#41

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 13:48
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Zitat von TOMMI im Beitrag #39
Lasst mich mal etwas spinnen:
Ich habe weiter oben das Beispiel Österreich genannt, welches ja bekanntlich eins blieb und neutral.
Was wäre gekommen, wenn Österreich geteilt worden wäre, wie Deutschland?
GSSZ und Metallgitterzaun durch die Alpen und eine Mauer in Wien?


Ja klar.
Aber Österreich ist anders herum ein Beispiel dafür, was auch mit uns passiert wäre: Wie Hanum sagte: Blockfrei, aber mit Westbindung, d.h. Entfernung von der Sowjetunion.
Neutrale Länder wie Österreich, Schweiz und Schweden sind bestens gefahren damit.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#42

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 14:37
von Grenzläufer | 1.783 Beiträge

Zitat von TOMMI im Beitrag #39
Lasst mich mal etwas spinnen:
Ich habe weiter oben das Beispiel Österreich genannt, welches ja bekanntlich eins blieb und neutral.
Was wäre gekommen, wenn Österreich geteilt worden wäre, wie Deutschland?
GSSZ und Metallgitterzaun durch die Alpen und eine Mauer in Wien?


Tommi, diese Gedankenspiele kann man auch in der anderen Richtung "spinnen". Was wäre geworden, wenn Deutschland neutral wie Österreich geworden wäre.
Eine hochgesicherte Grenze mitten durch das Erzgebirge?
Den Polen wäre der Zugang zu Oder und Neiße nicht mehr möglich gewesen weil dort Grenzsicherungsanlagen installiert worden wären?

Hier wurde angesprochen, dass die SED bei freien Wahlen keine Stich gemacht hätte. Man weiß es nicht genau, aber in einer freien Gesellschaft wäre die SED gar nicht entstanden, es wäre SPD und KPD eigenständige Parteien geblieben.

Das Burgenland in Österreich lag bis 1955 in der sowjetischen Besatzungszone.
Bei den freien Wahlen 1945 erreichte die Kommunistische Partei Österreichs im Burgenland 1945 3,3%, 1949 2,9%, 1953 3,2% und 1956, ein Jahr nach Abzug der Besatzungsmächte scheiterte die KPÖ an der damaligen 2% Hürde und war gar nicht mehr im Landtag vertreten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswa...Burgenland_1945
https://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswa...Burgenland_1949
https://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswa...Burgenland_1953

Ganz offensichtlich hatte Stalin nie vorgehabt, sich die östlichen Gebiete Österreich für immer einzuverleiben. Sonst wären ganz sicher "geschmeidigere" Wahlergebnisse für die KPÖ herausgesprungen.


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#43

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 16:32
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Zitat von Grenzläufer im Beitrag #42

Hier wurde angesprochen, dass die SED bei freien Wahlen keine Stich gemacht hätte. Man weiß es nicht genau, aber in einer freien Gesellschaft wäre die SED gar nicht entstanden, es wäre SPD und KPD eigenständige Parteien geblieben.




Die SED entstand 1946. Stalins Plan stammt aus dem Jahr 1952.

Deshalb bemerkte ich richtig, daß bei einer Vereinigung beider deutscher Staaten damals eher mit der SED zu rechnen war, als mit der KPD.
Die wären sicherlich zusammengegangen, wobei die SED die bedeutendere Partei war.
Angesichts der noch bedeutenderen westlichen SPD hätte sich für die SED zwar ein Problem der Sinnhaftigkeit ergeben. Aber einen Exodus wesentlicher Mitglieder zurück zur SPD hätte sie mit einer Rückbenennung in KPD sicherlich nicht noch zusätzlich fördern wollen.


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zuletzt bearbeitet 25.10.2015 16:32 | nach oben springen

#44

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 18:49
von Gert | 12.362 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #23
Ich glaube--wenn es 1952 zu ein geeintes Deutschland gekommen wäre. Hätte so manche Wahl anders ausgesehen. Vor allen es hätte auch eine starke KPD mit im Reichstag gesessen. Aber darüber lässt sich heute streiten, es war damals eine andere Zeit, so kurz nach Deutschlands verdienter Niederlage. Aber wie gesagt--man kann die Zeit von Damals nicht mit Heute vergleichen. Aber schmunzeln muss ich doch etwas--da schreibt ein User zum anderen User--das haste aus den DDR Geschichtsbüchern abgeschrieben,und selber schaut er bei Wiki wahrscheinlich nach. Aber das ist OT:


mein lieber @Rostocker , dafür brauchte ich nicht bei Wiki nachschauen , ich kenne die DDRGeschichtsbücher dieser Zeit aus eigener Anschauung.


.
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#45

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 18:50
von Klauspeter | 991 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #35
Zitat von Klauspeter im Beitrag #32


Ob es echte Chancen für die Wiedervereinigung gab? Nur der Test hätte eine Antwort auf diese Frage gegeben. Weil nicht getestet wurde, wurde eine Chance vergeben.



Bei sowas gibts doch keinen Test. Einmal vollzogen gibts kein Zurück, wenns schlecht läuft. Ein Test jedoch ist ein Probelauf.



Du bist Techniker und m.E. siehst Du das zu sehr aus der Sicht eines Technikers.
Fasse meinen Einwand nicht falsch auf, oder als Kritik, aber ein Test beim Flugzeugbau (Probeflug) oder ein Test in der chemischen Industrie läuft anders, als ein Test in der Politik .Den Probeflug kann man nicht mehr anhalten. Politische Test lassen sich über Diplomatie wieder zurückfahren.
Die Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba war ein Test, wie weit man gehen kann. Der Test wurde wurde politisch rückgängig gemacht - die sowjetischen Raketen mussten abgezogen werden.

Stalins Vorschläge "auszutesten" wäre über Verhandlungen gelaufen. Verhandlungen lassen sich aber jederzeit durch Forderungen stoppen, die für die Gegenseite unannehmbar sind.

Hier wurde es schon mehrmals gesagt: Ein neutrales, blockfreies Deutschland hätte sich mit großer Wahrscheinlichkeit an die Westmächte angelehnt.
Ein Leben in einem vereinten Deutschland unter Verhältnissen wie in Österreich, hätte ich mir durchaus vorstellen können.

Alles, was den Sozialismus seit 1917 betrifft, war verfrüht und damit zum Scheitern verurteilt. Bei Robert Havemann kann man darüber viel nachlesen (u.a. Robert Havemann: "Warum ich Stalinist war und Antistalinist wurde", Dietz Verlag Berlin (1990)

Klaus


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#46

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 19:13
von StabsfeldKoenig | 2.656 Beiträge

Zitat von Grenzläufer im Beitrag #42
Zitat von TOMMI im Beitrag #39
Lasst mich mal etwas spinnen:
Ich habe weiter oben das Beispiel Österreich genannt, welches ja bekanntlich eins blieb und neutral.
Was wäre gekommen, wenn Österreich geteilt worden wäre, wie Deutschland?
GSSZ und Metallgitterzaun durch die Alpen und eine Mauer in Wien?


Tommi, diese Gedankenspiele kann man auch in der anderen Richtung "spinnen". Was wäre geworden, wenn Deutschland neutral wie Österreich geworden wäre.
Eine hochgesicherte Grenze mitten durch das Erzgebirge?
Den Polen wäre der Zugang zu Oder und Neiße nicht mehr möglich gewesen weil dort Grenzsicherungsanlagen installiert worden wären?

Hier wurde angesprochen, dass die SED bei freien Wahlen keine Stich gemacht hätte. Man weiß es nicht genau, aber in einer freien Gesellschaft wäre die SED gar nicht entstanden, es wäre SPD und KPD eigenständige Parteien geblieben.

Das Burgenland in Österreich lag bis 1955 in der sowjetischen Besatzungszone.
Bei den freien Wahlen 1945 erreichte die Kommunistische Partei Österreichs im Burgenland 1945 3,3%, 1949 2,9%, 1953 3,2% und 1956, ein Jahr nach Abzug der Besatzungsmächte scheiterte die KPÖ an der damaligen 2% Hürde und war gar nicht mehr im Landtag vertreten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswa...Burgenland_1945
https://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswa...Burgenland_1949
https://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswa...Burgenland_1953

Ganz offensichtlich hatte Stalin nie vorgehabt, sich die östlichen Gebiete Österreich für immer einzuverleiben. Sonst wären ganz sicher "geschmeidigere" Wahlergebnisse für die KPÖ herausgesprungen.




Denkbar wäre auch gewesen, daß ein neutrales Deutschland für Franzosen und Italiäner Anreiz für einen Weg in den demokratischen Sozialismus geworden wäre und damit auch ein sozialistischer (jedoch nicht poststalinistischer) Weg für Deutschland möglich gewesen wäre.



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#47

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 19:16
von StabsfeldKoenig | 2.656 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #45
Zitat von Freienhagener im Beitrag #35
Zitat von Klauspeter im Beitrag #32


Ob es echte Chancen für die Wiedervereinigung gab? Nur der Test hätte eine Antwort auf diese Frage gegeben. Weil nicht getestet wurde, wurde eine Chance vergeben.



Bei sowas gibts doch keinen Test. Einmal vollzogen gibts kein Zurück, wenns schlecht läuft. Ein Test jedoch ist ein Probelauf.



Du bist Techniker und m.E. siehst Du das zu sehr aus der Sicht eines Technikers.
Fasse meinen Einwand nicht falsch auf, oder als Kritik, aber ein Test beim Flugzeugbau (Probeflug) oder ein Test in der chemischen Industrie läuft anders, als ein Test in der Politik .Den Probeflug kann man nicht mehr anhalten. Politische Test lassen sich über Diplomatie wieder zurückfahren.
Die Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba war ein Test, wie weit man gehen kann. Der Test wurde wurde politisch rückgängig gemacht - die sowjetischen Raketen mussten abgezogen werden.

Stalins Vorschläge "auszutesten" wäre über Verhandlungen gelaufen. Verhandlungen lassen sich aber jederzeit durch Forderungen stoppen, die für die Gegenseite unannehmbar sind.

Hier wurde es schon mehrmals gesagt: Ein neutrales, blockfreies Deutschland hätte sich mit großer Wahrscheinlichkeit an die Westmächte angelehnt.
Ein Leben in einem vereinten Deutschland unter Verhältnissen wie in Österreich, hätte ich mir durchaus vorstellen können.

Alles, was den Sozialismus seit 1917 betrifft, war verfrüht und damit zum Scheitern verurteilt. Bei Robert Havemann kann man darüber viel nachlesen (u.a. Robert Havemann: "Warum ich Stalinist war und Antistalinist wurde", Dietz Verlag Berlin (1990)

Klaus


Die Raketen auf Kuba waren kein Test, sondern die "Nachrüstung" gegen US-Raketen in der Türkei (und ggf. anderen Staaten an der Grenze zur UdSSR). Die Welt erfuhr erst Jahrzehnte später, was der Preis für den Abzug der Raketen aus Kuba war. Die USA mußte die Jupiter-Atomraketen abziehen.



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#48

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 19:21
von der alte Grenzgänger | 1.010 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #46
..... Weg in den demokratischen Sozialismus geworden wäre und damit auch ein sozialistischer..... Weg für Deutschland möglich gewesen wäre.


... es gibt keinen Sozialismus !!
Das ist eine Fata Morgana ..
Und deshalb gibt es auch keinen Weg dahin... je näher man der vermeintlichen Oase kommt, umsomehr verschwindet sie im Dunst des Irgendwo ...

Siggi


"Man rühmt und man schmäht die meisten Dinge, weil es Mode ist, sie zu rühmen oder sie zu schmähen"
La Rochefoucauld (1613 - 1680)
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#49

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 20:23
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #31
Zitat von Ari@D187 im Beitrag #29
Zitat von Klauspeter im Beitrag #1
Noch heute streiten sich die Historiker. Gab es 1952 eine reale Chance für ein geeintes Deutschland?[...]


Das Thema hatten wir, denke ich, im Forum schon einmal diskutiert.
Dank Auswertung entsprechender Quellen, sollte das hier der letzte Stand sein:

Peter Ruggenthaler "Stalins großer Bluff. Die Geschichte der Stalin-Note in
Dokumenten der sowjetischen Führung":
http://www.ifz-muenchen.de/publikationen...-grosser-bluff/

Ari


Also ich weiß nicht; diese Aussage soll also der letzte Stand sein: "Die Akten der sowjetischen Führungsspitze, die Peter Ruggenthaler zu dieser Frage erstmals ausgewertet hat, geben eine eindeutige Antwort: Stalins Einigungsangebot war nicht ernst gemeint, sondern ein Störmanöver gegen die Wiederbewaffnung Westdeutschlands." [...]

Wenn dies die sowjetischen Dokumente so hergeben, warum daran zweifeln?

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#50

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 21:15
von 94 | 10.792 Beiträge

Nun, dieser Mag. Ruggenthaler wird im Kreise seiner Historikerkollegen nicht immer voll ernst genommen. Doch als Lachnummer würde ich ihn dann aber, wie im folgenden Beitrage, nun nicht gerad bezeichnen wollen ...
radio-utopie.de/2008/05/05/grosse-lachnu...er-ruggenthaler

Na wie auch immer, wenn ich mir die europäische Landkarte so anschaue war von Finnland bis Jugoslawien eine Pufferzone mit blockfreien Staaten zwischen den Machtblöcken. Nur in Deutschland treffen (ab 1956) NATO und Warschauer Vertrag direkt aufeinander. Diese Entwicklung sah Stalin wohl voraus und ihm wäre eine demilitarisiertes, blockfreies wenn auch dann nicht mehr kommunistisches Deutschland wesentlich lieber gewesen wie die Konfrontation mit den Allierten. Hinzu kommt, das kurz zuvor (Feb.52) die Türken in die NATO drängten und damit an der Südwestflanke bereits eine solche Nahtstelle der Machtblöcke bestand. Insofern kann man die Stalin-Noten schon als 'Störmanöver' betrachten. Es war der Versuch die Kriegtreiberei der Bonner Ultras als willfährige Handlanger der westlichen Besatzer zu stören.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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zuletzt bearbeitet 25.10.2015 21:19 | nach oben springen

#51

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 21:23
von marc | 577 Beiträge

@94 er,

wär dann die Frage, ob man Tschechien auch "neutralisiert" hätte, und die Slowakei sozialistisch geblieben wäre?



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zuletzt bearbeitet 25.10.2015 21:26 | nach oben springen

#52

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 21:27
von 94 | 10.792 Beiträge

Denkfalle ... bei einem neutralen Deutschland hätte die ČSR keine gemeinsame Grenze mit einem NATO-Mitglied gehabt.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#53

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 21:32
von marc | 577 Beiträge

Dennoch hätte dies ein Preis der westl. Alliierten sein können.



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zuletzt bearbeitet 25.10.2015 21:32 | nach oben springen

#54

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 22:12
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #52
Denkfalle ... bei einem neutralen Deutschland hätte die ČSR keine gemeinsame Grenze mit einem NATO-Mitglied gehabt.


Ist doch egal, wenn Flüchtlinge nach Deutschland wollen und die ČSSR "ausgeblutet" wär.
Gewiß ist kein einziger DDR-Bürger geflohen, um in ein NATO-Land zu kommen. Die wollten nur raus und wären gern in die Schweiz oder Österreich. Aber dahin hat man sie generell nicht gelassen.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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zuletzt bearbeitet 25.10.2015 22:14 | nach oben springen

#55

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 23:21
von Grenzläufer | 1.783 Beiträge

Zitat von Ari@D187 im Beitrag #49
Zitat von Klauspeter im Beitrag #31


Also ich weiß nicht; diese Aussage soll also der letzte Stand sein: "Die Akten der sowjetischen Führungsspitze, die Peter Ruggenthaler zu dieser Frage erstmals ausgewertet hat, geben eine eindeutige Antwort: Stalins Einigungsangebot war nicht ernst gemeint, sondern ein Störmanöver gegen die Wiederbewaffnung Westdeutschlands." [...]

Wenn dies die sowjetischen Dokumente so hergeben, warum daran zweifeln?

Ari




Hallo Ari,
danke für deinen link. Ich kannte das Buch von Ruggenthaler >>Stalins großer Bluff<< bisher nicht.
Die Rezensionen von der konservativen faz bis zur linksliberalen Süddeutschen untermauern deine Ansichten.

>>Pressestimmen
"Ruggenthaler kann nachweisen, dass die bisher so kontrovers beurteilten Noten auf einer 'ausgeklügelten Taktik' mit doppeltem Boden beruhten, also 'Stalins großer Bluff' waren." Günter Buchstab in FAZ 30.1.2008 Nach 55 Jahren Ungewissheit habe Peter Ruggenthaler nun mit seinem neuen Buch "Stalins großer Bluff" Klarheit in die Geschehnisse um die Stalin-Note gebracht, teilt die "SZ" mit. Der österreichische Historiker habe in die Debatte um den sowjetischen Diktator und den Sinn seiner Offerte nun überraschende Ergebnisse und faktenreiches Material eingebracht, lobt der Rezensent. Minutiös schildere er die Entstehung der Note 1951 und belege das Ziel der russischen Regierung, die westlichen Mächte mit einem vorgetäuschten Vereinigungsangebot bloßzustellen. Zudem führe Ruggenthaler dem Leser gekonnt die "Absurdität des diplomatischen Balletts der Großmächte" vor Augen, in dem er neue Erkenntnisse über die "Notenschlacht" hinzugefügt habe. Ruggenthaler sei der Nachweis zu verdanken, dass Stalin durch das fingierte Angebot, bei dem er sich sicher war, dass die Westmächte es ablehnen würden, seine Macht in der DDR sicher und ausbauen wollte. Durch diese Erkenntnis sei dem Autor die Entlarvung des erfolgreichsten Propaganda-Coups des Kalten Kriegs gelungen, kommentiert die "SZ". Bert Hoppe in Süddeutsche Zeitung, 11.1.2008 "Der Band enthält nicht nur die bisher weitaus umfangreichste Dokumentensammlung zur Frage der sowjetischen März-Note von 1952. Die von Ruggenthaler sorgfältig edierten und eingeleiteten Aktenstücke sind auch in ihrer Aussage so eindeutig, dass der Streit, welche Absichten Stalin damit verbunden habe, als abschließend entschieden gelten kann." Gerhard Wettig in HSozKult "Zur Beurteilung der deutschen Nachkriegspolitik ist diese Publikation ein wichtiger Diskussionsbeitrag." Birgit Laube in Gießener Allgemeine Zeitung 11/2007<<
http://www.amazon.de/Stalins-gro%C3%9Fer...n/dp/3486583980


In der alten Bundesrepublik war in jedem Leistungskurs der Oberstufe im Fach Gesellschaftskunde/Geschichte die Stalin-Nato mindestens eine Klassenarbeit wert. Unser damaliger Lehrer, ein Bewunderer von Lenin und das im Westen , stand der Stalin-Note skeptisch gegenüber. Man traute mehrheitlich in allen Lagern, von ganz links bis zu den Konservativen dem Genossen Stalin nicht über den Weg.
Jakob Kaiser und Ernst Lemmer aus der CDU oder Carlo Schmid und Herbert Wehner aus der SPD, die eine genauere Prüfung der Stalin-Note forderten, waren in der Minderheit. Das hing mit der Geschichte zusammen, mit der Bekämpfung der Sozialdemokratie schon in der Weimarer Republik. Genannt sei nur die Sozialfaschismusthese, die auch Stalin vertrat.

>>In Deutschland trug die an der Sozialfaschismusthese orientierte Politik der KPD, die in allen Funktionsträgern der Freien Gewerkschaften und der SPD erklärte Feinde sah, erheblich dazu bei, die Spaltung und Lähmung der Arbeiterbewegung, die indirekt mit zum Sieg des Nationalsozialismus beitrug, zu zementieren. Margarete Buber-Neumann, damals Mitglied der KPD, berichtete in ihren Erinnerungen, das Schlagwort sei ab Mitte 1929 „sogar von den gemäßigteren Elementen übernommen“ worden. Zwischen 1929 und 1934 bildete das Konzept des Sozialfaschismus die ideologische Konstante der KPD.
Die Priorität der Kommunisten für den Kampf gegen die als „sozialfaschistisch“ geschmähte SPD führte 1931 dazu, dass der vom republikfeindlichen Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten initiierte Volksentscheid zur Auflösung des preußischen Landtages gegen die von Otto Braun geführte sozialdemokratische Regierung Preußens neben den Rechtsparteien und der NSDAP auch von der KPD unterstützt wurde.(..) <<<
https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialfaschismusthese

Und ging dann weiter mit der Verfolgung von deutschen Kommunisten unter Stalin, der Verfolgung von Sozialdemokraten in der SBZ/DDR.
Wolfgang Leonhard, ein Kommunist aus der Gruppe Ulbricht, siedelte 1950 in die Bundesrepublik über und verbreitete im Westen seine Zweifel am Stalinismus. Das hatte alles auch mit der mehrheitlichen Ablehnung zu tun, sicherlich war aber auch die Haltung der Westalliierten in der Frage ausschlaggebend wenn nicht sogar hauptausschlaggebend.
Die Vereinigung Österreichs fand übrigens nach dem Tode Stalins unter Chruschtschow statt. Die Westalliierten sahen in ihm sicherlich einen verlässlicheren Verhandlungspartner als in Stalin.


Kurz eine Anmerkung zur Grenzdiskussion.
Die Nato hatte nicht nur eine gemeinsame Grenze mit den Ostblockstaaten in Mitteleuropa. Das NATO-Gründungsmitglied Norwegen und die Sowjetunion hatten ca. 200 km gemeinsame Grenze, Griechenland 500 km Grenze zu Bulgarien, und die Türkei über 200 km zu Bulgarien und über 500 km zur damaligen Sowjetunion.
Norwegen, Griechenland und die Türkei waren vor Überreichung der ersten Stalin-Note Mitglieder in der NATO.


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#56

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 25.10.2015 23:56
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Grenzläufer im Beitrag #55
... war in jedem Leistungskurs der Oberstufe im Fach Gesellschaftskunde/Geschichte die Stalin-Nato mindestens eine ...
freudscher Vertipper, hä? Na wie auch immer. Sicher war der NATO-Beitritt auch Griechenlands 1952 auch mit ein Moment welches Stalin zum Angebot wenigsten Deutschland neutral zu halten bewog. Zumal ja von 1947 bis 49 faktisch der erste Stellvertreterkrieg zwischen den Machtblöcken in diesem Land tobte ... Stichwort DSE (wird hier ä bissel oT *wink*, na totzdem mal weiterführende Literatur ... rutzen-verlag.de/publikationen/peleus59.html)


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#57

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 26.10.2015 12:41
von Grenzläufer | 1.783 Beiträge

Bereits 1950 verhandelte der NATO-Beirat mit der Türkei und Griechenland über einen Beitritt der Länder zur NATO.
Erst zwei Jahre später bot Stalin den Westalliierten die Wiedervereinigung Deutschlands an.
Auf der Konferenz des Beirates der NATO in Ottawa am 20.9.1951 wurde der Beitritt Griechenlands und der Türkei beschlossen. Am 18.2.1952 wurden Griechenland und die Türkei in die NATO aufgenommen, einen Monat später kam Stalin mit seinem Angebot.
http://www.nato.int/archives/1st5years/chapters/5.htm

Hast du dich jetzt über die Grenzen informiert? Nichts mit kompletter "Pufferzone"......
http://ddc.arte.tv/uploads/program_slide...age/2100603.jpg


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zuletzt bearbeitet 26.10.2015 13:17 | nach oben springen

#58

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 26.10.2015 13:30
von 94 | 10.792 Beiträge

Also wenn man sich Deutschland auf 'deiner' Grafik jetzt mal als weiß eingefärbt vorstellt, na da ist doch eine schöne Pufferzone. Nun, die Geschichte verlief halt bissel anders und so durfte ich meinen Dienst als Beitrag zur Friedenssicherung an einer Nahtstelle zwischen zwei Militärblöcken leisten. Na wie auch immer. Doch warum hat der Westen nun also die Verhandlungsangebote denn nun nicht angenommen? Von wem war doch gleich nochmal der Spruch mit dem halben Deutschland ganz?

Eine passende Analyse der damaligen Situation wird Christoph Heim zugeschrieben ...
Die Teilung Deutschlands war eine Folge des Zweiten Weltkriegs, und sie wurde durch einen westdeutschen Kanzler um Jahrzehnte verlängert. Denn als es Stalin zu dämmern begann, dass diese Aufteilung nicht langfristig zu halten sei und sein eigenes Imperium gefährde, machte er - durchaus eigennützig - den Vorschlag, Deutschland um den Preis der Neutralität wieder zu vereinen. Churchill unterbreitete einen gleichen Vorschlag, doch Adenauer, für den hinter der Elbe bereits Sibirien begann, lehnte diese beiden Angebote ab. "Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb", war seine Antwort, und so hielt die Teilung des Landes weitere vierzig Jahre an.

Nun, so hat's Adenauer wohl nie gesagt, dokumentiert dagegen ist ein Zitat des ersten Präsident dem Bundestag, welches er gern wiederholte: Lieber 41 Millionen Deutsche in Freiheit als 63 Millionen in Unfreiheit. War hier schonemal Thema ... 17. Juni 1953 (56)

P.S. etwas oT ... der einzige Grenzübergang zwischen Russland und Norwegen wird zur Zeit auch von Flüchtlingen aus dem nahen Osten auf Fahrrädern genutzt. Denn er ist nicht für Fußgänger.


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zuletzt bearbeitet 26.10.2015 13:35 | nach oben springen

#59

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 26.10.2015 15:42
von Gert | 12.362 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #58
Also wenn man sich Deutschland auf 'deiner' Grafik jetzt mal als weiß eingefärbt vorstellt, na da ist doch eine schöne Pufferzone. Nun, die Geschichte verlief halt bissel anders und so durfte ich meinen Dienst als Beitrag zur Friedenssicherung an einer Nahtstelle zwischen zwei Militärblöcken leisten. Na wie auch immer. Doch warum hat der Westen nun also die Verhandlungsangebote denn nun nicht angenommen? Von wem war doch gleich nochmal der Spruch mit dem halben Deutschland ganz?

Eine passende Analyse der damaligen Situation wird Christoph Heim zugeschrieben ...
Die Teilung Deutschlands war eine Folge des Zweiten Weltkriegs, und sie wurde durch einen westdeutschen Kanzler um Jahrzehnte verlängert. Denn als es Stalin zu dämmern begann, dass diese Aufteilung nicht langfristig zu halten sei und sein eigenes Imperium gefährde, machte er - durchaus eigennützig - den Vorschlag, Deutschland um den Preis der Neutralität wieder zu vereinen. Churchill unterbreitete einen gleichen Vorschlag, doch Adenauer, für den hinter der Elbe bereits Sibirien begann, lehnte diese beiden Angebote ab. "Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb", war seine Antwort, und so hielt die Teilung des Landes weitere vierzig Jahre an.

Nun, so hat's Adenauer wohl nie gesagt, dokumentiert dagegen ist ein Zitat des ersten Präsident dem Bundestag, welches er gern wiederholte: Lieber 41 Millionen Deutsche in Freiheit als 63 Millionen in Unfreiheit. War hier schonemal Thema ... 17. Juni 1953 (56)

P.S. etwas oT ... der einzige Grenzübergang zwischen Russland und Norwegen wird zur Zeit auch von Flüchtlingen aus dem nahen Osten auf Fahrrädern genutzt. Denn er ist nicht für Fußgänger.




das ist sehr kurios. das habe ich auch im TV gesehen. Die norwegische Grenzpolizei hat in ihrer Station hunderte Fahrräder stehen, denn nach dem Grenzübertritt nehmen die Flüchtlinge die Fahrräder nicht mit, die sie zuvor in Russland neu erworben hatten nur für diesen einmaligen Grenzübertritt


.
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#60

RE: Gab es 1952 eine reale Chance für die Einheit Deutschlands?

in DDR Staat und Regime 26.10.2015 17:44
von eisenringtheo | 9.190 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #59
(...)

das ist sehr kurios. das habe ich auch im TV gesehen. Die norwegische Grenzpolizei hat in ihrer Station hunderte Fahrräder stehen, denn nach dem Grenzübertritt nehmen die Flüchtlinge die Fahrräder nicht mit, die sie zuvor in Russland neu erworben hatten nur für diesen einmaligen Grenzübertritt

Und schnell geht es auch noch...
(...)Menschen gelangen aus Damaskus nach Storskog in weniger als 48 Stunden. Das ist ein kurzer Weg in ein Schengen-Land“, zitiert der TV-Sender den norwegischen Polizisten Hans Mollebakken.(...)
Weiterlesen: http://de.sputniknews.com/panorama/20150924/304503451.html
Theo


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