#1

Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 00:34
von Cambrino | 201 Beiträge

In den letzten 50ger Jahren bekamen wir auf der Gr.Komp. Caroline bei Barneberg einen neuen Komp.Chef (Hauptm.Lange).
Er war immer freundlich,konnte gut mit den Soldaten umgehen und war bei Allen sehr beliebt.Eine richtig väterliche Person. Nach ca.1 Jahr kam Besuch mit B-Krad und dem Bat.Chef von Barneberg (Name weiß ich nicht mehr). Unser Komp.Chef Hauptm.La. mußte sofort seine Sachen packen und fuhr dann im Seitenwagen mit großem Marschgepäck mit der oben genannten Begleitung davon.
Die Komp. mußte draußen antreten, es wurde uns gesagt, der Komp.Chef ist auf Dienstreise und kommt nicht zurück. Vorübergehend übernahm der Polit-Offz. die Komp. Einige Zeit später bekamen wir dann einen Oberleutn. Schn. als Komp.Chef. Der pflegte aber strengere Umgangsformen.
Nach einiger Zeit wurde der ehem. Hauptm. La. als Arbeiter in der Brikettfabrik Völpke bei Barneberg gesehen.
Man erzählte dann, daß der Hauptm. in seinem Lebenslauf in der Pers.Akte verschwiegen hat daß Er bis 1945 eine Funktion in der HJ (Hitlerjugend) hatte. Dieses soll zu seiner Entlassung geführt haben. Etwas Genaues wurde uns nicht bekannt gegeben.
Soweit über diesen Vorfall.

Gruß CAMBRINO


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#2

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 01:51
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Cambrino im Beitrag #1
In den letzten 50ger Jahren bekamen wir auf der Gr.Komp. Caroline bei Barneberg einen neuen Komp.Chef (Hauptm.Lange).
Er war immer freundlich,konnte gut mit den Soldaten umgehen und war bei Allen sehr beliebt.Eine richtig väterliche Person. Nach ca.1 Jahr kam Besuch mit B-Krad und dem Bat.Chef von Barneberg (Name weiß ich nicht mehr). Unser Komp.Chef Hauptm.La. mußte sofort seine Sachen packen und fuhr dann im Seitenwagen mit großem Marschgepäck mit der oben genannten Begleitung davon.
Die Komp. mußte draußen antreten, es wurde uns gesagt, der Komp.Chef ist auf Dienstreise und kommt nicht zurück. Vorübergehend übernahm der Polit-Offz. die Komp. Einige Zeit später bekamen wir dann einen Oberleutn. Schn. als Komp.Chef. Der pflegte aber strengere Umgangsformen.
Nach einiger Zeit wurde der ehem. Hauptm. La. als Arbeiter in der Brikettfabrik Völpke bei Barneberg gesehen.
Man erzählte dann, daß der Hauptm. in seinem Lebenslauf in der Pers.Akte verschwiegen hat daß Er bis 1945 eine Funktion in der HJ (Hitlerjugend) hatte. Dieses soll zu seiner Entlassung geführt haben. Etwas Genaues wurde uns nicht bekannt gegeben.
Soweit über diesen Vorfall.

Gruß CAMBRINO


@Cambrino, das Verschweigen der eigenen Vergangenheit im Lebenslauf, das wurde sicher vorgeschoben. Da gab es etwas Anderes, sicher.
(ist aber nur meine Meinung)
Selbst in den oberen Etagen der GT gab es Leute mit Wehrmachtsvergangenheit, Reichsarbeitsdienst etc.
Guckst Du hier www.grenzkommando.de
"Generalität"
Micha


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#3

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 11:06
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von G.Michael im Beitrag #2
Zitat von Cambrino im Beitrag #1
In den letzten 50ger Jahren bekamen wir auf der Gr.Komp. Caroline bei Barneberg einen neuen Komp.Chef (Hauptm.Lange).
Er war immer freundlich,konnte gut mit den Soldaten umgehen und war bei Allen sehr beliebt.Eine richtig väterliche Person. Nach ca.1 Jahr kam Besuch mit B-Krad und dem Bat.Chef von Barneberg (Name weiß ich nicht mehr). Unser Komp.Chef Hauptm.La. mußte sofort seine Sachen packen und fuhr dann im Seitenwagen mit großem Marschgepäck mit der oben genannten Begleitung davon.
Die Komp. mußte draußen antreten, es wurde uns gesagt, der Komp.Chef ist auf Dienstreise und kommt nicht zurück. Vorübergehend übernahm der Polit-Offz. die Komp. Einige Zeit später bekamen wir dann einen Oberleutn. Schn. als Komp.Chef. Der pflegte aber strengere Umgangsformen.
Nach einiger Zeit wurde der ehem. Hauptm. La. als Arbeiter in der Brikettfabrik Völpke bei Barneberg gesehen.
Man erzählte dann, daß der Hauptm. in seinem Lebenslauf in der Pers.Akte verschwiegen hat daß Er bis 1945 eine Funktion in der HJ (Hitlerjugend) hatte. Dieses soll zu seiner Entlassung geführt haben. Etwas Genaues wurde uns nicht bekannt gegeben.
Soweit über diesen Vorfall.

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@Cambrino, das Verschweigen der eigenen Vergangenheit im Lebenslauf, das wurde sicher vorgeschoben. Da gab es etwas Anderes, sicher.
(ist aber nur meine Meinung)
Selbst in den oberen Etagen der GT gab es Leute mit Wehrmachtsvergangenheit, Reichsarbeitsdienst etc.
Guckst Du hier www.grenzkommando.de
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Micha




Für die 50er Jahre kann ich mir das als Grund aber durchaus vorstellen. Vielleicht kamen noch ein paar Sachen dazu, wie z.B.sein in den Augen von Vorgesetzten etwas zu jovialer Umgang mit den unteren Chargen. Und man wollte ein Exemple statuieren ?



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#4

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 11:16
von eisenringtheo | 9.183 Beiträge

Die Wehrpflicht war 1955 - zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg - in ganz Deutschland bei der Bevölkerung sehr unbeliebt. Nach der Westeinbindung der BRD und der Einführung der Wehrpflicht in Westdeutschland bekamen in der Bundeswehr nicht wenige Offiziere der alten Wehrmacht Kommandostellen. Die Propganda der DDR konzentrierte sich auf diesen Fakt und unterstellte der BRD, dass dort die Kapitalisten und Altnazis einen Pakt geschlossen hätten, die DDR zu vernichten und wieder "alte Zustände" herzustellen. Das Stichwort war "Rollback".
Damit das einigermassen plausibel war, durften in den eigenen Sicherheitkräften keine Personen mehr dienen, die im Dritten Reich irgendeine wichtige Funktion bei den Nazi gehabt hatten.
Meist lief das aber geordnet hab (Frührente, Nichterneuerung von Verträgen). Warum das hier so rasch ging, hat wohl mit einem schwerwiegenden Dienstvergehen zu tun.
Den Begriff "Dienstreise" habe auch schon als Euphemismus für einen Gefängnisaufenthalt gehört.
Theo


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#5

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 12:38
von damals wars | 12.204 Beiträge

HJ- Vergangenheit, gab es damals junge Männer ohne?
Laut https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Leonhard
war es erklärtes Ziel der SED, Mitläufer einzubinden.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#6

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 13:36
von Uleu | 528 Beiträge

Zitat von Cambrino im Beitrag #1
In den letzten 50ger Jahren bekamen wir auf der Gr.Komp. Caroline bei Barneberg einen neuen Komp.Chef (Hauptm.Lange).
Er war immer freundlich,konnte gut mit den Soldaten umgehen und war bei Allen sehr beliebt.Eine richtig väterliche Person. Nach ca.1 Jahr kam Besuch mit B-Krad und dem Bat.Chef von Barneberg (Name weiß ich nicht mehr). Unser Komp.Chef Hauptm.La. mußte sofort seine Sachen packen und fuhr dann im Seitenwagen mit großem Marschgepäck mit der oben genannten Begleitung davon.
Die Komp. mußte draußen antreten, es wurde uns gesagt, der Komp.Chef ist auf Dienstreise und kommt nicht zurück. Vorübergehend übernahm der Polit-Offz. die Komp. Einige Zeit später bekamen wir dann einen Oberleutn. Schn. als Komp.Chef. Der pflegte aber strengere Umgangsformen.
Nach einiger Zeit wurde der ehem. Hauptm. La. als Arbeiter in der Brikettfabrik Völpke bei Barneberg gesehen.
Man erzählte dann, daß der Hauptm. in seinem Lebenslauf in der Pers.Akte verschwiegen hat daß Er bis 1945 eine Funktion in der HJ (Hitlerjugend) hatte. Dieses soll zu seiner Entlassung geführt haben. Etwas Genaues wurde uns nicht bekannt gegeben.
Soweit über diesen Vorfall.

Gruß CAMBRINO


Schwer nachvollziehbar. Ist er vor den Offizieren ( gleicher Dienstgrad bzw. höher ) degradiert worden ? Oder ehrehhaft entlassen worden ? Wenn es eine Degradierung infolge Fehlverhaltens gegeben hätte dann garantiert nicht vom Kdr. GrenzBatt. Wurde er zuerst in eine andere Dienststellung versetzt oder gleich entlassen ? Und letztendlich, hatte er in der Kohle eine seiner Qualifizierung adäquate Position erhalten oder wurde er als " Hilfsarbeiter " angestellt ?
Entschuldige die Fragen, aber so wie Euch die Geschichte zur Kenntnis gegeben wurde, ist sie unstimmig.Was mich zusätzlich irritiert, wir alle waren bei der Fahne und wissen, eine Entlassung eines Offz. wegen Fehlverhaltens lies sich nicht geheim halten. Dafür wurde viel zu viel gequatscht.


" Die geheime Aufklärung ist ein Dienst, der nur Herren vorbehalten ist " ( Oberst Nicolai, Leiter der dt. Militäraufklärung im 1. WK )
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#7

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 14:03
von furry | 3.580 Beiträge

@Uleu , bitte noch mal genau den ersten Satz lesen. Es war Ende der 50er Jahre, also um die Zeit Deines Erstauftrittes. Da war Vieles noch etwas ganz anders.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#8

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 14:06
von Arthur | 26 Beiträge

wenn er unehrenhaft entlassen worden wäre, dann hätte man ihn bestimmt nicht mehr in der benachbarten Braunkohle oder Brikettfabrik wiedergesehen.
Er kannte alle Gegebenheiten in diesem Grenzabschnitt und die Angst, daß der ehem. Kp.-Chef seine Kenntnisse nutzt, um in den westlichen Teil zu gelangen, waren berechtigter Weise zu groß als dass man ihn dort in der Nähe gelassen hätte.
Ich denke mal, man hat ihm ans Herz gelegt, den Dienst zu Quittieren und ihm dafür einen ordentlichen "Posten" in der Brikettfabrik besorgt. Wahrscheinlich war er zu menschlich als Kp.-Chef, aber dienstlich wird im Wesentlichen alles o.K. gewesen sein.

Arthur



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#9

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 14:54
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #5
HJ- Vergangenheit, gab es damals junge Männer ohne?
Laut https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Leonhard
war es erklärtes Ziel der SED, Mitläufer einzubinden.



Ja ! Mein Vater. Kommt aus SPD-Haus. Vater und Mutter nebenamtliche Funktionäre. So wie er in seinen Memoiren berichtete, war er nicht der Einzige. So gleichgeschaltet wie heute leichtfertig unterstellt war die deutsche Bevölkerung nun auch wieder nicht. Leider nur nicht aktiv, bis auf Ausnahmen, aber die haben die Befreiung oft nicht mehr erlebt.
Oh, ich merke, ich drifte in OT ab. Schnell zurück marsch, marsch !



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#10

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 17:42
von Cambrino | 201 Beiträge

Zitat von Uleu im Beitrag #6
Zitat von Cambrino im Beitrag #1
In den letzten 50ger Jahren bekamen wir auf der Gr.Komp. Caroline bei Barneberg einen neuen Komp.Chef (Hauptm.Lange).
Er war immer freundlich,konnte gut mit den Soldaten umgehen und war bei Allen sehr beliebt.Eine richtig väterliche Person. Nach ca.1 Jahr kam Besuch mit B-Krad und dem Bat.Chef von Barneberg (Name weiß ich nicht mehr). Unser Komp.Chef Hauptm.La. mußte sofort seine Sachen packen und fuhr dann im Seitenwagen mit großem Marschgepäck mit der oben genannten Begleitung davon.
Die Komp. mußte draußen antreten, es wurde uns gesagt, der Komp.Chef ist auf Dienstreise und kommt nicht zurück. Vorübergehend übernahm der Polit-Offz. die Komp. Einige Zeit später bekamen wir dann einen Oberleutn. Schn. als Komp.Chef. Der pflegte aber strengere Umgangsformen.
Nach einiger Zeit wurde der ehem. Hauptm. La. als Arbeiter in der Brikettfabrik Völpke bei Barneberg gesehen.
Man erzählte dann, daß der Hauptm. in seinem Lebenslauf in der Pers.Akte verschwiegen hat daß Er bis 1945 eine Funktion in der HJ (Hitlerjugend) hatte. Dieses soll zu seiner Entlassung geführt haben. Etwas Genaues wurde uns nicht bekannt gegeben.
Soweit über diesen Vorfall.

Gruß CAMBRINO


Schwer nachvollziehbar. Ist er vor den Offizieren ( gleicher Dienstgrad bzw. höher ) degradiert worden ? Oder ehrehhaft entlassen worden ? Wenn es eine Degradierung infolge Fehlverhaltens gegeben hätte dann garantiert nicht vom Kdr. GrenzBatt. Wurde er zuerst in eine andere Dienststellung versetzt oder gleich entlassen ? Und letztendlich, hatte er in der Kohle eine seiner Qualifizierung adäquate Position erhalten oder wurde er als " Hilfsarbeiter " angestellt ?
Entschuldige die Fragen, aber so wie Euch die Geschichte zur Kenntnis gegeben wurde, ist sie unstimmig.Was mich zusätzlich irritiert, wir alle waren bei der Fahne und wissen, eine Entlassung eines Offz. wegen Fehlverhaltens lies sich nicht geheim halten. Dafür wurde viel zu viel gequatscht.



Also Er wurde vom Kdr. des Batt. Barneberg abgeholt, wo man Ihn dann hin gebracht hat, ob Er degradiert wurde,warum Er entlassen wurde und wer Ihn entlassen hat, darüber wurde nichts öffentlich bekannt. In solchen Fällen wurden diese Gründe wohl eher vertraulich behandelt mit Rücksicht auf sein weiteres Berufsleben (Mobbing)). Vielleicht ist Er auch schon bevor Er zu uns als Komp.Ch. kam in seiner Dienststellung herab gesetzt worden, man weiß es eben nicht. Es war in der Brikettfabrik als normaler Arbeiter bestimmt keine Position entsprechend seiner Qualifikation.

Gruß CAMBRINO


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#11

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 17:52
von Arthur | 26 Beiträge

war er in der Brikettfabrik wiklich "nur normaler" Arbeiter oder doch evtl. Sicherheitsinspekteur???????
Wer weiß das heute noch so genau. Da müßte man in den Archiven und Unterlagen nachsehen.

Arthur



Fritze, 94 und Cambrino haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#12

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 17:58
von Cambrino | 201 Beiträge

Zitat von Arthur im Beitrag #8
wenn er unehrenhaft entlassen worden wäre, dann hätte man ihn bestimmt nicht mehr in der benachbarten Braunkohle oder Brikettfabrik wiedergesehen.
Er kannte alle Gegebenheiten in diesem Grenzabschnitt und die Angst, daß der ehem. Kp.-Chef seine Kenntnisse nutzt, um in den westlichen Teil zu gelangen, waren berechtigter Weise zu groß als dass man ihn dort in der Nähe gelassen hätte.
Ich denke mal, man hat ihm ans Herz gelegt, den Dienst zu Quittieren und ihm dafür einen ordentlichen "Posten" in der Brikettfabrik besorgt. Wahrscheinlich war er zu menschlich als Kp.-Chef, aber dienstlich wird im Wesentlichen alles o.K. gewesen sein.

Arthur


Der Mann war verheiratet und hatte Frau und Kinder, politisch stand Er wohl voll zu dem System. Der hätte bestimmt nicht die Seiten gewechselt.

Gruß CAMBRINO


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#13

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 20:26
von Cambrino | 201 Beiträge

Zitat von Arthur im Beitrag #11
war er in der Brikettfabrik wiklich "nur normaler" Arbeiter oder doch evtl. Sicherheitsinspekteur???????
Wer weiß das heute noch so genau. Da müßte man in den Archiven und Unterlagen nachsehen.

Arthur



Als IM schon möglich !

Gruß CAMBRINO


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#14

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 23:18
von der 39. | 522 Beiträge

Der Chef der Deutschen Volkspolizei erließ 1949 den Befehl 2/49. Demzufolge wurde "unsicheren Elemente" aus der Polizei entlassen. Diese Aktion wiederholte sich 1950 und in den Folgejahren noch mehrmals. Betroffen waren Volkspolizisten mit Westverwandschaft, oder die aus dem Westen stammten oder in westlicher Gefangenschaft waren, auch unsichere Umsiedler gehörten dazu. In dieser Zeit sollen bis zu einem Drittel der gesamten Polizeikräfte entlassen worden sein.
In welchem Umfang ich selbst betroffen war, kann man im Thema" Der erste Tag" Beitrag #14 nachlesen.
Ich schätze, das der hier besprochene Kompaniechef auch darunter fiel.
Im übrigen, ich habe auch keine Funktionen im Jungvolk oder in der HJ bekleidet, da sind wir schon zwei.
Der 39.


Cambrino, DoreHolm, Gert, eisenringtheo, Pitti53 und Fritze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#15

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 23:43
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von der 39. im Beitrag #14
Der Chef der Deutschen Volkspolizei erließ 1949 den Befehl 2/49. Demzufolge wurde "unsicheren Elemente" aus der Polizei entlassen. Diese Aktion wiederholte sich 1950 und in den Folgejahren noch mehrmals. Betroffen waren Volkspolizisten mit Westverwandschaft, oder die aus dem Westen stammten oder in westlicher Gefangenschaft waren, auch unsichere Umsiedler gehörten dazu. In dieser Zeit sollen bis zu einem Drittel der gesamten Polizeikräfte entlassen worden sein.
In welchem Umfang ich selbst betroffen war, kann man im Thema" Der erste Tag" Beitrag #14 nachlesen.
Ich schätze, das der hier besprochene Kompaniechef auch darunter fiel.
Im übrigen, ich habe auch keine Funktionen im Jungvolk oder in der HJ bekleidet, da sind wir schon zwei.
Der 39.


rot mark. Ich wundere mich , dass du nach heute 66 Jahren so etwas wie eine Rechtfertigung schreibst. Zu dieser Zeit gab es keine anderen Menschen. Die Jungs die 1955 20 Jahre alt waren, waren zwangsläufig Mitglieder der HJ, mit wenigen Ausnahmen. Das konnte man ihnen nicht vorwerfen, es sei denn man war extrem dumm und ohne Geschichtsbewusstsein, also kommunistischer Apparatschik.
Wenn das ein Hinderungsgrund war, an dem neuen kommunistischen Staat mitzu arbeiten, so hätte ich es einfach gelassen. Diese Leute wie Ulbricht und Honecker waren es nicht wert, dass man sich mit ihnen verbündete. Sie waren dumme Apparatschiks des Kommunismus. Werte wie Gerechtigkeit, Loyalität, Fairness, Gleichheit und Brüderlichkeit waren diesen Dumpfbacken fremd.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#16

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 23:49
von StabsfeldKoenig | 2.655 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #15
Zitat von der 39. im Beitrag #14
Der Chef der Deutschen Volkspolizei erließ 1949 den Befehl 2/49. Demzufolge wurde "unsicheren Elemente" aus der Polizei entlassen. Diese Aktion wiederholte sich 1950 und in den Folgejahren noch mehrmals. Betroffen waren Volkspolizisten mit Westverwandschaft, oder die aus dem Westen stammten oder in westlicher Gefangenschaft waren, auch unsichere Umsiedler gehörten dazu. In dieser Zeit sollen bis zu einem Drittel der gesamten Polizeikräfte entlassen worden sein.
In welchem Umfang ich selbst betroffen war, kann man im Thema" Der erste Tag" Beitrag #14 nachlesen.
Ich schätze, das der hier besprochene Kompaniechef auch darunter fiel.
Im übrigen, ich habe auch keine Funktionen im Jungvolk oder in der HJ bekleidet, da sind wir schon zwei.
Der 39.


rot mark. Ich wundere mich , dass du nach heute 66 Jahren so etwas wie eine Rechtfertigung schreibst. Zu dieser Zeit gab es keine anderen Menschen. Die Jungs die 1955 20 Jahre alt waren, waren zwangsläufig Mitglieder der HJ, mit wenigen Ausnahmen. Das konnte man ihnen nicht vorwerfen, es sei denn man war extrem dumm und ohne Geschichtsbewusstsein, also kommunistischer Apparatschik.
Wenn das ein Hinderungsgrund war, an dem neuen kommunistischen Staat mitzu arbeiten, so hätte ich es einfach gelassen. Diese Leute wie Ulbricht und Honecker waren es nicht wert, dass man sich mit ihnen verbündete. Sie waren dumme Apparatschiks des Kommunismus. Werte wie Gerechtigkeit, Loyalität, Fairness, Gleichheit und Brüderlichkeit waren diesen Dumpfbacken fremd.




Aus der reinen Mtgliedschaft, sowie niedern Funktionen hat man auch niemandem in der DDR einen "Strick gedreht". Aber es könnte sich auch um eine höhere, hauptamtliche Funktion gehandelt haben (z.B. Gauleiter bzw. dessen Stellvertreter). Das wäre in der DDR, wenn man es im Lebenslauf verschwiegen hätte, zu recht ein Grund, Vertrauensstellungen zu entziehen.



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#17

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 16.07.2015 23:57
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #16
Zitat von Gert im Beitrag #15
Zitat von der 39. im Beitrag #14
Der Chef der Deutschen Volkspolizei erließ 1949 den Befehl 2/49. Demzufolge wurde "unsicheren Elemente" aus der Polizei entlassen. Diese Aktion wiederholte sich 1950 und in den Folgejahren noch mehrmals. Betroffen waren Volkspolizisten mit Westverwandschaft, oder die aus dem Westen stammten oder in westlicher Gefangenschaft waren, auch unsichere Umsiedler gehörten dazu. In dieser Zeit sollen bis zu einem Drittel der gesamten Polizeikräfte entlassen worden sein.
In welchem Umfang ich selbst betroffen war, kann man im Thema" Der erste Tag" Beitrag #14 nachlesen.
Ich schätze, das der hier besprochene Kompaniechef auch darunter fiel.
Im übrigen, ich habe auch keine Funktionen im Jungvolk oder in der HJ bekleidet, da sind wir schon zwei.
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rot mark. Ich wundere mich , dass du nach heute 66 Jahren so etwas wie eine Rechtfertigung schreibst. Zu dieser Zeit gab es keine anderen Menschen. Die Jungs die 1955 20 Jahre alt waren, waren zwangsläufig Mitglieder der HJ, mit wenigen Ausnahmen. Das konnte man ihnen nicht vorwerfen, es sei denn man war extrem dumm und ohne Geschichtsbewusstsein, also kommunistischer Apparatschik.
Wenn das ein Hinderungsgrund war, an dem neuen kommunistischen Staat mitzu arbeiten, so hätte ich es einfach gelassen. Diese Leute wie Ulbricht und Honecker waren es nicht wert, dass man sich mit ihnen verbündete. Sie waren dumme Apparatschiks des Kommunismus. Werte wie Gerechtigkeit, Loyalität, Fairness, Gleichheit und Brüderlichkeit waren diesen Dumpfbacken fremd.




Aus der reinen Mtgliedschaft, sowie niedern Funktionen hat man auch niemandem in der DDR einen "Strick gedreht". Aber es könnte sich auch um eine höhere, hauptamtliche Funktion gehandelt haben (z.B. Gauleiter bzw. dessen Stellvertreter). Das wäre in der DDR, wenn man es im Lebenslauf verschwiegen hätte, zu recht ein Grund, Vertrauensstellungen zu entziehen.


glaubst du dass sich ein ehemaliger Gauleiter der NSDAP am 7. Oktober 1949, dem Gründungstag der DDR , auf dem Gebiet der DDR auifgehalten hat ? Ich sage dir wo die waren, sie waren entweder vom NKWD umgebracht worden oder auf dem Territorium der 3 Westzonen untergetaucht. Der Gauleiter von Düsseldorf, meiner jetzigen Heimat, ist in den 70 er Jahren ganz normal in seinem Bett gestorben. Ein Skandal wie ich sagen möchte, aber leider nicht mehr umkehrbar.


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
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#18

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 17.07.2015 06:59
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Nur mal nebenbei, da wir uns hier eh auf einem sehr spekulativen Eis bewegen: Im Aufnahmeantrag der SED gab es die Frage, ob man Mitglied einer faschistischen oder ähnlichen Vereinigung war. Für meine Generation (1960) eine merkwürdig anmutende Frage, aber für die geschilderte Zeit und den geschilderten Jahrgang durchaus eine wichtige Frage. Machte man da falsche Angaben, konnte das zu einem Parteiverfahren vor der PKK (Parteikontrollkommission = Ebene Grenzkommando) führen. Wenn dort der Ausschluss aus der Partei als Parteistrafe beschlossen wurde, bedeutete das automatische den Verlust der Dienststellung und des Dienstgrades. Es galt das Prinzip der führenden Rolle der Partei, somit galten Degradierung und Entlassung prinzipiell aus Sicht der Gesellschaft als gerechtfertigt, unabhängig davon, wie man das aus heutiger Sicht bewertet.

Wenn es im Hintergrund der hier geschilderten Sache wirklich um das Verschweigen der HJ-Mitgliedschaft gegangen sein sollte, dann würde ich den hier genannten Mechanismus dahinter vermuten. Das heißt nicht: So war es. Es ist lediglich ein Hinweis auf die Mechanismen, die dann griffen, wenn man die Partei, in die man im übrigen freiwillig eintrat, belog. Jaja, ich weiß, jetzt kann wieder der Hinweis auf Repressionen und mangelnde Chancen in der persönlichen Entwicklung kommen. Aber auch das betrachte ich als spekulativ. Die Frage hier wäre eher, warum er das verschwiegen hat. Gerade in dieser Zeit war das keine Seltenheit und verwehrte einem auch nicht den Zugang zur Partei.

Im Übrigen geht es hier eher um Gerüchte. Als ich damals aus der Grenzkompanie abgezogen wurde, wirkte ich eher wie ein "Bauernopfer" aufgrund der Grenzdurchbrüche. Von meinem Parteiverfahren und den Gründen dafür wusste kaum jemand. Ein alter Freund von mir, auch Politoffizier, wollte eine Frau heiraten, die nach Ansicht seiner Vorgesetzten zu viel Westverwandtschaft hatte, wurde entlassen, weil er sich, vor die Wahl "die Grenztruppen oder die Frau" gestellt, für die Frau entschied. Das wurde auch nicht an die große Glocke gehängt und führte zu wüsten Spekulationen ...

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#19

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 17.07.2015 10:58
von Fritze | 3.474 Beiträge

Man stelle sich einen ehemaligen AGT vor , der heute ein Arbeitsverhältnis an einer städtischen Einrichtung angestrebet hatte .
Bei dem Vorstellungsgespräch war keine Rede von Vergangenheit in der DDR . Als so eine Art Hausmeister für zwei Jugendeinrichtingen ist es natürlich undenkbar ,daß ein derartig Vorbelasteter , Stühle und sonstiges Mobiliar reparriert !
Als dann noch rauskam ,das dieser Mensch keiner Konfession angehörte , war das Mass übervoll !

Nun gut ,dieser Mensch ist heute sehr froh ,daß er diese Stelle nicht bekam ,weil er heute Erfolg in der Privatwirtschaft hat und über die Almosen eines städtischen Jobs nur ein müdes Lächeln übrig hat .

Man muss auch mal Ablehnung erfahren , bevor man Erfolg bekommt !
Es lebe die Marktwirtschaft !

MfG Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
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#20

RE: Vom Hauptm.und Komp.Chef zum Arbeiter in der Brikettfabrik.

in Grenztruppen der DDR 17.07.2015 12:09
von Hanum83 | 4.789 Beiträge

Ich glaube die Bundesrepublik war mit den beruflichen Vorleben recht geschmeidig, meine Frau ist zwar 5 mal durchgegaukt worden, aber die hat halt nur für die DDR Gelder eingetrieben, macht ja jeder Staat, mein Schwiegervater hat als Kriminalist richtige Mörder dingfest gemacht, durfte er dann im neuen Deutschland auch weiter machen, hätte er Leute gefangen die das "Verbrechen" einfach da zu wohnen wo sie wollen begangen hätten, wär es natürlich eine andere Geschichte gewesen.


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(Anton Günther)
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