#1

Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 23.12.2015 14:51
von Der aus dem Westen | 13 Beiträge

Zur Vorgeschichte:
Die Familie meines Vaters ist komplett (Geschwister und seine Mutter) in Hamburg geboren. Mein Großvater jedoch und seine Geschwister wiederum stammten ursprünglich aus Mecklenburg,in einem Ort östlich von Ribnitz-Damgarten gelegen. 1943 zum Zeitpunkt der schweren Bombadierung von Hamburg (Unternehmen Gomorah) wurde auch die Wohngegend in der mein Vater wohnte, zum Teil zerstört, das Haus in dem er gewohnt hat, blieb jedoch bis auf Fenster- und Dachschäden einigermassen unzerstört. Frauen und Kinder hatten darauf hin trotzdem die Stadt zu verlassen. Mein Großvater, mein Vater (14 1/2) und sein nachfolgender Bruder (13 1/2) mußten als Kriegsverpflichtete in Hamburg jeweils in andere Bleiben umziehen. Meine Großmutter mit den restllichen 11! Kindern wurde dann evakuiert und dann auf eigenen Wunsch zu Ihrem Schwager in Mecklenburg transportiert. Denn der hatte einen kleinen Hof wo sich meine Grußmutter genug Lebensmittel für Ihre Kinder erhoffte. Traff auch nach späteren Berichten zu. Mein Großvater und mein Onkel machten nach Kriegsende1945 ostwärts rüber zu Frau bzw. Mutter. Mein Vater jedoch konnte nicht diesen Schritt tun, da er englischer Internierung in S-H festsaß. Er wurde dann im August 1945 entlassen mit der Auflage an seine letzten Wohnort zurück zukehren. Machte er auch, weil er ja dort nur Anspruch auf Lebensmittelkarten hatte. Das fiel ihm um so leichter, da er nach der Rückkehr sein Zimmer (Untermieter) unversehrt vorfand und bald darauf auch wieder bei seinem letzen Arbeitgeber arbeiten konnte. Damit war die Famlienteilung väterlicherseits in Ost und West besiegelt.
Aber die Familienteilung geht nun noch weiter. Mein Vater lernte meine Mutter bei den Besuchen bei seinen Eltern kennen. Sie stammt aus Leipzig. 1952 heirateten meine Eltern und Ende 1952 konnte meine Mutter dann nach Hamburg zu meinem Vater übersiedeln. Damit war die Famlienteilung mütterlichseits in Ost und West besiegelt. Das dann bis zum Mauerbau die oder andere Tante oder Onkel in den Westen ausreiste, legal oder illegal, verstärkte nur noch die Familienteilung.

1959- 1961
Wie man sich unschwer vorstellen kann, wurden dann abwechselnd jährlich einmal die Großeltern müttersichtlich und einmal väterlichseits besucht. Jährlich nur einmal, weil man offensichtlich nur einmal pro Jahr in die Ostzone /DDR einreisen durfte. Und vermutlich haperte es auch dem Geld. Denn der Besuch schlug schon zu Buche, Fahrkarten waren wohl auch damals sehr teuer, mit leeren Händen kam man auch nicht an. An Kaffee als Mitbringsel kann ich mich erinnern, an Schokolade oder ein Paar Nylonstrümpfe.Die waren, so meine Mutter verglichen mit heute, sehr teuer. So wurden im allgemeinen nur max. 3 Paar mitgeschleppt. Im Gegensatz zu später, als Strumpfhosen im Westen günstig wurden.
Wir fuhren seinerzeit mit dem Zug zu den Besuchen, Einreisen mit dem Auto durften ja damals nicht stattfinden. Da aber die Züge auf DDR- Seite sehr lange brauchten wg. abgebauter Gleise und starkem Verschleiß durch den Krieg usw., war das immer eine komplette Tagesreise. Auch weil die Grenzabfertigung der DDR 1h brauchte, so meine Erinnerung.

Hier noch ein grundsätzliche Bemerkung: So lange ich mich zurück erinnern kann, war die Abfertigung an der Grenze bei mir immer Negativ besetzt durch das Verhalten der DDR- Zöllner. Das war zumindestens bis 1982 sehr oft schikanös. Richtig an Stellen wo man hätte was verstecken wollen, besonders in Autos, wurde nicht gesucht. Aber an den Standard- Satz "Machen se mahn Goffer uff" kann ich mich noch gut errinnern. Daran erfolgte dann das Ausfragen warum hat man dieses oder jenes mit . Unter Schikanös verstehe ich u.a. das kleinliche Nachzählen von Geld oder Ausfragen nach persönlichen Familienangelegenheiten. Die Ausweiskontrolle durch die entsprechenden Organe erfolgte dagegen im militärischen Ton aber sonst anständig. Über die Grenzabfertigung komme ich noch in einem späteren Zeiraum zu sprechen.
Jedenfalls wurden wir Kinder extrem ermahnt, die Klappe zu halten, möglichst auch nach Einreise in die DDR. Und niemals zu sagen: Ostzone sondern nur DDR. Wenn Uniformierte irgendwo auftauchten, sei es auf der Straße oder sei es sonstwo, kam sofort das Zischeln meiner Mutter Pscht, Pscht nicht laut reden. Das saß wohl tief drin bei Ihr, erst während der Nazi-Zeit und dann bis 1952 in der Ostzone. Dadurch hatten wir Kinder ordentlich Schiß in der Hose, wenn wir uns in der DDR befanden und besonders an der Grenze. Hinzu kam, das wir das eine oder andere Mal mit angesehen haben, wie Personen während der Grenzkontrolle abgeführt wurden. Das errinnerte uns besonders an die Erzählung meiner Mutter, die während ihrer Übersiedlung 1952 vom Zoll aus dem Zug geholt wurde.

Fortsetzung folgt



zuletzt bearbeitet 23.12.2015 14:55 | nach oben springen

#2

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 23.12.2015 20:46
von Der aus dem Westen | 13 Beiträge

Weiter gehts mit den Jahren 1959- 1961

Noch eine Vorbemerkung: Alle diese Beschreibungen sind aus dem Gedächtnis geschrieben und geben das wieder, was ein ca. 8 jähriger Butje so empfunden und behalten hat. Also bitte nicht gleich mit Steinen werfen.

Zu den Einreisen gesellten sich noch vor dem Mauerbau Reisen nach West-Berlin, also der Transit mit dem Auto über die damalige F5. Anläßlich der Besuche dort, wurde auch Ost- Berlin aufgesucht. Dort traf man oder besuchte Verwandschaft hauptsächlich mütterlichseits. Das ging recht problemlos, man fuhr einfach z.B. durch das Brandenburger Tor (ab 1961 bis heute undenkbar) Auf dem Rückweg konnte es passieren, so die Erinnerung, das man angehalten wurde von Uniformierten an der Sektorengrenze ostseitig. Im Dunkeln mit einer roten Taschenlampe als Signal. Meistens wurde dann in das Fahrzeug geleuchtet oder die Ausweise kontrolliert. Mehr nicht. Einmal kann ich mich dunkel an die Frage errinnern, wo wir in Ost-Berlin gewesen wären. Sonst habe ich keine negative Erinnerungen. Wenn wir Kinder in Ost-Berlin etwas gerne haben wollten, z.B. einen Tunnel für die Eisenbahn wurde der Besuchende mitgenommen. Denn meine Mutter war immer etwas schräg, wenn man etwas abgreifen, konnte. Auch heute noch Muß wohl an den Genen liegen. D.h. sie bezahlte in DM (Ost). So hieß die Währung der DDR in dieser Zeit noch. Nach Wikipedia. Woher meine Mutter das Ostgeld hatte, ob in Hamburg auf Hauptbahnhof eingetauscht (Kurs war eigentlich immer 1:4 oder ?) oder bei der Verwandschaft eingetauscht, weiß ich nicht. Da in Ost-Berlin nur DDR-Bürger nur mit DM(Ost) zahlen durften, mußte dann der Besuchte seinen DDR- Ausweis zücken. Denn wie bis zuletzt roch der gelernte DDR-Bürger den BRD- Bürger heraus. Ein Zwangsumtausch lag damals noch in der Ferne. Das die DDR über diesen Weg Ost/West-Berlin ausbluten musste, ist heute glaube ich, jedem klar. Damals wohl nicht.
Der Transit über die F5 durch die DDR schon etwas abenteuerlich. Erstens musten Straßenbenutzungsgebühren entrichtet werden. Diese richteten sich, so meine Erinnerung, nach der Länge der benutzen Transitwege. Das bewog meine Vater einmal, über Helmstedt- Dreilinden zu fahren. Aber das war eine schreckliche Fahrt, da in der DDR die Autobahn verschlissen war. Über Lauenburg/Horst gab es auf DDR Seite in Horst eine Barracke die etwas erhöht auf einem sandigen Hügel lag. Dort mußte mein Vater hinein, um die Straßenbenutzungsgebühr zu entrichten. Er kam jedesmal schimpfend wieder zum Auto zurück, weil ihm wohl die Geldausgabe leid tat und die F5 sich in einem vernachlässigtem Zustand befand. "Wieso dann Straßenbenutzungsgebühr?" An die Kontrollen selbst in diesem Zeitraum habe ich keine direkten Erinnerungen. Es vermischen sich Erinnerungen wohl auch an die spätere Zeit.
Achso bevor jemand sich an die Brust schlägt, ja in der DDR war ja alles Bruch wg. Helmstedter- Drewitzer Autobahn, den erinnere ich an den Zustand der Autobahn Hamburg - Bremen. Die war bis weit in die 60er Jahre auch eine Bruchstrecke mit gebrochenen Betonplatten usw.

Wie gehabt Fortsetzung folgt.



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#3

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 24.12.2015 15:14
von berlin3321 | 2.515 Beiträge

Schön geschrieben, danke. Ich freue mich auf mehr.

MfG Berlin


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#4

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 26.12.2015 19:34
von Der aus dem Westen | 13 Beiträge

Noch 1959 - 1961

In Youtube https://www.youtube.com/watch?v=neEzj7moeBU zeigt der Film so ab 2:11 min wie die Kontrollen im allgemeinen ablief, bzw. wie ich diese in Erinnerung habe.

Nun kommen wir zum Jahr 1961.
Meine Eltern beschlossen in ihrer grenzenlosen Weisheit, dass mein Bruder und ich wieder einige Wochen während der großen Sommerferien bei unseren Großeltern väterlicherseits in deren Dorf in Mecklenburg verbringen sollten. Also liefen die Vorbereitungen an, wie Pakete mit bestimmten Lebensmittel voraus schicken. Natürlich brav mit der Aufschrift "Geschenksendung. Keine Handelsware" Weiter Einreisegenehmigungen durch die Großeletern beschaffen. usw. Dann fuhr die ganze Familie mit der Bahn über die Grenze nach Mecklenburg. Nach einigen Tagen fuhren unsere Eltern ohne uns Jungs zurück nach Hamburg, sehr zum Mißfallen unsererseits. Wir sollten wir nach Hamburg nun zurückkommen? Der hochweise Familienrat hatte beschlossen, dass unsere Großmutter uns nach Hamburg ca. 3 Wochen später, soweit meine Erinnerung, mit einer Reisegenehmigung ihrerseits bringen sollte. So konnte Oma zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Nämlich uns nach Hamburg schaffen und ihre Schwester besuchen und vielleicht die eine oder andere Verwandte. Das war der Plan.
Aber dieser ging nicht auf! Denn meine Oma bekam keine Reisegenehmigung! Sie wurde immer wieder vertröstet und zuletzt wurde von zuständigen "Organen" eine Reise defenitiv abgelehnt. Nun war guter Rat teuer. Eine Genehmigung für jemanden Drittes, z.B. meinem Opa war aus Zeitgründen nicht mehr möglich. Es war nämlich nun noch eine Woche bis geplanten Abreise und unsere Aufenthaltsgenehmigung lief zu diesem Zeitpunkt auch wohl ab. Dann sollte eine Nachbarin uns mitnehmen, die hatte nämlich auch eine Reise nach Westdeutschland geplant. Das zerschlug sich aber auch. Dann versuchte man uns über eine Art Bahnhof- Mission nach Hamburg zu schaffen. Ging wohl auch nicht. Inzwischen war unser Schicksal auch schon Dorfthema. Wir holten abends unseren Onkel immer nach Feierabend von einem Sägewerk ab. Die Arbeitskollegen diskutierten abends darüber. Ich erinnere mich daran, dass ein oder zwei Beispiele genannt wurden, wo auch irgend etwas im Zusammenhang mit Reisen abgelehnt wurde. Auch waren dem örtlichen Bürgermeister die Hände gebunden. Es hieß nur immer, Berlin entscheidet so. Anscheinend gab es schon eine unterschwellige Unruhe, so meine Sicht heute. Offensichtlich wurde dann mit Hilfe des Bürgermeisters und örtlichen Vopo, gab es damals schon einen ABV?, eine Ausnahmegenehmigung an meine Mutter per Telegramm erteilt. Sie durfte nämlich entgegen der Vorschriften noch einmal ein zweites Mal in DDR einreisen und diese innerhalb von 24 h wieder verlassen. Meine Mutter kam abends an, schlief noch bei meinen Großeltern und fuhr am nächsten Tag mit uns zurück. Sonnabends kamen wir in Hamburg an und am Sonntag wurde der Sozialistische Schutzwall in Berlin errichtet. Uns Kindern blieb das Schicksal von ca. dreihundert Kindern, soweit meine Erinnerung an diese Zahl, in der DDR verbleiben zu müssen. Müsste aber noch verfiziert werden.
Das war ein Aspekt der Deutsch/ Deutschen Geschichte.

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zuletzt bearbeitet 26.12.2015 19:35 | nach oben springen

#5

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 26.12.2015 19:57
von Hanum83 | 4.693 Beiträge

Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

Na da hattest du aber Glück das der Kelch ins Volkseigentum übernommen zu werden an dir vorbei ging
Schöne Berichte, freu mich auf mehr.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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#6

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 27.12.2015 07:36
von berlin3321 | 2.515 Beiträge

Hab´ mir mal das Video angesehen. Als Thema steht in der "Adresszeile" Berlin 1954 bis 1960 während im Video nur Berlin 1954 steht.

Da sind definitiv Bilder 1958 und möglicherweise noch später Szenen dabei, bei 4:13 z.B. ein Käfer mit großer Heckscheibe, den gab es ab ´58.

MfG Berlin


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#7

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 27.12.2015 09:06
von Lutze | 8.032 Beiträge

Zitat von Der aus dem Westen im Beitrag #4
Noch 1959 - 1961

In Youtube https://www.youtube.com/watch?v=neEzj7moeBU zeigt der Film so ab 2:11 min wie die Kontrollen im allgemeinen ablief, bzw. wie ich diese in Erinnerung habe.

Nun kommen wir zum Jahr 1961.
Meine Eltern beschlossen in ihrer grenzenlosen Weisheit, dass mein Bruder und ich wieder einige Wochen während der großen Sommerferien bei unseren Großeltern väterlicherseits in deren Dorf in Mecklenburg verbringen sollten. Also liefen die Vorbereitungen an, wie Pakete mit bestimmten Lebensmittel voraus schicken. Natürlich brav mit der Aufschrift "Geschenksendung. Keine Handelsware" Weiter Einreisegenehmigungen durch die Großeletern beschaffen. usw. Dann fuhr die ganze Familie mit der Bahn über die Grenze nach Mecklenburg. Nach einigen Tagen fuhren unsere Eltern ohne uns Jungs zurück nach Hamburg, sehr zum Mißfallen unsererseits. Wir sollten wir nach Hamburg nun zurückkommen? Der hochweise Familienrat hatte beschlossen, dass unsere Großmutter uns nach Hamburg ca. 3 Wochen später, soweit meine Erinnerung, mit einer Reisegenehmigung ihrerseits bringen sollte. So konnte Oma zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Nämlich uns nach Hamburg schaffen und ihre Schwester besuchen und vielleicht die eine oder andere Verwandte. Das war der Plan.
Aber dieser ging nicht auf! Denn meine Oma bekam keine Reisegenehmigung! Sie wurde immer wieder vertröstet und zuletzt wurde von zuständigen "Organen" eine Reise defenitiv abgelehnt. Nun war guter Rat teuer. Eine Genehmigung für jemanden Drittes, z.B. meinem Opa war aus Zeitgründen nicht mehr möglich. Es war nämlich nun noch eine Woche bis geplanten Abreise und unsere Aufenthaltsgenehmigung lief zu diesem Zeitpunkt auch wohl ab. Dann sollte eine Nachbarin uns mitnehmen, die hatte nämlich auch eine Reise nach Westdeutschland geplant. Das zerschlug sich aber auch. Dann versuchte man uns über eine Art Bahnhof- Mission nach Hamburg zu schaffen. Ging wohl auch nicht. Inzwischen war unser Schicksal auch schon Dorfthema. Wir holten abends unseren Onkel immer nach Feierabend von einem Sägewerk ab. Die Arbeitskollegen diskutierten abends darüber. Ich erinnere mich daran, dass ein oder zwei Beispiele genannt wurden, wo auch irgend etwas im Zusammenhang mit Reisen abgelehnt wurde. Auch waren dem örtlichen Bürgermeister die Hände gebunden. Es hieß nur immer, Berlin entscheidet so. Anscheinend gab es schon eine unterschwellige Unruhe, so meine Sicht heute. Offensichtlich wurde dann mit Hilfe des Bürgermeisters und örtlichen Vopo, gab es damals schon einen ABV?, eine Ausnahmegenehmigung an meine Mutter per Telegramm erteilt. Sie durfte nämlich entgegen der Vorschriften noch einmal ein zweites Mal in DDR einreisen und diese innerhalb von 24 h wieder verlassen. Meine Mutter kam abends an, schlief noch bei meinen Großeltern und fuhr am nächsten Tag mit uns zurück. Sonnabends kamen wir in Hamburg an und am Sonntag wurde der Sozialistische Schutzwall in Berlin errichtet. Uns Kindern blieb das Schicksal von ca. dreihundert Kindern, soweit meine Erinnerung an diese Zahl, in der DDR verbleiben zu müssen. Müsste aber noch verfiziert werden.
Das war ein Aspekt der Deutsch/ Deutschen Geschichte.

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Soll das heißen,das Kinder nicht mehr zurück zu ihren Eltern nach Westdeutschland konnten?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#8

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 27.12.2015 11:03
von Gert | 12.354 Beiträge

@Lutze soweit ich mich an 1961 Mauerbau erinnere ( ich war 17 Jahre alt), konnten alle Westdeutschen und Westberliner, die sich am Tag des Mauerbaus in der DDR aufhielten natürlich zurück in die Bundesrepublik reisen. Ich weiss allerdings nicht wie es bei Kindern war, deren Eltern einer in der Bundesrepublik und der andere in der DDR wohnten. Da könnte es Probleme gegeben haben, weil die DDR alle Flüchtlinge und deren Nachkommen als ihre Bürger beanspruchten, auch wenn sie in die Bundesrepublik geflüchtet waren. Diese zwangsweise Staatsangehörigkeit wurde erst im Herbst 1972 per Gesetz annulliert. Das traf auch auf mich zu.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#9

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 27.12.2015 11:19
von Der aus dem Westen | 13 Beiträge

Wo ich die Zahl her habe ist mir nicht ganz erinnerlich. Dunkel erinnere ich mich das es im " Stern" gestanden haben könnte, so Ende 60er oder ganz anfangs der 70er. Den "Stern" las ich nur beim Frisör während der Wartezeit , daher kann ich an Details mich nicht so richtig erinnern. Vielleicht haben wir Glück und im Forum findet sich ein Kundiger?

Aber der Zeitraum ab 1962 wird auch noch einmal ein Highlight der Deutsch/Deutschen Teilung nach dem Mauerbau bringen



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#10

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 27.12.2015 11:36
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Mal im Spiegel nachsehen


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#11

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 29.12.2015 20:55
von Der aus dem Westen | 13 Beiträge

Nun der Zeitraum 1962-1972

Nun war die Mauer 1961 durch Berlin errichtet. Anfang 1962 sind wir (Eltern und wir zwei Jungs) wieder nach West- Berlin gefahren . So um 1960/61 war nämlich meine Tante aus Leipzig durch Heirat nach West- Berlin legal übergesiedelt. Daher hatten wir einen Grund regelmäßig über die F5 über Lauenburg/Horst nach Staacken zu fahren. Die Strecke war im Winter in der DDR sehr schlecht zu befahren. Denn Prinzip befand sich die Straße in der DDR noch im unveränderten Zustand. Ich erinnere mich, wie ältere Herren auf den offenen LKWs in der Kälte per Schaufel den Sand auf die Strasse brachten. Wir kannten zumindest schon in Hamburg das Viehsalz über Schleuderscheiben mit LKWs auf die Strasse verteilt wurde. Schippenweise Sand auf eine Straße brachte dagegen nicht lange Erfolg. Außerdem kannte man zu dieser Zeit kaum Winterreifen.
Bei den Kontrollen fiel der DDR-Zoll wie gewohnt negativ auf. Es mussten bei der Einreise, aber auch der Ausreise Koffer geöffnet werden. Dann wurden die Koffer und alle Behältnisse durchsucht. Aus heutiger Sicht wurde nicht unbedingt nach Schmuggelwaren gesucht, denn es wurden z.B. nicht unter die Sitzflächen gefasst. Oder hinter Lampenträgern gesucht. Bücher wurden immer gebührend beäugt. Denn meine Eltern hatten immer deren eigene Bibeln und Gesangbücher mit, wegen Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft. Es wurden hierüber auch ausgiebige Fragen gestellt.
In WB angekommen wurde auch ein Besuch bei Bekannten in Ost-Berlin (Hauptstadt der DDR) geplant. Es war relativ leicht für uns Bundesbürger durch die Mauer fahren. Westberlinern war es ja zu diesem Zeitraum nicht gestattet in den Ostteil zu fahren.
Wir benutzten hierfür den Übergang Heinrich-Heine-Str. Wir Kinder und natürlich die Erwachsenen bestaunten die Mauer, die aber noch nicht so gewaltig aussah wie in den späteren Jahren. Mehr errinnere ich mich nicht an die Einreise. An die Ausreise sind mir zwei Dinge in Erinnerung geblieben. Der Grenzpolizist der uns am Vormittag bei der Einreise personalausweismäßig kontrolliert hatte, war derselbe der uns abends, es war schon dunkel und saukalt (deutliche Minusgrade) bei der Ausreise kontrollierte. Auf Befragen erzählte er uns, dass seine Schicht 12h dauert. Das war natürlich heftig. Denn es gab nichts zum Unterstellen o.ä. Er stand im Freien, wie auf einem Platz. An der Seite der Fahrbahn war eine kleine Baracke aufgebaut. Dort mussten die ganze Familie hinein. War sehr gut durch einen Ofen beheitzt. Kam man gleich ins Schwitzen Hinter einem Tresen saß ein Grenzpolizist. Der nahm unsere Ausweise, beäugte uns sehr ausgiebig, wie das ja bis zum Ende der DDR anhalten sollte.
Dann wurden die Ausweise nach hinten durch eine Klappe geschoben. Nach einer Weile fielen die Ausweise durch eine weitere Klappe in einen Kasten, in unserem Waretebereich. Dort nahm der Grenzpolizist die Ausweise, beäugte uns erneut, und gab uns diese zurück. Ob wir irgendwelche Laufzettel o.ä. mit bekamen weiß ich nicht sicher. Aber ich meine es waren ein oder mehrere Zettel, die dann der Schrankenposten bei der letzten Kontrolle wieder abnahm. Es machte aber alles ein provisorischen Eindruck, im Gegensatz zu den späteren Jahren.

Fortsezung folgt



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#12

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 06.01.2016 15:26
von Der aus dem Westen | 13 Beiträge

Noch der Zeitraum 1962-1972

Ende 1962 wurde mein Cousin in Berlin geboren. Da er ja in W-Berlin lebte und meine Tante und ihr Mann auch Westberliner waren, war ein Besuch in Leipzig nicht so weiteres möglich, um den Großeltern den neuesten Enkel zu zeigen. Warum dieses nicht weiß ich nicht. Dann sind die Leipziger Großeltern im Jan oder Feb 1963 nach Ost- Berlin gereist um dort deren Bekannte zu besuchen. In demselben Zeitraum waren wir ebenfalls in West-Berlin zu Besuch. Um eben den neuen Cousin bzw. Neffen zu bewundern. Aber auch die Großeltern in Ost-Berlin (Eltern meiner Muttter) einmal zu sehen. Man plante hierzu eine Tagesreise nach Ost-Berlin. Dabei wurde die Idee geboren, meinen Cousin (ca. 1/4 Jahr alt) mit hinüber zu nehmen. Es gab lange Diskussion zwischen meinen Eltern und den Eltern meines Cousins, wie dieses Vorhaben denn papiermäßig umzusetzen wäre. Man wollte letztendlich versuchen ob man einfach das Baby als das Unsere, also der Hamburger Familie ausgeben könnte. Weil ja so ein kleines Baby ja noch kein Personal- Ausweis haben könnte. Die Aktion "Besuch" wurde an einem bitterkalten Sonntag gestartet. 1963 war ja ein sehr kalter Winter mit teilweise 2- stelligen Minusgraden.Wir brachen mit zwei Autos zum Übergang Heinrich- Heine Strasse auf. In dem Einem, wir die Hamburger, 2 Erw. 2 Kinder plus meinem Cousin. Das zweite Auto fuhr der Vater meines Cousins (jetzt kurz Onkel genannt). Ein oder 2 Strassen vor dem Übergang blieb mein Onkel zurück und linste um die Mauerecke auf den Übergang, um zu sehen, wie die Sache ablief. Wie die Verhandlung mit den Grenzposten verlief, weiß ich nicht. Jedenfalls kam mein Vater nach einiger Zeit zurück zu uns in das Auto und sagte nur, wir können meinen Cousin nicht mitnehmen und er müsse ihn zurückbringen. Der Vorgesetzte vom Vorgesetzten usw. hätte nicht zugestimmt. Wir zwei Jungs und meine Mutter mußten aussteigen und im Übergang! warten. Mein Vater fuhr wieder zurück und übergab meinen Cousin meinem Onkel hinter der nächsten Hausecke. Dann fuhr er wieder zum Übergang. Dort wurde sofort der Schlagbaum geöffnet und mein Vater konnte wieder in den Abfertigungsbereich einfahren, wo wir wieder einstiegen. Der Rest war dann normale Abfertigung, Zoll etc.
Was mir aus der Erinnerung so auffällt, wie problemlos die Rückfahrt aus dem Abfertigungsbereich und die Wiedereinfahrt klappte. Auch war m.E. der Übergang noch noch nicht so tief gestaffelt wie es später bei weiteren Grenzbefestigungen ausgeführt wurde. Es wurde einfach auf Handzeichen eines Vorgesetzten? der Schlagbaum geöffnet.

Heute schüttelt man den Kopf, über das Risiko, was eingegangen worden ist. Ab den 70er Jahren wäre meines Erachtens so ein Vorgehen nicht mehr so leicht abgegangen. Da hätte es erst durch Mielkes Mannen lange Verhöre gegeben.
Eigentlich kennt man eine so familienteilende Grenze heute nur noch zwischen Nord-und Südkorea oder ?

Fortsetzung folgt.



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#13

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 06.01.2016 17:52
von andyman | 1.872 Beiträge

Hallo. @Der aus dem Westen
Sehr schöne Erlebnisberichte,danke dafür.
Wie in #1 erwähnt,das Gebiet östlich von Ribnitz-Damgarten ist bereits Vorpommern,die Grenze trennt die beiden Stadtteile.Ab 1952 hießen die beiden Landesteile dann Bezirk Rostock.
Gruß aus Südschweden
andyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
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#14

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.01.2016 09:01
von Der aus dem Westen | 13 Beiträge

Zitat
Wie in #1 erwähnt,das Gebiet östlich von Ribnitz-Damgarten ist bereits Vorpommern,die Grenze trennt die beiden Stadtteile.Ab 1952 hießen die beiden Landesteile dann Bezirk Rostock.
Gruß aus Südschweden
andyman


Das muß man noch etwas präzisieren. Die alte Landesgrenze stellt meines Wissens der Fluß Recknitz dar. D.h. Ribnitz ist Mecklenburg und Damgarten Vorpommern. Es stand ja noch jahrelang das alte Zollhaus am Übergang B105 über die Recknitz. Ob es heute noch steht, weiß ich nicht. Bin einige Jahre dort nicht mehr vorbei gefahren. Marlow und Bad Sülze gehören auf jeden Fall zu Mecklenburg, z.B.Triebses, Eixen usw. müssten zu Vorpommern gehören.



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#15

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.01.2016 10:06
von andyman | 1.872 Beiträge

Da hast du vollkommen recht,die Recknitz ist die auch heute noch gültige Grenze der beiden Landesteile.Das Zollhaus existiert nicht mehr,ist mglw. im Zuge der Brückensanierung abgetragen worden.Mit dem Bau der A20 Lübeck-Stettin ist die verkehrstechnische Lage in dem Gebiet umgestaltet worden.Den von dir genannten Ort Eixen kenne ich allerdings nicht.
Lgandyman


Gruß aus Südschweden
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#16

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.01.2016 10:20
von icke46 | 2.593 Beiträge

Nur als Info: Eixen ist 10 km nördlich von Tribsees, dass ja direkt an der A20 liegt.

Allerdings muss man den Ort vermutlich nicht unbedingt kennen,ich beziehe meine Weisheit auch nur aus Landkarten, obwohl ich schon einige Male durch Tribsees gefahren bin, vor der Fertigstellung des entsprechenden Teilstücks der A20.

Gruss

icke



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#17

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.01.2016 14:35
von Der aus dem Westen | 13 Beiträge

Noch der Zeitraum 1962-1972

Nun Berührungspunkte mit der Ostzone/DDR und deren Grenzregime hatten wir in den folgenden Jahren des öfteren. Entweder als Reisende nach West-Berlin mit dem eigenem Familien - Auto bzw. von da aus zu Tagesbesuchen nach Ost-Berlin. Oder notgedrungen mit der Eisenbahn zu mehrtätigen Besuchsreisen nach Leipzig bzw. nach Ost-Mecklenburg. Für uns Kinder waren zwei Situationen für diese Zeit kennzeichnend. Einmal die Grenzabfertigungen. Immer wieder fiel der DDR- Zoll auf. Mein Bruder errinnerte sich spontan an eine Kontrolle als ich von diesem Forum berichtete, wo einer älteren Dame im Zug der komplette Koffer leergeräumt wurde. Und das ohne erkennbaren Grund!!!!! Oder einem Ehepaar wurden die Geldbörsen gnadenlos auf das Sitzpolster des Abteils entleert. Und das Geld kleinlich nachgezählt usw.usw. Gefürchtet war auch der Moment bei Beginn der Zollkontrolle, vor allen Dingen wenn ein Sachse im Spiel war: "Bitte die Bapiere" und kurz darauf "bis auf Herr/Frau/Familie xx alle das Abteil verlassen". Nachdem wir das Abteil verlassen hatten, wurde die Tür geschlossen und in einem Fall sogar die Vorhänge vorgezogen. Der Reisende erzählte dann später, dass er sehr gründlich auch per Leibes- Visitation durchsucht wurde.
Auch bei der Autofahrt nach/von West-Berlin wurden die Fahrzeuge bzw. die Behältnisse genau durchsucht. Was wollte man eigentlich finden? Schundliteratur oder was die DDR dafür hielt?
Über den Zoll werde ich zum Abschluß mein zusammenfassendes Urteil schreiben, wenn ich zum Ende meiner Zeitreise die einzelnen Organe beschreibe. Denn das Verhalten wandelte sich im Laufe der Jahre. Ob zum besseren sei dahingestellt. Jedenfalls hatten wir Kinder immer richtige Angst, wenn wir uns der Grenze näherten.
Das Zweite was uns Kinder auffiel, war die Versorgung in der DDR. In Hamburg kannten wir nur gut gefüllte Läden. da bestimmte der Inhalt der Geldbörse, was man kaufen konnte. Süßigkeiten waren logischerweise für uns Kinder äußerst wichtig, da ging mancher Groschen Taschengeld drauf. In der DDR hatten unsere Cousin/Cousinen nicht so gut schmeckende Bonbons. Die waren immer selig, wenn meine Eltern aus uns nicht bekannten Verstecken im Reisegepäck, Schokoladen- Tafeln hervorholten und verschenkten. Ich erinnere mich noch an die Zeit, wo man sich als Besucher für Milch in eine Liste bei der Milch-Verkaufsstelle eintragen mußte, um für die nächsten Tage Milch kaufen zu können. Der Knaller war aber in einem Jahr, ich muß da 8 oder 9 Jahre gewesen sein, dass meine Großmutter uns beide Brüder zu dem Dorfbäcker schickte, um Brote abzuholen, die zuvor bestellt worden waren. Wir tippelten nun dorthin, bekamen 8x 2kg Brote über den Ladentisch geschoben, die frisch aus dem Ofen kamen. Also entsprechend heiß. Nun die Fuhre wieder nach Hause tragen war nicht einfach, denn man konnte sich die Einkaufsnetze mit den Broten darin nicht über den Buckel hängen. Denn man verbrannte sich an Diesen wegen der "Frische". Nun irgendwie erreichten wir die Küche unserer Oma und lieferten die Brote ohne Schwund ab. Trollten uns dann wieder in den Garten. Unsere kindliche Verblüffung stieg ins unermessliche, als einige Minuten später eine unserer Tanten mit zwei oder drei Broten, die wir ja gerade im Schweiße unsere Angesichter herbeigeschafft hatte, unter dem Arm erschien und zum Stall verschwand. Dort machte sie aus den Broten in einem Eimer Hühnerfutter. Ein Teil davon wurde gleich auf dem Hühnerhof verfüttert. Uns dagegen bleute man auch in Hamburg ständig ein, das Brot nicht weggeworfen wird oder an Enten im Park verfüttert wird. Und nun dieses!! Begründung später vom Opa, Korn ist nicht zu bekommen und auch teurer als Brot. Diese Art Politik war damals schon ein kleiner Sargnagel für das spätere Ende der DDR.

1965 stand der erste echte Auslandurlaub in Haus. Es sollte nach Schweden gehen. Dazu fuhren wir über Rödby/Putgarden nach Dänemark, dann nach Durchfahrt durch Dänemark über Helsingör/Helsingborg nach Schweden. Die Brücke gab es damals noch nicht. Bei der Einreise nach Dänemark hatten wir den gewohnten Schiß in den Hosen. Groß war unser Erstaunen, als der dänische Polizist nur die Ausweise durchzählte, die mein Vater aus dem Fenster reichte und wieder zurückbekam: 4 Usweß, 4 persona, Tak, Gute Reise. Der dänische Zoll fragte nur: wieviel flasken snaps? und nach Auskunft meines Vaters nur lakonisch antwortete Tak und die Handbewegung zur Weiterfahrt gab. Erstaunte Gesichter bei uns Vieren, war das alles??. Ja es war so. Nach dem Übersetzen später nach Dänemark stand in Schweden kein einer der irgend etwas von uns wollte. Dunnerlitchen dass war doch international oder. Im Gegensatz zur DDR, die immer im internationalen Licht gesehen werden wollte. Aber jedesmal ein Riesenaufwand veranstaltete, wenn sich jemand den Grenzübergängen näherte und auf die andere Seite wollte. Im übrigen der BGS linste bei der Rückfahrt auch nur kurz in die Ausweise, an den deutschen Zoll habe ich keine großen Erinnerungen, denn der winkte die meisten Fahrzeuge durch.

Fortsetzung folgt



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zuletzt bearbeitet 07.01.2016 14:39 | nach oben springen

#18

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.01.2016 15:23
von seaman | 3.487 Beiträge

Möchte mich für diese Beiträge (...der aus dem Westen...) bedanken.
Sehr realistisch geschrieben und für mich aus ähnlicher Sicht (Alter) nachvollziehbar.
Eine Ergänzung aus meiner damaligen Erfahrung:
Ich passierte die damalige Grenze vor dem 13. August 1961 von Westberlin aus häufiger in den Ostteil Deutschlands.Hatte dort Verwandte und verlebte u.a. meine Ferien dort.Zu dieser Grenzpassage hatte ich auch schon sehr früh einen Kinderausweis(1954),ausgestellt vom Senat der Freien Stadt Westberlin.
Meine Eltern setzten mich im S-Bahnhof Heiligensee in die Bahn und an der nächsten Station (Henningsdorf/Velten?) stieg mein Grossvater hinzu und geleitete mich nach Mecklenburg weiter.
Als Handgepäck hatte ich ein Kinderköfferchen mit etwas Wäsche und ein paar Spielzeugindianer aus den sog. damaligen Wundertüten.Dieser kleine Koffer wurde jedes mal akribisch gefilzt.Auf dem Rücken hatte ich einen kleinen Rucksack aus dem mein Lieblingsteddy herausschaute.
Darunter,Badehose und Taucherbrille, 2 Kinderhefte "Atze" z.b. von meiner Cousine aus Ostberlin,ganz unten dann 2-3 Hefte "Landser" für meinen Grossvater.Die Zeit reichte nie diesen Rucksack bis zum Ende zu filzen,obwohl das Abfertigungspersonal (Zoll) weiter mitfuhr.
Vielleicht hatte ich einen Bonus,denn die Uniformierten(DDR) begrüssten mich später schon immer in der S-Bahn mit "...dein Opa wartet schon."
Soviel zu Schundliteratur (Landser) im Grenzverkehr.

seaman


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#19

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.01.2016 15:41
von Fritze | 3.474 Beiträge

Hallo Seaman ! Erstmal danke ,daß Du hier wieder schreibst !

Die Landser Hefte habe ich auch über dubiöse Kanäle erhalten und mit Begeisterung gelesen !
Meinem Standpunkt hat es nicht geschadet !
Auch nach der Wende hab ich mir in unregelmäßigen Abständen das kleine Heft am Kiosk geholt .
Vor geraumer Zeit hat der Verlag ja nun den Vertrieb eingestellt , fehlen tut mir dadurch nix ,aber
kenne bestimmt noch andere Zeitungsprodukte wo ich eine Einstellung nicht bedauern würde !

Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
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#20

RE: Die DDR von Innen und außen betrachtet von 1959-1990

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.01.2016 17:26
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Da ich schon hin und wieder in loser Folge aus dem Buch "Mein Koffer in Berlin oder Das Märchen von der Wende" zitierte hier mal passend zum Thema die Kategorisierung der niederländischen Schauspielerin und Ehefrau vom DDR- Schauspieler Eberhard Esche der volljährigen DDR- Bevölkerung in drei Gruppen:

1. Die erste waren die Funktionäre, die am Aufbau beteiligt waren und den Betrieb der DDR am Laufen hielten, die Sozialisten, die Mitläufer, Schweiger und Stillhalter.

2. Die nächste Kategorie waren die Personen, die sich mit großer Überzeugung ans Werk machten, aus der real existierenden DDR eine neue zu machen, Leute, die den Mund aufmachten, die positiv denkenden Dissidenten und deren Mitläufer und Mitschwätzer, die später behaupteten "Ich war der und der..."

3. Die echten Dissidenten, diejenigen, die glaubten gegen die Regierung gekämpft zu haben und im Herbst '89 davon überzeugt waren, von der neuen Macht dafür belohnt zu werden, diejenigen die meinten: "Ich habe gesessen, also bin ich".

Cox Habbema macht noch einen Schwenk zur Nachkriegsniederlande, deren Wiederstandskämpfer bei der Machtverteilung genausowenig zum Zuge kamen wie jene Dissidenten, da die Beamten aus dem Westen die Republik längst neu aufgeteilt hatten.

Quelle: http://www.amazon.de/Mein-Koffer-Berlin-...e/dp/3861897059, Seite 61/62

Ich selbst wichte meinen damaligen Bekanntenkreis bezogen auf die Gruppen auf 80/15/5.
Die zweite Gruppe muß dabei nicht unbedingt parteilos gewesen sein, anders fällt mir die Einordnung noch schwerer.
Ich selbst reihe mich in die 80% der ersten Gruppe ein und wenn ich das Forum (Ostmitglieder 45+) kategorisieren müßte würde ich bei 60/25/15 landen, ist zwar nicht ganz einfach aber trotzdem interessant.
Vielleicht ist auch die Gruppeneinteilung der Niederländerin nicht schlüssig, ich gehe da aber mit, jeder dürfte irgendwo hineinpassen, oder ?



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