#81

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 16.09.2009 16:57
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Berliner, mein junger amerikanischer Freund. Ich sehe, du bist online und es würde mich doch einmal interessieren, " Wie siehst du den nun die Sache mit dem Lagebericht der VPI"? Alles Fälschung, die bösen Buben nur auf Seiten der Staatsgewalt, der Mob hatte gerade einmal nichts besseres zu tun, es kam nichts im Kino, Fussball war auch nicht und so dachten sie," Zündeln wir mal ein wenig, den die Männer von der Feuerwehr sollen auch für ihr Geld ....mal den Hintern heben.
Es ist dein Thema und ich weiß, du suchst nach der Wahrheit, das bewundere ich an dir, also leg mal los.Und sollte dir etwas unklar sein den die alten Männer reden gerne in ihrem vertrauten Deutsch, dann frage, Junge, frage...

Gruß Rainer- Maria


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#82

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 16.09.2009 17:36
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Hallo Wolfgang, nun ja, so kann man natürlich auch argumentieren, daß Alles,aber auch Alles, was vom Klassenfeind verfasst wurde, als " Nicht glaubwürdig gilt,eventuell der Voreingenommenheit unterliegt,eben Feindpropaganda",es wurde von Anfang an schon " Frisiert", und noch als Kompott hatte mein Schwiegervater schon leichte....wegen dem hohen Alter ( keine Angst, der kam nicht von dir, das fiel mir nur so ein)Also was sich die "Kommunisten" aber auch für eine Arbeit gemacht haben, von vornherein schon das Falsche zu schreiben....da fällt mir ein, " die Stasiakte"? Wolfgang, wenn da nun auch nicht Alles stimmt, nicht auszudenken, diese Blamage!
Aber ich werde es dir wohl nicht Recht machen können und das ist natürlich schade.
Du warst eben mit deinen 9 Jahren schon so ein fixes Kerlchen wo ich noch an den großen Brüsten meiner Mutti nuckelte.

Gruß Rainer- Maria



----------------------------------------------------------------------------------------------

Nur zur Richtigstellung: Dein "fixes Kerlchen" war damals schon 11 Jahre alt und keine 9 und seine Augen und Ohren waren auch schon funktionsfähig. Daß sich die Wut der Demonstranten auch zu Sachbeschädigungen, Brandstiftungen und zu Übergriffen auf verhaßte Objekte bezog wird übrigens auch nirgend wo bestritten und nicht zu vergessen, es fand in der ganzen DDR statt und nicht nur im Sendebereich des RIAS. Deinen "Rowdys" von damals gebührt mein Respekt und vor den Opfern verneige ich mich und Dein diesbezügliches Märchen empfinde ich als das, was es ist: Sudel-Ede hätte es nicht besser schreiben können.
Schönen Gruß aus Kassel
PS: Rainer, ich antworte nicht speziell für Dich, sondern im Grunde genommen nur für mich, in der Hoffnung, daß es auch von Anderen gelesen wird.


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#83

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 16.09.2009 17:54
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Hallo Wosch,es gibt schon Leute die hier mitlesen.
Bis dann



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#84

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 16.09.2009 17:59
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Ja stimmt, @Zermatt ... und @Wosch, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.


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#85

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 17.09.2009 09:26
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Berliner, nur mal zur Erinnerung und ich weiß, bei der Vielfalt der Themen hier wird allerhand übersehen,aber das geht den Anderen bestimmt genau so.Ich hatte dir gestern eine Frage hier ins Thema gestellt.
Also wenn du ausgeschlafen hast, mach dich mal ran an die Hausaufgaben. Aber lass dir Zeit, meine Frau hatte mir nähmlich einen großen Zettel geschrieben, "die Tagesarbeit", so das ich erst heute Abend wieder vor der Kiste sitzen kann, also bis dann, mein junger Freund.

Gruß Rainer -Maria


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#86

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 17.09.2009 09:35
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Hallo Berliner, nur mal zur Erinnerung und ich weiß, bei der Vielfalt der Themen hier wird allerhand übersehen,aber das geht den Anderen bestimmt genau so.Ich hatte dir gestern eine Frage hier ins Thema gestellt.
Also wenn du ausgeschlafen hast, mach dich mal ran an die Hausaufgaben. Aber lass dir Zeit, meine Frau hatte mir nähmlich einen großen Zettel geschrieben, "die Tagesarbeit", so das ich erst heute Abend wieder vor der Kiste sitzen kann, also bis dann, mein junger Freund.
Gruß Rainer -Maria


Berliner ist gerade unterwegs nach El Paso, das sind 1700 Meilen (oder 2700 km) von Spartanburg, von daher kann es sein das er warscheinlich erst in ein paar Tagen wieder zugange ist (je nachdem wie die Internetsituation in den Hotels unterwegs ausschaut).
-Th


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#87

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 17.09.2009 12:54
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Delta, danke für die Info aber wenn du schon mal hier bist, vielleicht kannst du was zu der Antwort beisteuern? Ich weiß, du hast sie nicht geliebt, die alte DDR aber würdest du alles kaputtschlagen, so wie in dem Lagebericht vermerkt, nur um das System zu ändern?
Oder geht soetwas nur mit Gewalt?
Das ist eine gute Frage, das mußt du zugeben.

Gruß Rainer- Maria


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#88

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 17.09.2009 13:10
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Hallo Delta, danke für die Info aber wenn du schon mal hier bist, vielleicht kannst du was zu der Antwort beisteuern? Ich weiß, du hast sie nicht geliebt, die alte DDR aber würdest du alles kaputtschlagen, so wie in dem Lagebericht vermerkt, nur um das System zu ändern?
Oder geht soetwas nur mit Gewalt?
Das ist eine gute Frage, das mußt du zugeben.
Gruß Rainer- Maria


Weiss nicht ob Dir die Antwort gefaellt, aber nachdem Du schon gefragt hast:
Von mir aus waere es besser gewesen, wenn man die DDR schon 1953 beerdigt haette, von mir aus auch mit ein bisschen kaputten Glass. Was danach der Sozialfeudalismus in der DDR angerichtet hat -und was man bis heute noch spuert- steht mit dem in keinem Verhaeltniss.

-Th


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#89

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 17.09.2009 19:47
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Wolfgang (wosch) und Captn Delta, also meine Erkenntnis aus dem gestrigen Text von Wolfgang und dem heutigen Text von dir, Delte war: " Da konnten wir ja von Glück reden, das im Herbst 1989 nicht alles in Schutt und Asche gelegt wurde", von Seiten dieser Demonstranten.
Aber ich nehme einmal an, 36 Jahre nach diesem angeblichen Volksaufstand am 17. Juni 1953 war der Mensch der DDR schon wirklich weiter, auch von der Intelligenz her. Er sagte sich. " Ich werde doch nicht Alles, was ich mit meiner eigenen Hände Arbeit geschaffen habe, dieses mühsam erschaffene Volkseigentum brandschatzen, plündern, zerstören und eventuell noch ein paar unliebsame Zeitgenossen an die nächste Laterne hängen".
Mein Gott, waren wir weit, nicht auszudenken, wenn....
Diese Disziplin, diese Marschordnungen am Ring in Leipzig. Und ich war nicht dabei! Ich könnte mich...
Aber ich möchte es hier nicht auf die Spitze treiben, ihr Beiden, im Gegenteil.
Die Texte, eure Texte sagen mir: " Der Mob würde auch heute noch toben, in diesem System, wenn es einmal zum Ernstfall kommt, er hat nichts, aber auch nichts gelernt, nicht so viel!

Gruß, Rainer- Maria


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#90

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 17.09.2009 19:54
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von CaptnDelta

Weiss nicht ob Dir die Antwort gefaellt, aber nachdem Du schon gefragt hast:
Von mir aus waere es besser gewesen, wenn man die DDR schon 1953 beerdigt haette, von mir aus auch mit ein bisschen kaputten Glass. Was danach der Sozialfeudalismus in der DDR angerichtet hat -und was man bis heute noch spuert- steht mit dem in keinem Verhaeltniss.



@captndelta, was hälst von der aussage alter gewerkschafter der damaligen bundesrepublik: "bei unseren verhandlungen mit den arbeitgebern sass immer unsichtbar die ddr mit am tisch..." ?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#91

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 17.09.2009 20:25
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow

@captndelta, was hälst von der aussage alter gewerkschafter der damaligen bundesrepublik: "bei unseren verhandlungen mit den arbeitgebern sass immer unsichtbar die ddr mit am tisch..." ?



Ich weiß Gilbert, du hast nichts dagegen, wenn ich mitmische. Klar, die Aussage gab es. Und sie war wichtig für die Arbeitnehmer. Das war wenigstens eine Gewerkschaft, nicht so ein Gebilde, wie in der DDR, die nur neben der Führung mitlief. Es ist kein Geheimnis, dass die sozialen Errungenschaften der BRD damals fast einzigartig waren. Wenn ich an die Höhe der Sozialhilfe, Wohngeld, Bafög, 8% Zulage des Einkommens in Westberlin usw. denke, dazu noch die Freiheit und Demokratie, die niedrigen Preise, das alles war ein Aushängeschild des Kapitalismus, welches die Definitionen der DDR zum Kapitalismus Lügen gestraft hat.
Heute ist davon vieles verlorengegangen, auch deshalb, weil der "Ostblock" verschwunden ist.
Der Gegenpol fehlt eben....


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#92

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 17.09.2009 21:11
von Luchs (gelöscht)
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Zitat von Augenzeuge

Heute ist davon vieles verlorengegangen, auch deshalb, weil der "Ostblock" verschwunden ist.
Der Gegenpol fehlt eben....


Jörg!!!
Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.

Viele Grüße
Micha


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#93

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 17.09.2009 21:16
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow

Zitat von CaptnDelta

Weiss nicht ob Dir die Antwort gefaellt, aber nachdem Du schon gefragt hast:
Von mir aus waere es besser gewesen, wenn man die DDR schon 1953 beerdigt haette, von mir aus auch mit ein bisschen kaputten Glass. Was danach der Sozialfeudalismus in der DDR angerichtet hat -und was man bis heute noch spuert- steht mit dem in keinem Verhaeltniss.


@captndelta, was hälst von der aussage alter gewerkschafter der damaligen bundesrepublik: "bei unseren verhandlungen mit den arbeitgebern sass immer unsichtbar die ddr mit am tisch..." ?



@Gilbert: Die sass an vielen Tischen, nur hatte sie wenig zu sagen. Auch in der Schule in der Bundesrepublik, wo sich doch eine gewisse Anzahl Lehrer eher verklaerend ueber die DDR aeusserten. Das lag bei denen, wie auch bei den Gewerkschaftern, meistens an dem das ihre DDR-Erfahrung auf zweiter, dritter, vierter Hand beruhte. Von daher kommt auch manch leicht-verklaertes Meinungsbild von einigen Zeitgenossen, welche die DDR nie naeher als vom Autofenster auf der Transitautobahn kennengelernt haben - war sowas wie Zoo oder Gruselkabinett, je nachdem wieviel Humor man mitbrachte. Leute die wirklich Erfahrung mit der DDR hatten, waren im Westen Deutschlands eine kleine Minderheit. Der Rest wurde, wie heute auch noch, von den Medien "aufgeklaert".

Fuer manche der Gewerkschafter waren diese Verhandlungen "mit der DDR am Tisch" ein Phyrrus-Sieg. Firmen wie Kreidler, Zuendapp, Roederstein, Photo-Porst, Magirus-Deutz, SABA, Kienzle, Schneider Computer, Nixdorf, usw. sind da die stillen Zeugen.

Trotzdem waren die Sozialleistungen im Westdeutschland der 70er/80er von der DDR einfach unerreichbar, das wird allerdings oft uebersehen. Da wird einfach nur die Schiene "DDR sozial/BRD unsozial" unreflektiert uebernommen, gerade eben weil man auch selbst keine Erfahrung aus dieser Zeit hat.

Das mit dem Fall des eisernen Vorhanges praktisch ein grosser Teil der Einkommensbasis fuer diese Sozialleistungen wegbrach (nachdem viele Unternehmen in's oestliche Ausland auslagerten) ist eben die Ironie der Geschichte. Es war nicht weil ein stummer Gegenpol nicht mehr unsichtbar am Tisch sass, sondern weil schlagartig viele Arbeitskraefte, welche motiviert waren, fuer welche sich Leistung lohnte, und welche fuer viel geringere Sozialleistungen bereit waren zu arbeiten zur Verfuegung standen. Ich kann Dir das mit ganz konkreten, selbst erlebten Beispielen erlaeutern, als die Firma, bei welcher ich damals war (und Berliner bis vor kurzem), ihre Produktionswerke in Bayern dichtmachte und diese nach Rumaenien, Tschechien und Tunesien auslagerte.

-Th


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#94

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 17.09.2009 21:30
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Delta, jetzt muss ich doch einmal ganz naiv fragen: " Was für Sozialleistungen"?
Ich mag ja heute Abend etwas begriffsstutzig sein, aber zu was brauchte ich als normaler Werktätiger, dem aber auch " Fast Alles Umsonst" in den Hintern in dieser alten DDR.... noch extra " Sozialleistungen".
Klär mich doch einmal auf!

Gruß Rainer- Maria


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#95

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 17.09.2009 21:59
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Hallo Berliner,

die Filme, die Du erwähntest, z.B. "Der Baulöwe" mit Rolf Herricht sind sehr nah an der Realität dran mit dem Unterschied, dass damals in derDDR kaum einer über die Mangelwirtschaft lachen konnte.
Wo aber soll man die Kausalkette beginnen?
Wenn z.B. jemand den Betrieb beklaut, was damals durchaus salonfähig war, wenn man es nicht übertrieben hatte, fehlten die damit herzustellenden Waren natürlich später in den Regalen.
Es wurde oft ohne Sinn und Verstand auf Vorrat gekauft und geklaut, um mit seltenen Waren später Tauschgeschäfte zu tätigen, so gesehen war der Sozialismus auch eine Rückentwicklung in die Urgesellschaft.
Andererseits hatten Arbeitsscheue in der DDR nichts zu lachen, die mussten sich täglich (!) ihre sieben Mark bei der Gemeinde abholen, wenn sie keinen Bock auf Kombinat hatten, oft wurden sie auch persönlich noch von zuhause geholt, sofern sie noch einem Betrieb angehörten.
Zuspätkommer mussten in meinem Betrieb die Zeit nacharbeiten und waren oft allein am Arbeitsplatz aktiv, während die "Bewacher" aus der Mittagschicht demonstrativ zuschauten bis sie die verschlafene Zeit ausgeglichen hatten.
Erst danach machte die Mittagschicht ihre geplante Arbeit in der Lokwerkstatt.
Übrigens hatten wir DDR- Bürger auch Freunde in den USA.
Da gab es einst die Kommunistische Partei der USA mit dem Vorsitzenden Gus Hull, der den Siegeszug des Sozialismus in den USA einfädeln sollte und dem unsere Staatsoberen immer ihre brüderlichen Kampfesgrüsse zur erneuten Wiederwahl in diesen begehrten Posten übermittelten.
Sehr zu empfehlen ist die "Chronik der Kinder von Golzow", bei der eine Schulklasse des Jahrgangs 1961 bis in das Jahr 2005 auf ihrem Weg durch den Sozialismus mit einem beeindruckenden Realitätsbezug über mehrere Jahrzehnte begleitet wurde.
Diese Dokumentation von Winfried und Barbara Junge war eine der längsten Reportagen der internationalen Filmgeschichte und erhielt bereits mehrere Auszeichnungen.
Zum Thema abhauen fällt mir noch ein, dass ich zu Vorwendezeiten einmal mit einer Reisegruppe in Hamburg war und von dieser Gruppe ist nur einer der 32 Teilnehmer drübengeblieben und dabei wäre es für keinen ein allzu grosses Risiko gewesen, sich einfach von der Gruppe zu entfernen.
Es waren allerdings auch ausgesuchte Leute, die solche Reisen machten, so z.B. musste jeder zwei Bürgen aufweisen, die für die Rückkehr garantieren.
Im Übrigen vermisse ich viele Freiheiten der damaligen Zeit.
So z.B. konnte ich als Hobbyangler DDR-weit alle Gewässer der Republik, ausser reinen Produktionsgewässern, mit meinem Ausweis nutzen, heute wurde vieles privatisiert und man weiss oft nicht, ob es legal ist, wenn man in einem fremden Revier die Angelruten auswirft.
Auch die Freiheit, für das verdiente und versteuerte Geld soviele Zinsen einzunehmen, wie man will, ist verschwunden.
Zwar gab es nur einheitlich 3,25 % für Spareinlagen, auch für das Girokonto, aber man musste es nicht nachträglich vor dem Finanzamt verteidigen.
So, da hast Du erst mal ein buntes Sammelsurium vieler verschiedener Erinnerungen, die ich gern noch ausführlicher darstellen würde, wenn Dich darüber hinaus noch etwas speziell interessieren sollte.







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#96

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 18.09.2009 10:54
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Hackel 39, ich grüße dich hiermit und habe eine Frage zu deinem Text von gestern. Ich nahm immer an und so hatte ich es schon mehrmals geschrieben, wenn die Kohle, der Lohn in der alten DDR alle war, und bei vielen, die ich kannte war schon Monatsmitte Ebbe in der Geldbörse, dann blieben nur noch Freunde, Arbeitskollegen, Verwandte usw, die Derjenige anpumpen konnte.
Denn es gab keine Caritas, Samariter, Ritter von Sonstwas,Sozialhilfevereine und die ganze Kette von....wie heute!
Nun schreibst du von diesen 7,- Mark, die der "Arbeitscheue" von der Gemeinde...täglich...fürs Nichtsmachen sich holen konnte / musste? Das verwirrt mich etwas. Genauso diese Aussage gestern von Delta: "Trotzdem waren die Sozialleistungen in Westdeutschland der 70er / 80er Jahre von der DDR einfach unerreichbar"...?
Komm, Delta, konkrete Beispiele bitte zu dieser fragwürdigen Behauptung!

Gruß Rainer- Maria


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#97

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 18.09.2009 13:54
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hier habe ich mal etwas zum Vergleich der Sozialleistungen der beiden deutschen Staaten:

Gruß, Augenzeuge


Dateianlage:
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#98

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 18.09.2009 17:22
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Das mit der Ebbe im Portemonnaie von berufstätigen Partylöwen, deren Lebenswandel nicht durch ein adäquates Arbeitseinkommen gedeckt war, ist eine andere Geschichte.
Die sieben Mark hat meines Wissens nur der harte Kern der Arbeitsverweigerer, also Leute, die keinem Kollektiv mehr angehörten, täglich beim Rat der Gemeinde bekommen.
Es gehörte aber schon allerhand dazu, in der DDR ohne Beschäftigung zu sein, eher hat man seitens der Betriebe Stellen geschaffen, die ohne jeglichen Wertebezug existierten, dazu eine kleine Geschichte aus meiner Lokführerzeit bei der DR.
Hier beobachtete ich Tag für Tag zwei Mittfünfziger, die immer auf der selben Bank unter der selben Linde sassen, wann immer ich an dieser Stelle vorbei kam.
Hin und wieder verschwanden sie auch im daneben stehenden Gebäude für eine kurze Zeit.
Nach vielen Wochen bekam ich heraus, was deren Job war.
Sie bewachten eine Ladestation für die Akkus, die Lokführer, Wagenmeister und Rangierer meines Dienstortes verwendeten.
Ich merkte das deshalb, weil ich irgendwann mal, 10 min vor der Abfahrt meines Reisezuges die gesammelten Akkus meiner Dienststelle noch schnell tauschen sollte.
Die hatten echt nichts anderes zu tun als die neuen gegen die alten Akkus herauszugeben, ja die mussten sie nicht mal selber abholen und bringen !!!
In der DDR nirgends "unterzukommen" war einfach nur Kunst.
Es gab auch einen Bungalow, der für die Beschäftigten meines Betriebes gedacht war und als es zur Wendezeit diese Ladestation nicht mehr gab, wurden die beiden dort einzig und allein zum Rasenmähen als Vollzeitjob abgestellt.
Wir nannten sie auch die Wildecker Herzbuben wegen ihrer Körperfülle.
Vielleicht kommen auch deshalb so viele von uns ins Schwärmen, wenn sie an die DDR zurückdenken.



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#99

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 18.09.2009 17:33
von Augenzeuge (gelöscht)
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Ja hackel39, damit hast auch du die verdeckte Arbeitslosigkeit der DDR bestätigt. Ich kenne auch solche Fälle, wie du sie geschildert hast. In Wikipedia steht dazu folgendes:

Im Frühjahr 1990 – vor der Wiedervereinigung – befasste sich das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung e.V. mit der Produktivität in der DDR und veröffentlichte seine Untersuchungen unter dem Titel „Verdeckte Arbeitslosigkeit in der DDR“. In der Studie werden die erhobenen Daten als statistisch nicht gesichert bezeichnet (Seite 1). Aus den verwendeten Daten wurde geschlussfolgert, dass die Arbeitszeit nicht voll ausgenutzt wurde (zu 15 % bis 30 %). Dieses wurde so gedeutet, dass in der DDR bei unveränderter Arbeitszeit gemessen an den Maßstäben einer Marktwirtschaft „eigentlich“ eine Arbeitslosenquote von eben diesen 15 % bis 30 % geherrscht hätte. Nach 1990 fortbestehende Großbetriebe reduzierten ihre Belegschaft nicht selten um 90 %.

Augenzeuge


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#100

RE: Geschichten aus dem DDR-Alltag

in Leben in der DDR 18.09.2009 17:59
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Trotzdem hege ich keinen Groll gegen meine "Wildecker Herzbuben", die leider beide nicht mehr leben.
Vielmehr war es auch eine Stärke des Systems, die breitestmöglichen Bevölkerungsmassen in die Wertschöpfung, die mit eigener mehr oder weniger effizienten Arbeitsleistung unterlegt war, einzubeziehen.
Es juckt mich bis heute nicht, dass ich weiss, leistungsfähiger zu sein als andere (Kollegen) und trotzdem nur den gleichen Lohn zu bekommen.
Ich weiss aber auch, dass Brummifahrer für die Hälfte meines Einkommens den doppelten Stress haben wie ich.
Der Ansatz, jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen, dem Ziel des Kommunismus mithin, ist ein Ansatz, mit dem ich mich hätte arrangieren können, deshalb war ich sowohl in der DDR als auch bei meinem ausländischen Arbeitgeber heute im Grossen und Ganzen zufrieden, ich darf nur nicht daran denken, wie schön es war, wenn man nach drei Minuten Radfahren zu Hause ist, anstatt neun Stunden mit der Bahn zur Arbeit zu fahren, um nach acht Tagen wieder nach Hause zu kommen.
Ich gebe zu, dass ich auch oft lieber wieder eingesperrt wäre, wenn die Alternative Aussperrung heisst, besonders dann, wenn nach dem dritten Umsteigen der letzte Heimfahrtzug trotzdem verpasst wurde, weil es wieder mal Unregelmässigkeiten im Betriebsablauf gab.
Viele Dinge wie eben die Arbeit vor der Haustür waren früher selbstverständlich und ich hätte 1987 auf meiner Ludmilla (Lokbaureihe 132) es niemals für möglich gehalten, mich jemals darüber zu freuen, in Wohnortnähe arbeiten zu dürfen.



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