#1

Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 06.09.2009 19:18
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Hallo und Guten Tag,

bei der Suche nach Informationen zu meiner Familie väterlicherseits, die ich nun schon einige Jahre betreibe, geht mir ein "Ereignis" nicht aus dem Kopf. Na ja, eigentlich ist es genau umgekehrt, ich krieg es nicht in den Kopf! Hatte das Thema auch schon mal in unserem Forum angesprochen, jedoch ohne dabei eine wirkliche Erklärung zu bekommen. Mittlerweile sind aber so viele neue Leute dazugekommen, dass ich meine Anfrage einfach noch mal stellen muss. Vielleicht kennt ja jemand von Euch einen ähnlichen Fall?!

Folgendes:
Mein Vater floh zwischen 1949 und 1950, ebenso wie einer meiner Onkel, in den Westen. Eine Tante sollte folgen, sie verließ jedoch der Mut, dies nur nebenbei.
1950 bis 1954 war dann mein Vater in der Fremdenlegion, davon etwa 3 1/2 Jahre in Indochina. Der Onkel hielt sich währenddessen am Niederrhein auf, war "Landarbeiter" und wohnte jeweils bei dem Bauern wo er arbeitete.
Mein Vater kehrte nach Deutschland zurück, der Onkel meldete sich zeitgleich am Niederrhein ab und in der Nähe von Hannover bei einem (mir namentlich bekannten) Bauern an. Ich vermute in der Zeit einen missglückten Rückkehrversuch der Brüder in die DDR.
Etwa einen Monat später meldete sich zuerst mein Vater, wenige Tage danach auch mein Onkel in Freiburg an. Beide wohnten die nächsten Jahre zusammen hier im "sonnigen Süden".
Im Dezember 1956 ging mein Onkel dann wieder an den Niederrhein zurück, meldete sich dort aber schon wieder im Januar 1957 nach "Neukirchen" ab. Er kam nach meinen Informationen aber niemals in einem Neukirchen an, sein Umzug dorthin wurde auch nie bestätigt.
Seltsamerweise heirateten meine Eltern im Januar 1957, auch meine Wenigkeit erblickte das Licht der Welt, während der Onkel offensichtlich die Rückkehr in die DDR vollzog.
Mein Onkel heiratete dann (anscheinend) noch im Jahre 1957 in der DDR. Wohnte und arbeitete (in der Landwirtschaft) in einem Nachbarort zum Wohnort der Familie ...

Was mich jetzt interessieren würde ist:

- Wie kann man sich damals eine Rückkehr vorstellen? "Guten Tag, alles klar, ich bin zurück", sicher nicht, oder?
- Anfang 1957 zurück in die DDR, im gleichen Jahr Hochtzeit, Arbeit, kurzum ein ganz normales Leben? Wie, oder warum, unter welchen Umständen war so etwas möglich?

So, Jungs und Mädels lasst mal die Köpfe rauchen, der alte Wolfgang ist schon sehr gespannt!


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#2

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 06.09.2009 19:22
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Schön das du wieder da bist.



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#3

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 06.09.2009 19:30
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Dankeschön, die Sehnsucht treibt mich. Ernsthaft: Hab einige "Situationen" so weit bewältigt, dass ich wieder öfters Zeit finden werde hie meinen Senf dazuzugeben


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#4

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 06.09.2009 19:39
von manudave (gelöscht)
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Wolfgang mein Freund,

schön dich wieder bei uns zu haben.


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#5

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 06.09.2009 19:46
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Na dann , mein Gutster!


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#6

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 06.09.2009 22:09
von Berliner (gelöscht)
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Hallo Wolfgang B., auch ich begruesse Dich ganz herzlich (und ueber den Teich) hier im Forum.

Schoen Dich wiederzusehen...

Berliner


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#7

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.09.2009 08:46
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Auch Dir @Berliner, Dankeschön und

Aber bitte Leute, lasst das hier nicht nur zu einer Begrüßungsarie verkommen, wäre mir dann doch etwas peinlich.


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#8

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.09.2009 09:25
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Wolfgang altes Haus,
Das braucht Dir doch nicht peinlich sein! Im Gegenteil da kannt Du einmal sehen Deine Freunde haben Dich vermisst! Ich auch!!
Gruß Peter(turtle)


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#9

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.09.2009 09:50
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@wolfgang, ich glaube, dass eine rückkehr in die ddr bis zum 13. august 1961 relativ unproblematisch war und erst nach grenzschliessung die zentralen-aufnahme-heime eingerichtet wurden.
alles was etwas mysteriös ist und im dunkeln liegt muss nicht gleich zwangsläufig mit dem mfs zu tun haben.
leider kann ich dir nicht weiterhelfen.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#10

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.09.2009 12:07
von Peter F. (gelöscht)
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Ich fand es schon unverständlich und blöd, wenn DDR-Flüchtige nach ihrem Turn über die innerdeutsche Grenze, im Wagen eines Fluchthelfers oder einem westdeutschen Pass über ein Drittland in den Westen, nach Wochen, Monaten oder Jahren wieder in die DDR zurückkehrten, obwohl sie wussten dass sie im DDR-Fahndungsbuch verewigt waren, dass schon den MfS-Kontrolleuren am Grenzübergang vorlag. Und der Staatsanwalt wartete schon mit der großen Kelle, um vor Gericht als Strafantrag mehrere Jahre einzuschenken, die die Strafkammer in der Regel auch verhängte. Wohl nur in den Fällen einiger hoher Grenzoffiziere soll vom höchstgöttlichen Mielke selber Absolution ohne Knastbuße erteilt worden sein, vorausgesetzt die "Delinquenten" zeigten ernsthafte Reue... In diesem Sinne. Gruß Peter


Ein Vorsatz - das ist wie ein Aal. Fasst Du einen, dann halt ihn mal. (Verfasser unbekannt)


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#11

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.09.2009 12:18
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Peter F.
Ich fand es schon unverständlich und blöd, wenn DDR-Flüchtige nach ihrem Turn über die innerdeutsche Grenze, im Wagen eines Fluchthelfers oder einem westdeutschen Pass über ein Drittland in den Westen, nach Wochen, Monaten oder Jahren wieder in die DDR zurückkehrten, obwohl sie wussten dass sie im DDR-Fahndungsbuch verewigt waren, dass schon den MfS-Kontrolleuren am Grenzübergang vorlag. Und der Staatsanwalt wartete schon mit der großen Kelle, um vor Gericht als Strafantrag mehrere Jahre einzuschenken, die die Strafkammer in der Regel auch verhängte. Wohl nur in den Fällen einiger hoher Grenzoffiziere soll vom höchstgöttlichen Mielke selber Absolution ohne Knastbuße erteilt worden sein, vorausgesetzt die "Delinquenten" zeigten ernsthafte Reue...



@peter, zeigten sie nicht schon "reue" indem sie zurückkehrten? meines erachtes wurde die strafe immer ausgesetzt...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
zuletzt bearbeitet 07.09.2009 12:19 | nach oben springen

#12

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.09.2009 12:58
von Peter F. (gelöscht)
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Zitat GilbertWolzow
@peter, zeigten sie nicht schon "reue" indem sie zurückkehrten? meines erachtes wurde die strafe immer ausgesetzt...
___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Hallo Gilbert, es mag möglich sein, dass bei "normalen" Rückkehrern die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde. Aber ich weiß auch aus der Vergangenheit von Fällen, wo Leute zurückkamen und eine "Kelle" von etlichen Jahren bekamen, sicherlich wurden sie dann bei guter Führung vorzeitig entlassen.

Vergessen habe ich aber noch eine andere Kategorie von Leuten, die ebenfalls abgehauen waren also somit in den Fahndungsbüchern der DDR standen, und beim Benutzen der Transitwege zwischen Bundesrepublik und Westberlin in der DDR festgenommen und "verknackt" wurden wegen ihrer Republikflucht (§ 213 DDR-StGB). Ein Fall stamt aus dem Jahr 1969. Es handelt sich hier um den Sohn einer Mutter, die regional ein leitendes SED-Mitglied im Parteiapparat war. Der Sohn war 1968 nach Westberlin geflüchtet - nach seinen eigenen Erzählungen über die Mauer des geteilten Berlins. Mit seinen politischen Ansichten war er "das gegenteil seiner Mutter". In Berlin (West) war ein Konzert irgendeiner international bekannten Rockband angesagt, und der junge Mann - Rockfan - setzte sich in Hamburg in den Zug nach Berlin. Seine Fahrt endete aber in der Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen. Er bekam wg. "ungesetzlichen Grenzübertritts" drei oder vier Jahre, kam aber dann vorzeitig frei. Ob die Mutter ein "einflussreiches gutes Wort" bei den Justizbehörden oder anderweitig eingelegt hat, ist nicht bekannt. Der Freilassungsgrund hieß "gute Führung", die Reststrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Habe den jungen Mann später aus den Augen verloren - war kein Freund von mir. Er soll später "brav" in der DDR geblieben sein. In diesem Sinne. Gruß Peter


Ein Vorsatz - das ist wie ein Aal. Fasst Du einen, dann halt ihn mal. (Verfasser unbekannt)


zuletzt bearbeitet 07.09.2009 12:58 | nach oben springen

#13

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.09.2009 13:14
von Alfred | 6.853 Beiträge

Peter,

aber bitte nicht immer alles auf Herrn Mielke schieben.

Es gab auch den § 25 des StGB der DDR:

§ 25. Absehen von Maßnahmen der strafrechtlichen Verantwortlichkeit. Von Maßnahmen der strafrechtlichen Verantwortlichkeit ist abzusehen,
1. wenn der Täter durch ernsthafte, der Schwere der Straftat entsprechende Anstrengungen zur Beseitigung und Wiedergutmachung ihrer schädlichen Auswirkungen oder durch andere positive Leistungen beweist, daß er grundlegende Schlußfolgerungen für ein verantwortungsbewußtes Verhalten gezogen hat und deshalb zu erwarten ist, daß er die sozialistische Gesetzlichkeit einhalten wird;


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#14

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.09.2009 19:59
von glasi | 2.815 Beiträge

teoretisch hört sich das ja gut an . aber was ist mit der praxis.



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#15

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.09.2009 20:24
von Alfred | 6.853 Beiträge

Glasi,

wurde auch in der Praxis realisiert.


zuletzt bearbeitet 07.09.2009 20:24 | nach oben springen

#16

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.09.2009 20:32
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Hallo zusammen,

nochmals zur eigentlichen Ausgangsfrage.
Da ich bisher keine diesbezügliche Literatur fand, mir bisher weder ein persönlich Betroffener, ein Zeitzeuge oder sonst irgendeine Person erklären konnte, wie die von mir beschriebene Rückkehr im Jahre 1957 ablief bzw. ablaufen hätte können, interessiert mich eine Antwort natürlich immer noch brennend.

Die Flucht des Vaters und eines Onkels 49/50 in den Westen war schon damals nicht ganz ungefährlich, wie wir alle wissen. Und sie ging doch "nur" über die grüne Grenze.
Wie aber kann man sich die derart "unkomplizierte" Rückkehr 1957 vorstellen?
- Einreiseantrag?
- Am Schlagbaum der BRD-Onkels vorbei zu den Ostkollegen: "Tach auch Jenossen, ik bin zurück, wa"?
- Zurück über die immer noch "grüne Grenze", heim zu Muttern und so tun als ob man die letzten 7/8 Jahre verschlafen hätte?

Kennt keiner hier im Forum vergleichbare Fälle, oder dementsprechende Literatur, sonstige Quellen?


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#17

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 07.09.2009 20:36
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von Alfred
Glasi,

wurde auch in der Praxis realisiert.


und wie sah das aus. ich denk mal einmal geflohen sah die rückker nicht so einfach aus.



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#18

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 08.09.2009 12:22
von Ernest | 210 Beiträge

Unkomplizierte Rückkehr in die DDR ?????

Hmmmmmmm, bei der Fragestellung kommen mir Gedanken auf, die ich damals an der Grenze hatte.

Ich hatte zwar nie den generellen Vorsatz abzuhauen, nur da es so leicht und auch fast täglich möglich war, dachte man doch sehr, sehr oft über ein """""was wäre wenn"""" nach. Um ehrlich zu sein, über den Ablauf einer Flucht hat man schon nachgedacht und das nicht nur einmal. Schon alleine aus dem Grund, weil man so gesehen zu den "Auserwählten" gehörte, denen es möglich war.

Die Flucht an sich wäre das Problemloseste dabei gewesen.
Aber dann kam die Frage, """""wie geht es weiter ????"""" , """was kommt danach????""""
Hat man einmal den Schritt in diese Richtung getan, dann mußte man es durchziehen, ein Zurück gab es dann nicht. Diese Entscheidung hatte etwas so extrem Endgültiges an sich, daß machte mir Angst.

Ich hatte zwar genug Westverwandtschaft, die mich vielleicht für`s erste aufgefangen, sich auch gefreut hätte. Man hätte das, wovon man immer geträumt hat, man würde sich sehen können. Nur ich kam ja nicht auf Besuch, also wäre das in dem Fall auch kein "Auffanglager" für ewig für mich.

Und dann kamen die nächsten Fragen...........wie baust du dir ein neues Leben auf ?????????
Man steht alleine, gerade mal 19/20 Jahre alt, in einer Welt, die man nur von Hören-Sagen kennt.....alleine ohne Rückenhalt. Es kann alles wunderbar klappen und man ist überglücklich, aber was, wenn es nicht so klappt. Rückgängig machen konnte man alles nicht mehr. Dazu war der Schritt zu einschneidend.
Ja, was macht man, wenn wirklich alles in die Hose geht und nichts von dem eintritt, was man sich erhofft hat. Obwohl ich so gesehen nicht mal richtig wußte, was ich mir eigentlich erhoffe.
Jedenfalls konnte ich dann nicht einfach sagen. """""och, dann führe ich halt mein altes Leben weiter."""". Das würde dann bestimmt nicht mehr so problemlos, wie die Flucht verlaufen.

Ich glaube die ganze Thematik hat mich damals abgehalten, ernsthaft über so einen Schritt nachzudenken.
Erstens die Entgültigkeit so einer Entscheidung und zweitens halt die Ungewissheit.

Hätte nicht jeder damals die Möglichkeit haben müssen, sein Wohl dort zu suchen, wo er es für richtig hält ???? Findet er sein Glück, dann ist es ok, na und wenn nicht, dann kehrt er eben zurück und lebt so wie bisher.
Halt jeder wie er möchte und wie er es mag.
Das mag vielleicht etwas naiv klingen, nur irgendwie auch logisch.

Meine Patentante ist hier (im Osten) bei ihrer Tante (Schwester meiner Mutter) groß geworden. Durch die Kriegswirren, Bombardement usw. kam sie noch zu Kriegszeiten aus einer Westdeutschen Großstadt hier her, weil es hier sicherer war. Erst mit 16 kehrte sie dann (jetzt nach Essen)zu ihrer Mutter zurück. Als sie Volljährig war, zog sie wieder in den Osten, weil hier ihre Wurzeln waren, weil sie hier groß geworden ist und es als ihre "Heimat" empfand. Hat geheiratet, ein Pädagigikstudium aufgenommen und bis zu letzt als Lehrerin gearbeitet.
Ich glaube in die DDR zurückgezogen ist sie etwa 1963/64.
Soweit ich es von Erzählungen kenne, verlief zu der Zeit und speziell in dem Fall alles sehr problemlos.
Nur die damalige Zeit war vielleicht noch eine andere und der Fall hatte auch keine Flucht zur Grundlage.

Das waren Gedanken, die mir spontan beim Lesen der Überschrift einfielen. Hoffe ich hab niemanden gelangweilt, aber irgendwie mußte ich es loswerden.

Gruß
Herbert


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#19

RE: Unkomplizierte Rückkehr in die DDR?

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 08.09.2009 20:57
von muts | 89 Beiträge

Hallo,
ich habe gerade eine Erzählung von Friedrich Christian Delius "Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus gelesen".
Nett geschrieben, wirklich zu empfehlen.
Es handelt von einem DDR Bürger der einmal im Leben, auf den Spuren von Johann Gottfried Seume, Italien bereisen will. Da ihm auf legalem Weg die Reise nicht gestattet wird, flüchtet er mit einem Segelboot über die Ostsee nach Dänemark. Nach seiner Italienreise kehrt er wie angekündigt, in die DDR zurück, wird von der Stasi verhört, bleibt einige Wochen in einem Aufnahmelager und darf dieses dann ,ohne rechtliche Konsequenzen, nach Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen ihn verlassen und sein Leben weiterführen als ob nichts gewesen wäre.

Es ist Literatur, also bleibt immer die Frage nach Dichtung und Wahrheit, und künstlerischer Freiheit.
Diese Geschichte soll aber auf einer tatsächlichen Begebenheit beruhen. Googelt doch mal!

Ein Auszug vom Ende der Geschichte :
Zitat Anfang :

Es drängt ihn, so rasch wie möglich wieder in die Normalität der Arbeit zu fliehen, und er erhält seine alte Stelle als Buffetier wieder,Arbeitsbeginn nach Weihnachten.
Anfang Dezember ein Schreiben der Staatsanwaltschaft, er habe sich zur "Klärung eines Sachverhaltes" einzufinden. Die Formulierung läßt alle Möglichkeiten offen, darum geht er zuerst zum Rechtsanwalt Breitenbach. Der begrüßt ihn herzlich und gratuliert zur Reise ebenso wie zur Rückkehr. ... "Das Schreiben von der Staatsanwaltschaft" sagt er,"bedeutet mit Sicherheit nur, daß das Verfahren eingestellt wird und daß Sie das quittieren müssen, wie das so üblich ist. Sie brauchen keine Angst zu haben. Aber wenn Sie dahin gehen, entschuldigen Sie sich für nichts! Die müssen sich bei uns entschuldigen, daß sie uns so leben lassen!"

-War Breitenbach nicht der, der später eine dieser neuen Parteien gründete und dann als IM der Staatssicherheit enttarnt wurde?
-Ja. trotzdem hat er offenbar nichts von der Reisesehnsucht des Paul Gompitz verraten
-Aber warum nicht?
-Das ist wieder eine andere Geschichte.

Zitat Ende

Gruß
Matthias


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