#61

RE: Worauf beruhte die Stärke der NVA?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.03.2015 11:22
von Klauspeter | 986 Beiträge

Alles klar, andy. Bei manchen geht eben auch heute noch einiges so seinen sozialistischen Gang. Oder bringe ich da was durcheinander?
Klaus


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#62

RE: Worauf beruhte die Stärke der NVA?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.08.2015 10:39
von Beethoven | 137 Beiträge

Ich war ebenfalls Offizier in der NVA. Von mir und meinen Offizierskameraden möchte ich behaupten, dass wir uns für die DDR und damit für das Bündnis, im Falle eines Krieges, zerreißen hätten lassen.

Wir waren alle, jedenfalls als Offiziere, indoktriniert und hatten Scheuklappen vor den Augen. Heute, im Abstand von 25 Jahren, sehe ich auch vieles anders obwohl ich immer noch von mir behaupte, ein Linker zu sein. Aber eben kein Linker mehr, der jedem Gequatsche ala "die Partei hat immer recht" folgt, sondern sich seine eigenen Gedanken macht. Vielleicht liegt das auch daran, dass man heute ganz andere Informationquellen nutzen kann. Egal.

Ich denke, dass die NVA eine gut ausgerüstete und vor allem gut ausgebildete Armee war, die im Falle einer bewaffneten Auseinandersetzung, die Aufgaben erfüllt hätte, die ihr, im Zusammenwirken mit der CA und der polnischen Armee, gestellt worden wären.
Ob wir die zweitstärkste Armee im WV gewesen sind, kann ich nicht beurteilen. Unterschätz mir die Polen nicht. Ich hatte die Ehre an der Militärakademie mit einigen ausländischen Offiziershörern zusammen zu studieren. Durch die Bank, feine Kerle mit der gleichen Einstellung zu ihrem Handwerk wie wir. Und die Armeen der VR Polen und der CSSR waren nicht anders ausgerüstet als die NVA.

Sicherlich, und daran habt ihr Grenzer einen großen Anteil, erkannte der Generalstab der CA (und die wären ja auf dem westlichen Kriegsschauplatz unsere Bestimmer gewesen), dass an der Nahtstelle zwischen den Systemen, durch die Angehörigen der GT der DDR eine sehr gute Arbeit geleistet wird und damit verhältnismäßige Ruhe herrscht. Ob das bei den Tschechen auch so war, kann ich nicht einschätzen.

Ich bin heute der Meinung, dass das ganze politische Gebrassel (ehrlich, uns allen haben davon die Augen getränt) um 80 % verringert hätten sein können. Eine ordentlich staatsbürgerliche Erziehung hätte es auch getan. Dafür hätte man noch mehr Gefechtsausbildung durchführen können. Trotzdem hatten unsere Soldaten in der Regel, auch wenn sie zum GWD gezogen wurden, gerade in Übungen oder wie bei Euch am Kanten, eine Einstellung, die sie zur Erfüllung der gestellten Aufgaben trieb. Die größten Innendienstschlampen waren draußen oftmals die besten Männer und rissen die Truppe mit. Das habe ich oft selber erlebt.

Trennung

Fahnenflucht im Verteidigungsfall - ein schweres Delikt, welches durchaus mit dem Tode bestraft werden konnte. Wer so was heute schreibt hat keine Ahnung von der Dynamik eines Gefechtes. Da kann man nicht einfach mal aus dem Graben hopsen, die Hände heben und 400 m rüber laufen. Es sei denn, man ist lebensmüde.
Der Kamerad neben Dir, hätte das verhindert. Außerdem, wenn eine Kriegspsychose unter den Soldaten herrscht oder gar schon tote und verwundete Kameraden in der Einheit zu beklagen sind oder gar in der Familie, dann entwickelt sich ein Hass auf den Gegner.

Apropos "Hass" - man konnte überall lesen (in jedem Handbuch einer Waffengattung und oft genug in den Unterlagen der politischen Schulung), dass wir unsere Soldaten zu Hass erziehen. Sicherlich, das wurde von den Vorgesetzten verlangt. Aber geschafft haben wir das nicht. Wie auch.
Hassten wir doch selber nicht. Man kann meiner Meinung nach nur hassen, was man auch kennt und mit was man nicht einverstanden ist oder gar schlimmer. Hass muss sich an Hand von Erlebnissen entwickeln. Wenn man hasst, dann tut man das mit ganzem Herzen und der beste Beweis dafür, dass auch die Vorgesetzten nicht gehasst haben ist der, dass viele Vorgesetzte sich von der BW oder dem BGS, als dem damaligen "Hassobjekt", haben übernehmen lassen.
Außerdem ist ein Soldat der hasst, nicht mehr der kluge, überlegen kämpfende Soldat sondern ein rasender, zwar auch gefährlicher aber doch nicht überlegender Kämpfer. Ich finde heute, eine Erziehung zum Hass war kaum möglich und tat uns bestimmt auch nicht gut.

Trennung

Hier wurde der Vietnamkrieg und auch die Kämpfe der CA in Afghanistan erwähnt.
Diese Kriege, auch die im Irak, kann man nicht mit einem Krieg der militärischen Blöcke vergleichen. Es waren asymmetrische Kriege und keine Kriege wo sich militärisch geführte Heere gegenüber lagen. Hier kämpfte eine moderne Armee gegen Kämpfer, die sie nicht sahen und nicht zu fassen bekamen. Nur mit unwahrscheinlich hohem Blutzoll und ungeheurer Manpower, kann man solch ein Land dauerhaft und sicher besetzen und das kann kein Land dieser Welt über eine längere Zeit aufrecht erhalten. Kurzzeitig - ja aber nicht dauernd. Ohne in die Köpfe der Landesbevölkerung (des Gegners) einzudringen wird das nie klappen. Ich denke das wissen auch die Amis und die Russen haben das in Afghanistan schnell gelernt.

In diesem Sinne - Frieden ist immer die bessere Lösung


PF75, LO-Wahnsinn, josy95, Pitti53, Linna, Fritze, Rostocker, Marder und Klauspeter haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#63

RE: Worauf beruhte die Stärke der NVA?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.08.2015 10:59
von Klauspeter | 986 Beiträge

Zitat von Beethoven im Beitrag #62

...
In diesem Sinne - Frieden ist immer die bessere Lösung

Ein interessanter Beitrag von Dir und Deinen Aussagen stimme ich zu.
Trotz aller Probleme, die wir in der NVA hatten, es war eine echte Volksarmee und eine Armee des Friedens.
Ich bin auch heute noch stolz darauf, in einer Armee gedient zu haben, die nicht an Kriegseinsätzen teilgenommen hat.
Mit dem Untergang der DDR hat sich vieles verändert - und nicht immer nur zum Positiven. Solange es die DDR und die NVA gab, war auch die Bundeswehr eine Armee zur Verteidigung ihres Staates.

Klaus


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#64

RE: Worauf beruhte die Stärke der NVA?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.08.2015 17:51
von Beethoven | 137 Beiträge

Da gebe ich Dir 100 % recht.

Ich bin nach der Wende durch die halbe Welt gereist und war bei den Soldaten der jeweiligen Armeen.
Alle diese Soldaten, auch einst gegnerische Soldaten, nehmen für sich in Anspruch, ihren Beitrag zur Erhaltung des Friedens geleistet zu haben.

Da alle Soldaten, egal welchen Staates und welchem Bündnis angehörend, dem Diktat oder besser dem Primat der Politik des jeweiligen Staates oder des Bündnisses unterliegen, glaube ich das auch. So nimmt der Soldat der Bundeswehr, genau wie wir, für sich in Anspruch,
für den Frieden Soldat gewesen zu sein. Und wir sind schlecht beraten, diesen Soldaten das abzusprechen.

In diesem Sinne - die Politik ist verantwortlich für Krieg oder Frieden, nicht der Soldat der für die Politik in den Krieg zieht


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#65

RE: Worauf beruhte die Stärke der NVA?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.08.2015 18:28
von thomas 48 | 3.566 Beiträge

Sehe ich leider etwas anderes.
Die NVA war eine Volksarmee der SED und hatte mal die Aufgabe die Arbeiter vom Joch der Kapitalisten zu befreien.
So habe ich das in der Schule gelernt


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#66

RE: Worauf beruhte die Stärke der NVA?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.08.2015 18:53
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von thomas 48 im Beitrag #65
Sehe ich leider etwas anderes.
Die NVA war eine Volksarmee der SED und hatte mal die Aufgabe die Arbeiter vom Joch der Kapitalisten zu befreien.
So habe ich das in der Schule gelernt


@thomas 48, da liegst Du leider etwas schief. Die NVA wurde in der DDR gegründet, wo hätte die noch Kapitalisten vertreiben sollen, im Inland?
Die noch vorhandenen "Kleinkapitalisten" sprich Privatunternehmer wurden verstaatlicht, war aber Sache der Politik.
Und selbst das gelang nicht zu 100%. Pauling, Eisenwaren/ Sperlich, Brennstoffhandel/ Pinder Elektronikhandel waren in Leipzig unverzichtbar.
Selbst die Wohnungsverwaltung "Gartenvorstadt Leipzig Marienbrunn" gegründet 1916 hat die DDR als GmbH überlebt und sogar Diensträume an
die VP vermietet. Ach die Schlosserei Dick hat sich erfolgreich gewehrt in eine PGH einzutreten.
Micha


zuletzt bearbeitet 16.08.2015 02:25 | nach oben springen

#67

RE: Worauf beruhte die Stärke der NVA?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 16.08.2015 09:32
von Hanum83 | 4.658 Beiträge

Kann man denn überhaupt die Qualität von etwas richtig einschätzen wo der, ich schreib mal Praxistest, glücklicherweise, nicht stattgefunden hat
Als Soldaten waren wir relativ gut gedrillt, kann man glaube ich behaupten und auch um uns kopftechnisch auszurichten hat man sich durchaus Mühe gegeben.


Ein Jahr lang 10 Kilometer der innerdeutschen Grenze 1983/84 mitbewacht.
(Zusatz-Info auf Wunsch eines einzelnen Users: War dabei auch Postenführer.)
zuletzt bearbeitet 16.08.2015 09:33 | nach oben springen

#68

RE: Worauf beruhte die Stärke der NVA?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 16.08.2015 09:47
von DoreHolm | 7.675 Beiträge

Zitat von G.Michael im Beitrag #66
Zitat von thomas 48 im Beitrag #65
Sehe ich leider etwas anderes.
Die NVA war eine Volksarmee der SED und hatte mal die Aufgabe die Arbeiter vom Joch der Kapitalisten zu befreien.
So habe ich das in der Schule gelernt


@thomas 48, da liegst Du leider etwas schief. Die NVA wurde in der DDR gegründet, wo hätte die noch Kapitalisten vertreiben sollen, im Inland?
Die noch vorhandenen "Kleinkapitalisten" sprich Privatunternehmer wurden verstaatlicht, war aber Sache der Politik.
Und selbst das gelang nicht zu 100%. Pauling, Eisenwaren/ Sperlich, Brennstoffhandel/ Pinder Elektronikhandel waren in Leipzig unverzichtbar.
Selbst die Wohnungsverwaltung "Gartenvorstadt Leipzig Marienbrunn" gegründet 1916 hat die DDR als GmbH überlebt und sogar Diensträume an
die VP vermietet. Ach die Schlosserei Dick hat sich erfolgreich gewehrt in eine PGH einzutreten.
Micha



Thomas 48, da gebe ich Micha Recht. Du bist nur wenig jünger als ich, wir haben also demnach zur gleichen Zeit die Schule besucht. Von einer "Volksarmee der SED" war, wimre, nie die Rede. Es wurde von führender Rolle gesprochen, aber nicht von der Armee einer Partei. Und "die Arbeiter vom joch des Kapitalisten zu befreien" ? Wie Micha schon schrieb, hatten wir hier keine Kapitalisten in dem Sinne, wie man sich das so allgemein vorstellt. Könnten dann nur die Kapitalisten in Westeuropa, insb. der BRD gemeint sein. Zeig mir mal, in welchem Lehrbuch das steht, daß die NVA dazu angetreten ist, in der BRD die Kapitalisten zu vertreiben ? Schutz vor Expansionsgelüsten dieser Leute, ja. Auch die Redewendung " Schlagen des Aggressors auf dessen eigenem Gebiet", ja. Wie das gemeint war, darüber wurde hier in der Vergangenheit schon diskutiert und darüber will ich mich deshalb nicht weiter auslassen. Mehr aber auch nicht, nicht mal ein Einsatz im Inneren war vorgesehen, zumindest nicht in offiziellen Verlautbarungen. Wie gesagt, wir gingen zur gleichen Zeit zur Schule.



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#69

RE: Worauf beruhte die Stärke der NVA?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 16.08.2015 11:26
von Klauspeter | 986 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #67
Kann man denn überhaupt die Qualität von etwas richtig einschätzen wo der, ich schreib mal Praxistest, glücklicherweise, nicht stattgefunden hat
Als Soldaten waren wir relativ gut gedrillt, kann man glaube ich behaupten und auch um uns kopftechnisch auszurichten hat man sich durchaus Mühe gegeben.


Die Qualität einer Armee ist auch in Friedenszeiten messbar. Es gab Normen, die messbar waren und den Kriegsbedingungen entsprachen.
Ich habe mehrmals gesehen, wie in kürzester Zeit eine Pontonbrücke über die Elbe geschlagen wurde und ein MSR mit Gefechtstechnik die Brücke passierte. Spitzenleistungen.
Natürlich sind Friedens- und Kriegsbedingungen 2 paar unterschiedliche Schuhe. Aber die Kriegsbedingungen treffen im Ernstfall auf beide Seiten zu - erschwerend oder auch begünstigend.

Klaus


Hanum83 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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