#241

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 20.09.2012 19:38
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Als 'Nichtgedienter' möchte ich mal versuchen meine Eindrücke zum Thema aufzuschreiben.

Ob es Unterschiede im Grenzregime in den Siebzigern und Achtzigern gab, welche den Menschen in der DDR bekannt waren wie @94 mutmaßt kann ich nicht weder bestätigen oder noch zurückweisen.
Meiner Meinung nach erzählten diejenigen welche an der Grenze waren danach nicht unbedingt wie es im Detail dort zuging. Außerdem war derjenige der seine GWD bereits abgeleistet hatte meißt ein paar Jahre älter und warum sollte ein Mittzanziger einem "grünen" Jüngelchen von 18-19 erzählen was an der Grenze abging, wenn sie überhaupt miteinander gesprochen haben.

Wages darüber was an der Grenze los war habe ich erstmals Anfang der Siebziger Jahre erfahren.
Ich erwähnte es bereits in einem anderen Thread, in meiner Seminargruppe war ein Mädel mit einem Grenzer verheiratet. Berufsoffizier war er wohl.
Jedenfalls ging auch er Streife und wie das mit der Posteneinteilung für die Streife war brauch ich den hier anwesenden Grenzern nicht zu erläutern.
Er hatte einen Kumpel ? mit dem er ab und an auf Posten war und am bewußten Abend waren sie ebenfalls eingeteilt. Kurzfristig wurde eine andere Einteilung vorgenommen. Jedenfalls "entschloß" sich der Kumpel ausgerechnet in dieser Nacht das Land zu verlassen. Den StreifenKollegen hat er zuvor erschossen........
Frau und auch der Offizier waren danach der Auffassung das der Flüchtling bei seiner "Durchsetzung seines Rechtes auf Freiheit" auch seinen Kumpel erschossen hätte, denn er meinte das er ihn wiederum an der Flucht gehindert hätte, mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und so wie sie damals zum Grenzdienst vergattert worden sind.
Wie gesagt die Geschichte spielte sich im Harz 1972 ? ab.

Berichte über gescheiterte Fluchten waren durchaus in der damaligen Zeit in den Nachrichten(West) aber wer merkte sich solche Berichte und vor allem wurde damals, ebenfalls sechziger und siebziger Jahre, so gut wie nie über den Ausbau der Grenze berichtet. Auch nicht in diesen Zusammenhängen.
Ich wage sogar zu behaupten das damals nicht alle wußten das es diese 5 Km Sperrzone vor der Grenze gab.
In der Zeitung Ost stand sowas nicht und wer keine bekannt-/verwandtschaftlichen Beziehungen in das Grenzgebiet hatte....

Erst nachdem mir gleichaltrige, welche ihren GWD an der Grenze geleistet hatten, erzählten wie das Gelände vor der eigentlichen Grenze gesichert ist wurde klar das ein Grenzdurchbruch, egal wo, ein Himmelsfahrtkommando ist. Für beide Seiten. Der Flüchtende weiß nicht schafft er es lebend und der Grenzer weiß nicht wie soll er reagieren im Fall des Falles.
Da finde ich das @Rüganer diese Paniksituation gut beschrieben hat. In Sekundenbruchteilen Entscheidungen zu fällen welche letztendlich über Leben und Tod entschieden haben.
In einer entspannten Situation im hier und heute lässt sich das alles natürlich sehr moralisch und umfassend werten.

Das die Berliner Bewohner in jeder Hinsicht "Privilegiert" waren ist bekannt, wir hatten sogar eine eigen Mauer mit entsprechenden Sicherungsanlagen quer durch die Stadt.
Wer in Sicht- und Hörweite dieser Grenze wohnte, und das war bei mir ein paar Jahre der Fall, wäre nie auf die Idee gekommen es ausgerechnet in Berlin zu versuchen. Bis auf die "Ausnahmen" natürlich. Wer mit der S-Bahn jeden Tag die Strecke von/nach Pankow fuhr hatte mindestens 2x am Tag die Muse sich das Grenzgebiet Bornholmer Strasse zu betrachten und wenn er nicht ganz blöd war konnte er sich dort seine Chancen ausrechnen und vor allem Schlußfolgerung über die Sicherung der restlichen 160 Km Grenze um Berlin ziehen.
Schüsse, Hundegebell, Leuchtraketen etc. waren durchaus Bestandteile der Nacht, nicht jeder, und am nächsten Abend erfuhr man über die Abendnachrichten(West) ob es einen Durchbruch gegeben hat oder ob jemand "nur" einen nervösen Finger hatte....

Einzig ein Punkt in Berlin war wohl ganz gut zur Flucht geeignet.
Das war der Grenzabschnitt welcher am Autokino in Rudow lag. Einer der dort 3 Jahre auf dem Turm verbrachte meinte mal zu mir bei besonders spannenden Filmen, sie hatten vom Turm einen unverstellten Blick auf die Leinwand, hätten ganze Busladungen mit Leitern über die Mauer klettern können....... Sie habe Kino geguckt...... Ton soll nicht so gut gewesen sein.....

Diese Schichten waren immer sehr begehrt wenn ich seinen Erzählungen glauben kann......

Ohne Frage, die Mauer in Berlin war lästig, sie zwang einen Umwege zu fahren und sie war ständig Präsent. Nur nahm man sie als Bewohner der Stadt irgendwann nicht mehr wahr, sie war da, sie gehörte dazu, man konnte es eh nicht ändern, also regte sich der größte Teil der Menschen darüber nicht mehr auf.

Ein guter Freund wurde ab Ende der Siebziger ab und an wegen seiner beruflichen Qualifikation und seiner Arbeitsstelle zur Aufklärung von Todesfällen an der Grenze herangezogen.
Wenn er was erzählte, soweit er durfte, kam die Informationen aus heutiger Sicht natürlich sehr "einseitig".
Nur empfand man dies Art von Berichterstattung damals als weitgehend normal.

Und da spielt die hier schon erwähnte Erziehung, das gesellschaftliche Umfeld etc. eine gravierende Rolle.

Meine Wenigkeit war 11 Jahre als die Mauer gebaut wurde. Natürlich hörte man dieses Wort "Mauer" überall und als Kind wurde es eben auch gesagt.
Wer sagte schon im Gespräch 'antifaschistischer Schutzwall'? Also 'Einigten' sich meine Eltern mit mir das unverfängliche Wort Grenze zu benutzen! Nicht 'West'Grenze, das wäre nun auch wieder nicht politisch korrekt gewesen.
Wobei die Bezeichnung der Grenze in den Jahren, auch offiziell, nicht mehr so politisch starr und eng gesehen wurde.

Was den Dienst an der Grenze angeht. Ich kenne keinen der dort ganz freiwillig hingegangen ist. Sie wurden zum GWD gezogen und das war dann Grenze und nicht Eggesin oder Torgelow.
Hauptsache die 18 Monate unbeschadet überstehen war damals die Devise, nichts weiter.
Menschen, welche bereits Gewissenkonflikte bekamen wenn sie einer Fliege etwas zu Leide taten, reine Mordlust zu unterstellen die sie in der Form auslebten, das sie auf Flüchtende wie auf Hasen schossen wie Herr Loewe im Eifer politischer Polemik in Zeiten des kalten Krieges launig kundtat, ist doch sehr weit hergeholt.

Ich möchte Jedenfalls nicht in der Haut derjenigen damals gesteckt haben die in solche Situation kamen.
Und solchen, die der Meinung sind heutzutage das alles vollmundig verurteilen zu müssen, den wünsche ich allerdings das sie mal in solche Situation kommen wo es heißt er oder ich, wo er sich in Sekunden "richtig" zu entscheiden hat. Die Entscheidung dieser Menschen, ja die tät mich sehr interessieren.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

seaman, 94, Pitti53, Damals87 und brausepaul haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#242

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 20:15
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #173
Grenzwolf62,

und nun spinn den Faden weiter, schon damals sagten seine politischen und militärischen Führer, nun ja, wenn er nicht schießt, dann passiert ihm auch nichts, wachsam war er ja, er hat den Flüchtenden gesehen, aber der war zu schnell. Jedoch sagen wir ihm dies nicht, denn sonst schießt ja keiner mehr, wir halten diese Meinung ja mal schnell ganz geheim.
Und hat er nun geschossen und seine Belobigungen und die Medaillen erhalten, ist vielleicht mit der seelischen Belastung, einen Menschen getötet zu haben, klar gekommen, dann holt ihn die Wende ein und er wird nach so vielen Jahren vor das Gericht eines anderen Staates gestellt, welches nun die bei Grenzwolf so gut beschriebene Situation bewerten soll. Und irgendwer, fühlt sich zynisch bemüßigt, diesen Mann alleine zu lassen und ihm zu sagen, Du hattest doch nur die Erlaubnis zum Waffeneinsatz, dass du daraus eine Pflicht konstruiert hast, dies allein ist Deine Schuld.
Und so wird wohl auch für diejenigen , die hier als Nichtgrenzer lesen, verständlich, weswegen ich sage, man hat uns missbraucht, verarscht und nun kommt noch die Portion Zynismus dazu.
Gut das dies vorbei ist.


wer maaßt sich da an , über menschliche verhaltensweisen aus einen anderem land mit einer völlig anderen gesetzesgrundlage zu richten !
ist das nicht der staat der gegenwart , der immer auf 'ehemalige' draufhaut wann's ihm in dem kram passt ! ist man in diesem land angekommen und willkommen , oder ist man nur eine schlagzeile in der presseflaute ? wie fühlt man sich als verlierer mit dem stempel : ich habe der ddr gedient und das auch noch unwissend !!! ein schönes LAND !!! perfekte intigration ALLER menschen aus der ehemaligen ddr !!!



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#243

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 20:38
von eisenringtheo | 9.160 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #241
(...)
Berichte über gescheiterte Fluchten waren durchaus in der damaligen Zeit in den Nachrichten(West) aber wer merkte sich solche Berichte und vor allem wurde damals, ebenfalls sechziger und siebziger Jahre, so gut wie nie über den Ausbau der Grenze berichtet. Auch nicht in diesen Zusammenhängen.
Ich wage sogar zu behaupten das damals nicht alle wußten das es diese 5 Km Sperrzone vor der Grenze gab.


Das 5km Sperrgebiet war wohl vielen eine "Wundertüte". Im Westfernsehen kamen Berichte, wo man sah wie der GZ1 und der GSSZ aussah. Was freundwärts war, darüber konnte man sich nicht gut informieren. Wer zur Grenze reiste und nicht wusste, dass eine Sperrzone gab, dessen Fluchtversuch war hoffnungslos. Und wer wusste, dass es eine Sperrzone gab, der fiel als Auswärtiger ziemlich sicher auf.

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #241
(...)
Das die Berliner Bewohner in jeder Hinsicht "Privilegiert" waren ist bekannt, wir hatten sogar eine eigen Mauer mit entsprechenden Sicherungsanlagen quer durch die Stadt.
Wer in Sicht- und Hörweite dieser Grenze wohnte, und das war bei mir ein paar Jahre der Fall, wäre nie auf die Idee gekommen es ausgerechnet in Berlin zu versuchen. Bis auf die "Ausnahmen" natürlich. W
Gruß
Nostalgiker




Wenn hingegen Bilder von Berlin im Westfernsehen kamen, sah man rüber bis zu den Häusern in Ostberlin und konnte auch problemlos dorthin reisen, ohne gross auzufallen. Wohl deshalb haben viele Westberlin als Fluchtziel gewählt. Und Minen gab es dort auch nicht, wenngleich das immer wieder behauptet wurde

Theo


josy95 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.09.2012 20:42 | nach oben springen

#244

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 21:30
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Theo,

bezüglich Grenzdurchbruch in Berlin.

Ich habe arbeitsmäßig eine Zeitlang direkt in einem Gebäude an der Zimmerstrasse, zwischen Friedrichstrasse und Wilhelmstrasse, gearbeitet. Zugang war über die Mauerstrasse.
Die Zimmerstrasse war komplett Grenze, nur der Fußweg im Westen (Kreuzberg) war begehbar.
Wir konnten von unseren Arbeitsplätzen direkt über die Strasse in die Wohnungen sehen und wenn wir gewollt hätten, die Fenster waren nicht zugeschweißt, dann hätten wir uns auch mit den Bewohnern dort unterhalten können.....
Allerdings standen auf der Strasse fast im 20 Meter Abstand (Übertrieben) Wachtürme, die Fenster bei uns waren meiner Meinung nach vergittert und das Gebäude mußte spätestens 30 Minuten nach Dienstschluß verlassen sein.
Also auch da, bei einer Strassenbreite von vielleicht 25 Metern war es so gut wie unmöglich auf die "andere" Strassenseite zu kommen.
Mit einsetzen der Dämmerung war der Abschnitt ausgeleuchtet wie ein OP Tisch.

Wie schon gesagt, wer es im Stadtgebiet Berlin versuchte mußte schon echt krass drauf gewesen sein und/oder nicht besonders helle in der Birne.
Meist war es wohl eine Kombination von beiden.

Es ist bekannt das es in Westberlin möglich war bis an die Mauer ranzugehen. Wie hätte sonst auch die Graffiti dran kommen können?

Die Kreuzung Oderberger/Schwedter Str. mit der Eberswalder/Bernauer Str. war von Ostseite ohne Behinderung bis zum Abbiegen aus der Oderberger in die Eberswalder begehbar.
Auf der Westseite stand eine Aussichtplattform von der die freien Menschen auf die Spezies DDR Bürger starren konnten und diese wiederum fühlten sich angegafft wie Tiere im Zoo....
Dieser Ort war für mich ein beliebter Punkt um die Westverwandtschaft hinzuschleppen damit sie auch mal das erniedrigende Gefühl hautnah spüren konnten wie Exoten angestarrt zu werden.

Unfassbar war der Besuch solcher Stellen auch für Besucher vom großen Bruder. Keine Offiziellen Reisegruppen, manchmal gelang es auch den Bürgern privat auf Einladung in die DDR zu reisen.
Bis sie der Mauer ansichtig wurden hielten sie sie für einen der üblichen Propagandatricks des Klassenfeindes.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#245

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 21:51
von eisenringtheo | 9.160 Beiträge

ja eine Flucht in Berlin war Wahnsinn. Wobei... für die Aufklärung konnte man sich Zeit lassen und suchen. Und immer wieder fanden welche eine Lücke... mit kalkulierbarem Risiko
z.B. direkt neben der Güst Zimmerstrasse übers Dach..
Güst Friedrichstraße/ Zimmerstraße

nachher hat man reagiert...riesiges Gitter

oder im Untergrund
http://www.berliner-zeitung.de/archiv/vo...0,10225740.html
Aufklärung und Vorbereitung ist alles. War sie ungenügend, war es hoffnungslos und es wurde gefährlich, nicht zuletzt für die Grenzsoldaten..Bsp:
http://www.berliner-zeitung.de/archiv/ei...0,10244016.html
Theo


zuletzt bearbeitet 21.09.2012 21:52 | nach oben springen

#246

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 22:07
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #241
Als 'Nichtgedienter' möchte ich mal versuchen meine Eindrücke zum Thema aufzuschreiben.

Ob es Unterschiede im Grenzregime in den Siebzigern und Achtzigern gab, welche den Menschen in der DDR bekannt waren wie @94 mutmaßt kann ich nicht weder bestätigen oder noch zurückweisen.
Meiner Meinung nach erzählten diejenigen welche an der Grenze waren danach nicht unbedingt wie es im Detail dort zuging. Außerdem war derjenige der seine GWD bereits abgeleistet hatte meißt ein paar Jahre älter und warum sollte ein Mittzanziger einem "grünen" Jüngelchen von 18-19 erzählen was an der Grenze abging, wenn sie überhaupt miteinander gesprochen haben.

Wages darüber was an der Grenze los war habe ich erstmals Anfang der Siebziger Jahre erfahren.
Ich erwähnte es bereits in einem anderen Thread, in meiner Seminargruppe war ein Mädel mit einem Grenzer verheiratet. Berufsoffizier war er wohl.
Jedenfalls ging auch er Streife und wie das mit der Posteneinteilung für die Streife war brauch ich den hier anwesenden Grenzern nicht zu erläutern.
Er hatte einen Kumpel ? mit dem er ab und an auf Posten war und am bewußten Abend waren sie ebenfalls eingeteilt. Kurzfristig wurde eine andere Einteilung vorgenommen. Jedenfalls "entschloß" sich der Kumpel ausgerechnet in dieser Nacht das Land zu verlassen. Den StreifenKollegen hat er zuvor erschossen........
Frau und auch der Offizier waren danach der Auffassung das der Flüchtling bei seiner "Durchsetzung seines Rechtes auf Freiheit" auch seinen Kumpel erschossen hätte, denn er meinte das er ihn wiederum an der Flucht gehindert hätte, mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und so wie sie damals zum Grenzdienst vergattert worden sind.
Wie gesagt die Geschichte spielte sich im Harz 1972 ? ab.

Berichte über gescheiterte Fluchten waren durchaus in der damaligen Zeit in den Nachrichten(West) aber wer merkte sich solche Berichte und vor allem wurde damals, ebenfalls sechziger und siebziger Jahre, so gut wie nie über den Ausbau der Grenze berichtet. Auch nicht in diesen Zusammenhängen.
Ich wage sogar zu behaupten das damals nicht alle wußten das es diese 5 Km Sperrzone vor der Grenze gab.
In der Zeitung Ost stand sowas nicht und wer keine bekannt-/verwandtschaftlichen Beziehungen in das Grenzgebiet hatte....

Erst nachdem mir gleichaltrige, welche ihren GWD an der Grenze geleistet hatten, erzählten wie das Gelände vor der eigentlichen Grenze gesichert ist wurde klar das ein Grenzdurchbruch, egal wo, ein Himmelsfahrtkommando ist. Für beide Seiten. Der Flüchtende weiß nicht schafft er es lebend und der Grenzer weiß nicht wie soll er reagieren im Fall des Falles.
Da finde ich das @Rüganer diese Paniksituation gut beschrieben hat. In Sekundenbruchteilen Entscheidungen zu fällen welche letztendlich über Leben und Tod entschieden haben.
In einer entspannten Situation im hier und heute lässt sich das alles natürlich sehr moralisch und umfassend werten.

Das die Berliner Bewohner in jeder Hinsicht "Privilegiert" waren ist bekannt, wir hatten sogar eine eigen Mauer mit entsprechenden Sicherungsanlagen quer durch die Stadt.
Wer in Sicht- und Hörweite dieser Grenze wohnte, und das war bei mir ein paar Jahre der Fall, wäre nie auf die Idee gekommen es ausgerechnet in Berlin zu versuchen. Bis auf die "Ausnahmen" natürlich. Wer mit der S-Bahn jeden Tag die Strecke von/nach Pankow fuhr hatte mindestens 2x am Tag die Muse sich das Grenzgebiet Bornholmer Strasse zu betrachten und wenn er nicht ganz blöd war konnte er sich dort seine Chancen ausrechnen und vor allem Schlußfolgerung über die Sicherung der restlichen 160 Km Grenze um Berlin ziehen.
Schüsse, Hundegebell, Leuchtraketen etc. waren durchaus Bestandteile der Nacht, nicht jeder, und am nächsten Abend erfuhr man über die Abendnachrichten(West) ob es einen Durchbruch gegeben hat oder ob jemand "nur" einen nervösen Finger hatte....

Einzig ein Punkt in Berlin war wohl ganz gut zur Flucht geeignet.
Das war der Grenzabschnitt welcher am Autokino in Rudow lag. Einer der dort 3 Jahre auf dem Turm verbrachte meinte mal zu mir bei besonders spannenden Filmen, sie hatten vom Turm einen unverstellten Blick auf die Leinwand, hätten ganze Busladungen mit Leitern über die Mauer klettern können....... Sie habe Kino geguckt...... Ton soll nicht so gut gewesen sein.....

Diese Schichten waren immer sehr begehrt wenn ich seinen Erzählungen glauben kann......

Ohne Frage, die Mauer in Berlin war lästig, sie zwang einen Umwege zu fahren und sie war ständig Präsent. Nur nahm man sie als Bewohner der Stadt irgendwann nicht mehr wahr, sie war da, sie gehörte dazu, man konnte es eh nicht ändern, also regte sich der größte Teil der Menschen darüber nicht mehr auf.

Ein guter Freund wurde ab Ende der Siebziger ab und an wegen seiner beruflichen Qualifikation und seiner Arbeitsstelle zur Aufklärung von Todesfällen an der Grenze herangezogen.
Wenn er was erzählte, soweit er durfte, kam die Informationen aus heutiger Sicht natürlich sehr "einseitig".
Nur empfand man dies Art von Berichterstattung damals als weitgehend normal.

Und da spielt die hier schon erwähnte Erziehung, das gesellschaftliche Umfeld etc. eine gravierende Rolle.

Meine Wenigkeit war 11 Jahre als die Mauer gebaut wurde. Natürlich hörte man dieses Wort "Mauer" überall und als Kind wurde es eben auch gesagt.
Wer sagte schon im Gespräch 'antifaschistischer Schutzwall'? Also 'Einigten' sich meine Eltern mit mir das unverfängliche Wort Grenze zu benutzen! Nicht 'West'Grenze, das wäre nun auch wieder nicht politisch korrekt gewesen.
Wobei die Bezeichnung der Grenze in den Jahren, auch offiziell, nicht mehr so politisch starr und eng gesehen wurde.

Was den Dienst an der Grenze angeht. Ich kenne keinen der dort ganz freiwillig hingegangen ist. Sie wurden zum GWD gezogen und das war dann Grenze und nicht Eggesin oder Torgelow.
Hauptsache die 18 Monate unbeschadet überstehen war damals die Devise, nichts weiter.
Menschen, welche bereits Gewissenkonflikte bekamen wenn sie einer Fliege etwas zu Leide taten, reine Mordlust zu unterstellen die sie in der Form auslebten, das sie auf Flüchtende wie auf Hasen schossen wie Herr Loewe im Eifer politischer Polemik in Zeiten des kalten Krieges launig kundtat, ist doch sehr weit hergeholt.

Ich möchte Jedenfalls nicht in der Haut derjenigen damals gesteckt haben die in solche Situation kamen.
Und solchen, die der Meinung sind heutzutage das alles vollmundig verurteilen zu müssen, den wünsche ich allerdings das sie mal in solche Situation kommen wo es heißt er oder ich, wo er sich in Sekunden "richtig" zu entscheiden hat. Die Entscheidung dieser Menschen, ja die tät mich sehr interessieren.

Gruß
Nostalgiker





@Nostalgiker, ich gebe Dir in einigen Dingen uneingeschränkt Recht, aber einige Deiner Interpretationen lassen für mich den Funktionsklick des Bedankens leider nicht zu. Insbesondere der letzte Absatz, den ich in der Art, eines, Deines Fazites verstehe.

Ich gebe Dir Recht:
- Es kann niemals legitimiert sein, sein eigenes Recht auf Freiheit mit der Ermordung eines Anderen und schon gar nicht eines Kameraden durchzusetzen. Das ist Heimtücke, das ist eiskalter, feiger und berechnender Mord! Wirklich einzige Ausnahme wäre Notwehr!

- Es wußten wirklich viele nicht, das es das 5- km- Sperrgebiet gab und dfas dieses in dem Maße gut überwacht war, das jeder "Fremde" dort zwangslüfig und zu 99 % auffilel. Das stärkte ohne Zweifel einen gewissen abenteuerlichen und gefährlichen, vor allem aber naiven Leichtsinn besonders unter eher jüngeren Fluchtwilligen. Viele schienen wirklich irgendetwas mit Berlin zu verwechseln, wo man auch von DDR- seite recht nah an die Grenzsicherungsanlagen heran kam. Ähnlichen Fall gab es hier im Harz bei Sorge, wo der Fahrgast der Harzquerbahn auch ohne Passierschein direkt am 1. Signalzaun und K6 vorbeifahren konnte.
- Grenzsituationen, wo man sich in wenigen Sekunden entscheiden muß, zumal wenn es vermeintlich noch um Leben und Tod geht, darum ist wohl niemand zu beneiden!
- Auch ich möchte niemals in der Haut derer gesteckt haben...!


Und hier gebe ich Dir kein Recht:
- Ich kenne einige, die freiwillig zur Grenze gegangen sind, ich kenne aber niemanden davon, der mit der Absicht zu den GT gegangen ist, um dort mit der Schusswaffe auf Menschen Jagd zu machen...! Gwd- ler waren in vielen Fällen nicht um ihre Meinung ersucht, sie wurden an die Grenze gezogen. Es ist schon sehr viel hier herausgearbeitet wurden, jeder dachte im Grunde und in seinem bestimmt oft jugendlich- naiven Denkschema nur "...wird schon gut gehen...!" Bei einem hohen Prozentsatz ist es ja auch gut gegangen, sprich keine direkte Konfrontatoíon mit einem Grenzverletzer, keine Situation eventuell die Schusswaffe gebrauchen zu müssen...!
- Und Eggesin und Torgelow waren schon Unterschiede, gewaltige Unterschiede zum Dienst bei den GT. Das war DDR- weit bekannt, das wußte jeder Jugendliche schon vor der Musterung. 18 Monate harten Sackstand bei den Muckern..., nee. Da war den meißten der Dienst bei den GT wesentlich willkommener und genehmer.

Eben wieder in der etwas jugendlich- naiven Gedankenkombination..."es wird

mir

schon nichts passieren...!"


Eggesin, Torgelow, Dröger Heide..., Brandenburg..., Schwerin..., das war regelrecht verpöhnt, das war gefürchtet, dort hinzukommen!
- Es gab sie, auch bei den DDR- GT, diese Leute, nein, die Bezeichnung Menschen wäre hier total verkehrt! Wie sie es in allen Gesellschaften und zu jeder Zeit gegeben hat. Wenn auch in wenigen eklatanten Einzelfällen, Indiviedien, die billigend in Kauf nahmen, einen Menschen wie einen Haasen abzuknallen. Aus was für niederen Motiven oder Beweggründen (Geltungssucht, psychisch- krankhafte Verrohung oder Gewissenlosigkeit, Kaltblütigkeit, Kadavergehorsam) auch immer. Sie haben in A- typischer Weise damit den Ruf der gesammten DDR- GT für lange Zeit, wenn nicht sogar auf ewig ruiniert! Dem, sagen wir ruhig mal Gegener, ideale Argumente für seine Ideologie, seine Propaganda oder eben die wie Du schreibst, Polemik eines Herrn Loewe (oder auch Löwenthal) geliefert!


Und nicht gerade wenige User, gerade die Dienstgrade oberhalb der einfachen Mannschaftsdienstgrade hatten, haben es hier zum Ausdruck gebracht..., das es klar war, einen Grenzdurchbruch zu verhindern, aber eben das letzte Mittel, nämlich die Anwendung der Schußwaffe mit geziehlten Schüssen (logischer Weise meißt von hinten) für sie kurz vor Vollendung des Grenzdurchbruches nicht mehr in Frage kamen. Sie sich dann anschließend der peinlichen Fragen der 2000er stellen mußten. Und ein Teil dieser User kenne ich persönlich. Ihre Aussagen sind für mich glaubhaft.

Und wenn es wirklich ein antifaschistischer Schutzwall war, dann hat er verkehrt herum gestanden. Dann hätte der Signalzaun feindwärts stehen müssen, der K6, Kolonnenweg und weitere Streckmetallzaun, Hundelaufanlagen sich freundwärts befinden müssen...!
DDR- Bürger hätten ohne weiteres bis an den Zaun gedurft, um eben diesen, ihren und von ihnen gewollten antiimperialistischen Schutzwall zu besichtigen, zu bestaunen, zu bewundern!

Und was auch jeder, insbesondere Angehöhrige der GT wußten, die SED- Ideologie jedoch bewußt anders darstellte:
Bei den sehr strengen (und im Vergleich zu heute) sehr guten Gesetzen zum privaten Besitz von Schusswaffen in der DDR waren Schusswaffen in privater Hand so gut wie ausgeschlossen. Und damit Grenzverletzer zu wenigstens 98 % nicht mit Schusswaffen beim versuchten Grenzdurchbruch zu erwarten, vielleicht war der eine oder andere mit einem Küchen- oder Taschenmesser "bewaffnet", wenn man das als ädequate Waffe gegenüber einer halbautomatischen Kalaschnikow sehen will!
Und damit die Gefahr, in eine Notwehrsituation unter dem Motto du oder der zu geraten, relativ gering war...wenn nicht sogar fast auszuschließen war.

Ist das die verurteilende Vollmundigkeit, die Du meinst, die Du hinterfragst, die Dich interessiert?

Dann hast Du jetzt eine Antwort darauf.

In diesem Sinne, ein schönes Wochenende!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
OlsenWeilrode hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.09.2012 22:21 | nach oben springen

#247

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 22:46
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@josy,

nun habe ich geschrieben, zumindest es so gemeint, das ich persönlich keinen kenne der freiwillig zur Grenze gegangen ist. Zumindest zu DDR Zeiten.
Das bedeutet natürlich nicht das es junge Menschen gegeben hat welche mit den unterschiedlichsten Ambitionen freiwillig an die Grenze gegangen sind.
Es ist vorstellbar das da auch Leute dabei waren denen das "unkontrollierte", "staatlich sanktionierte" Herumgeballere mit scharfe Munition einen gewissen Kick gegeben hat.
Auch heutzutage ziehen junge Männer in den Krieg und nicht alle lassen sich bei ihrer Entscheidung von edlen Motiven leiten.

Die Frage ob denn der 'antifaschistische Schutzwall' nicht falsch herum steht habe ich mir spätesten ab dem Zeitpunkt gestellt nachdem mir detaillierter berichtet wurde wie das 'Hinterland' gestaltet ist......
Zum Glück habe ich sich daraus ergebene Fragen nicht den falschen Leuten gestellt......

Was die Frage der Bewaffnung der Grenzverletzer betrifft, auch ein Kugelschreiber kann, richtig angewendet, zur tödlichen Waffe werden.......
Beschäftige Dich mal mit dem Thema und Du wirst erstaunt sein was sich so alles zur tödlichen Waffe eignet und auch eingesetzt wurde.
Ich meine jetzt nicht speziell an der Grenze, sondern allgemeiner.

Mit der "Vollmundigkeit" meinte ich mehr jene Vertreter der Spezie Gutmensch die heutzutage meinen das man damals das "Problem" doch mit gut zureden hätte lösen können.
Nur standen sie a) nie unter dem psychologischem Druck der konkreten Situation welche sie pauschal verurteilen und b) schwebte auch nie das Damoklesschwert "Schwedt"; ob nun wahr oder nur Gerücht sei dahingestellt, über ihnen.
Ohne diese Stressfaktoren selbst zu kennen lässt es sich natürlich vortrefflich darüber befinden das der junge Rekrut doch viel besonnener und überlegter hätte handeln müssen. Alles andere währen nur Ausflüchte um die eigene Schuld klein zureden etc. ppt.

Danke für die ausführliche Antwort.

@Theo,
Interessantes Bild von oben was die Zimmerstrasse betrifft.
Wann war die Flucht über die Dächer welche mit der roten Linie eingezeichnet ist?

Übrigens rote Linie weiter geradeaus, dann links weiter auf dem Dach bis kurz vor die nächste Ecke, dann hast Du das Gebäude wo ich gearbeitet habe......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

josy95 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#248

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 23:17
von Lefti | 6 Beiträge

Ja stimmt ist ja auch schon ne Ewigkeit her sagen wir mal so wir waren für folgende Sachen zuständig: Das WR-2 diente der Sicherung von Anlagen und Gebäuden des MfNV in Strausberg-Nord. Also das Wachregiment des Ministeriums für Nationale Verteidigung.Sorry war schon spät wo ich das geschrieben hab.

Zitat von SCORN im Beitrag #121
Zitat von Lefti im Beitrag #120


Ich war zwar nicht an der Grenze sondern beim Wachregiment ( des Ministeriums) für Nationale Verteidigung aber ich denke dazu kann ich auch was schreiben. (besser ?)
Wir bewachten die damals wichtigsten Objekte der NVA


Gruß Frank



du meinst bestimmt das WR-2 "Hugo Eberlein" in Strausberg? Wachregiment für Nationale Verteidigung habe ich noch nie gehört!



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#249

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 23.09.2012 01:31
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #169
Zitat von Pit 59 im Beitrag #131
... Eine Frage noch Rainman,wie hättest Du denn nach der Schule weitergemacht? Immer nur noch Funktioniert und ins selbe Horn geblasen ? Kam Dir wo Du sagtest "Ein halbes Jahr vorher,habe ich denselben Scheiss erzählt" mal der Gedanke den ganzen Mist in die Tonne zu knallen ?

Hallo Pit,

nun ist es zwischen meiner Mittagspause und dem Feierabend doch noch etwas rund gegangen hier, so dass meine Antwort zunächst etwas deplaziert wirken könnte. Aber ich hatte es versprochen:
Ich weiß nicht, ob ich noch oder wie lange ich funktioniert hätte. Die Auseinandersetzungen des Jahres 1989 haben auch uns geprägt. Unsere Studiengruppe hatte gute Kontakte zur Liedermacherbewegung. Was man da diskutierte, was in der Kunst überhaupt passierte, das bestimmte auch unsere Diskussionen. Diese Ebene der Reflektion war im Truppendienst nie und nimmer zu erreichen. Und trotzdem unterlag ich einem Grundfehler, der erst nach dem November 89 für mich offenbar wurde. Wir sahen und diskutierten die Schwächen in der Gesellschaft. Und obwohl das eigentlich ein sehr genaues Bild über den Zustand des Landes, der Partei und des Staates hätte geben können, wollte ich mir (und da war ich nicht allein) nicht eingestehen, dass es hier ein grundsätzliches Problem gibt. Die Probleme waren aus meiner Sicht immer von konkreten Menschen verursacht, waren der Klassenkampfsituation zuzuschreiben und und und. Ich war nicht in der Lage, das System als Ganzes in Frage zu stellen. Tja, und unter dieser Voraussetzung hätte ich solange funktionieren können, solange das System existierte.

Es ist schwer, im Nachhinein solche festen Positionen nachzuvollziehen. Ich komme aus einer proletarischen Familie, deren drei Töchter in der DDR Fachschulen besuchen konnten und deren vier Enkel, einer davon ich, an Hochschulen studierten. Ich komme aus einer Familie in der man mit Wenig zufrieden war. Der Mangel, der heute so oft beschworen wird, war bisweilen ärgerlich, aber für meine Großmutter, die durch zwei Weltkriege gegangen war und die Familie immer ernährt hatte, kein unlösbares Problem. Für sie war die DDR die längste erlebte Friedenszeit. Sie hätte gern mehr als die Mindestrente gehabt, aber sie kam auch mit der aus. Diese Menschen, wie sie und meine Mutter, waren zufrieden und glücklich mit dem, was sie erhalten hatten. Sie haben meine Erziehung mehr geprägt, als irgendwelche Agitation und Propaganda. In einer solchen Atmosphäre habe ich viel gelernt, aber leider eins nicht: Kritische Hinterfragen. Und genau das hätte ich gebraucht, aber genau das wurde eigentlich nicht verlangt.

Ich glaube nicht, dass ich jemanden missbrauchen oder verarschen wollte, mit dem was ich tat und sagte. Heute höre und lese ich, dass ich genau das getan habe. Und genau genommen war mir das bereits nach der Wende so klar. Das muss ich also so zur Kenntnis nehmen und es liegt mit bei den Dingen, mit denen ich mich mal in Ruhe auseinandersetzen muss.

ciao Rainman


da hast du wohl recht , und mit der mindestrente , mehr wie diese wirst du wohl auch nicht beanspruchen können !!! eben kapitalismus!!! wie hoch auch immer sie ausfällt , es wird nicht reichen !!!



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#250

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 05.03.2013 17:53
von berlin3321 | 2.514 Beiträge

Zitat von Damals87 im Beitrag #184
Hallo,

ich habe jetzt hier so viel von Mißbrauch und Geheimpapier gelesen, daß ich mich frage, wie lief denn der theoretische Unterricht für Grenzsoldaten ab.
Wurden die Rechtsgrundlagen des Grenzdienstes vermittelt wie das Grenzgesetz und die den Schußwaffengebrauch regelnden Rechtsvorschriften? Die waren ja eindeutig.

Ziehe ich jetzt die Parallele zur Wachausbildung bei der BW, so muß ich feststellen, daß diese in mancher Hinsicht widersprüchlich war. Einerseits bekamen wir das UZwGBw nahegebracht, das den Schußwaffengebrauch für die BW regelt, andererseits ging der Tenor durchaus dahin, daß es prinzipiell richtig sei, auch bei unklarer Lage zu schießen und lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.
Nie werde ich die sinngemäße Aussage vergessen, die BW habe gute Anwälte, die einen Wachsoldaten im Falle eines nicht einwandfreien Schußwaffengebrauchs schon schützen würden.

Natürlich war die Wachausbildung sehr von der Person des Ausbilders abhängig.

Grüße aus Hessen



Rot:

Ich meine aus der Erinnerung, nir davon gehört zu haben. Ich kann mich an keine Wachausbildung erinnern, war aber mindestens 2 x zur Kasernenwache eingeteilt.

Mfg Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#251

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 06.03.2013 13:20
von Damals87 | 503 Beiträge

Hallo Berlin,

keine Wachausbildung?
Trotzdem 2 x Wache Kaserne (NVA-deutsch: Objektwache)?
Keine Ahnung von der Rechtswirkung der Vergatterung, den Schußwaffengebrauchsbestimmungen? Unterstellungs- und Vorgesetztenverhältnis, Befugnissen und Pflichten?
Hier tut sich ja ein Abgrund auf, ich dachte immer, unsere Ausbildung sei schlecht gewesen!

Grüße aus Hessen


„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Sören Kierkegaard


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#252

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 06.03.2013 22:02
von SET800 | 3.094 Beiträge

Hallo,
zur Anfangsaussage: Die Formulierung "von der Schußwaffe gebrauch machen", auch gegenüber Frauen und Kindern ist ja noch keine förmliche Aufhebung der Schußwaffengebrauchsbestimmung mit Anruf und Warnschuß!



Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#253

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 07.07.2013 21:57
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Galaxy im Beitrag #4
Ich kenne das so das auf Frauen und Kinder die Schußwaffe nicht eingesetzt werden durfte!


Aus der Versenkung geholt und noch mal zum nachlesen:


Quelle: http://www.welt.de/politik/article110564...-Verraeter.html


Kimble hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#254

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 07.07.2013 22:37
von passport | 2.627 Beiträge

Einfach mal wieder im Thread nachschauen. War alles schon mal da!

Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern (5)


passport


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#255

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 07.05.2016 00:21
von SET800 | 3.094 Beiträge

Zitat von Angelo im Beitrag #1

Der Auftrag, ohne zu zögern auch auf Frauen und Kinder zu schießen, könne als Anstiftung zum Mord oder Totschlag gewertet werden, möglicherweise sogar als unmittelbare Tatbeteiligung.



Hallo,
vom Anfang der Beiträge her. Welcher Staat auch immer Waffeneinsatz als Konsequenz des "unmittlebaren Zwangs" als legitimes und notwendiges Mittel ansieht muß auch bereit sein im Extramfalle auf Frauen und Kinder schiessen zu lassen.

Sonst gibt es nur die Kapitiulation, was wäre wenn eine Grenzüberquerungsgruppe eng gedrängt mit Frauen und Kindern sich vermischt?

( letztes Mittel wenn Nacheile und Festnahme nicht möglich wären )

Hat jemand als Offizier der Bundeswehr deren Kampftaktikhinweise dementsprechend lesen können?

Was war in Afghanistan wenn BW aus Häusern beschossen in denen AUCH und erkennbar Kinder waren? Feuer einstellen?

Nur halber Vergleich da DDR-Grenzüberquerer nicht die DDR-Grenzer unbedingt angriffen, da ist bekannt



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#256

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 07.05.2016 11:30
von Rainer-Maria Rohloff | 1.342 Beiträge

Um das einmal von SET fortzusetzen. Ein guter Freund (damals beruflich bei der BW) meiner großen Tochter erzählte einmal bei einer Feier, das sie bei einem der Balkaneinsätze aus Gruppen heraus angegangen wurden, die ihre Kinder wie zum Schutz mit sich führen...sinngemäß vor sich gehalten haben? Kind in der Rechten, Waffe in der Linken?

Dann ist wohl guter Rat teuer. Und gab es solche "etwas feigen Taktiken" eigentlich schon in früheren Zeiten, im Mittelalter? Wer kennt sich da aus? Gabs da nicht in Idomeni ähnliche Herangehensweisen, so "Kinder über den Zaun schmeißen, als Drohung sozusagen?"

Rainer-Maria



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#257

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 07.05.2016 13:19
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #81
[...]
Anscheinend aus einem in einer IM-Akte enthaltenen Auftrag wird zitiert: „Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen, was sich die Verräter schon oft zunutze gemacht haben“.

Dieser Auftrag wurde vermutlich an einen IM erteilt, der die Fahnenflucht von Angehörigen der Grenztruppen verhindern sollte.

Es handelt sich also um einen Auftrag eines Führungsoffiziers und nicht um einen Befehl oder eine Dienstanweisung.
[...]

Quelle : www.mfs-insider.de


Der Autor der sieben Zettel (Dokument kann man es schlecht nennen,
da kein Autor angegeben) hatte erhebliche Schwierigkeiten mit der
Verwendung von Dativ und Genitiv. Auch dies widerspricht einem
Befehl bzw. Auftrag von "ganz oben".

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
Fritze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#258

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 07.05.2016 18:44
von freddchen | 58 Beiträge

Zurückkommend auf das Ausgangsposting:

Da es die DDR doch ein paar Jährchen gab, kann man das sicher nur im zeitlichen Zusammenhang beantworten bzw. betrachten.

Als jemand, der gegen Ende der DDR-Zeit gedient hat, kann ich aus meiner Erinnerung und auf diese Zeit bezogen nur sagen , dass die Angaben in SPIEGEL falsch sind und in unserer Ausbildung drei Möglichkeiten genannt wurden, in denen der Gebrauch der Schusswaffe nicht zulässig war:

1. bei (offensichtlich) Schwangeren, 2. bei Kindern und Jugendlichen, 3. Schussrichtung feindwärts.

Über Sinn und Unsinn kann man da streiten, weil es bei den oft in der Dunkelheit versuchten Grenzübertritten bestenfalls Glückssache sein musste, zu erkennen, ob eine Frau nun schwanger ist oder der Jugendliche nun einer war oder evtl. ein junger Erwachsener. Allein Punkt 3 war eindeutig nachvollziehbar und so umzusetzen. Der Begriff "Frau" tauchte zu meiner Zeit nicht auf.


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#259

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 08.05.2016 14:11
von Hanum83 | 4.674 Beiträge

Auf Luftfahrzeuge durfte auch nicht geschossen werden, war die einzige Abstufung die mir erinnerlich ist weil nach Westen schwebende Leichen peinlich waren, ansonsten "Grenzverletzer sind aufzuspüren, festzunehmen und notfalls zu vernichten", einen Zettel wer davon ausgenommen ist hab ich persönlich nie gesehen.
Wie auch, eine Gruppe Vater Mutter Kind quasi rennen lassen oder doch nur den Vater rausschießen


Ein Jahr lang 10 Kilometer der innerdeutschen Grenze 1983/84 mitbewacht.
(Zusatz-Info auf Wunsch eines einzelnen Users: War dabei auch Postenführer.)
Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.05.2016 14:29 | nach oben springen

#260

RE: Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern

in Grenztruppen der DDR 08.05.2016 15:11
von Georg | 1.003 Beiträge

Sieben Zettel - kein Dokument, weil kein Autor, nunja......Spickzettel, triffts das ? Ist denn daraufhin auf Frauen und Kinder geschossen worden - absichtlich und vorsätzlich ?

Bomber Klein in Kundus brauchte nich mal solch einen Spickzettel. Er tat es !


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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