#201

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 26.07.2015 14:20
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Georg im Beitrag #198
ein bissel anders wars wohl doch mit den " Einigungsvertrag " und der Strafverfolgung, oder ?
Welche " kriminellen " Straftaten nach dem DDR - Recht hatten die Mitarbeiter des MfS begangen ? Trotz der Rechts Bremse des Bundesstrafrechts
wurden tausende Verfahren eingeleitet, rückwärts gerichtet. Und nicht nur gegen das MfS.



sie sind bis auf wenige Ausnahmen alle davon gekommen, das selbe Spiel wie nach 45 . Das letztere beklage ich ebenso, denn ich bin 1965 in einen Staat geflüchtet , der nur so von dem braunen Pack durchsetzt war in Geheimdienste, in Gerichte, Staatsanwälte usw. Dass sie davon kamen liegt aber an den Allierten und zwar an allen 4. Selbst die Russen scheuten sich nicht SS Offiziere zu beschäftigen, wenn sie nützlich waren, die Amerikaner sowieso . Es galt das Gesetz der Zweck heiligt die Mittel.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#202

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 26.07.2015 19:38
von Georg | 1.024 Beiträge

Wenn ich mir die Überschrift verstehend reinziehe - etwas ist schon drann.

Ich nehme nur ma die ehemaligen DDR - Bürger Gauck und Merkel. Inne DDR haben sie beide gekuscht. Nun hamm se nach 1989 dazu gelernt
und kuschen se immer noch ? Klar ! Bei der Überwachung durch die NSA - ruhiger kann man nicht. Nur Tote noch....


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#203

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 30.07.2015 19:00
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #13
Wenn man das DDR Gesetzbuch aufschlägt, könnte man schon zum Schluss kommen, dass Duckmäusertum zumindest nicht unerwüscht war.
"Pestalozzi" ist da nicht viel drin.
http://www.verfassungen.de/de/ddr/jugendgesetz74.htm
Theo


ich finde, der Satz bringt es auf den Punkt.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#204

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 31.07.2015 01:37
von vs1400 | 2.393 Beiträge

Zitat von Oss`n im Beitrag #203
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #13
Wenn man das DDR Gesetzbuch aufschlägt, könnte man schon zum Schluss kommen, dass Duckmäusertum zumindest nicht unerwüscht war.
"Pestalozzi" ist da nicht viel drin.
http://www.verfassungen.de/de/ddr/jugendgesetz74.htm
Theo


ich finde, der Satz bringt es auf den Punkt.

Oss`n


wer hat sich das denn wirklich durchgelesen ...

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#205

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 31.07.2015 01:40
von Esede | 13 Beiträge

Guten Tag in die Runde,

ich kann nicht ausschliessen, dass bei dem Versuch der zuständigen Staatsorgane mich ab dem 18. Lebensjahr umzuerziehen, als Ziel ein Duckmäuser stand. Wenn, ist dieser Versuch, wie so vieles in der DDR, gescheitert.

Mein Empfinden nach 17 Jahren BRD :

Erzogen wurde der DDR Bürger als Mitschwimmer im grossen Strom.
Wer die Schwimmbewegungen eingestellt, sich im schlimmsten Fall gegen den Strom (gegen die Fahne) bewegte, spürte sogleich eine Atemnot, einige ein Verschlucken, andere ein Erbrechen, in einzelnen Fällen kam es wohl auch zum Untergang.

Wortkarg, den Blick zum Boden gerichtet, ängstlich, das ist für mich das Bild eines Duckmäusers.

Das war der DDR Bürger sicherlich nicht!!!

Wobei ich ausschliessen möchte, einige politischen Würdenträger hätten einer solchen Entwicklung entgegengewirkt.

Einen schönen Tag

ESEDE



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#206

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 31.07.2015 12:24
von Freienhagener | 3.865 Beiträge

Eher gab es den Typ Mannscher Untertan.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#207

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 00:27
von Dogbert | 143 Beiträge

Schwieriges Thema. Ich bin zwar nicht in der DDR aufgewachsen, aber wir hatten dort genügend Verwandtschaft. Die Frage ist, wo Duckmäusertum beginnt. Unser Teil der DDR-Verwandtschaft, der im NSW-Bereich eingesetzt wurde, war zwar im Großen und Ganzen systemkonform, aber konnte sich problemlos zu den Verhältnissen in der DDR kritisch artikulieren. Die Frage war halt nur, ob es Kritik am Marxismus/Leninismus bzw. Sozialismus war, oder einfach Kritik an der Versorgungslage, (vorübergehende) Ausreisemodalitäten o. ä. war. Ersteres war nicht erwünscht. Letzteres war diskutabel. Da waren wohl die meisten Bezirks- und Kreisleiter durchaus kooperativ. Die Eingaben wurden zumeist wohlwollend bearbeitet. Den Leuten mit unmittelbarer Bürgernähe brauchte man nichts vorzumachen.

Ich kann mir keinen direkten Vergleich erlauben, deswegen drücke ich mich mal vorsichtiger aus. Was wir heute in Anbetracht der gegenwärtigen innenpolitischen Probleme und Sprachregelungen (politisch-korrekt) kommt mir weit schlimmer vor als in der DDR. Es läuft nur subtiler ab. Man kann zwar noch kritisieren, aber nicht wenige innenpolitische Themen werden tabuisiert. Da war man wohl in der DDR weitaus offener.



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#208

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 22:42
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Dogbert im Beitrag #207
... Die Frage war halt nur, ob es Kritik am Marxismus/Leninismus bzw. Sozialismus war, oder einfach Kritik an der Versorgungslage, (vorübergehende) Ausreisemodalitäten o. ä. war. Ersteres war nicht erwünscht. Letzteres war diskutabel. ...

Und dabei sollte es doch für eine Wissenschaft, und immerhin hielt man in der Verflossenen den M/L für eine 'wissenschaftliche Weltanschauung', gerade das (An-)Zweifeln und Hinterfragen sollte da nicht nur normal und geduldet sein, ja sondern regelrecht gefordert sollte es werden. Dagegen nennt man's wohl eher 'Glaube', wenn nichts hinterfragt wird, ja sogar nichts hinterfragt werden darf. Da ist Zweifeln Häresie. Insofern stellt sich die Frage, waren gerade die gläubigen Marx/Leninisten vielleicht die Duckmäuser?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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zuletzt bearbeitet 03.08.2015 22:43 | nach oben springen

#209

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 23:11
von SiK90 (gelöscht)
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Da bin ich doch glatt Deiner Meinung; wer hätte das gedacht!
Ich denke, zumindest bei den niedrigeren Chargen war viel Opportunismus im Spiel. Da fehlte es an Leuten wie @Vierkrug .
Ich habe das Glück, seit 1982 im selben Betrieb beschäftigt zu sein. Es war erstaunlich, mit welcher Empörung einige Abteilungsleiter aus der Partei ausgetreten sind, für die sie ein paar Monate vorher straff geworben hatten. Es dauerte auch nicht lange, bis diese Leute im Kirchenkreis aktiv wurden und uns dann die Regeln der Marktwirtschaft erklärten. Erklären wollten, besser gesagt. Bei den massenhaften Kündigungen beispielsweise.
Das waren Duckmäuser! Erzogen wurden wir aber so nicht.


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#210

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 23:25
von 94 | 10.792 Beiträge

Wobei es eine sehr persönliche Frage an 4krug ist, ob er je bereit war, auch gerade damals die Grundlagen des M/L zu hinterfragen, sprich ob er es wagte diese in Frage zu stellen? Und ich weiß nicht, wie Du erzogen wurdest. Aber als ich an der Grenze langsam mal began mit Denken zu beginnen, nachdem ich vorher die viele lagenfreie Zeit zum Nachdenken nutzte, bemerkte ich schon eine gewisse, na ich nenne es mal Diskontinuität im Gedankengebäude des real existierenden Sozialismus. Als ich dann im Frühjahr '89 die Gelegenheit hatte 1984* zu lese (und diese auch nutzte), konnte ich den Denkspagat eines Duckmäusers auch treffender benennen ... Doublethink.

* Aufhänger war der Text von dem Eurythmics-Album; bevor ma sich jetzt fragt, wie ich auf die Idee kam.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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zuletzt bearbeitet 03.08.2015 23:26 | nach oben springen

#211

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 23:33
von SiK90 (gelöscht)
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Das Du erst an der Grenze begonnen hast, zu denken, nehme ich dir mal nicht ab.
Nun, aus Vierkrugs Beiträgen geht klar hervor, dass es kritische und offene Gespräche gab. Das er nicht mit einem Plakat auf dem Alex stand, ist natürlich auch klar.


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#212

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 23:50
von 94 | 10.792 Beiträge

Wir reden aneinander vorbei, es geht (mir hier) nicht um die Buchstabensammlungen jeden 7. eines Monats an der Weltzeituhr. Und ich weiß nicht wie Du denken für Dich definierst, aber könnte es sein das'ma Nachdenken und Denken mal einfach so gleichsetzt? Gut, so'ne Gleichsetzung ist ja auch eine Spielart vom Doublethink. Das ist nun aber, soweit ich es sehe, auch kein Sache des re.ex.Soz. (Abkürzungen waren auch so eine Eigenart im Newspeak), sondern ist auch heute noch arg weit verbreitet.
Da kann ich nur N8 sagen.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 03.08.2015 23:53 | nach oben springen

#213

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 03.08.2015 23:55
von vs1400 | 2.393 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #210
Wobei es eine sehr persönliche Frage an 4krug ist, ob er je bereit war, auch gerade damals die Grundlagen des M/L zu hinterfragen, sprich ob er es wagte diese in Frage zu stellen? Und ich weiß nicht, wie Du erzogen wurdest. Aber als ich an der Grenze langsam mal began mit Denken zu beginnen, nachdem ich vorher die viele lagenfreie Zeit zum Nachdenken nutzte, bemerkte ich schon eine gewisse, na ich nenne es mal Diskontinuität im Gedankengebäude des real existierenden Sozialismus. Als ich dann im Frühjahr '89 die Gelegenheit hatte 1984* zu lese (und diese auch nutzte), konnte ich den Denkspagat eines Duckmäusers auch treffender benennen ... Doublethink.

* Aufhänger war der Text von dem Eurythmics-Album; bevor ma sich jetzt fragt, wie ich auf die Idee kam.


94,
gibt es einen wirklichen grund darauf nicht zu antworten?
so "indirekt" hast du doch auch ...

egal ...

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#214

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 04.08.2015 01:33
von Gelöschtes Mitglied
avatar

In der DDR zum Duckmäuser erzogen wurde mit Sicherheitheit niemand, ich betone niemand.
Der gelernte DDR-Bürger war eher anpassungsfähig und hat begriffen, das "Schnautze halten" ein problemloseres Leben ermöglichte.
Nur mal so, mein Erlebtes.
Micha


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#215

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 04.08.2015 08:48
von 94 | 10.792 Beiträge

Aber 'anpassungsfähig die Schnauze haltend' um bequem(er) zu Leben ... gerade das sind doch signifikante Merkmale eines Duckmäusers!
Allerdings NICHT nur in der DDR *wink*


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


Gert, Dogbert, schulzi und vs1400 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.08.2015 08:49 | nach oben springen

#216

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 04.08.2015 09:22
von Gert | 12.354 Beiträge

also eine gezielte Erziehung zum Duckmäuser gab es sicher nicht. Der Staat hat aber tagtäglich allerlei Signale gesendet, dass wenn du den Kopf zu weit aus dem Graben hebst, es was vor die Birne gibt. So haben die Bürger mehr oder weniger sich selbst erzogen, den Kopf nicht über eine rote Linie zu erheben. Man kann es auch "vorauseilenden Gehorsam" nennen, ein anderes Wort für Duckmäusertum. Solcherart erzogene Menschen liefen viele in der DDR herum.


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
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#217

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 04.08.2015 09:50
von Rostocker | 7.723 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #216
also eine gezielte Erziehung zum Duckmäuser gab es sicher nicht. Der Staat hat aber tagtäglich allerlei Signale gesendet, dass wenn du den Kopf zu weit aus dem Graben hebst, es was vor die Birne gibt. So haben die Bürger mehr oder weniger sich selbst erzogen, den Kopf nicht über eine rote Linie zu erheben. Man kann es auch "vorauseilenden Gehorsam" nennen, ein anderes Wort für Duckmäusertum. Solcherart erzogene Menschen liefen viele in der DDR herum.


Also ich kann mich nicht dran erinnern, das ich mich mit meinen Kollegen selbst erzogen habe. Sicherlich findet man in jeder Gesellschaft Duckmäuser und die gibt es auch noch heute. Was meinste wieviel Duckmäuser und A-----kriecher es heute gibt und das bei vielen wahrscheinlich ungewollt. Aber es ist die Angst um den Arbeitsplatz, was viele dazu werden läst.


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#218

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 04.08.2015 10:46
von Dogbert | 143 Beiträge

Ich denke, daß das einfach eine Zwickmühle war. Denkverbote gab und gibt es auch im Westen. Selbst die etablierten Medien sind stramm auf Linie getrimmt. Prominente werden schon dazu genötigt, sich hier einzufügen. Sehr offensichtliche Mißstände werden totgeschwiegen. Wer eine kritische Meinung hat, wird mit Auftrittsverbot belegt. So sehr unterscheidet sich das heutige Deutschland nicht mehr von der damaligen DDR. Es gibt zwar keine Mangelwirtschaft, aber der produzierte Überfluß ist nichts wert, wenn 20% der Bevölkerung davon ausgegrenzt werden. Um nicht ausgegrenzt zu werden, muß man den Leuten hier im A...... kriechen.

Was in der DDR der Sozialismus war, ist heute der Neoliberalismus. Aktuell sehen wir das in der sehr undifferenziert diskutierten Flüchtlingsproblematik. Die Leute können privat sehr gut differenzieren. Die Sichtweise der Partei ist jedoch bekanntermaßen "alternativlos". Dazu gehört auch der Fraktionszwang.

Was ich meine:
Zum Duckmäusertum wird man nicht erzogen, sondern eher dazu gezwungen. Daß die Partei- und Staatsführung bereits den Dünndarm der US-Regierung erreicht hat, ist nicht mehr zu leugnen. Systemkritik ist unerwünscht. Wenn man sich überlegt, wie die ach so freiheitliche Demokratie mit ihren Bürgern umgeht, muß einem die DDR schon wie ein "Paradies" vorkommen, wenn man von der Mangelwirtschaft absieht, von der nahezu alle betroffen waren.



Heckenhaus und DoreHolm haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#219

RE: Sind die Menschen früher in der DDR zu Duckmäusern erzogen worden?

in DDR Staat und Regime 04.08.2015 14:28
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #208
Zitat von Dogbert im Beitrag #207
... Die Frage war halt nur, ob es Kritik am Marxismus/Leninismus bzw. Sozialismus war, oder einfach Kritik an der Versorgungslage, (vorübergehende) Ausreisemodalitäten o. ä. war. Ersteres war nicht erwünscht. Letzteres war diskutabel. ...

Und dabei sollte es doch für eine Wissenschaft, und immerhin hielt man in der Verflossenen den M/L für eine 'wissenschaftliche Weltanschauung', gerade das (An-)Zweifeln und Hinterfragen sollte da nicht nur normal und geduldet sein, ja sondern regelrecht gefordert sollte es werden. Dagegen nennt man's wohl eher 'Glaube', wenn nichts hinterfragt wird, ja sogar nichts hinterfragt werden darf. Da ist Zweifeln Häresie. Insofern stellt sich die Frage, waren gerade die gläubigen Marx/Leninisten vielleicht die Duckmäuser?


Grün: Der Begriff "Duckmäuser" wird wohl auf die wenigsten "gläubigen Marxisten/Leninisten" zutreffen. Eher der Begriff Karrieristen unter dem Schirm der Mächtigen um fast jeden Preis. Diskussionen über Sinn und Unsinn politischer und ökonomischer Entscheidungen hat es unter den SED-Mitgliedern, aber auch unter Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern auf jeden Fall weit mehr gegeben, als gemeinhin von manchem hier behauptet oder angenommen wird. Über allem stand aber das, was man als Parteidisziplin, oder heute Fraktionszwang, bezeichnet. Dadurch wurde zwar unwillig, aber gehorsam über viele hausgemachte Mißstände zwar nicht hinweggesehen, aber diese wurden sozusagen sinngemäß als "Kinderkrankheiten des Sozialismus" hingenommen. Andere, heute als offensichtliche Fehlentscheidungen erkannte Aktionen, wurden damals von der großen Mehrheit der Genossen als unpopuläre Notwendigkeiten gesehen. Klar, heute ist vielen ehemaligen Genossen und heutigen Linken klar, daß sie damals viel mehr Mißstände und offensichtliche Fehlentscheidungen der politischen Führung hätten offen benennen sollen. Es hätte eine Menge Parteiverfahren und Rausschmisse gegeben. Fragt sich dann, ob das Politbüro sich in Form eines "reinigenden Gewitters" von einem spürbaren Teil seiner Mitglieder getrennt hätte oder die Politik geändert hätte. Ich vermute eher die erstere Variante.



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