#201

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 04.08.2015 09:00
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Genau, in der F16 (Personenkartei) wurden alle Kategorien nachrichtendienstlich interessanter Personen erfasst, also IM, Zielpersonen, Perspektivkandidaten usw. einträchtig nebeneinander. In der F16 der HV A waren ca. 280.000 Personen registriert. Davon waren aber nur ca. 16.000 IM (6.000 IM-OG; 10.000 IM-DDR, 1989 noch aktiv: ca. 10.000). Die Anzahl der F16-Erfassungen aller MfS-DE wird wohl bei weit über einer Million gelegen haben. Erst in Verbindung mit der F22 (Vorgangskartei) wird ersichtlich welcher Kategorie die erfasste Person angehörte.

Kalubke


Form 16 eines IMS/OG


dazugehörige Form 22


IM-Statistik



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zuletzt bearbeitet 04.08.2015 10:08 | nach oben springen

#202

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 04.08.2015 10:09
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #200
[quote=DoreHolm|p482809]

auch ein Agent/Spion/Kundschafter kann/soll/darf sich nur äußerts selten den Luxus einer eignen, wenn auch kritikwürdigen Meinung leisten.



Das ist so nicht richtig.
Im Interesse der Lösung von gestellten Aufgaben wurde schon mal Kritik an der Vorgehensweise geübt.Viele Situationen konnte ein Nachrichtendienstler vor Ort aktuell besser einschätzen,
Ähnlich verhielt es sich auch,hauptsächlich in den letzten Jahren der Existenz der DDR,mit Kritik an der Politik der SED/DDR in bestimmten Bereichen.

seaman


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zuletzt bearbeitet 04.08.2015 10:13 | nach oben springen

#203

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 04.08.2015 15:01
von DoreHolm | 7.683 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #200
Zitat von DoreHolm im Beitrag #197
Sowas gehörte zur Grundausbildung jedes strammen Genossen/Genossin.
Das muß ich dann mal, nicht ganz soo witzig, hinterfragen: Das 'Sowas' wurde doch Kritik und Selbstkritik genannt? Aber so ähnliche* Mechanismen sind auch bürgerlich und demokratischen Parteien nicht gänzlich fremd. Da nennt man's dann Fraktionszwang.
Doch kommen'mer mit dem Thema jtzo wieder zur Frau G.? Hmm, vielleicht so ... auch ein Agent/Spion/Kundschafter kann/soll/darf sich nur äußerts selten den Luxus einer eignen, wenn auch kritikwürdigen Meinung leisten. Nun gut, die Überleitung klemmt jetzt ä bissel ... aber's war immerhin ein Versuch, odär? Da ist Kalubkes Ansatz mit der F16 und F22 schon besser, wobei allein eine Erfassung in dieser geteilen Datenbank nun noch lange kein Indiz für Mit- oder Zusammenarbeit mit Memphis ist ... Karteikarte F 16/ HVA und F 22/ HVA in meiner Stasiakte (9)

*vielleicht nicht auf den ersten Blick?



Grün: In meiner hahnebüchenen Geschichte hatte ich unter "Sowas" mehr die Grundausbildung über Anscheißerei gemeint.



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#204

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 04.08.2015 15:44
von Georg | 1.004 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #202
Zitat von 94 im Beitrag #200
[quote=DoreHolm|p482809]

auch ein Agent/Spion/Kundschafter kann/soll/darf sich nur äußerts selten den Luxus einer eignen, wenn auch kritikwürdigen Meinung leisten.



Das ist so nicht richtig.
Im Interesse der Lösung von gestellten Aufgaben wurde schon mal Kritik an der Vorgehensweise geübt.Viele Situationen konnte ein Nachrichtendienstler vor Ort aktuell besser einschätzen,
Ähnlich verhielt es sich auch,hauptsächlich in den letzten Jahren der Existenz der DDR,mit Kritik an der Politik der SED/DDR in bestimmten Bereichen.

seaman





Bedarf es für eine Kritik - ich meine keine Meckerei - nicht eine Form der Diskussion, des Dialoges ? Stelle ich mir unter nachrichtendienstlichen Bedingungen im Einsatz schwierig vor. Mehr als die Übermittlung von Vorschlägen an die Zentrale ? oder war da mehr möglich ? Dialog per Funk, Instrukteur ? Sicherlich hatte ein Resident wohl Möglichkeiten, jedoch bestimmt auch nur beschränkt, wenn es um Kritik der Poltik der SED/DDR ging.


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#205

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 04.08.2015 16:09
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Georg im Beitrag #204
Zitat von seaman im Beitrag #202
Zitat von 94 im Beitrag #200
[quote=DoreHolm|p482809]

auch ein Agent/Spion/Kundschafter kann/soll/darf sich nur äußerts selten den Luxus einer eignen, wenn auch kritikwürdigen Meinung leisten.



Das ist so nicht richtig.
Im Interesse der Lösung von gestellten Aufgaben wurde schon mal Kritik an der Vorgehensweise geübt.Viele Situationen konnte ein Nachrichtendienstler vor Ort aktuell besser einschätzen,
Ähnlich verhielt es sich auch,hauptsächlich in den letzten Jahren der Existenz der DDR,mit Kritik an der Politik der SED/DDR in bestimmten Bereichen.

seaman





Bedarf es für eine Kritik - ich meine keine Meckerei - nicht eine Form der Diskussion, des Dialoges ? Stelle ich mir unter nachrichtendienstlichen Bedingungen im Einsatz schwierig vor. Mehr als die Übermittlung von Vorschlägen an die Zentrale ? oder war da mehr möglich ? Dialog per Funk, Instrukteur ? Sicherlich hatte ein Resident wohl Möglichkeiten, jedoch bestimmt auch nur beschränkt, wenn es um Kritik der Poltik der SED/DDR ging.


Es gab da folgende Möglichkeiten(Beispiel):
Vorgehensweisen(Kritik) bei laufenden Operationen wurden auf Grund veränderter Situationen zeitlich präzisiert und aktualisiert.
Man konnte das z.b. bei periodischen Treffen mit Mitarbeitern der Zentrale persönlich abstimmen(Dialog).
Vorher über die vorhandenen Verbindungswege zur Situation Zentrale informieren.
In dringenden Fällen sofortigst einen ausserplanmässigen Treff mit der Zentrale anfordern.
Unter Einhaltung aller konspirativen Regeln, des Selbstschutzes und weitmöglichster Ausschaltung des Restrisikos war auch Eigeninitiative möglich.
Viele Aufklärer der DDR im OG haben offen gegenüber ihren FOs in den letzten Jahren des Bestehens der DDR Kritik an Teilen der Politik der SED/DDR geäussert.

seaman


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#206

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 04.08.2015 19:31
von Larissa | 834 Beiträge

In dieser Diskussion zu einem Buch der Frau Dr. Gast ist Mann schnell angekommen an die Fehde DDR-BRD bzw. Westmaechte, die sich wie scheint, ein wenig hat beruhigt durch disziplinierte Schreiber. Mir scheint oft, diese Vereinigung ist nicht schon ueber ein Vierteljahrhundert alt. Diese Kampfeslust BRD – DDR in allen Belangen fehlt in keinem Thread. Und lodert auf, sobald es geht um MfS und HVA. Warum also sollten die Geheimdienste auch der anderen ausgenommen sein hier (wieder einmal). Etwas wichtiges sagte Georg, so weit ich habe richtig verstanden das.
Aussage @Georg Die BRD hatte und hat da ein gespaltenes Verhältnis, wenns die DDR war oder wenns jetzt Rußland wär. Die USA kann, darf und soll ?!
Ganz sicher hat die BRD und haben auch ehemalige DDR und BRD Buerger ein mehr als gespaltenes Verhaltnis, bzw. auch ein getruebtes Verhaltnis zu Geheimdiensten. Nach 1945 standen die Spitzel noch an allen Enden und Ecken, die USA vereinnahmte und benutzte diese, ebenso taten das die Sowjets. Es ging weiter hinueber zur Vereinnahmung der Deutschen durch die Sowjetunion und den Vereinigten Staaten bei der Teilung Deutschlands.
Geheimdienste wollen alle, sie konnen alle (und wie sie koennen und fragen niemanden dabei!) und sie sind dabei, genau wie es die DDR einmal es getan hatte. Und die werden nicht fragen danach, ob etwas ist gesetzeswidrig oder nicht! Das BGH Urteil von 1995 indem es wurde bestatigt, das keinesfalls als Unrecht wurde angesehen, dass die DDR als souveraener Staat Geheimdienst und Aufklaerung betrieb, kam viel zu spaet fuer die, die auf dieses Urteil gewartet hatten. Die USA damals machte nach der Wiedervereinigung, der BRD Regierung Vorwuerfen, diese Angelegenheit nicht gleich als Prioritaet zu setzen und viel zu lange mit diesem Urteil zu hadern.

________________________________________
@Elau Gut gesagt, @ Larissa. Agent klingt so neutral, wir vergessen nur zu gerne dass dahinter sich Menschen verbergen, mit Wünschen, Vorstellungen und Sehnsüchten. Und dass diese Menschen oftmals viel aufgeben, um etwas zu tun, dass sie wollen. So einfach wie @ Gert es sich vorstellt, ist es wirklich nicht ...

Nein, einfach ist es nicht. Dennoch beschreibt @Gert ehrlich seine Meinung, eben durch Erfahrung auch geblendet. Und er steht nicht alleine so zu denken in Deutschland. Wenn auch mir diese Denkweise fremd ist, dass ein Mensch so sehr gegen seine eigene Organe tritt, so habe ich ihn als netten Menschen kennengelernt. Ja, da trafen Welten aufeinander, und es ging vollig normal zu. Ich haette mich gerne noch unterhalten mich ausfuehrlich mit ihm.

Das Wort Agent nur klingt ‚neutral‘ @Eleu. Der Mitarbeiter eines Geheimdienstes eines souveraenen Staates ist ein Agent. Okay, dieser Agent spioniert, er erfasst Dinge, die er weitergibt, klaert auf, informiert vielfaeltig und berichtigt, im Sinne seiner Auftraggeber und er macht noch ganz andere Dinge. Ich bin nicht unbedingt stolz auf alles was ich tat, und ich erzaehle auch nicht meinen Kindern, dass ich habe gerettet diese Welt. Aber ich bin geblieben loyal und wusste, wofuer ich arbeitete und das ging nicht nur um die DDR. Es ging um die atomare Gefahr, das Gleichgewicht zu halten, aber auch um die Vereinnahmung und Ausbeutung der Voelker. Dieser Agent/In, war standig im ‚Dienst‘. Und, er/sie befand sich ausserdem stets in der Realitat eines Lebens, das er auch Jahre in dieser nachrichtendienstlichen Tatigkeit fuehrt oder fuehren musste. Ja, richtig, fuehren musste! Umso intensiver dieses reale Leben neben dem Leben im Geheimdienst, umso besser. Das war eine Tarnung ein angeblich vollig normales Leben zu fuehren auch. Langes Thema.

Frau Dr. Gast hat sich auch gewunscht zu mal heiraten und Kinder haben. Sie hat einen fuenfjahrigen spastisch gelaehmten Jungen adoptiert. Die Frauen in diesem Metier werden dann besonders vom Machogehabe ihrer Verurteiler, der Richter und der Justiz, gerne in bestimmte Kisten verpackt und als Lesbisch, Romeo-Opfer, Alkoholiker und labil eingestuft. Selbst bei nachweislich hochintelligenten politisch motivierten Menschen wird so verfahren von dem westlichen Standpunkt aus, bis heute. Das eine Frau selbst im Hinblick auf eine hohe Strafe immer noch loyal zu dem steht, was sie dazu veranlasst hat, wird dann nur zu gerne weiterhin mit dem obigen vermischt oder abgetan als unwichtig und ‚sie als umgedreht‘.bezeichnet.

Es geht hinein in den Beruf, hinein in die Labyrinthe der Geheimdienste auf sehr verschiedene Wege, und am Ende Gefangnis. Ein einziger ernuechternder kurzer Satz ist das, hinter dem sich ein Leben verbirgt, das sich kein anderer als der/die es erfahren hat selbst ueber Jahre, sich vorstellen kann. Dahinter verbirgt leid sich, aber auch ein Leben mit und gleichzeitig weit entfernt einer normalen Gesellschaft stattfindet. Nicht reden koennen, nicht Interesse zeigen, fuer das was man liebt und schaetzt. Die Kinder entgegen dem eigenen politischen Meinung erziehen. Im Verlaufe musste es sein, aber am Ende waren diese Probleme kaum zu bewaeltigen, aber sogar sind die gestarkt hervorgegangen, die wissen wofuer und weshalb sie alles das aufgenommen auf sich haben, und dazu stehen heute noch, auch wenn es Verluste gab.

Man muß auch anständige Gegner achten können kam von @Signalobermaat
Das tun grundsatzlich die Russen, die Amerikaner und die Englaender und die Franzosen. Auch wenn oberflachliches Heckmeck, oftmals mit russischen Agenten, wie immer, alles geht seinen geordneten Gang. Fuer Deutschland ist aufgrund der Historie auch weiterhin nicht moeglich, Geheimdienste als den Organ anzusehen, der nicht nur den Staat, sondern auch die Menschen im Staat beschuetzt.

Im uebrigen, die Russen halten ihre Agenten ‚warm‘ bis ins hohe Alter, mit 85 kannste in Rente gehen, wenn du dann noch gehen kannst.
Ist gar nicht lustig gemeint. Das Klischeedenken in Deutschland a la James Bond, auch nicht. Gruesse, Larissa.

PS: Ohje….. Turtle, Seaman und Pitti53!!! Da wird’s geben ein Hangover III. Hauptsache Pitti53 kommt nicht mit einer Taetowierung im Gesicht an, ‚I love Gert‘ oder ‚ich liebe Euch alle‘……..


"Keine Jagd ist so wie die Jagd auf Menschen und die, die lange genug Menschen gejagt haben, die Spaß daran hatten, interessieren sich nie wieder für etwas anderes." — Hemingway
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#207

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 04.08.2015 19:53
von Pitti53 | 8.786 Beiträge

@Larissa

Ohje….. Turtle, Seaman und Pitti53!!! Da wird’s geben ein Hangover III. Hauptsache Pitti53 kommt nicht mit einer Taetowierung im Gesicht an

Das wird nix werden. Isch trinke bei Treffen keinen Alkohol!

Du meinst sicher den Clip auf Youtube: Ihr habt mich angemalt


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#208

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 04.08.2015 19:57
von Larissa | 834 Beiträge

Zitat von Pitti53 im Beitrag #207
@Larissa

Ohje….. Turtle, Seaman und Pitti53!!! Da wird’s geben ein Hangover III. Hauptsache Pitti53 kommt nicht mit einer Taetowierung im Gesicht an

Das wird nix werden. Isch trinke bei Treffen keinen Alkohol!

Du meinst sicher den Clip auf Youtube: Ihr habt mich angemalt


Bei den beiden habe ich trotzdem Sorge um Dich....
Lieben Gruss, Larissa


"Keine Jagd ist so wie die Jagd auf Menschen und die, die lange genug Menschen gejagt haben, die Spaß daran hatten, interessieren sich nie wieder für etwas anderes." — Hemingway
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#209

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 04.08.2015 22:19
von Gert | 12.354 Beiträge

@Larissa , mein Vorschlag für das Tatoo :Hammer & Sichel

Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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zuletzt bearbeitet 04.08.2015 22:19 | nach oben springen

#210

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 05.08.2015 21:45
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Hallo Larissa,
ganz guter Post. Eine Sache fehlt aber: Auch wenn die einzelnen "Agenten" vielleicht sogar in gutem Glauben spitzeln, petzen, lügen etc. - am Ende werden sie instrumentalisiert. Nach eiskalten Machtinteressen. Und nicht immer im Sinne des "Guten", um hier keine politische Seite zu bevorzugen.

Agenten sind vielleicht Täter und Opfer zugleich, aber für ein diabolisches Spitzelsystem im Hintergrund, dass mit ihrem eventuellen Idealismus nichts mehr zu tun hat. "Geistiges Kanonenfutter" sozusagen. Meiner Meinung nach haben Geheimdienste nichts "edles". Die spielen nur mit menschlichen Schwächen und beuten sie aus. Mit Geld, mit Erpressung, mit Idealismus und leeren Versprechungen.


zuletzt bearbeitet 05.08.2015 21:47 | nach oben springen

#211

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 05.08.2015 21:54
von damals wars | 12.117 Beiträge

Ich weiß nicht, was ihr habt, aber jeden Tag kommt derzeit ne neue Bespitzelungsmeldung.
Das Schnüffeln, ausspionieren und überwachen gehört zur Demokratie offensichtlich genauso wie zur Diktatur.
Vom Regen in die Traufe
Zitat: An der Tropfkante des Daches (der Traufe) fließt das Wasser, das bei Regen auf die Dachfläche fällt gesammelt ab. Wer sich aus dem Regen in die Traufe begibt, bekommt also noch mehr Wasser ab als vorher.
https://de.wiktionary.org/wiki/vom_Regen...e_Traufe_kommen


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#212

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 05.08.2015 23:17
von Larissa | 834 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #210
Hallo Larissa,
ganz guter Post. Eine Sache fehlt aber: Auch wenn die einzelnen "Agenten" vielleicht sogar in gutem Glauben spitzeln, petzen, lügen etc. - am Ende werden sie instrumentalisiert. Nach eiskalten Machtinteressen. Und nicht immer im Sinne des "Guten", um hier keine politische Seite zu bevorzugen.
Agenten sind vielleicht Täter und Opfer zugleich, aber für ein diabolisches Spitzelsystem im Hintergrund, dass mit ihrem eventuellen Idealismus nichts mehr zu tun hat. "Geistiges Kanonenfutter" sozusagen. Meiner Meinung nach haben Geheimdienste nichts "edles". Die spielen nur mit menschlichen Schwächen und beuten sie aus. Mit Geld, mit Erpressung, mit Idealismus und leeren Versprechungen.


Hallo @Harzwanderer, Du erlaubst, dass ich darauf antworte. Instrumentalisiert werden alle Menschen im Verlaufe ihres Lebens, kurz oder lang. Wie ist Dein Verhaltnis zu Soldaten? Diese stehen ihren Mann fuer ihren Staat, und in den wenigsten Fallen sind sie Duckmaeuser hoch 3.

Leider muss ich sagen, dass das was Du beschreibst, passt haargenau zu der kranken (tut mir leid, aber das Wort kam aus dem Mund eines CIA Beamten) Deutschen Ansicht gegenueber Geheimdiensten und Agenten. Ich beschrieb es von 1945 an und brachte es in Verbindung mit dem 2. Weltkrieg, danach folgend dem geteilten Land zum Ausdruck, dass diese Nichtannahme von Geheimdiensten eine unselige Verkettung deutscher geschichtlicher Umstande ist, von 1933 an. Ich sage ehrlich, ich verstehe Menschen nicht, die diese Einstellung zu ihren Schutzorganen haben. Es ist ein Deutsches Problem. Leider wird oft nicht verstanden oder will nicht verstanden werden, dass sowohl Geheimdienste und deren Agenten, gleichgultig auf welcher Seite, immer wieder im Verlaufe der Geschichte, und besonders im Kalten Krieg zur bis heute grossten Ruestungswettlauf und damit verbundenen gefaehrliche Situationen abgewendet haben. Muessig zu wiederholen, was in der heutigen Zeit passierend wuerde, gaebe es diese Geheimdienste nicht und Menschen, die sich begeben in ausserster Gefahr, um Informationen zu erhalten. Was hat ein Geheimdienst mit einem diabolischen Spitzelsystem zu tun? Absolut nichts. Das ist hergezogen ein bisschen weit her. Sicher viele andere mit mir aus diesem Metier fuehlen nicht sich als Kanonenfutter. Im Gegenteil. Verluste hat jeder Mensch im Leben. Ich lebe heute gut und ich wuerde mein Leben nicht missen wollen. Ich weiss nicht, woher Du den Ausdruck ‚edles‘ nimmst. Was ist schon edel in dieser Welt? Die Reste der koeniglichen Schmarotzer, die so tun als wenn sie wuessten wie es in der Welt aussieht? Notwendig sind Geheimdienste, nicht edel. Hier wird nicht Robin Hood gespielt.

Wie oft beschrieb ich die voellig gegensaetzliche Annahme ihrer Geheimdienste in anderen Staaten. Eine Annahme, die voellig ist normal und mit Respekt verbunden fuer Menschen, die viel auf sich genommen haben, damit andere ruhig schlafen koennen. Spitzeln, Petzen und luegen gehoert nicht dazu, seit biblischen Zeiten und der Antike nicht, sondern es ist das Recht (sollte es sein!) eines Staates abzusichern den Staat, und vor allem zu schuetzen die Population ihres Landes. Ich ueberlege mir bei dieser Einstellung von Dir, was passieren wuerde, wenn die Geheimdienste des deutschen Staates non-existent sein wuerden. Ich habe Kinder und Enkelkinder in Deutschland, diese wuerde ich sofort ausser Landes schaffen. Trotzdem vielen Dank fuer das Gesprach. Gruesse, Larissa


"Keine Jagd ist so wie die Jagd auf Menschen und die, die lange genug Menschen gejagt haben, die Spaß daran hatten, interessieren sich nie wieder für etwas anderes." — Hemingway
Pitti53 und Signalobermaat haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.08.2015 23:34 | nach oben springen

#213

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 05.08.2015 23:43
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Das Nachrichtensammeln ist das Eine, aber die Dienste neigen dazu, wenn sie genug Nachrichten gesammelt haben auch aktiv in den Lauf der Geschichte einzugreifen. Und je nach dem welche politische Rolle der Dienstherr spielt, tendiert das von progressiv bis reaktionär.

Beispiel 1 (meiner Meinung nach progressiv):
Operation "Lutsch" des KGB: Über sowjetische Journalisten und KGB-Offiziere in den DDR-Residenturen, unter ihnen ein "Wolodja" alias Wladimir Putin (KGB-Büro in Dresden) wurden informelle Kanäle geschaffen, über die hochrangige ZK-Mitglieder, unter ihnen z.B. Manfred Uschner, ein leitender Mitarbeiter im Büro des PB-Mitgliedes Axen, um Gorbatschow in Zeiten von Perestroika über die politischen Aktivitäten Honeckers auf dem Laufenden zu halten.

Beispiel 2 (meiner Meinung nach reaktionär): Deselbe M. Uschner wurde vom MfS operativ bearbeitet, nachdem über den HSB der HV A-Residentur in der Botschaft in Schweden unbedachte Äußerungen Uschners über das baldige Ende der DDR der Zentrale zur Kenntnis gelangten und auf der Grundlage der kompromittierenden Informationen Uschner von der ZPKK aus dem Amt gedrängt wurde. Das MfS wurde wiedermal von der SED zur "Lösung" von Kaderfragen mißbraucht.

Gruß Kalubke



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#214

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 05.08.2015 23:44
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #213
Das Nachrichtensammeln ist das Eine, aber die Dienste neigen dazu, wenn sie genug Nachrichten gesammelt haben auch aktiv in den Lauf der Geschichte einzugreifen. Und je nach dem welche politische Rolle der Dienstherr spielt, tendiert das von progressiv bis reaktionär.

Beispiel 1 (meiner Meinung nach progressiv):
Operation "Lutsch" des KGB: Über sowjetische Journalisten und KGB-Offiziere in den DDR-Residenturen, unter ihnen ein "Wolodja" alias Wladimir Putin (KGB-Büro in Dresden) wurden informelle Kanäle geschaffen, über die hochrangige ZK-Mitglieder, unter ihnen z.B. Manfred Uschner, ein leitender Mitarbeiter im Büro des PB-Mitgliedes Axen, um Gorbatschow in Zeiten von Perestroika über die politischen Aktivitäten Honeckers auf dem Laufenden zu halten.

Beispiel 2 (meiner Meinung nach reaktionär): Deselbe M. Uschner wurde vom MfS operativ bearbeitet, nachdem über den HSB der HV A-Residentur in der Botschaft in Schweden unbedachte Äußerungen Uschners über das baldige Ende der DDR der Zentrale zur Kenntnis gelangten und auf der Grundlage der kompromittierenden Informationen Uschner von der ZPKK aus dem Amt gedrängt wurde. Das MfS wurde wiedermal von der SED zur "Lösung" von Kaderfragen mißbraucht.

Gruß Kalubke


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#215

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 05.08.2015 23:46
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #213
Das Nachrichtensammeln ist das Eine, aber die Dienste neigen dazu, wenn sie genug Nachrichten gesammelt haben auch aktiv in den Lauf der Geschichte einzugreifen. Und je nach dem welche politische Rolle der Dienstherr spielt, tendiert das von progressiv bis reaktionär.

Beispiel 1 (meiner Meinung nach progressiv):
Operation "Lutsch" des KGB: Über sowjetische Journalisten und KGB-Offiziere in den DDR-Residenturen, unter ihnen ein "Wolodja" alias Wladimir Putin (KGB-Büro in Dresden) wurden informelle Kanäle geschaffen, über die hochrangige ZK-Mitglieder, unter ihnen z.B. Manfred Uschner, ein leitender Mitarbeiter im Büro des PB-Mitgliedes Axen, um Gorbatschow in Zeiten von Perestroika über die politischen Aktivitäten Honeckers auf dem Laufenden zu halten.

Beispiel 2 (meiner Meinung nach reaktionär): Deselbe M. Uschner wurde vom MfS operativ bearbeitet, nachdem über den HSB der HV A-Residentur in der Botschaft in Schweden unbedachte Äußerungen Uschners über das baldige Ende der DDR der Zentrale zur Kenntnis gelangten und auf der Grundlage der kompromittierenden Informationen Uschner von der ZPKK aus dem Amt gedrängt wurde. Das MfS wurde wiedermal von der SED zur "Lösung" von Kaderfragen mißbraucht.

Gruß Kalubke


Das eine ist das praktische Wissen,das andere die Vermutung.

seaman


RudiEK89 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#216

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 06.08.2015 18:16
von Alfred | 6.841 Beiträge

DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#217

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 06.08.2015 19:09
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Vieleicht ist die Leseprobe zu kurz, aber eine klare gesellschaftspolitische Positionierung konnte ich nicht herauslesen. Tenor war eher der verständliche Unmut über die juristische Ungleichbehandlung von HV A-Agenten im Westen und deren Führungsoffizieren im Osten und das heutige politische Lavieren der PDS im Umgang mit den Kundschaftern ihrer Vorgängerpartei. In einem anderen Beitrag, den ich vor einiger Zeit gelesen habe, konzentrierte sie sich auf die selbst durchlittene Einzelhaft als fragwürdige Art des Strafvollzuges, da sie an seelische Folter grenzt.

Aber wie schon Klaus Kuron hat sie klar die juristische Doppelmoral in diesem Metier aufgezeigt:

"Ich habe dazu beigetragen, Bürger anderer Staaten zu einem Verstoß gegen die Rechtsordnung ihres Landes zu bewegen. Das richtete sich keineswegs bloß gegen die als ›Unrechtsstaaten‹ etikettierten sozialistischen Länder, was schlicht als rechtens galt. Es machte ebenso wenig halt vor befreundeten, verbündeten Ländern und kirchlichen Institutionen. Ich habe also dazu beigetragen, Bürger anderer Staaten zu kriminalisieren. Trotzdem habe ich mich nicht der Anstiftung oder Beihilfe zu einer Straftat schuldig gemacht."

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 06.08.2015 19:17 | nach oben springen

#218

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 06.08.2015 20:59
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #217
Vieleicht ist die Leseprobe zu kurz, aber eine klare gesellschaftspolitische Positionierung konnte ich nicht herauslesen.
Gruß Kalubke

Diese Aussage von ihr ist zwar schon mindestens 10 Jahre her aber immer noch aktuell.

Zur gesellschaftspolitischen Orientierung von Dr. Gabriele Gast:
" Ich kenne niemanden, der es bereut, gegen die Bundesrepublik Deutschland gearbeitet zu haben. Alle stehen zu dem, was sie getan haben und warum sie es taten. Auch wenn man die Dinge aus heutiger Perspektive betrachtet – wir dürfen nicht vergessen, daß wir alle zur Zeit des Kalten Krieges tätig waren, immer unter der Bedrohung der atomaren Vernichtung Europas. Es war unser aller Ziel, diese Katastrophe durch eine rechtzeitige Aufklärung zu verhindern. Alle ehemaligen Kundschafter sagen: Wir haben damals richtig gehandelt."

seaman


DoreHolm, Uleu und Kalubke haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#219

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 06.08.2015 21:12
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #217
Vieleicht ist die Leseprobe zu kurz, aber eine klare gesellschaftspolitische Positionierung konnte ich nicht herauslesen. Tenor war eher der verständliche Unmut über die juristische Ungleichbehandlung von HV A-Agenten im Westen und deren Führungsoffizieren im Osten und das heutige politische Lavieren der PDS im Umgang mit den Kundschaftern ihrer Vorgängerpartei. In einem anderen Beitrag, den ich vor einiger Zeit gelesen habe, konzentrierte sie sich auf die selbst durchlittene Einzelhaft als fragwürdige Art des Strafvollzuges, da sie an seelische Folter grenzt.

Aber wie schon Klaus Kuron hat sie klar die juristische Doppelmoral in diesem Metier aufgezeigt:

"Ich habe dazu beigetragen, Bürger anderer Staaten zu einem Verstoß gegen die Rechtsordnung ihres Landes zu bewegen. Das richtete sich keineswegs bloß gegen die als ›Unrechtsstaaten‹ etikettierten sozialistischen Länder, was schlicht als rechtens galt. Es machte ebenso wenig halt vor befreundeten, verbündeten Ländern und kirchlichen Institutionen. Ich habe also dazu beigetragen, Bürger anderer Staaten zu kriminalisieren. Trotzdem habe ich mich nicht der Anstiftung oder Beihilfe zu einer Straftat schuldig gemacht."

Gruß Kalubke



Der Verlag möchte eben in einer Leseprobe nicht das ganze Pulver verschießen.
Es sollen ja auch einige Bücher verkauft werden.


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#220

RE: G. Gast Agentin in der BND - Zentrale

in Bundesnachrichtendienst BND 06.08.2015 21:21
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Zitat
"Alle ehemaligen Kundschafter sagen: Wir haben damals richtig gehandelt."


Das Gegenteil dürfte zutreffen. Dieser ganze Heldenkult und diese gespielte Unbeugsamkeit ist doch nur ein verbissener Schutz gegen die Scham, sein Leben so vertan zu haben. Warum saufen sich wohl später alle tot? Aus Frust!

Dieses Heldengetue von soner Ursel widert mich an. Die hat den Kalten Krieg am Leben erhalten, nicht bekämpft. Die sollte sich schämen, nicht noch verzweifelt auf dicke Hose machen.


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