#21

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 15:27
von Freienhagener | 3.865 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #14
Zitat von Freienhagener im Beitrag #13
..............
Soll ich mich fremdschämen für gewisse Vorgesetzte, mit denen ich schon damals nichts zu tun haben wollte?[/gruen][/b]
..................................


ich halte es da etwas anders, Freienhagener,
und versuche, im heute, eher zu verstehen warum zb. ein vorgesetzter so oder so reagierte. wer kannte denn damals seine vorgesetzten wirklich und wusste was in ihnen vorgeht?
das alles erfährt man doch erst im nachhinein, durch zb. foren oder besser persönlichen kontakt. klar, dafür muss man natürlich die kleinen voreingenommenheiten ablegen.



Hallo, da widerspreche ich Dir gar nicht.
Ich habe nicht umsonst das Wort "gewisse" gewählt.

Mit meinem Zugführer z. B. hatte ich auch in der Neuzeit Kontakt und der war mir nie unsympathisch.
Aber um Sympathie Einzelner geht es gar nicht, sondern um die poltische Haltung, die jemand einnahm und einnimmt.

Wenn einer sehr überzeugt war von dem Regime, dann ist das seine Sache.
Aber ich muß mich dafür nicht vor meinen Kindern verantworten. Das meine ich.

Die brisanten Fragen: "Warum hast Du Dich freiwillig für viele Jahre verpflichtet?" oder sogar "Warum hast Du geschossen?" können der Mehrheit der Grenzer nicht gestellt werden.
Ich will gar nicht bewerten, was hinter diesen Fragen steht, schon gar nicht Freiwillige kritisieren.
Aber nur wer was mit diesen Sachen zu tun hatte, muß, wenn er inzwischen Zweifel hat, sich sagen "Wie erkläre ich es meinem Kind".
Andere haben es objektiv leichter.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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zuletzt bearbeitet 02.04.2015 15:29 | nach oben springen

#22

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 15:36
von Freienhagener | 3.865 Beiträge

Was nun das Fragen der Kinder ansich betrifft.

Das ist wie bei der Fortpflanzung: M. E. sollte man nicht so lange warten, bis Andere die Kinder aufklären.

Mein Großer war 6 Jahre, als ich eigentlich für mich selbst, erstmals als Zivilist meinen Grenzabschnitt besuchte. Später sind wir den gemeinsam abgelaufen und ich hab stundenlang erzählt.
Noch später habe ich mit Frau und inzwischen 2 Söhnen dort eine Woche Urlaub gemacht (übrigens in einem Gasthaus im "Westen" im früheren Zolldienst-Standort).


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#23

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 15:48
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Interessantes Thema...

nun - ich habe es "objektiv leicht".
Ich hab 18 Monate Wehrpflicht an der Grenze geleistet - und ich brauchte nicht schiessen.
Meine Kinder sind Jahrgang 80 und 81, mein Schwiegersohn ist Jahrgang 80.
Sie haben noch die ersten Schuljahre in der DDR erlebt - was gibt es da noch zu fragen ?
Mein Sohn war nie Soldat, mein Schwiegersohn hat seine Wehrpflicht bei der Bundeswehr abgeleistet.
Sein Vater hat Wehrdienst bei der NVA geleistet.
Das es damals, in der DDR nicht so einfach war, den Wehrdienst zu verweigern, brauchen wir den "Kindern" nicht gross zu erklären.

Ich hab übrigens meinen Vater auch nie gefragt, warum er (unfreiwillig) zur Wehrmacht und nicht ins KZ gegangen ist.

Wenn meine Enkel mal so weit sind, dass sie dem Opa Ex-Grenzer diese Fragen stellen sollten, lasse ich sie im Forum lesen - wenn es dann das Forum noch gibt.

Gruss Hartmut


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#24

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 15:53
von Freienhagener | 3.865 Beiträge

Hartmut, ganz Deiner Meinung.

Wobei es nicht wenige gab, die mit ihren Fronterlebnissen im 2. WK geprahlt haben. Da gibt es immer und überall welche...........


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#25

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 15:56
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #24
Hartmut, ganz Deiner Meinung.

Wobei es nicht wenige gab, die mit ihren Fronterlebissen im 2. WK geprahlt haben. Da gibt es immer und überall welche...........


Mein Vater nicht....
Er war einer von 2 Überlebenden seiner Kompanie im Frühjahr 1945, in Ostpreussen. - nach 9 Tagen Flucht aus der Einkesselung im "Mittelabschnitt" der "Ostfront".

Gruss Hartmut


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#26

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 16:25
von Gelöschtes Mitglied
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Mit meinen Kindern und meiner Frau sind wir in Grenzmuseen und auch in KZ Gedenkstätten gewesen. Sie sind ja beide erst nach der Wende geboren und somit unbelastet und unvoreingenommen.

Wenn es nach meinen Eltern gegangen wäre, dann wäre ich kein Soldat geworden. Aber die Eltern sollten zwar für ihre Kinder sorgen, aber Mitspracherecht hatten sie keines wenn der Staat Soldaten brauchte. Das war eben so wie immer schon, ob beim Kaiser oder bei Hitler, warum sollte es in der DDR anders sein.

Meine Mutter hatte im Krieg ihren ein zigsten Bruder verloren. Die hat sich keinen Kriegsfilm angesehen und wollte mit Uniformen nichts zu tun haben. Über meinen Vater habe ich ja schon einiges geschrieben. Der hat genug mitgemacht und sehr wenig erzählt.

Wenn ich an der Grenze jemanden erschossen hätte, wäre mein Elternhaus für mich verschlossen gewesen.

Für mich wäre ein Schuss auf einen Flüchtenden niemals in Frage gekommen. Ich hätte die Waffe nur bei einem direkten Angriff auf meinen Posten, PF oder mich selber eingesetzt.

Der Hesselfuchs


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#27

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 16:36
von vs1400 | 2.393 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #19
Logisch wird es auch Polit mit kritischen Hinterfragungen gegeben haben. Trotzdem dürften sie in ein größeres Loch gefallen sein als alles zusammen brach. Sie werden alles schwerer verarbeitet haben wie einer der sich wie auch immer nur mit der DDR arrangiert hatte. Für die Einen war der Untergang der DDR, das Ende ihrer Karriere, die Erkenntnis ihr System ist gescheitert. Der Andere war froh dass es vorbei war. Das meinte ich mit dem unterschiedlichen Verarbeiten . Wem es leichter gefallen sein dürfte liegt auf der Hand.


mir geht das jetzt irgendwie zu fix, turtle,
ich stell mir dann immer gern die frage, wie viele meiner damaligen vorgesetzten denn wirklich politisch überzeugt waren? die masse hätten diesen job wohl auch gern ohne dieses ganze politgedöhns gemacht, was ja fast unmöglich war.
jeder arbeitnehmer, dessen job wegbrach und der schön länger in diesem oder jenem betrieb tätig war, fiel ja praktisch in ein loch. denn es war ja alles offen und der masse total unbekannt.

gruß vs ... und sorry fürs OT.


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#28

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 16:48
von vs1400 | 2.393 Beiträge

Zitat von Merlini im Beitrag #26
Mit meinen Kindern und meiner Frau sind wir in Grenzmuseen und auch in KZ Gedenkstätten gewesen. Sie sind ja beide erst nach der Wende geboren und somit unbelastet und unvoreingenommen.

Wenn es nach meinen Eltern gegangen wäre, dann wäre ich kein Soldat geworden. Aber die Eltern sollten zwar für ihre Kinder sorgen, aber Mitspracherecht hatten sie keines wenn der Staat Soldaten brauchte. Das war eben so wie immer schon, ob beim Kaiser oder bei Hitler, warum sollte es in der DDR anders sein.

Meine Mutter hatte im Krieg ihren ein zigsten Bruder verloren. Die hat sich keinen Kriegsfilm angesehen und wollte mit Uniformen nichts zu tun haben. Über meinen Vater habe ich ja schon einiges geschrieben. Der hat genug mitgemacht und sehr wenig erzählt.

Wenn ich an der Grenze jemanden erschossen hätte, wäre mein Elternhaus für mich verschlossen gewesen.

Für mich wäre ein Schuss auf einen Flüchtenden niemals in Frage gekommen. Ich hätte die Waffe nur bei einem direkten Angriff auf meinen Poste, PF oder mich selber eingesetzt.

Der Hesselfuchs


nun aber voll OT und @ Merlini,
darüber würde ich gern in einem separaten thema weiter diskutieren wollen.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#29

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 16:50
von Gelöschtes Mitglied
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Bei vielen Uffzen die drei Jahre dabei waren hat man eine eindeutige Aussage über das warum bekommen. Es wäre doch bescheuert gewesen sich wegen 18 Monaten mehr Dienstzeit den zugesagten Studienplatz zu versauen. Diesen Schritt kann ich nachvollziehen.

Mindestens fünf Offiziere haben mehr oder weniger durch die Blume zu verstehen gegeben, dass sie den Tag der Unterschrift verflucht haben. Den Schritt zurück haben viele aus bekannten Gründen gescheut. Auch das kann ich nachvollziehen.

Ich kenne drei Offiziere persönlich die diesen Schritt gegangen sind und kenne auch die Konsequenzen.

Mit Berufsunteroffizieren hatte ich wenig Kontakt und auch kein Feeling für solche Gespräche.

Der Hesselfuchs


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#30

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 17:10
von Freienhagener | 3.865 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #27

ich stell mir dann immer gern die frage, wie viele meiner damaligen vorgesetzten denn wirklich politisch überzeugt waren? die masse hätten diesen job wohl auch gern ohne dieses ganze politgedöhns gemacht, was ja fast unmöglich war.



Gerade die Längerdienenden, die nicht "100%ig" waren und sind, muß das hiesige Thema als Problem beschäftigen.

Die Überzeugten, die der Meinung sind, daß damals alles richtig war, haben (subjektiv) keine Erklärungsnot.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 02.04.2015 17:11 | nach oben springen

#31

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 17:11
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #27
Zitat von turtle im Beitrag #19
Logisch wird es auch Polit mit kritischen Hinterfragungen gegeben haben. Trotzdem dürften sie in ein größeres Loch gefallen sein als alles zusammen brach. Sie werden alles schwerer verarbeitet haben wie einer der sich wie auch immer nur mit der DDR arrangiert hatte. Für die Einen war der Untergang der DDR, das Ende ihrer Karriere, die Erkenntnis ihr System ist gescheitert. Der Andere war froh dass es vorbei war. Das meinte ich mit dem unterschiedlichen Verarbeiten . Wem es leichter gefallen sein dürfte liegt auf der Hand.


mir geht das jetzt irgendwie zu fix, turtle,
ich stell mir dann immer gern die frage, wie viele meiner damaligen vorgesetzten denn wirklich politisch überzeugt waren? die masse hätten diesen job wohl auch gern ohne dieses ganze politgedöhns gemacht, was ja fast unmöglich war.
jeder arbeitnehmer, dessen job wegbrach und der schön länger in diesem oder jenem betrieb tätig war, fiel ja praktisch in ein loch. denn es war ja alles offen und der masse total unbekannt.

gruß vs ... und sorry fürs OT.



Mit dem Öffnen der Grenze dürfte zb. Einem Mitarbeiter beim MfS klar gewesen sein das es das Ende seines Jobs bedeutet .Die breite Masse in ihrer Euphorie dachte da noch nicht daran. Für viele kam die Ernüchterung erst später. Wie viele politisch überzeugt waren kann ich nicht beantworten ,wir haben jedoch einige User hier die darauf besser antworten könnten. Allerdings ist es leichter im Nachhinein zu sagen ,eigentlich war ich immer dagegen.. Es ist nur so es in mir Zweifel hinterlässt. Mir sind da sogar die lieber mit ja ich stehe dazu, ich war von der Sache überzeugt ,und davon überzeugt das Richtige zu tun.


vs1400 und der 39. haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.04.2015 17:17 | nach oben springen

#32

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 17:16
von Freienhagener | 3.865 Beiträge

Die waren aber infolgedessen besser vorbereitet auf die Wende und nicht selten wieder in Lohn und Brot.
Welcher zukunftsichere Großbetrieb hat keine an durchaus lukrativer Stelle übernommen (übernehmen müssen?). Bei der Energie war es so (z. B. unsere neue Chef(!)sekretärin). Die übernahmen vorher auch ausgediente Berufssoldaten. Andere sind bis heute selbständig, mit damals guten Startbedingungen (sonst wären sie längst weg vom Fenster).

Aber das ist nicht neu und wir schweifen vom Thema ab.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
rasselbock hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.04.2015 17:17 | nach oben springen

#33

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 17:27
von turtle | 6.961 Beiträge

Verbindungen, Seilschaften, geheime Konten, Verkauf von Wissen, vorher Werte beiseite schaffen, bis Schalk G. ist bestimmt sehr interessant und einen eigenen Thread wert. Sicherlich spielte auch die Ausbildung und Fachwissen eine Rolle. Sehr viele Mitarbeiter des MfS oder eines höheren Dienstgrad in der NVA hatten keine Protektion. Mir fallen auf Anhieb sogar ehemalige User aus dem Forum ein.


zuletzt bearbeitet 02.04.2015 17:35 | nach oben springen

#34

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 18:01
von Freienhagener | 3.865 Beiträge

Das Wunder alle unterzubringen, war selbstverständlich nicht machbar. Du nennst persönliche Vorausetzungen dafür.

Aber die mußten/müssen sicherlich mit mehr unangenehmen Fragen ihrer Kinder rechnen (um halbwegs wieder zum Thema zu kommen).


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zuletzt bearbeitet 02.04.2015 18:04 | nach oben springen

#35

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 18:28
von exgakl | 7.237 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #31
Zitat von vs1400 im Beitrag #27
Zitat von turtle im Beitrag #19
Logisch wird es auch Polit mit kritischen Hinterfragungen gegeben haben. Trotzdem dürften sie in ein größeres Loch gefallen sein als alles zusammen brach. Sie werden alles schwerer verarbeitet haben wie einer der sich wie auch immer nur mit der DDR arrangiert hatte. Für die Einen war der Untergang der DDR, das Ende ihrer Karriere, die Erkenntnis ihr System ist gescheitert. Der Andere war froh dass es vorbei war. Das meinte ich mit dem unterschiedlichen Verarbeiten . Wem es leichter gefallen sein dürfte liegt auf der Hand.


mir geht das jetzt irgendwie zu fix, turtle,
ich stell mir dann immer gern die frage, wie viele meiner damaligen vorgesetzten denn wirklich politisch überzeugt waren? die masse hätten diesen job wohl auch gern ohne dieses ganze politgedöhns gemacht, was ja fast unmöglich war.
jeder arbeitnehmer, dessen job wegbrach und der schön länger in diesem oder jenem betrieb tätig war, fiel ja praktisch in ein loch. denn es war ja alles offen und der masse total unbekannt.

gruß vs ... und sorry fürs OT.



Mit dem Öffnen der Grenze dürfte zb. Einem Mitarbeiter beim MfS klar gewesen sein das es das Ende seines Jobs bedeutet .Die breite Masse in ihrer Euphorie dachte da noch nicht daran. Für viele kam die Ernüchterung erst später. Wie viele politisch überzeugt waren kann ich nicht beantworten ,wir haben jedoch einige User hier die darauf besser antworten könnten. Allerdings ist es leichter im Nachhinein zu sagen ,eigentlich war ich immer dagegen.. Es ist nur so es in mir Zweifel hinterlässt. Mir sind da sogar die lieber mit ja ich stehe dazu, ich war von der Sache überzeugt ,und davon überzeugt das Richtige zu tun.


Peter ob die breite Masse der Berufssoldaten überzeugt war kann ich nicht beantworten, das kann wohl nur jeder für sich tun.
Ich für meinen Teil war zum Beginn meiner Dienstzeit davon überzeugt, logisch, sonst macht man diesen Job nicht. Das heisst allerdings nicht, das man alles hingenommen hat ohne darüber nachzudenken.
Ich denke heute wird es bei Berufssoldaten nicht anders sein...

Ernüchterung kann natürlich in jeden Beruf einsetzen... da für muss man sich nicht unbedingt als Berufssoldat verpflichten, allerdings hat man da natürlich mit anderen Konsequenzen zu tun.
Spürbare Konsequenzen gab es bei mir nicht... was im Hintergrund lief hat mich aber ehrlich gesagt auch nie wirklich interessiert....

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#36

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 19:50
von vs1400 | 2.393 Beiträge

Zitat von Merlini im Beitrag #29
Bei vielen Uffzen die drei Jahre dabei waren hat man eine eindeutige Aussage über das warum bekommen. Es wäre doch bescheuert gewesen sich wegen 18 Monaten mehr Dienstzeit den zugesagten Studienplatz zu versauen. Diesen Schritt kann ich nachvollziehen.

Mindestens fünf Offiziere haben mehr oder weniger durch die Blume zu verstehen gegeben, dass sie den Tag der Unterschrift verflucht haben. Den Schritt zurück haben viele aus bekannten Gründen gescheut. Auch das kann ich nachvollziehen.

Ich kenne drei Offiziere persönlich die diesen Schritt gegangen sind und kenne auch die Konsequenzen.

Mit Berufsunteroffizieren hatte ich wenig Kontakt und auch kein Feeling für solche Gespräche.

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hm Merlini,
dass ist mal wieder so ne pauschalaussage deinerseits.
denn die masse der uaz wollte überhaupt nicht studieren.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#37

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 20:00
von Signalobermaat | 358 Beiträge

Ich denke, daß ist wie mit der Frage nach dem Kinder kriegen und dem Klapperstorch. Es kommt sicherlich auch darauf an, wie alt sind die Kinder, was haben sie in der Schule bzw. von anderen gehört( Beitrag Klaus-Peter).Wie weit reicht schon das Verständnis für politische Gegebenheiten, in die man hineingeboren wurde und die unter den pol. Bedingungen nicht zu ändern waren.Mein Vater war im KZ, folgerichtig nahm ich eine andere Erziehung,als einer dessen Vater bei der SS , oder Wehrmachtsoffizier, oder Kapitalist war, der enteignet wurde usw. Meine Erziehung war, nie wieder für die Profitinteressen des Kapitals in den Krieg zu ziehen und Deutschland am Hindukusch wollte ich und auch meine Kinder schon gar nicht verteidigen müssen.Deshalb bin ich auch heut noch stolz und sage meinen Enkeln die NVA der DDR hat in keinem Land Krieg geführt.Wir waren eine Armee zur Verteidigung der Heimat und keine Armee, die z.B. aus wirtschaftlichen Interessen gegen andere Länder Krieg führt.( Aussage des Altbundespräsidenten Köhler" der afghanische Krieg ist ein Wirtschaftskrieg")
Schon die einzelnen Biographien werden auch bei der Vergangenheitsbewertung eine unterschiedliche Rolle spielen
.Aber ungeachtet dessen ist doch jeder seinen Weg gegangen,von deren Richtigkeit er entweder überzeugt war, oder den er von gesetzes wegen zu erfüllen hatte.Egal wie,wer anständig war, muss sich für seine Überzeugung aus der er gehandelt hat nicht schämen müssen.Und ob das was heut verurteilt wird morgen oder auch Übermorgen nicht anders bewertet wird,steht auf einem anderen Blatt.Wie gesagt, je nach Kindesalter wird man einfache Erklärungen abgeben können, mit denen sich das Kind erst einmal zufrieden gibt oder aber bei Älteren auch bestimmte historische und politische Gegebenheiten mit zur Grundlage nehmen müssen.Z.B. Wie kam es zur Spaltung Deutschlands und damit zur unterschiedlichen Entwicklung und zur unterschiedlicgen Bewustseinsbildung
.Konnte die DDR oder auch die BRD einen unabhängigen Weg gehen.
Und noch eines, an allen Grenzen wurde geschossen,auch an den Westgrenzen der BRD.Und es wurden nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche wegen Kaffeeschmuggels an den Grenzen zu Holland erschossen.Das wird zwar totgeschwiegen, aber das gab es auch.Wie erklärt ein Zöllner das seinem Kind, ein Leben gegen ein Päckchen Kaffee.Es war auch damals eine bestimmte pol. Situation mit besonderen Bedingungen und Gesetzen.Also es ist nicht alles immer einfach erklärt.l
Ich bin mir sicher, daß keiner von uns eine Glaskugel hat, woraus er sehen kann bzw. konnte wann was kommt. Aber wir haben ja alle Eltern, die mit Sicherheit auch schon vor der Frage nach den Verbrechen des Faschismus standen und die Frage beantworten mußten, wie sag ich es meinem Kinde, warum haben wir das zugelassen, dieses unendliche Leid über die Völker Europas zu bringen.Warum wurde nichts oder zuwenig dagegen getan, Wobei das natürlich in keinster Weise mit der DDR zu vergleichen war



der 39., Klauspeter, chantre, seaman, DoreHolm, vs1400, passport und Waldmeister haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#38

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 20:12
von der alte Grenzgänger | 1.002 Beiträge

Lasst doch endlich mal die Legende in Würde sterben, wonach man nur studieren durfte, wenn man sich für drei Jahre verpflichtet hat.
Unsinn ! (jedenfalls in dieser immer behaupteten Zwangsläufigkeit - oder eben Legende für die eigene Biographie ...)

Siggi


"Man rühmt und man schmäht die meisten Dinge, weil es Mode ist, sie zu rühmen oder sie zu schmähen"
La Rochefoucauld (1613 - 1680)
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#39

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 21:14
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #24
Hartmut, ganz Deiner Meinung.

Wobei es nicht wenige gab, die mit ihren Fronterlebnissen im 2. WK geprahlt haben. Da gibt es immer und überall welche...........


Rot: Ja, die gibt es. Ob es alles stimmt, sei dahingestellt. Wir hatten einen Kollegen im Betrieb, der auch gern erzählte, was er alles so Gefahrvolles erlebt hatte, Partisanenjagd in Russland, eingekesselt, Stoßtrupp u.s.w. Nach seinen Schilderungen über die Zeitdauer der einzelnen Abteilungen, in denen er dabei war, hätte der WK II ein paar Jahrzehnte gedauert. Irgendjemand hatte dann mal erfahren, daß dieser Aufschneider in der Küche gearbeitet hat und dann die erzälten Erlebnisse seiner Kameraden als die eigenen ausgab.
Mein Vater hat zwar auch viel erzählt, aber das ging unter Erwachsenen mehr um seine pikanten Abenteuer in den Puff´s von Paris, Italien, Nordafrika und Norwegen. Natürlich auch um einige militärische Ereignisse und Hintergründe und das Leben in seiner sehr kleinen Einheit (17 Mann und ein Offizier). Großen Raum nahm dabei seine feste Freundin in Lilleström (bei Oslo) im letzten Kriegsjahr ein. Mein Vater war einige Jahre als Wirtschaftsleiter im Betriebsferienlager tätig. Wir Kinder lauschten voller Spannung seinen Erzählungen von fiktiven Kämpfen mit Scorpionen in Afrika und der Verfolgung durch ein Rudel Wölfe in Norwegen.




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zuletzt bearbeitet 02.04.2015 21:28 | nach oben springen

#40

RE: wie sage ich es meinem Kind

in Grenztruppen der DDR 02.04.2015 21:25
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Vielleicht würde ich solch einem Fragenden garkeine Grenzerthemen zeigen oder Fach/Sach bezogen antworten.
Der Tenor in den Schulen scheint ja heute zu sein, Grenzer=Monster.
Diesem Tenor kann man mit bestimmten Threads dieses Forums auf ganz menschlicher Schiene entgegen wirken.
Ich nenne da mal als EIN Beispiel, den Thread mit dem Spielzeug der DDR z.B., mit was wir gespielt haben.
Dort kann man ja auch lesen, wie und was wir als Kinder gemacht haben.
Geborene Monster waren wir also nicht, na Kinder sind ja alle Monster aber ihr wisst schon wie ich das meine.

Wichtig ist natürlich, dass der Fragende auch in der Lage ist zuzuhören und geistig mitzuarbeiten.
Fehlt dieser Wille oder die Möglichkeiten, macht es keinen Sinn ins Detail zu gehn, da ja der Grenzdienst kein Alleinstellungsmerkmal ist.

Es gibt natürlich auch Grenzer, besonders in den ganz frühen Jahren, die freiwillig Dienst verrichteten, auch zu aller Zeit gabs diese, die Längerdienenden z.B.
Hier ist ja wichtig beim Erklären sich selber treu zu bleiben, die wahren Gründe zu vermitteln.
Ein Grund wäre z.B., dass man eben daran mitwirken wollte ein besseres Deutschland zu schaffen, gerechter für die Menschen usw. usf.
Das der Osterhase dann etwas anders lief, ist ja bekannt, trotzdem bleiben Dinge die besser waren, die in die neue Zeit nicht mitgenommen wurden, werden sollten/durften.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
der 39. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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