#1

DDR Justizminister Max Fechner

in DDR Staat und Regime 23.10.2015 14:12
von thomas 48 | 3.566 Beiträge

F. war vor 1933 Mitglied der SPD Fraktion des Preußischen Landtages.
Nach 1933 einige Jahre Häftling im KZ Sachsenhausen.
Nach dem 8.Mai 1945 wurde er Vorsitzender der SPD der sowj. Besatzungszone und unterstützte dabei den Zusammenschluß mit der KPD.
Im Jahre 1949 war er Mitglied des Zentralkomitee der SED und Justizminister.
Sexuell war er nur für Männer (wichtig)
Er führte auch die sogenannten Volksrichter ein.
Zum Massenstreik am 17.Juni 1953 verhielt er sich öffentlich relativ liberal, weil er ihn entsprechend der verfassungsrechtlichen Garantien für ein legitimes Mittel hielt.
Danach wurde er wegen seiner feindlicher Gesinnung verhaftet. Ihm wurde Boykotthetze und faschistische Propaganda vorgeworfen. Verstöße gegen die Kontrollratsdirektive Nr. 38 und den Artikel 6 der Verfassung.
Wegen seiner homosexuellen Neigungen wurde auch der alte § 175 des StGB für das Urteil benutzt.
Fechner wurde zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt.
1956 wurde er entlassen und starb 1973 im Alter von 81 Jahren.
Seit dem 12.1.1968 ist der § 175 ungültig.
(Prof Hans Girod, Kriminalist in Berlin)
--------------------------------------------------
Ich habe von dem Herrn Fechner noch nie was gehört)


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#2

RE: DDR Justizminister Max Fechner

in DDR Staat und Regime 23.10.2015 14:53
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #1
F. war vor 1933 Mitglied der SPD Fraktion des Preußischen Landtages.
Nach 1933 einige Jahre Häftling im KZ Sachsenhausen.
Nach dem 8.Mai 1945 wurde er Vorsitzender der SPD der sowj. Besatzungszone und unterstützte dabei den Zusammenschluß mit der KPD.
Im Jahre 1949 war er Mitglied des Zentralkomitee der SED und Justizminister.
Sexuell war er nur für Männer (wichtig)
Er führte auch die sogenannten Volksrichter ein.
Zum Massenstreik am 17.Juni 1953 verhielt er sich öffentlich relativ liberal, weil er ihn entsprechend der verfassungsrechtlichen Garantien für ein legitimes Mittel hielt.
Danach wurde er wegen seiner feindlicher Gesinnung verhaftet. Ihm wurde Boykotthetze und faschistische Propaganda vorgeworfen. Verstöße gegen die Kontrollratsdirektive Nr. 38 und den Artikel 6 der Verfassung.
Wegen seiner homosexuellen Neigungen wurde auch der alte § 175 des StGB für das Urteil benutzt.
Fechner wurde zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt.

1956 wurde er entlassen und starb 1973 im Alter von 81 Jahren.
Seit dem 12.1.1968 ist der § 175 ungültig.
(Prof Hans Girod, Kriminalist in Berlin)
--------------------------------------------------
Ich habe von dem Herrn Fechner noch nie was gehört)


Stand heute was darüber in der Thür. Allgemeine. Nach seiner Absetzung übernahm die berühmt-berüchtigte Hilde Benjamin seine Funktion (" Von nun an ging´s bergab....")
War eine diejenigen, die nicht genau auf der großen Linie, direkt oder indirekt durch Stalin vorgegeben, recht riskante und schlimme Zeit, obwohl ich diese nicht bewust so erlebt hatte als Kind. Es ist schwer, heute zu sagen, welche Maßnahmen waren notwendig, um die neue Gesellschaftsordnung und Machtkonstellation zu stabilisieren und nicht untergraben zu lassen und welche waren Schizophrenie, dem Verfolgungswahn und Verschwörungsängsten einiger sehr Mächtigen geschuldet. Halbweg realistisch könnten das wohl nur diejenigen sagen, die damals in mittleren und höheren Ebenen dabei waren und entsprechendes Insiderwissen haben, was tatsächlich hinter den Kulissen abgelaufen ist und wie es dann der übrigen Bevölkerung suggeriert wurde.



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#3

RE: DDR Justizminister Max Fechner

in DDR Staat und Regime 23.10.2015 15:12
von thomas 48 | 3.566 Beiträge

Das schlimme an dem Urteil finde ich, das man als kommunistischer (!?) Richter so einen alten § nehmen muss.
tho


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#4

RE: DDR Justizminister Max Fechner

in DDR Staat und Regime 23.10.2015 17:24
von eisenringtheo | 9.156 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #3
Das schlimme an dem Urteil finde ich, das man als kommunistischer (!?) Richter so einen alten § nehmen muss.
tho

Man hat einfach den Art. 6 der Verfassung genommen
(1) Alle Bürger sind vor dem Gesetz gleichberechtigt.
(2) Boykotthetze gegen demokratische Einrichtungen und Organisationen, Mordhetze gegen demokratische Politiker, Bekundung von Glaubens-, Rassen-, Völkerhaß, militaristische Propaganda sowie Kriegshetze und alle sonstigen Handlungen, die sich gegen die Gleichberechtigung richten, sind Verbrechen im Sinne des Strafgesetzbuches. Ausübung demokratischer Rechte im Sinne der Verfassung ist keine Boykotthetze.

Und/oder die
Kontrollratsdirektive Nr. 38: Verhaftung und Bestrafung von Kriegsverbrechern, Nationalsozialisten und Militaristen und Internierung, Kontrolle und Überwachung von möglicherweise gefährlichen Deutschen.
Das passte fast immer. Irgendwie ist doch jedermann "möglicherweise gefährlich". Das genügte damals zumindest für eine Internierung.
Und wenn doch nicht, holte man die Gesetzbücher aus dem Dritten Reich und früher hervor. War offenbar auch kein Problem
Theo


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#5

RE: DDR Justizminister Max Fechner

in DDR Staat und Regime 24.10.2015 11:39
von Klauspeter | 986 Beiträge

Noch 2 kleine Ergänzungen zur Biographie des Max Fechner:

Ich zitiere mal Wikipedia:
Am 24. Juni 1956 wurde Max Fechner aus der Haft entlassen und zwei Tage später im Zuge der Entstalinisierung von 1956 zusammen mit Paul Baender und Paul Szillat und 85 weiteren Verurteilten vom Präsidenten der Republik Wilhelm Pieck begnadigt.[7] Im Juni 1958 wurde seine Parteimitgliedschaft wiederhergestellt. Fechner erhielt 1965 den Vaterländischen Verdienstorden in Silber und 1967 in Gold sowie 1972 den Karl-Marx-Orden. Seine Urne wurde in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg beigesetzt. Die Deutsche Post der DDR gab ihm zu Ehren 1982 eine Sonderbriefmarke heraus.

Interessant ist auch, dass es eine Art Versöhnung zwischen Walter Ulbricht und Max Fechner gab. Ältere DDR-Fernsehgucker werden sie noch kennen - Hans Georg Poneskys beliebte Fernsehsendung "Mit dem Herzen dabei". Am 16.April 1966 überreichte Walter Ulbricht dem Max Fechner in dieser Sendung auf der Bühne des Friedrichstadtpalastes einen Blumenstrauß und umarmte Max Fechner. Eine öffentliche Geste der Versöhnung, welche Absicht auch immer dahinter gesteckt haben mag.

Beide Ergänzungen zur Biographie des Max Fechner halte ich schon für wichtig. Es ging eben doch nicht ganz so kalt in der DDR zu, wie machmal dargestellt.

@DoreHolm
Ich will Hilde Benjamin nicht entschuldigen.
Nicht vergessen sollten wir aber, dass ihr geliebter Mann im KZ ermordet wurde. Keine Entschuldigung, aber vielleicht doch eine kleine Begründung für ihren Hass gegen Verbrecher der Nazizeit.

Klaus


DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#6

RE: DDR Justizminister Max Fechner

in DDR Staat und Regime 28.10.2015 14:00
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #5
Noch 2 kleine Ergänzungen zur Biographie des Max Fechner:

Ich zitiere mal Wikipedia:
Am 24. Juni 1956 wurde Max Fechner aus der Haft entlassen und zwei Tage später im Zuge der Entstalinisierung von 1956 zusammen mit Paul Baender und Paul Szillat und 85 weiteren Verurteilten vom Präsidenten der Republik Wilhelm Pieck begnadigt.[7] Im Juni 1958 wurde seine Parteimitgliedschaft wiederhergestellt. Fechner erhielt 1965 den Vaterländischen Verdienstorden in Silber und 1967 in Gold sowie 1972 den Karl-Marx-Orden. Seine Urne wurde in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg beigesetzt. Die Deutsche Post der DDR gab ihm zu Ehren 1982 eine Sonderbriefmarke heraus.

Interessant ist auch, dass es eine Art Versöhnung zwischen Walter Ulbricht und Max Fechner gab. Ältere DDR-Fernsehgucker werden sie noch kennen - Hans Georg Poneskys beliebte Fernsehsendung "Mit dem Herzen dabei". Am 16.April 1966 überreichte Walter Ulbricht dem Max Fechner in dieser Sendung auf der Bühne des Friedrichstadtpalastes einen Blumenstrauß und umarmte Max Fechner. Eine öffentliche Geste der Versöhnung, welche Absicht auch immer dahinter gesteckt haben mag.

Beide Ergänzungen zur Biographie des Max Fechner halte ich schon für wichtig. Es ging eben doch nicht ganz so kalt in der DDR zu, wie machmal dargestellt.

@DoreHolm
Ich will Hilde Benjamin nicht entschuldigen.
Nicht vergessen sollten wir aber, dass ihr geliebter Mann im KZ ermordet wurde. Keine Entschuldigung, aber vielleicht doch eine kleine Begründung für ihren Hass gegen Verbrecher der Nazizeit.

Klaus

und zum "Dank" schickt sie eine alten Sozi, der für seine Überzeugung im KZ sass für nichts ins Gefängnis. Das kann man als normaler Mensch gedanklich nicht erfassen. Die Kommunisten und Stalinisten haben schon immer einen Sprung in de rSchüssel gehabt, eben wie Kurt Schumacher sagte ... rot lackierte Faschisten.FDafür wa rdie Benjamin ein besonders übles Beispiel. Kann mich noch gut an die Zeit erinnern, es war wie Hexenjagd. In diesem Fall konnten diese Idioten ja das Urteil noch korrigieren, die vielen unschuldigen Opfer, die sie der russischen Gestapo auslieferten und die in der Ljubljanka kurzerhand erschossen wurden, hatten nichts mehr von ihren späten Rehabilitierungen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 28.10.2015 14:05 | nach oben springen

#7

RE: DDR Justizminister Max Fechner

in DDR Staat und Regime 28.10.2015 19:02
von Klauspeter | 986 Beiträge

Hilde Benjamin fällte von 1949 bis 1953, neben Zuchthausstrafen von insgesamt 550 Jahren und 15-mal lebenslänglich, zwei Todesurteile (gegen Johann Burianek und Wolfgang Kaiser).

Johann Burianek:
Im März 1951 wurde er von der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) angeworben, in deren Auftrag er zahlreiche Sabotageakte, wie im VEB Secura, und erfolglose Brandanschläge auf die Weltfestspiele der Jugend und Studenten ausübte. Sein größtes Vorhaben war die für den 21. Februar 1952 vorgesehene Sprengung einer Eisenbahnbrücke bei Erkner, um den Blauen Expreß, den D-Zug Berlin-Warschau-Moskau, zum Entgleisen zu bringen. Er hätte dabei den Tod von Menschen in Kauf genommen. Der Sprengstoff für diesen Anschlag wurde Burianek von der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit ausgehändigt.

Wolfgang Kaiser:
Kaiser fertigte Lunten für Flugblattballons, aus denen die KgU in großen Mengen Flugblätter, Zeitungen und andere Schriften über der DDR abregnen ließ. Zusätzlich stellte er Nebel- und Stinkbomben und Brandsätze zum Inbrandsetzen von Propagandatafeln her. Letztere gab die „Widerstandsabteilung“ der KgU in Form von zwei Kubikzentimeter großen Glasampullen an ihre Auftragnehmer in der DDR aus. In seinen Räumen verfügte Kaiser über eine größere Anzahl von Ampullen und experimentierte offenbar mit vielen in kleinen Mengen angeschafften Stoffen.
( nach Wikipedia )

Klaus


Rostocker hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#8

RE: DDR Justizminister Max Fechner

in DDR Staat und Regime 28.10.2015 23:49
von StabsfeldKoenig | 2.616 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #7
Hilde Benjamin fällte von 1949 bis 1953, neben Zuchthausstrafen von insgesamt 550 Jahren und 15-mal lebenslänglich, zwei Todesurteile (gegen Johann Burianek und Wolfgang Kaiser).

Johann Burianek:
Im März 1951 wurde er von der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) angeworben, in deren Auftrag er zahlreiche Sabotageakte, wie im VEB Secura, und erfolglose Brandanschläge auf die Weltfestspiele der Jugend und Studenten ausübte. Sein größtes Vorhaben war die für den 21. Februar 1952 vorgesehene Sprengung einer Eisenbahnbrücke bei Erkner, um den Blauen Expreß, den D-Zug Berlin-Warschau-Moskau, zum Entgleisen zu bringen. Er hätte dabei den Tod von Menschen in Kauf genommen. Der Sprengstoff für diesen Anschlag wurde Burianek von der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit ausgehändigt.

Wolfgang Kaiser:
Kaiser fertigte Lunten für Flugblattballons, aus denen die KgU in großen Mengen Flugblätter, Zeitungen und andere Schriften über der DDR abregnen ließ. Zusätzlich stellte er Nebel- und Stinkbomben und Brandsätze zum Inbrandsetzen von Propagandatafeln her. Letztere gab die „Widerstandsabteilung“ der KgU in Form von zwei Kubikzentimeter großen Glasampullen an ihre Auftragnehmer in der DDR aus. In seinen Räumen verfügte Kaiser über eine größere Anzahl von Ampullen und experimentierte offenbar mit vielen in kleinen Mengen angeschafften Stoffen.
( nach Wikipedia )

Klaus



Würden heutzutage Linksextreme oder Islamisten (bei Rechtsextremen ist Polizei und Justiz eher blind) vergleichbare Handlungen begehen oder vorbereiten, würde man diese wegen Terrorismus vor Gericht stellen und einsperren. Was wieder mal zeigt, es ist nur eine Frage des Standpunktes, ob man jemandem zum Helden oder Schurken erklärt.



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