#141

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 09.07.2015 18:07
von Klauspeter | 989 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #136
Ob Duckmäusertum, sprechen mit zwei Zungen oder die Schere im Kopf bei einer Textverfassung, das gab es, das gibt es und wird es weiter geben.
Nur können die Ursachen dieser Wirkung unterschiedlicher Natur sein.


Ich war zu DDR-Zeiten oft im Leipziger Kabarett "Die Academixer". Fast jeder wusste, dass neue Programme vorher von der SED-Bezirksleitung Leipzig "abgenommen" wurden. Nur, was dann auf der Bühne wirklich gesagt wurde, darauf hatte keiner Einfluss. Viele DDR-Bürger hatten gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen und auf Mimik, Gestik und Wortnuancen zu reagieren.

Viele DDR-Schriftsteller ließen sich den Mund nicht verbieten.

Und noch ein anderes Beispiel:
Ich denke an das mutige Handeln von 6 Leipziger Männern am 9.Oktober 1989.
"Kurz vor Schluss des Friedensgebetes in der Nikolaikirche, vor dem Segen des Bischofs, wurde ein „Aufruf“ des Gewandhauskapellmeisters Kurt Masur, des Kabarettisten Bernd-Lutz Lange, des Theologen Peter Zimmermann und dreier Sekretäre der SED-Bezirksleitung (der so genannte „Aufruf der Leipziger Sechs“) verlesen, der ebenfalls zur Gewaltlosigkeit aufrief und wie folgt auch über den Leipziger Stadtfunk ab 18.00 Uhr gesendet wurde:

„Bürger! Professor Kurt Masur, Pfarrer Dr. Zimmermann, der Kabarettist Bernd-Lutz Lange und die Sekretäre der SED-Bezirksleitung Dr. Kurt Meyer, Jochen Pommert und Dr. Roland Wötzel wenden sich mit folgendem Aufruf an alle Leipziger: Unsere gemeinsame Sorge und Verantwortung haben uns heute zusammengeführt. Wir sind von der Entwicklung in unserer Stadt betroffen und suchen nach einer Lösung. Wir alle brauchen freien Meinungsaustausch über die Weiterführung des Sozialismus in unserem Land. Deshalb versprechen die Genannten heute allen Bürgern, ihre ganze Kraft und Autorität dafür einzusetzen, dass dieser Dialog nicht nur im Bezirk Leipzig, sondern auch mit unserer Regierung geführt wird. Wir bitten Sie dringend um Besonnenheit, damit der friedliche Dialog möglich wird.“ (Quelle: Wikipedia)
Man kann über Sekretäre der SED-Bezirksleitung denken, wie man will. Ich habe großen Respekt vor dem Mut dieser 3 Sekretäre - ihnen wäre es bei einem anderen Ausgang sehr schlecht gegangen.

Ich hatte nach der Wende Gelegenheit, mit einem BRD-Sporttrainer zu sprechen. Er war oft mit seinen Sportlern bei DDR-Sportveranstaltungen. Er erzählte von teilweise üblen Schikanen bei den Grenzkontrollen. Alle hielten den Mund - und das ist durchaus verständlich. Es ging in solchen Fällen nicht anders - und niemand wird diesen Sportlern Charakterlosigkeit oder Duckmäusertum vorwerfen.
Klaus


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#142

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 09.07.2015 18:17
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Du hast da etwas auf den Punkt gebracht:
Die Alternative war das Verbot des Kabaretts, wie beim Leipziger Studentenkabarett „Rat der Spötter“ oder eben der Ausfall der Sportveranstaltung.
Das hätte nur den Verbietern genutzt.

Ich hab selbst als Zuschauer erlebt, wie durch Kompromißlosigkeit eines Künstlers gegenüber dem Prozedere an der Grenze, ein Konzert ausfiel. Er war das einfach nicht gewohnt. Erst wurde im Konzertsaal eine Verzögerung verkündet, dann der Ausfall.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
Klauspeter und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.07.2015 18:17 | nach oben springen

#143

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 09.07.2015 20:19
von Mike59 | 7.979 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #140
Zitat von furry im Beitrag #136
Ob Duckmäusertum, sprechen mit zwei Zungen oder die Schere im Kopf bei einer Textverfassung, das gab es, das gibt es und wird es weiter geben.
Nur können die Ursachen dieser Wirkung unterschiedlicher Natur sein.


Sicherlich muß man niemanden erklären, daß es zwischen Arschkriecherei und innerer Kündigung eine Bandbreite gab.


Die Beurteilung was "wie zu beurteilen ist" liegt aber im Auge des Betrachters von außen - und somit ist es wieder eine Frage der Beeinflussung von dritten wie etwas beurteilt wird.
So wird Arschkriecherei zu Anpassung, Cleverness, Professionalität oder Widerstand.


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#144

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 09.07.2015 20:33
von Schakal | 271 Beiträge

Wenn ich heute eine andere Meinung als (scheinbar) die Masse der Gesellschaft über bspw. Flüchtlingspolitik , Homoehe o.ä. habe, kann mir das unter Umständen auch Nachteile bringen. Es ist also generell im Leben so, dass man sich in Gewissen Situationen anpassen muss, wenn man nicht völlig renitent ist. So war es in der DDR. So war es davor und so ist es heute.


--- Ex oriente lux.---
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#145

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 09.07.2015 20:59
von passport | 2.640 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #141
Zitat von furry im Beitrag #136
Ob Duckmäusertum, sprechen mit zwei Zungen oder die Schere im Kopf bei einer Textverfassung, das gab es, das gibt es und wird es weiter geben.
Nur können die Ursachen dieser Wirkung unterschiedlicher Natur sein.


Ich war zu DDR-Zeiten oft im Leipziger Kabarett "Die Academixer". Fast jeder wusste, dass neue Programme vorher von der SED-Bezirksleitung Leipzig "abgenommen" wurden. Nur, was dann auf der Bühne wirklich gesagt wurde, darauf hatte keiner Einfluss. Viele DDR-Bürger hatten gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen und auf Mimik, Gestik und Wortnuancen zu reagieren.

Viele DDR-Schriftsteller ließen sich den Mund nicht verbieten.

Und noch ein anderes Beispiel:
Ich denke an das mutige Handeln von 6 Leipziger Männern am 9.Oktober 1989.
"Kurz vor Schluss des Friedensgebetes in der Nikolaikirche, vor dem Segen des Bischofs, wurde ein „Aufruf“ des Gewandhauskapellmeisters Kurt Masur, des Kabarettisten Bernd-Lutz Lange, des Theologen Peter Zimmermann und dreier Sekretäre der SED-Bezirksleitung (der so genannte „Aufruf der Leipziger Sechs“) verlesen, der ebenfalls zur Gewaltlosigkeit aufrief und wie folgt auch über den Leipziger Stadtfunk ab 18.00 Uhr gesendet wurde:

„Bürger! Professor Kurt Masur, Pfarrer Dr. Zimmermann, der Kabarettist Bernd-Lutz Lange und die Sekretäre der SED-Bezirksleitung Dr. Kurt Meyer, Jochen Pommert und Dr. Roland Wötzel wenden sich mit folgendem Aufruf an alle Leipziger: Unsere gemeinsame Sorge und Verantwortung haben uns heute zusammengeführt. Wir sind von der Entwicklung in unserer Stadt betroffen und suchen nach einer Lösung. Wir alle brauchen freien Meinungsaustausch über die Weiterführung des Sozialismus in unserem Land. Deshalb versprechen die Genannten heute allen Bürgern, ihre ganze Kraft und Autorität dafür einzusetzen, dass dieser Dialog nicht nur im Bezirk Leipzig, sondern auch mit unserer Regierung geführt wird. Wir bitten Sie dringend um Besonnenheit, damit der friedliche Dialog möglich wird.“ (Quelle: Wikipedia)
Man kann über Sekretäre der SED-Bezirksleitung denken, wie man will. Ich habe großen Respekt vor dem Mut dieser 3 Sekretäre - ihnen wäre es bei einem anderen Ausgang sehr schlecht gegangen.

Ich hatte nach der Wende Gelegenheit, mit einem BRD-Sporttrainer zu sprechen. Er war oft mit seinen Sportlern bei DDR-Sportveranstaltungen. Er erzählte von teilweise üblen Schikanen bei den Grenzkontrollen. Alle hielten den Mund - und das ist durchaus verständlich. Es ging in solchen Fällen nicht anders - und niemand wird diesen Sportlern Charakterlosigkeit oder Duckmäusertum vorwerfen.
Klaus






hallo @Klauspeter

Da muss ich dir auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen an der Güst Marienborn / A. wiedersprechen. Offizielle Sportdelegationen wurden an den Güsten avisiert. Das war verbunden mit einer schnellen, höflichen und korrekten Abfertigung durch PKE und Zoll. Die Kontrolle des Zolls bestand meist nur in den Pflichtfragen nach Waffen, Funk und Munition. Diese Busse standen meistens noch unter Leiterkontrolle. Dh. Ankunft, Kontroll und - Abfahrtzeit wurden zeitgleich dem OLZ, GF, ZF dem PKE-Leiter gemeldet. Also nicht alles Glauben was man von Bundis über DDR-Grenzkontrollen hört



passport


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#146

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 09.07.2015 21:17
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von IM Kressin im Beitrag #125



(Zitat @IM Kressin Auszug)

@josy95 , wer hat Dir den „Rumpelzoni“ verpaßt?

Offensichtlich irgendjemand, der über Insiderkenntnisse verfügt und weiß, daß Du kein angepaßter DDR-Bürger oder Duckmäuser warst und bist?

Eine pfiffige Bezeichnung für einen kritischen Geist?


Die raffinierte Beeinflussung durch manipulierte Massenmedien,
das @josy95 ist ein eigenes Kapitel und würde diesen Thread ohne Wenn und Aber sprengen …

Es grüßt Euch
Kressin





Du hast es erfasst - ein Insider und zum sehr guten Freund und Vertrauten gewordener User Namens @*ainman* ---- hat mir diesen, sagen wir mal Spitznamen "verpasst", auch wenn einige unserer Weltanschauungen doch erhblich auseinanandergehen. Von ihm kann und möchte ich aber behaupten, er ist einer von Denen, die Mensch und Realist in einem geblieben sind. Ich behaupte das einfach mal auch aus der Vergangenheit, sprich vor 1989. Auch wenn wir uns damals noch nicht kannten, im Entferntesten an ein Kennenlernen nicht zu denken war. Aber eins weiß ich, und behaupte mal ganz egoistisch incl. Rechthaberanspruch:

Ein Mensch ändert seinen Grundcharackter nicht. Er passt sich in kleinen und verständlichen "Umwelteinflüssen" allenfalls an....

Er gehört u. a. dazu!

Und so habe ich hier in diesem oder aus diesem Forum und besonders durch Raltytreffen viele nette Menschen kennenlernen dürfen, die mir schon deshalb symphatisch sind, weil sie Realisten sind, (meißtens - wegen der Zensur) Klartext reden und von ihrem Gundsatz nicht abweichen.

User, deren Bekanntschaft ich schätze und gern als Freundschaft weiter ausbauen möchte. Deren Meinung, deren Rat auch auf Grund ihrer Lebenserfahrung, ihrem Erlebten ich sehr scätze!

Kameraden ihr wißt, wen ich von euch meine! Einzelne hier zu benennen, da würde ich mich nur der Peinlichkeit aussetzen, jemanden ggfls. zu vergessen.
Dazu die ewigen Nörgler unter dem s. g. selbsternannten und neidhaften Gutmenschen (eine besondere Spezi, Mensch, Spezi User für sich!) wecken, munter machen, die vermutlich jetzt schon auf den sprichwörtlichen Plan gerufen sind und Gift und Galle spucken...!

Vermutlich nennt man mich auch deshalb Rumpelzoni - darauf bin ich auch stolz!

Weil ich nich "angepasst" war und es auch nicht bin, nicht sein werde....!

Übring, danke @Rainman2 . Du alter graubärtiger Zausel, für Deine Inspiration für diesen einmalig ehrenden Kosenamen!

, jetzt hab ich doch einen beim Namen genannt...



Und @IM Kressin , trotz "bedanken" - Button, nochmals Dank für Deinen besonders inhaltlich so treffend realistischen Beitrag!

Es weckt immer meimne freudige Anspannung, wenn ich in der Übersicht Deinen Nicknamen lese. Dann lese ich auch garantiert Deinen Beitrag, auch wenn mich der Thread vielleicht weniger interessiert!

Nach einigen "Säuberungsaktionen" hier, exgakl, hoppla, egal, wie man im Einzelfall darüber denkt, verfestigt sich mit bestimmten Usern wie auch Dir jetzt und hier eine angenehme Diskussions- und Forumskultur!

Würde mich sehr freuen, Dich und auch noch ein paar andere User irgendwann mal persönlich kennenzulernen!


VG aus dem Harz

josy95

(sorry, Schreibfehler- Edit + klitzekleiner Ergänzung im Text)


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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zuletzt bearbeitet 09.07.2015 21:22 | nach oben springen

#147

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 10.07.2015 00:03
von Telamon | 129 Beiträge

Ich glaube es gab in der DDR früher mehr mutige Menschen als wie Duckmäuser, die es auch natürlich auch gab.
Es kann die Erziehung also nicht so falsch gewesen sein. War die Erziehung in der BRD so viel besser, waren das alles Kämpfer und Helden.
Als ich 1988 in die BRD kam hatte ich aber ein völlig anders Bild, im besonderen in der Arbeitswelt bei Großkonzernen und ich habe das erste Mal erlebt was wirkliche Duckmäuser sind um Ihre Stellung zu behalten. Sind Sie dazu erzogen worden, ich glaube nicht. Sie haben sich nur angepasst an den bestehenden Bedingungen, das hat aber wenig mit Erziehung zu tun. So ist es auf der ganzen Welt und hat nichts mit der Erziehung in der DDR zu tun.



Damals87, andyman, Rostocker, josy95, Schakal und furry haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#148

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 10.07.2015 08:06
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Telamon im Beitrag #147
Ich glaube es gab in der DDR früher mehr mutige Menschen als wie Duckmäuser, die es auch natürlich auch gab.
Es kann die Erziehung also nicht so falsch gewesen sein. War die Erziehung in der BRD so viel besser, waren das alles Kämpfer und Helden.
Als ich 1988 in die BRD kam hatte ich aber ein völlig anders Bild, im besonderen in der Arbeitswelt bei Großkonzernen und ich habe das erste Mal erlebt was wirkliche Duckmäuser sind um Ihre Stellung zu behalten. Sind Sie dazu erzogen worden, ich glaube nicht. Sie haben sich nur angepasst an den bestehenden Bedingungen, das hat aber wenig mit Erziehung zu tun. So ist es auf der ganzen Welt und hat nichts mit der Erziehung in der DDR zu tun.



Das Wort, die Eigenschaft "Anpassen" rückt bei der intensiven Betrachtung dieses Themas immer mehr in den Vordergrund.

Ja, anpassen. Zu welchen Bedingungen, zu welchem Preis?

Ein sehr hoher PPreis ist z. Bsp. die (nackte) Existenz. Brisanter wird es, wenn die der Familie, Frau. Kinder usw. noch mit daran hängt.
Das macht Menschen sehr anfällig und sehr schnell erpressbar. addiert mit deutschem Ehrgeiz, deutscher Strebsamkeit (nach immer mehr, immer besser wie der andere, der Kollege, der Nachbar...!) ist die daraus hervorgehende Summe nicht immer gut gewesen, auch heute nicht gut....!

Das Wohl und Wehe einer Gesellschaft hängt nur sehr von jedem Einzelnen ab, wie weit er sich anpasst...

Und von dem politisch Gesteuerten Anpassungszwang als willkommenes Druckmittel u. a. für die aktuelle Durchsetzung eines Raubritterkapitalismus mit feudalistischen Strukturen...

Und je mehr "Unangepasste", desto schwerer hat es diese Machtlobby.

Das wurde klar und deutlich durch uns ehem. DDR- Bürger 1989 bewiesen. Einigkeit macht stark. Und wenn die Masse zur Macht wird, dann versagt die beste Ideologie. Dann nützen auch solche Scheißhausparolen und Verunglimpfungen wie Mob der Straße, Rowdies, konterrevelutionäre Elemente.... und un und nix mehr!

josy95


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#149

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 10.07.2015 08:30
von damals wars | 12.204 Beiträge

Wer damals Duckmäuser war, ist es heute immernoch, wer ändert sich in seinem Leben schon so gewaltig,
ne Flasche Mut bekommt man ja nicht zum Geburtstag geschenkt.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#150

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 10.07.2015 10:58
von Klauspeter | 989 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #145
[quote=Klauspeter|p478783]
hallo @Klauspeter

Da muss ich dir auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen an der Güst Marienborn / A. wiedersprechen. Offizielle Sportdelegationen wurden an den Güsten avisiert. Das war verbunden mit einer schnellen, höflichen und korrekten Abfertigung durch PKE und Zoll. Die Kontrolle des Zolls bestand meist nur in den Pflichtfragen nach Waffen, Funk und Munition. Diese Busse standen meistens noch unter Leiterkontrolle. Dh. Ankunft, Kontroll und - Abfahrtzeit wurden zeitgleich dem OLZ, GF, ZF dem PKE-Leiter gemeldet. Also nicht alles Glauben was man von Bundis über DDR-Grenzkontrollen hört

passport


Hallo Rainer,

so ist das eben - die einen sagen so und die anderen so.
Ich habe keinen Grund, Dir nicht zu glauben. Ich möchte auch nicht den Namen des Sportlers hier nennen, auf dessen Aussage ich mich bezog.
Auch ihn halte ich nicht für einen Lügner.
Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es bei den DDR-Grenzkontrollen nicht immer "sauber" zuging.
Klaus


94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#151

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 10.07.2015 13:25
von Schakal | 271 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #141

hallo @Klauspeter

Da muss ich dir auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen an der Güst Marienborn / A. wiedersprechen. Offizielle Sportdelegationen wurden an den Güsten avisiert. Das war verbunden mit einer schnellen, höflichen und korrekten Abfertigung durch PKE und Zoll. Die Kontrolle des Zolls bestand meist nur in den Pflichtfragen nach Waffen, Funk und Munition.



Mal kurz etwas offtopic, aber die Frage nach Waffen, Funk und Munition, welchen Sinn hatte die? Ich habe da schon viele Kommentare von ehemaligen Wessis drüber gehört, unter anderem auch als Gegenfrage "ob man das in der DDR braucht".

Hätte man Waffen etc. bei einer Kontrolle nicht eh gefunden und würde ein potentieller Waffenträger das vorher freiwillig bekannt geben?


--- Ex oriente lux.---
zuletzt bearbeitet 10.07.2015 14:23 | nach oben springen

#152

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 10.07.2015 13:46
von passport | 2.640 Beiträge

Zitat von Schakal im Beitrag #151
Zitat von Klauspeter im Beitrag #141

hallo @Klauspeter

Da muss ich dir auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen an der Güst Marienborn / A. wiedersprechen. Offizielle Sportdelegationen wurden an den Güsten avisiert. Das war verbunden mit einer schnellen, höflichen und korrekten Abfertigung durch PKE und Zoll. Die Kontrolle des Zolls bestand meist nur in den Pflichtfragen nach Waffen, Funk und Munition.



Mal kurz etwas offtopic, aber die Frage nach Waffen, Funk und Munition, welchen Sinn hatte die? Ich habe da schon viele Kommentare von ehemaligen Wessis drüber gehört, unter anderem auch als Gegenfrage "ob man das in DDR braucht".

Hätte man Waffen etc. bei einer Kontrolle nicht eh gefunden und würde ein potentieller Waffenträger das vorher freiwillig bekannt geben?





Auch heute lautet die Frage des Zöllners(Innen) beim Grenzübertritt ob "was anzumelden ist". Der Zoll geht davon aus das der Reisende weiß was die Einfuhrobergrenzen sind. Bei hinreichenden Verdachtsgründen oder auch nach dem "Bauchgefühl" wird dann vom Zoll Kontrollen durchgeführt.

Bei deiner og. Frage handelt es um gebührenpflichtige Gegenstände die beim DDR-Zoll bei der Ein - und Ausreise vorzulegen waren. Hier ging es nicht darum ob man diese Dinge "in der DDR gebraucht hätte" oder auch nicht. Einzig und allein waren die entsprechenden Zollbestimmungen der DDR durchzusetzen. Verstieß man gegen diese Bestimmungen und wurde dabei ertappt musste man mit den entsprechenden Strafen rechnen.

Damals wie heute, verstieß man gegen die Zollgesetze bzw. Ein - und Ausfuhrbestimmungen wird man dafür belangt.


passport


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#153

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 10.07.2015 14:12
von passport | 2.640 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #150
Zitat von passport im Beitrag #145
[quote=Klauspeter|p478783]
hallo @Klauspeter

Da muss ich dir auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen an der Güst Marienborn / A. wiedersprechen. Offizielle Sportdelegationen wurden an den Güsten avisiert. Das war verbunden mit einer schnellen, höflichen und korrekten Abfertigung durch PKE und Zoll. Die Kontrolle des Zolls bestand meist nur in den Pflichtfragen nach Waffen, Funk und Munition. Diese Busse standen meistens noch unter Leiterkontrolle. Dh. Ankunft, Kontroll und - Abfahrtzeit wurden zeitgleich dem OLZ, GF, ZF dem PKE-Leiter gemeldet. Also nicht alles Glauben was man von Bundis über DDR-Grenzkontrollen hört

passport


Hallo Rainer,

so ist das eben - die einen sagen so und die anderen so.
Ich habe keinen Grund, Dir nicht zu glauben. Ich möchte auch nicht den Namen des Sportlers hier nennen, auf dessen Aussage ich mich bezog.
Auch ihn halte ich nicht für einen Lügner.
Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es bei den DDR-Grenzkontrollen nicht immer "sauber" zuging.
Klaus




Hallo @Klauspeter ,

ich möchte hier niemanden zu nahe treten. Aber es gibt ein schönes Sprichwort :
Wie man in den Wald hineinruft, schallt es heraus !

Auf gut deutsch, so wie ich an den Zöllner herangetreten bin, so hat Dieser mich kontrolliert. Sauber ging es immer bei den Zollkontrollen zu. Nur hatte der Zöllner z.b. mehr Rechte als wir Passkontrolleure. Das ergab sich aus seinen spezifischen Aufgaben - und Arbeitsgebiet.

Hier ein Beitrag meines ehem. ZF

Zollkontrollen an der Güst Marienborn/A.


passport


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#154

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 10.07.2015 14:27
von Schakal | 271 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #152






Bei deiner og. Frage handelt es um gebührenpflichtige Gegenstände die beim DDR-Zoll bei der Ein - und Ausreise vorzulegen waren. Hier ging es nicht darum ob man diese Dinge "in der DDR gebraucht hätte" oder auch nicht. Einzig und allein waren die entsprechenden Zollbestimmungen der DDR durchzusetzen. Verstieß man gegen diese Bestimmungen und wurde dabei ertappt musste man mit den entsprechenden Strafen rechnen.

Damals wie heute, verstieß man gegen die Zollgesetze bzw. Ein - und Ausfuhrbestimmungen wird man dafür belangt.


passport


Verstehe ich dich richtig, man durfte Waffen und Munition durch die DDR transportieren, wenn man sie beim Zoll angemeldet hat?


--- Ex oriente lux.---
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#155

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 10.07.2015 14:34
von furry | 3.580 Beiträge

Zitat von Schakal im Beitrag #154


Verstehe ich dich richtig, man durfte Waffen und Munition durch die DDR transportieren, wenn man sie beim Zoll angemeldet hat?


Nee, man durfte nur kein Duckmäuser sein. (siehe oben oder auch Überschrift)


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
Schakal und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#156

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 10.07.2015 17:26
von passport | 2.640 Beiträge

Zitat von Schakal im Beitrag #154
Zitat von passport im Beitrag #152






Bei deiner og. Frage handelt es um gebührenpflichtige Gegenstände die beim DDR-Zoll bei der Ein - und Ausreise vorzulegen waren. Hier ging es nicht darum ob man diese Dinge "in der DDR gebraucht hätte" oder auch nicht. Einzig und allein waren die entsprechenden Zollbestimmungen der DDR durchzusetzen. Verstieß man gegen diese Bestimmungen und wurde dabei ertappt musste man mit den entsprechenden Strafen rechnen.

Damals wie heute, verstieß man gegen die Zollgesetze bzw. Ein - und Ausfuhrbestimmungen wird man dafür belangt.


passport


Verstehe ich dich richtig, man durfte Waffen und Munition durch die DDR transportieren, wenn man sie beim Zoll angemeldet hat?




bisschen OT vom Thema

Richtig !

Z.B. im vertragsgebundenen Transit BRD / WB verplombte der Zöllner bei der Einreise Waffen und Munition und ein Protokoll wurde erstellt.
Das selbige wurde auch im Transit 3. Staaten durchgeführt. In der Ausreise wurden die Zollverschlüsse entfernt. Dieses war Gebührenpflichtig.
Bei internationalen Veranstaltungen der Sportschützen konnten natürlich die Waffen in die DDR eingeführt werden.
Bei Anmeldung Funk, egal ob Einreise oder Transit, wurde ebenfalls gebührenpflichtig ein Protokoll ausgefüllt. Wichtiger Punkt in Diesen war die Nichtanwendung des Funkgerätes auf dem Gebiet der DDR.


passport


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#157

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 10.07.2015 17:32
von Schakal | 271 Beiträge

@passport , Na gut, geht wirklich zu weit vom Thema weg jetzt. Wäre bald einen Extrafred wert. Lassen wir es hiermit gut sein.^^

Ich glaube übrigens, je höher die Position damals in der DDR war, desto anfälliger wurde man für Duckmäusigkeit. Ist aber nur meine Meinung.


--- Ex oriente lux.---
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#158

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 11.07.2015 12:20
von Klauspeter | 989 Beiträge

Zitat von Schakal im Beitrag #157

Ich glaube übrigens, je höher die Position damals in der DDR war, desto anfälliger wurde man für Duckmäusigkeit. Ist aber nur meine Meinung.

Ja und nein.
Wer sich ständig oben hielt, ohne anzuecken, der wurde wohl fast automatisch zum Duckmäuser-Typ. Für mich ist Herr Schabowski dafür ein Beispiel.
Es gibt aber in der Geschichte der DDR viele Beispiele für Leute, die auch ganz oben den Mund aufmachten, ihre Meinung sagten, oder ganz einfach einen anderen Weg gehen wollten. Beispiele dafür sind sicher genug bekannt.
Klaus


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#159

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 11.07.2015 15:41
von linamax | 2.022 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #158
Zitat von Schakal im Beitrag #157

Ich glaube übrigens, je höher die Position damals in der DDR war, desto anfälliger wurde man für Duckmäusigkeit. Ist aber nur meine Meinung.

Ja und nein.
Wer sich ständig oben hielt, ohne anzuecken, der wurde wohl fast automatisch zum Duckmäuser-Typ. Für mich ist Herr Schabowski dafür ein Beispiel.
Es gibt aber in der Geschichte der DDR viele Beispiele für Leute, die auch ganz oben den Mund aufmachten, ihre Meinung sagten, oder ganz einfach einen anderen Weg gehen wollten. Beispiele dafür sind sicher genug bekannt.
Klaus


Ja , dann sag doch mal die Beispiele .


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#160

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 11.07.2015 19:15
von Klauspeter | 989 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #159
Zitat von Klauspeter im Beitrag #158
Zitat von Schakal im Beitrag #157

Ich glaube übrigens, je höher die Position damals in der DDR war, desto anfälliger wurde man für Duckmäusigkeit. Ist aber nur meine Meinung.

Ja und nein.
Wer sich ständig oben hielt, ohne anzuecken, der wurde wohl fast automatisch zum Duckmäuser-Typ. Für mich ist Herr Schabowski dafür ein Beispiel.
Es gibt aber in der Geschichte der DDR viele Beispiele für Leute, die auch ganz oben den Mund aufmachten, ihre Meinung sagten, oder ganz einfach einen anderen Weg gehen wollten. Beispiele dafür sind sicher genug bekannt.
Klaus


Ja , dann sag doch mal die Beispiele .

Ich erinnere an die 1956 verhaftete Gruppe um Wolfgang Harich, Bernhard Steinberger und Manfred Hertwig, denen dann auch Walter Janka, Gustav Just, Heinz Zöger, Richard Wolf u.a. folgten.

Aber mach Dich selbst kundig:
Lies dazu: Forschungen zur DDR-Gesellschaft,
Erhart Neubert,
Geschichte der Opposition in der DDR 1949 bis 1989, Berlin 1998, ISBN3-86153-163-1

Auch hier zu finden: https://books.google.de/books?id=HCiSjXd...epage&q&f=false

Klaus


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