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Meine Zeit im GAR 40 Oranienburg Teil 3

in Grenztruppen der DDR 11.03.2015 15:35
von Pitti | 39 Beiträge

Bevor ich zu dem Teil meiner Erinnerung komme, der sich mit der eigentlichen Aufgabe der Grenztruppen befasst, ein paar Bemerkungen vornweg.

Als ich diese Plattform zufällig fand war ich ziemlich erstaunt mit welcher Sachlichkeit hier über ein Thema, dass in der öffentlichen Propaganda nicht gut weg kommt, geschrieben und diskutiert wird. Natürlich ist das ein Thema, dass über viele Jahre viele Familien in Ost und West berührt hat. Ich kann mich nicht erinnern jemals von einem Grenzer gehört zu haben, dass er sich freiwillig gemeldet habe und scharf darauf war Leute zu erschießen. Vielmehr kenne ich Grenzer, die froh darüber waren während ihrer Dienstzeit an der Grenze nicht genötigt wurden zu schießen.
Ich habe als Uffz. mit vielen Soldaten, die nach der Wehrdienstzeit noch für ein paar Tage ins GAR 40 kamen, gesprochen und insoweit meine ich mir eine Meinung bilden zu können.
Ich selbst hatte auch nie damit gerechnet zu den Grenztruppen zu kommen. Genau genommen bin ich gepresst worden. So würde ein Seemann sagen.

Tja, ich war 3 Jahre im Ausbildungsregiment, aber dennoch kam ich nicht um den Grenzdienst herum.
Meine erste Begegnung mit der "richtigen" Grenze fand in Hohen Neuendorf statt. Als unbedarfter Uffz.-Schüler wurde ich einem Gefreiten zugeteilt, der mit mir Streife ging. Und das erste Mal war es nachts.

Zunächst ein Wort zu den Bedingungen damals.
Wir gingen zum Grenzdienst wie die Revierförster. Eigentlich hatten wir nur die Dienstuniform an, die Kalaschnikow und die Patronentasche. Der Regenumhang als Rolle dient oft als Sitzgelegenheit. Die "Flinte" hing irgendwo in Höhe des Knies. Postenverpflegung wurde auch nicht mitgenommen, die wurde zu einer vereinbarten Zeit per LKW geliefert.
Diese legere Dienstdurchführung änderte sich aber bald und wenn ich mich nicht irre wurde Mitte bis Ende 1965 auch im Grenzdienst "Ordnung" geschafffen. Dann wurde der Stahlhelm, Teil 1, Tragegestell, Verpflegung uws. mitgenommen.

Ich ging also mit dem Gefreiten, der ein recht ruhiger Zeitgenosse war. Dass ich gar nicht direkt am Zaun war bemerkte ich zunächst nicht, denn wir bewegten und parallel zur S-Bahn, die dort einen großen Bogen machte, weil die direkte Verbindung nach Fronau ja unterbrochen war.
Da war auch ein Zaun, aber dieser sollte nur das Betreten der Bahngleise verhindern. Aber dann sah ich sie, die Grenze. Der Gefreite setzet sich an eine ziemlich dicke Eiche und bedeutete mir gleiches zu tun. Dann sah ich den Zaun, den KS, die Hunde usw.. Ich war sehr beeindruckt und auch sehr unsicher, was ich denn nun hier machen sollte. Es war doch eben die richtige Grenze und nicht die Lehrgrenze.
Der Gefreite weihte mich in viel Dinge ein, die ich wissen sollte. Also zunächst den Stecker des Hörers in bestimmter Weise ins GMN einstecken, damit man RIAS 2 hören konnte. Und dann folgten weitere Verhaltensmaßregeln, die sich z.B. auf die Drähte bezogen für die Signalgeräte. Ich sah nur keine Drähte!
Dann zeigte er mir eine Patrone, die unbedingt jeder haben müse. Gott ja, aber woher?
Ich war so aufgeregt, dass ich wohl vieles von den wichtigen Dingen vergessen habe.
Aber die ersten 8 Stunden gingen auch vorbei und viel später fragte ich mich, wieso der Gefreite wohl soviel Dinge preisgab, die sicher nicht alle koscher waren. Denn wir kannten uns ja überhaupt nicht.
Dann kamen immer wieder Einsätze als Uffz.-Schüler zu besonderen Tagen, wie Wochenenden oder zu besonderen Lagen wie "russischer Soldat geflohen" usw.. Aber all das war fast ausschließlich an der rückwertigen Begrenzung. Aber um Berlin herum war das Grenzgebiet ja meist nicht sehr tief und wir konnten oft den Zaun sehen.
Nachdem ich zum Uffz. ernannt wurde, war, soweit ich mich erinnere, zunächst kein Grenzdienst für mich angesagt. Nach etwa 3 Monaten kam dann der Befehl für einige Tage in Falkensee in der Grenzkompanie auszuhelfen. Die damalige Grenzkompanie war fast direkt am Zaun und in der Nähe des damals schon abgetragenen Bahndamms (hier war ein ganzer Zug vorher nach Westberlin gefahren). Ich wurde der A-Gruppe zugeteilt und bekam auch später als Gruppenführer einen Abschnitt, der sich über den Bahnhof Staaken erstreckte.
Die ganze Zeit verlief eigentlich ereignislos los, was die Grenzsicherung anbelangte. Es gab einige Ereignisse, die mich betrafen, aber das würde hier zu weit führen die zu schildern. Dies soll ja kein Roman werden.

Später habe ich als KfZ.-Gruppenführer oft einen Zug Soldaten an die Grenze gebracht, die dort entweder Ausbildung (nachts) oder auch regulären Grenzdienst machten. Meine Aufgabe war erledigt, wenn "Absitzen" befohlen wurde. Morgens, zum festgelegten Zeitpunkt, holte ich die Jungs dann wieder ab. Die Zeit dazwischen konnte ich mir selbst einteilen. Schlafen im Clubraum der Grenzkompanie war eine der Beschäftigungen, der ich nachging.

Über die Zeit im GAR 40 sind einige Tage Grenzdienst zusammen gekommen, die aber allesamt unaufgeregt waren.
Ich will aber nicht verhehlen, dass es mir manchmal recht mulmig war, mit der Waffe in der Hand mich beleidigen zu lassen. Sprüche wie "Ulbrichtknechte" und "Mörder" waren dann noch von der feinen Sorte. Von den Schupos oder Engländern hat man kaum was gehört.
Die Jungs, die tagein tagaus an der Grenze Dienst taten haben mich doch sehr beeindruckt. Für mich war es immer eine relativ kurze Zeit mit absehbarem Ende.
Ach ja, an Sozialismus und sowas habe ich nie gedacht als ich am Zaun war.

Gegen Ende meiner Dienstzeit kam noch ein Befehl, der zwar nichts mit dem Grenzdienst zu tun hatte, aber dennoch bemerkenswert war.
Am Ende des Sommers 1967 bekam ich den Befehl mich in ein Auto zu setzen und nach Sakrow zu fahren. Dort würde ich auf weitere Uffz. treffen.
Wir waren 4 Uffz. verschiedener Waffengattungen, die den Auftrag bekamen bei der Inventur im zentralen KfZ.-Ersatzteillager zu helfen. Na gut, machen wir.
Als ich über den Hof gehe, kommt mir ein Major entgegen den ich natürlich ordentlich grüße. Der bleibt stehen und meint zu mir: Lass man Junge, solche Dinge brauchen wir hier nicht. Hier ist alles mehr familiär. Auch gut.
Die eigentlichen Kräfte dort war Zivielbeschäftigte, meist ältere Damen, die uns sagten wir sollen uns erholen und sie würden es schon machen.
Nach 4 Wochen "Urlaub" ergab die Inventur nur wenige Abweichungen: Es fehlten 4 Panzermotoren. Also, wir hatten die nicht.
Das Maßband war damals schon recht kurz und Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Soweit meine Erinnerungen, die sich sicher noch detailierter beschreiben ließen.



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