich den Beitrag von Moskwitscha falsch gelesen. Wer lesen kann ist im Vorteil. In Zukunft sehe ich genauer hin.
Der Uwe H. hat nicht mal einen Internetanschluss. Dafür ist er nicht zu haben. Der ist so viel auf der Rolle der hat gar keine Zeit sich im Forum rumzutreiben.


Waldersee hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#149

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.04.2016 22:05
von Moskwitschka | 2.532 Beiträge

Oh, hoffentlich habe ich jetzt nichts falsch verstanden. Ich fasse mal zusammen. 1. Es gab einen großen Unterschied beim Auftreten an der innerdeutschen zwischen den den Briten und Amerikanern. 2. Es gab keine Informationen der Alliiertem gegenüber dem BGS über grenznahe Aufklärungseiheiten der GSSD.

Das bitte ich jetzt nicht negativ zu verstehen. Die innerdeutsche Grenze war lang. Und die ehemaligen BGS-ler, die hier schreiben, sind sehr um Sachlichkeit bemüht. Dafür noch einmal ein großes Danke. Für diesen Blick von der anderen Seite.

Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

Pitti53, Waldersee und damals wars haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#150

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.04.2016 23:24
von Grenzerhans | 274 Beiträge

Zum letzten Beitrag von Moskwitschka.
Als ich an der Grenze war (1961), bin ich manchmal den US-Boy's auf der anderen Seite der Grenze begnet.Sie haben auch versucht mich und die anderen Grenzer in Gespräche zu verwickeln Aber ich muss heute sagen, Diese Soldaten und Offiziere waren an der Grenze immer im Auftreten
höflich und zurück haltent. Der ganze Gegensatz zur Bayrischen Grenzpolizei und dem Zoll.
Wenn ich heute das Auftreten der amerikanischen Angehörigen der MVM in den späteren Jahre betrachte und vergleiche, dass war ein Unterschied
wie Tag und Nacht.
Nur als Hinweis: US-Soldaten und Angehörige der GSSD sind sich nach 1950 nicht mehr an der Grenze begenet

Gruß von Grenzerhans.


Moskwitschka und Waldersee haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#151

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.04.2016 09:19
von Ratze | 403 Beiträge

Moin @moskwitscha ,
wenn ich richtig gelesen hätte, wäre mir der Fehler nicht passiert.
Tschüss
Ratze


nach oben springen

#152

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.04.2016 00:37
von willie | 613 Beiträge

Hallo,
nachdem hier einige Dinge über eine gemeinsame Streifentätigkeit bzw. Zusammenarbeit mit den zuständigen alliierten Streitkräften geschildert wurden, möchte ich hier auch mal meinen "Senf" hinzugeben:
Während meiner Dienstzeit (76-86) hatten wir natürlich auch Kontakt zur nur 1 km entfernten 11 ACR Bad Hersfeld. Es erfolgte alle 1-3 Monate, also unregelmäßig, eine Kontaktaufnahme seitens des MIC (Military Intelligence Corps). Das Sachgebiet Sicherheit bekam für jeden Mitarbeiter einen entsprechenden Ausweis des MI ausgestellt, der uns auch berechtigte ohne besondere Kontrollen den Kasernenbereich der US-Armee zu betreten. Mit diesem Ausweis waren auch Besuche direkt beim MI möglich. Wurde aber von uns selten benutzt, außer beim Zutritt zu den entsprechenden OP (India und Romeo). Vorzeigen und sofort wurde durchgewunken!
Wir hatten damals kaum Zeit aufgrund vielfältiger Aufgaben, diese Besuche zu erwidern. Es ging bei diesen Besuchen um "Freundschaftspflege" und natürlich um Informationsaustausch. Dieser Info-Austausch war natürlich für beide Seiten von Vorteil (obwohl man sich ja denken kann, das nicht alle Infos restlos offengelegt wurden....so mein Eindruck!!!) Bei solchen Treffen wurden dann und wann auch gemeinsame Streifen ( sei es mit einer "normalen Streife des 11 ACR oder aber als Mitarbeiter des Sachgebietes Sicherheit (I/S) und einem Angehörigen des MI. Dies war für uns natürlich sehr gut, da wir auch deren erstklassige Fotoausrüstung (damals,1983, ganz neu, kurzes 500mm Spiegeltele, alls solches von der GrTr kaum zu erkennen!) nutzen konnten. Ebenso wurde unsere Ausrüstung ausgetauscht. Es war alles ein gegenseitiges Kennenlernen, was natürlich für beide Seiten von Vorteil war.
Ich habe auch an einem "Freundschaftsschießen" mit Angehörigen des MI und Soldaten 11 ACR auf dem Schießstand des BGS in Bad Hersfeld teilgenommen. Hierbei schossen die Angehörigen der US-Armee mit den Waffen des BGS ( damals G1 und MP5) und wir schossen mit dem M16 A1. Es wurden jeweils alle vorgegebenen Übungen der anderen Einheit auch auf deren Scheiben bzw. Zielvorgaben geschossen. War echt interessant, wenn die Jungs mit unseren G1 den ersten Schuß abgaben (unter dem Moto ...Schreck lass nach). Andererseits konnten wir auch mal das M16 A1 testen (zum Ende des Treffens in Rambomanier...Hüftanschlag..und nach 2 Sekunden war es still) Aber wirklich interessant.
Hab heute noch ein 10 Pfennigstück von einem M16 _Geschoß fast mittig durchschlagen...schon heftig). Nach Beendigung des Schießens erhielten wir die entsprechenden Schießauszeichnungen von der anderen Einheit.
Während meiner Dienstzeit war ich 2 oder 3mal mit einer regulären US-Streife an der Grenze unterwegs. Mehr oder weniger als Einweisung in die Grenzverhältnisse, denn die "Jungs" wußten wenig von den örtlichen Gegegenheiten.
So das mal zu später Stunde von mir , obwohl doch sehr OT
Gruß Willie


...Rechtschreibfehler sind die Special Effects meiner Tastatur!...
sieben-seen, Moskwitschka, Gert, Kalubke, Waldersee und Zange haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#153

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.04.2016 10:35
von Kalubke | 2.300 Beiträge

Wenn man mal die Aufklärungsaufgaben der US-ACR und der GAK/GT vergleicht, dann waren die ziemlich deckungsgleich. Hauptziel war das Erkennen von Spannungsmerkmalen auf der Gegenseite und des Weiteren das Erkennen von Veränderungen u.a. in den Dienstregimen, der Personalstärke, der Bewaffnung, Aufklärung von Truppenbewegungen im gegnerischen grenznahen Raum. usw..

Gruß Kalubke



nach oben springen

#154

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.04.2016 16:16
von Ratze | 403 Beiträge

Ich möchte nochmal auf #126 zurückkommen, das eigentliche Thema.
Es müßte doch ein Kompaniechef dabei sein, Politstellv. sind es, das habe ich ja schon mal gelernt, dann wäre es super, wenn aus dieser Richtung mal gesagt wird, wie das Meldeverfahren nun ablief. B 208 und ich sind jedenfalls daran interessiert. Die Neugier ist vielleicht bei mir viel größer. Also mal die Fachleute an die Tasten.
Ratze


Waldersee hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#155

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.04.2016 09:23
von Fritze | 3.474 Beiträge

Moin Ratze !

das Thema ist schon paarmal durchgekaut worden ,wahrscheinlich haben die Wissenden keine richtige Lust mehr (warum auch immer ) sich nochmal zu äussern. .
Vlt. auch der aggressiven Diskussionkultur von B208 geschuldet !

Hier nur ein Thread zum Thema

Was kam eigentlich nach dem Grenzdurchbruch?

MfG Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
hundemuchtel 88 0,5 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 17.04.2016 09:23 | nach oben springen

#156

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.04.2016 10:40
von Ratze | 403 Beiträge

Danke @fritze, ich habe soeben den Tipp gelesen. War intereasant , aber zum Meldeverfahren gabs nichts. Da heißt es abwarten und Teetrinken, vielleicht kommt ja mal irgendeiner u d berichtet mal.Meldungen interessieren mich halt, weil ich beim BGS in RZ dafür zuständig war.
Tschüss und nocmals danke. Ratze


Fritze hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#157

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 18.04.2016 13:56
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

@Ratze und @Moskwitschka haben mich nun so nett gebeten, dass ich mich mal dazu äußere, da kann ich nicht Nein sagen. Ich hatte Ratze das schon als PM geschickt, aber warum nicht an den Platz, wo es hingehört. Aus meinem eigenen Erfahrungsschatz (hier das Jahr 1984) als Politstellvertreter der Kompanie:

Variante 1: Durchbruch 1984 in unserem Abschnitt - unsere morgendliche K6-Kontrollstreife findet kurz vor 06:00 Uhr, die Nachtschicht war noch im Abschnitt, eine Spur auf dem K6. Es erfolgte die Meldung an den Kommandeur Grenzsicherung, einem Leutnant (Zugführer). Dieser rief den Diensthabenden Stellvertreter der Kompanie an. Dieser wurde von 3 Personen gestellt : KC, Stellvertreter KC oder Stellvertreter KC Politische Arbeit. Letzterer war ich und ich war auch diensthabender Stellvertreter an dem Tag. Ich wurde durch das Telefon geweckt, der Kommandeur Grenzsicherung machte Meldung mit dem Entschluss Einsatz der Alarmgruppe links und rechts des Fundorts und Verbleib der Streife an der Spur. Ich fragte zunächst schlaftrunken nach, ob das nicht eine Spur von Arbeitseinsätzen gewesen sein könnte. Er sagte, sie sei frisch. Ich bestätigte seinen Entschluss und musste nun meinen nächsten Vorgesetzten informieren. Da der Kompaniechef weder krank noch im Urlaub war, musste ich ihn anrufen. Er quittierte meine Meldung mit einem hektischen "Mist! Ende!" und legte auf. Ich stand auf, zog mich an und ging rüber in die Kompanie. Die Meldung über den Kräfteeinsatz war zu diesem Zeitpunkt schon längst an das Bataillon und von dort an das Regiment gemeldet worden. Das hatte in diesem Fall der Kompaniechef nach meinem Anruf getan mit einer Erweiterung der Entschlussmeldung über den Einsatz eines Grenzaufklärers zur Aufklärung der Spur am K6 und zu einer weiteren Grenzstreife am K2. Das lief also bereits. Die weiteren Handlungen liefen nach Lehrbuch ab. Nach Einsatz der zusätzlichen Kontrollstreifen musste die Abriegelung verstärkt werden. Das war in diesem Falle leicht, da die Ablösung schon in Richtung Abschnitt unterwegs war. Diese wurde zum Ort des Durchbruchs umgeleitet und durch den Kommandeur Grenzsicherung eingesetzt. Als nächstes handelte der Kompaniechef zur Führungsstelle. Ich wurde als zusätzliche Streife an den K2 beordert und der Stellvertreter KC übernahm die Führung in der Kompanie. Der Alarmzug wurde geweckt und ebenfalls zur Erweiterung der Abriegelung in den Abschnitt geschickt. Auch das alles nach Lehrbuch. Damit war die Kompanie quasi leer. Die eingesetzten Streifen bestätigten die Spur und eine Untergrabung. Das war also ein Durchbruch. Ab hier führte de facto der Operative Diensthabende im Regiment unter Flankierung durch den Kommandeur oder einen seiner Stellvertreter. Bereits am Vormittag traf dann eine Untersuchungsgruppe mit Offizieren der Verwaltung 2000, der Kriminalpolizei, Offizieren von Stäben aus Erfurt (Grenzkommando Süd), aus dem Regiment und Bataillon ein. Die Untersuchung des Durchbruchs und seiner Ursachen lag nun ganz allein in deren Händen. Mich fing ein Offizier der Politischen Verwaltung des Grenzkommandos ab und prüfte meine Politische Arbeit (Pläne, Berichte, Ergebnisse von Gesprächen). Später wurde ich dann bestraft, u.a. mit einer Parteistrafe für mangelnde politisch-ideologische Arbeit. Aus der Auswertung der Westmedien erhielten wir die Bestätigung des Durchbruchs. In den darauffolgenden Wochen folgten endlose Kontrollen. Der Kompaniechef wurde ebenfalls bestraft.

dennoch - 6 Wochen später:

Variante 2: Wir erhielten die Meldung, dass im Nachbarabschnitt (1.GK / I. GB / GR-9) zwei Personen von einem Jäger gesehen und bei dessen Ansprache geflohen seien "in unbekannte Richtung". Unsere Kompanie lag an der Trennungslinie des GR-3 (Dermbach) zum GR-9 (Meiningen). Wir begannen mit einer Abriegelung und verstärkten diese planmäßig mit nahezu allen Kräften der Kompanie. Wir hatte ein Viertel des Abschnitts abgeriegelt. Nur 2 Grenzposten und eine Kontrollstreife waren im restlichen Abschnitt. Plötzlich eine Minendetonation ca. ein Kilometer rechts unserer Abriegelung. Die Streife wird hingeschickt und findet einen Wurfanken und etwas Blut am Zaun. Es gab keine Abriegelung mehr zu verstärken. Wir gruppierten ein paar Posten um. Ich flog als Grenzsstreife raus an den K2. Wir fanden nichts und mussten ziemlich lange warten, bis der Befehl kam, zu Fuß in die Kompanie zu handeln. Auf der Führungsstelle führte wieder der Kompaniechef. Ich ging zur nächsten Straße, da kam ein grüner Wartburg. Ich hielt ihn an zur Kontrolle und plötzlich saß da eine General der Grenztruppen drin. Ich meldete ihm, er fragte wer ich sei und was ich hier mache. Als er hörte, ich sei der Polit, befahl er mir und meinem Posten, in das Auto einzusteigen, "der Polit gehört jetzt auf die Kompanie und nicht auf die Straße". Zeitgleich mit der obligatorischen Untersuchungsgruppe (s.o.) traf der Leiter der Politabteilung des Regiments ein. Ich trommelte eine Aktuell Politische Lageinformation zusammen, bekam etwa 30 Mann zusammen. Vor denen entschuldigte sich der Leiter der PA offiziell bei unserer Kompanie, dass er als Diensthabender Stellvertreter des Regimentskommandeurs unzweckmäßige Entschlüsse gefasst hätte. Tatsächlich war die Abrieglung an der Trennungslinie ein Fehler. Der Druchbruch war genau in der von uns analysierten Wahrscheinlichen Richtung der Bewegung von Grenzverletzern (WRG) in unserem Raum der Hauptanstrengung (RdH) erfolgt. Man hatte aber unsere Analysen nicht ernst genommen und somit lagen wir im wahrsten Sinne des Wortes falsch. Zu melden war nichts mehr. Die Lage und der Ablauf wurden schnell durch die Kriminaltechniker erforscht. Auch hier kamen wieder die Bestätigungen durch die Westmedien.

Variante 3: Die Meldung über den vorgesetzten Stab - "Da ist einer drüben angekommen". Wie auch immer diese Information in den Stab gekommen war (Medien, Abhören usw.), uns wurde dann befohlen, K6 und K2-Streifen jeweils mit Offizieren zu laufen. Das gab es häufiger, alle 1 oder 2 Monate. In keinem der Fälle war es ein Durchbruch bei uns im Abschnitt.


Soviel dann mal dazu von mir!
Viel Spaß und bis neulich mal wieder!
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Moskwitschka, Hapedi, Zange, lhsecurity, Fritze, Niederlausitzer und Lutze haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#158

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 18.04.2016 14:23
von Ratze | 403 Beiträge

Super Übersicht in drei Fällen. Da kann sich jetzt auch ein BGS' ler vorstellen was im Osten los war, wenn man selbst in der Befragung steckte, Meldungen schrieb, nervende Zwischenfragen der Vorgesetzten beantworten mußte. Danke #rainman2
Ratze


Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#159

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 18.04.2016 18:11
von mibau83 | 829 Beiträge

vor ort befinden sich heute tafeln auf denen die geschichten dieser fluchten stehen.




Moskwitschka, Niederlausitzer und Rainman2 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#160

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 18.04.2016 18:56
von Ratze | 403 Beiträge

Ich finde es gut von @rainman2 und @mibau die Flucht Geschichte aus 2 unterschiedlichenSeiten zu liesen einmal aus Sicht GT und einmal aus Westsicht.Danke an beide. Ratze


Fritze hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Erfolgreicher Grenzdurchbruch / verhinderter Grenzdurchbruch mit tödlichem Ausgang .
Erstellt im Forum Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer von B208
109 23.04.2016 17:32goto
von damals wars • Zugriffe: 6419
Aktivist der ersten Stunde
Erstellt im Forum Leben in der DDR von Lutze
13 17.02.2014 18:55goto
von Hackel39 • Zugriffe: 1828
57 Jahre Freiheitsstrafen für Jugendliche wegen versuchten "Grenzdurchbruchs"
Erstellt im Forum Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer von wosch
86 05.10.2011 17:01goto
von matloh • Zugriffe: 7311
Beschreibung einer Flucht / erfolgreicher Grenzdurchbruch
Erstellt im Forum Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer von Sachse
0 21.08.2010 22:44goto
von Sachse • Zugriffe: 4286
Frank Lippmann- eine Recherche seiner Flucht
Erstellt im Forum Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer von Augenzeuge
0 13.12.2009 21:28goto
von Augenzeuge • Zugriffe: 3733
Flucht über die Innerdeutsche Grenze mit dem Heissluftballon
Erstellt im Forum Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer von Angelo
28 26.12.2011 10:16goto
von Gert • Zugriffe: 7335
Die erstaunliche Flucht aus der DDR einer Familie
Erstellt im Forum Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer von Augenzeuge
3 08.05.2009 18:20goto
von Wolfgang B. • Zugriffe: 6695
Fluchtversuche aus der DDR: Erfolgreich und weniger erfolgreich
Erstellt im Forum Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze von Angelo
10 06.09.2015 18:07goto
von eisenringtheo • Zugriffe: 6420

Besucher
25 Mitglieder und 65 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: TalSiar
Besucherzähler
Heute waren 1385 Gäste und 114 Mitglieder, gestern 3936 Gäste und 179 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14372 Themen und 558414 Beiträge.

Heute waren 114 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen