#81

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 08:05
von utkieker | 2.920 Beiträge

Tja die heutigen DDR- Erklärer geilen sich an die Unzulänglichkeiten des Systems auf und versuchen diese zu verallgemeinern. Abwechselnd bekomme ich dabei Schrei- oder Lachkrämpfe. Mag sein, daß der Staatsbürgerkundeunterricht ideologisch rosarot verfärbt war, nur passt es nicht zum Gesamtbild der DDR- Bildung. Die DDR hatte ein sehr hohes Bildungsniveau gerade in mathematisch- naturwissenschaftlichen Bereich auch im Kindergarten und der Vorschulerziehung blieb Marxismus/ Leninismus außen vor. Aber die DDR- Erklärer der Neuzeit haben sogar im Sandmännchen so eine Art Führerkult entdeckt und Ähnlichkeiten zu Lenin und Ulbricht angedichtet. Schließlich hat das Ost- Sandmännchen den West- Sandmann überlebt.
Nehmen wir das Gesundheitswesen, der größte Mangel bestand darin, daß nicht alle Arzneien und medizinischen Hilfsgeräte in ausreichenden Maß zur Verfügung standen. Immerhin gab es Apotheker, die ihr Handwerk noch verstanden und nicht nur Fachverkäufer diverser Medikamente waren. Die Polikliniken hatten eine Rundumversorgung von 8 Uhr bis 19 Uhr. Heute kann man froh sein, wenn man einen niedergelassenen Facharzt findet der Freitagnachmittag noch geöffnet hat.
Möge mir Niemand sagen, der Alltag war prinzipiell um die Sorge um Reise-, Wahl- oder Pressefreiheit bestimmt. Aber selbst diese Freiheiten haben sich die Bürgerinnen und Bürger selbst erstritten ohne Kohl und Genscher und das ist gut so.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#82

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 08:35
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Moin utkieker,

Recht haste...danke.

Leider gibt es einige DDR Hasser, leider auch hier. Da war alles schlecht und bleibt schlecht. Einfach keine Objektivität vorhanden. Schade eigentlich.

Ergänzen muss man: Termin beim Facharzt manchmal erst nach 3 Monaten (und mehr!) Wartezeit.

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#83

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 09:07
von matloh | 1.204 Beiträge

Sind die im Threadtitel angesprochenen 98% eigentlich die 98% der Bevölkerung, die "Die Linke" wählen?

cheers matloh


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
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#84

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 09:11
von Stringer49 | 700 Beiträge

Guten Tag,

das ist sehr passionant, was hier geschrieben wurde. Ich möchte mich (ich bin nur allein) dafür bedanken, dass einige geschrieben haben, warum sie weder ihre guten Erinnerungen an die DDR aufgeben möchten noch die, in ihren Augen, Hass akzeptieren.

Ich habe trotzdem einige Fragen:

- Warum ist Kritik an einem vergangenen politischen System oft als Hass angesehen? (Ich meine, dass man wirkliche Hass-Tiraden nicht beantworten muss, Indifferenz ist eine gute Antwort auf schlechte Erziehung)

- Manchmal denke ich, dass einige sich so verletzt fühlen, dass sie ihre eigene Lebensleistung (ich glaube, dass war ein Schröder-Wort) vergessen. Ist das eine besondere Sensibilität, weil es in der DDR das oft sehr harte Konfrontieren zwischen Mehrheit und Minderheit nicht gab?

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#85

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 09:36
von Pit 59 | 10.138 Beiträge

Die Polikliniken hatten eine Rundumversorgung von 8 Uhr bis 19 Uhr. Heute kann man froh sein, wenn man einen niedergelassenen Facharzt findet der Freitagnachmittag noch geöffnet hat.

Hartmut ,das ist aber eine Komische Runumversorgung,das Wort beinhaltet das ein Arzt 24 Stunden für mich da ist.Und genau das gibt es Heute,jedes Krankenhaus hat eine Notfallambulanz und ist 24 Stunden für den Kranken Bürger da.Natürlich kann das auch mit Wartezeiten verbunden sein,aber um das Anliegen wird sich gekümmert. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen,das dieser Dienst auch Missbraucht wird,und die Leute werden mit allem möglichen Vorstellig,was einem dringenden Arztbesuch nicht gerecht wird.


andyman und Lutze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#86

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 09:46
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #85
Die Polikliniken hatten eine Rundumversorgung von 8 Uhr bis 19 Uhr. Heute kann man froh sein, wenn man einen niedergelassenen Facharzt findet der Freitagnachmittag noch geöffnet hat.

Hartmut ,das ist aber eine Komische Runumversorgung,das Wort beinhaltet das ein Arzt 24 Stunden für mich da ist.Und genau das gibt es Heute,jedes Krankenhaus hat eine Notfallambulanz und ist 24 Stunden für den Kranken Bürger da.Natürlich kann das auch mit Wartezeiten verbunden sein,aber um das Anliegen wird sich gekümmert. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen,das dieser Dienst auch Missbraucht wird,und die Leute werden mit allem möglichen Vorstellig,was einem dringenden Arztbesuch nicht gerecht wird.


Die Notfallambulanz gibt es nicht nur heute--die gab es auch schon zu DDR-Zeiten---also da hat man nichts neues erfunden--Außer--aus den Polikliniken hat man nun Ärztehäuser--auch nichts neues


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#87

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 09:56
von Pit 59 | 10.138 Beiträge

Jürgen,mir ging es in erster Linie um die Aussage das man Freitagnachmittag keinen Arzt mehr findet .


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#88

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 10:06
von DoreHolm | 7.695 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #79
Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #73
Zitat von Hanum83 im Beitrag #38
Wen sollen wir denn die DDR erklären, den Bewohnern der alten Bundesländer, den jungen Leuten?
Ich glaub beiden Gruppen ist diese DDR wohl mittlerweile größtenteils ziemlich schnuppe.
Denen die drin gewohnt haben braucht man sie eigentlich nicht noch mal nachträglich zu erklären.
Oder sollen gerade die nun endlich auch noch kapieren wie schön es dort war?


Wenn die heutige Jugend die Möglichkeit hat, die Wahrheit über die DDR aus der Sicht des gewöhnlichen Bürgers zu erfahren, dann wird die Frage einer alternative zur neoliberal-extremistischen Diktatur des Kapitals die jugend auch wieder politisieren. 1968 ist nicht vergessen und kann sich wiederholen. Und der Wahlslogan "Sozialismus statt Sozialamt" könnte in einer Gesellschaft mit immer mehr H.IV- und Junkjob-Sektor mehrheitsfähig werden, wenn die Schreckgespenster der Hubertusknaben als Lug und Trug entlarvt sind.


Ok, mal abgesehen von der guten Fettmilch, die Wahl zwischen der neoliberal-extremistischen Diktatur des Kapitals und der Diktatur des Proletariats fällt mir leicht, ich nehm mal erstere.
Warum?
Der Pit das alte Fettauge hat das schon relativ gut beschrieben.
Zum Leben gehört einfach mehr dazu als ein voller Teller, eine billige Miete und ein fester Arbeitsplatz.
Auch wenn die Kapitalismus-Vertäufeler mich nun wieder als nicht ganz dicht hinstellen, ein ganz wichtiger Teil des menschlichen Empfindens ist die Freiheit, ja das süße Wort mit dem manche partout nichts anzufangen wissen.
Auch wenn diese Freiheit durchaus Risiken birgt, siehe H4, trotzdem macht sie viel mehr Spaß als wenn irgendjemand per Direktive festlegt was für dich gut oder schlecht ist.
Achso, eh irgendwelche Verweise darauf kommen, mir sind durchaus auch Begriffe wie NSA, TTIP u.s.w. geläufig
Zur Schulanfangsfeier meiner Enkeltochter am letzten Samstag waren 50 Personen anwesend, ein illustrer Querschnitt durch unsere heutige Gesellschaft und der vergangenen, auch Jahrgänge von 1930, ehemalige Funktionsträger im Range eines ehemaligen Majors und Sozialisten aus tiefsten Herzen.
Weist du was in Gesprächen rüber kam?
Die DDR, so als Alternative, wollen nicht mal die zurück, sonderbar, oder?




Grün: Kapitalismusverteufeler ? Mir scheint, daß nicht nur Du, sondern auch einige andere User jeden kapitalismuskritische Äußerung hier als Kapitalismusverteufelung auffasst. Warum diese übertriebene Empfindlichkeit ? Wer verteufelt hier den kapitalistische Produktionsweisen pauschal in jeder Weise ? Nicht mal ich . Selbst ausgewiesene Linke akzeptieren Privateigentum an PM bis zu einem gewissen Grade. Wenn diese heutige Gesellschaft ihren Anspruch von "Sozialer Marktwirtschaft" wenigsten annähernd gerecht würde und den Eigentümern an PM klar wäre, daß Eigentum auch verpflichtet und nicht als Druckmittel gegen Arbeitnehmer und Regierungen mißbraucht werden darf, könnten sehr viel Menschen damit leben.

Rot: Was wundert Dich daran ? Das ist m.E. wieder die alte denkweise einiger User, einmal ein DDR-Funktionär und überzeugter Sozialist, dann immer einer. Das erlebe ich hier schon, seit ich hier im Forum bin, daß einige User hier DDR-Funktionsträgern, führenden Mitarbeitern von Sicherheitsorganen und normalen, von der sozialistischen Idee überzeugten Bürgern einfach die Fähigkeit absprechen, einen Erkennisgewinn durchlaufen zu können. Da habe ich eher den Eindruck, daß mangelnder Wille oder auch Fähigkeit zu solchen Umdenkprozessen eher bei einer anderen Fraktion anzutreffen ist.



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#89

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 10:14
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #87
Jürgen,mir ging es in erster Linie um die Aussage das man Freitagnachmittag keinen Arzt mehr findet .


Sicher ist damit der Hausarzt gemeint. Aber sicher findet man einen Arzt (Notarzt) in Krankenhäuser. Es gab damals wie auch heute die sogenannten Bereitschaftsärzte. Ich kenne das nur so--das diese in den Tageszeitungen standen,wer am Wochenende Bereitschaft hatte und welches Krankenhaus für Notfälle zu Verfügung stand:


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#90

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 10:16
von DoreHolm | 7.695 Beiträge

Zitat von matloh im Beitrag #83
Sind die im Threadtitel angesprochenen 98% eigentlich die 98% der Bevölkerung, die "Die Linke" wählen?

cheers matloh


Ist es für Dich so, daß alle, die sich nicht ihre guten Erinnerungen an ihre Lebenszeit in der DDR ausreden lassen, automatisch Linke-Wähler sein müssen? Dann liegst du aber ganz falsch. Vergiss bitte nicht, daß auch die SED mal aus einer SPD und KPD hervorgegangen ist, ohne jetzt gleich wieder eine Grundsatzdiskussion über Freiwilligkeit oder Druck bei der Vereinigung lostreten zu wollen. Auch sozialdemokratisches Gedankengut ist in den Mitgliedern dieser Partei vorhanden gewesen. Meine Großeltern väterlicherseits ware z.B. nebenamtliche Funktionäre in der Gubener Ortsgruppe der SPD und so wurde auch mein Vater vom Grundsatz her erzogen. Für ihn kamen eine Reihe Überspitzungen zu tiefen DDR-zeiten (z.B. Westantennen vom Dach) nicht in die Tüte, trotz SED-Mitgliedschaft, kommunaler und Wirtschaftsfunktionen.



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#91

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 10:18
von utkieker | 2.920 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #87
Jürgen,mir ging es in erster Linie um die Aussage das man Freitagnachmittag keinen Arzt mehr findet .

Zu mindestens keine Regelambulanz. Meine Mutter war viele Jahre in der Poliklinik beschäftigt. Alle gängigen Fachärzte waren im Haus und davon mindestens zwei Ärzte, damit konnte man von 8 Uhr bis 19 Uhr einen Arzt vor Ort finden und das von Montag bis Freitag, keine lange Wartezeiten auf Termine und keine Odyssee durch die Stadt bis man per Zufall an den richtigen Arzt gefunden hat. Ergänzt wurde das Poliklinik- System durch Land- und Betriebsambulanzen. Die Ärztehäuser kommen den System Poliklinik schon recht nahe mit einer Konzentration niedergelassener Ärzte und dennoch sind sie meilenweit davon entfernt. Die Öffnungszeiten per Zufall, Land- und Betriebsambulanzen Fehlanzeige manche Fachärzte kann man mit dem Elektronenmikroskop suchen. Ich brauchte für den Augenarzt einen Termin der mir in 6 Monaten in Aussicht gestellt wurde, stell dir vor solche Wartezeiten brauchst du beim Frauenarzt um eine Schwangerschaft festzustellen, dann ist wohl "besser" man geht zur Notfallambulanz - irre!

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
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#92

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 11:07
von Heckenhaus | 5.130 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #75

Es geht mir gerade nicht um die Wahrnehmung und Bewertung der Politik, sondern um Zeitzeugenberichte aus dem Alltagsleben. Und das kann man über die Zeit, wo man etwa 18 ist, durchaus schon tuen.


Mit 18 damals hatten die meisten Jugendlichen noch die Füße unterm Tisch der Eltern, mußten ihre Freizeit in der Gemeinschaft
ihresgleichen verbringen, unter persönlichem Einsatz, denn PC, Handy und FB kannte man noch nicht.
Oft waren sie gerade mit der Lehre fertig und verdienten das erste Geld, oder es stand bald eine Hochzeit ins Haus, denn mit Anfang
20 waren die Familien meist gegründet.
Gut, soll diese Generation selbst schildern, wie "schlecht" es ihr ging, oder auch nicht.
Ältere haben es jedenfalls sehr oft zu annehmbaren Wohlstand gebracht, und nicht nur in der Großstadt.
Ja, die Beschaffung lief nicht so wie heute mit Supermärkten und Einkaufstempeln, aber ob die heutige Lebensart die optimale ist,
ich weiß nicht.
Meine beiden Töchter, geb. 1972 und 1976, haben keinen Mangel gelitten, haben Berufe erlernt, sie haben nicht geklagt, und selbst
heute noch haben sie kein schlechtes Bild von der DDR. Bei einigen Usern ist es anscheinend eine Art Herdentrieb , zu denen gehören
zu müssen, die nur schlechte Zeiten ins Feld führen. Gruppenzwang ??
Die DDR MUSS schlecht gewesen sein, alles, was gegenteilig ist, ist gelogen. Oder darf es andere Meinungen geben ? Ohne Spott ?
(Liest man doch allenthalben hier)


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#93

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 12:02
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #92

[...]
...aber ob die heutige Lebensart die optimale ist, ich weiß nicht.
[...]



Die darin geborenen haben diesen Zweifel auch. Es ist deshalb normal, dass Menschen immer nach anderen Wegen suchen und daran aktiv beteiligt sein wollen.
Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#94

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 12:10
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich lese etwas von DDR schlecht machen. Wo fängt schlecht machen an? Kann auch schreiben nicht alles war gut. Wo ist der Unterschied? Schlechtes und Gutes gehören doch irgendwie zusammen. Natürlich konnte man in der DDR leben. Viele hatten sich mit dem System arrangiert und machten das Beste daraus. Nicht jedes Partei Mitglied war überzeugter Genosse. Gewisse Privilegien und Vorteile brachte es aber. Warum anecken? Alles lief seinen sozialistischen Gang. Der Alltag soll im Vordergrund stehen. Die Erwartungen der Menschen ist nie gleich. Einer war zufrieden mit dem billigen FDGB Ferienplatz, den billigen Mieten und Grundnahrungsmitteln. Leben konnte man ohne Angst vor Arbeitslosigkeit, vor Drogendealern und die Kriminalität war gering. Die Volkspolizei hatte Respekt und Hooligans wie heute üblich waren kaum vorhanden. Die Kinder waren im Kindergarten gut aufgehoben. Bei den Pionieren lernten sie noch was Anstand und Sitte ist. Hat mir gefallen wenn ein Kind in der Straßenbahn aufstand und seinen Platz anbot. Über die Straße helfen, war für sie Selbstverständlich. Das vermisse ich heute, alter Sack kommt schon mal aus ihren Mund. Gab es früher nicht. Die Lehrkörper waren Respektpersonen, Und heute? Mir gefiel die Hausgemeinschaft und gegenseitige Hilfe war fast normal. Für mich war die medizinische Versorgung ausreichend. Ohne Zähne brauchte niemand durch die Gegend laufen. Es sind auch nicht einige Südfrüchte die es nicht oder kaum gab was mich störte. Wo kann man so billig öffentliche Verkehrsmittel wie damals benutzen. Und doch hatte alles seine Kehrseite. Offene Kritik am System konnte viel Ärger einbringen. Das konnte schon mal Gefängnis bedeuten. Besser wäre es gewesen sich mit diese Menschen auseinander zu setzen. Kritik kann konstruktiv sein. Wie schon geschrieben leben konnte man in der DDR wenn man die Leine bis dahin und nicht weiter akzeptierte. Hinter den Horizont schauen konnte man in der Regel in die sozialistische Richtung. Die Andere wurde zugemauert und vermint. Im Prinzip wurde die Richtung von der Partei bestimmt. Wie war das in den 60ern als die Stones und Beatles aufkamen? Verbote . Wer erinnert sich noch an die Beat. Demo in Leipzig? Die Westantenne sollte vom Dach, und „Antennenstürmer“ der FDJ machten die Runde. Es geht doch überhaupt nicht um die DDR schlecht machen. Schreiben wie sie war, das soll es doch sein. Mache ich dass wie ich sie sehe bekomme ich als Antwort :
Dein Text liest sich genau wie die Auftragswerke, welche die Hubertusknaben als Lehrdoktrin den Schülern in die Köpfe prügeln wollen.
Ich habe längst meinen Frieden mit der DDR und allen was dazu gehört geschlossen. Ich hasse nicht, gehöre zu denen die Aufeinander zugehen können, zuhören können und vor allen versuche zu verstehen. Ich sehe im anders Denkenden schon lange keinen Feind mehr. Öfters schon schrieb ich aus seiner politischen Überzeugung sollte niemand Nachteile haben.
Man muss die DDR in ihrer Gesamtheit sehen, und da sehe ich eben auch Unrecht, Beschränkung der Freiheit und Bevormundung. Der Staat gab vor, wer sich daran hielt hatte nichts zu befürchten. Ich hielt mich nicht daran und versuchte sogar die DDR zu verlassen.
18 Monate Zuchthaus dafür? Nein das fand ich sehr ungerecht. Zum Glück habe ich es später doch noch geschafft die DDR zu verlassen. Zu den Hubertusknaben zähle ich mich noch lange nicht. Ich sehe auch heute in unserem Deutschland das Negative. Doch hier soll von der DDR erzählt werden. Die Wahrheit ist wichtig, und wenn es Schlechtes gab muss das mit auf den Tisch. Das hat mit schlecht machen nichts zu tun. Mit Scheuklappen und die Ohren voller Schmalz können doch nur die Wenigsten durch die Gegend gelaufen sein. Für mich bleibt die DDR immer ein Teil in meinen Leben, sie formte mich mit. Nachtrauern nein das tue ich nicht da für mich das Negative überwiegt. Akzeptiere aber die welche es anders sehen. Die Vergleiche ich nicht mit ewig Gestrigen. Mit dem Hubertusknaben kann ich leben habe wahrscheinlich mehr Toleranz wie der Thread Eröffner. Um es noch einmal klar zu machen, es war richtig nach 1945 etwas Neues zu versuchen. Ich habe nicht die sozialistische Idee verteufelt. Es war das wie man es umsetzen wollte. Als dem Bürger bewusst wurde es muss sich etwas ändern, er mündig wurde war es zu spät. Die realitätsblinde Alt Herrenriege hätte schon lange in Rente geschickt werden müssen. Die Genossen in ihrem Kadaver Gehorsam oder an ihren Eid gebunden wussten was Fakt ist. Unternommen haben sie nach meiner Meinung kaum etwas. Eventuell wäre die DDR zu retten gewesen. Später sah der Gegner seine Chance und nutze sie. Die DDR ist und bleibt Geschichte. Und sie vermissen oder nicht, das darf doch jeder von mir aus wie er möchte. Ich vermisse sie nicht. Sie vermittelte mir gute Werte aber nahm mir auch meine Freiheit als ich nicht akzeptieren konnte.


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zuletzt bearbeitet 25.08.2015 13:51 | nach oben springen

#95

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 13:52
von Mike59 | 7.963 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #84
Guten Tag,

das ist sehr passionant, was hier geschrieben wurde. Ich möchte mich (ich bin nur allein) dafür bedanken, dass einige geschrieben haben, warum sie weder ihre guten Erinnerungen an die DDR aufgeben möchten noch die, in ihren Augen, Hass akzeptieren.

Ich habe trotzdem einige Fragen:

- Warum ist Kritik an einem vergangenen politischen System oft als Hass angesehen? (Ich meine, dass man wirkliche Hass-Tiraden nicht beantworten muss, Indifferenz ist eine gute Antwort auf schlechte Erziehung)

- Manchmal denke ich, dass einige sich so verletzt fühlen, dass sie ihre eigene Lebensleistung (ich glaube, dass war ein Schröder-Wort) vergessen. Ist das eine besondere Sensibilität, weil es in der DDR das oft sehr harte Konfrontieren zwischen Mehrheit und Minderheit nicht gab?

Stringer49


Ja, der Blick von außen - das ist oft erhellend.

Ich persönlich glaube eher, es ist eine Art Scham welche sich daraus ergibt das heute eine klare Stellung gefordert wird. Ich will sagen es werden keine Grautöne zugelassen. Entweder dafür oder dagegen - die Masse der Menschen wollte einfach nur Leben. Hört sich etwas trivial an ist aber auch heute so.
Also wird gefordert das man sich klar positioniert - da beginnt der Mensch eben oft sich eine Legende zu stricken, funktioniert aber nicht immer deswegen wird heute von vielen mit Vehemenz betont das sie in der DDR immer mit einer Faust in der Hosentasche durch Leben gegangen sind. Hat zwar keiner bemerkt, aber es beruhigt. Sollte dies auch nicht richtig funktionieren, aus welchen Gründen auch immer, bleibt noch die Möglichkeit sich ganz besonders negativ zu äußern.


Fritze und Fello haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#96

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 14:44
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #95

[...]
Ich persönlich glaube eher, es ist eine Art Scham welche sich daraus ergibt das heute eine klare Stellung gefordert wird. Ich will sagen es werden keine Grautöne zugelassen. Entweder dafür oder dagegen - die Masse der Menschen wollte einfach nur Leben. Hört sich etwas trivial an ist aber auch heute so.
Also wird gefordert das man sich klar positioniert - da beginnt der Mensch eben oft sich eine Legende zu stricken, funktioniert aber nicht immer deswegen wird heute von vielen mit Vehemenz betont das sie in der DDR immer mit einer Faust in der Hosentasche durch Leben gegangen sind. Hat zwar keiner bemerkt, aber es beruhigt. Sollte dies auch nicht richtig funktionieren, aus welchen Gründen auch immer, bleibt noch die Möglichkeit sich ganz besonders negativ zu äußern.



Aber das ist diese Zivilisation, welche die Polarisierung benötigt - in der Wirtschaft, und das ist die Grundlage, gibt es keinen zweiten Sieger.

Ich meine aber, dass wir uns dagegen stellen sollten, vor allem in der Darstellung der Geschichte. Wir brauchen nicht das zu machen, was uns Murdoch und die anderen aufgeben.

Es ist leicht für mich es zu sagen: Es sollte keine Scham geben. Jeder hat ein Leben und hat etwas zu sagen, aber wir können auch nicht allen gefallen mit unserer Meinung. Scham ist nicht gleich zu sagen: Ja, ich habe das nicht gut gemacht, ich habe mich geirrt, ich habe an etwas geglaubt.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#97

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 15:40
von StabsfeldKoenig | 2.644 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #78
Wer damals in seinem beruf aufgehen konnte, heute aber aberbeitslos ist, in einem Callcenter andere Menschen mit sinnlosen Angeboten nerven muß oder von einem Sklaventreiber namens Leiharbeitesfirma quer durch das land geschickt wird, versteht mein anliegen.

Nee,verstehe ich nicht,vor allem nicht Dich als 1965 geborener.Vieleicht hätte man auch mal seinen Pops drehen müssen. Wenn ich z.B. Dreher gelernt habe (auf Konventionellen) Maschinen dann hätte ich vieleicht mal einen CNC Lehrgang machen sollen. Händeringend werden solche Leute gesucht.
Selbst ich habe als 1959 geborener nach der Wende noch einen Beruf gelernt,um meinen Job sicherer zu machen.
Ich weiss nicht was bei Dir los war wenn Du schreibst Jahrelang Arbeitslos,vieleicht tue ich Dir auch Unrecht,vieleicht warst Du ja Krank um Dich weiter zu Qualifizieren,wenn ja dann kann dafür Niemand etwas,lasse dafür aber nicht Deinen Frust an der Gesellschaft aus.


Zwei Weiterbildungen habe ich absolviert, ohne daß ich eine entsprechende Arbeit erhalten konnte. Weiterbildungen oder Umschulungen in anderer Richtunghabe ich, trotz mehrfachen Nachfragen nicht erhalten, dafür immer nur Arbeitsplatzangebote im Junkjobsektor, da es offizielle Politik ist, den Fachkräftemangel zu beklagen, aber Fachkräfte zu dequalifizieren und auf Arbeitsplätze zu drücken, die eigentlich Schulabbrechern vorbehalten bleiben sollte.



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#98

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 15:51
von StabsfeldKoenig | 2.644 Beiträge

Zitat von berlin3321 im Beitrag #80
Morjen Forum,

ich weiß nicht ob das hierher passt. Ich kenne die DDR ja nur aus dem kleinen Grenzverkehr und meine "Verwandtschaft" (und deren Nachbarn).

Wohnen war billig, Essen war billig (Grundnahrungsmittel), es musste niemand hungern. Trotzdem war es eine Mangelwirtschaft. Ein Sack Zement zu bekommen war schwierig, ging nur mit Beziehung oder der "Zweitwährung). Öl für den (seltenen) 4 Takt PKW gab es nur wenn Du Altöl abgegeben hast. Unsw......

Man muss eins klar feststellen: Es gab Dinge in der DDR die waren nicht die schlechtesten......oder untern Strich bleibt ein Minus.

Ich schließe mich da Turtle an, mehr ist da eigentlich nicht dazu zu sagen.

MfG Berlin

Edit: Rechtschreibung


Man bekam an der Tankstelle auch Öl, um nachzufüllen, da ein Viertaktmotor immer einen gewissen Ölverbrauch hat (Wenn nicht, dann drückt Benin ins Öl, Gefahr vom Kolbenklemmer). Das beim Verkauf größerer Ölmengen Altöl zurückverlangt wurde, sollte verhindern, daß Altöl umweltschädlich entsorgt wurde (entgegen anderslautenden Gerüchten gab es auch in der DDR Gesetze zum Umweltschutz, hinsichtlich der Kreislaufwirtschaft war die DDR der BRD weit voraus, selbst heute werden Sekundärrohstoffe nicht so effektiv erfaßt). Übrigens wurden auch Autobatterien zurückverlangt, man mußte bei Neukauf eine alte abgeben, seit kurzen hat man übrigens eine Pfandplicht zum selben Zweck wieder eingeführt.



andyman und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#99

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 15:57
von StabsfeldKoenig | 2.644 Beiträge

Zitat von matloh im Beitrag #83
Sind die im Threadtitel angesprochenen 98% eigentlich die 98% der Bevölkerung, die "Die Linke" wählen?

cheers matloh


Es geht hier nicht um die Frage, was einer wählt oder denkt, sondern das möglichst viele DDR-Bürger über ihr Leben im Alltag berichten. Für die heutige Jugend soll ein objektives Bild entstehen, wie man damals lebte. Ich habe schon öfter erlebt, daß bei Ausstellungen, die die DDR betreffen, andere Besucher gezeigte Exponate nicht einordnen können und ein völlig falsches Bild hatten.



seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#100

RE: 98% der DDR

in DDR Staat und Regime 25.08.2015 15:58
von Pit 59 | 10.138 Beiträge

Das beim Verkauf größerer Ölmengen Altöl zurückverlangt wurde, sollte verhindern, daß Altöl umweltschädlich entsorgt wurde (entgegen anderslautenden Gerüchten gab es auch in der DDR Gesetze zum Umweltschutz, hinsichtlich der Kreislaufwirtschaft war die DDR der BRD weit voraus


Und Du bist von dem was Du hier schreibst immer Überzeugt ? Ich fürchte fast ja.


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