#61

RE: Potsdamerplatz - Abgänge S-Bahn und U-Bahn zur Mauerzeit

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 28.11.2015 17:31
von Hanum83 | 4.784 Beiträge

Mal so nebenher gefragt angesichts der Polenmarkt-Bilder, die Polen sind damals wohl nicht so eingezäunt gehalten worden wie der volkseigene DDR-Mensch?


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
zuletzt bearbeitet 28.11.2015 17:32 | nach oben springen

#62

RE: Potsdamerplatz - Abgänge S-Bahn und U-Bahn zur Mauerzeit

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 28.11.2015 17:44
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Die durften wohl fahren. Zunächst nur die älteren glaube ich. Mal mehr, mal weniger. Aber die hatten überhaupt kein Geld, haben sich alles vom Munde abgespart. Büchsenessen aus Polen mitgebracht und so. Da war erst schwere Wirtschaftskrise und dann ja auch noch Kriegsrecht. In West-Berlin hat man die in der Bevölkerung grundsätzlich mit Sympathie gesehen. Viele hatten irgendwo Hilfsjobs, Gärtner, Putzfrau oder so oder haben mit irgendwas gehandelt. Viele sind auch gleich in den Westen ausgewandert.

Zur gleichen Zeit gab es in der DDR einen fast schon offiziellen Polenhass von oben. War ja auch die Zeit, als in Polen schon die Gewerkschaft Solidarität losging. Klar, hat die SED das gefürchtet. Zu Recht wie man heute weiß.


zuletzt bearbeitet 28.11.2015 17:46 | nach oben springen

#63

RE: Potsdamerplatz - Abgänge S-Bahn und U-Bahn zur Mauerzeit

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 29.11.2015 00:14
von StabsfeldKoenig | 2.654 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #60
Das war zu der Zeit, als die Polen bitterarm waren und alles verkauft haben, was irgendwie noch ne Mark West gebracht hat. Alte Autobatterien und irgendwelches polnisches Zeug, dass man wirklich nicht gebrauchen konnte. Hat mehr Mitleid bei einem ausgelöst, wenn man die Dinge gesehen hat.

Angeblich gab es dort allerdings auch "gebrauchte" Autoradios in großem Stil.


Das Foto zeigt meiner Meinung nach eher den "Krempelmarkt" (offiziellen Flohmarkt, der bis etwa 1991/92 bestand). Der Polenmarkt fand eher auf der Straße statt. Beides war ab Nov. 1989 live zu besichtigen, aber vorher bereits durch die Abendschau bekannt..



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#64

RE: Potsdamerplatz - Abgänge S-Bahn und U-Bahn zur Mauerzeit

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 29.11.2015 02:47
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Der Trödelmarkt spielte sich also nicht im Bereich des Lenne-Dreiecks ab.

Man muss natürlich trotzdem eins berücksichtigen:

Nachdem das Lenne-Dreieck 1988 an Westberlin abgegegen wurde, musste die Schleuse möglicherwiese aufgegeben werden und stand als "operativer Tummelplatz" nicht mehr zur Verfügung, etwa so wie die Schleuse von @KID im Eiskeller, die nach dem Gebietstausch von 1988 vom MfS mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr nutzbar war.

Die Trampelpfade auf dem Foto, das wahrscheinlich noch aus der Zeit davor stammt, zeigen, dass das Gelände vor der Übergabe regelmäßig begangen wurde und zwar so, dass nach dem Mauerdurchstieg hinter der Sichtblende erst mal ins Innnere des Dreiecks gelaufen und danach wieder in Richtung Bellevuestraße abgebogen wurde. Der Trampelpfad endet an der Bellevuestraße ca. 50 m westlich der Grenzmauer an einer Stelle im Metallgitterzaun, die wie eine Durchlasstür aussieht.

Gruß Kalubke

p.s. Übrigens das Foto stammt von @Donaustrom aus dem Beitrag #14. Er hat in dort in einem Luftbild auch schon vermerkt, dass der Ausgang Columbus Haus mit der jüngeren Grenzmauer aus Winkelstützelementen überbaut war. Die Vorgängerversion aus den späten 60'ern (Pfosten mit Betonplattenausfachung) verlief einige Meter weiter östlich neben dem Ausgang Columbus Haus, wie die Bilder von @eisenringtheo zeigen.



zuletzt bearbeitet 29.11.2015 11:10 | nach oben springen

#65

RE: Potsdamerplatz - Abgänge S-Bahn und U-Bahn zur Mauerzeit

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 29.11.2015 14:42
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Zitat
Das Foto zeigt meiner Meinung nach eher den "Krempelmarkt" (offiziellen Flohmarkt, der bis etwa 1991/92 bestand). Der Polenmarkt fand eher auf der Straße statt.



Nee, der Polernmarkt war ganz primitiv direkt auf dem Sandboden und auch nicht auf irgendeiner Straße. Außerdem hatte der seine Hochzeit eher Anfang der achtziger Jahre. Der Krempelmarkt war ein richtiger Trödelmarkt mit Marktständen.


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#66

RE: Potsdamerplatz - Abgänge S-Bahn und U-Bahn zur Mauerzeit

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 30.11.2015 23:25
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Noch ein paar Gedanken zum Luftbild von @Donaustrom in #14:

Man sieht dort sehr gut, dass nach dem Gebietstausch von 1988, als das Lenne-Dreieck zu Westberlin gehörte, dort und auch auf anderen Westberliner Grenzgrundstücken, wie z.B. dem Gelände des RSHA (Reichsicherheitshauptamt) in der Niederkirchnerstraße (ehem. Prinz-Albrecht Straße) umfangreiche Tiefenentrümmerungsmaßnahmen stattfanden. Kann mich noch dunkel daran erinnern, dass in der Abendschau darüber berichtet wurde. Ich dachte damals, dass die Westberliner sofort mit Neubebauungsmaßnahmen anfangen wollten, aber bis in die 90er Jahre hinein geschah dort eigentlich nichts. Das Einzigste war die Planung der Westtangente an der Mauer entlang über das Lenne-Dreieck, weswegen es auch kurz vor der Übergabe 1988 von Alternativen besetzt wurde. Auf dem Luftbild ist gut zu sehen, dass das halbe Kellergeschoß des Columbushauses freigelegt worden war. In dem massiv gebauten Kellergeschoß befand sich vor 1945 eine Tiefgarage (Columbus-Garage). Das Gebäude wurde 1957 auch nicht gesprengt sondern nur abgetragen, weil die Stahlskelettkonstruktion wiederverwendet wurde. Somit dürfte das Tiefgeschoß beim Abriß unbeschädigt geblieben sein. Der Gebäuderest auf dem Abrißfoto ist der Teil mit der Tiefgarageneinfahrt in der Bellevuestraße.

Im Zusammenhang mit unserem Thema beschleicht mich eine Vermutung. Die Tiefenentrümmerungen dienten vieleicht damals weniger bzw. nicht nur der Vorbereitung einer Neubebauung, sondern wurden evt. von den Westberliner Sicherheitsbehörden veranlasst, weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass es von Osten aus geheime Zugänge in diese Kellergeschosse gegeben hat, die ja, wie im Fall des Columbus Hauses im vorgelagerten Gebiet gelegen haben und sich dadurch gut für operative Schleusungen im Innenstadtbereich eigneten.

Es ist denkbar, dass vlt. noch aus der NS-Zeit eine Verbindung vom mittleren Verteilergeschoss des S-Bahnhofes Potsdamer Platz in den Keller des Columbus Hauses gegeben hat. Der Profilschnitt zeigt, dass es sogar zwei Kellergeschosse im Columbushaus gab.

Ähnliches ist z.B. vom U-Bahnhof Gesundbrunnen bekannt. Dort gab es z.B. eine Tür zum benachbarten Luftschutzbunker. Im Forum wurde auch schon darüber berichtet, dass in den 60'ern, als das Haus Vaterland noch stand, eine Zugangsmöglichkeit über den Grenzstreifen in das Erdgeschoß bestand. Das Haus selbst stand zwar damals auf Ostberliner Gebiet, war aber nicht gesichert und konnte in Richtung Westberlin verlassen werden.

Die UTA-Untersuchungen des MfS z.B. haben ergeben, dass es von den Bunkeranlagen unter der Reichskanzlei aus einen Zugang zum Tunnel Nord-Süd Bahn gegeben hat (siehe Tunnel Nr. 33 (LS-Tunnel vom KfZ-Bunker zum "Heuboden") in #40). Diesen haben in den letzten Kriegstagen laut einschlägiger Dokus und Zeitschriftenartikel viele zur Flucht aus dem Bunker benutzt und sind so unbeschadet in den noch nicht besetzten Teil von Mitte und Prenzlauer Berg gekommen.

Wie gesagt im Moment eine unbewiesene Annahme, die aber m.E. nicht ganz abwegig ist.









Gruß Kalubke



Grenzläufer und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.12.2015 12:44 | nach oben springen

#67

RE: Potsdamerplatz - Abgänge S-Bahn und U-Bahn zur Mauerzeit

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 01.12.2015 22:39
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Nee, also die Sorge vor heimlichen Ost-Tunneln höre ich zum ersten Mal. Der Osten konnte seine Leute wirklich überall rein- und rausschmuggeln. Es gab natürlich durchaus so ein paar verdächtige Stellen. S-Bahnhof Wollankstr. zum Beispiel, Eiskeller und Bf. Friedrichstr. Das war nicht so das Problem in Berlin. Es ging überall.
Und die Tiefenentrümmerung am RSHA/Gestapo fand auch nicht statt. Da kann man heute noch die Gestapo-Folterzellen besichtigen.


Kalubke hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.12.2015 22:40 | nach oben springen

#68

RE: Potsdamerplatz - Abgänge S-Bahn und U-Bahn zur Mauerzeit

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 02.12.2015 07:02
von icke46 | 2.593 Beiträge

[quote=Harzwanderer|p506510]Die durften wohl fahren. Zunächst nur die älteren glaube ich. Mal mehr, mal weniger. /quote]

Zu den Reisemöglichkeiten der Polen schrieb der SPIEGEL 1980 unter anderem folgendes:

Im Vergleich dazu ist Iwanows polnischer Genosse Kowalski beinahe völlig frei, gleich ob Fabrikarbeiter oder privater Tomatenzüchter: Wenn er seinen Papst in Rom oder den Karneval in Rio erleben möchte, braucht er grundsätzlich nur Geld.

Seit der Parteichef Gierek in der Volksrepublik herrscht, ist für die 35 Millionen Polen Reisefreiheit kein Fremdwort mehr. "Die Freiheit, sich in der Welt zu bewegen", schrieb die Warschauer Intellektuellenzeitung "Polityka", "gehört eben zu jenen höheren Werten, die wir in unserem Lebensmodell gerne sehen möchten."


Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14324169.html

In den 80er Jahren ging es auch los mit den polnischen Saisonarbeitern in Westdeutschland. Ob Spargelstechen oder Erdbeerpflücken - ohne die Polen ging nichts. Übrigens waren erstaunlich viele der Saisonarbeiter Lehrer - die verdienten sich in den 6 Wochen ihres Aufenthalts praktisch ihr polnisches Jahresgehalt noch einmal in Devisen dazu.

Gruss

icke



Grenzläufer hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.12.2015 07:07 | nach oben springen


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