#21

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 12:12
von turtle | 6.961 Beiträge

Jaaaa, das war meine halbstarken Zeit. Lederoljacke , Pferdeschwanz ,und Petticoat . Sie war meine Ische ,oder steiler Zahn oder sie nannte sich Daisy, wir waren Jerry, Jimmy, oder Larry. Wir tanzten Twist, und Bossa Nova .Erste Küsse ,erste Liebe. Ted Herold, Peter Kraus, Conny Francis, The Beatles ,The Rolling Stones mit Radio Luxemburg und Camillo .The Butlers in Leipzig waren ein muss. Die Haare halblang und Pickel im Gesicht. Wie sang Freddy " schön war die Zeit"


Der Dutt war für uns das Vogelnest


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zuletzt bearbeitet 06.04.2015 12:16 | nach oben springen

#22

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 12:14
von Pit 59 | 10.149 Beiträge

Aber ich kenne viele,die damals ihren jährlichen Urlaub mit der Familie machen
konnten und eben jetzt nicht mehr.
...Irmgard1920

Das kling ja alles nach ganz heiler Welt,nun kenne ich aber auch sehr viele,die sich auch keinen Urlaub in der DDR leisten konnten,umsonst war das Urlauben nähmlich auch nicht.
Und der FDGB Urlaubsplatz war ja auch nicht sicher,und schon gar nicht jedes Jahr,ich glaube bei uns waren so ca. 15 Urlaubsplätze im Betrieb ausgehangen,wo sich dann 255 Betriebsangehörige bewerben konnten.


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#23

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 12:26
von Alfred | 6.848 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #22
Aber ich kenne viele,die damals ihren jährlichen Urlaub mit der Familie machen
konnten und eben jetzt nicht mehr.
...Irmgard1920

Das kling ja alles nach ganz heiler Welt,nun kenne ich aber auch sehr viele,die sich auch keinen Urlaub in der DDR leisten konnten,umsonst war das Urlauben nähmlich auch nicht.
Und der FDGB Urlaubsplatz war ja auch nicht sicher,und schon gar nicht jedes Jahr,ich glaube bei uns waren so ca. 15 Urlaubsplätze im Betrieb ausgehangen,wo sich dann 255 Betriebsangehörige bewerben konnten.



Nicht leisten ?
Wen ich es richtig in Erinnerung habe, musste man für 14 Tage um die 100,00 Mark bezahlen und selbst für die Anreise mir der DR gab es noch einen Rabatt.


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zuletzt bearbeitet 06.04.2015 12:27 | nach oben springen

#24

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 12:26
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #19


Bleibe ich kurz bei OT. Natürlich kenne ich die Zeit noch. Nur bei den Mitschülerinnen hatte ich so an 3. oder 4. Klasse gedacht. Und denen haben wir doch nicht unter den Rock geschaut, oder?


Na,ein kleiner Taschenspiegel auf dem Schuh oder Sandale gebunden,um die Farbe eines "Schlüpfers" in der Schulpause zu ergründen,kam schon mal zum Einsatz.....

seaman


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#25

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 12:27
von Vierkrug (gelöscht)
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@Thüringerin - jetzt siehst Du was Du mit Deinem wunderbarem Beitrag angerichtet hast. Wenn "alte Männer" wieder an ihre Jugendzeit erinnert werden und dabei ins Schwärmen geraten. Seelenmassage pur am Ostermontag.

Vierkrug


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#26

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 12:29
von Lutze | 8.035 Beiträge

Viele Betriebe hatten auch ihre eigenen Ferienobjekte,
wenn ich noch den Campingplatz in Ückeritz auf der
Insel Usedom so sehe,was da so alles aus einem ehemaligen
Bauwagen gemacht wurde
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#27

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 12:35
von Pit 59 | 10.149 Beiträge

Nicht leisten ?
Wen ich richtig in Erinnerung habe, musste man für 14 Tage um die 100,00 Mark bezahlen und selbst für die Anreise mir der DR gab es noch einen Rabatt.


Ja,Alfred es konnten sich eben sehr sehr viele nicht Leisten.Oder meinst Du es gab in der DDR nur gut ausgebildete Facharbeiter ? was haben den z.B. Hilfsarbeiter so Mitte der 70er Jahre verdient ? Ich kenne Wohnungen von solchen Menschen da würde heute kein Asylbewerber Einziehen.
Aber wenn Du eben der Meinung bist jeder hat in der DDR 1000.- Mark verdient und konnte sich alles leisten,dann war es eben so,Ich kenne es auch anders.
Ich will doch gar nicht recht haben Alfred,und schon gar nicht streiten,aber fakt ist nun einmal es gab auch genügend arme Menschen in der DDR.


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#28

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 12:38
von Alfred | 6.848 Beiträge

Bitte mir nichts einreden !

Ich habe nicht geschrieben, dass jeder 1.000 Mark im Monat verdient hat. Ich kannte auch Personen, die wesentlich weniger hatten, aber einen Urlaubsplatz konnten die sich alle leisten.


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#29

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 12:40
von Pit 59 | 10.149 Beiträge

Ist gut Alfred,Du hast Recht.


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#30

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 12:53
von Commander | 1.056 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #26
Viele Betriebe hatten auch ihre eigenen Ferienobjekte,
wenn ich noch den Campingplatz in Ückeritz auf der
Insel Usedom so sehe,was da so alles aus einem ehemaligen
Bauwagen gemacht wurde
Lutze

Ich kann mich entsinnen,das unsere LPG in Phöben a.d.Havel einen Wohnwagen hatte.Der wurde im Frühjahr immer hergerichtet.Diese Arbeiten waren sehr beliebt u.ausgewählte Kollegen konnten sich meist 1 Woche Kostenlos "erholen".Ich durfte da leider nie mitmachen.

Sonnigen Nachmittag,Gruß C.



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#31

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 13:42
von Rostocker | 7.723 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #22
Aber ich kenne viele,die damals ihren jährlichen Urlaub mit der Familie machen
konnten und eben jetzt nicht mehr.
...Irmgard1920

Das kling ja alles nach ganz heiler Welt,nun kenne ich aber auch sehr viele,die sich auch keinen Urlaub in der DDR leisten konnten,umsonst war das Urlauben nähmlich auch nicht.

Und der FDGB Urlaubsplatz war ja auch nicht sicher,und schon gar nicht jedes Jahr,ich glaube bei uns waren so ca. 15 Urlaubsplätze im Betrieb ausgehangen,wo sich dann 255 Betriebsangehörige bewerben konnten.


Pit59--Nur mal so am Rande--in Rostock gab es damals eine Anlaufstelle;wo man nach Urlaubsplätzen des FDGB nachfragen konnte. Denn dorthin kamen Ferienplätze zurück, die in Betrieben auf kein Interessen stießen.Persönlich habe ich mir dort,mal zwei Ferienplätze geholt und zwar nach Masserberg (Thüringen) und Altenbrak (Harz)
Du sprichst hier auch von heiler Welt. Gab es die eigentlich und gibt es sie Heute--ich glaube nicht. Ich kenne Familien mit Kindern, die sich nicht mal ne Fahrt vor die Stadt leisten können geschweige mal einen Zoobesuch. Ich kenne Familien die mit ihren Kindern in der Badesaison,es sich nicht leisten können von Rostock nach Warnemünde zu fahren.Und es sind nicht Familien wo die Eltern zu Faul sind zu arbeiten--nein es sind Familien die in der Gesellschaft an der Armutsgrenze angelangt sind und das sind schon einige Hunderttausende.Aber das hört man heute nicht gerne,man will es auch nicht. Weil ja heute alles so schön Ok ist.


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zuletzt bearbeitet 06.04.2015 13:44 | nach oben springen

#32

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 13:55
von Rostocker | 7.723 Beiträge

Möchte hier auch mal erwähnen---das es neben den FDGB Heimen -- auch viele Betriebseigene Ferienheime gab. Und die wirklich Top eingerichtet waren.


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#33

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 13:55
von Fritze | 3.474 Beiträge

Hallo Thüringerin !

Das war ne schöne Ecke Lychen ,Feldberg ,Carwitz . Das war nicht weit von uns ,so sind wir im Sommer desöfteren mit den Mopeds hingedüst um nach den Urlaubermädels aus den Weiten der Republik zu sehen .
Disco in Feldberg , Campingplätze in Feldberg , Lychen und Carwitz waren beliebte Anlaufziele unserer Clique .
Mit so manch einem Mädel aus dem Süden hab ich ne Kahntour auf den Feldberger Seen gemacht .Danach gings mit dem Motorrad zur Eisdiele .
Und richtig ein Mädel mit Dutt ,wohl aus Leipzig ,war auch dabei . Bezaubernd schöne Haare !

Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
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#34

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 14:10
von SiK90 (gelöscht)
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So Unrecht hat @Alfred gar nicht. Ich habe als Jungfacharbeiter (KfZ-Schlosser) Anfang der 80er etwa 700 Mark verdient. Freilich konnte man sich da keinen der teureren FDGB Urlaube, wie Hotel Neptun, Sotschi, Kreuzfahrt o.Ä. leisten. Heute fliegt auch nicht jeder jährlich auf die Seychellen.
Aber 2 Wochen Ostsee waren möglich. Zwar in bescheidener Unterkunft und weit weg vom Strand - aber möglich.
Allerdings war man nur aller paar Jahre mal dran; wenn die Ferienkommission einem gewogen war.


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#35

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 14:25
von der alte Grenzgänger | 1.002 Beiträge

...habe mal meinen FDGB- Ausweis bemüht- 2 Wochen Ferienwohnung in Thüringen waren also 80 Mark...

Dass ich 3 x nacheinander dort war, lag mit Sicherheit nicht an meinen guten Connections zur Ferienkommission, sondern eher daran, dass andere Kollegen nicht mehr so dahin wollten.
Mir wars recht...
Um die Damen auch noch themengerecht einzubringen- 1987 / 88 war ich dort noch mit meiner damaligen Frau- 1989 dann mit meiner jetzigen Frau..

Die Herbergsmutter hat das natürlich bemerkt und festgestellt. "Na ja, so ist eben das Leben ..."

Genau ...

Siggi


"Man rühmt und man schmäht die meisten Dinge, weil es Mode ist, sie zu rühmen oder sie zu schmähen"
La Rochefoucauld (1613 - 1680)
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#36

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 14:45
von Vierkrug (gelöscht)
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Nach den doch etwas erfrischenden und aufheiternden Beiträgen zum Dutt und entsprechenden Verknüpfungen, zurück zum Ferienwesen in der DDR. Ich muß sowohl @Alfred, wie auch @Pit 59 zum Teil Recht geben. Das Ferienwesen war in der DDR eines der heikelsten und umstrittensten Probleme in der Arbeit mit den Werktätigen und nahm auch einen breiten Raum bei den VHK´s (Vorschlägen, Hinweisen und Kritiken) ein.
Die Ferienplätze des FDGB, die kontingentiert zur Verfügung gestellt wurden, sind in der Regel von den Ferienkommissionen der Gewerkschaft bearbeitet und vergeben worden. Ob da alles mit rechten Dingen, d.h. mit Gerechtigkeit (Sozialauswahl etc.) zugegangen ist, bezweifele ich sehr stark, wenn ich auf meine Erkenntnisse und Erfahrungen zurückblicke.
Für mich und auch meiner damaligen Tätigkeit von Bedeutung war das betriebliche Ferienwesen, als eine Alternative zum Feriendienst des FDGB. Es nahm in der Führungs-und Leitungstätigkeit unserer Generaldirektion einen breiten Raum ein, denn unser GD war für seine abstrichlose Position bekannt, dass die wirtschaftlichen Erfolge und Ergebnisse des Kombinates, sich auch in der Verbesserung der Arbeits-und Lebensbedingungen für die Kombinatsangehörigen widerspiegeln müssen. Darin sah er u.a. auch die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik. Das Ferienwesen und seine Entwicklung bildete dabei einen Führungsschwerpunkt in der Generaldirektion und der Kombinatsleitung. Es war fachlich und strukturmäßig dem Fach-/Stabsdirektorat AV/SÖ (Arbeiterversorgung/Sozialökonomie) zugeordnet.
Grundlage für die Arbeit bildeten dabei die Betriebskollektivverträge (BKV), die zwischen der Gewerkschaft, im diesem Fall dem KV der IG Bergbau/Energie und der Generaldirektion abgeschlossen wurden. Hier wurden u.a. auch alle Maßnahmen zur Entwicklung des betrieblichen Ferienwesens fixiert. Die dafür notwendigen finanziellen Mittel wurden im KuS-Fonds (Kultur- und Sozialfonds) des Kombinates bilanziert und auch an ihn abgeführt. U.a. waren Renovierungs-, Rekonstruktions- und Erweiterungsmaßnahmen bereits vorhandener betrieblicher Ferienheime bzw. die Erschließung neuer Ferienobjekte darin enthalten. Kurz vor der "Wende" gab es noch Aktivitäten zum Erwerb eines Objektes in Kühlungsborn und dessen Ausbau und Nutzung als betriebliches Ferienheim.
Zusätzlich gab es im Rahmen von Paten- und Partnerschaftsbeziehungen den Urlauberaustausch mit Betrieben und Kombinaten der CSSR, VR Polen und der VR Ungarn. Erste Vorverhandlungen auch mit dem Nowolipezker Metallurgischem Kombinat.
Diese Plätze waren aber nicht nur bei den Werktätigen des Kombinates sehr begehrt, sondern auch bei den Institutionen, die keine materiellen und finanziellen Werte in der täglichen Produktion geschaffen haben, allen voran der Apparat der SED. Bevor diese Plätze für die Werktätigen zugänglich wurden, lagen sie bereits bei der Industriekreisleitung auf dem Tisch und man beanspruchte dann für sich auch ein bestimmtes Kontingent. Besonders gefragt dabei die Plätze in Hajdúszoboszló (Ungarn), ein sehr bekannter Bäderort.
Wie hieß es noch einmal in der Hauptaufgabe des VIII.Parteitages - "alles zum Wohle des Volkes". Zum Wohle des Volkes, der Werktätigen ja, aber nicht zum alleinigem Wohl einzelner Funktionäre. Das Widersprüchliche dabei war, dass es nicht die höheren Parteifunktionäre (Sekretariat) waren, die sich dieses Anspruches bedienten - vielmehr waren es nachgeordnete Abteilungsleiter und Mitarbeiter. U.a. war ein Mitarbeiter der Meinung, dass er ein Dauerabo für Hajdúszoboszló besäße. Man könnte auch gehässigerweise sagen, die führende Rolle wurde auch auf diesem Gebiet in Anspruch genommen.
Diesen unberechtigten Anspruch bekamen auch die Werktätigen des Kombinates mit und erhoben ihrerseits berechtigten Widerspruch. Die Quintessenz war dann, dass diesen Institutionen über einen Quotenschlüssel dann anteilige Plätze zur Verfügung gestellt wurden.
Nun waren die Einkommen in der Kohle- und Energiewirtschaft der DDR etwas anders gelagert, wie in anderen Bereichen der Volkswirtschaft. Auch ich kann mein damaliges Gehalt (HF5) nicht mit dem Lohn einer Bekohlungsmaschinistin vergleichen - das wäre unrealistisch. Aber zumindest gab es bei den betrieblichen Ferienheimen auch immer etwas für den "kleineren Geldbeutel", was auch angenommen wude. Hinzu kam, dass die Versorgung in diesen betrieblichen Ferieneinrichtungen weitaus besser war, wie bei denen des FDGB. Die Versorgung erfolgte über den Stammbetrieb, der u.a. über eine eigene Fleischerei und einen eigenen Gewächshauskomplex verfügte. Dazu noch die Fischhälterei in den Kühlanlagen der Kraftwerke.

Als eine sehr gelungene Aktion sehe ich noch die Organisation und Durchführung der Wolga-Schiffsreise für über 300 Werktätige des Kombinates, beginnend in Rostow am Don bis nach Kasan auf eines der auf der Elbewerft in Boizenburg gebauten Binnenfahrgastschiffe - der damaligen "Maria Uljanowa". Der Zufall wollte es, dass ich meinen Freund als Kapitän des Schiffes auf dieser Reise wiedersah.

Soweit von mir.

Vierkrug


Pit 59, Fritze, Thüringerin, DoreHolm, furry und Jobnomade haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.04.2015 18:22 | nach oben springen

#37

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 15:33
von ek40 | 409 Beiträge

Herrlich dein Bericht,@Thüringerin .
Kommt absolut authentisch rüber und man wird an die eigene Kindheit erinnert.
Egal ob es der FDGB Urlaub oder das Ferienlager (Dabel) war.
Für meine Schwester und mich ging es mit meinen Eltern meist auf die Schmücke im Thüringer Wald,oder alle Jahre mal nach Koserow auf Usedom.
Da haben wir also auch in deiner Heimat unsere Ferien bzw. den Urlaub verbracht.
Ich war gern auf der Schmücke,egal ob Winter oder Sommer.
Obwohl,im Winter war ich lieber dort,wir waren dann viel mit den Langlaufbrettern unterwegs.
Haben Gehlberg&Umgebung,Oberhof,den Rennsteig und gemütliche Bauden besucht.
Es war immer eine schöne Zeit.
Und das ohne Handy,Computer,TV und dergleichen.
Da wurde dann Abends zusammengesessen und sämtliche Spiele gespielt.
Für die Eltern wurden Tanzabende durchgeführt.

Danke für deinen schönen Bericht.

Gruß ek40


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#38

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 15:45
von Thüringerin | 62 Beiträge

Liebe Leser,
nun möchte ich mich halt doch noch mal zu meiner Geschichte und den Reaktionen dazu äußern, sie haben mich zum Schmunzeln, Nachdenken und zu weiteren Erinnerungen angeregt. Deshalb vielen Dank dafür.
Hartmut möchte ich sagen, dass ich den See als riesengroß empfand. Immerhin war ich noch klein. Bis dahin kannte ich außerdem nur unseren Dorfteich. Vom Meer hatte ich zwar schon gehört, eine wirkliche Vorstellung davon hatte ich nicht.
Hubert, ich glaube, es war wirklich Sauerkirschsüßmost. Auf jeden Fall war es ein langes Wort, weil ich es mir nicht merken konnte und deshalb immer nur um einen Most bat, wenn ich Durst hatte.
Laut lachen musste ich über den Begriff „Kommunistenzwiebel“ – das habe ich noch nie gehört  Ich weiß ja nicht, wo du das her hast, sperrbrecher, aber unsere Bekannten aus dem Westen sehe ich auf allen Fotos aus dieser Zeit nur mit Dutt. Später haben sie mir mal erzählt, dass sie sogar nachts auf dem Bauch geschlafen haben, damit die Frisur ein paar Tage länger hielt. Was die Ehemänner wohl davon hielten? Ich habe mich insgeheim gefragt, wie … Ach, nö, das denke ich mir jetzt lieber – grins.
Mein „Dutt-Trauma“ habe ich natürlich längst überstanden, vierkrug, auch wenn ich damals tatsächlich lieber Pferdeschwanz, Zöpfe oder „Affenschaukeln“ bevorzugt habe. An meinem Geburtstag oder am 1. Mai (lach) durfte ich die Haare auch mal offen tragen, sonst nie. Dass ich „alte Männer“, wie du schreibst, hier ins Schwärmen versetze war absolut nicht mein Plan, ich schwöre!!! Wer es allerdings als mentale österliche Seelenmassage empfindet, dem sei es natürlich vergönnt. Und über die Sache mit den Spiegeln auf den Schuhen gucke ich mal diskret weg – ts ts ts – mein Mann hat sich gekringelt, als ich ihm das vorgelesen habe. Er hat mir nicht verraten, ob er das auch gemacht hat ...
Heute sind meine Haare nicht mehr ganz so lang, aber ich stecke sie gerne hoch, Dieter, warum auch nicht? Sieht doch schick aus und ist nach wie vor trendy. Letztes Jahr habe ich sogar so ein Teil entdeckt, dass man zum Dutt-Stecken verwenden kann – hab´s mir gekauft und ausprobiert und musste den ganzen Tag grinsen, weil ich immer an meine Katze denken musste … Ich hoffe, dass du keinen Lachkrampf kriegst, wenn dir demnächst eine Frau mit Dutt über den Weg läuft. Falls doch und sie merkt es, kannste sie beruhigen, ich bin nach 46 Jahren auch darüber weg gekommen.
Commander möchte ich sagen, dass ich ihn gut verstehen kann. LPG-Wohnwagen herrichten und dabei eine Woche dem Alltag entfliehen – das hätte mir auch Spaß gemacht. Aber ich kann mir vorstellen, dass es sicher immer die Gleichen waren, die da ran „mussten“ oder soll ich lieber „durften“ schreiben?
Zum Schluss noch was zur Finanzierung von Reisen damals und heute sowie zum Wohlstand, um auf die Kommentare von irmgard 1920, Pit59, turtle, Rostocker, Alfred und furry einzugehen.
Meine Familie hat nur ein einziges Mal eine Reise machen können, nämlich genau die oben erwähnte. Wir hatten nie viel Geld. Das heißt nicht, dass wir arm waren, aber es musste gut gehaushaltet und das Geld eingeteilt werden. Meine Eltern haben jede Mark gespart, weil sie vorhatten, in den 70ern unser Haus umzubauen, damit wir irgendwann nicht mehr raus auf dieses Plumpsklo müssen. Deshalb nur EIN gemeinsamer REISE-Urlaub. Und diesen haben wir wirklich sehr genossen. Allerdings mussten wir nicht irgendwohin fahren, um glücklich zu sein. Es war auch zuhause schön und wir haben halt kleinere Ausflüge von hier aus gemacht, später mit dem Motorrad, meine Schwester und ich im Beiwagen. Das war für uns ein Abenteuer! Ich kenne genug andere Familien, die nie weg gefahren sind und es ging auch. Es ist richtig, dass die Ferienplätze nur begrenzt zur Verfügung standen, ein bisschen Glück hat dazu gehört, einen zu erwischen.
Was das Einkommen angeht, also ich habe 1983 nach drei Jahren Fachschulstudium 486,40 Mark verdient. Und das war einiges mehr, als zum Beispiel manche Bürokraft verdient hat. Mein Bruttogehalt als Kindergärtnerin betrug 615,- Mark, davon gingen 86,60 Lohnsteuer und 60,- Mark Sozialversicherungsbeitrag ab. Ich wollte mir eine eigene Wohnung einrichten, träumte von einem Motorrad, ab und zu paar Klamotten und natürlich auch Urlaub. Das Motorrad habe ich als erstes abgeschrieben, hatte ich halt umsonst meinen Führerschein gemacht. Aber auf alles wollte ich auch nicht verzichten. Dann kam die Familie, der Große wurde geboren, Ehekredit.
Nach der Wende bin ich erstmal auf die Kanaren geflogen, weil ich wusste, wenn ich das jetzt nicht gleich mache, wer weiß, wie es kommt. Es kam anders, als ich es mir erwünscht habe. Ich verlor meine Arbeit, weil ich als jüngste Kollegin am „sozialen Punktesystem“ scheiterte. Zum Glück war ich nur ein paar Monate arbeitslos, dann fand ich Arbeit in Bayern. Wir wohnten damals in meinem Elternhaus. Mein Mann, ich, die beiden Kinder und meine Eltern. Ich war froh, dass ich unter den vielen Bewerberinnen den befristeten Job in Bayern bekommen habe, denn damit war ich die einzige in unserem 6-Personen-Haus, die wieder eine Arbeit hatte. Nun brauchte ich ein Auto, das ich finanzieren musste. Dann kam der Umbau unseres Hauses, die Kinder wurden größer und brauchten mehr Platz. Es war oft nicht leicht. Und oft konnten wir nicht verreisen oder mussten länger dafür sparen. Aber es ging immer irgendwie weiter, jeder hat seine schweren und leichteren Zeiten im Leben. So ging es unseren Großeltern, Eltern, uns, unseren Kindern, und die Enkelkinder werden es ähnlich erleben – nur alle Generationen unter einem anderen Stern.
Wer nach uns kommt, wird vielleicht noch mehr von Stress und der immer schnelleren Entwicklung in allen Lebensbereichen überrollt und wird vielleicht zu tun haben, um mitzuhalten. Und wenn Kinder vom Wohlstand der Familien regelrecht zugemüllt werden, wie furry es beschreibt, Geschenke nicht groß und teuer genug sein können, einer den anderen darin übertreffen will, dann liegt das wirklich an den Familien selbst. Du hast Recht, furry, das erlebe ich leider nur allzu oft in meiner täglichen Arbeit und wir freuen uns jedes Mal, wenn es uns Erziehern gelingt, bei den Kindern die Freude an Dingen zu wecken, die wunderschön sind und kein Geld kosten, die man nur bewusst wahrnehmen muss, um sie zu schätzen: eine freundliche Begrüßung am Morgen, ein tröstendes Streicheln nach einem Kummer, die ersten Schneeflocken, ein Spatz, der sich in einer Pfütze badet, ein Butterbrot mit den Kräutern vom eigenen Hochbeet …
Aber jetzt verliere ich mich in Gedanken, die um Himmels Willen keine neue Diskussion anleiern sollen, denn dann fühle ich mich so verantwortlich darauf zu reagieren, wozu mir außerhalb der freien Tagen oft die Zeit fehlt.
Ich hatte eine schöne Kindheit. Das versuche ich zu erzählen in meinen Geschichten. Egal, wo ich gelebt hätte, meine Kindheit wäre immer schön gewesen, weil ich von lieben und fürsorglichen Menschen umgeben war. Ich glaube, in keinem System der Welt wird alles perfekt sein. Es kommt darauf an, wie man damit umgeht. Ein kritischer Blick auf die Dinge ist immer gut, sich mit anderen Menschen sachlich darüber austauschen ist noch besser, eine Sache im Nachhinein schlechtreden bringt allerdings keinen weiter.
Passend dazu fällt mir ein Zitat Reinhold Niebuhr (Deutsch-amerikanischer Theologe, 1892 – 1971) ein:

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Und um Nachfragen vorzubeugen: Ja, ich bin getauft, konfirmiert und habe kirchlich geheiratet.

Liebe Grüße an euch alle und vielen Dank nochmal für die erfrischende Resonanz
Heike


zuletzt bearbeitet 06.04.2015 16:52 | nach oben springen

#39

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 15:57
von Vierkrug (gelöscht)
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@Thüringerin - Heike, Chapeau!

Vierkrug


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#40

RE: Von FDGB-Urlauben oder warum ich keinen Dutt mehr trage ;-)

in Leben in der DDR 06.04.2015 16:55
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Thüringerin im Beitrag #38
... Passend dazu fällt mir ein Zitat Reinhold Niebuhr (Deutsch-amerikanischer Theologe, 1992 – 1971) ein:

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Unpassend dazu die Frage: Hat der rückwärts gelebt? Na egal, in der Eingangshalle der Bundeswehrfachschule in Koblenz soll ja dieser Spruch auch an'ner Wand stehen, nur wird dort ein gewisser Oetinger als Urheber benannt?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


Thüringerin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.04.2015 16:57 | nach oben springen



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