#41

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:01
von Vierkrug (gelöscht)
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Zitat von 94 im Beitrag #40
Zitat von Thüringerin im Beitrag #38
... Passend dazu fällt mir ein Zitat Reinhold Niebuhr (Deutsch-amerikanischer Theologe, 1992 – 1971) ein:

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Unpassend dazu die Frage: Hat der rückwärts gelebt? Na egal, in der Eingangshalle der Bundeswehrfachschule in Koblenz soll ja dieser Spruch auch an'ner Wand stehen, nur wird dort ein gewisser Oetinger als Urheber benannt?



Hier der Originaltext:

"God, grant me the serenity to accept the things I cannot change,
Courage to change the things I can,
And wisdom to know the difference."

Quelle: http://www.gutzitiert.de/zitat_autor_rei...itat_10352.html


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#42

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:14
von StabsfeldKoenig | 2.644 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #22
Aber ich kenne viele,die damals ihren jährlichen Urlaub mit der Familie machen
konnten und eben jetzt nicht mehr.
...Irmgard1920

Das kling ja alles nach ganz heiler Welt,nun kenne ich aber auch sehr viele,die sich auch keinen Urlaub in der DDR leisten konnten,umsonst war das Urlauben nähmlich auch nicht.
Und der FDGB Urlaubsplatz war ja auch nicht sicher,und schon gar nicht jedes Jahr,ich glaube bei uns waren so ca. 15 Urlaubsplätze im Betrieb ausgehangen,wo sich dann 255 Betriebsangehörige bewerben konnten.


In der DDR hatte jeder Arbeit. Und bei den niedrigen Lebenshaltungskosten konnte auch jeder monatlich ein paar Mark beiseitelegen, um für den Urlaub zu sparen. Über FDGB, Jugendtourist, im Betriebsferienheim oder auf dem Zeltplatz konnte sich jeder Urlaub leisten, wenn er das Geld nict in der Kneipe versoff.



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#43

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:19
von StabsfeldKoenig | 2.644 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #31
Zitat von Pit 59 im Beitrag #22
Aber ich kenne viele,die damals ihren jährlichen Urlaub mit der Familie machen
konnten und eben jetzt nicht mehr.
...Irmgard1920

Das kling ja alles nach ganz heiler Welt,nun kenne ich aber auch sehr viele,die sich auch keinen Urlaub in der DDR leisten konnten,umsonst war das Urlauben nähmlich auch nicht.

Und der FDGB Urlaubsplatz war ja auch nicht sicher,und schon gar nicht jedes Jahr,ich glaube bei uns waren so ca. 15 Urlaubsplätze im Betrieb ausgehangen,wo sich dann 255 Betriebsangehörige bewerben konnten.


Pit59--Nur mal so am Rande--in Rostock gab es damals eine Anlaufstelle;wo man nach Urlaubsplätzen des FDGB nachfragen konnte. Denn dorthin kamen Ferienplätze zurück, die in Betrieben auf kein Interessen stießen.Persönlich habe ich mir dort,mal zwei Ferienplätze geholt und zwar nach Masserberg (Thüringen) und Altenbrak (Harz)
Du sprichst hier auch von heiler Welt. Gab es die eigentlich und gibt es sie Heute--ich glaube nicht. Ich kenne Familien mit Kindern, die sich nicht mal ne Fahrt vor die Stadt leisten können geschweige mal einen Zoobesuch. Ich kenne Familien die mit ihren Kindern in der Badesaison,es sich nicht leisten können von Rostock nach Warnemünde zu fahren.Und es sind nicht Familien wo die Eltern zu Faul sind zu arbeiten--nein es sind Familien die in der Gesellschaft an der Armutsgrenze angelangt sind und das sind schon einige Hunderttausende.Aber das hört man heute nicht gerne,man will es auch nicht. Weil ja heute alles so schön Ok ist.




Und genau das war in der DDR anders. Die S-Bahn kostete (von Berlin in die Vororte bzw. von Rostock nach Warnemünde) nur ein paar Groschen pro Person. Der Strand war gratis bzw. Strand- und Freibäder kosteten ca. -,50 bis 1,- M Eintritt, ebenso der Zoo (bzw. Tierpark Berlin). Und wenn die Imbissbude zu teuer war, dann wurde ein Stullenpaket und eine Thermsflasche mit kaltem Tee eingepackt.



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#44

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:19
von Pit 59 | 10.146 Beiträge

Weiss ich doch mittlerweile,das alle jedes Jahr in den Urlaub gefahren sind über FDGB,Jugendtourist oder Betriebsferienheime,alles klar.


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#45

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:24
von seaman | 3.487 Beiträge

Herzerfrischend dieser thread und ein gutes Beispiel wie Zeitzeugen aus dem ehemals geteilten Deutschland hier berichten,
ohne krampfhaft irgendwelche wikis und youtube zu quälen,um überhaupt Beiträge zu posten.Denke,hier sollte man ansetzen um das Forum wieder etwas interessanter(aus meiner Sicht) zu gestalten.

seaman


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zuletzt bearbeitet 06.04.2015 17:25 | nach oben springen

#46

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:29
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #44
Weiss ich doch mittlerweile,das alle jedes Jahr in den Urlaub gefahren sind über FDGB,Jugendtourist oder Betriebsferienheime,alles klar.


Man hatte im Notfall ja noch seinen Kleingarten oder fuhr in private Quartiere z.B. nach Tschechien oder auch an die Ostsee

Auch war Urlaub außerhalb der Saison nicht unbeliebt. Dann fahren wenn keiner wollte!

Hab selbst im November Urlaub in Prora gemacht. Wunderbar.....In dem Riesenheim war das Personal vollzählig und nur ca. 300 Urlauber.......

da kamen auf einen Urlauber mindestens 3 Betreuer


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#47

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:34
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #45
Herzerfrischend dieser thread und ein gutes Beispiel wie Zeitzeugen aus dem ehemals geteilten Deutschland hier berichten,
ohne krampfhaft irgendwelche wikis und youtube zu quälen,um überhaupt Beiträge zu posten.Denke,hier sollte man ansetzen um das Forum wieder etwas interessanter(aus meiner Sicht) zu gestalten.

seaman

7 GK Schierke

Das geht bei gutem Willen auch in anderen Themen


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#48

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:38
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #9

Aber zurück zum FDGB--ich kenne es auch noch so, das man von der Gewerkschaft auch noch Geld zu bekam--wenn Brigadefeiern oder Brigadefahrten angesagt waren.


Das bei bestimmten Berufsgruppen sogar in Devisen.

seaman


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#49

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:38
von StabsfeldKoenig | 2.644 Beiträge

Zitat von Pitti53 im Beitrag #46
Zitat von Pit 59 im Beitrag #44
Weiss ich doch mittlerweile,das alle jedes Jahr in den Urlaub gefahren sind über FDGB,Jugendtourist oder Betriebsferienheime,alles klar.


Man hatte im Notfall ja noch seinen Kleingarten oder fuhr in private Quartiere z.B. nach Tschechien oder auch an die Ostsee

Auch war Urlaub außerhalb der Saison nicht unbeliebt. Dann fahren wenn keiner wollte!

Hab selbst im November Urlaub in Prora gemacht. Wunderbar.....In dem Riesenheim war das Personal vollzählig und nur ca. 300 Urlauber.......

da kamen auf einen Urlauber mindestens 3 Betreuer



Ausland (wenn nicht über Jugendtourist) war etwas teuerer, es sei denn man konnte bei Bekannten wohnen. Man konnte auch über das staatliche Reisebüro Auslandsreisen kaufen, obwohl diese teuer war, standen die Leute am ersten Angebotstag über nacht Schlange. Das geld war nicht knapp und in der DDR gab es etwas für jeden Geldbeutel.



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#50

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:43
von Lutze | 8.034 Beiträge

Hab ich jetzt Prora gelesen?
ein Eldorado für Nackedeis wie fast
überall an der Ostsee-Küste
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
Thüringerin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#51

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:44
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #50
Hab ich jetzt Prora gelesen?
ein Eldorado für Nackedeis wie fast
überall an der Ostsee-Küste
Lutze



Wer an der Ostsee am Strand etwas anhatte ,- der war fett oder verklemmt.....


....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
ulei mendhausen und Fello haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#52

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:49
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #50
Hab ich jetzt Prora gelesen?
ein Eldorado für Nackedeis wie fast
überall an der Ostsee-Küste
Lutze


@Lutze Im November 1980 war es lausekalt. Da war nix mit FKK


Thüringerin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#53

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 18:00
von Pit 59 | 10.146 Beiträge

Ausland (wenn nicht über Jugendtourist) war etwas teuerer, es sei denn man konnte bei Bekannten wohnen. Man konnte auch über das staatliche Reisebüro Auslandsreisen kaufen, obwohl diese teuer war, standen die Leute am ersten Angebotstag über nacht Schlange. Das geld war nicht knapp und in der DDR gab es etwas für jeden Geldbeutel.

eigentlich hätten wir doch alles so lassen können wie es war.


Ostlandritter, EK 70 und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#54

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 18:05
von DoreHolm | 7.697 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #21
Jaaaa, das war meine halbstarken Zeit. Lederoljacke , Pferdeschwanz ,und Petticoat . Sie war meine Ische ,oder steiler Zahn oder sie nannte sich Daisy, wir waren Jerry, Jimmy, oder Larry. Wir tanzten Twist, und Bossa Nova .Erste Küsse ,erste Liebe. Ted Herold, Peter Kraus, Conny Francis, The Beatles ,The Rolling Stones mit Radio Luxemburg und Camillo .The Butlers in Leipzig waren ein muss. Die Haare halblang und Pickel im Gesicht. Wie sang Freddy " schön war die Zeit"


Der Dutt war für uns das Vogelnest



Grün: Na, ihr alten Säcke. Wer kann sie noch, die "Twistbrücke". Damals war man noch gelenkig. Twist tanze ich auch heute noch, wenn die Kapelle bzw. der Disc-Jockey was entsprechendes auflegt. Abwechsekselnd auf dem einen oder dem anderen Bein, das andere im Rhythmus leicht nach vorn gestreckt und gezuckt und in dieser Weise langsam um die Partnerin herumgetanzt. Als ich mit 17 in Leuna in der Lehre war ( 1964), gab es auf Tanzabenden regelrechte Twistwettbewerbe, wer am längsten aushält und richtige Twistabende, an denen vorwiegend dieser Rhythmus gespielt wurde. Das waren noch richtige Bands. Bei "One - two - three - o´clock" gehen auch heute noch die Beine von ganz allein in Bewegung und ich lege dann eine Mischung von Rock´n roll und Boogie auf´s Parkett mit möglichst viel Drehungen. Nach einer Runde bin ich natürlich fix und alle und das Herzchen schlägt bis zum Hals.



Thüringerin, Jobnomade und damals wars haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#55

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 18:11
von Thüringerin | 62 Beiträge

... rückwärts gelebt ist gut Vielen Dank, ich weiß es auch schon von ek40, dass ich in der Eile das falsche Jahrhundert bei der Geburt angegeben habe, sollte allerdings inzwischen korrigiert sein - hoffe ich.
Finde ich super, dass ihr so aufmerksam gelesen habt
LG Heike


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#56

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 18:15
von EK 70 | 233 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #53
Ausland (wenn nicht über Jugendtourist) war etwas teuerer, es sei denn man konnte bei Bekannten wohnen. Man konnte auch über das staatliche Reisebüro Auslandsreisen kaufen, obwohl diese teuer war, standen die Leute am ersten Angebotstag über nacht Schlange. Das geld war nicht knapp und in der DDR gab es etwas für jeden Geldbeutel.

eigentlich hätten wir doch alles so lassen können wie es war.



Gab es in der DDR auch Ausladsreisen über GENEX ??



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#57

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 18:20
von DoreHolm | 7.697 Beiträge

Zitat von Thüringerin im Beitrag #38
Liebe Leser,
nun möchte ich mich halt doch noch mal zu meiner Geschichte und den Reaktionen dazu äußern, sie haben mich zum Schmunzeln, Nachdenken und zu weiteren Erinnerungen angeregt. Deshalb vielen Dank dafür.
Hartmut möchte ich sagen, dass ich den See als riesengroß empfand. Immerhin war ich noch klein. Bis dahin kannte ich außerdem nur unseren Dorfteich. Vom Meer hatte ich zwar schon gehört, eine wirkliche Vorstellung davon hatte ich nicht.
Hubert, ich glaube, es war wirklich Sauerkirschsüßmost. Auf jeden Fall war es ein langes Wort, weil ich es mir nicht merken konnte und deshalb immer nur um einen Most bat, wenn ich Durst hatte.
Laut lachen musste ich über den Begriff „Kommunistenzwiebel“ – das habe ich noch nie gehört  Ich weiß ja nicht, wo du das her hast, sperrbrecher, aber unsere Bekannten aus dem Westen sehe ich auf allen Fotos aus dieser Zeit nur mit Dutt. Später haben sie mir mal erzählt, dass sie sogar nachts auf dem Bauch geschlafen haben, damit die Frisur ein paar Tage länger hielt. Was die Ehemänner wohl davon hielten? Ich habe mich insgeheim gefragt, wie … Ach, nö, das denke ich mir jetzt lieber – grins.
Mein „Dutt-Trauma“ habe ich natürlich längst überstanden, vierkrug, auch wenn ich damals tatsächlich lieber Pferdeschwanz, Zöpfe oder „Affenschaukeln“ bevorzugt habe. An meinem Geburtstag oder am 1. Mai (lach) durfte ich die Haare auch mal offen tragen, sonst nie. Dass ich „alte Männer“, wie du schreibst, hier ins Schwärmen versetze war absolut nicht mein Plan, ich schwöre!!! Wer es allerdings als mentale österliche Seelenmassage empfindet, dem sei es natürlich vergönnt. Und über die Sache mit den Spiegeln auf den Schuhen gucke ich mal diskret weg – ts ts ts – mein Mann hat sich gekringelt, als ich ihm das vorgelesen habe. Er hat mir nicht verraten, ob er das auch gemacht hat ...
Heute sind meine Haare nicht mehr ganz so lang, aber ich stecke sie gerne hoch, Dieter, warum auch nicht? Sieht doch schick aus und ist nach wie vor trendy. Letztes Jahr habe ich sogar so ein Teil entdeckt, dass man zum Dutt-Stecken verwenden kann – hab´s mir gekauft und ausprobiert und musste den ganzen Tag grinsen, weil ich immer an meine Katze denken musste … Ich hoffe, dass du keinen Lachkrampf kriegst, wenn dir demnächst eine Frau mit Dutt über den Weg läuft. Falls doch und sie merkt es, kannste sie beruhigen, ich bin nach 46 Jahren auch darüber weg gekommen.
Commander möchte ich sagen, dass ich ihn gut verstehen kann. LPG-Wohnwagen herrichten und dabei eine Woche dem Alltag entfliehen – das hätte mir auch Spaß gemacht. Aber ich kann mir vorstellen, dass es sicher immer die Gleichen waren, die da ran „mussten“ oder soll ich lieber „durften“ schreiben?
Zum Schluss noch was zur Finanzierung von Reisen damals und heute sowie zum Wohlstand, um auf die Kommentare von irmgard 1920, Pit59, turtle, Rostocker, Alfred und furry einzugehen.
Meine Familie hat nur ein einziges Mal eine Reise machen können, nämlich genau die oben erwähnte. Wir hatten nie viel Geld. Das heißt nicht, dass wir arm waren, aber es musste gut gehaushaltet und das Geld eingeteilt werden. Meine Eltern haben jede Mark gespart, weil sie vorhatten, in den 70ern unser Haus umzubauen, damit wir irgendwann nicht mehr raus auf dieses Plumpsklo müssen. Deshalb nur EIN gemeinsamer REISE-Urlaub. Und diesen haben wir wirklich sehr genossen. Allerdings mussten wir nicht irgendwohin fahren, um glücklich zu sein. Es war auch zuhause schön und wir haben halt kleinere Ausflüge von hier aus gemacht, später mit dem Motorrad, meine Schwester und ich im Beiwagen. Das war für uns ein Abenteuer! Ich kenne genug andere Familien, die nie weg gefahren sind und es ging auch. Es ist richtig, dass die Ferienplätze nur begrenzt zur Verfügung standen, ein bisschen Glück hat dazu gehört, einen zu erwischen.
Was das Einkommen angeht, also ich habe 1983 nach drei Jahren Fachschulstudium 486,40 Mark verdient. Und das war einiges mehr, als zum Beispiel manche Bürokraft verdient hat. Mein Bruttogehalt als Kindergärtnerin betrug 615,- Mark, davon gingen 86,60 Lohnsteuer und 60,- Mark Sozialversicherungsbeitrag ab. Ich wollte mir eine eigene Wohnung einrichten, träumte von einem Motorrad, ab und zu paar Klamotten und natürlich auch Urlaub. Das Motorrad habe ich als erstes abgeschrieben, hatte ich halt umsonst meinen Führerschein gemacht. Aber auf alles wollte ich auch nicht verzichten. Dann kam die Familie, der Große wurde geboren, Ehekredit.
Nach der Wende bin ich erstmal auf die Kanaren geflogen, weil ich wusste, wenn ich das jetzt nicht gleich mache, wer weiß, wie es kommt. Es kam anders, als ich es mir erwünscht habe. Ich verlor meine Arbeit, weil ich als jüngste Kollegin am „sozialen Punktesystem“ scheiterte. Zum Glück war ich nur ein paar Monate arbeitslos, dann fand ich Arbeit in Bayern. Wir wohnten damals in meinem Elternhaus. Mein Mann, ich, die beiden Kinder und meine Eltern. Ich war froh, dass ich unter den vielen Bewerberinnen den befristeten Job in Bayern bekommen habe, denn damit war ich die einzige in unserem 6-Personen-Haus, die wieder eine Arbeit hatte. Nun brauchte ich ein Auto, das ich finanzieren musste. Dann kam der Umbau unseres Hauses, die Kinder wurden größer und brauchten mehr Platz. Es war oft nicht leicht. Und oft konnten wir nicht verreisen oder mussten länger dafür sparen. Aber es ging immer irgendwie weiter, jeder hat seine schweren und leichteren Zeiten im Leben. So ging es unseren Großeltern, Eltern, uns, unseren Kindern, und die Enkelkinder werden es ähnlich erleben – nur alle Generationen unter einem anderen Stern.
Wer nach uns kommt, wird vielleicht noch mehr von Stress und der immer schnelleren Entwicklung in allen Lebensbereichen überrollt und wird vielleicht zu tun haben, um mitzuhalten. Und wenn Kinder vom Wohlstand der Familien regelrecht zugemüllt werden, wie furry es beschreibt, Geschenke nicht groß und teuer genug sein können, einer den anderen darin übertreffen will, dann liegt das wirklich an den Familien selbst. Du hast Recht, furry, das erlebe ich leider nur allzu oft in meiner täglichen Arbeit und wir freuen uns jedes Mal, wenn es uns Erziehern gelingt, bei den Kindern die Freude an Dingen zu wecken, die wunderschön sind und kein Geld kosten, die man nur bewusst wahrnehmen muss, um sie zu schätzen: eine freundliche Begrüßung am Morgen, ein tröstendes Streicheln nach einem Kummer, die ersten Schneeflocken, ein Spatz, der sich in einer Pfütze badet, ein Butterbrot mit den Kräutern vom eigenen Hochbeet …
Aber jetzt verliere ich mich in Gedanken, die um Himmels Willen keine neue Diskussion anleiern sollen, denn dann fühle ich mich so verantwortlich darauf zu reagieren, wozu mir außerhalb der freien Tagen oft die Zeit fehlt.
Ich hatte eine schöne Kindheit. Das versuche ich zu erzählen in meinen Geschichten. Egal, wo ich gelebt hätte, meine Kindheit wäre immer schön gewesen, weil ich von lieben und fürsorglichen Menschen umgeben war. Ich glaube, in keinem System der Welt wird alles perfekt sein. Es kommt darauf an, wie man damit umgeht. Ein kritischer Blick auf die Dinge ist immer gut, sich mit anderen Menschen sachlich darüber austauschen ist noch besser, eine Sache im Nachhinein schlechtreden bringt allerdings keinen weiter.
Passend dazu fällt mir ein Zitat Reinhold Niebuhr (Deutsch-amerikanischer Theologe, 1892 – 1971) ein:

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.


Und um Nachfragen vorzubeugen: Ja, ich bin getauft, konfirmiert und habe kirchlich geheiratet.

Liebe Grüße an euch alle und vielen Dank nochmal für die erfrischende Resonanz
Heike



Grün: Danke, Thüringerin. Jetzt weiß ich endlich, wer der Urheber dieses weisen Spruches ist, nach dem ich schon seit jahrzehnten versuche zu leben.



Thüringerin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#58

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 18:21
von linamax | 2.020 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #49
Zitat von Pitti53 im Beitrag #46
Zitat von Pit 59 im Beitrag #44
Weiss ich doch mittlerweile,das alle jedes Jahr in den Urlaub gefahren sind über FDGB,Jugendtourist oder Betriebsferienheime,alles klar.


Man hatte im Notfall ja noch seinen Kleingarten oder fuhr in private Quartiere z.B. nach Tschechien oder auch an die Ostsee

Auch war Urlaub außerhalb der Saison nicht unbeliebt. Dann fahren wenn keiner wollte!

Hab selbst im November Urlaub in Prora gemacht. Wunderbar.....In dem Riesenheim war das Personal vollzählig und nur ca. 300 Urlauber.......

da kamen auf einen Urlauber mindestens 3 Betreuer



Ausland (wenn nicht über Jugendtourist) war etwas teuerer, es sei denn man konnte bei Bekannten wohnen. Man konnte auch über das staatliche Reisebüro Auslandsreisen kaufen, obwohl diese teuer war, standen die Leute am ersten Angebotstag über nacht Schlange. Das geld war nicht knapp und in der DDR gab es etwas für jeden Geldbeutel.

Wenn ich so einige Beiträge hier so lese . Da kann man nur sagen, ach war die DDR schön . Ich wollte aber nicht nach Prora oder nach Polen oder nach Tschechien fahren . Sondern ich wollte gerne auch mal Amerika oder Kanada sehen .


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#59

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 18:24
von DoreHolm | 7.697 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #59
Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #49
Zitat von Pitti53 im Beitrag #46
Zitat von Pit 59 im Beitrag #44
Weiss ich doch mittlerweile,das alle jedes Jahr in den Urlaub gefahren sind über FDGB,Jugendtourist oder Betriebsferienheime,alles klar.


Man hatte im Notfall ja noch seinen Kleingarten oder fuhr in private Quartiere z.B. nach Tschechien oder auch an die Ostsee

Auch war Urlaub außerhalb der Saison nicht unbeliebt. Dann fahren wenn keiner wollte!

Hab selbst im November Urlaub in Prora gemacht. Wunderbar.....In dem Riesenheim war das Personal vollzählig und nur ca. 300 Urlauber.......

da kamen auf einen Urlauber mindestens 3 Betreuer



Ausland (wenn nicht über Jugendtourist) war etwas teuerer, es sei denn man konnte bei Bekannten wohnen. Man konnte auch über das staatliche Reisebüro Auslandsreisen kaufen, obwohl diese teuer war, standen die Leute am ersten Angebotstag über nacht Schlange. Das geld war nicht knapp und in der DDR gab es etwas für jeden Geldbeutel.

Wenn ich so einige Beiträge hier so lese . Da kann man nur sagen, ach war die DDR schön . Ich wollte aber nicht nach Prora oder nach Polen oder nach Tschechien fahren . Sondern ich wollte gerne auch mal Amerika oder Kanada sehen .


Na klar wollten das andere auch, aber hier geht es um die Erinnerungen an die Jugendzeit und wie Du lesen kannst, waren sie für die meisten hier, die sich geäußert haben, einfach schön. Warum muß Du gleich wieder alles mies machen ? Das wissen wir alle, wie es mit den Reisemöglichkeiten stand.



Thüringerin und 1941ziger haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.04.2015 18:25 | nach oben springen

#60

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 18:26
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #28
Bitte mir nichts einreden !

Ich habe nicht geschrieben, dass jeder 1.000 Mark im Monat verdient hat. Ich kannte auch Personen, die wesentlich weniger hatten, aber einen Urlaubsplatz konnten die sich alle leisten.


Alfred, ich kann mich meine ganze Kindheit in den 50ern nur an einen Urlaub mit den Eltern erinnern, das war auf dem großen Inselsberg in Thr. 1952. Danach waren meine Eltern nicht mehr mit uns in Urlaub. Die ganzen Ferien zu Hause verbracht, nur einmal 1958 oder so ähnlich war ich in einem Ferienlager in Rathen im Elbsandsteingebirge. Das war sehr schön, wir lebten in Zelten, alles sehr einfach aber als Kind vermisst du da nichts. Ob man das als Armut bezeichnen kann, mmh ich weiss nicht. Ich vermisste nichts in meiner Kindheit. Im Westen später konnte ich mir jedes Jahr auch mit Familie einen Urlaub leisten. Bevorzugtes Gebiet war die jugoslawische Adria. Dort konnte man auch FKK machen in Istrien. Eine wunderschöne Landschaft und die Jugos waren sehr gastfreundlich


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
Thüringerin, ek40, DoreHolm und Jobnomade haben sich für diesen Beitrag bedankt
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