#21

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.02.2016 07:17
von Ratze | 393 Beiträge

Für die Archive gibt es Findbücher. Die in Schleswig leider nicht online. Nr 560 und 561 beschäftigen sich mit Akten des GSK Küste und der Ratzeburger Abteilung. Diese Findbücher haben dann alle ca. 30 Seiten und da sind unter Überschriften dann Sachverhalte gesammelt.
Wie kommt man da ran. Anrufen und anmelden, ein Findbuch eine Akte bestellen, am Tresen ein Formular ausfüllen und schon kann man seine Bestellung entgegen nehmen. Im Findbuch suchen, an denLeseplätzen gibt es kleine Zettel um weitere Akten zu bestellen.
Kostet kein Geld, nur viel Zeit.


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#22

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.02.2016 11:17
von Ratze | 393 Beiträge

Als Ergänzung zu #21 möchte ich noch anfügen, dass Kopien 20 Cent kosten , aber 5 € zusätzlich als Grundgebühr.
Fotos als .jpg kosten 8 € und als .tiff 10 €plus Grundgebühr für die CD von 10,- €
Die Kopien können nicht gleich mitgenommen werden sondern werden zugeschickt, bei weniger als 20 innerhalb von 6 Wochen bei mehr kann es bis zu 12 Wochen dauern.
Bei der Nutzung des Kreisarchives in Ratzeburg, Regionale Zeitungen oder z.B. Akte Grenzzwischenfall Wietignsbek von 52 ist eine Gebühr von 2,50 € fällig, dafür kann man sich die Artikel etc. abfotografieren, da spart man dann wieder.


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#23

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.02.2016 14:57
von Ratze | 393 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #17
Zitat von Hanum83 im Beitrag #14
Ich denke mal die Standpauke für die Kollegen die dort durch den GZ1 geschossen hatten wird wohl mehr als heftig gewesen sein.
Wegen solchen "Verwicklungen" war es wohl strengstens verboten.
"Bürger der BRD, ich fordere sie auf unverzüglich das Hoheitsgebiet der DDR zu verlassen", mehr durftest du eigentlich nicht.


Laut ZAIG-Info Nr.: 531/76 scheinen das GAK im vorgelagerten Gebiet gewesen zu sein, die gerade die Uferböschung vom Culpiner See zur B 208 hoch kamen. Der GZ I war ein Minenzaun gewesen, denn er musste abgeschaltet werden, um den Verletzten bergen zu können.

Gruß Kalubke


Da habe ich noch mal eine Frage. Die Schüsse wurden aus ca. 40 m durch den Zaun in westliche Richtung abgegeben. 2 waren 2 Soldaten im Einsatz. Die erste Rast der MPI war Dauerfeuer. Die Soldaten haben zuerst einen Anruf gemacht, Warnschuss (?) finde ich in keinem Bericht, kann von den Zeugen vergessen worden sein, wurde immer auf Einzelfeuer gestellt, wenn jemand W/O über die Grenze kam?
Was meint Ihr, hat nur einer 2 mal geschossen, oder Dauerfeuer und der 2. hat zugesehen? Es soll auch vom Turm aus (ca. 250 m) aus geschossen worden sein, was sollte dieses Feuer, der lag doch schon? Haben die Soldaten durchgedreht und deshalb geschossen und was ist vermutlich aus Ihnen geweorden?
Und gleich noch ein zweiter Fall. Vermutlich am 28.04.73 flohen 2 Soldaten der Vorkontrolle (hoffe der Ausdruck stimmt) in Horst/Lauenburg über dei F 5 direkt auf den an der Grenze stehenden BGS`ler zu, ca. 100 m In der Stellung befand sich noch ein Offizier, der schoss nicht, durfte nicht oder, denn die Straße war ja dort gerade und er hätte den Westgrenzer treffen können. Was wurde aus diesem Offizier, wurde er bestraft, weil er nicht aufgepaßt hat, als die Soldaten fliehen wollten?


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#24

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.02.2016 17:57
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Hier noch mal der Teil des ZAIG-Berichtes zum Vorkommnis am 24.07.1976 im Grenzabschnitt Dechow komplett:

28. Juli 1976
Information Nr. 531/76 über von BRD-Seite aus erfolgte Verletzungen der Staatsgrenze der DDR am 24. Juli 1976



Am 24. Juli 1976, gegen 15.30 Uhr wurde nach ungesetzlichem Eindringen in das Gebiet der DDR im Abschnitt Dechow, Ortsteil Groß-Thurow, Kreis Gadebusch, Bezirk Schwerin, durch Angehörige der Grenztruppen der DDR unter Anwendung der Schusswaffe ein Grenzverletzer festgenommen.1 Er trug keine Personaldokumente bei sich und machte folgende Angaben zu seiner Person:
Bubbers, Willi, Heinrich, Eduard, geboren am [Tag] 1925, wohnhaft in: Hamburg-74, [Adresse], Beruf: Dreher [weitere persönliche Angabe].
Die im Zusammenhang mit der Festnahme erfolgten Überprüfungen zu den näheren Umständen des Eindringens in die DDR ergaben:
Gegen 15.15 Uhr stellten die in diesem Abschnitt eingesetzten zwei Angehörigen der Grenztruppen auf dem Beobachtungsturm 11 (BT) einen aus der BRD auf der ehemaligen Fernverkehrsstraße 208 kommenden Pkw vom Typ »Audi« fest, der ca. 200 m vor der Staatsgrenze anhielt. Dem Pkw entstieg eine männliche Person, bekleidet mit einem blauen Turnhemd, weißen Shorts und Sandaletten. Die Person trug ein Fernglas bei sich und begab sich 72 m auf das Territorium der DDR bis 0,50 m an den pioniertechnisch gesicherten Grenzsicherungszaun (Streckmetallzaun). Unabhängig von der Beobachtung der Grenzsicherungskräfte auf dem BT 11 bemerkte eine aus zwei Angehörigen der Grenztruppen bestehende Kontrollstreife, nachdem sie während ihres Kontrollganges aus einer im Geländerelief vorhandenen Senke herauskamen, diesen Grenzverletzer.
Die Kontrollstreife wurde durch den Grenzverletzer mit den Worten: »Mit eurer Gesellschaftsordnung bin ich ja einverstanden, aber der Zaun gefällt mir nicht« angesprochen. Als die Kontrollstreife darauf nicht reagierte, äußerte der Grenzverletzer: »He Boys, ihr dürft wohl nicht mit mir sprechen, ich habe zwar etwas getrunken, aber trotzdem bin ich ganz lustig.«
Der Postenführer der Kontrollstreife begab sich – ohne auf die Bemerkungen des Grenzverletzers zu reagieren – ca. 6 m weiter, um bei einem möglichen Schusswaffengebrauch im Zusammenhang mit der Festnahme des Grenzverletzers nicht in Richtung der schon erwähnten, auf BRD-Gebiet verlaufenden ehemaligen Fernverkehrsstraße 208 schießen zu müssen.
Danach forderte der Postenführer der Grenztruppen den Grenzverletzer – der während des Standortwechsels am Grenzsicherungszaun in gleicher Höhe mitgelaufen war – mit den Worten: »Halt, Grenzposten, stehen bleiben oder ich schieße« zum Stehenbleiben auf, wobei er die Maschinenpistole durchlud.
Der Grenzverletzer äußerte darauf: »Das könnt ihr doch nicht machen, ich bin bloß aus Blödsinn hergekommen« und begab sich nach diesen Worten in Richtung BRD zurück.
Durch die anderen Angehörigen der Kontrollstreife erfolgte gegenüber dem Grenzverletzer eine nochmalige Aufforderung, stehen zu bleiben, worauf dieser abermals nicht reagierte. Daraufhin gaben die Angehörigen der Kontrollstreife jeweils einen Warnschuss ab. Der Grenzverletzer, der sich zu diesem Zeitpunkt ca. 3 bis 5 m vom Grenzsicherungszaun in Richtung BRD entfernt hatte, ließ sich sofort zu Boden fallen, blieb ca. 30 Sekunden liegen, sprang wieder auf und lief weiter in Richtung BRD-Gebiet. Nachdem er ca. 5 m gelaufen war, gaben die Angehörigen der Kontrollstreife gezieltes Feuer ab. Nach dem ersten Feuerstoss fiel der Grenzverletzer zu Boden und versuchte kriechend die Staatsgrenze zu erreichen. Daraufhin wurden durch die Angehörigen der Kontrollstreife weitere Feuerstöße abgegeben.

Nachdem um 15.33 Uhr die in diesem Grenzabschnitt installierten pioniertechnischen Sicherungsanlagen außer Betrieb gesetzt waren, wurde der Grenzverletzer gegen 15.35 Uhr geborgen. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt noch 19 m auf dem Territorium der DDR.
In der Zeit von 16.15 Uhr bis 20.38 Uhr führten Angehörige des Bundesgrenzschutzes, des Zollgrenzdienstes und der Polizei in diesem Abschnitt umfangreiche Beobachtungs- und Aufklärungsmaßnahmen durch.
Weiterhin hielten sich mehrere Gruppen von Zivilpersonen gegenüber dem Ereignisort auf BRD-Territorium auf. Dabei erfolgten durch die gegnerischen Kräfte Film- und Fotoaufnahmen.

Um 20.15 Uhr richtete der Grenzinformationspunkt 1 Lübeck-Schlutup folgende Anfrage an den Grenzinformationspunkt Selmsdorf/DDR: »Am 24. Juli 1976, um 15.20 Uhr wurde eine männliche Person von der BRD an der Straße 208 schwer verletzt und von ihren Soldaten in die DDR abtransportiert. Um Angaben zur Person werden sie gebeten.«
Die Anfrage wurde durch den Diensthabenden der Grenzübergangsstelle Selmsdorf wie folgt beantwortet: »Ich habe die Information verstanden, ich werde sie weiterleiten.« Eine andere Antwort erfolgte nicht.
Am 25. Juli 1976, in der Zeit von 18.30 bis 19.30 Uhr wurden auf BRD-Territorium, Fernverkehrsstraße 208, ca. 60 m von der Staatsgrenze zur DDR entfernt eine Fahne der BRD und fünf Transparente, Größe 100 cm mal 50 cm, mit folgenden Hetzlosungen aufgestellt:
– »Kommunismus – Diktatur«

– »Weg mit den Todesautomaten und Schießbefehl«

– »Freiheit für alle Deutschen«

– »Deutschland – Einigkeit«

– »Aus Liebe zu Deutschland – Freiheit statt Sozialismus«.

In der Zeit von 20.30 bis 20.58 Uhr des gleichen Tages wurde unter Teilnahme von 140 Zivilpersonen – abgesichert durch 16 Angehörige des Bundesgrenzschutzes und sechs Polizisten – am gleichen Ort eine Hetzveranstaltung, organisiert durch die »Junge Union« aus Lauenburg, durchgeführt.
Auf dieser Hetzveranstaltung ergriffen die Revanchisten Alexander von Bismarck, Dr. Uwe Barschel und Olaf von Wrangel das Wort.
Der wesentliche Inhalt ihrer Hetzreden richtete sich gegen die Sicherung der Staatsgrenze und die führenden Repräsentanten der DDR.
Durch den Leiter der BRD-Abteilung im MfAA der DDR, Seidel, wurde am 25. Juli 1976 gegenüber dem Leiter der Ständigen Vertretung der BRD in der DDR, Gaus, gegen die Grenzprovokation des Bubbers Protest erhoben. Eine durch Gaus am 26. Juli 1976 im Auftrage der BRD-Regierung an den Stellvertreter des Außenministers der DDR, Nier, übergebene Note der Bundesregierung, in der im Zusammenhang mit diesem Vorfall »scharfer Protest« erhoben wurde, wurde zurückgewiesen. Gen[osse] Nier protestierte erneut gegen die in letzter Zeit zunehmenden provokatorischen Verletzungen der Staatsgrenze der DDR vom Territorium der BRD aus.
In seiner ersten Vernehmung vom 26. Juli 1976 bestätigte Bubbers im Wesentlichen den eingangs dargestellten Sachverhalt, erklärte aber, dass er Einzelheiten des Geschehens hinsichtlich der Reihenfolge nicht mehr genau sagen könne, da er sehr aufgeregt gewesen und in Panik geraten sei. Er sagte weiter, dass er leichtsinnig gehandelt habe und bezeichnete sich sinngemäß als neugierig. Zu seiner Person führte er u. a. aus, dass er seit 1950 Mitglied des DGB sei und sich politisch nicht anderweitig betätigt habe. [Streichung eines Satzes zur Wahrung überwiegender schutzwürdiger Interessen gemäß StUG.]
Entsprechend einem Gutachten des Direktors des Instituts für Gerichtliche Medizin des Bezirkes Schwerin wurden zu den Verletzungen und dem derzeitigen Gesundheitszustand folgende Feststellungen getroffen:
– ein Steckschuss am linken Oberarm wurde chirurgisch entfernt,

– ein glatter Durchschuss am rechten Oberschenkel verursachte keine Knochen-, Nerven- und größere Gefäßverletzungen,

– ein Streifschuss am Rücken, dicht neben dem rechten Rand des linken Schulterblattes in einer Länge von ca. 10 cm, verletzte das Unterhautgewebe, ohne weitere Komplikationen hervorzurufen.2

Da es infolge der Schussverletzungen nicht zur Durchtrennung größere Blutgefäße oder Knochen kam, sind die Heilungsaussichten primär als günstig anzusehen, was durch den bisherigen klinischen Verlauf vollauf bestätigt wird. Es besteht keine akute Lebensgefahr, und es ist auch nicht mehr mit einer derartigen Situation zu rechnen. Bubbers ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt unter ärztlicher Aufsicht liegend transportfähig. Es ist nicht anzunehmen, dass bei Bubbers Nachfolgeschäden eintreten werden.
Am 28. Juli 1976 erhielt die Ehefrau des Bubbers die Genehmigung zum Besuch ihres Mannes, der sie davon telegrafisch in Kenntnis setzte und ihr mitteilte, dass ihre Einreisedokumente an der GÜST Schwanheide hinterlegt worden sind.


Wenn die Angaben im Bericht stimmen, dann stand Bubers im Vorgelagerten direkt am Zaun. Die Frage ist:
Wo stand das Postenpaar?
Auch im Vorgelagerten oder auf dem Kolonnenweg hinter dem Zaun?
Führt der Kolonnenweg etwa auch durch eine Senke?
Oder ist mit Senke die Niederung des Culpiner Sees gemeint?

So ganz eindeutig ist das im Bericht nicht beschrieben.

Gruß Kalubke



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#25

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.02.2016 18:16
von Ratze | 393 Beiträge

Moin
was heißt ZAIG?
Der Bericht ist super.
Darf ich Teile daraus zirieren, wenn mal wieder über "Mustin" gesprochen wird?
Ratze


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#26

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.02.2016 18:26
von Kalubke | 2.293 Beiträge

ZAIG war die Zentrale Auswertungs-und Informationsgruppe des MfS. Dort wurden alle Meldungen über alle möglichen Vorkomnisse und Sachverhalte gesammelt und weitergeleitet. Da m.E. die BSTU-Unterlagen Allgemeingut sind, dürften die Inhalte der ZAIG-Berichte frei verwendbar sein.

Eine Frage meinerseits wäre noch: Was genau hat die Kontrollstreife gerade überprüft? Den Spurensicherungsstreifen, den Minenzaun oder das Vorgelagerte (Grenzsäulen, Grenzsteine etc.)?

Gruß Kalubke



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#27

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.02.2016 18:39
von Ratze | 393 Beiträge

So wie ich die Sache beurteile, standen die Soldaten an der Postenstellung. Dort war häufig eine Postierung, da die B 208 damals als Sackgasse ein Punkt war an dem sehr viele Grenzbesucher auftauchten.
Die Grenzsäule war zu weit entfernt, eine Kontrolle war da nicht möglich. Da bei damaligen Ermittlungen West aber diesen Infos nicht vorlagen, tappten die Ermittler der Kripo im Dunkeln.
Danke für die Erläuterung der Abkürzung.
Ratze


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#28

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.02.2016 02:10
von B208 | 1.328 Beiträge

Der Zöllner wird in dem Bericht nicht erwähnt !!! ???
Der Zöllner hatte aktiv von Bundesgebiet in das Geschehen eingegriffen und wollte dem B. helfen .
Damals wurde gesagt , einige Schüsse wurden bewusst in den Boden vor dem Zöllner geschossen um diese Hilfe zu unterbinden .
Es war die Rede von einem Seil , um den B. auf Bundesgebiet ziehen zu können .
Der B. lag südlich der B208 , die Grenzsoldaten ( Fußstreife ) freunwärts nördlich der B208 hinter dem MGZ .

B208


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#29

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.02.2016 09:28
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Das würde zur örtlichen topographischen Situation passen, denn der Kolonnenweg führt nördlich des Culpiner Sees in Höhe der Grenzsäule Nr.: 133 tatsächlich durch eine zwischen zwei Hügeln liegende kleine Senke. Im MfS-Bericht wurde auch tunlichst vermieden, die Minen am GZ I zu erwähnen. Es wurde nur allgemein von einer pioniertechnischen Sicherung gesprochen.
Im Verteiler des Berichtes standen:

Erich Honecker,
Paul Verner,
MfS intern: Mielke, Scholz, HA I, HA VII, HA IX, Rechtsstelle, ZAIG-Ablage

In dem Zusammenhang ist vlt. auch folgende Bemerkung zu sehen:

"Der Postenführer der Kontrollstreife begab sich – ohne auf die Bemerkungen des Grenzverletzers zu reagieren – ca. 6 m weiter, um bei einem möglichen Schusswaffengebrauch im Zusammenhang mit der Festnahme des Grenzverletzers nicht in Richtung der schon erwähnten, auf BRD-Gebiet verlaufenden ehemaligen Fernverkehrsstraße 208 schießen zu müssen:"

Ein weiterer nicht genannter Grund könnte gewesen sein, dass eine Stelle am Zaun gewählt wurde, an der in der mittleren Ebene keine SM-70 direkt in der Schussrichtung waren, die vlt. hätten ausgelöst werden können. Die SM-70 waren ja in 3 Ebenen (vertikaler Abstand: ca. 1 m) jeweils horizontal zueinander um ein oder zwei Zaunfelder versetzt an den Pfeilern des GZ I angebracht.

Gruß Kalubke



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#30

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.02.2016 09:40
von Ratze | 393 Beiträge

Ich habe noch mal in alten Unterlagen gesucht.
Aus einem Fernschreiben ergibt sich, dass der der Zollbeamte Grün... von den Zeugen des Schusswaffeneinsatzes informiert worden war und um 15:35 Uhr am Ereignisort eintraf. Der Schußwaffengebrauch war um 15:15 Uhr.
Als der G. auf Höhe des Verletzten, aber noch auf Bundesgebiet angekommen war, wurde ein Warnschuss durch einen Grenzsoldaten in die Luft abgegeben. Inzwischen war ein LO eingetroffen und ein Soldat sicherte vom Dach des Fahrzeuges
Ein Soldat gab noch einen Schuß in die Erde ab, als der Verletze noch ca. 15 m vom Grenzverlauf entfernt war.
Bubb.. wurde um 15:45 abtransportiert.
In einem weiteren Bericht der Abteilung vom 24.07. an das Grenzschtuzkommando steht u.a.
dass um15:53 Uhr -4- GT Angehörige am Bunker westlich MGZ standen und 40 - 50 Zilvilisten mit 15 - 20 Pkw am ersten Schlagbaum standen. (Neugierige)
Der Zeuge des Vorfalls ein Schmied, der einen Mähdrecher auf dem Feld der Domäne reparieren sollte, sage später aus. Er hörte die ersten 2 Schüsse (Knallzeuge) und sah danach nur, dass die Soldaten an der Feldstellung die Waffen im Anschlag hielten.
Von einem Seil das geworfen wurde, steht bei mir nichts. Der Zollbeamte wollte helfen, aber der Warnschuss zeigte ihm deutlich, dass da nichts zu machen ist.


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#31

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.02.2016 09:41
von Ratze | 393 Beiträge

Die Unterlagen aus denen ich zitiert habe, liegen im Landesarchiv Schleswig Abt 560 Nr. 104


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#32

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.02.2016 13:14
von B208 | 1.328 Beiträge

Wann wurde der Tunnel und der Bunker feindwärts gebaut ??

B208


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#33

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.02.2016 14:58
von Ratze | 393 Beiträge

Tunnelbau 1981
Ich füge mal 2 Bildfer bei
Der Tunnel war in direkter Linie vom BT 11(FP) zum MGZ. An der B 208 stand zwischen MGZ und Grenze ein von GAK häufig besetzter Bunker.
Den wollte man halt gedeckt erreichen.

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#34

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.02.2016 15:30
von IM Kressin | 913 Beiträge

Zitat von Ratze im Beitrag #30
Ich habe noch mal in alten Unterlagen gesucht.
Aus einem Fernschreiben ergibt sich, dass der der Zollbeamte Grün... von den Zeugen des Schusswaffeneinsatzes informiert worden war und um 15:35 Uhr am Ereignisort eintraf. Der Schußwaffengebrauch war um 15:15 Uhr.

Als der G. auf Höhe des Verletzten, aber noch auf Bundesgebiet angekommen war, wurde ein Warnschuss durch einen Grenzsoldaten in die Luft abgegeben. Inzwischen war ein LO eingetroffen und ein Soldat sicherte vom Dach des Fahrzeuges
Ein Soldat gab noch einen Schuß in die Erde ab, als der Verletze noch ca. 15 m vom Grenzverlauf entfernt war.
Bubb.. wurde um 15:45 abtransportiert.
In einem weiteren Bericht der Abteilung vom 24.07. an das Grenzschtuzkommando steht u.a.
dass um15:53 Uhr -4- GT Angehörige am Bunker westlich MGZ standen und 40 - 50 Zilvilisten mit 15 - 20 Pkw am ersten Schlagbaum standen. (Neugierige)
Der Zollbeamte wollte helfen, aber der Warnschuss zeigte ihm deutlich, dass da nichts zu machen ist.


Es handelt sich um den Zollhundelehrwart, Vorname G. und Nachname G. des Zollkommissariats Ratzeburg?

In der Sache kann ich leider nichts beisteuern, kenne den Fall nur vom Hören,
als ich beim ZKom Lübeck-Süd, Eichholz, in der Ausbildung war.

Es grüßt Euch

Kressin


"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!
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#35

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.02.2016 15:45
von Ratze | 393 Beiträge

Der Zollbeamte hieß Grün... und dann noch 4 Buchstaben. Der Vorname steht nicht in meinen Unterlagen


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#36

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 03.02.2016 00:05
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Danke für die Bilder. Hab das Farbbild vom Bunker aufgehübscht, weil ein wenig zu dunkel und noch ein aus der Gegenrichtung aufgenommenes sw-Foto beigefügt.




Der Tunnel war ja anscheinend nicht nur eine Betonröhre zum durchkriechen, sondern aufrecht begehbar. Ist der heute noch vorhanden? Wo befand er sich? Östlich der B 208 Richtung Culpiner See oder westlich von der B 208? War das der einzigste Tunnel in der Gegend, oder gabs evt. an der Straße Mustin-Groß Molzahn noch einen?

Gruß Kalubke



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#37

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 03.02.2016 08:07
von Hanum83 | 4.707 Beiträge

Also ich weiß nicht, Warnschuss in den Boden vor einem Zöllner mit einer Kalaschnikow, wenn man da kein ganz sicherer Schütze ist kann der Zöllner auch ganz fix daliegen und so was konnte nach WK 3 riechen, auf jeden Fall hätte die DDR ein riesen Problem am Hals gehabt.
Wer als Grenzsoldat so ein Risiko tatsächlich einging war ganz schön motiviert muss ich sagen, zumal der "eingeschärfte" Befehl war niemals Richtung BRD zu feuern.
Wenn es Gakels feindwärts, also auf dem vorgelagertem Hoheitsgebiet, waren könnte man es sich noch vorstellen, aber vom LO-Dach aus über den Zaun?


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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#38

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 03.02.2016 09:31
von Ratze | 393 Beiträge

Damals war ich noch im Lübeck, so dass ich also weder Augenzeuge noch Teilnehmner einer Befragung war, ich kann nur das wieder geben, was ich in den Akten gefudnen habe. Ich werde aber mal alle Akten zusammenstellen und Ereignisse, Zeit und Quelle zusammenstellen, dann kann sich jeder selbst ein Bild machen. Es wäre natürlichsehr interessant, was die damaligen Angehörigen der 7./- KP Gr. Thurow davon wissen oder preisgeben. Was zum Beispiel aus den Schützen geworden ist, bestraft, belobigt, wegkommandiert etc.


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#39

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 03.02.2016 09:35
von Ratze | 393 Beiträge

Danke #Kalubke für die Fotobearbeitung und das Foto Ost - West.
Ich meine im Bereich Lübeck gab es auch einen Tunnel, Bestätigung oder Verweis "nur ein Gerücht" kann sicher #Waldersee geben.
Bis wann dieser Tunnel benutzt wurde weis ich allerdings nicht. Ich gehe davon aus, dass eine Nutzung nicht mehr erfolgte, als das neue Tor unterhalb des BT 11 (FP) eingebaut wurde. Es gab da ja immer ein Tor, meine ich jedenfalls, durch dass die landwirtschaftlichen Fahrzeuge durchgefahren sind um auf dem "Vorgelagerten" Mäharbeiten durchzuführen.


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#40

RE: Grenzzwischenfall bei Mustin (1976)

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 03.02.2016 09:43
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #37
Also ich weiß nicht, Warnschuss in den Boden vor einem Zöllner mit einer Kalaschnikow, wenn man da kein ganz sicherer Schütze ist kann der Zöllner auch ganz fix daliegen und so was konnte nach WK 3 riechen, auf jeden Fall hätte die DDR ein riesen Problem am Hals gehabt.
Wer als Grenzsoldat so ein Risiko tatsächlich einging war ganz schön motiviert muss ich sagen, zumal der "eingeschärfte" Befehl war niemals Richtung BRD zu feuern.
Wenn es Gakels feindwärts, also auf dem vorgelagertem Hoheitsgebiet, waren könnte man es sich noch vorstellen, aber vom LO-Dach aus über den Zaun?


Deswegen wäre mit Sicherheit kein 3 WK ausgebrochen. Vom LO-Dach über den Zaun, den Zöllner mit der Kaschi vor die Füße schießen, dazwischen noch der K6 und wahrscheinlich noch der KfZ Graben. Na da muss er aber einen guten Schußwinkel gehabt haben.


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