#1

Fallschirmsprungprogramm

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 16.08.2015 17:01
von Beethoven | 137 Beiträge

Ich muss voraus schicken, dass es in der NVA mehrere Truppen gab, die eine Fallschirmsprungausbildung erhielten.
Ich kann mich erinnern, dass so um 1979/80 einmal etwa 15 Offiziere der Grenztruppen der DDR, für etwa 3 Monate im FJB-40 waren und dort eine "Kurzbesohlung" in was weiß ich (war nicht involviert) erhalten haben. Waren alles junge Offiziere so um Oltn. / Hptm. Ich war selber zu jenem Zeitpunkt noch Leutnant und Zugführer sah diese Männer also nur in der Kantine und wenn sie ins "Feld" zogen. Sie machten eine Bergsteigerausbildung und erwarben das Fallschirmsprungabzeichen. Ansonsten machten sie wohl viel Taktik. Der Ausbilder war damals der Stellvertreter Ausbildung - Big Fish.

Im Fallschirmsprung wurden in der NVA ausgebildet, die Fallschirmjäger (ist ja klatr), die Angehörigen der Spezialaufklärungskompanie 3 und 5 (das waren die Aufklärungskompanien der Militärbezirke die in den FuFuTAB integriert waren), die Angehörigen der 2. Kompanie (Aufklärungskompanie) der Sektion 2, der OHS "Ernst Thälmann" und die Angehörigen des KSK-18 (Kampfschwimmerkommando-18).

Die Soldaten der Spezialaufklärungskompanie des MB 3 und 5 waren zu etwa 50 % Soldaten im GWD.

In den Fernaufklärungszügen der Divisionen wurde keine Fallschirmsprungausbildung durchgeführt obwohl die vorgesetzten Offiziere alle an der OHS gesprungen sind.

Übrigens auch im MFS und im WR "FED" gab es springende Soldaten.

Im Zuge der Wende wurde im MfNV / MfA eine Abteilung Terrorabwehr / Personenschutz aus dem Boden gestampft. Hier war vorgesehen, dass diese Angehörigen auch eine Fallschirmsprungausbildung erhalten sollten. Bestand diese Truppe doch ebenfalls zu über 50 % aus ehemaligen Fallschirmjägern und anderen Spezialisten. Jedoch war die Zeit schneller als die Vorhaben. Die Truppe war noch nicht mal zu 20 % aufgefüllt und verschwand dann.

Alle Soldaten der Kampfkompanien und des Aufklärungszuges sowie der Nachrichten- (später) Stabskompanie des FJB / LStR absolvierten bereits in der GST die vormilitärischen Ausbildung Laufbahn "Fallschirmjäger". So hatten diese Soldaten, wenn sie ins Truppenteil kamen, mindestens 12 Fallschirmsprünge, konnten die Technik selber packen, hatten die Fahrerlaubnis I und V, konnten funken (Zahlen) und hatten auch sonst eine umfangreiche Ausbildung genossen in Topographie, Märschen, Schießen usw..
Darauf konnte im Truppenteil aufgebaut werden.

Die Angehörigen der anderen Truppenteile konnten darauf nicht zurück greifen und so war die Ausbildung und das Fallschirmsprungprogramm ein etwas anderes.

Das Springerprogramm im FJB / LStR sah wie folgt aus und wurde im Sprunglager gesprungen. Hinzu kamen noch einige Sprünge bei Übungen und solchen Sachen.

Es sah für das 1. Dienstjahr wie folgt aus:

Art Höhe Verzögerung LFZ Bemerkung

1. Einweisungssprung 600 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 ohne Ausrüstung
2. Üb-Gefechtssprung 600 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 mit teilw. Gefechtsausrüstg.
3. Üb-Sprung 600 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 zusätzl. öffnen Rettungsgerät
4. Üb-Gefechtssprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall AN-2 teilw. Gefechtsausrüstg.
5. Üb-Gefechtssprung 500 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 voller Gefechtsausrüstg.
6. Üb-Sprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall Mi-8T ohne Ausrüstung
7. Üb-Sprung 600 m mit 3 Sek. stab. Fall Mi-8T bei Nacht
8. Üb-Sprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall AN-26 ohne Gefechtsausrüstung
9. Üb-Gefechtssprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall AN-26 teilw. Gefechtsausrüstg.
10. Üb-Sprung 500 m Sofortöffnung Mi-8T Wassersprung


Das zweite und dritte Dienstjahr absolvierten das selbe Fallschirmsprungprogramm.

Dies sah so aus:

Art Höhe Verzögerung LFZ Bemerkung

1. Üb-Gefechtssprung 500 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 teilw. Gefechtsausrüstg.
2. Üb-Gefechtssprung 400 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 mit voller Gefechtsausrüstg.
3. Üb-Gefechtssprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall AN-2 mit voller Gefechtsausrüstg.
4. Üb-Gefechtssprung 1100 m mit 10 Sek. stab. Fall AN-2 mit voller Gefechtsausrüstg.
5. Üb-Gefechtssprung 500 m mit 3 Sek. stab. Fall Mi-8T mit angelegter vollständ. pers. Schutzausrüstung
6. Üb-Gefechtssprung 500 m mit 3 Sek. stab. Fall Mi-8T bei Nacht mit voller GefA.
7. Übungssprung 1100 m mit 10 Sek. stab. Fall Mi-8T bei Nacht
8. Übungssprung 300 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2
9. Üb-Gefechtssprung 300 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-26 teilw. Gef-ausrüstg.
10. Üb-Gefechtssprung 400 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-26 mit voller Gef-ausrüstg.

In diesem Sinne - immer ordentlich packen


Schlutup, Klauspeter, Harsberg, Theo85/2, 94, Hanum83, DoreHolm, Fritze, LO-Wahnsinn und Kalubke haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: Fallschirmsprungprogramm

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 16.08.2015 17:24
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Beethoven im Beitrag #1
Ich muss voraus schicken, dass es in der NVA mehrere Truppen gab, die eine Fallschirmsprungausbildung erhielten.
Ich kann mich erinnern, dass so um 1979/80 einmal etwa 15 Offiziere der Grenztruppen der DDR, für etwa 3 Monate im FJB-40 waren und dort eine "Kurzbesohlung" in was weiß ich (war nicht involviert) erhalten haben. Waren alles junge Offiziere so um Oltn. / Hptm. Ich war selber zu jenem Zeitpunkt noch Leutnant und Zugführer sah diese Männer also nur in der Kantine und wenn sie ins "Feld" zogen. Sie machten eine Bergsteigerausbildung und erwarben das Fallschirmsprungabzeichen. Ansonsten machten sie wohl viel Taktik. Der Ausbilder war damals der Stellvertreter Ausbildung - Big Fish.

Im Fallschirmsprung wurden in der NVA ausgebildet, die Fallschirmjäger (ist ja klatr), die Angehörigen der Spezialaufklärungskompanie 3 und 5 (das waren die Aufklärungskompanien der Militärbezirke die in den FuFuTAB integriert waren), die Angehörigen der 2. Kompanie (Aufklärungskompanie) der Sektion 2, der OHS "Ernst Thälmann" und die Angehörigen des KSK-18 (Kampfschwimmerkommando-18).

Die Soldaten der Spezialaufklärungskompanie des MB 3 und 5 waren zu etwa 50 % Soldaten im GWD.

In den Fernaufklärungszügen der Divisionen wurde keine Fallschirmsprungausbildung durchgeführt obwohl die vorgesetzten Offiziere alle an der OHS gesprungen sind.

Übrigens auch im MFS und im WR "FED" gab es springende Soldaten.

Im Zuge der Wende wurde im MfNV / MfA eine Abteilung Terrorabwehr / Personenschutz aus dem Boden gestampft. Hier war vorgesehen, dass diese Angehörigen auch eine Fallschirmsprungausbildung erhalten sollten. Bestand diese Truppe doch ebenfalls zu über 50 % aus ehemaligen Fallschirmjägern und anderen Spezialisten. Jedoch war die Zeit schneller als die Vorhaben. Die Truppe war noch nicht mal zu 20 % aufgefüllt und verschwand dann.

Alle Soldaten der Kampfkompanien und des Aufklärungszuges sowie der Nachrichten- (später) Stabskompanie des FJB / LStR absolvierten bereits in der GST die vormilitärischen Ausbildung Laufbahn "Fallschirmjäger". So hatten diese Soldaten, wenn sie ins Truppenteil kamen, mindestens 12 Fallschirmsprünge, konnten die Technik selber packen, hatten die Fahrerlaubnis I und V, konnten funken (Zahlen) und hatten auch sonst eine umfangreiche Ausbildung genossen in Topographie, Märschen, Schießen usw..
Darauf konnte im Truppenteil aufgebaut werden.

Die Angehörigen der anderen Truppenteile konnten darauf nicht zurück greifen und so war die Ausbildung und das Fallschirmsprungprogramm ein etwas anderes.

Das Springerprogramm im FJB / LStR sah wie folgt aus und wurde im Sprunglager gesprungen. Hinzu kamen noch einige Sprünge bei Übungen und solchen Sachen.

Es sah für das 1. Dienstjahr wie folgt aus:

Art Höhe Verzögerung LFZ Bemerkung

1. Einweisungssprung 600 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 ohne Ausrüstung
2. Üb-Gefechtssprung 600 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 mit teilw. Gefechtsausrüstg.
3. Üb-Sprung 600 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 zusätzl. öffnen Rettungsgerät
4. Üb-Gefechtssprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall AN-2 teilw. Gefechtsausrüstg.
5. Üb-Gefechtssprung 500 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 voller Gefechtsausrüstg.
6. Üb-Sprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall Mi-8T ohne Ausrüstung
7. Üb-Sprung 600 m mit 3 Sek. stab. Fall Mi-8T bei Nacht
8. Üb-Sprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall AN-26 ohne Gefechtsausrüstung
9. Üb-Gefechtssprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall AN-26 teilw. Gefechtsausrüstg.
10. Üb-Sprung 500 m Sofortöffnung Mi-8T Wassersprung


Das zweite und dritte Dienstjahr absolvierten das selbe Fallschirmsprungprogramm.

Dies sah so aus:

Art Höhe Verzögerung LFZ Bemerkung

1. Üb-Gefechtssprung 500 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 teilw. Gefechtsausrüstg.
2. Üb-Gefechtssprung 400 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2 mit voller Gefechtsausrüstg.
3. Üb-Gefechtssprung 600 m mit 5 Sek. stab. Fall AN-2 mit voller Gefechtsausrüstg.
4. Üb-Gefechtssprung 1100 m mit 10 Sek. stab. Fall AN-2 mit voller Gefechtsausrüstg.
5. Üb-Gefechtssprung 500 m mit 3 Sek. stab. Fall Mi-8T mit angelegter vollständ. pers. Schutzausrüstung
6. Üb-Gefechtssprung 500 m mit 3 Sek. stab. Fall Mi-8T bei Nacht mit voller GefA.
7. Übungssprung 1100 m mit 10 Sek. stab. Fall Mi-8T bei Nacht
8. Übungssprung 300 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-2
9. Üb-Gefechtssprung 300 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-26 teilw. Gef-ausrüstg.
10. Üb-Gefechtssprung 400 m mit 3 Sek. stab. Fall AN-26 mit voller Gef-ausrüstg.

In diesem Sinne - immer ordentlich packen




@Beethofen, ein ganz grosses Danke,
Micha


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#3

RE: Fallschirmsprungprogramm

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 12.11.2015 10:45
von Beethoven | 137 Beiträge

https://www.youtube.com/watch?v=7uNNtxtQsUA

Ehemalige FJ der NVA beim Treffen mit Springen.

Gruß


vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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