#1

Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 01.07.2015 23:17
von ABV | 4.202 Beiträge

Das " geht einem doch runter wie Öl". Peter-Michael Diestel, nicht nur der letzte, sondern obendrein noch der bestausehendste Innenminister der DDR, lobte kürzlich die Angehörigen der früheren Volkspolizei für ihre Verdienste rund um den friedlichen Verlauf der Wendeereignisse. Ohne den unermüdlichen Einsatz der Volkspolizisten hätte der Herbst 1989 einen völlig anderen, möglicherweise blutigen Verlauf, nehmen können.
Selbstverständlich lies der "Aufschrei des Entsetzens" über den von Diestel der VP "postum" verliehenen Glorienschein nicht aus. War doch die Volkspolizei bekanntermaßen ein " Werkzeug" welches zur Machterhaltung der SED diente. Nicht ausschließlich, aber doch zu einem wesentlichen Teil. We konnten also " Diener" einer Diktatur gleichzeitig bei deren Beseitigung mitwirken?
Diese Frage kann man nur sachlich diskutieren, was leider nicht oft gelingt. Zuallererst sollte eine gedankliche Trennung vollzogen werden. Und zwar zwischen der " Institution Volkspolizei" als solche und seinen einzelnen Mitarbeitern.
Die "Instituation Volkspolizei" , als " graue anonyme Masse", diente tatsächlich der SED zur Erhaltung der eigenen Macht.
Aber jede Instituation besteht nun einmal auch aus Individuen, gänzlich verschiedenen Charakteren.
Den " Einheitsvolkspolizisten", wie ihn sich heute viele vorstellen, verblödet, erfüllt von Kadavergehorsam und der Politik der SED bedingungslos ergeben, hat es nie gegeben. Wie es auch den "Einheitstschekisten" nie gegeben hat.
Auch in der VP gab es viele, die der offiziellen Politik zumindest " verhalten kritisch" oder ironisch gegenüber standen.
Wer jedoch seinen Beruf ernst nahm , weil er den Menschen helfen wollte, passte sich an und schwieg.
In einer hierachisch organisierten, quasi militärischen, auf Gehorsam und Befehlstreue basierenden Organisation wie der VP, konnte allzu offene Ablehnung den Verlust des geliebten Jobs kosten. Von den anderen Konsequenzen ganz zu schweigen. Zu einer tatsächlichen Befehlsverweigerung wären nur die wenigsten in der Lage gewesen. Ein in der deutschen Geschichte leider allzu bekanntes Problem!
Müßig ist es darüber zu streiten, wie viele Volkspolizisten tatsächlich bei einem noch härteren Eingreifen gegen die eigene Bevölkerung, selbst unter Anwendung von Schusswaffen, mitgemacht hätten. Wahrscheinlich sehr viele. Obwohl die meisten es sich heute nicht mehr eingestehen werden.
Müßig ist es auch, die Volkspolizei bei der Beurteilung ihres Verhaltens während der Wende, ausschließlich auf die Ereignisse vom 07.-08. Oktober 89 zu reduzieren. Denn die " Wende", der politische Umschwung in der DDR, bishin zu ihrem jähen Ende, war ein Prozess von mehreren Monaten.
Was geschah in dieser Zeit? Politische Gegner drohten aufeinander los zu gehen, in einigen Orten wurden Mitbürger als "Stasi-Spitzel" bezeichnet, egal ob diese Behauptung bewiesen werden konnte oder nicht, Kriminelle witterten aus einem falsch verstandenen Freiheitsbegriff heraus " Morgenluft und dazwischen stand die Volkspolizei. Tief verunsichert, verspottet und um die eigene berufliche Zukunft bangend.
Trotzdem hatten nicht wenige Volkspolizisten, so gut es eben ging, während dieser bewegten Zeit für Ruhe und Ordnung gesorgt.
Anders ausgedrückt: die Volkspolizei gab sich, befreit von etlichen Zwängen der " Institution", große Mühe dem eigentlichen Auftrag, die Bürger und deren Eigentum zu schützen, nachzukommen.
Gerade dieses Bemühen hat, unter anderem, dazu beigetragen das die Wende in der DDR bis zur Wiedervereinigung friedlich verlief.
Das und nichts anderes hatte Diestel, meiner Meinung nach, gemeint.
Diestels Einschätzung wäscht die VP keineswegs von der in vierzig Jahren DDR aufgeladenen Schuld rein. Der Ex-Minister würdigt nicht das Wirken einer anonymen Institution, sondern das vieler engagierter Polizisten in schwierigen Zeiten.

Wie ist eure Meinung dazu?

Gruß an alle
Uwe


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#2

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 01.07.2015 23:28
von Dandelion (gelöscht)
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Zitat von ABV im Beitrag #1

Selbstverständlich lies der "Aufschrei des Entsetzens" über den von Diestel der VP "postum" verliehenen Glorienschein nicht aus. War doch die Volkspolizei bekanntermaßen ein " Werkzeug" welches zur Machterhaltung der SED diente. Nicht ausschließlich, aber doch zu einem wesentlichen Teil. We konnten also " Diener" einer Diktatur gleichzeitig bei deren Beseitigung mitwirken?
Diese Frage kann man nur sachlich diskutieren, was leider nicht oft gelingt. Zuallererst sollte eine gedankliche Trennung vollzogen werden. Und zwar zwischen der " Institution Volkspolizei" als solche und seinen einzelnen Mitarbeitern.


So eine Antwort kann vermutlich nur von einem Ex-Wessi kommen, aber: So habe ich die Volkspolizei (im Westen nur VoPo genannt) nie gesehen.

Für mich waren die Volkspolizisten in erster Linie Polizisten - mit den ganz normalen polizeilichen Aufgaben betraut. Und diese Aufgaben dürften auch den wesentlichen Teil ihrer Arbeit (wenn man das in der Gesamtheit so sehen darf, Ausnahmen gab es gewiss) ausgemacht haben.

Ob und in welchem Umfang auch "staatstragende Funktionen" dazu gehört haben, entzieht sich meiner Kenntnis: Als Besucher hatte ich naturgemäß wenig Kontakt zu diesen Beamten.


zuletzt bearbeitet 01.07.2015 23:29 | nach oben springen

#3

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 00:11
von Gelöschtes Mitglied
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Uwe, etwas schmunzeln mußte ich schon, dieser Beitrag pünktlich zum Tag der Volkspolizei.
Was er über die VP sagt trifft natürlich zu, aber war die VP nicht ähnlich aufgesteltt wie NVA ung GT. Vom Grundwehrdienern in den Bereitschaften und
dann aufsteigend.
Wovor ich den Hut ziehe ist die Tatsache, das der Kommandeur der Bereitschaft Leipzig sich im Einsatzkommando in Leipzig meldete und dem
Hummitzsch mitgeteilt hat, das er die Bereitschaft zur Eigensicherung zurückzieht.
Zur Personalie PMD da wundert es mich sehr, das er nicht vor Gericht gelandet ist.
Micha


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#4

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 02:20
von ABV | 4.202 Beiträge

Sicher, Peter-Michael Diestel hat die Volkspolizei nicht zufällig am 01. Juli gelobt. Bekanntlich war der 01. Juli der " Tag der Deutschen Volkspolizei". Diestel ist und bleibt ein " kleiner Provokateur". Ich habe ihn aber auch als einen um Gerechtigkeit bemühten Innenminister in Erinnerung. Vergessen sollte man auch nicht, dass ihm seitens der VP-Führung eine Menge Misstrauen entgegenschlug. Der durchaus konservative Politiker galt als " unbarmherziger Hardliner". Völlig zu Unrecht, wie sich später zeigen sollte. Im direkten Vergleich mit seinen Vorgängern in punkto Sympathie, würde Diestel noch heute ungleich besser abschneiden.
I
n den Diskussionen über Diestels Äußerung wurde unter anderem geäußert, dass die Wende nicht von der Volkspolizei, sondern vom Volk ausging.

Das ist völlig richtig. Die Volkspolizei, oder besser gesagt, wir als Volkspolizei, waren als Institution nicht in der Lage " über unseren Schatten zu springen". Dafür waren wir viel zu sehr eingebunden in ein System von Befehlen und Abhängigkeiten. Allen eventuellen Zweifeln und Skrupeln zum Trotz! Wir (ehemaligen) Volkspolizisten hätten, bei einem anderen Verlauf der Dinge, riesige Schuld auf uns geladen! Ich bin noch heute heilfroh, dass damals niemand, irgendwo in der DDR den Befehl gegeben hatte, auf Demonstranten zu schießen. Das Echo auch nur eines einzigen Schusses hätte die ganze Volkspolizei erschüttert. Froh bin ich auch, dass es nicht dazu gab, dass Menschen in Internierungslager gesteckt wurden. Möglicherweise unsere eigenen Nachbarn oder Bekannte, die wir dann hätten bewachen müssen. Ich hätte mich heute wohl nicht mehr selbst im Spiegel anschauen können. Das dieser Kelch an der DDR bzw der VP vorbei ging, dafür haben andere gesorgt. Nicht wir als Volkspolizei.

Meiner Meinung nach beginnt, wie bereits gesagt, der Verdienst der VP am friedlichen Verlauf der Wende nach dem 09.Oktober 1989. Bei den weiteren Demonstrationen, bei den Ereignissen rund um die Auflösung des MfS, aber auch bei der Aufrechterhaltung der " normalen" öffentlichen Sicherheit und Ordnung.

An anderer Stelle hatte ich ja schon beschrieben, wie schnell beispielsweise im März 1990 eine simple Verkehrskontrolle aus dem Ruder laufen konnte. Trotzdem musste es auch zu dieser Zeit Leute geben, die dafür sorgten das Leben und Gesundheit der Bürger nicht von besoffenen Rowdys bedroht wird.

Bei aller berechtigter Kritik an der Rolle der Volkspolizei während der SED-Herrschaft und auch in den ersten Tagen oder Wochen der Wende- die Anerkennung der Verdienste der VP für den friedlichen Verlauf der Wende hat durchaus ihre Berechtigung!

Gruß an alle
Uwe


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zuletzt bearbeitet 02.07.2015 02:20 | nach oben springen

#5

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 02:32
von ABV | 4.202 Beiträge

Hier noch ein paar Gedanken zur Rolle der Volkspolizei als Machtinstrument der SED:
Jede Polizei, überall auf der Welt, dient der jeweiligen Regierung auch als Instrument der Machterhaltung. Egal ob es sich bei dem jeweiligen Staat um eine Demokratie oder Diktatur handelt. Wenn die eigenen Macht massiv bedroht ist, werden die dafür vorgesehenen Machtinstrumente eingesetzt.

Eine Polizei kann also nur so gut oder so schlecht sein, wie die Regierung bzw der Staat dem diese Polizei untersteht. Solange die Volkspolizei " unter der Fuchtel" der SED stand, konnte sie nur so gut, so schlecht, so demokratisch oder undemokratisch wie ihr Auftraggeber selbst sein.
Es wäre irrig, um nicht zu sagen blödsinnig zu behaupten, dass die Volkspolizei völlig unabhängig und neutral agieren konnte.

Erst als die SED ihren politischen Einfluss verlor, konnte sich die Volkspolizei von der "SED-Parteipolizei" in eine echte Volkspolizei wandeln.

Gruß an alle
Uwe


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zuletzt bearbeitet 02.07.2015 02:35 | nach oben springen

#6

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 08:20
von Schakal | 271 Beiträge

Die Bezeichnung "Volkspolizei" war schon richtig gewählt. Die Volkspolizisten die ich kennenlernte waren Menschen aus dem Volk, mit all ihren Facetten. Sie haben halt ihren Job gemacht, egal in welcher Abteilung. Gab solche und solche.
Selbst bei meinem Zwangsurlaub in Untersuchungshaft gab es Schliesser, die einem Tabak von anderen Zellen besorgten, wenn man nichts mehr hatte. Weiß nicht ob das erlaubt war. Nötig hatten sie es sicher nicht.
Ist aber so wie überall im Leben, je älter die Polizisten waren, desto besser kam man mit ihnen aus. Gab natürlich auch Gegenteilige.
Mein Opa war selber Volkspolizist und hat sich nach Dienstschluss einen Teufel um Politik und SED geschert.


--- Ex oriente lux.---
zuletzt bearbeitet 02.07.2015 08:21 | nach oben springen

#7

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 08:30
von damals wars | 12.186 Beiträge

Im Unterschied zu heute traten die Volkspolizisten im wesentlichen einzeln in Erscheinung, müssen also Volkspolizisten gewesen sein, da sie sich einzeln unter das Volk trauten.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#8

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 13:52
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Möchte hierzu noch mal auf das Buch von PMD vom Verlag "Neues Leben" mit dem Titel " Diestel - Aus dem Leben eines Taugenichts ?" aufmerksam machen. Darin werden die die 174 Tage seiner Amtszeit als erster Innenministe der DDR nach der ersten Nachwende-Wahl beschrieben. Sehr lesenswert, finde ich.



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#9

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 14:56
von Vierkrug (gelöscht)
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #8
Möchte hierzu noch mal auf das Buch von PMD vom Verlag "Neues Leben" mit dem Titel " Diestel - Aus dem Leben eines Taugenichts ?" aufmerksam machen. Darin werden die die 174 Tage seiner Amtszeit als erster Innenministe der DDR nach der ersten Nachwende-Wahl beschrieben. Sehr lesenswert, finde ich.


Stimmt. Bei der Vorstellung des Buches, bei der auch ehemalige Führungskräfte des MdI anwesend waren, bedankte sich PMD wie folgt - "Meine Herren, es war mir eine Freude und Ehre zugleich, mit Ihnen zusammen arbeiten zu dürfen. Danke."

Ich teile nicht voll umfänglich die Ausführungen von Uwe. Sie sind mir etwas zu subjektiv gehalten. Nach so vielen Jahren kann man auch über bestimmte Dinge stehen. Aber das ist nur meine Meinung.

Vierkrug


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#10

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 15:07
von zoll (gelöscht)
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Wenn man PMD bei Vorstellungen im TV verfolgt, erkennt man aus seiner Betrachtungsweise bei Rechtsverstößen ehem. Parteigrößen leider immer noch Sympathien für diese Leute.
zoll


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#11

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 15:14
von damals wars | 12.186 Beiträge

Zitat von zoll im Beitrag #10
Wenn man PMD bei Vorstellungen im TV verfolgt, erkennt man aus seiner Betrachtungsweise bei Rechtsverstößen ehem. Parteigrößen leider immer noch Sympathien für diese Leute.
zoll


Genau wie sein westdeutschen Gegenpart.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#12

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 15:23
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von zoll im Beitrag #10
Wenn man PMD bei Vorstellungen im TV verfolgt, erkennt man aus seiner Betrachtungsweise bei Rechtsverstößen ehem. Parteigrößen leider immer noch Sympathien für diese Leute.
zoll


@zoll, das ist nicht Betrachtungsweise, oder Sympathie.
Er ist einfach nur schlau genug um sich nicht selbst eine Stolperfalle zu bauen.
Micha


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zuletzt bearbeitet 02.07.2015 15:31 | nach oben springen

#13

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 15:54
von SiK90 (gelöscht)
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@ABV , ich finde Deine Aussage auch ein wenig drastisch. Müssen denn jedesmal, wenn es um DDR-Themen geht, Worte wie Diktatur oder Unrecht fallen?
Unser ABV (Typ: netter Opi) kannte seine Pappemheimer und hat uns Jugendlichen etliches Ungemach erspart. Unser Trainer bei der SG Dynamo war Leutnant bei der K. Hatte mal einer von uns am WE Mist gebaut, durfte man am Montag im Training zum Sparring gegen ihn antreten. Eine sehr eindringliche und wirkungsvolle Erziehung. Der Mann war in seiner Gewichtsklasse mal 3. der DDR-Meisterschaften. Das gäbe heute schon aus Datenschutzgründen einen Aufschrei.
Außerdem waren die Reviere im Gegensatz zu heute besetzt und man zeigte Präsenz. Alles in allem war das Sicherheitsempfinden der Bürger weit höher als heute; wir saßen als Kinder nicht in der Stube, sondern waren draußen spielen. Das sieht heute ganz anders aus, die Kinder werden aus Angst vor Übergriffen ständig beaufsichtigt, zum Spielen mit Freunden gefahren und abgeholt. Ich würde sagen, wir sind unbeschwerter aufgewachsen, was auch aus dem o.g. Sicherheitsempfinden resultiert.


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#14

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 16:33
von Alfred | 6.850 Beiträge

Zitat von zoll im Beitrag #10
Wenn man PMD bei Vorstellungen im TV verfolgt, erkennt man aus seiner Betrachtungsweise bei Rechtsverstößen ehem. Parteigrößen leider immer noch Sympathien für diese Leute.
zoll



Das äußern ganz andere Leute aus Militär, Politik und Co. , nur eben nicht in der Öffentlichkeit.


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#15

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 17:02
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von SiK90 im Beitrag #13
@ABV , ich finde Deine Aussage auch ein wenig drastisch. Müssen denn jedesmal, wenn es um DDR-Themen geht, Worte wie Diktatur oder Unrecht fallen?
Unser ABV (Typ: netter Opi) kannte seine Pappemheimer und hat uns Jugendlichen etliches Ungemach erspart. Unser Trainer bei der SG Dynamo war Leutnant bei der K. Hatte mal einer von uns am WE Mist gebaut, durfte man am Montag im Training zum Sparring gegen ihn antreten. Eine sehr eindringliche und wirkungsvolle Erziehung. Der Mann war in seiner Gewichtsklasse mal 3. der DDR-Meisterschaften. Das gäbe heute schon aus Datenschutzgründen einen Aufschrei.
Außerdem waren die Reviere im Gegensatz zu heute besetzt und man zeigte Präsenz. Alles in allem war das Sicherheitsempfinden der Bürger weit höher als heute; wir saßen als Kinder nicht in der Stube, sondern waren draußen spielen. Das sieht heute ganz anders aus, die Kinder werden aus Angst vor Übergriffen ständig beaufsichtigt, zum Spielen mit Freunden gefahren und abgeholt. Ich würde sagen, wir sind unbeschwerter aufgewachsen, was auch aus dem o.g. Sicherheitsempfinden resultiert.


@SiK90, trotz Danke für Deinen Beitrag ein kleiner Einwurf, etwas Krümelkackerei muß sein. Polizeireviere sind auch heute noch rund um die Uhr besetzt. Was Du meinst sind die Polizeiposten in Stadtteilen und im ländlichen Bereich, Die haben tatsächlich nur Sprechzeiten.
Wenn ich da schief liege, lasse ich mich gern belehren.
Micha
Ein Nachtrag noch, unser ABV war ebenfalls der Opa-Typ und hatte in unserer Gegend schon den Spitznamen "Ossikopp" (ab 70).
Sicherlich nur ei Zufall.


zuletzt bearbeitet 02.07.2015 17:17 | nach oben springen

#16

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 17:05
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Schakal im Beitrag #6
Die Bezeichnung "Volkspolizei" war schon richtig gewählt. Die Volkspolizisten die ich kennenlernte waren Menschen aus dem Volk, mit all ihren Facetten. Sie haben halt ihren Job gemacht, egal in welcher Abteilung. Gab solche und solche.
Selbst bei meinem Zwangsurlaub in Untersuchungshaft gab es Schliesser, die einem Tabak von anderen Zellen besorgten, wenn man nichts mehr hatte. Weiß nicht ob das erlaubt war. Nötig hatten sie es sicher nicht.
Ist aber so wie überall im Leben, je älter die Polizisten waren, desto besser kam man mit ihnen aus. Gab natürlich auch Gegenteilige.
Mein Opa war selber Volkspolizist und hat sich nach Dienstschluss einen Teufel um Politik und SED geschert.


Dir ist aber schon bewusst ,- daß Dr. Joseph Goebbels den Begriff " Volkspolizei " erfunden und auf die Polizei des III.Reiches angewendet hat ??


....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#17

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 17:21
von SiK90 (gelöscht)
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Micha, ich lebe in Burgstädt, einer Kleinstadt (knapp 12.000 Einwohner). Bis vor einigen Jahren war das neu renovierte Revier besetzt. Dann kam die "Reform" zum Trage. Folge? Das Revier tagsüber (was immer das genau bedeuten mag) mit 2 Beamten besetzt. Zuständig ist jetzt Rochlitz.
Nun kam es es in der Nacht vor einer Kneipe zu einer Körperverletzung. Der Wirt wählte den Notruf und der Notarzt war binnen Minuten zur Stelle. Von der Polizei keine Spur! Erst auf explizite Anforderung des Arztes, da es sich um einen schweren Fall handelte, trudelte nach einer knappen Stunde eine Streife ein. Der/die Täter waren nat. längst über alle Berge...


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#18

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 17:31
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von SiK90 im Beitrag #17
Micha, ich lebe in Burgstädt, einer Kleinstadt (knapp 12.000 Einwohner). Bis vor einigen Jahren war das neu renovierte Revier besetzt. Dann kam die "Reform" zum Trage. Folge? Das Revier tagsüber (was immer das genau bedeuten mag) mit 2 Beamten besetzt. Zuständig ist jetzt Rochlitz.
Nun kam es es in der Nacht vor einer Kneipe zu einer Körperverletzung. Der Wirt wählte den Notruf und der Notarzt war binnen Minuten zur Stelle. Von der Polizei keine Spur! Erst auf explizite Anforderung des Arztes, da es sich um einen schweren Fall handelte, trudelte nach einer knappen Stunde eine Streife ein. Der/die Täter waren nat. längst über alle Berge...


@SiK90, das ist es was ich meine, durch die Reformen wurden Reviere zu Posten degradiert. Ich habe einige Jahre in Beucha gewohnt (MTL)
Anfangs war das Revier Brandis zuständig, die mutierte ebenfalls zum Polizeiposten und das Revier in Grimma war dann zuständig.
Bei einem Notruf über 110 waren in der Regel die Beamten aus Leipzig schneller.
Micha


RudiEK89 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#19

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 17:49
von Freienhagener | 3.869 Beiträge

Zitat von Schakal im Beitrag #6
Die Bezeichnung "Volkspolizei" war schon richtig gewählt. Die Volkspolizisten die ich kennenlernte waren Menschen aus dem Volk, mit all ihren Facetten. Sie haben halt ihren Job gemacht, egal in welcher Abteilung. Gab solche und solche.


Das ist doch heute nicht anders.

------------

Dem Beitrag Nr. 5 stimme ich voll zu. Es gab nicht nur "die schönen Seiten".
Im Alltag gab es auch eine gewisse oberlehrerhafte Schnoddrigkeit im Auftreten. Aber das waren wir gewöhnt und haben uns innerlich darüber amüsiert. Nicht umsonst kursierten im Volk unzählige Polizistenwitze.
(das mag auf dem Lande, wo man sich kannte anders gewesen sein)

Was den Distel betrifft: So ist er ja bekanntlich den Staatsorganen der ehemaligen DDR nicht erst heute zugetan:

"Kritiker warfen ihm in seiner Amtsführung als Innenminister den verharmlosenden Umgang mit ehemaligen Mitarbeitern des Ministerium für Staatssicherheit oder mit IMs vor, die als Mitarbeiter des Innenministeriums weiter beschäftigt blieben. Des Weiteren sollen in seiner Amtszeit viele Stasi-Akten vernichtet worden sein."
https://de.wikipedia.org/wiki/Peter-Michael_Diestel

Ich will das nicht bewerten, sonden nur zum Ausdruck bringen, daß man nicht überrascht sein muß.

Anders herum fehlt der heutigen Polizei ausreichende staatliche Autorität im Hintergrund als Unterstützung, was frustriert und verunsichert, wenn üble Zeitgenossen respektlos auftreten dürfen, auf richterlichen Beschluß "auf freien Fuß gesetzt" werden usw.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 02.07.2015 17:56 | nach oben springen

#20

RE: Peter-Michael Diestel lobt die frühere Volkspolizei

in DDR Staat und Regime 02.07.2015 17:51
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von zoll im Beitrag #10
Wenn man PMD bei Vorstellungen im TV verfolgt, erkennt man aus seiner Betrachtungsweise bei Rechtsverstößen ehem. Parteigrößen leider immer noch Sympathien für diese Leute.
zoll



Das ist ganz einfach Realismus und nicht den bisherigen Widersacher mit unterschiedlichen Maßstäben zu messen. Er hat das getan, was die Stunde erforderte und vernünftig war, nämlich mit den Menschen, die vorhanden waren, etwas Neues aufzubauen und nicht, wie es viele tatsächliche oder auch selbsternannte Bürgerrechtler wollten, vor allem die mittleren und höheren im nun unterstellten Kader kalt abzuservieren und in die Arbeitslosigkeit zu entlassen. Er hat m.E. mit seiner Politik verhindert, daß es unter den Führungskräften zu Verzweiflungstaten gekommen ist, die Tote gekostet hätten und in einem "Kleinen Bürgerkrieg" (ich nenn es mal so) hätten münden können.
Die USA hatte es im Irak andersrum gemacht. Alle bewaffneten kräfte Husseins kaltgestellt, ohne Zukunftschance. Was war das Resultat ? Kennen wir.



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