#161

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 08:18
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #158


Aber du selber konntes Deinen eigenen Schrott nicht zu Geld machen, sondern nur an gewerbliche Sammler "spenden".


Was ist denn das für´n Sch****? Ich bitte Dich......wer hat mir verboten oder vorgeschrieben wo ich meine Heizkörper, Bremsscheiben, Bleche, Dosen und Zeitungen abzugeben habe? Oder zu verschenken?

Richtig ist das Altölentsorgung schwierig war und Plastik, Kunststoffe nicht gesammelt wurden,es dafür Geld gab.

Und zu Moskowitschka (oder wer schrieb das?): Stimmt, es gibt gute und schlechte Erinnerungen, die habe ich sowohl an die DDR (die nur aus dem kl. Grenzverkehr und dem Kontakt zur Verwandtschaft und deren Umfeld stammen) wie auch zu meinem Leben hier im Westen. Ich habe zusammen mit einem Freund abends auch wie der Bürger der DDR an Auto´s geschraubt. Da kam auch so manche Mark bei rum....

Und Stabsfeld, der dort produzierte Schrott würde nicht verschenkt sondern verkloppt.

MfG Berlin

Edit: Rechtschreibung


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zuletzt bearbeitet 27.08.2015 08:19 | nach oben springen

#162

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 08:49
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

In der Großstadt war es schwierig soviel Knoblauch in einem Geschäft zu bekommen; wenn es überhaupt welchen gab; dass man ihn zum Wiederverkauf aufkaufen konnte ......

Das meine Erinnerung zu diesem speziellen Thema.

Altstoffe sammeln war in meiner Kinder- und Jugendzeit schwer angesagt.
Es wurde allerdings nicht nur für Hehre, vorgegebene Ziele gesammelt sondern auch für den "Privatgebrauch".

An eine große Aktion, organisiert von unserer Schule, kann ich mich noch gut erinnern.
In Folge des Krieges war eine der beiden Turnhallen der Schule ausgebrannt.
Mit Hilfe einer über Wochen, Monate? dauernden Sammelaktion wurden von allen Schulklassen Altstoffe gesammelt, in der Schule abgegeben und vom Erlös wurde dann der Wiederaufbau der Halle realisiert.

Das es in der Regel lange Schlangen bei den SERO-Annahmestellen gegeben haben soll, ist mir nicht mehr erinnerlich.

Noch nicht erwähnt wurde hier der Messer und Scherenschleifer welcher bis Anfang der sechsziger Jahre regelmäßig im Wohnviertel auftauchte um eben Messer und Scheren zu schleifen.

Heiß- und Kaltmangel, auch Dinge welche es nicht mehr gibt. Jedenfalls ist es mir nicht bekannt.

Eine Autobatterie schleppte ich mal durch die halbe DDR weil es mir einfach nicht gelang in Berlin einer habhaft zu werden.
Jemand hatte Glück und konnte mir eine besorgen, ich also per Zug hin um sie abzuholen .....

Für die vielen Autoschrauber gab es die entsprechenden Bücher, wie Repariere ich meinen Trabant, Wartburg oder Lada um Beispiele zu nennen.
Zwei davon habe ich noch und es interessant darin zu blättern.
Es war fast wie reparieren nach Bildern.
Jeder Arbeitsschritt war detailliert beschrieben, welches Werkzeug zu benutzen ist und, wie geschrieben, mit den entsprechenden Bildern versehen.


Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#163

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 08:52
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #159
... Jetzt zum Unterschied: Juristisch gesehen war das eindeutig Diebstahl. Nun könnte man etwas ironisch argumentieren, dass es ja Volkseigentum war - und der Dieb auch dem Volk angehörte damit sich der Kreis geschlossen hat. Aber das ginge in die falsche Richtung, Diebstahl bleibt für mich Diebstahl.

Was aber hat @Pit 59 gemacht? Ich würde das noch nicht einmal als Betrug bezeichnen, er hat einfach einen Fehler des Systems ausgenutzt. Das mag moralisch vielleicht verwerflich seiin, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich einer solchen Möglichkeit widerstanden hätte.
Welcher Unterschied? Zuerstma kannste Dir ja mal die mehrfachen Bedeutungen des russischen Verbs организовать von einer Muttersprachlerin erläutern lassen, also Diebstahl ... das iss jetzt schon bissel hart ausgedrückt. Und doch ist dieses 'Phänomen' nun keine Eigenart des Ostens oder des real existierenden Sozialismus. So nennt man es heute euphemistisch 'Inventurdifferenz' ... 2014 beziffern Handelsexperten einen Gesamtverlust durch Inventurdifferenzen für den Einzelhandel mit 3,9 Milliarden Euro, gemessen an den Verkaufspreisen der verlustigen Artikel. Davon sind im Klartext ... über die Hälfte werden durch den Kunden entwendet (57%). Jeweils ein knappes Fünftel (18 %) klauen die eignen Mitarbeiter oder (gleichfalls 18%) sind organisatorischer Art, also Erfassungs-, Buchungs- und Bewertungsfehler. Und nur 7 % der Diebstähle erfolgen durch Lieferanten und Servicekräfte.
Quelle: Inventurdifferenzen 2014. Daten, Fakten, Hintergründe aus der empirischen Forschung. EHI Retail Institute GmbH.

Also was ich damit sagen will, Fehler im System werden auch gern heut noch in der Freiheit ausgenutzt, das war nun gewiss keine Eigenart der 98%igen DDR-Bürger.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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zuletzt bearbeitet 27.08.2015 08:59 | nach oben springen

#164

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 09:08
von der 39. | 522 Beiträge

Hallo 94,
ich will nicht groß in diese hochgeschaukelte Diskussion einsteigen, möchte aber doch vermerken: Diebstahl ist Diebstahl, ist unerlaubte Wegnahme und ist eine Straftat. regimeunabhängig. War schon beim Kaiser so. Der "sozialistische" Diebstahl ist genauso wenig entschuldbar, wie der "kapitalistische" Diebstahl.
der 39.


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#165

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 09:55
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Also, was den Diebstahl angeht: Futter für die "Haustiere" wurde in der LPG geklaut. Bezahlen ging angeblich nicht, wenn ich meiner Verwandtschaft glauben darf.

MfG Berlin


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#166

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 10:11
von turtle | 6.961 Beiträge

Es soll doch mit darum gehen, Geschichten, Erinnerungen, Erlebnisse aus dem Alltag in der DDR zu erzählen, bzw. aufzuschreiben. Wie war der reale sozialistische Alltag. Da gab es eine gewisse Mangelwirtschaft. Das trieb dann solche Ideen von vorn nehmen und hinten wieder mit Profit verkaufen voran. Würde heute als clevere Geschäftsidee gesehen werden.
Wie viel wurde aus den VEB entwendet, lasse bewusst geklaut wird, da eben die Versorgung der Bedürfnisse der Menschen nur ungenügend nachgekommen würde. Mangelware war an der Tagesordnung. „Bückware“ dürfte dem geboren DDR Bürger auch noch ein Begriff sein. Der Datschenbauer besorgte sich so sein Baumaterial mit allem was dazu gehört eben sozusagen mit dem in der DDR typischen Jargon „durch Beziehungen.“ Der Begriff Volkseigentum wurde oftmals sehr wörtlich genommen. Eine wahre Geschichte dazu. In einer PGH für Installation und Klempnermaterial arbeitete ein Ehepaar. Er Fahrer sie war zuständig für Waren Ein und Ausgang. Da wurden eben mal Fließen als Bruch abgeschrieben, Badewannen, Heizkörper, und was noch so alles möglich war. Der Datschenbauer benötigte so manches. Durch „Beziehungen“ bekam er aber was er brauchte. Das dieses Material nicht immer legal war, musste dem Datschen Erbauer doch klar gewesen sein. Hier entstand der Volkswirtschaft doch enormer Schaden. Und das Schlimmste ein schlechtes Gewissen hatten viele nicht einmal dabei. Ging eben alles seinen sozialistischen Gang. Kommen wir zurück Hauptgrund war Mangel. Bei freien unbegrenzten Kaufen können, hätte es garantiert weniger Eigentumsdelikte gegeben. Seltsame Blüten brachte die Mangelware mit Ersatzteilen für ein Auto zB. Im Bezirk X gab es etwas, wurde zwar nicht benötigt, trotzdem gekauft. Im Bezirk XX wurden andere Teile angeboten, kaufte Meier, brauchte er zwar auch nicht aber der Müller aus X oder Y. Suche und biete war doch in den Zeitungen Alltag. Logisch konnte man auch mit Gewinn verkaufen. So forderte der sozialistische Alltag doch das kapitalistische Denken. Was daran ist verwerflich? Clever einen Profit zu machen? Nein finde ich nicht. Gewusst wie oder von Nichts kommt Nichts. Denkt mal an die lange Wartezeiten für ein Auto. Was wurde da für Geschäfte gemacht. Durch der Anmeldung, oder den alten Wagen über den Neupreis verkaufen da war doch vieles drin. Ich denke das gehört mit in diesen Thread wollen wir doch den DDR Alltag näher bringen. Jeder der hier versucht den Moral Apostel zu spielen sollte erst einmal Nachdenken ob er wirklich den ersten Stein werfen kann.
Ich darf es nicht. Den Staat „bescheißen“ dürfte man mit der heutigen Steuererklärung auch nicht, auch nicht mit den angegebenen Arbeitsschuhen, die eigentlich von der Firma gestellt wurden. So weit zur Moral.


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zuletzt bearbeitet 27.08.2015 10:11 | nach oben springen

#167

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 10:11
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Zitat von der 39. im Beitrag #164
Hallo 94,
ich will nicht groß in diese hochgeschaukelte Diskussion einsteigen, möchte aber doch vermerken: Diebstahl ist Diebstahl, ist unerlaubte Wegnahme und ist eine Straftat. regimeunabhängig. War schon beim Kaiser so. Der "sozialistische" Diebstahl ist genauso wenig entschuldbar, wie der "kapitalistische" Diebstahl.
der 39.


100% Zustimmung.


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#168

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 10:21
von Lutze | 8.039 Beiträge

Um auf Autobatterien kurz noch mal zurück zukommen,es gab DDR-Betriebe,
die diese regenerierten,so zum Beispiel VEB-Baumechanik Neubrandenburg,
weiß zwar nicht mehr wie teuer das war,aber man konnte zu dieser Abteilung
hingehen,Auftrag wurde fertig gemacht und die Batterie wurde überholt
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#169

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 10:29
von Rostocker | 7.726 Beiträge

Zitat von der 39. im Beitrag #164
Hallo 94,
ich will nicht groß in diese hochgeschaukelte Diskussion einsteigen, möchte aber doch vermerken: Diebstahl ist Diebstahl, ist unerlaubte Wegnahme und ist eine Straftat. regimeunabhängig. War schon beim Kaiser so. Der "sozialistische" Diebstahl ist genauso wenig entschuldbar, wie der "kapitalistische" Diebstahl.
der 39.


Da stimme ich Dir zu und wenn jemand damals im Sozialismus wegen Diebstahl und Rowdytum ein paar Jahre länger eingesessen hat wie heute in der Demokratie--dann war das ganz OK: Wenn man sich erwischen läst--gehören noch ein paar Jährchen dazu.


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#170

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 10:40
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #166
Es soll doch mit darum gehen, Geschichten, Erinnerungen, Erlebnisse aus dem Alltag in der DDR zu erzählen, bzw. aufzuschreiben. Wie war der reale sozialistische Alltag. Da gab es eine gewisse Mangelwirtschaft. Das trieb dann solche Ideen von vorn nehmen und hinten wieder mit Profit verkaufen voran. Würde heute als clevere Geschäftsidee gesehen werden.
Wie viel wurde aus den VEB entwendet, lasse bewusst geklaut wird, da eben die Versorgung der Bedürfnisse der Menschen nur ungenügend nachgekommen würde. Mangelware war an der Tagesordnung. „Bückware“ dürfte dem geboren DDR Bürger auch noch ein Begriff sein. Der Datschenbauer besorgte sich so sein Baumaterial mit allem was dazu gehört eben sozusagen mit dem in der DDR typischen Jargon „durch Beziehungen.“ Der Begriff Volkseigentum wurde oftmals sehr wörtlich genommen. Eine wahre Geschichte dazu. In einer PGH für Installation und Klempnermaterial arbeitete ein Ehepaar. Er Fahrer sie war zuständig für Waren Ein und Ausgang. Da wurden eben mal Fließen als Bruch abgeschrieben, Badewannen, Heizkörper, und was noch so alles möglich war. Der Datschenbauer benötigte so manches. Durch „Beziehungen“ bekam er aber was er brauchte. Das dieses Material nicht immer legal war, musste dem Datschen Erbauer doch klar gewesen sein. Hier entstand der Volkswirtschaft doch enormer Schaden. Und das Schlimmste ein schlechtes Gewissen hatten viele nicht einmal dabei. Ging eben alles seinen sozialistischen Gang. Kommen wir zurück Hauptgrund war Mangel.Bei freien unbegrenzten Kaufen können, hätte es garantiert weniger Eigentumsdelikte gegeben. Seltsame Blüten brachte die Mangelware mit Ersatzteilen für ein Auto zB. Im Bezirk X gab es etwas, wurde zwar nicht benötigt, trotzdem gekauft. Im Bezirk XX wurden andere Teile angeboten, kaufte Meier, brauchte er zwar auch nicht aber der Müller aus X oder Y. Suche und biete war doch in den Zeitungen Alltag. Logisch konnte man auch mit Gewinn verkaufen. So forderte der sozialistische Alltag doch das kapitalistische Denken. Was daran ist verwerflich? Clever einen Profit zu machen? Nein finde ich nicht. Gewusst wie oder von Nichts kommt Nichts. Denkt mal an die lange Wartezeiten für ein Auto. Was wurde da für Geschäfte gemacht. Durch der Anmeldung, oder den alten Wagen über den Neupreis verkaufen da war doch vieles drin. Ich denke das gehört mit in diesen Thread wollen wir doch den DDR Alltag näher bringen. Jeder der hier versucht den Moral Apostel zu spielen sollte erst einmal Nachdenken ob er wirklich den ersten Stein werfen kann.
Ich darf es nicht. Den Staat „bescheißen“ dürfte man mit der heutigen Steuererklärung auch nicht, auch nicht mit den angegebenen Arbeitsschuhen, die eigentlich von der Firma gestellt wurden. So weit zur Moral.



Ja Peter, genau das ist das ist der Drehzapfen, der zentrale Ausgangspunkt, der Beginn der Henne- Ei- Problematik - Was war zuerst da, der Mangel an sich oder das kollektive Fehlverhalten der Protagonisten und Statisten des SED- Staates.
Meiner Meinung war alles nur ein Verteilungsproblem und ich will nicht wissen, wie eine nationale Razzia zwecks Erfassung aller gehorteten Waren mit dem Ziel einer gesamtwirtschaftlichen Klärung der Angebot- und Nachfragesituation ausgegangen wäre.
Eine solche Generalinventur hätte möglicherweise bezogen auf die wichtigsten Konsumgüter eine ganz andere Bilanz ergeben als wir sie hier rückblickend und wohl auch zutreffend wiedergeben.
Ich erinnere mich bei solchen Diskussionen immer an meinen ehemaligen Dienststellenleiter, der bei solchen Vorgängen im Betrieb, wie der privaten Autopflege neben den Reparaturständen der Loks, privat "zurückgelegte" Baumaterialien aus betrieblichen Maßnahmen, der vollen Einkaufstasche der Laborantin nach der Rückkehr von der Dienstreise aus Halle usw. und immer gab es Terror, wenn so jemand die Bahnen dieses Leiters kreuzte und man haßte ihn dafür.
Auch heute noch, was für ein Anachronismus, was für ein dramatisch unterentwickeltes Unrechtsbewußtsein !
Und wenn ich eine Person aus dem Führungsapparat nachträglich aufzuwerten habe, dann ist er das.
Es mag gewagt erscheinen, aber wenn es davon mehr gegeben hätte, wäre entweder Bürgerkrieg oder eine Quantensprung in der Versorgungslage der Bevölkerung dabei herausgekommen.
Man hätte den Poker wagen sollen.



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#171

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 10:43
von Sperrbrecher | 1.657 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #162

Heiß- und Kaltmangel, auch Dinge welche es nicht mehr gibt. Jedenfalls ist es mir nicht bekannt.

Doch, gibt es noch, zumindest in Dresden und wird auch noch regelmäßig genutzt.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


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#172

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 11:07
von utkieker | 2.925 Beiträge

Ich möchte mich noch mal in die "Diebstahlsdebatte" einklinken. Bei der Zwangsprivatisierung des Volkseigentums wurde ich nicht gefragt und auch nicht entschädigt, zu nächst verfügte die Partei später die frei gewählte Regierung über mein Eigentum. Na nun werden da einige Winkeladvokaten feststellen, wurde bei der Vergesellschaftung der Produktion nicht auch Privatvermögen geklaut? Ja sicher doch, aber dann muss es auch erlaubt sein an den Urschleim menschlichen Seins zu erinnern, wo Alles allen gehörte und nur das persönliche Habe was man am Leibe trug einem persönlich gehörte. Erst mit der einseitigen Landnahme entstand "Eigentum".
Ich möchte folgendes Zitat als Diskussionsgrundlage anfügen:
"Der Eine bezeichnet das Eigentum als positives Recht, das aus der Besitznahme entstanden und durch das Gesetz sanktioniert sei, der andere verteidigt es als natürliches Recht, dessen Ursprung in der Arbeit beruhe: und diese Ideen haben trotz ihrer scheinbar ganz entgegengesetzten Natur dennoch beide eine große Anhängerschaft. Ich aber behaupte, dass weder die Arbeit, noch die Besitznahme, noch das Gesetz das Eigentum zu schaffen im Stande sind, dass es vielmehr eine Wirkung ohne Ursache ist: wer will mich deshalb verdammen? Was für ein Sturm der Entrüstung sich da erhebt! - Das Eigentum ist Diebstahl!" [Pierre-Joseph Proudhon 1806 - 1865]

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#173

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 11:07
von turtle | 6.961 Beiträge

Muss noch einmal auf die clevere Geschäftspraxis mit dem hinten teuer kaufen und vorn billiger verkaufen kommen. Nach dem 10.X hat man es praktisch verschenkt. Da fragt ihr noch warum der Kapitalismus den Sozialismus überlegen ist . Ja die staatliche sozialistische Preispolitik und ihren Subventionen dazu Mangel machte so was möglich.


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#174

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 11:11
von Heckenhaus | 5.147 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #144

In gewisser Weise hast du Recht. Der Held des Tages war er damals sicher.
Aber seine heutiger Stolz darauf - das empfinde ich in seinen Beitrag befremdlich. Gut, heute ist eine Findigkeit mit der man anderen das Fell über die Ohren zieht angestrebter Mainstream - diese Eigenschaften verachte ich trotz allem zu tiefst.


Nun war icht Pit allein einer der Helden, sondern die gab es zu Tausenden.
Ich habe ab Sommer 1984 auf dem Dorf gewohnt, 2/3 der Einwohner hielten Hühner, Gänse, einige auch Schweine oder sie fütterten einen Bullen
zwecks späterem Verkauf.
Wir haben selbst Gemüse angebaut, teils auch zur Ankaufstelle gebracht (Gurken, Rhabarber), Gänse gefüttert und ebenfalls an den Staat verkauft.
Was da für Preise gezahlt wurden war traumhaft. 1 kg 1-er Gurken, das sind die kleinsten für Gewürzgurken im Glas brachte 4 Mark !
Was kostete damals ein Glas Gewürzgurken ???
Übrigens, wir haben nichts 2 x verkauft, hatte dazu keine Zeit, weil ich noch einen Job hatte.

Andere Sache : Ich habe mich immer gewundert, warum beim Bäcker Unmengen an Brot / Schrippen gekauft werden.
3 Brote und 60 bis 100 Schrippen für einen 4-Personen-Haushalt war keine Seltenheit. Am Samstag stand man 1 Stunde beim Bäcker, weil der gar nicht mit backen hinterher kam.
Und ich wollte max 10 Schrippen und ein Brot fürs Wochenende !

Das Rätsels Lösung : Die Backwaren wurden verfüttert. War billiger als Getreide kaufen und schroten lassen, außerdem war Getreide kontingentiert.
Backwaren jedoch nicht. Also landete der größte Teil dessen, was der Bäcker herstellte, im Geflügelstall oder als Beimischung im Schweinefutter.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#175

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 11:16
von Heckenhaus | 5.147 Beiträge

Zitat von berlin3321 im Beitrag #165
Also, was den Diebstahl angeht: Futter für die "Haustiere" wurde in der LPG geklaut. Bezahlen ging angeblich nicht, wenn ich meiner Verwandtschaft glauben darf.

MfG Berlin

Das stimmt. Uns gegenüber wohnte ein W 50-Kutscher der Kolchose, kurz vor der Rente, der kam täglich gegen 9 Uhr zum Frühstück nach Hause
und es verschwanden von der Ladefläche immer Dinge, Strohballen, Säcke oder auch Kannen, die den Tieren in seinem Stall vorzüglich gemundet haben.
Anscheinend geschah das zu dreiviertel legal, denn sonst wäre das doch irgendwann aufgeflogen, zumal er dem LKW auf der Straße entlud.

Nach der Wende stellte sich dann raus, er war bei VEB Horch und Guck. Zuvor war sein Job bereits Geschichte.
Da wundert dann nachträglich nichts mehr.


.
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„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#176

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 11:24
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #172
Ich möchte mich noch mal in die "Diebstahlsdebatte" einklinken. Bei der Zwangsprivatisierung des Volkseigentums wurde ich nicht gefragt und auch nicht entschädigt, zu nächst verfügte die Partei später die frei gewählte Regierung über mein Eigentum. Na nun werden da einige Winkeladvokaten feststellen, wurde bei der Vergesellschaftung der Produktion nicht auch Privatvermögen geklaut? Ja sicher doch, aber dann muss es auch erlaubt sein an den Urschleim menschlichen Seins zu erinnern, wo Alles allen gehörte und nur das persönliche Habe was man am Leibe trug einem persönlich gehörte. Erst mit der einseitigen Landnahme entstand "Eigentum".
Ich möchte folgendes Zitat als Diskussionsgrundlage anfügen:
"Der Eine bezeichnet das Eigentum als positives Recht, das aus der Besitznahme entstanden und durch das Gesetz sanktioniert sei, der andere verteidigt es als natürliches Recht, dessen Ursprung in der Arbeit beruhe: und diese Ideen haben trotz ihrer scheinbar ganz entgegengesetzten Natur dennoch beide eine große Anhängerschaft. Ich aber behaupte, dass weder die Arbeit, noch die Besitznahme, noch das Gesetz das Eigentum zu schaffen im Stande sind, dass es vielmehr eine Wirkung ohne Ursache ist: wer will mich deshalb verdammen? Was für ein Sturm der Entrüstung sich da erhebt! - Das Eigentum ist Diebstahl!" [Pierre-Joseph Proudhon 1806 - 1865]

Gruß Hartmut!




Proudhom hatte noch Kontakt mit Karl-Marx . Nicht immer waren sie einer Meinung. Mit seiner "Volksbank" die Kredite ohne Zinsen vergab scheiterte er allerdings kläglich. Ohne Privateigentum? Mensch dann wären wir schon weiter als die Stufe des Kommunismus.


Fritze und utkieker haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#177

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 12:09
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #154
Eben. Es wird bewertet. Nichts anderes macht auch ein Hubertus Knabe.

Ihr wollt doch nicht wirklich alle "Knäblein" sein.

LG von der Moskwitschka


Guten Tag,

1. Erinnerungen und Zeugenaussagen sind wichtig in der Geschichte.
2. Eine Diskussion wird immer so sein, dass die eine Gruppe sagt: Ja, einverstanden, das war so. Eine andere Gruppe wird Zweifel äussern. Zweifel sind keine Zensur, sondern ein Gegenargument. Wenn der andere dann schweigt ist das in erster Art eine Form von Auto-Zensur.
3. Ein Historiker sollte nicht auch Prosecutor sein, Herr Knabe ist es oft, mehr als die Menschen, welche eingesperrt waren oder andere Behandlungen des MfS erlitten haben. Ist Herr Knabe ein Dissident - dann könnte ich seine Haltung etwas nachvollziehen.
4. Muss es immer eine Synthese oder einen Konsensus am Ende der Diskussion geben ? Sind wir Menschen nicht fähig, unsere eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen?

Ich habe alle Beiträge (ich muss noch arbeiten) gelesen, wenn ich Zeit hatte. Eine sehr interessante Lektüre, welche tiefe Blicke in die DDR môglich macht. Und für mich ist es natürlich, dass es verschiedene antagonistische Sichtweisen gibt. Danke!

Stringer49

PS. Eine Bemerkung zur Conspirations-Theorie: Die einzige wirkliche Zensur in unserer Zivilisation ist, leider! - bei den Medien der komerzielle Erfolg. Bücher und Fernsehdokumentationen und TV-Diskussionen, welche laut, schrill, simplizierend und polarisierend sind, verkaufen sich sehr gut. Dies hängt vom Publikum ab. Es gibt viele Bücher von Menschen, welche ihr Leben (das ist logisch) und damit auch die DDR, auch ihre negativen Aspekte verteidigen. Es sind Bücher kleiner Verlage und die grossen Verkäufer akzeptieren sie selten...

Gab es in der DDR einen Index und eine Postzeitungs-Liste (Zensur) so ist heute der Markt.


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


Moskwitschka hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 27.08.2015 12:39 | nach oben springen

#178

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 12:09
von damals wars | 12.186 Beiträge

Plastik und Kunststoffe wurden in den letzten Jahren der DDR auch gesammelt. Bei uns stand vor der Kaufhalle so eine "Gitterbox" mit Netz, in das man die Flaschen von Weichspüler und anderen Reiniungsmittel sowie Plastebecher einwerfen konnte.
Ja gerade aus der Endphase der DDR ist vieles vergessen.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#179

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 13:14
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #172
Ich möchte mich noch mal in die "Diebstahlsdebatte" einklinken.Bei der Zwangsprivatisierung des Volkseigentums wurde ich nicht gefragt und auch nicht entschädigt, zu nächst verfügte die Partei später die frei gewählte Regierung über mein Eigentum . Na nun werden da einige Winkeladvokaten feststellen, wurde bei der Vergesellschaftung der Produktion nicht auch Privatvermögen geklaut? Ja sicher doch, aber dann muss es auch erlaubt sein an den Urschleim menschlichen Seins zu erinnern, wo Alles allen gehörte und nur das persönliche Habe was man am Leibe trug einem persönlich gehörte. Erst mit der einseitigen Landnahme entstand "Eigentum".
Ich möchte folgendes Zitat als Diskussionsgrundlage anfügen:
"Der Eine bezeichnet das Eigentum als positives Recht, das aus der Besitznahme entstanden und durch das Gesetz sanktioniert sei, der andere verteidigt es als natürliches Recht, dessen Ursprung in der Arbeit beruhe: und diese Ideen haben trotz ihrer scheinbar ganz entgegengesetzten Natur dennoch beide eine große Anhängerschaft. Ich aber behaupte, dass weder die Arbeit, noch die Besitznahme, noch das Gesetz das Eigentum zu schaffen im Stande sind, dass es vielmehr eine Wirkung ohne Ursache ist: wer will mich deshalb verdammen? Was für ein Sturm der Entrüstung sich da erhebt! - Das Eigentum ist Diebstahl!" [Pierre-Joseph Proudhon 1806 - 1865]

Gruß Hartmut!




Ja Hartmut, ein schwergewichtiges Argument ohne Frage, die Henne- Ei- Problematik zeigt daß alles viel komplexer ist, als es sich außerhalb einer Doktorarbeit auf die Schnelle darlegen ließe.
Mit dem Argument könnte man aber auch behaupten:
Weil mein Nachbar Autos klaut, ist es für mich moralisch in Ordnung, daß ich nur Fahrräder klaue.
Allein in sich zu gehen und basierend auf den gesunden Menschenverstand und mit Blick auf das große Projekt, einer möglichst gerecht organisierten Gesellschaft resümierend können wir uns wohl darauf einigen, daß die Bruttonationalmoral eben nicht dazu reichte- damals wie heute.



Fritze und utkieker haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 27.08.2015 13:15 | nach oben springen

#180

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 27.08.2015 13:19
von der 39. | 522 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #171
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #162

Heiß- und Kaltmangel, auch Dinge welche es nicht mehr gibt. Jedenfalls ist es mir nicht bekannt.

Doch, gibt es noch, zumindest in Dresden und wird auch noch regelmäßig genutzt.


Leider ist unsere Rolle im Wohngebiet (auch in Dresden) dicht gemacht worden. Meine Frau bedauert das sehr
Der 39.


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