#21

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.04.2015 16:37
von damals wars | 12.177 Beiträge

Sozusagen eine Ausländermaut für alle?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#22

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.04.2015 16:51
von Heckenhaus | 5.142 Beiträge

Zitat von Georg im Beitrag #19
Staatsbürger von EU - Staaten mussten Visagebühren nach Westberlin bezahlen ?


Die EU wurde erst 1993 ins Leben gerufen, EU-Bürger gab es folglich damals noch nicht.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#23

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.04.2015 16:55
von passport | 2.638 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #21
Sozusagen eine Ausländermaut für alle?



Für uns waren das Visagebühren. Der Reisende bekam ja dafür ein Visa mit eingedruckten Geldwert. Die Transitvisa auf den Autobahn - und Strassengüsten waren papiertechnisch hochwertig hergestellt. Equivalent einenem Geldschein. U. a. mit fluoreszierende Farben, Wasserzeichen, Melierfasern, Sicherheitsfaden usw. Auch die Griffigkeit der Transitvisa der og. Güsten unterschied sich von denen die auf Eisenbahngüsten nach WB / BRD verwendet worden.



passport


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#24

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.04.2015 17:51
von KARNAK | 1.694 Beiträge

Was er aber nicht behalten durfte,also "bekam" er es nicht,er zahlte nur für die Mühen des Ausstellens.


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
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#25

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.04.2015 17:57
von passport | 2.638 Beiträge

Zitat von KARNAK im Beitrag #24
Was er aber nicht behalten durfte,also "bekam" er es nicht,er zahlte nur für die Mühen des Ausstellens.



Stimmt so nicht ganz

Wir waren damals schon Umweltbewußt und sammelten bei der Ausreise die Visa wieder ein



passport


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#26

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.04.2015 19:35
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #25
Zitat von KARNAK im Beitrag #24
Was er aber nicht behalten durfte,also "bekam" er es nicht,er zahlte nur für die Mühen des Ausstellens.



Stimmt so nicht ganz

Wir waren damals schon Umweltbewußt und sammelten bei der Ausreise die Visa wieder ein



passport


Wobei sich nun wieder die Frage stellt: Weshalb wurden die Visa wieder eingesammelt? Das war ja nur beim Transit per Auto so - Zugreisende konnten sich, je häufiger sie fuhren, eine ganze Sammlung der Transitvisa zulegen. Wobei das Einsammeln der Visa im Zug vermutlich ziemlich zeitaufwendig gewesen wäre.

Gruss

icke



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#27

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.04.2015 20:17
von passport | 2.638 Beiträge

@icke46

Wobei sich nun wieder die Frage stellt: Weshalb wurden die Visa wieder eingesammelt


Die Transitzüge waren sogenannte durchgehende Züge. Sie hielten nur an der Ein - bzw. Ausreisegüst. Daher hatten diese Visaanlagen auch nicht die Papierqualität bzw. die Sicherheitsmerkmale wie oben beschrieben.
Das Einsammeln der Transitvisaanlagen an den Strassengüsten muss man einfach unter dem Gesichtspunkt der geheimdienstlich - operativ Arbeit sehen. Da wurden unbemerkt vom Reisenden Ausreisezeiten oder Personalien nachträglich eingetragen. Z.b. gab es den Massnahmeplan "Rakete" der eine Kontrolle der genauen Ausreisezeit von Transitfahrzeuge zum Inhalt hatte.


passport


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#28

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.04.2015 20:41
von GKUS64 | 1.609 Beiträge

Ist zwar halb OT aber passt zum Grenzübergang (hatte ich schon mal ähnlich 2013 geschildert):

Aufgrund von Kooperationsbeziehungen mit Rumänien fuhr ich (und ein Fahrer) einige Jahre mit einem B1000 nach Orastie und Bukarest. Die Rumänen fertigten für unseren Betrieb (Pentacon) Kunststoffteile. Zweimal im Jahr lieferten wir die notwendigen Werkzeuge dorthin und schlossen Qualitätsvereinbarungen ab. Die Grenzabfertigung zu Rumänien war immer abenteuerlich. Der rumänische Außenhandel musste uns an der Grenze angemeldet haben, meist hatten die das jedoch nicht getan. Wenn man vor 16 Uhr ankam konnte der rumänische Zoll noch eine Klärung per Fernschreiber durchführen (natürlich mit ewigen Wartezeiten). Nach 16 Uhr ging nichts mehr. Wir mussten entweder in Ungarn oder Rumänien (in Grenznähe) übernachten und früh dann das Ganze wiederholen. Bei Übernachtung in Rumänien musste dann sogar der Pass abgegeben werden, Quittung gab es erst nach etwas lautstarker Forderung von uns.
Ein Dienstreisender einer anderen Firma erzählte mir, er verkürze die Wartezeiten immer mit paar Schachteln Duett (Zigaretten mit etwas westlich aussehender Verpackung) die er den Zöllnern zusteckte. Eigentlich wollte die nur die Westzigarette „Kent“ haben, aber mit Duett würde das auch klappen.
Bei einer meiner nächsten Dienstreisen gab es wieder Grenzprobleme, ich hatte leider nur die billig aussehende Sorte „Semper“ mit und wollte sie der diensthabenden Zöllnerin zustecken, wutentbrannt nahm sie die Schachtel und warf sie wieder in unser Auto. Aufgrund meiner Naivität war mein Bestechungsversuch leider fehlgeschlagen.
Ich konnte dann aber auch immer beobachten, dass Wessis mit Mercedes o.ä. PKW´s ihre Kofferklappe öffneten, oben lag ein Beutel der zielgerichtet vom Zöllner genommen wurde, danach wurde durchgewunken. Zöllner und Grenzbeamte liefen ganz offen mit diesen Beuteln durch die Gegend, da war ich schon erstaunt!
Nun wieder der Bezug zum Thema: Wurde versucht euch ( die Passkontrolleure, Zöllner usw.) auch zu bestechen? Wie habt ihr euch da verhalten? Habt ihr was entgegen genommen (natürlich nicht!)??


MfG

GKUS64


Gert und der 39. haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.04.2015 20:43 | nach oben springen

#29

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.04.2015 21:32
von Georg | 1.024 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #22
[quote=Georg|p462894]Staatsbürger von EU - Staaten mussten Visagebühren nach Westberlin bezahlen ?


Die EU wurde erst 1993 ins Leben gerufen, EU-Bürger gab es folglich damals noch nicht.[/quote

Genau ! Danke !
Mir war umgangssprachlich die Vorgängerversion: EG im Hinterkopf. Nach meiner Meinung und Erfahrung hatten Bürger von EG und auch später dann die EU - Bürger bestimmte Vorrechte. Durch Verträge..... vom Aufenthaltsrecht bis zum Arbeitsrecht.


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#30

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.04.2015 23:15
von 94 | 10.792 Beiträge

Wie haben das die Zöllner (West) eigentlich persönlich empfunden, als sie Anfang '84 mit dem grünen E unterm Spiegel feststellten, das ihr Job grundsätzlich witzlos ist? Ich fand (angeregt durch die EG./.EU-Diskussion) den folgenden Artikelausschnitt dieser Zeit und frage mich nun, ob die Journaille da nicht bissel übertreibt ...

Seit gut vier Monaten gilt die neue Regelung. Selbst die anfangs skeptischen Grenzschützer geben nun zu, daß ein „Manko an Sicherheit“ nicht entstanden sei. Zwar gingen den Beamten viele Bagatelldelikte durch die Lappen, sagte ein Sprecher der Grenzschutzdirektion Koblenz, doch im „sicherheitsrelevanten Bereich“ habe sich so gut wie nichts geändert. ...
www.zeit.de/1984/48/sicher-durch-gespuer

btw die Überschrift 'Sicher durch Gespür' ... das iss doch bissel euphemistisch, odär?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 09.04.2015 23:16 | nach oben springen

#31

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 10.04.2015 17:50
von passport | 2.638 Beiträge

@GKUS64

Nun wieder der Bezug zum Thema: Wurde versucht euch ( die Passkontrolleure, Zöllner usw.) auch zu bestechen? Wie habt ihr euch da verhalten? Habt ihr was entgegen genommen (natürlich nicht!)??

Natürlich gab es Versuche direkte wie indirekte Bestechungsversuche bei den og. Personenkreis durchzuführen. Ich selber hatte mal den Fall das ein LKW-Fahrer die Einreise verweigert worde. Dieser hatte keinen Abholauftrag von DEUTRANS und wollte nachweislich seine DDR Freundin besuchen. Ich hatte den Auftrag diesen LKW wieder zurückzuführen. Der Fahrer bettelte förmlich ihn einreisen zu lassen. Er steigerte sein Geldangebot bis auf 200,- DM. Letzendlich gab es für den Fahrer bei mir keine Chance. Er fuhr dann Richtung Helmstedt zurück.
Gerade bei den Buslinien kam es öfters zu indirekten Bestechungen. Solche Unternehmen wie BEX oder HARU waren ja an gewisse Fahrtzeiten interessiert und versuchten das Kontrollregimes zu beeinflussen. Nun gab es Passkontrolleure die die blöde Angewohnheit hatten beim Betreten des Busses zwecks IK ihre Mütze auf die Fahrerablage abzulegen. Beim Aussteigen fanden Kontrolleure dann in den Mützen Kugelschreiber, Sticker oder zb. einen Kümmerling vor. Jeder Kontrolleur war gut beraten höflich aber bestimmt diese "Geschenke" abzulehnen. Jeder Bestechungsversuch war Informationspflichtig. Im laufe der Zeit kannten wir unsere "Pappenheimer".
Ich selber behielt bei der KOM - IK immer die Mütze auf. Das war gerade an heissen Tagen eine sehr schwitzige Angelegenheit. Wenn die Busse dann zB. ca 20 min bei sengender Hitze und ausgeschaltener Klimaanlage standen stieg die Hitze im Bus ins unerträgliche. Der Schweissring in der Schirmmütze machte dann seinen Namen alle Ehre


passport


GKUS64 und elster427 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.04.2015 20:51 | nach oben springen

#32

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 10.04.2015 17:56
von Pit 59 | 10.152 Beiträge

. Er steigerte sein Geldangebot bis auf 200,- DM

Warum verdammt nochmal war ich kein Passstempler. Das wären wieder mal 2 Levis und Diverse Kleinigkeiten aus dem Shop gewesen.

P.S. Rainer ist Dir Dein Vorbildliches Verhalten irgendwann mal gedankt wurden ? Ich denke da an eine richtig fette Abfindung 1990.


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#33

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 10.04.2015 18:02
von passport | 2.638 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #32
. Er steigerte sein Geldangebot bis auf 200,- DM

Warum verdammt nochmal war ich kein Passstempler. Das wären wieder mal 2 Levis und Diverse Kleinigkeiten aus dem Shop gewesen.

Tja @Pit 59 , das wäre Dir aber nicht gut bekommen

P.S. Rainer ist Dir Dein Vorbildliches Verhalten irgendwann mal gedankt wurden ? Ich denke da an eine richtig fette Abfindung 1990.



Kansst du Schweigen Peter ?



passport


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#34

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 10.04.2015 18:13
von damals wars | 12.177 Beiträge

Ja, auch heute noch ist die Annahme eines Kulis Bestechung.
Das hat sich nicht geändert.

Dabei wären die Kulis ja dem Wirtschaftskreislauf der DDR zugute gekommen.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#35

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 11.04.2015 10:46
von ehem. Hu | 466 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #31
Solche Unternehmen wie BEX oder HARU waren ja an gewisse Fahrtzeiten interessiert und versuchten das Kontrollregimes zu beeinflussen.
passport


Gerade bei den Linienbussen musste man sehr aufpassen, was man machte und sagte. Auch die Gegenseite war an Informationen interessiert. Und so waren natürlich Reisende, die ständig die GÜSTen passierten, gute Quellen, um jede Abweichung im Kontrollprozess festzustellen. Hinzu kam bei der Busabfetigung der Linienbusse, dass fast ausnehmend attraktive Reisebegleiterinnen im Einsatz waren und so manch PK sich stark machte, diese Busse abfertigen zu dürfen. Wäre mal ein interessantes Thema, das aus der Sicht der Gegenseite zu erfahren. Aber die Archivtüren klemmen.

friedliche Grüße Andreas


zuletzt bearbeitet 11.04.2015 10:55 | nach oben springen

#36

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 11.04.2015 11:56
von elster427 | 789 Beiträge

Als erstes möchte ich Rainer für seine Beiträge danken,so ausführlich die Abläufe in Marie kennen zulernen, war selbst mir so nicht bekannt. In Drewitz war die Frage des Einreise/ Drittstaatentransit nicht so im Vordergrund. Wir hatten zu Ostern rundum die Uhr nur mit dem vertragsgebundenen Transit WB BRD zu tun, welcher die Tage nicht abreissen wollte.Dienstbeginn für die Verstärkungskräfte begann bei uns 00.00 Uhr und dann kamen alle zwei Stunden neue Kräfte dazu. Man hat sich vorher schon klargemacht , daß das ende der geplanten Schicht nie wirklich feststand und wenn es dann hiess , die Autos stehn bis Motzen , war der Funkturm erreicht und alle Zeitplanungen waren nur noch auf dem Papier vorhanden. Bei Beginn des Osterverkehrs hatten wir Glück, das es sich meist um Westberliner handelte , welche mit PA abgefertigt wurden und man da denn Stempel nur für das Visum benutzen mußte. Dadurch konnte man bis zu 150 PKW pro Stunde und Spur "rausschmeissen". Ansonsten waren auch bei uns Pausen Mangelware. Da haste schon mal 5-6 Stunden im Freien verbracht. Bei der Rückreise wurden bei uns in Drewitz auch bis zu 5 Spuren unter den LKW Rampen genutz um dann auf gesammt13 Spuren West Berlin zu "flutten".
Zu kleinen Geschenken zu Ostern nur soviel, grade in Doppeldecker Bussen , wo man bei der Kontrolle oben meist seine Mütze an der Teeküche liegen liess, fand man schon mal nen kleien Osterhasen oder ne kleine Flasche Spasswasser drin und nahm diese auch mit ,natürlich mit nem Dak an den Fahrer. Kam auch vor das ein Kugelschreiber den Besitzer wechselte. Da mich meine Karriere in die Fahndung verschlagen hatte , kam ich nie in solch eine Lage. Ich habe aber den Leuten beim entsorgen ihrer alten Eisenbahnvisas geholfen. lg Jan


1981 - 1989 MfS BV Potsdam Abt, VI PKE Drewitz
1990 GT GR 44
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#37

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 11.04.2015 12:46
von eisenringtheo | 9.175 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #26
(...)
Wobei sich nun wieder die Frage stellt: Weshalb wurden die Visa wieder eingesammelt? Das war ja nur beim Transit per Auto so - Zugreisende konnten sich, je häufiger sie fuhren, eine ganze Sammlung der Transitvisa zulegen. Wobei das Einsammeln der Visa im Zug vermutlich ziemlich zeitaufwendig gewesen wäre.

Gruss

icke



Finanzkontrolle? Wenn ich mich nicht sehr täusche, wurden im Eisenbahnverkehr die Transitvisa (in billigster Qualität) an alle Ausländer kostenlos abgegeben. Eine Abrechnung war demzufolge nicht erforderlich. An den Strassengüst hingegen ging es um (insgesamt hohe) Devisenbeträge. Da wurden die Visaformulare und die Durchschäge der Strassenbenutzungsquittungen möglicherweise zur Abrechnung gebraucht. Zusammen mit dem Sicherheitspapier der Visaformulare wollte man vielleicht auch Devisenhinterziehung (durch das Grenzpersonal) verhindern. Wie sah eigentlich das Schichtende aus.? Musste man noch gross Abrechnungsformulare ausfüllen mit anschliessender beaufsichtigter "Einnahmenkontrolle".
Theo


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#38

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 11.04.2015 13:20
von passport | 2.638 Beiträge

Hallo @eisenringtheo


ich hatte von 1977 bis Herbst 1979 eine Devisenkasse und wurde zu diesen Zeitpunkt auch als Fahnder bestätigt.. Der Kassierer und auch der Fahnder mussten extra bestätigt werden. Die grosse Mehrheit der Passkontrolleure kam nicht in diesen "Genuß". Zu meiner Zeit hatte die Devisenkasse einen Wertbestand von ca. 21.000 DM. Darin enthalten waren Wertmarken, Visa mit eigedruckten Wert und IB. Nach Dienstschluß wurde die Kasse vom Kassierer auf Fehl - oder auch Übermengen an Devisen gecheckt. War die Kasse i.O. ging man zu Gruppnführer und Dieser versiegelte die Kasse mit seiner Petschaft. Das gleiche geschah mit dem Kassenschlüssel. Der kam in einen Stahlschrank der ebenfalls versiegelt wurde. Bei Dienstbeginn übernahm man seine Kasse und überprüfte die Unversehrtheit des Siegels. Abrechnungen der Kasse erfolgten durch die Hauptkassierer. Das Geld wurde der Kasse entnommen und mit den fehlenden og. Dingen wieder aufgefüllt. Gleichzeitig erfolgte eine Überprüfung des Kassenbestandes auf Fehlmengen. Bei 0,10 DM war schon eine Stellungnahme durch den Kassierer fällig. Und die konnte man sich schnell einhandeln. Bei der Umrechnung ausländischer Währung war die DM die Leitwährung. Nur war das nicht so einfach. Eine Umrechnung 1 zu 1 war auf Grund der unterschiedlichen Währungen nicht möglich. Das waren die sogenannten "Spitzen" der unterschiedlichen Währungen. Man musste immer bei starken Auländerverkehr mit ihren Währungen bei einigen etwas weniger Geld nehmen um den Gesamtkassenwert nicht zu übersteigen.
Und der Einsatz von Taschenrechner war strikt untersagt. Man hat alles mit der Hand ausgerechnet.


passport


Fritze, eisenringtheo und elster427 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#39

RE: Ostern an der Grenzübergangsstelle

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 11.04.2015 14:05
von passport | 2.638 Beiträge

@eisenringtheo

Wie die Visaanlagen wurden ja auch die Zählkarten der Reisenden gesammelt,gezählt, sortiert und stundenweise abgelegt. In jeder Abt VI eines Bezirkes mit Güsten ( Frage für NICHT-Insider : Welcher Bezirk der DDR hatte keine Güst? ) gab es eine Truppe die diese Dokumente aufbereitete und der HA VI zuführte. Dort wurden die Reisedokumente fotokopiert und archiviert. Dadurch war es möglich anderen Fachabteilungen Auskünfte zu erteilen über Reisetätigkeiten bestimmter Personen. Bekannt sein dürfte noch der Kriminalfall der verbrannten Leiche am Hermsdorfer Kreuz der auch durch den Abgleich der Transitvisa / Reisetätigkeit aufgeklärt werden konnte.



passport


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zuletzt bearbeitet 12.04.2015 13:27 | nach oben springen



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