#1

Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.09.2015 02:55
von B208 | 1.323 Beiträge

In Bezug auf die Filmdokumentation und die anschl. Beiträge im Thema - Fernsehtipp - hier nochmal folgende Frage .

Was habt ihr gedacht , wie habt ihr es verarbeitet , wie habt ihr danach gehandelt ? Wenn ihr in der Abriegelung eingesetzt wart .

Es geht NICHT um die Frage :- hätte ich geschossen- .

evtl. kann @Rostocker uns dazu ja etwas schreiben , er hatte die Problematik i.o. genanntem Thema angesprochen .


B208


zuletzt bearbeitet 17.09.2015 02:55 | nach oben springen

#2

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.09.2015 06:35
von Hanum83 | 4.662 Beiträge

Der Hauptgedanke war natürlich "hoffentlich kommt keiner" und nachts auch "hoffentlich ist es bald vorbei", weil du wieder ins Bett wolltest.
Die meisten Abriegelungen waren ganz unspektakulär und als Alarmgruppe öftere Routine, 4 Posten-Paare wurden einfach der Stelle gegenüber wo der Signalzaun ausgelöst hat, am Kollonnenweg postiert und der löste öfters aus, manchmal mehrmals in der Nacht.
Meistens dauerte die Aktion maximal eine Stunde und dann ging es wieder ins Bett, zwei Posten zurück in die Kompanie und zwei zur A-Gruppen-Unterkunft im Abschnitt.
Ne andere Sache waren Auslösungen der 501, den Rumms hörtest du auch in der Kompanie und wenn du dann zu der Stelle fahren musstest hattest du richtig Angst das du nichts schreckliches zu sehen bekommst.


Ein Jahr lang 10 Kilometer der innerdeutschen Grenze 1983/84 mitbewacht.
(Zusatz-Info auf Wunsch eines einzelnen Users: War dabei auch Postenführer.)
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#3

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.09.2015 11:25
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

Ich hatte mal eine Abriegelung in unserem Abschnitt (Waldgebiet westl. von Niederneuendorf) mitgemacht. Es war Winter, saukalt. Wir kamen von Nachtschicht, waren kaum im Bett, da schrillte die Alarmhupe: Grenzalarm. Grenzalarm war NIE eine Übung, das wußten wir. In die Klamotten, AK geschnappt und raus. Krad brauchte ich nicht, da waren wir zu Fuß schneller dort. Ich lag mit dem Posten vorn, ca. 50 m vor dem Zaun auf dem abgeholzten Streifen. Das muß so gegen 5.00 Uhr früh gewesen sein. Im Winter wird es gegen 8.00 Uhr hell. Da wurde das Waldstück durchsucht und zwei Jüngelchen in etwa dem Alter, wie die beiden Flüchtlinge aus dem Film herausgeholt. Ich weiß nicht mehr, ob 14 oder 16 Jahre. Ich weiß nur und ich kann da nur meine eigenen Gefühle nennen und was die Kameraden hinterher äußerten. Wir waren nur unheimlich wütend, daß wir wegen dieser zwei Rotznasen stundenlang im Schnee gelegen und uns einen abgefroren haben. Einhelliger Tenor: Ein paar ordentlich hinter die Ohren und nach Hause zum Vater geschickt. "Sie wollten ein neues Leben beginnen", war ihre Begründung. Möchte mal wissen, wie sie heute über ihre Schnapsidee denken. Das hätte verdammt schief gehen können. Ich wage aber so viel zu behaupten, daß ich zumindest nicht auf einen wieder in´s Hinterland Flüchtenden geschossen hätte. Wie alt sie waren, ob 14 oder 24, wäre in der Morgendämmerung nicht erkennbar gewesen.



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#4

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.09.2015 12:30
von LO-Fahrer | 605 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #2
Der Hauptgedanke war natürlich "hoffentlich kommt keiner" und nachts auch "hoffentlich ist es bald vorbei", weil du wieder ins Bett wolltest.
Die meisten Abriegelungen waren ganz unspektakulär und als Alarmgruppe öftere Routine, 4 Posten-Paare wurden einfach der Stelle gegenüber wo der Signalzaun ausgelöst hat, am Kollonnenweg postiert und der löste öfters aus, manchmal mehrmals in der Nacht....



Besser hätte ich es auch nicht sagen können, 100%ige Zustimmung.


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#5

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.09.2015 13:11
von Heckenhaus | 5.110 Beiträge

Unsere tägliche Parole war :
"Schnauze halten, Kopf nicht senken, immer an Entlassung denken",
und so verlief die Zeit (jedenfalls für mich) ohne irgendwelchen Strapazen.

Eine schikanöse EK-Bewegung der "Alten" gab es nicht, und so haben wir diesbezüglich nichts geerbt, was das Leben
über Gebühr unangenehm gemacht hätte.
Die Grenze war halt da, und wir haben unseren "Job" gemacht, und zwar möglichst so, daß man nicht aneckte.
Ernsthafte Gedankenspiele gab es kaum. Wir fügten uns in unser Schicksal. Immer in guter Hoffnung, daß nichts passiert.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#6

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.09.2015 15:07
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Zitat von B208 im Beitrag #1
In Bezug auf die Filmdokumentation und die anschl. Beiträge im Thema - Fernsehtipp - hier nochmal folgende Frage .

Was habt ihr gedacht , wie habt ihr es verarbeitet , wie habt ihr danach gehandelt ? Wenn ihr in der Abriegelung eingesetzt wart .

Es geht NICHT um die Frage :- hätte ich geschossen- .

evtl. kann @Rostocker uns dazu ja etwas schreiben , er hatte die Problematik i.o. genanntem Thema angesprochen .


B208


Naja B208--vieles wurde ja hier schon geschrieben. Man war schon aufgeregt,wenn Signalgeräte auslösten und es ging als A-Gruppe in die Abriegelung, denn man wusste nicht, was auf ein zu kam und sicher war man auch froh wenn man die Ursachen der Auslöse schnell fand Hier nun mal ein Beispiel----Lag mit meinen Posten unmittelbar am Schaalseeufer in der Abriegelung, weil zwei Jugendliche bei Zarrentin stiften gehen wollten. Für mich war das eine beschissene Abriegelung, weil sie nur auf diesen Weg auf mich zu kommen mussten oder sie hätten am Seeufer entlang schwimmen müssen. Da gehen einen schon Gedanken durch den Kopf--wie reagiert man. Die Lage entstand,durch einen Tip aus der Bevölkerung, wonach sich 2 Jugendliche die als Ortsansässige nicht bekannt waren, sich nach der Grenze erkundigten. Und man der GK meldete,welchen Weg sie eingeschlagen haben. Aber sie wurden durch die VP oder Gakl gestellt, Und der Spuk war nach 2 Std vorbei.
Ja wie hat man das verarbeitet danach. Ganz einfach, weil sowas zum täglichen Dienst gehörte ,aber keiner von den Kameraden unmittelbar betroffen war. Wurde auch nicht groß darüber diskutiert. Und verarbeitet habe ich das ganz gut.


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#7

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.09.2015 16:18
von Heckenhaus | 5.110 Beiträge

Der Grenzdienst sollte nicht als übermäßig belastend dargestellt werden. Wenn keine unvorhergesehenen Vorfälle
auftauchten ist man zum Dienst raus, hat seine Stunden abgesessen/abgelaufen und ab ins Objekt.
Gab mal hier und da Fahndungen, was auch verstärkte Grenzsicherung nach sich ziehen konnte, aber das war es meist.
Die VP im 5 km-Gebiet oder auch schon im Hinterland hat meist schon die Arbeit erledigt.
Da gab es nichts zu verarbeiten, es war ein aufgezwungener schlechtbezahlter Job für die Meisten.

An der Linie, bei mir Mödlareuth, konnte man sehen, daß im Grunde das Gleiche getan wurde wie beim Zollgrenzdienst
oder der Bayerischen Grenzpolizei, rumlaufen, beobachten, melden. Man beobachtete sich gegenseitig.
Die Grenzanlagen waren auf unserer Seite, ok, aber was soll man sich damit belasten ? Man hoffte, nicht
schießen zu müssen, was ja hätte passieren können, mehr war auch nicht.
Für mich war die Zeit von heute auf morgen vorbei, es bleib nur die Erinnerung, wie bei vielen Ereignissen im Leben.


.
.
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#8

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.09.2015 16:48
von Mike59 | 7.938 Beiträge

In der Abriegelung gedacht?
Im ersten Jahr oder die ersten zwei Jahre aufgeregt oder nervös und wenn ich den zwischen die Finger bekomme kriegt der Dresche - später dann scheiß Technik.
Mit mehr Erfahrung konnte man sehr gut unterscheiden zwischen technischer Lage und "Angriff" man hat die beschissen Lage in der man sich befand einfach auf den möglichen GV projiziert und nicht auf das - Warum ist das so.
Wenn man zwei oder noch mehr Tage in der Abriegelung gelegen hat, was ja auch mal vorkam, war es wohl wirklich besser wenn in die VP oder ein FHG aufgegriffen hat. Die letzte Lage WIMRE brachte zwei halb verhungerte Schulbuben ans Tageslicht die Fracksausen vor Ihren Eltern wegen der Zeugnisse hatten. Ich war einfach nur fassungslos - wie hast du die Lage an der TL in Erinnerung @94?


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#9

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.09.2015 17:24
von Duck | 1.741 Beiträge

In der Anfangsphase war man bei Kompaniegrenzalarm noch ziemlich aufgeregt, danach hat es einen nur genervt das man gerade im Bett war und
schon wieder die Hupe dreimal ging und man nicht zum schlafen gekommen ist. Wieder ein Wildschwein oder ein Reh oder manchmal auch nur hochstehendes Gras.
Bis zum den Tag im Oktober 89, als wieder mal Grenzalarm war, die Tür zur unserer Stube aufgerissen wurde und ein aufgeregter LO-Fahrer brüllte, macht, macht, diesmal ist ernst, der KC und die A-Gruppe sind schon Vorort. Da war ein dann doch schon etwas mulmig.
Wir sind dann erst mal alle raus aus dem LO und rein in die rhönischen Hügel zur Abriegelung. Da der Kolonnenweg unten im Tal war und das Grenzfluchtfahrzeug (ein vollbeladender Kama) in den Sperrgraben gefahren ist, gab es gleich die Festnahme durch den KC persönlich (eine Familie mit zwei Kindern und Frau dazu noch hochschwanger). Wir brauchten also keine Angst haben das noch irgendwo im Unterholz einer kauerte und konnten so relativ entspannt, dem Treiben unten zuschauen. Zum Glück ist keiner zu Schaden gekommen und einen Monat später wurde genau an der Stelle wo die Grenzflucht geendet hatte, ein Grenzübergang eingerichtet.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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zuletzt bearbeitet 17.09.2015 17:25 | nach oben springen

#10

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.09.2015 17:33
von Lutze | 8.027 Beiträge

Welcher Grenzübergang war das?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#11

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.09.2015 17:36
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #10
Welcher Grenzübergang war das?
Lutze

Lutze das war in Melpers/ Oberfladungen in der Rhön, Anfang Oktober 1989


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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zuletzt bearbeitet 17.09.2015 17:42 | nach oben springen

#12

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.09.2015 19:06
von PF75 | 3.291 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #2
Der Hauptgedanke war natürlich "hoffentlich kommt keiner" und nachts auch "hoffentlich ist es bald vorbei", weil du wieder ins Bett wolltest.
Die meisten Abriegelungen waren ganz unspektakulär und als Alarmgruppe öftere Routine, 4 Posten-Paare wurden einfach der Stelle gegenüber wo der Signalzaun ausgelöst hat, am Kollonnenweg postiert und der löste öfters aus, manchmal mehrmals in der Nacht.
Meistens dauerte die Aktion maximal eine Stunde und dann ging es wieder ins Bett, zwei Posten zurück in die Kompanie und zwei zur A-Gruppen-Unterkunft im Abschnitt.
Ne andere Sache waren Auslösungen der 501, den Rumms hörtest du auch in der Kompanie und wenn du dann zu der Stelle fahren musstest hattest du richtig Angst das du nichts schreckliches zu sehen bekommst.



So ging es mir meistens auch,bei normalen grenzalarm (A-Gruppe) ging man ja zu 90 % von technischem versagen oder irgendeinem böden Wildvieh aus.


Heckenhaus hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#13

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.09.2015 19:39
von Hanum83 | 4.662 Beiträge

Zitat von PF75 im Beitrag #12
Zitat von Hanum83 im Beitrag #2
Der Hauptgedanke war natürlich "hoffentlich kommt keiner" und nachts auch "hoffentlich ist es bald vorbei", weil du wieder ins Bett wolltest.
Die meisten Abriegelungen waren ganz unspektakulär und als Alarmgruppe öftere Routine, 4 Posten-Paare wurden einfach der Stelle gegenüber wo der Signalzaun ausgelöst hat, am Kollonnenweg postiert und der löste öfters aus, manchmal mehrmals in der Nacht.
Meistens dauerte die Aktion maximal eine Stunde und dann ging es wieder ins Bett, zwei Posten zurück in die Kompanie und zwei zur A-Gruppen-Unterkunft im Abschnitt.
Ne andere Sache waren Auslösungen der 501, den Rumms hörtest du auch in der Kompanie und wenn du dann zu der Stelle fahren musstest hattest du richtig Angst das du nichts schreckliches zu sehen bekommst.



So ging es mir meistens auch,bei normalen grenzalarm (A-Gruppe) ging man ja zu 90 % von technischem versagen oder irgendeinem böden Wildvieh aus.


Obwohl sicher sein konntest du da nicht, man ging schon erst mal davon aus das einer kommen könnte.


Ein Jahr lang 10 Kilometer der innerdeutschen Grenze 1983/84 mitbewacht.
(Zusatz-Info auf Wunsch eines einzelnen Users: War dabei auch Postenführer.)
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#14

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.09.2015 23:24
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #8
... - wie hast du die Lage an der TL in Erinnerung @94?

Also falls Du unsere 'gemeinsame' Lage in der Nacht zum 23.1.89 meinst, das waren wimre die zwei GV Anfang oder Mitte zwanzig. Meine Erinnerungen speziell dazu erwähnte ich mal in einem meiner ersten Beiträge hier im Forum, wobei die GV bekam ich ja nie zu Gesicht, also Hörensagen. Doch mal etwas allgemeiner ... die weiter oben erwähnten 90% halte ich für stark untertrieben. Ich wage mal aus dem Bauch raus zu behaupten über 99% waren Fehlalarme, also ohne Anzeichen. Nicht für umsonst galt ja ein fähiger GSZ-Trupp als Garant für Freizeit, Ausgang und geregelte Dienstabläufe in der Kompanie, zumindest zu meiner Zeit.
Insofern verstehe ich die Frage im Ausgangsbeitrag eher so: Was ging einem Grenzer in der Abrieglung durch den Kopf, wenn es nicht der diensthabende Hase (jeder fähige Suchposten hatte ja eine Hasenpfote in der Beintasche) sondern Grenzverletzer vermutlich im Abschnitt war.?
Im häufigeren Fall einer Auslösung ohne Anzeichen einer GV bildete sich, bei einem schneller, beim andern etwas zaghafter, ja Routine heraus. Blöd war es wenn der Suchposten nun überhaupt nix fand, also nichtmal eine Tierfährte o.ä. und die Lage nicht aufgehoben wurde/werden konnte. Da kam der ober erwähnte Glücksbringer ... ähm *mundzu_und_verlegengrins*
Na zurück zum Thema ... was dachte man in der Abrieglung wenn es richtig ernst war, sprich mit Anzeichen und vermuteten GV im Abschnitt ... ich will mal ehrlich sein (einmal erlebte ich diesen Fall am eignen Leib, bei den andern 'richtigen' Lagen hatte ich dafür bissel Stress auf der FüSt, da blieb keine Zeit für Gedanken) ... Lieber GOtt, bitte nicht bei mir ...
de.wikipedia.org/wiki/Sankt-Florian-Prinzip


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#15

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.09.2015 00:27
von S51 | 3.733 Beiträge

Und wenn doch... Schei...benkleister, okay, dann eben durch. Nur die Ruhe.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#16

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.09.2015 09:05
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Ich habe diesen Beitrag bereits im vergangenen Jahr im Forum veröffentlich. Weil er mit dem hiesigen Thema zu tun hat, setze ich ihn noch mal rein.

Es war eine stockfinstere Nacht, ich war als Postenführer in einem sehr vertrauten Bereich eingesetzt und es herrschten routinemäßige Langeweile und Ruhe …

… dann irgendwann in der Finsternis: Die Hunde in ihren Laufgattern schlugen wild an und kurz darauf löste der Grenzsignalzaun am 2-Meterkontrollsteifen Alarm aus – Rundumleuchte & Büffelhorn ackerten los.
Klar, wir horchten etwas ernsthafter in die Nacht im gespenstig anmutenden Postenbereich und machten uns auf, das Vorkommnis zu melden. Während wir uns zur nächsten Sprechsäule aufmachten, löste ein Platzpatronensignalgerät aus – jetzt wurde mir ziemlich mulmig, denn der zeitliche Intervall der Ereignisse kam mir verdächtig vor.
Ich kannte mich bestens im Gelände aus und wusste wie lange man bis wohin brauchte und in meinem Hinterkopf lief schon die Zeit ab bis es das nächste Anzeichen dafür geben würde, dass da jemand in den Westen abhauen wolle, was prompt passierte.
Ein Lichtsignalgerät zischte einen Leuchter just zu dem Zeitpunkt in den Nachthimmel, wie ich ihn vorausschätzte.
Die Kacke war mental am Dampfen als wir an der Sprechsäule ankamen und ich aufgeregt das Gummi-Ohr einstöpselte, um dort aus einem aus welchen Gründen auch immer vorhandenen Schützenloch aufgeregt Meldung zu machen.
Nachdem ich diese abgesetzt hatte, fauchte ich meinen Mitposten in zeitlicher Erwartung, dass da gleich ein Grenzverletzer kommen würde, keuchend an: "Du machst nichts ohne dass ich es sage! Die Waffe wird nicht durchgeladen! Wehe, wenn du schießt! Es wird nicht geschossen!"
Mir rasten tausende Gedanken durch den Kopf. Als blutjunger Zwanzigjähriger mit einem Kalaschnikow-Maschinengewehr am Wanst hockte ich da nun mit meinem Kameraden in diesem Loch und befand mich in einer Situation, die kaum nachzuvollziehen war.
Ich stierte ins Dunkel und schätzte zeitlich ab, dass uns jetzt in jedem Moment einer entgegenlaufen würde, den wir irgendwie dingfest machen müssten.

… doch dieses Debakel blieb dem Schicksal sei Dank aus.

Die herbeigerufene Alarmgruppe leuchtete alles ab und stellte fest, dass es keine Anzeichen für einen Grenzdurchbruch gäbe.
Egal was die A-Truppe einst festgestellt hat oder feststellen musste, das glaube ich bis heute nicht
Wie auch immer, ich bin bis zum heutigen Tag zutiefst davon überzeugt, dass da jemand die Grenze überqueren wollte, auch wenn keine Anzeichen gefunden oder gefunden werden durften.


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


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#17

RE: Gedanken während der Abriegelung

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.09.2015 10:57
von GKUS64 | 1.605 Beiträge

Also ich habe nur einmal an so einer Abriegelung (Begriff kannte ich damals nicht) teilnehmen müssen. Es war an einem Sonnabend, ich und einige andere hatten Ausgang und wir gingen zum Tanz nach Gerstungen. Kurz vor oder auch nach 24 Uhr betraten hektisch einige Uffz. Den Tanzsaal und riefen in etwa: „Grenzer sofort raustreten!“ draußen stand bereits ein LO und wir mussten aufsitzen.
Noch kurz zum Waffenfassen in die Kompanie, dann ging es raus in den Abschnitt (Alkoholkontrolle fand keine statt!). Über das Warum des Ganzen wurden wir nur kurz informiert: „Geplanter Grenzdurchbruch.“ Die Frage: „Von West nach Ost ?“ haben wir uns natürlich verkniffen.
In einem Abstand von ca. 30- 50m wurden wir als Postenpaar abgesetzt und die Gedankenspiele begannen auch nach dem Motto: „Hoffentlich nicht bei uns“. Es war inzwischen durchgesickert, dass ein Uffz. der Kompanie vom Urlaub nicht zeitgemäß auf der Kompanie erschienen war.
Ich schätze nach ca. 4 Stunden wurde das Ganze ergebnislos abgebrochen, der Uffz. wurde nie mehr gesehen, ob er nun in unserem Abschnitt das Weite gesucht hatte blieb zumindest uns, verborgen

MfG
GKUS64


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