#1

Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 10:46
von B208 | 1.351 Beiträge

Wenn jemand von uns geht , dann gibt es in der Mehrzahl der Nachrufe nur positive Beurteilungen seines Handelns .
So auch bei Helmut Schmidt .

Er war Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland von 1974 bis 1982 .

Er war Bundeskanzler in meiner gesamten Dienstzeit 1974 bis 1982 .

Gut kann ich mich erinnern , dass ihm , auf Grund seines Führungsstils viel Gegenwind, gerade aus seiner Partei entgegenblies .
Sein Führungsstil war geprägt durch seine militärischen Erfahrungen . Unter Helmut Schmidt hat man nicht gearbeitet , unter Helmut Schmidt hat man gedient , so Björn Engholm .

Er hat sich über viele bürokratische Hindernisse einfach hinweggesetzt .

Diese Handlungsweise heute wegen der inflationären Anzeigenwut vieler geltungssüchtiger Wichtigtuer undenkbar .

Die telefonische Beförderung von Ulrich Wegener z.B.. Dies war kein Versprecher , das war so von ihm gewollt und wurde so durchgesetzt .

Wie habt ihr damals als DDR Bürger Helmut Schmidt in der Zeit seiner Kanzlerschaft gesehen ?
Wie wurde seine Rolle bei dem von ihm favorisierte NATO Doppelbeschluss von euch beurteilt ?
Wie wurde über Helmut Schmidt im Dienst gesprochen ?


B208


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#2

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 11:24
von Grstungen386 | 597 Beiträge

Er galt als professionell, grosser Staatsmann, Respektsperson aber auch sehr rechthaberisch, dozierend. Direkt symphatisch fand ich ihn nicht, im Gegensatz zu Willy Brandt beispielsweise. Liebe Grüsse von mir.



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#3

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 11:33
von andy | 1.199 Beiträge

Als H.S. Kanzler wurde war ich 13 Jahre alt und die internationale Politik hat mich eigentlich nicht groß interessiert. 1980 machte ich Abitur und kam zur Armee, damit änderte sich auch mein Interesse an der Politik. Die Ereignisse in Polen führten aus meiner Sicht zu einer deutlichen Destabilisierung der Staaten des Warschauer Vertrages und Ungarn galt bei mir sowieso schon fast als Westen. 1980 kam dann auch noch der ehemalige Western-Held in den USA an die Macht und läutete eine neue Runde des wettrüstens ein. Wimre sprach er damals vom "totrüsten" der Sowjetunion, SDI und NATO-Doppelbeschluss stammten ja auch aus dieser Zeit.
In diese Kontext ordnete sich damals für mich auch die Favorisierung des NATO-Beschlusses durch den Bundeskanzler ein. Reagen war US-Präsident und Schmidt Bundeskanzler, beide gehörten der NATO. Seine Zustimmung zum Doppelbeschluss machte ich weniger an der Person Schmidt fest, die war mir eigentlich, auch wegen seiner Haltung zum Terrorismus symphatisch. Er war aber nun mal Kanzler der mit den USA verbündeten Bundesrepublik und unterlag als solcher natürlich auch Zwängen. Bei uns hiess der leader Breshnew und auf der anderen Seite war es Reagan, der das "Reich des Bösen" (die Sowjetunion) mit allen Mitteln zerstören wollte.


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
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#4

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 11:39
von Grstungen386 | 597 Beiträge

Andy, bitte vergiss nicht, in diesem Punkte waren Ronald Reagan und Schmidt konsequent, mit dem Totrüsten der Russen schafften sie Voraussetzungen für den Niedergang der UdSSR und letzlich für die deutsche Einheit, liebe Grüsse von mir.



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#5

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 11:43
von eisenringtheo | 9.177 Beiträge

Natürlich hatte er Gegner, wurde ja auch aus dem Amt gedrängt. Tetzlaff war auch kein Freund von Schmidt. Nach dem er von der Toilette kommt, äussert er sich zu Schmidt


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#6

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 11:54
von Grstungen386 | 597 Beiträge

@eisenringtheo, seine grössten Gegner hatte er in der SPD selbst, beispielsweise Oskar Lafontaine, der mal richtig schlimm Schmidts Tugendverherrlichung verhöhnte, mit richtig unterirdischem KZ-Wächter-Vergleich...



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#7

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 12:34
von eisenringtheo | 9.177 Beiträge

Zitat von Grstungen386 im Beitrag #6
@eisenringtheo, seine grössten Gegner hatte er in der SPD selbst, beispielsweise Oskar Lafontaine, der mal richtig schlimm Schmidts Tugendverherrlichung verhöhnte, mit richtig unterirdischem KZ-Wächter-Vergleich...

Da ging es um den Nato Doppelbeschluss. Die (von allen deutschen Regierungen von 1949 bis heute!) viel beschworene Bündnistreue der Deutschen zu den Natopartnern war (und ist sicher auch heute) noch für Lafontaine eine der sogenannten Sekundärtugenden. Treue ist eine Tugend, die alle politischen Systeme fördert und zB. auch beim Führen eine KZ hilfreich ist.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sekund%C3%A4rtugend


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#8

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 13:04
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Grstungen386 im Beitrag #6
@eisenringtheo, seine grössten Gegner hatte er in der SPD selbst, beispielsweise Oskar Lafontaine, der mal richtig schlimm Schmidts Tugendverherrlichung verhöhnte, mit richtig unterirdischem KZ-Wächter-Vergleich...



Wer ist bitte Oskar Lafontaine?

Ein Wichtigtuer, besser eine politische Witzfigur!

Ich könnte jetzt noch auf seine spitze Nase anspielen, Karikaturen gab es ja schon genug dazu. Aber lass´n wer das mal...

Helmut Schmidt, und da habe ich noch nie ein Hehl draus gemacht, war mir schon immer sehr symhatisch, obwohl ich bekanntlich von der großen Mehrzahl der Politiker und Politikerinnen nichts halte....

Ein Mann der Tat - das hat er mehr als ein mal, zwei mal... in schweren Kriesen wie der Sturnflut, dem RAF- Terror, Mogadischu, NATO- Doppelbeschluss bewiesen. Man wünschte sich heute, nur einer der aktuellen Spitzenpolitiker (-innen) hätte nur die Hälfte seines Charisma, seinen Weitblick, seine Sinnesschärfe!

Nun wäre es fatal, einen Menschen in den überhöchsten Tönen zu loben. Sicher hat er, wie jeder andere Mensch auch, seine Fehler und Schwächen gehabt. H. S. ist aber einer der Wenigen, wo die positiven Eigenschaften die Fehler bei Weitem überwiegen. Dadurch konnte er wie kaum ein Anderer die deutsche, die europäische und selbst die Weltpolitik in einer positiven Formprägen, wie sie noch lange Nachhaltigkeit hat.

Sofern diese positiv- nachhaltigen Entwicklungen in der Weltpolitik und damit auch das Lebenswerk von H. S. nicht von Dellitanten und Schmarotzern massiv zerstört werden - wie derzeit...!

Erinnern tu ich mich nur ungern an die große niederträchtige Schmach bei seiner Abwahl als Kanzler, dem Mißtrauensvotum seines einstigen politischen Partners H. D. Genscher. Ein seit diesem Tage für mich extrem unsymphatischer Mensch! Daran hat auch sein Auftritt in der Prager Botschaft im Wendeherbst 1989 nichts geändert.
Verrat bleibt Verrat!

Der Ebnung der Macht für einen Kanzler des Großkapitals, der Lobbyisten..., oder wie H. S. in seinen Memoarien später treffend beschrieb, des modernen Raubritterkapitalismus!

Olsche Helmut, ruhe nun für immer in Frieden!

Und ich bin mir ganz, ganz sicher, der liebe Gott hat im Himmel ein ganz tolles Plätzchen für Dich reserviert! Bei Deiner Loki, bei anderen Menschen, die sich wie Du für ihre Mitmenschen stark und verdient gemacht haben!

Dein Vermächtnis, die Erinnerung an Dich wird mir und vielen anderen Gleichgesinnten immer wieder im Kampf gegen Ungerechtigkeit, Unfrieden und Krieg, Verachtung, Dellitantismus Kraft und Zuversicht geben!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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zuletzt bearbeitet 11.11.2015 13:05 | nach oben springen

#9

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 13:37
von damals wars | 12.182 Beiträge

Ein Mann mit seiner Sinnesschärfe hätte schlicht keine Chance, endeckt und gewählt zu werden
Mit ihm waren große Hoffnungen verbunden, vor allem bei seinem Besuch bei Erich.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#10

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 13:39
von Grenzläufer | 1.775 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #7
Zitat von Grstungen386 im Beitrag #6
@eisenringtheo, seine grössten Gegner hatte er in der SPD selbst, beispielsweise Oskar Lafontaine, der mal richtig schlimm Schmidts Tugendverherrlichung verhöhnte, mit richtig unterirdischem KZ-Wächter-Vergleich...

Da ging es um den Nato Doppelbeschluss. Die (von allen deutschen Regierungen von 1949 bis heute!) viel beschworene Bündnistreue der Deutschen zu den Natopartnern war (und ist sicher auch heute) noch für Lafontaine eine der sogenannten Sekundärtugenden. Treue ist eine Tugend, die alle politischen Systeme fördert und zB. auch beim Führen eine KZ hilfreich ist.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sekund%C3%A4rtugend



Ganz ehrlich, ich finde diesen Vergleich "KZ Wächter" abgrundtief unsäglich. Schmidt war durch und durch ein Demokrat und als Bundeskanzler
auch ein Mann mit Prinzipien und kein Träumer. Nach diesem Vergleich war für mich der Möchtegern-Napoleon von der Saar unten durch.



Schmidt konnte sehr wohl differenzieren und bei NATO-Doppelbeschluss war es anders herum, Schmidt drängte und die Amerikaner unter Jimmy Carter bezogen die SS-20 Mittelstreckenraketen trotz Warnung Schmidts nicht in die SALT-II-Gespräche mit ein.

>>NATO-Doppelbeschluss
(....)
Die NATO warnte im Juni 1976 allgemein vor einer Gefährdung des europäischen Gleichgewichtzustands durch sowjetische Aufrüstung.[11] Als Bundeskanzler warnte Helmut Schmidt am 28. Oktober 1977 vor dem International Institute for Strategic Studies in London erstmals vor einer unkontrollierten Aufrüstung der Mittelstreckenraketen, ohne die SS 20 zu erwähnen. (..)
Trotz Schmidts Mahnung bezog US-Präsident Jimmy Carter die Mittelstreckenwaffen nicht in die SALT-II-Gespräche ein, um deren Erfolgschancen zu wahren.[14] Am 12. Oktober 1977 richtete die Nukleare Planungsgruppe (NPG) der NATO eine High Level Group (HLG) mit Vertretern aus zwölf NATO-Staaten ein, die die Grundlagen für den Doppelbeschluss schuf. (...) <<
https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Doppelbeschluss

Der NATO-Doppelbeschluss war in meinen Augen vernünftig, letztendlich führte er im Jahre 1987 zum Abschluss des Washingtoner Vertrages mit der Vernichtung aller Raketen mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern.

Einem besonderen Dank an Helmut Schmidt, als Freund von Ägyptens damaligen Präsident Anwar as-Sadat, für seinen Einsatz beim Zustandekommen von Camp-David und des israelisch-ägyptischen Friedensvertrages 1979. Dort spielte er eine nicht unwesentliche Rolle.


Dass Helmut Schmidt auch ein sehr kritisches Verhältnis zu der NATO und den USA haben konnte, zeigte sich im Gespräch mit den schweizer
NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann und Marco Färber. Schmidt war Kritiker der Einsätze der NATO in Afghanistan und im Irak.



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#11

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 13:52
von Harsberg | 3.248 Beiträge

Mich hat schon 1962 sein Krisenmanagement während der Flut 1962 beeindruckt.
Helmut Schmidt war neben allen seinen Vorzügen auch gnadenlos diplomatisch und trat auch gern mal auf das verbale Bremspedal, wenn es in der Politik in Euphorie und Fanatismus auszuarten drohte, diese Begabung hatten wohl nur noch Personen mit Weltkriegserfahrung.


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
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#12

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 14:43
von IM Kressin | 917 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #3

1980 kam dann auch noch der ehemalige Western-Held in den USA an die Macht und läutete eine neue Runde des wettrüstens ein. Wimre sprach er damals vom "totrüsten" der Sowjetunion, SDI und NATO-Doppelbeschluss stammten ja auch aus dieser Zeit.

In diese Kontext ordnete sich damals für mich auch die Favorisierung des NATO-Beschlusses durch den Bundeskanzler ein.

Reagen war US-Präsident und Schmidt Bundeskanzler, beide gehörten der NATO.

Seine Zustimmung zum Doppelbeschluss machte ich weniger an der Person Schmidt fest, die war mir eigentlich, auch wegen seiner Haltung zum Terrorismus symphatisch. Er war aber nun mal Kanzler der mit den USA verbündeten Bundesrepublik und unterlag als solcher natürlich auch Zwängen.

Bei uns hiess der leader Breshnew und auf der anderen Seite war es Reagan, der das "Reich des Bösen" (die Sowjetunion) mit allen Mitteln zerstören wollte.

andy


Nicht ausgeschlossen, dass es so war. Mein Eindruck war allerdings, dass Helmut Schmidt von dem Doppelbeschluss überzeugt war, keine Zwängen unterlag. Dieses passte nicht zu seiner Persönlichkeit.

Er kannte die Standorte der „SS 20“ und glaubte daher Breschnew nicht, der ein Gleichgewicht als gegeben betrachtete.

Nachrüstung nur, wenn Verhandlungen scheitern.

Die Umsetzung des Nato-Doppelbeschlusses schien mir aus damaliger Sicht auf Grund sowjetischer Hochrüstung ein notwendiges Übel zu sein.

Die Welt und das seinerzeitige System funktionierten nach einem einfachen Paradigma und daraus resultierte meine damalige, persönliche Sichtweise.

In die Ära Schmidt fiel die Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hans-Martin Schleyer im September 1977.

Die Einbeziehung der Bundeszollverwaltung in die Struktur der inneren Sicherheit im Zusammenhang mit dieser Geiselnahme sollte für mich Auswirkungen haben, die nach der Ausbildung und einem halben Jahr Dienstverrichtung bei der mir zugewiesenen Stammdienststelle, nicht absehbar waren.

In der zweiten Septemberwoche 1977, das Datum ist mir nicht mehr erinnerlich, war ich zum Frühdienst, Grenzstreife, Dienstbeginn 5.00 Uhr eingeteilt.

Weder im Dienst- noch im B-Buch (Beobachtungsbuch/Besondere Vorkommnisse an der Grenze) waren Besonderheiten notiert.
So wie es aussah, sollte es ein Grenzdienst werden ohne besonderes Geschehen.

08.15 Uhr erhielt ich von der Funkleitstelle die Weisung, mich umgehend „über Draht“ mit dem Zollkommissariat in Verbindung zu setzen.

Diese Art der Kommunikation wurde verwendet, um sich über relevante Nachrichten abhörsicher auszutauschen.

Ich fuhr zur nächst gelegenen Telefonzelle, warf die für diesen Fall immer mitgeführten 20 Pfennige ein und wählte die Telefon-Nr. des Kommissariats.

Ich erhielt die Weisung, die Stammdienststelle anzufahren und den Dienst sofort abzubrechen. Als Nächstes sollte ich sofort packen und mich mit dem Reisegepäck, der persönlichen Dienstausrüstung inclusive Dienstwaffe ab 11.00 Uhr zur Verfügung halten.

Einsatzbereich: dänische Grenze, Raum Flensburg, Dienstort wird nach Unterbringung bekannt gegeben.

Auf Grund der Geiselnahme des Arbeitgeberpräsidenten waren die Grenzen auf Anordnung des BMI, in Einvernehmen mit dem BMF, zu überwachen (in meinem Fall die Nordgrenze) und Intensivkontrollen, auch an bisher unbewachten Grenzübergängen, durchzuführen.

Na dann „Gute Nacht Marie“, ich wollte es erst zunächst nicht glauben.

Mein künftiger Einsatzbereich für die nächsten Monate waren die Zollämter Böglum, Neupepersmark, Rosenkranz und das Grenzgebiet zwischen Klanxbüll, Aventoft, Jardelund und Ellund.

Man muß die Geschehnisse aus damaliger Sicht betrachten, das Sicherheitsgefüge der (Alt) Bundesrepublik war in Mitleidenschaft gezogen worden.

Inhaftierte Mitglieder der ersten Generation der RAF sollten aus deutschen Gefängnissen freigepresst werden, der Aufenthaltsort der Entführer war nicht bekannt.

Weitere strukturierte, nicht überstürzte Abordnungen folgten.

Ich will nicht verschweigen, dass die ganze Aktion meine privaten Interessen berührte und diesen konträr lief.

Die grundsätzliche Richtigkeit der Maßnahmen, die Amtsführung oder Entscheidungen des Bundeskanzlers stellte ich nicht in Frage.

Der KZ-Vergleich der Juso (Jungsozialisten) ärgerte mich, trieb mir die Zornesröte ins Gesicht.

Sinngemäß: „Der Bundeskanzler verfügt über die sogenannten Sekundärtugenden. Gründlichkeit, Pünktlichkeit, Ordnungssinn usw. . Mit diesen Sekundärtugenden kann man Bundeskanzler (werden) sein, aber auch ein Konzentrationslager leiten!“

Helmut Schmidt beeinflusste mein Politikverständnis.

Der Doppelbeschluss, von dessen Richtigkeit er, wie ich meine und bereits erwähnte, überzeugt war, wurde dennoch (von einem anderen Kanzler) umgesetzt, aber er führte zu seinem Sturz, weil weite Teile der eigenen Klientel dem Initiator die Gefolgschaft verweigerten.

Anderenfalls wäre er Kanzler der Einheit geworden!

Möge er in Frieden ruhen.



Es grüßt Euch

Kressin


"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!
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#13

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 15:21
von damals wars | 12.182 Beiträge

Schon seltsam, damals gingen Massen auf die Straße, und damals interessierte es die Politik/er nicht.

Und bei Helmut wird das als Standfestigkeit umschrieben, ob man das dereinst auch über die heutige Kanzlerin schreiben wird?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#14

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 17:24
von exgakl | 7.237 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #13
Schon seltsam, damals gingen Massen auf die Straße, und damals interessierte es die Politik/er nicht.

Und bei Helmut wird das als Standfestigkeit umschrieben, ob man das dereinst auch über die heutige Kanzlerin schreiben wird?


Ja wegen dem Nato Doppelbeschluß, der sich im Nachgang auch nicht als falsche Entscheidung erwiesen hat... wenn du das mit der heutigen Situation auf eine Stufe stellen möchtest, bitte... es zeigt wessen geistes Kind du bist!


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#15

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 17:39
von TOMMI | 1.988 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #13
Schon seltsam, damals gingen Massen auf die Straße, und damals interessierte es die Politik/er nicht.

Und bei Helmut wird das als Standfestigkeit umschrieben, ob man das dereinst auch über die heutige Kanzlerin schreiben wird?


Oh, Oh, das ist ja fast schon Blasphemie....


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#16

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 11.11.2015 17:57
von Grenzläufer | 1.775 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #13
Schon seltsam, damals gingen Massen auf die Straße, und damals interessierte es die Politik/er nicht.

Und bei Helmut wird das als Standfestigkeit umschrieben, ob man das dereinst auch über die heutige Kanzlerin schreiben wird?



Du beweist ein weiteres Mal dein Fachwissen in politischer Geschichte.
Die "Friedensdemonstration" in Bonn im Juni 1982 zog 500.000 Menschen an. Bereits im Spätsommer zerbrach die SPD/FDP Koalition und
Helmut Schmidt wurde im Oktober 1982 durch ein konstruktives Misstrauensvotum, bei dem Kohl Bundeskanzler wurde, abgewählt.
Soviel zum Thema "Standfestigkeit".

Die Bundestagswahl 1983 war ein Votum für die neue CDU/FDP Koalition, die für den Nato-Doppelbeschluss eintrat.
CDU/CSU erreichte 48,2%, die FDP 7% der Wählerstimmen und das bei einer Wahlbeteiligung von über 89%.

Die glorreichen Grünen, die Partei, die sich am lautesten gegen den NATO-Doppelbeschluss aussprach, erreichte gerade mal 5,6%, weit von der Mehrheit entfernt. Die Geschichte zeigte, die Grünen irrten sich schon damals.

Die Demos gegen den Doppelbeschluss nahmen zu, wer dahinter steckte, war eigentlich klar. Der Sozialdemokrat Hans Apel, Bundesverteidigungsminister im Kabinett Schmidt/Genscher von 1978 bis 1982, warnte immer wieder vor dieser "Friedensbewegung".



>>"Wie Moskau die deutsche Friedensbewegung befeuerte
Funde in russischen Archiven werfen ein neues Licht auf die Nachrüstungsdebatte. Am Ende fiel die Propaganda auf ihre Urheber zurück
Von Sven Felix Kellerhoff

Helmut Kohl ahnte es und Franz Josef Strauß, der SPD-Verteidigungsminister Hans Apel und der CSU-Politiker Friedrich Zimmermann, US-Präsident Ronald Reagan ohnehin: Die westdeutsche Friedensbewegung am Anfang der Achtzigerjahre sei "von Moskau gesteuert", verkündeten diese und andere Politiker immer wieder öffentlich. Doch solche Warnungen konnten dem Wirken der Botschaft "Abrüstung um jeden Preis" nichts anhaben. Obwohl inzwischen klar ist, dass der Nato-Doppelbeschluss richtig war, praktisch alle Annahmen der westdeutschen Friedensbewegung dagegen falsch, mögen sich viele ehemalige Ostermarschierer und Mutlangen-Blockierer mit der einfachen Wahrheit nicht abfinden: Sie ließen sich von den Sowjets instrumentalisieren."

"Anhand von Dokumenten aus dem "Russischen Staatsarchiv für neueste Geschichte" kann Wettig belegen, wie im Oktober 1979 eine systematische Kampagne gegen die Nachrüstung angeschoben und mit Geld aus Moskau bezahlt wurde. Sie sollte eine den sowjetischen Interessen nützliche Verzerrung der Realität etablieren: Die geplante Nachrüstung der Nato bedeute eine "Destabilisierung" des "bestehenden Gleichgewichts". Dass in Wirklichkeit die SS-20 das bis Mitte der Siebzigerjahre bestehende Gleichgewicht zugunsten der Sowjets verschoben hatte, sollte aus der Wahrnehmung der westeuropäischen Staaten verdrängt werden. (...)<<

http://www.welt.de/welt_print/article350...-befeuerte.html


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zuletzt bearbeitet 11.11.2015 18:00 | nach oben springen

#17

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 13.11.2015 09:31
von Zange | 395 Beiträge

Für mich ist Schmidt bis heute der beste Kanzler, den wir nach dem Kriege hatten. In seiner Regierungszeit war kein Platz für Visionen oder besondere Weichenstellungen, wie bei Brandt.

Dafür hat Schmidt die Krisen in seiner Kanzlerschaft bestens gemeistert. Sein hartes und konsequentes Handeln in der Schleyer Affaire hat die alte Bundesrepublik endgültig gefestigt, der von ihm maßgeblich ins Leben gerufene "Nato-Doppel-Beschluss" war einer der Grundpfeiler für die Wende 1989.

Sein teilweise überhebliches Auftreten konnte er sich, meiner Meinung nach leisten, den es steckte ja auch etwas dahinter.


Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen (Helmut Schmidt)
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#18

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 13.11.2015 13:32
von Gert | 12.355 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #3
Als H.S. Kanzler wurde war ich 13 Jahre alt und die internationale Politik hat mich eigentlich nicht groß interessiert. 1980 machte ich Abitur und kam zur Armee, damit änderte sich auch mein Interesse an der Politik. Die Ereignisse in Polen führten aus meiner Sicht zu einer deutlichen Destabilisierung der Staaten des Warschauer Vertrages und Ungarn galt bei mir sowieso schon fast als Westen. 1980 kam dann auch noch der ehemalige Western-Held in den USA an die Macht und läutete eine neue Runde des wettrüstens ein. Wimre sprach er damals vom "totrüsten" der Sowjetunion, SDI und NATO-Doppelbeschluss stammten ja auch aus dieser Zeit.
In diese Kontext ordnete sich damals für mich auch die Favorisierung des NATO-Beschlusses durch den Bundeskanzler ein. Reagen war US-Präsident und Schmidt Bundeskanzler, beide gehörten der NATO. Seine Zustimmung zum Doppelbeschluss machte ich weniger an der Person Schmidt fest, die war mir eigentlich, auch wegen seiner Haltung zum Terrorismus symphatisch. Er war aber nun mal Kanzler der mit den USA verbündeten Bundesrepublik und unterlag als solcher natürlich auch Zwängen. Bei uns hiess der leader Breshnew und auf der anderen Seite war es Reagan, der das "Reich des Bösen" (die Sowjetunion) mit allen Mitteln zerstören wollte.


andy


was er ja auch geschafft hat. Er hat den Warschauer Pakt an die Wand gerüstet. Hab ich damals schon so gesehen und deswegen war Schmidt -Schnauze auch mein Lieblingskanzler, ich unterstützte den Nato Doppelbeschluss weil er eine angemessene Reaktion auf die von den Russen eingeleitete neue Spirale im Rüstungswettlauf war, siehe SS 20 Raketen usw.. Alles richtig gemacht, ich sage aus meiner Auffassung
P.S er war auch mein Lieblingskanzler wegen seiner professionellen Art mit dem RAF Pack umzugehen. Als die Mogadischu Aktion so gut zu Ende ging mit dem Auftritt der GSG 9 war er gelaufen, der Terror der RAF. Sie wurde am Ende besiegt


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
CASI hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 13.11.2015 13:38 | nach oben springen

#19

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 13.11.2015 13:34
von Gert | 12.355 Beiträge

Zitat von Zange im Beitrag #17
Für mich ist Schmidt bis heute der beste Kanzler, den wir nach dem Kriege hatten. In seiner Regierungszeit war kein Platz für Visionen oder besondere Weichenstellungen, wie bei Brandt.

Dafür hat Schmidt die Krisen in seiner Kanzlerschaft bestens gemeistert. Sein hartes und konsequentes Handeln in der Schleyer Affaire hat die alte Bundesrepublik endgültig gefestigt, der von ihm maßgeblich ins Leben gerufene "Nato-Doppel-Beschluss" war einer der Grundpfeiler für die Wende 1989.

Sein teilweise überhebliches Auftreten konnte er sich, meiner Meinung nach leisten, den es steckte ja auch etwas dahinter.

dem gibt es nichts hinzuzufügen, sehr gut beschrieben!


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#20

RE: Helmut Schmidt vor 1989

in DDR Zeiten 14.11.2015 04:28
von B208 | 1.351 Beiträge

Was ich aus meiner Bonner Zeit behalten habe ist , dass ex Kanzler Schmidt in seiner Zeit härter mit seinen politischen Vorderungen war, als die Seehofers heute scheinen . Und ! Er hat sie gegen den Widerstand seiner Genossen auch durchgezogen .
Was er damals gegen seine eigenen Partegenosseni durchgesetzt hat war schon schwergewichtig .
Deshalb kann ich den Begriff - astreiner Demokrat - auch nicht unterschreiben .
Er wurde für seiner 2. und 3. Kanzlerschaft demokratisch gewählt ! Sein Handeln war erfolgreich , jedoch nicht immer astrein demokratisch .
Diese ihm damals geduldeten Möglichkeiten kann heute kein Politiker mehr für sich in Anspruch nehmen .


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