#1

Episoden aus dem Fallschirmjägerleben – Hundeausbildung

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 29.09.2015 10:19
von Beethoven | 137 Beiträge

Schrieb mal für ein anderes Forum diesen Beitrag. Ich setze diesen eigentlich nur ein, damit im Bereich NVA ein bisschen was zu lesen ist.

---------------------------------

Die Französische Armee (siehe Barett 1/98) setzt bei infantristischen- und anderen Spezialeinheiten den treuesten Freund des Menschen, den Hund auch zu Kampfeinsätzen ein.
In Deutschland wurde der Hund im I. WK als „Kurier- und Sansoldat“ eingesetzt.
Ich denke jede Polizei eines Staates nutzt die Instinkte des Hundes als Such- und Spürhund, als Schutzhund oder zu anderen speziellen Zwecken (Aufspüren von Sprengstoffen, Rauschgiften usw.) Der Hund hört um ein 14 – faches und riecht bis zu 700-fach besser als der Mensch. Das ist unvorstellbar für mich.

In der NVA war eigentlich die Ausbildung mit Hunden (bis auf gewisse Sicherungseinheiten und die Grenztruppen der DDR) unüblich. Im Handbuch für Fallschirmjäger kann man unter dem Abschnitt 7.2.2. etwas über das Abschütteln von Hunden lesen. Ich konnte zweimal an Ausbildungen teilnehmen, wo wir mit Hunden zu tun hatten. Sehr interessant war der vorrangehende theoretische Teil. Hier wurden wir grob über die Anatomie eines Hundes informiert, über seine starken und schwachen Seiten und wie man Hunde abschütteln kann. Im Großen und Ganzen das, was auch im Fallschirmjägerhandbuch steht.
- Die Spur mit Präparaten bestreuen, damit der Hund kurzzeitig den Geruch verliert. Da bieten sich an, Chilipfeffer oder andere ätzende Chemikalien, die sich nicht so schnell
verflüchtigen, Benzin oder Petroleum auf die Fährte oder Tierkadaver eine bestimmte Zeit hinter sich her ziehen und dann die Spur durch einen Sprung verlassen.
- In einem Bach - mit der Windrichtung - laufen und mit einem großen Sprung aus dem
Fluß / Bach oder an einem überhängenden Ast den Fluß / Bach verlassen und
nach einigen Metern erst wieder auf den Boden kommen. Die erneute Spuraufnahme
verlangt viel Zeit.
- Laufen von großen Schleifen oder Achten und dann so handeln, als ob man einen Fluß /
Bach verläßt.
Alle Jäger müssen beim Verlassen des Wassers oder der Schleife in die gleiche Spur springen
und keine Fußabdrücke hinterlassen.

Wie werden Hunde nun eingesetzt ?
Die übliche Form bei Jagdgruppen dürfte der Spürhund sein, der an der langen Leine geführt wird. Hier kann der Jäger die oben genannten Mittel zum Abschütteln anwenden. Der dann losgelassene Hund, kann eigentlich nur noch getötet werden. Dazu komme ich noch.

Hundemeuten (3 bis 5 Hunde) werden dann eingesetzt, wenn dem Gegner bekannt ist, dass sich die Fallschirmjäger in einem bestimmten Gebiet aufhalten, aber der genaue Standort nicht bekannt ist. Der Einsatz geschieht wie folgt.
Jede Meute hat ein Leittier dem alle anderen der Meute folgen. Die Meute wird am Rand des
zu durchsuchenden Gebietes angesetzt. Auf der anderen Seite dieses Gebietes befindet sich ein Partner, der mittels Hundepfeife die Meute zu sich „pfeift“. Nun „rammelt“ die Meute in Richtung Hundepfeife. In der Zwischenzeit bewegt sich derjenige, der die Meute ansetzte vorwärts. Ist die Meute beim ersten „Pfeifer“ angekommen, informiert er den anderen „Pfeifer“ der sich ca. 100 m vor bewegt hat über Funk. Nun pfeift dieser auf der Hundepfeife und die Meute „rammelt“ wieder los. Nun marschiert der erste „Pfeifer“ wider voran um zu pfeifen, wenn die Meute bei seinem Partner ist. So läuft die Meute mehr oder weniger im Zickzack durch das Gebiet und verbellt jeden oder greift sogar jeden an, dem sie auf ihrer Hetzjagd aufspüren.
Das geschieht natürlich mit viel Radau und Gebelle. Das ist das Zeichen für die Fallschirmjägergruppe.
Wenn nicht sofort ein Jagdkommando zur Verfügung steht, welches sich während des Verbellens sofort annähert, haben die Jäger die Chance, sich auf Bäume oder ähnliches
zu flüchten und durch den gezielten Schuß den Leithund und einige andere zu töten. Damit
können sie der Meute den Mut zum Angriff nehmen und sich absetzen. Klar ist aber, daß dann der genaue Standort bekannt ist und ein Jagdkommando kann angesetzt werden.

Stehen Bäume oder ähnliches nicht zur Verfügung, wird um eine Meute abzuwehren, wie folgt gehandelt (ob es klappt weiß ich allerdings nicht – ist also nur theoretisch – siehe Skizze). Die Jäger pflanzen ihr Seitengewehr (Bajonett) auf, es wird ein volles Magazin geladen und auf Einzelfeuer gestellt. Angriffshandgranaten bereit halten. Die EG stellt sich in Keilform auf. Zwischen den Schenkeln des Keiles stehen zwei Soldaten mit dem lMG oder einem lMG und einer Mpi. Der Abstand zwischen den Soldaten im Keil, sollten 1 bis 3 m betragen. Da die Hunde in der Regel auf die Kehle oder den Arm gehen, wird die Waffe wie beim Nahkampf in Vorhalte gebracht. Die Hunde springen aus einer Entfernung von 2 – 4 Meter vorher ab. Die Hunde wiegen zwischen 45 – 60 kg. Also ist der Aufprall mit großer Wucht verbunden. Als erstes wird auf 30 – 50 m die Meute mit Handgranaten (RGD – 5 Angriffshandgranate) abgewehrt. Das wird die Meute aber nur wenig dezimieren. Der Jäger der angesprungen wird, sollte eine Meidbewegung machen, um der Wucht des Aufpralles zu entgehen und den Schwung des Sprunges nutzen und versuchen mit dem Seitengewehr (Bajonett) den Hund im Sprung mit dem Seitengewehr zu „erwischen“ und zwischen die Schenkel des „Menschenkeiles“ schleudern. Dort wird der Hund dann, wenn er noch lebt durch die beiden, zwischen den Schenkeln stehenden Soldaten getötet. Springen die Hunde nicht an sondern nähern sich flach an, sind sie durch das gezielte Einzelfeuer der Soldaten in den Schenkeln des Keiles, auf kurze Entfernung, zu erschießen (jetzt höre ich schon den Aufschrei der Tierschützer).

Als Offiziersschüler erwischte uns mal bei der Fernaufklärungsausbildung eine Hundemeute im Warteplatz, mit im wahrsten Sinne des Wortes, herunter gelassenen Hosen. Zum Glück hatten die Hunde alle einen stählernen Beißkorb um. Aber uns allen ging trotzdem„ der Arsch auf Grundeis“. Wenn so ein Rottweiler über einem sitzt und beißen will, denkt man schon an sein „Mütterchen“.

Als Meutehunde werden in der Regel Rottweiler, Dobermannpinscher und Schäferhunde eingesetzt. Sie alle sind scharf gemacht und schußfest. Das heißt, sie scheuen nicht vor dem Knall zurück. Aber sie registrieren sehr wohl, wenn um sie herum die anderen Hunde sterben.
Der Keil muß recht flexibel sein, damit bei einem Durchbruch, die Lücke geschlossen werden kann bzw. der Keil beweglich ist.

Beethoven

Angefügte Bilder:
exgakl hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#2

RE: Episoden aus dem Fallschirmjägerleben – Hundeausbildung

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 29.09.2015 11:53
von SET800 | 3.094 Beiträge

Fallschirm, Humor, etwas weg vom Thema:

Einweisung vor dem 1. Sprung:

Sprung aus 1400m, ihr habt einen automatischen Schirm, falls der versagt einen Reserveschirrm, ein LKW wird euch einsammeln, ihr müsst nicht mit der Ausrüstung weit laufen..

Start und Flug:
Piloten, heute wegen Wolken nur aus 900m, rauuus!!!!
Automatikschirm öffnet nicht?
Reserveschirm auch nicht.
"Scheisse" so wie das sehe wir das mit dem LKW auch nicht klappen....



Kalubke hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.09.2015 11:54 | nach oben springen

#3

RE: Episoden aus dem Fallschirmjägerleben – Hundeausbildung

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 30.09.2015 07:19
von Beethoven | 137 Beiträge

OK, ich merk schon, militärische Themen gehen hier nicht.

Trennung

Aus 1400 m mit automatischer Öffnung wirst Du in keiner Armee der Welt finden außer bei Spezialisten als Eindringvariante (siehe meinen Beitrag dazu) mit Gleitertechnik.
Bei 1400 m mit einem militärischen Rundkappenschirm finden sich die Soldaten am Boden nicht wieder, so weit werden sie verstreut sein. Ziehe 1000 m von der Absprunghöhe ab und gleiche die anderen Zahlen an, dann geht der Witz in Ordnung.

Gruß


Harsberg hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#4

RE: Episoden aus dem Fallschirmjägerleben – Hundeausbildung

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 30.09.2015 08:16
von Harsberg | 3.245 Beiträge

Zitat
OK, ich merk schon, militärische Themen gehen hier nicht.



Hast du was anderes erwartet?


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
nach oben springen

#5

RE: Episoden aus dem Fallschirmjägerleben – Hundeausbildung

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 30.09.2015 08:27
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Das sind sehr spezielle Themen, von denen die meisten, mich eingeschlossen, kaum Ahnung haben. Auf jeden Fall sehr informativ, aber mit den eigenen Beiträgen wirds schwer. Hatte beruflich mit einem Ex-Falli zu tun, der erzählte mir von seiner Ausbildung. Die Strapazen klangen beängstigend. Er rannte auch noch im November mt kurzärmeligem T-Shirt rum.

Gruß Kalubke



LO-Wahnsinn und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 30.09.2015 08:29 | nach oben springen

#6

RE: Episoden aus dem Fallschirmjägerleben – Hundeausbildung

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 30.09.2015 09:26
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Beethoven im Beitrag #3
OK, ich merk schon, militärische Themen gehen hier nicht.

Na aber ... schreib mal brav und tapfer weiter, 's is ja scho interessant zu lesen. Und wenn Du dann noch bereit bist, die ein oder andre humorvoll gemeinte Entgegnung zu übergehen, nun da sind Deine sogenannten 'Fachthemen' dann doch eine schöne Bereicherung hier.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#7

RE: Episoden aus dem Fallschirmjägerleben – Hundeausbildung

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 30.09.2015 10:38
von Harzwanderer | 2.921 Beiträge

Hier ist ein Film über einen winterlichen Fallschirmsprung aus nur 100 Meter Höhe (aus der An-2, ohne Hunde)

https://www.youtube.com/watch?v=HLOQ0ra6fr0


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#8

RE: Episoden aus dem Fallschirmjägerleben – Hundeausbildung

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 30.09.2015 15:49
von Beethoven | 137 Beiträge

Ja, das Filmchen kenne ich. Die Jungs springen mit dem DY-5 (Dora Ullrich-5), dem russischen Luftlandefallschirm.
Ich sprang den mal kurz nach der Wende in Fürstenberg, auf dem dortigen russischen Flugplatz. Der geht immer auf was ja auch gut ist.

Gruß


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#9

RE: Episoden aus dem Fallschirmjägerleben – Hundeausbildung

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 30.09.2015 16:02
von damals wars | 12.113 Beiträge

Ich habe mörderische Flug/ Höhenangstangst. Schon der Gedanken...

Was aber war, wenn so ein Hund Flugangst hatte? Pech gehabt?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
nach oben springen

#10

RE: Episoden aus dem Fallschirmjägerleben – Hundeausbildung

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 30.09.2015 16:37
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #9
... Pech gehabt?
Der Russe kennt da nix, da hängt zur Reklame auch mal eine Eselin an'nem Fallschirm ... na wie auch immer. Das Modell welches Beethoven meinte war sicher ein D-1-5u, (russischer) Spitzname 'Eichel' *fragendes_grins*


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 30.09.2015 16:37 | nach oben springen

#11

RE: Episoden aus dem Fallschirmjägerleben – Hundeausbildung

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 30.09.2015 16:45
von Harzwanderer | 2.921 Beiträge

Einen Reserveschirm kann man sich in der niedrigen Höhe vermutlich sparen.


nach oben springen

#12

RE: Episoden aus dem Fallschirmjägerleben – Hundeausbildung

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 01.10.2015 06:15
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Hi @Beethoven,

das LStR-40 hatte wenn ich mich nicht irre seinen Standort in Lehnin Beelitzer Straße (siehe Karte). Wo habt ihr geübt? In den angrenzenden Wäldern bis zum Berliner Ring oder südlich von Lehnin auf dem TÜP in der Hackenheide. Der schon erwähnte Ex-Falli erzählte was von einem täglichen 10km-Lauf (Flugplatzrunde) zum Frühsport. Aber ein Flugplatz war doch bei Euch gar nicht in der Nähe. Vlt. meinte er auch nur die Zeit der vermutl auswärtigen Sprungausbildung.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 01.10.2015 11:01 | nach oben springen

#13

RE: Episoden aus dem Fallschirmjägerleben – Hundeausbildung

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 01.10.2015 12:04
von Beethoven | 137 Beiträge

Na, in Lehnin wurden etwa 6 km zum Frühsport gelaufen.
Jeden Tag 10 km kann ich nicht verneinen und nicht bestätigen. Das war wohl in jeder Kompanie anders. Aber gerammelt wurde eigentlich immer.

Der Truppenübungsplatz Lehnin lag ja vor der Haustür, ca. 5 - 7 km entfernt, je welche Strecke man nutzte und da wurde immer im Laufschritt gehandelt (hin wie zurück).

Wir hatten aber auch viele Ausbildungsplätze im objektnahen Raum.
Ausbildungsplätze wie:
- Pionierausbildungplatz
- Beobachtungs- Aufklärungsplatz
- Schießkino
- Sturmbahn und andere Sportplätze und Anlagen
- Fallschirmgarten mit "Russischen Wunder"
- Chemieplatz und vieles andere mehr.

Gruß

Bild 1 Ausbildungsplätze im objektnahen Raum
Bild 2 Beobachtungsplatz
Bild 3 Kampfbahn
Bild 4 Kampfbahn
Bild 5 "Russisches Wunder" (Fallschirmsprungtrainingsgerät)
Bild 6 Spezialplatz Pionierausbildung

Angefügte Bilder:
Fritze, 94 und Kalubke haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.10.2015 12:24 | nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Bilder aus der Kindheit
Erstellt im Forum DDR Zeiten von PKE
8 08.06.2016 18:59goto
von PKE • Zugriffe: 1186
Die Seegrenze bei Dranske
Erstellt im Forum Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer von Eddy
3 10.07.2015 08:50goto
von Eddy • Zugriffe: 955
Meine Zeit im GAR 40 Oranienburg - Teil 2
Erstellt im Forum Grenztruppen der DDR von Pitti
1 03.03.2015 11:34goto
von rotrang • Zugriffe: 1712
Recht auf Erinnerung?
Erstellt im Forum Reste des Kalten Krieges in Deutschland von ABV
24 13.07.2014 13:44goto
von Barbara • Zugriffe: 2925
Lustige Episoden als Trabbifahrer
Erstellt im Forum Videos aus dem Alltag und Leben der DDR von SFGA
3 17.11.2010 21:25goto
von 94 • Zugriffe: 819

Besucher
19 Mitglieder und 86 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: loryglory
Besucherzähler
Heute waren 3119 Gäste und 168 Mitglieder, gestern 3466 Gäste und 184 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14358 Themen und 557083 Beiträge.

Heute waren 168 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen