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#161

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 09.04.2016 18:41
von Freienhagener | 4.803 Beiträge | 2357 Punkte
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Was für Einfluß das ist, das macht schon einen Unterschied.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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#162

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 09.04.2016 19:49
von TAO | 232 Beiträge | 1 Punkte
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #160
Das ist eigentlich das normalste auf der Welt, daß die Eltern darauf mehr oder weniger intensiv darauf Einfluss nehmen, daß ihr/e Kind/er zumindest in ihrer gesellschaftlichen und politischen Einstellung nicht allzusehr von der der Eltern abzuweichen. Warum, oder gerade, weshalb sollten das Mitarbeiter des MfS nicht tun ? Dgl. alle anderen Eltern in allen Bereichen, die irgendwie eine eine bestimmte politische Einstellung suggerieren. Die Kirchen nicht ausgenommen. Warum überlassen es Kirchenvertreter nicht dem Selbstlauf, ob ihr Kind ein Atheist wird oder nicht ? Diese Frage könnte auch gut in das Thema "Menschen, die die m ein Leben beeinflusst oder geprägt haben" passen.


Wenn man seine Kinder richtig erzieht, sollten sie sich ab einem bestimmten Alter ihre eigene Meinung bilden können. Ob diese konform mit der der Eltern geht , sollte dann sekundär sein. Gab in der DDR nicht wenige "Funktionärskinder", die eine völlig andere Richtung eingeschlagen haben. Man mochte es damals kaum glauben, aber sie haben die Wende wahrscheinlich besser überstanden, als ihre Eltern.


DoreHolm und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#163

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 09.04.2016 20:11
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Glaub mir, irgendwann spielen politische Differenzen keine Rolle mehr. Das setzt aber auf beiden Seiten ein Mindestmaß an Ehrlichkeit voraus. Man darf nur nicht den Zeitpunkt verpassen aufeinander zu zu gehen. Dann spielt die Wende auch keine Rolle mehr. Denn am Ende zählt nur das Leben und die Zeit genutzt zu haben zu Vergeben. Von beiden Seiten.

Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

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#164

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 10.04.2016 08:16
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Ich möchte hier keine Familieninterna waschen, aber ein aus der Reihe tanzender Nachkömmling war Karriere-Gefährdent und wurde dementsprechend "befriedet".
In dem konkreten Fall kamen die Ober-Genossen zum Mittel-Genossen und ermahnte ihn sich um die Geradlinigkeit des Nachwuchses zu "kümmern" sonst wär es nämlich Essig mit dem Plan selber Ober-Genosse zu werden und es wurden Erziehungsmaßnahmen mit angezogener Stiefelhose eingeleitet und da es damals für die Bekämpfung des Klassenfeindes auch manchmal von Vorteil war ein "harter Hund" zu sein, kann man sich vorstellen wie diese Maßnahmen aussahen
Auch wenn viele über das Abhandenkommen der Allerbesten Krokodilstränen verweinen, ich bleib dabei, dieses System war im Grunde ein vollkommen abartiges bis in die Familien hinein.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
Moskwitschka, Gert, Lutze und lhsecurity haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.04.2016 08:42 | nach oben springen

#165

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 10.04.2016 09:25
von DoreHolm | 7.994 Beiträge | 825 Punkte
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Zitat von Hanum83 im Beitrag #164
Ich möchte hier keine Familieninterna waschen, aber ein aus der Reihe tanzender Nachkömmling war Karriere-Gefährdent und wurde dementsprechend "befriedet".
In dem konkreten Fall kamen die Ober-Genossen zum Mittel-Genossen und ermahnte ihn sich um die Geradlinigkeit des Nachwuchses zu "kümmern" sonst wär es nämlich Essig mit dem Plan selber Ober-Genosse zu werden und es wurden Erziehungsmaßnahmen mit angezogener Stiefelhose eingeleitet und da es damals für die Bekämpfung des Klassenfeindes auch manchmal von Vorteil war ein "harter Hund" zu sein, kann man sich vorstellen wie diese Maßnahmen aussahen
Auch wenn viele über das Abhandenkommen der Allerbesten Krokodilstränen verweinen, ich bleib dabei, dieses System war im Grunde ein vollkommen abartiges bis in die Familien hinein.



Ob es so krass war, kann ich nicht sagen, aber es wurde sehr wohl von übergeordneter Stelle registriert, wie die Kindner von Verantwortungsträgern ab einer bestimmten Sprosse in der Hirarchie sich politisch entwickeln. Ich habe erst nach längerer "Bearbeitung" während der Grenzerzeit den Antrag als kandidat gestellt und da war ich 20. Also nicht schon mit 18, wie es möglich gewesen wäre und wie es vom Kind eines Wirtschaftsleiters und Genossen eben erwartet wurde. So erzählte mein Vater mehr als ein mal, daß er angesprochen wurde, warum seine Kinder (ich und meine beiden Schwestern) noch nicht Mitglied der SED sind. Eine der anderen Schwestern trat dann irgendwann auch ein, die Andere aber schlug völlig aus der Art und es war nicht zu übersehen, daß diese Richtung meinem Vater absolut nicht gefiel. Nach abgeschlossenem technischem Beruf schlug sie eine künstlerische Laufbahn ein, heiratete einen ebenfalls Gleichgesinnten (Kunst machen ist wichtiger als Geld verdienen um die Familie [ 2 Kinder] zu ernähren), hatte Kontakt zu diversen kleinen Künstlergruppen und natürlich damit auch irgendwann zu oppositionellen Gruppen. Ein bischen weltfremd, ihre Ansichten, nunja, ist ihre Sache. Sie war entsetzt, als ich ihr z.B. erzählte, daß ich Sarazins Buch gekauft hatte, ohne daß sie selbst nur eine einzige Zeile gelesen hatte. Ich kann aber nicht sagen, daß sich das alles irgendwie auf die Karriere meines Alten Herrn ausgewirkt hätte. Übrigens, ich habe jetzt Einsicht in seine Stasi-Akten beantragt.



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#166

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 10.04.2016 10:03
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #165
Ein bischen weltfremd, ihre Ansichten, nunja, ist ihre Sache. Sie war entsetzt, als ich ihr z.B. erzählte, daß ich Sarazins Buch gekauft hatte, ohne daß sie selbst nur eine einzige Zeile gelesen hatte. Ich kann aber nicht sagen, daß sich das alles irgendwie auf die Karriere meines Alten Herrn ausgewirkt hätte. Übrigens, ich habe jetzt Einsicht in seine Stasi-Akten beantragt.






so waren sie alle, die nicht konform gingen mit den Einheitssozialisten. Ich war auch ein solch " Weltfremder" und darauf bin ich sogar stolz, dass ich den Rattenfängern von Ostberlin nicht gefolgt bin. Meine Sicht wurde später bestätigt.


.🇩🇪
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 10.04.2016 10:03 | nach oben springen

#167

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 10.04.2016 15:27
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Zitat von Gert im Beitrag #166
Zitat von DoreHolm im Beitrag #165
Ein bischen weltfremd, ihre Ansichten, nunja, ist ihre Sache. Sie war entsetzt, als ich ihr z.B. erzählte, daß ich Sarazins Buch gekauft hatte, ohne daß sie selbst nur eine einzige Zeile gelesen hatte. Ich kann aber nicht sagen, daß sich das alles irgendwie auf die Karriere meines Alten Herrn ausgewirkt hätte. Übrigens, ich habe jetzt Einsicht in seine Stasi-Akten beantragt.






so waren sie alle, die nicht konform gingen mit den Einheitssozialisten. Ich war auch ein solch " Weltfremder" und darauf bin ich sogar stolz, dass ich den Rattenfängern von Ostberlin nicht gefolgt bin. Meine Sicht wurde später bestätigt.


Gert, Deine politische Einstellung zur DDR betrachte ich nicht als "weltfremd". Sie war eben anders, auch wenn sie für mich nicht in jedem Fall nachvollziehbar war. Weltfremd ist was Anderes, das ist einer Realitätsverweigerung nahe, wie Menschen eben so agieren und reagieren.



Gert und thomas 48 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#168

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 11.04.2016 07:31
von Hanum83 | 5.722 Beiträge | 1839 Punkte
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #165
Zitat von Hanum83 im Beitrag #164
Ich möchte hier keine Familieninterna waschen, aber ein aus der Reihe tanzender Nachkömmling war Karriere-Gefährdent und wurde dementsprechend "befriedet".
In dem konkreten Fall kamen die Ober-Genossen zum Mittel-Genossen und ermahnte ihn sich um die Geradlinigkeit des Nachwuchses zu "kümmern" sonst wär es nämlich Essig mit dem Plan selber Ober-Genosse zu werden und es wurden Erziehungsmaßnahmen mit angezogener Stiefelhose eingeleitet und da es damals für die Bekämpfung des Klassenfeindes auch manchmal von Vorteil war ein "harter Hund" zu sein, kann man sich vorstellen wie diese Maßnahmen aussahen
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Ob es so krass war, kann ich nicht sagen, aber es wurde sehr wohl von übergeordneter Stelle registriert, wie die Kindner von Verantwortungsträgern ab einer bestimmten Sprosse in der Hirarchie sich politisch entwickeln. Ich habe erst nach längerer "Bearbeitung" während der Grenzerzeit den Antrag als kandidat gestellt und da war ich 20. Also nicht schon mit 18, wie es möglich gewesen wäre und wie es vom Kind eines Wirtschaftsleiters und Genossen eben erwartet wurde. So erzählte mein Vater mehr als ein mal, daß er angesprochen wurde, warum seine Kinder (ich und meine beiden Schwestern) noch nicht Mitglied der SED sind. Eine der anderen Schwestern trat dann irgendwann auch ein, die Andere aber schlug völlig aus der Art und es war nicht zu übersehen, daß diese Richtung meinem Vater absolut nicht gefiel. Nach abgeschlossenem technischem Beruf schlug sie eine künstlerische Laufbahn ein, heiratete einen ebenfalls Gleichgesinnten (Kunst machen ist wichtiger als Geld verdienen um die Familie [ 2 Kinder] zu ernähren), hatte Kontakt zu diversen kleinen Künstlergruppen und natürlich damit auch irgendwann zu oppositionellen Gruppen. Ein bischen weltfremd, ihre Ansichten, nunja, ist ihre Sache. Sie war entsetzt, als ich ihr z.B. erzählte, daß ich Sarazins Buch gekauft hatte, ohne daß sie selbst nur eine einzige Zeile gelesen hatte. Ich kann aber nicht sagen, daß sich das alles irgendwie auf die Karriere meines Alten Herrn ausgewirkt hätte. Übrigens, ich habe jetzt Einsicht in seine Stasi-Akten beantragt.





Die Sache die ich angerissen habe spielte sich innerhalb der bewaffneten Organe auf höherer Offiziersebene ab, die Beteiligten trugen alle geflochten, außer natürlich derjenige der den rechten, oder halt linken, Weg gewießen bekam.
Im Zivilbereich ging es sicherlich nicht ganz so brachial aufstiegs- u. erziehungstechnisch zur Sache.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
zuletzt bearbeitet 11.04.2016 07:39 | nach oben springen

#169

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 15.04.2016 01:42
von Uleu | 538 Beiträge | 38 Punkte
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Jeder hatte seinen Weg. Und nicht alle Kinder dieser Zeit empfinden ihr Erwachsenwerden als abartig, und nicht alle wollen sich in die Opferschlange einreihen. Auch wenn das sicher heutzutage lukrativ wäre.

Ich bin Fr. Marquardt in den vergangenen Jahren 2, 3 mal begegnet, ich teile Eure Auffassung nicht. Gut, es ist über 10 Jahre her, aber damals war sie sehr macht- und aufmerksamkeitsbesessen.


" Die geheime Aufklärung ist ein Dienst, der nur Herren vorbehalten ist " ( Oberst Nicolai, Leiter der dt. Militäraufklärung im 1. WK )
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