#81

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 05.03.2016 22:16
von buschgespenst | 625 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #78

Ja, das habe ich auch bemerkt und war verwundert, dass ein Land mit so viel Aspiration auf seine Souverenität einfach ein Stück seines Territorium « vergass ».

Aber, habe ich gut verstanden, es gibt keine Markierung der Grenzzone (5 km) - etwa fahl-rotes Gitterdruck mit separaten Eintrag in der Karten-Legende ?
Stringer49


Die Grenzzone kommt überhaupt nicht vor, also auf meiner Karte. Beispiel ist die Talsperre Dröda im 5-km-Sperrgebiet . Kurz hinter der Staumauer endet die Karte.

...


Mein Erzgebirge,
hoch über dunklen Schächten lauscht deiner Halden wilde Einsamkeit.
Still raunen sie von guten Himmelsmächten,
von Berggeschrei aus längst vergangener Zeit.

(Edwin Bauersachs)

Glück Auf!
Bernd
Stringer49 und eisenringtheo haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#82

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 05.03.2016 23:25
von Kalubke | 2.296 Beiträge

Selbst auf den allgemeinen militärtopographischen Karten (AS=Ausgabe für den Staat) waren weder Schutzstreifen und Sperrzone, noch Sperranlagen eingezeichnet. Einzig die Grenztruppen sowie sicher auch der topographische Dienst des MfS und die "Freunde" hatten Kartenmaterial mit entsprechenden Eintragungen.

Beispiele:


Stadtkarte von Berlin Bereich Potsdamer Platz mit Grenzgebiet


TK 25 mit Sperranlagen Berlin, Grenzabschnitt Lübars/Glienicke


TK 10 grenztaktische Karte Grenzabschnitt 8. GK Untersuhl mit Sperranlagen Postenpunkten, GSZ-Zaunabschnitten

Gruß Kalubke



Stringer49, Moskwitschka und der alte Grenzgänger haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.03.2016 23:28 | nach oben springen

#83

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 05.03.2016 23:53
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #56

5. Topographische Karten sowie Landkarten, die in ihren Bezeichnungen nicht der tatsächlichen staatsrechtlichen Lage in Deutschland entsprechen.»
Stringer49



Hallo,

war das vollzogen worden im Bezug auf Begriffe wie SBZ, unter polnischer Verwaltung usw.

Oder auch historischer Karten, z.B. ein Diercke Atlas von 1913 oder ToPo-Karten von 1932, also auf jedenfall ohne Namen wie "Protektorat", Adolf-Hitler-Wege usw.?


( Den Diercke von 1913 habe ich, darin ist eine Fahrzeitenkarte nach Berlin aus allen Richtungen, die Fahrzeiten der schnellsten Züge wurden erst ab 1990 teilweise unterboten, Fertigstellung Hannover-Würzburg...., der Henschel-Wegemann-Zug Berlin Dresden wird z.Z: nicht getoppt )



nach oben springen

#84

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 00:09
von Moskwitschka | 2.529 Beiträge

Du hast mich zwar nicht gefragt. Am beeindruckendsten fand ich einen Stadtplan von Berlin aus dem Jahr 1945:

Verlag: (Kinderzeichnung von Ulrich Stutterheim) alle Rechte bei: Mirko Tamkus http://www.alt-berlin.info/cgi/stp/lana....3&ost=13.383000



Moskwitschka

PS Auf der Seite kannst Du Dich übrigens in Berlin ab 1738 durchklicken... http://www.alt-berlin.info/cgi/stp/lana....0&ost=13.400000


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

Stringer49 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.03.2016 00:10 | nach oben springen

#85

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 10:27
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #83


[...]

Hallo,

war das vollzogen worden im Bezug auf Begriffe wie SBZ, unter polnischer Verwaltung usw.

Oder auch historischer Karten, z.B. ein Diercke Atlas von 1913 oder ToPo-Karten von 1932, also auf jedenfall ohne Namen wie "Protektorat", Adolf-Hitler-Wege usw.?


( Den Diercke von 1913 habe ich, darin ist eine Fahrzeitenkarte nach Berlin aus allen Richtungen, die Fahrzeiten der schnellsten Züge wurden erst ab 1990 teilweise unterboten, Fertigstellung Hannover-Würzburg...., der Henschel-Wegemann-Zug Berlin Dresden wird z.Z: nicht getoppt )


Guten Tag,

sehr interessant, was Du schreibst. In meiner Arbeit habe ich viele Entdeckungen gemacht über unseren europäischen Nachbarn, auch über den Teilvon ihm, welcher scheinbar nie existiert hat (Amnesie ist immer bequemer als darüber zu reden, Polarisierungen auch...). Dabei bin ich auch an die Eisenbahnen in Deutschland gekommen. Das ist das Undiscovered Country(© StarTrek) für mich. Ich hatte mir niemals Gedanken gemacht, was Eisenbahn wirklich sind - commuter, die Züge 125 (mph) und T.G.V. ?

Durch die D.D.R. und auch Karten mit Eisenbahnlinien sowie durch Interviews habe ich viel erfahren.

Die Bezeichnung «Ostteil der Stadt » und dann die Unterscheidung «Ostteil der Stadt » für Hauptstadt der D.D.R. einerseits und «D.D.R.» für das Umland sollte hart für die offizielle D.D.R. gewesen sein; es war eine andere Sicht des status quo... (Plan der B.V.G.) Ich glaube, in den 1970ies und 1980ies war man in Deutschland - in der Diktion - feiner (und auch perfider), so eine Art flexible response.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


zuletzt bearbeitet 06.03.2016 10:33 | nach oben springen

#86

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 10:39
von Kalubke | 2.296 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #79
Das von Theo #73 genannte Kartenwerk gibt Auskunft über den Grenzübergang Rudow :


Ich vermute, dass das eine Karte AV ist (Vertrauliche Verschlussache). Es gibt keine Markierung der gesperrten Zone.

Diese Karte habe ich in einem Paket bekommen. Es gibt keinen der Stempel darauf, welcher für geheime Unterlagen der Armee verwendet wurde.
Für Hinweise bin ich dankbar.

Auch ganz banale Karten konnten textuellen Sprengstoff enthalten. Hier das Streckennetz der B.V.G. in Berlin (1987):


Stringer49


Springer


Kleine Richtigstellung: AV heißt Ausgabe für die Volkswirtschaft. Das wäre z.B. die untere Karte im Beitrag von Theo, wo der Flughafen Dresden-Klotzsche fehlt. Diese Karten hatten den Geheimhaltungsgrad "Nur für den Dienstgebrauch". D.h. selbst bei solchen Karten war eine private Nutzung z.B. als Wanderkarte heikel.

Die AS-Karten (Ausgabe für den Staat) hatten den Geheimhaltungsgrad "Vertrauliche Verschlußsache".



Sie wurden vom militärtopographischen Dienst des MfNV (Ministerium für Nationale Verteidigung) herausgegeben. Wenn man mit so einer Karte (die offiziell gar nicht zu haben war) vlt. noch in Grenznähe aufgegriffen worden wäre, dann konnte man seinen A... drauf verwetten, dass einem selbiger bis zur Halskrause aufgerissen worden wäre.

Dein Kartenausschnitt von der GüSt Rudow scheint eine TK 10 (AS) zu sein, denn auf AV-Karten hatte das Westberliner Gebiet keine Topographie (weißer Fleck). Deine Karte hat die Besonderheit, dass nur auf der Westberliner Seite (Rudow) Straßennamen eingetragen sind. Auf der Schönefelder Seite (Thieke-Siedlung) fehlen sie. Woher stammt das Kartenmaterial? Waren das evt. igendwelche Spezialausgaben vlt. für Leute, die konspirativ in Westberlin tätig waren?

Die DDR-mil-topo Karten haben übrigens auch das BRD-Gebiet und Westberlin komplett abgedeckt.

Gruß Kalubke



Stringer49 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.03.2016 11:17 | nach oben springen

#87

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 10:53
von Beethoven | 137 Beiträge

Entcheident für mich ist bei einer Karte, ob man diese lesen kann und welche Informationen mir so eine Karte vermittelt. Und dabei get es um Karten von vor 1990, denn später gab es keine Karten aus DDR Produktion mehr.

Vergleicht mal solche Karten und ihr werdet erheblich Unterschiede feststellen können zu vom aus Karten aus der BRD zur DDR..
Für einen Militär sind logischer Weise Karten wie eine wörtliche Beschreibung der Landschaft.

Ob ich da erlesen kann wie hoch die Bäume sind und wie stark - dass ich da mit einem Panzer durchkomme oder nicht. Wie steil der Berg ist, ob ich den Fluss in UW-Fahrt forcieren kann, ob ich die Straße mit schwerer Technik befahren kann oder nicht, wo Böschungen an Bahngleisen sind und wie hoch und steil diese sind, ob Durchfahrten machbar sind bei Tunneln und 100 andere Dinge. Und das noch in Farbe.

Diese Sache mit dem falschen Grenzverlauf lese ich immer wieder. Ich weiß es nicht genau aber mir ist sowas noch nicht untergekommen. Vielleicht kann hier jemand mal eine solche "Fälschung" einstellen. Das wäre nett. Ansonsten ist das mal wieder so ne Ente, würde ich meinen.

Was für einen Sinn würde es machen, auf einer Karte den Grenzverlauf zu verändern? Erklärt mir das bitte mal.
Wenn einer flitzen will, dann fährt er an die Grenze und klärt auf. Er wird sich kaum ins Gras setzen, die Karte entfalten, seinen eigenen Standpunkt auf den Meter genau bestimmen und dann den Schritt über die Grenze tun. Das ist doch Schwachsinn in meinen Augen. Davor standen unsere Grenzer und ich weiß nicht was alles an Sperranlagen. Wozu da eine Karte außer einer, wie er mit dem Zug oder dem Auto in die Nähe der Grenze kommt. Und ob da nun A-Dorf oder X-Dorf steht ist doch Bockwurst, wobei das ja wohl angeblich nicht geändert wurde.

Wo liegt also der Sinn, auf einer Karte den Grenzverlauf zu ändern? Ich weiß keinen bin aber lernbereit.

Gruß


nach oben springen

#88

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 10:54
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #86

[...]

Kleine Richtigstellung: AV heißt Ausgabe für die Volkswirtschaft. Das wäre z.B. die untere Karte im Beitrag von Theo, wo der Flughafen Dresden-Klotzsche fehlt. Diese Karten hatten den Geheimhaltungsgrad "Nur für den Dienstgebrauch". D.h. selbst bei solchen Karten war eine private Nutzung z.B. als Wanderkarte heikel.






Danke für die kleine (für mich grosse - umgedrehter Neil Armstrong ) Richtigstellung !

Zitat von Kalubke im Beitrag #86
Die AS-Karten (Ausgabe für den Staat) haten den Geheimhaltungsgrad "Vertrauliche Verschlußsache". Sie wurden vom militärtopographischen Dienst des MfNV (Ministerium für nationale Verteidigung) herausgegeben. Wenn man mit so einer Karte (die offiziell gar nicht zu haben war) vlt. noch in Grenznähe aufgegriffen worden wäre, dann konnte man seinen A... drauf verwetten, dass einem selbiger bis zur Halskrause aufgerissen worden wäre.
Gruß Kalubke


Deine Beschreibung ( ich musste das Wort Halskrause erst suchen - ich kenne leider nicht alle deutschen Wörter) ist sehr pointiert und ich habe die Szene mir vorgestellt ... wie dem armen Kartenbesitzer der Kragen aufgerissen wurde ... im bildlichen Sinn.

Ich habe auch viele D.E.F.A.-Filme betrachtet, was nicht immer einfach war (Sprache und regionale Akzente). In dem Film « Eolomea » (1972) sagt die Hauptperson sinngemäss, dass kein Verbot hundert Jahre dauere.

Nun, er hatte recht. Ich habe diese AV-Karte und ich riskiere nicht, dass man mir die « Halskrause aufreisst ». So wie Staaten sterblich sein können, so vergehen auch Werte ( sollte ich sagen : untergehen ?) Aber das ist, wie ich hier las, « eine andere Baustelle »...

Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag - und allen anderen auch.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


Kalubke, Moskwitschka und furry haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.03.2016 10:54 | nach oben springen

#89

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 11:24
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Beethoven im Beitrag #87


[...]

Was für einen Sinn würde es machen, auf einer Karte den Grenzverlauf zu verändern? Erklärt mir das bitte mal.
Wenn einer flitzen will, dann fährt er an die Grenze und klärt auf. Er wird sich kaum ins Gras setzen, die Karte entfalten, seinen eigenen Standpunkt auf den Meter genau bestimmen und dann den Schritt über die Grenze tun. Das ist doch Schwachsinn in meinen Augen. Davor standen unsere Grenzer und ich weiß nicht was alles an Sperranlagen. Wozu da eine Karte außer einer, wie er mit dem Zug oder dem Auto in die Nähe der Grenze kommt. Und ob da nun A-Dorf oder X-Dorf steht ist doch Bockwurst, wobei das ja wohl angeblich nicht geändert wurde.

Wo liegt also der Sinn, auf einer Karte den Grenzverlauf zu ändern? Ich weiß keinen bin aber lernbereit.

Gruß


Wir sprechen von einer virtuellen Verschiebung der Grenze nach innen.

Ein deutscher Kollege sagt einmal, es sei gut, dass jeden Tag ein neuer Dummer aufstehe. Vielleicht rechneten die Entscheider in der D.D.R. mit diesem Phänomen (das ist die versteckte Frage eines von @Fritze anerkannten Farbenblinden, keine Theorie oder Urteil ), damit, dass es Leute gebe, welche die Karten als 11th Gebot betrachteten und sich so auf den Weg machten. Sie liessen ihre Vorsicht auf der Seite, da sie nach der Karte im Westen waren und es doch nicht waren. Ist diese Annahme richtig ? Ich weiss es nicht, aber wie immer, lasse ich mich sehr gern korrigieren - mit sachlichen Argumenten.

Ein Beispiel könnte dies sein :

Lucht Roland. Henkel Horst. Scholz Wolfgang: Analyse der « Ausgabe für die Volkswirtschaft » in Umsetzung des Beschlusses des Nationalen Verteidigungsrates der D.D.R. vom 13. Oktober 1965 im Vergleich mit der topographischen Karte der D.D.R. : In: Unverhau Dagmar (editor): Kartenverfälschung als Folge übergrosser Geheimhaltung ? Eine Annäherung an das Thema Einflussnahme der Staatssicherheit auf das Kartenwesen der D.D.R. : Archiv zur D.D.R.-Staatssicherheit vol. 5 : Lit Verlag (Münster) : 2003 3rd ed., pp. 120 - 121 (ich beziehe mich auf die deutsche Ausgabe)

Zitat: «In unserem Kartenbeispiel von 1978/79 erscheinen weitgehend die Fernverkehrsstrassen 104 und 105 als äusserste Linie des DDR-Gebietes. Tatsächlich beträgt die Entfernung zur Staatsgrenze 50 und 3.500 m, wie ein Vergleich mit der Karte AS (Schönberg) belegt. ...» (p. 120)
es gibt dann die reproduzierten Kartenbeispiele mit dem Grenzverlauf

Die Autoren ziehen die Schlussfolgerung (p. 121) : « Diese ‹ Tarnung › des westlichen Grenzverlaufs dürfte sich kaum gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichtet haben, denn spätestens seit 1973 lagen aus gemeinsam mit der DDR durchgeführten Vermessungen und Vermarkungen genaue Grenzdaten vor. Diese Massnahme richtete sich gegen die eigene Bevölkerung...»

Ich sollte noch sagen, dass ich hier ein Problem sehe und nicht bestimmte Auffassung verteidige.
Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


nach oben springen

#90

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 11:28
von Kalubke | 2.296 Beiträge

Ja. "A... bis zur Halskrause aufreißen" steht umgangssprachlich für "schwersten Ärger bekommen". Die Umgangssprache arbeitet oft mit bildlichen Vergleichen. Im Englischen las ich kürzlich "rise the eyebrow" für Erstaunen/Verwunderung.

Gruß Kalubke



nach oben springen

#91

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 11:39
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #90
Ja. "A... bis zur Halskrause aufreißen" steht umgangssprachlich für "schwersten Ärger bekommen". Die Umgangssprache arbeitet oft mit bildlichen Vergleichen. Im Englischen las ich kürzlich "rise the eyebrow" für Erstaunen/Verwunderung.

Gruß Kalubke


OT : Ja, es gibt lustige Sachen:
It might rain cats and dogs - so könnte man als Wetterprognose für manche kommende Diskussion in unserem Forum sagen

Stringer49

PS. Ich habe überlegt ob ich es tun sollte, ich bin einer schlechten Position als Lehrer mit meinem Deutsch : Man sollte sagen «Raise the eyebrow(s)», nicht rise... Ich hoffe, Du siehst es nicht als Unhöflichkeit an...


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


Kalubke hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.03.2016 11:43 | nach oben springen

#92

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 11:57
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Moin,

ich meine das am Ortsausgang Schwanheide ein Schild stand: Zweedorf 3 km. Waren aber nur 2 km. Man mag nun spekulieren warum, Zufall, Absicht?

Ich weiß auch nicht mehr wie der Maßstab von Karten war, zwischen Gresse, Schwanheide und Zweedorf war. Aber ich könnte mir vorstellen wenn da die "Lage" nicht genau passt kommt ein möglicher Grenzverletzer schon ins Schleudern.

Nur mal so als Beispiel: Der Grenzverletzer startet in Gresse, also ca. 2 km vor dem 5 km Streifen und 4 km vor Zweedorf. Das einzelne Gehöft 500 m vor dem VP Kontrollpunkt fehlt auf der Karte. Zufällig kommt ein Fzg, der Grenzverletzer erkennt aufgrund der Kontrolltätigkeit den Kontrollpunkt.

Ist nun nach 2 km nicht in Schwanheide. Sondern weit davor, immer noch im Wald. Umgeht dann das Dorf Schwanheide, kommt wieder auf die Straße nach Zweedorf, 3 km bis Zweedorf. Auf halber Strecke bzw. nach 1 km steht da nun die nicht eingezeichnete Kompanie Schwanheide/ Zweedorf.

Von daher muss es doch für einen Grenzverletzer mehr als schwierig sein sich zu orientieren und das Ziel Flucht umzusetzen.

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
Stringer49 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#93

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 12:09
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von berlin3321 im Beitrag #92
Moin,

ich meine das am Ortsausgang Schwanheide ein Schild stand: Zweedorf 3 km. Waren aber nur 2 km. Man mag nun spekulieren warum, Zufall, Absicht?

[...]
MfG Berlin




Man sollte gerecht sein. Es gab vor einigen Jahren in Luxembourg eine Strasse nach Frankreich, welche ohne Schild war. Alle anderen waren bezeichnet, diese nicht... Honi soit qui mal y pense..., dass der Unwissende so auf die ständig kontrollierten Autobahn A 31 dirigiert werden sollte. Ich meinte es sei Dudelange gewesen und da gab es keine Kontrolle damals...

Grenzen können manchmal nicht nur kartographisch eigenartig sein, wie ein nicht besetzter Übergang zwischen Deutschland und Dänemark, wo man sich selbst abfertigen musste... Es war da so ein Schild, welches das besagte ... (Vielleicht kann hier jemand, OT, sagen, ob mein Gedächtnis noch gut ist)

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


nach oben springen

#94

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 12:37
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #86

Die DDR-mil-topo Karten haben übrigens auch das BRD-Gebiet und Westberlin komplett abgedeckt.
Gruß Kalubke


Ich würdemal gene 4 Karten vergleichen, 25000-MIL-ToPo der NVA von Magdeburg-Elbefurt und Hameln-Weserffurt
und für die gleiche Ortslage Bundeswehrkarten.

Also die Frage was wusste um z.B. 1985 jeder vom anderen.....

Allgemein, wer an Flüssen Radtouren macht sieht in regelmäßigen Abständen die vorbereiteten Pioneerrampen für Fähren oder Schwimmbrücken, genannt Ersatzübergangsstellen.



nach oben springen

#95

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 12:53
von Mike59 | 7.965 Beiträge

Wenn ich zu Hause bin, suche ich mal eine alte DDR Karte vom Bezirk Suhl raus, keine Ahnung mehr was da drauf war und was nicht. Werde die mal teilweise kopieren und einstellen.


nach oben springen

#96

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 13:02
von Rainer-Maria Rohloff | 1.364 Beiträge

Mal hin zu berlin. Der Maßstab war 1:200000, so die Autokarte von meinem Schwiegervater und siehe dazu mein Text von gestern an Stringer. Ich habe das mit dem Fred gefunden, steht in einem anderen Forum, sogar Strassen/Eisenbahngrenzübergang Horst/Schwanheide steht richtig gut zu lesen drauf. Arbeite noch dran, das hier etwas erweitert....fast gesamter Elbabschnitt/somit alter Grenzverlauf abzubilden.

Auch mal hin zu die gefühlten Kilometer, und die im Wald über Wurzeln, durch Gräben, Mulden, Lichtungen gelaufen so damaliger Grenzverletzer. Und das Alles immer auf der Hut vor dem Förster, Grenzhelfern,Grenzsoldaten, Forstarbeitern, eventuell dem LPG Vorsitzenden beim Pilzesammeln. Wer so entschuldigt orientierte sich denn da ....also garantiert nicht nach den abgelesenen Kilometern von einer Karte?

Ja gut, ich sehe Gresse, dann Schwanheide auf der Karte und Zweedorf, dazwischen noch ne Bahnlinie, also fühle ich ungefähr schon an der Bahnlinie, soweit kann das nicht mehr sein. Dazwischen so Strasse nach Heidekrug kam noch der VP-Strassenkontrollposten aber wer lief schon Strasse, zumal bei einer Flucht.

Interessanter war eher, woran orientierte ich mich denn überhaupt, in der Nacht zum Beispiel? Sternenbild? Am Tag am Moosbewuchs der Bäume ....?

Rainer-Maria



nach oben springen

#97

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 14:06
von Kalubke | 2.296 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #91
Zitat von Kalubke im Beitrag #90
Ja. "A... bis zur Halskrause aufreißen" steht umgangssprachlich für "schwersten Ärger bekommen". Die Umgangssprache arbeitet oft mit bildlichen Vergleichen. Im Englischen las ich kürzlich "rise the eyebrow" für Erstaunen/Verwunderung.

Gruß Kalubke


OT : Ja, es gibt lustige Sachen:
It might rain cats and dogs - so könnte man als Wetterprognose für manche kommende Diskussion in unserem Forum sagen

Stringer49

PS. Ich habe überlegt ob ich es tun sollte, ich bin einer schlechten Position als Lehrer mit meinem Deutsch : Man sollte sagen «Raise the eyebrow(s)», nicht rise... Ich hoffe, Du siehst es nicht als Unhöflichkeit an...


Nein, nein war meine Schusseligkeit, natürlich raise.. habe nochmal nachgesehen. Dazu eine Frage: rise wird m. E. ähnlich wie raise mit, aufgehen/ aufsteigen übersetzt z.B. rising sun. Wo setzt man nun welches der Wörter ein? Für einen Nichtmuttersprachler durchaus ein Problem.

Gruß Kalubke



nach oben springen

#98

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 14:23
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Rainer-Maria Rohloff im Beitrag #96

Interessanter war eher, woran orientierte ich mich denn überhaupt, in der Nacht zum Beispiel? Sternenbild? Am Tag am Moosbewuchs der Bäume
Rainer-Maria


Hallo,
meiner Meinung nach könnten das 90% der Bürger nichtmals mit exakten Karten und sogar bei der Garantie es wird nicht geschossen den Zaunüberkletterpunkt finden den jemand "gutmütig" als minen- und beobachtungsfrei in einer Karte eingezeichnet hätte.

Z.B. um 21:00 im Früherbst bei volldunkel im Raum Sülzhayn beginnen oder im Lauscha am Rennsteig zu einem Punkt nähe Tettau.

PS.:

Wäre doch mal ein interessantes Geländespiel, 10 Leute mit einer exakten Karte in 20min Abstand ab 21:00 von Netzkater loslaufen lassen, Zielpunkt Zorge Ortsmitte, für den Notfall ein Mobiltelephon mit "Kindersperre" von dem aus nur EINE Nummer angerufen werden kann, die der Wettbewerbsleitung-Besenwagen. Hauptstraßen meiden, dort sind Schiedsrichter.....

Sind nur 11km Luftlinie, Aufgabe hinfinden, nicht blicken lassen.



Kalubke hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.03.2016 14:37 | nach oben springen

#99

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 15:08
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #98
Zitat von Rainer-Maria Rohloff im Beitrag #96

Interessanter war eher, woran orientierte ich mich denn überhaupt, in der Nacht zum Beispiel? Sternenbild? Am Tag am Moosbewuchs der Bäume
Rainer-Maria


Hallo,
meiner Meinung nach könnten das 90% der Bürger nichtmals mit exakten Karten und sogar bei der Garantie es wird nicht geschossen den Zaunüberkletterpunkt finden den jemand "gutmütig" als minen- und beobachtungsfrei in einer Karte eingezeichnet hätte.

[...]



Im Westen konnte man freiwillig in eine Gruppe von Scouts gehen, in der D.D.R., so sagte man mir, gab es in der Schule eine sehr solide Form des Trainings im Gelände - bei den Pionieren, später im «Wehrunterricht». Darauf setzte die Militärzeit. Ist das so richtig ?

Wenn ja, dann müssen viele Leute die Bewgung in der Natur beherrscht haben - mit Karte, Kompass, Beobachtung der Vegetation, (Sternen-)Himmel, Somme (mit Uhr). Ich war sehr überrascht zu wissen, dass die Schüler in der normalen Schule (P.O.S.) Astronomie lernten, obligatorisch, wohl eine Stunde in der Woche.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


zuletzt bearbeitet 06.03.2016 15:10 | nach oben springen

#100

RE: DDR-Kartographie

in Leben in der DDR 06.03.2016 15:28
von GKUS64 | 1.609 Beiträge

Angeregt vom Thema habe ich gleich mal in meinen alten Karten gekramt. Eine Berlin-Karte von 1985 war dabei. Mit dieser Karte bin ich am 11.11.1989 (an Karneval habe ich nicht gedacht) mit dem Trabi in Altglienicke über die Grenze gefahren. Nach der geglückten Grenzpassage stand ich kartenmäßig im Niemandsland! Hier hatte ich jedoch eine erste und positive Begegnung mit Bildzeitungsverteilern: Sie reichten mir eine Zeitung mit zweiseitigem Stadtplan von WB ins Fenster. Aufgrund des für Trabis nicht geeigneten Formats musste ich beim Lesen die Türen links und rechts öffnen. Anschließend sind wir gut zum Ku-Damm (über die Karl-Marx-Straße, sowas gibt es hier auch staunte ich!) gefahren.



MfG

GKUS64


nach oben springen


Besucher
23 Mitglieder und 60 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: gerhard
Besucherzähler
Heute waren 1235 Gäste und 112 Mitglieder, gestern 3956 Gäste und 189 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14369 Themen und 557971 Beiträge.

Heute waren 112 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen