#61

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 11:18
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #59
Gibt es dazu Veröffentlichungen @Alfred , wie das in der DDR war? Das ist eine ernst gemeinte Frage und würde ein willkommener sachlicher Beitrag zum Thema sein. Denn Gott sei dank musste ich mich persönlich mit dem Thema weder vor noch nach 1989 beschäftigen - Sexueller Mißbrauch von Kindern.

LG von der Moskwitschka



Mann / Frau kann z.B. hier lesen : " Die Kriminalpolizei im Ostteil Berlins "
ISBN : 978-3-89574-765-6


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#62

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 11:19
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #58
Zitat von Alfred im Beitrag #49
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #42
Zitat von Signalobermaat im Beitrag #37
also warum sollten sie damit aufhören,solange es sich gut verkauft und noch Leute in solche Veranstaltungen gehen, und sich berieseln lassen.




Der sexuelle Missbrauch wird in dem Buch nur angerissen. Und auch nur deswegen, weil er die Persönlickeit eines Mädchen erklärt, das jahrelang diesem ausgesetzt war. Schon erstaunlich, das in diesem Zusammenhang hier nicht die Frage aufgekommen ist - Wie war das damals in der DDR. Wohin konnten sich diese Kinder wenden. Wo hätten sie Hilfe bekommen. Aber nein, solche Fragen interessieren nicht. Denn es ist einfacher auf den Täter einzuschlagen, dem man die Eier abschneiden würde wie in diesem thread mehrfach angeschnitten " Todesstrafe für Kinderschänder"? Man schreibt sowieso lieber über Täter und wie man sie behandeln würde, als über die Folgen für die Opfer. Und im konkreten Fall lässt man auch das aus, denn der Täter war ja ein mehr oder weniger nützlicher Zuträger eines Geheimdienstes. Wie perfide.

Welche Ängste muss dieses Kind über Jahre ausgehalten haben? Da reichen eure wahrscheinlich nicht heran Da hatte ich mal so richtige Angst... Mal Angst gehabt - wenn es nicht so Ernst wäre, wenn man über Ängste schreibt - würde ich mich tot lachen.

LG von der Moskwitschka




Wohin sollten sich Personen wenden, die vergewaltigt oder missbraucht wurden ?

Z.B. nutzen Personen den Weg zur Polizei.


mein Stiefvater hat mich sexuell missbraucht,
und der ist bei der Stasi,
was die Genossen bei der nächsten VPKA-Dienststelle
da wohl gemacht hätten,wenn ein Kind mit dieser Aussage
dort aufgetaucht wäre?
Lutze



Lutze,

dann hätte es entsprechende Ermittlungen gegen die Person gegeben.


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#63

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 11:23
von utkieker | 2.914 Beiträge

Da bin ich mir gar nicht so sicher Alfred! Staatlicher Korps- Geist hat so manche Straftat vereitelt (hat sich bis heute nicht geändert)

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#64

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 11:25
von Heckenhaus | 5.112 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #63
Da bin ich mir gar nicht so sicher Alfred! Staatlicher Korps- Geist hat so manche Straftat vereitelt (hat sich bis heute nicht geändert)

Gruß Hartmut!

Das wäre dann der Idealfall.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#65

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 11:26
von Uleu | 527 Beiträge

Wieso Kind ? Mutter, Lehrer, Nachbar, Trainer aus dem Sportverein ...
Ich war kein Mitarbeiter des MfS, aber ich finde es erbärmlich, wie hier nun Mitarbeitern des MfS und der Kripo gesamt Kindesmissbrauch oder die Duldung desselben unterstellt wird ... Und Kindesmissbrauch vor 30 Jahren unter dem Schatten der Edathy - Affäre heute für mediales Pushen zu nutzen halte ich zumindestens für fragwürdig. Es gibt auch heute noch auch in der Kinderepublik Deutschland genügend Opfer die direkt unter Missbrauch leiden und Hilfe benötigen.


" Die geheime Aufklärung ist ein Dienst, der nur Herren vorbehalten ist " ( Oberst Nicolai, Leiter der dt. Militäraufklärung im 1. WK )
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#66

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 11:29
von utkieker | 2.914 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #64
Zitat von utkieker im Beitrag #63
Da bin ich mir gar nicht so sicher Alfred! Staatlicher Korps- Geist hat so manche Straftat vereitelt (hat sich bis heute nicht geändert)

Gruß Hartmut!

Das wäre dann der Idealfall.

muss natürlich heißen, die Strafverfolgung wurde vereitelt sorry

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#67

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 11:49
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #51
Ich bewundere immer wieder, wie intensiv sich in der heutigen Bundesrepublik angagiert wird, die Stasi und ihre
Machenschaften anzuprangern, mittels Schilderungen eigenen Erlebens oder auch durch Verbreitung von Hörensagen.
In regelmäßigen Abständen outet sich jemand, traut sich jemand, ist jemand bereit, sich zu offenbaren.
Wenn ich das noch erlebe, wird es in 20 Jahren immernoch so sein.

Was bewegt diese Menschen, unbedingt ihr Schicksal an die Öffentlichkeit zu bringen ?
Wer kann das schlüssig beantworten ?




Über die Anpragerung muß man sich nun wirklich nicht wundern. Umgekehrte Anprangerungen sind wir doch von früher gewöhnt. Das ist für uns also nichts Rätselhaftes.

Daß Betroffene was von der Leber reden müssen und daß sowas innerlich befreit, das gibt es nicht nur hier.

Erst jahrzehntelanges traumatisches Schweigen und dann plötzliches Mitteilungsbedürfnis als quasi Erlösung.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 07.03.2015 11:51 | nach oben springen

#68

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 11:57
von Heckenhaus | 5.112 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #67


Erst jahrzehntelanges traumatisches Schweigen und dann plötzliches Mitteilungsbedürfnis als quasi Erlösung.




Das mag sein und auch helfen. Daß das dann aber immer medienwirksam zelebriert wird, möglichst mit einer
Buchpräsentation, kommerzielle Beweggründe nicht ganz ausgeschlossen, stimmt mich dann schon nachdenklich.
.


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„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
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#69

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 12:02
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Jedes Buch muß auch verkauft werden, weil die Herstellung was kostet. Das sind ökonomische Zwänge. Profitdenken der Autoren ist gewiß zweitrangig dabei. Die Verlage leben davon und sind auf Gewinn angewiesen, d.h. müssen Werbung machen.
Ansonstem müßte man die ganze Buchmesse in Leipzig infrage stellen, um ein aktuelles Beispiel zu nennen.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 07.03.2015 12:06 | nach oben springen

#70

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 12:06
von Heckenhaus | 5.112 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #69
Jedes Buch muß auch verkauft werden, weil die Herstellung was kostet. Das sind ökonomische Zwänge. Profitdenken der Autoren ist gewiß zweitrangig dabei.

Aha, man outet sich, damit der Verlag/die Druckerei verdient.

Schriftsteller, deren Haupterwerb im Schreiben liegt, sind die Basis von Buchmessen.


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„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

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zuletzt bearbeitet 07.03.2015 12:08 | nach oben springen

#71

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 12:10
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #66
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #64
Zitat von utkieker im Beitrag #63
Da bin ich mir gar nicht so sicher Alfred! Staatlicher Korps- Geist hat so manche Straftat vereitelt (hat sich bis heute nicht geändert)

Gruß Hartmut!

Das wäre dann der Idealfall.

muss natürlich heißen, die Strafverfolgung wurde vereitelt sorry

Gruß Hartmut!



Sind Dir konkrete Fälle bekannt, wo wegen Vergewaltigung / Missbrauchs eine Strafverfolgung vereitelt wurde ? Mir nicht.

Hat jetzt aber mit dem eigentlichen Thema nichts mehr zu schaffen.


zuletzt bearbeitet 07.03.2015 12:10 | nach oben springen

#72

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 12:12
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #70
Zitat von Freienhagener im Beitrag #69
Jedes Buch muß auch verkauft werden, weil die Herstellung was kostet. Das sind ökonomische Zwänge. Profitdenken der Autoren ist gewiß zweitrangig dabei.

Aha, man outet sich, damit der Verlag/die Druckerei verdient.

Schriftsteller, deren Haupterwerb im Schreiben liegt, sind die Basis von Buchmessen.




Hab ich nicht gesagt. Eine Buchherstellung hat eben auch ihre ökonomischen Zwänge.
Diese Autoren sind keine gewöhnlichen Schriftsteller, die davon leben und immer neue Bücher schreiben.
Der Autor macht Werbung, um sich möglichst vielen mitzuteilen, der Verlag, weil er selbstverständlich daran verdient. Das ist aber kein mieses Profitstreben, sondern Broterwerb. Viele Verlage halten sich bekanntlich gerade so "über Wasser".

Aber das weißt auch Du.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 07.03.2015 12:14 | nach oben springen

#73

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 13:11
von thomas 48 | 3.566 Beiträge

Ich versteh folgendes nicht,
alle, die etwas über das MfS negativ berichten, sind Lügner und man verlangt Beweise für ihre Behauptungen.
Alle, die gutes über das MfS berichten, sagen immer die Wahrheit und haben zig Beweise dafür.


Esede und Freienhagener haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#74

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 13:36
von Heckenhaus | 5.112 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #73
Ich versteh folgendes nicht,
alle, die etwas über das MfS negativ berichten, sind Lügner und man verlangt Beweise für ihre Behauptungen.
Alle, die gutes über das MfS berichten, sagen immer die Wahrheit und haben zig Beweise dafür.


Wo hast du denn das jetzt gelesen ???


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„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
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#75

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 14:24
von damals wars | 12.113 Beiträge

Und worin besteht der Zusammenhang zwischen Vergewaltigung und MfS?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#76

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 14:24
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Alfred im Beitrag #41
Hallo,

ich bin mit gar keinem Fall "belastet". Also immer schön locker durch die Hose Barbara.

Es geht ganz einfach darum, dass ich seit 1990 nur sehr wenige Personen erlebt habe, die sich objektiv mit bestimmten Themen - rund um das MfS, die Grenztruppen und NVA - beschäftigt haben. Und auch ein Herr Jahn, inkl. "seiner" Behörde gehört bei mir zu jenen, denen es nicht um eine objektive Darstellung geht. So kommen z.B. ehemalige Mitarbeiter des MfS nicht an ihre ehemaligen Materialien. Hier gibt es dann im groben den Hinweis, "dass dies den Tätern" nicht zusteht.

Und für mich gehört es eben dazu, eine Akte von Anfang bis zum Ende zu lesen. Dann kann ich mir ein Bild machen. Ich habe auch nach 1990 genügend gelesen und einschätzen zu können, wie man mit "den Akten" umgeht. Wenn ich nur Teile , Auszüge bringe hat dies eben immer einen gewissen Beigeschmack.Ein Buch lese ich auch bis zum Ende um mir ein Urteil zu bilden und nicht nur Auszüge.



"Belastet" kommt in meinem Beitrag #40 gar nicht vor. Eine solche Äußerung stünde mir nicht zu und ich würde sie niemals schreiben, ich habe es auch nicht unterschwellig gemeint, lies das bitte nochmal nach.

Zu dem was du weiter ausführst: das mag sein, dass du deine Erkenntnisse erst nach umfänglichem Aktenstudien gewinnst. Das ist aber kein Beweis für Objektivität. Es steckt ein enormer Denkfehler darin, von Menschen gesammeltes Material und seine Bewertung seien prinzipiell objektiv. Alleine schon die Intention für die Sammlung von Daten und weist in eine bestimmte Richtung und ist damit alles andere als objektiv.

Wenn man das Wort "objektiv" durch "differenziert" ersetzen würde würde man der Vielschichtigkeit einer solchen Geschichte gerecht werden, die mehr ist als eine Akten- und Faktensammlung.

Dasselbe gilt übrigens für den Blick auf die von dir angesprochenen Gruppen MfS/NVA etc.: nicht Objektivität sondern Differenziertheit, dann kann man nämlich die Möglichkeit von unterschiedlichen Perspektiven und Sichtweisen zulassen ohne sich andauernd in kriminalistischen Beweisführungsdiskussionen zu verlieren.
.


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#77

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 15:25
von Moskwitschka | 2.526 Beiträge

Da die weigsten das Buch gelesen haben, der sexuelle Mißbrauch durch den Stiefvater einen nur ganz kleinen Teil in dem Buch von Frau Marquardt ist, wenden wir uns doch mal eigentlichen Thema zu - der Gewinnung von Minderjährigen als IM. Auch wenn es zahlenmäßig wenige gewesen sind, belastbare Zahlen sind wahrscheinlich schwer zu ermitteln (irgendwo habe ich 1.300 Stichtag 1989 (?)gelesen), so war es keine zufällige Gewinnung.

15. Mai 1966

Befehl 11/66 (Mielke) zur politisch-operativen Bekämpfung der politisch­ ideologischen Diversion und Untergrundtätigkeit unter jugendlichen Personenkreisen der DDR

Vorkommnisse der letzten Zeit und der hohe Anteil jugendlicher Bürger bis zu 25 Jah­ren an kriminellen und staatsfeindlichen Handlungen zeigen, dass die Sicherung und der Schutz der Jugend in der DDR vor feindlichen Einflüssen von entscheidender Be­deutung in der politisch-operativen Arbeit der Organe des Ministeriums für Staatssi­cherheit ist und von allen Mitarbeitern unseres Organs mit großem Verantwortungs­bewusstsein und in umsichtiger Weise zu lösen ist.

In Auswertung der von Partei und Regierungnerlassenen grundsätzlichen Beschlüsse und Maßnahmen zur Sicherung der Durchführung
der sozialistischen Jugendpolitik in der DDR ist eine allseitige Verbesserung der politisch-operativen Arbeit zur Entlar­vung und Bekämpfung der Feindtätigkeit unterder Jugend durch die Organe des MfS zu erreichen.


http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/MfS-Do...publicationFile

Die folgenden Abschlussarbeiten der Juristischen Hohschule in Potsdam zeigen zumindest, dass man sich intensivst mit diese Aufgabenstellung beschäftigt hat.

G., Werner (Major; Berlin; 1. HFL)
Psychologische Aspekte der Zusammenarbeit mit inoffiziellen Mitarbeitern aus jugendlichen Personenkreisen, die zur Aufklärung von Feindtätigkeit eingesetzt werden
54 Seiten, Juli 1965, Z. Tgb.-Nr. Pos D 182, MfS JHS MF 181

S., Artur (Hauptmann; KD Rügen)
Die Gewinnung von Jugendlichen im Alter von 14-18 Jahren für die inoffizielle Zusammenarbeit mit den Diensteinheiten des MfS
78 Seiten, 28.1.1972, JHS MF VVS 160–201/72

B, Werner (Major; KD Grimmen; 17. HFL)
Über wesentliche Erfahrungen bei der bewußten Beachtung der dialektischen Wechselbeziehungen vom Allgemeinen, Besonderen und Einzelnen im Prozeß der Vermittlung eines aufgabenbezogenen Feindbildes an jugendliche IM, deren Einsatz im unorganisierten Freizeitbereich zu gesellschaftswidrigen Verhaltensweisen Jugendlicher erfolgt
55 Seiten, 15.7.1981, JHS MF VVS 001-287/81

F., Jörg (Hauptmann; BV Gera, Abt. XX)
Anforderungen, die sich aus Problemen und Besonderheiten des Prozesses der Gewinnung jugendlicher IM ergeben, die zur politisch-operativen Bearbeitung von aktuellen Erscheinungsformen politischer Untergrundtätigkeit eingesetzt werden sollen
69 Seiten, 27.9.1985, JHS MF VVS o001-312/85, JHS 20335


https://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publi...publicationFile

Ich möchte das Thema nicht hochspielen, sondern nur darauf aufmerksam machen, wieviel Einzelschicksale sich dahinter befinden. Sowohl auf der Seite der jugendlichen IM, als auch auf der Seite der hauptamtlichen Mitarbeiter des MfS, die sich mit der Problematik mehr oder weniger auseinandersetzen. Die meisten werden es wahrscheinlich verdrängen. Sei es ihnen gegönnt, wenn sie es vermögen.

Nur verdammen wir nicht die, die sich aktiv damit auseinader setzen. Auch mit ihrer eigenen Verantwortung. So wie es Frau Marquardt tut. Sie ist sich übrigens sehr bewußt, dass ihr Buch nicht nur Zustimmung erfahren wird.

Es soll auch keiner sich gezwungen sehen, das Buch zu lesen. Ich habe es wegen des Themas zur Diskussion gestellt, weil es nun mal zur DDR - Geschichte gehört. Und auch, weil es weit mehr als den hier angesprochenen Personenkreis betrifft, wie ich an anderer Stelle schon mal geschrieben habe MfS überwacht, wirbt und manipulierte Kinder und Jugendliche

LG von der Moskwitschka


Fatal ist mir das Lumpenpack,
das, um die Herzen zu rühren,
den Patriotismus trägt zur Schau,
mit allen seinen Geschwüren.

Heinrich Heine

zuletzt bearbeitet 07.03.2015 15:38 | nach oben springen

#78

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 16:47
von Moskwitschka | 2.526 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #75
Und worin besteht der Zusammenhang zwischen Vergewaltigung und MfS?


Hat den jemand hergestellt? Ich denke nicht. Eher wird die persönliche Situation von Frau Marquardt zur Typisierung der Bereitschaft von Jugendlichen zur Zusammenarbeit mit dem MfS herangezogen. Hier nachzulesen http://www.amazon.de/Stasi-auf-Schulhof-...e/dp/3548332439

Die Autoren haben 1998 5 Typen identifiziert, die mit dem MfS zusammengearbeitet haben:

1. Jugendliche aus Überzeugung
2. Jugendliche, die sich der Macht des faktischen beugten und das MfS als unumgänglich hielten
3. Jugendliche, die strafffällig oder politisch auffällig geworden sind
4. Jugendliche, die sich Vorteile von der Zusammenarbeit versprachen
5. Jugendliche, die ein emotionales Defizit im Elternhaus erlebten und wo die Mitarbeiter des MfS die Lücke schlossen und für ihre Zwecke nutzten.

Eine Kombinationen mehrerer Gründe wird es aber auch oft gegeben haben. Zumindest nach Aussage der Autoren.

Und das Frau Marquardt auf Grund des sexuellen Mißbrauches ein großes emotionales Problem hatte, mit dem sie sich keinen anvertraurt hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Ob die Mitarbeiter des MfS dieses Problem kannten, ist nicht aktenkundig. Zumindest wird es im Buch nicht thematisiert und von Frau Marquardt auch nicht unterstellt.

LG von der Moskwitschka


Fatal ist mir das Lumpenpack,
das, um die Herzen zu rühren,
den Patriotismus trägt zur Schau,
mit allen seinen Geschwüren.

Heinrich Heine

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#79

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 16:54
von Heckenhaus | 5.112 Beiträge

Für die damalige Zeit mag es verwerflich gewesen sein, Minderjährige von Geheimdiensten anwerben zu lassen,
heute bginnt man, eben diese Jugendlichen ab 16 Jahren bereits eingeschränkt Wahlrecht einzuräumen, also
politisch mitzuentscheiden.

Übertragen auf die pösen MfS-Mitarbeiter bedeutet das, wer wählen darf kann auch ausspionieren.

Ich halte das Eine wie das Andere für falsch.


.
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— Abraham Lincoln –
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#80

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 18:17
von damals wars | 12.113 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #78
Zitat von damals wars im Beitrag #75
Und worin besteht der Zusammenhang zwischen Vergewaltigung und MfS?


Hat den jemand hergestellt?
LG von der Moskwitschka




Wird es ständig in einem Atemzug erwähnt? Ja.
Zufällig? Nein.
Ist eine As­so­zi­a­ti­on gewollt?
Kann sich jeder selbst beantworten....


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
Uleu hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.03.2015 20:49 | nach oben springen



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