#41

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 07:59
von Alfred | 6.841 Beiträge

Hallo,

ich bin mit gar keinem Fall "belastet". Also immer schön locker durch die Hose Barbara.

Es geht ganz einfach darum, dass ich seit 1990 nur sehr wenige Personen erlebt habe, die sich objektiv mit bestimmten Themen - rund um das MfS, die Grenztruppen und NVA - beschäftigt haben. Und auch ein Herr Jahn, inkl. "seiner" Behörde gehört bei mir zu jenen, denen es nicht um eine objektive Darstellung geht. So kommen z.B. ehemalige Mitarbeiter des MfS nicht an ihre ehemaligen Materialien. Hier gibt es dann im groben den Hinweis, "dass dies den Tätern" nicht zusteht.

Und für mich gehört es eben dazu, eine Akte von Anfang bis zum Ende zu lesen. Dann kann ich mir ein Bild machen. Ich habe auch nach 1990 genügend gelesen und einschätzen zu können, wie man mit "den Akten" umgeht. Wenn ich nur Teile , Auszüge bringe hat dies eben immer einen gewissen Beigeschmack.Ein Buch lese ich auch bis zum Ende um mir ein Urteil zu bilden und nicht nur Auszüge.


passport hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.03.2015 08:29 | nach oben springen

#42

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 09:17
von Moskwitschka | 2.529 Beiträge

Zitat von Signalobermaat im Beitrag #37
also warum sollten sie damit aufhören,solange es sich gut verkauft und noch Leute in solche Veranstaltungen gehen, und sich berieseln lassen.


Berieseln lassen - unerhört im Zusammenhang mit der Geschichte von Angela Marquardt. Für mich persönlich war es Schwerstarbeit dieses Buch zu lesen. Warum? Weil es viele Parallelen gab. Meine Eltern waren zwar keine IM's und ich wurde auch nicht sexuell mißbraucht, aber die Fassade der sozialistischen Familie war genauso fragil. Auch ich habe die Flucht vor meiner Familie ergriffen - einmal in ein Internat und dann endgültig 1978. Alles kostenlos nachzulesen hier im Forum. Auch den langen Weg der Aufarbeitung. Der bei mir auch deswegen so lang war, weil man mit sich selbst auseinander gesetzt hat und nicht mit denen, die einen "überwacht" haben. Denn sie sind im seltensten Fall für die Betreffenden greifbar und bereit sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen.

Der sexuelle Missbrauch wird in dem Buch nur angerissen. Und auch nur deswegen, weil er die Persönlickeit eines Mädchen erklärt, das jahrelang diesem ausgesetzt war. Schon erstaunlich, das in diesem Zusammenhang hier nicht die Frage aufgekommen ist - Wie war das damals in der DDR. Wohin konnten sich diese Kinder wenden. Wo hätten sie Hilfe bekommen. Aber nein, solche Fragen interessieren nicht. Denn es ist einfacher auf den Täter einzuschlagen, dem man die Eier abschneiden würde wie in diesem thread mehrfach angeschnitten " Todesstrafe für Kinderschänder"? Man schreibt sowieso lieber über Täter und wie man sie behandeln würde, als über die Folgen für die Opfer. Und im konkreten Fall lässt man auch das aus, denn der Täter war ja ein mehr oder weniger nützlicher Zuträger eines Geheimdienstes. Wie perfide.

Welche Ängste muss dieses Kind über Jahre ausgehalten haben? Da reichen eure wahrscheinlich nicht heran Da hatte ich mal so richtige Angst... Mal Angst gehabt - wenn es nicht so Ernst wäre, wenn man über Ängste schreibt - würde ich mich tot lachen.

LG von der Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

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zuletzt bearbeitet 07.03.2015 09:29 | nach oben springen

#43

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 09:23
von Moskwitschka | 2.529 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #41

Es geht ganz einfach darum, dass ich seit 1990 nur sehr wenige Personen erlebt habe, die sich objektiv mit bestimmten Themen - rund um das MfS, die Grenztruppen und NVA - beschäftigt haben. Und auch ein Herr Jahn, inkl. "seiner" Behörde gehört bei mir zu jenen, denen es nicht um eine objektive Darstellung geht. So kommen z.B. ehemalige Mitarbeiter des MfS nicht an ihre ehemaligen Materialien. Hier gibt es dann im groben den Hinweis, "dass dies den Tätern" nicht zusteht.



Und da gibt es keine Möglichkeiten "konspirativ" an die Akten heran zu kommen? Arbeiten, Dank Gauck, doch genug ehemalige Mitarrbeiter des MfS bei der BStU.

Da bin ich richtig froh, dass diese Netzwerke nicht funktionieren. Oder doch? ;-)

LG von der Moskwitschka


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Kurt Tucholsky

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#44

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 09:34
von Moskwitschka | 2.529 Beiträge

Und hier für interssierte user ein Interview mit Angela Marquardt über ihre Gründe, das Buch zu schreiben:

Seit ich 2002 mit dem Vorwurf konfrontiert worden bin, dass ich mit dem MfS zusammengearbeitet habe, lebe ich mit der Angst, dass die Geschichte wieder hochgeholt wird. Es gibt nun mal diese Akte. Sie umfasst rund 100 Seiten, wobei eben nur drei Blätter für die Öffentlichkeit zugänglich sind, das sind diejenigen Seiten, die nach meinem 18. Lebensjahr angelegt wurden und nicht mehr unter den Schutz der Minderjährigkeit fallen. Seit die Akte aufgetaucht ist, muss ich befürchten, irgendwann wieder als Stasispitzel beschimpft zu werden. Das lauert immer im Hintergrund: In welchem Fernsehinterview, das ich zum Projekt einer zukünftigen Rot-Rot-Grünen Koalition gebe, werde ich auf die Stasi angesprochen? Es geht dabei nicht nur um die Angst, dass meine Person erneut angegriffen wird. Aber das politische Projekt, für das ich werbe, lässt sich mit dem Hinweis auf meine Stasiakte natürlich schnell diffamieren. Mir war klar, wenn ich wieder öffentlich damit konfrontiert werde, muss und werde ich sowieso was sagen. Dann kann ich auch selber in die Offensive gehen und die Geschichte aus meiner Sicht erzählen.

Hier gehts weiter http://jungle-world.com/artikel/2015/10/51567.html

LG von der Moskwitschka


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#45

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 09:37
von damals wars | 12.130 Beiträge

Alles andere wird hinterfragt, warum dürfen die Schilderungen von Gysis Kleene nicht hinterfragt werden?
Noch dazu, wo manche Schilderung gerade "in Mode" ist?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#46

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 09:37
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Langsam finde ich bestimmte Äußerungen zum Thema einfach unerträglich.

Gerade von denen die sonst so viel Werbung für Verständnis, Verstehen, Akzeptanz und Toleranz machen, kommen zu einem gepushten Thema Darlegungen welche mich befürchten lassen das sie demnächst eine gesetzlich verankerte Kennzeichnungspflicht für alle ehemaligen Mitarbeiter des MfS fordern welche diese sichtbar und jederzeit am Mann bzw. Frau zu tragen haben ......

Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

zuletzt bearbeitet 07.03.2015 09:38 | nach oben springen

#47

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 10:23
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #43
Zitat von Alfred im Beitrag #41

Es geht ganz einfach darum, dass ich seit 1990 nur sehr wenige Personen erlebt habe, die sich objektiv mit bestimmten Themen - rund um das MfS, die Grenztruppen und NVA - beschäftigt haben. Und auch ein Herr Jahn, inkl. "seiner" Behörde gehört bei mir zu jenen, denen es nicht um eine objektive Darstellung geht. So kommen z.B. ehemalige Mitarbeiter des MfS nicht an ihre ehemaligen Materialien. Hier gibt es dann im groben den Hinweis, "dass dies den Tätern" nicht zusteht.



Und da gibt es keine Möglichkeiten "konspirativ" an die Akten heran zu kommen? Arbeiten, Dank Gauck, doch genug ehemalige Mitarrbeiter des MfS bei der BStU.

Da bin ich richtig froh, dass diese Netzwerke nicht funktionieren. Oder doch? ;-)

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Dieser Beitrag beweist endgültig, dass Du zu einigen Sachverhalten keine Ahnung hast. Du solltest dich mal mit einigen Themen genauer beschäftigen und erst dann was schreiben. Aber Mann / Frau kann ja erst mal wieder eine Nebelkerze werfen.


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#48

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 10:27
von Moskwitschka | 2.529 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #45
Alles andere wird hinterfragt, warum dürfen die Schilderungen von Gysis Kleene nicht hinterfragt werden?



Natürlich @damals wars Doch zwischen hinterfragen und in frage stellen, nur weil Herr Jahn bei der Podiumsdiskussion dabei war , liegen Welten.

Spannend ist auch, wie damals die Mitstreiter von Frau Marquardt in der "Krisensituation" nach der Veröffentlichung bei BILD und Spiegel reagiert haben. ;-) Waren doch damals die Genossen "abwesend", wie sie schreibt. Die einen waren wahrscheinlich schadenfroh, dass der PDS-Punk, Gysis Kleene, auf die Schnauze gefallen ist. Andere waren einfach sprachlos, wie sie zugegeben haben - "Dass jemand, mit der ich jahrelang in der Partei gegen die Stasi gekämpft hatte, nun selbst bei der Stasi gewesen sein soll, machte mich einfach sprachlos." Quelle: Seite 141 des in #1 erwähnten Buches.

Genauso erstaunlich die Reaktion eines Mitgliedes des Immunitätsausschusses, Max Stadler (FDP) , der irgendwann die Sitzung verließ, weil er die Sitzung nicht mehr ertragen konnte - "Ich sei doch noch ein Kind gewesen. Mehr muss man dazu nicht sagen." Quelle: Seite 152 des in #1 erwähnten Buches.

LG von der Moskwitschka


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#49

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 10:35
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #42
Zitat von Signalobermaat im Beitrag #37
also warum sollten sie damit aufhören,solange es sich gut verkauft und noch Leute in solche Veranstaltungen gehen, und sich berieseln lassen.




Der sexuelle Missbrauch wird in dem Buch nur angerissen. Und auch nur deswegen, weil er die Persönlickeit eines Mädchen erklärt, das jahrelang diesem ausgesetzt war. Schon erstaunlich, das in diesem Zusammenhang hier nicht die Frage aufgekommen ist - Wie war das damals in der DDR. Wohin konnten sich diese Kinder wenden. Wo hätten sie Hilfe bekommen. Aber nein, solche Fragen interessieren nicht. Denn es ist einfacher auf den Täter einzuschlagen, dem man die Eier abschneiden würde wie in diesem thread mehrfach angeschnitten " Todesstrafe für Kinderschänder"? Man schreibt sowieso lieber über Täter und wie man sie behandeln würde, als über die Folgen für die Opfer. Und im konkreten Fall lässt man auch das aus, denn der Täter war ja ein mehr oder weniger nützlicher Zuträger eines Geheimdienstes. Wie perfide.

Welche Ängste muss dieses Kind über Jahre ausgehalten haben? Da reichen eure wahrscheinlich nicht heran Da hatte ich mal so richtige Angst... Mal Angst gehabt - wenn es nicht so Ernst wäre, wenn man über Ängste schreibt - würde ich mich tot lachen.

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Wohin sollten sich Personen wenden, die vergewaltigt oder missbraucht wurden ?

Z.B. nutzen Personen den Weg zur Polizei.


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#50

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 10:39
von Moskwitschka | 2.529 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #47


Dieser Beitrag beweist endgültig, dass Du zu einigen Sachverhalten keine Ahnung hast. Du solltest dich mal mit einigen Themen genauer beschäftigen und erst dann was schreiben. Aber Mann / Frau kann ja erst mal wieder eine Nebelkerze werfen.


Ach nee @Alfred ;-) Das mit den Nebelkerzen kam sonst immer von Schnattchen :-)))) Aber hier das „Gutachten über die Beschäftigung ehemaliger Mitarbeiter des MfS bei der BStU“ http://downloads.wikileaks-press.org/file/stasi-in-bstu.pdf

Aber zurück zum Thema ;-) Kannst ja ein anderes zu Deinem Problem mit den "Akten" aufmachen.

LG von der Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

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#51

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 10:42
von Heckenhaus | 5.127 Beiträge

Ich bewundere immer wieder, wie intensiv sich in der heutigen Bundesrepublik angagiert wird, die Stasi und ihre
Machenschaften anzuprangern, mittels Schilderungen eigenen Erlebens oder auch durch Verbreitung von Hörensagen.
In regelmäßigen Abständen outet sich jemand, traut sich jemand, ist jemand bereit, sich zu offenbaren.
Wenn ich das noch erlebe, wird es in 20 Jahren immernoch so sein.

Was bewegt diese Menschen, unbedingt ihr Schicksal an die Öffentlichkeit zu bringen ?
Wer kann das schlüssig beantworten ?


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#52

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 10:42
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #50
Zitat von Alfred im Beitrag #47


Dieser Beitrag beweist endgültig, dass Du zu einigen Sachverhalten keine Ahnung hast. Du solltest dich mal mit einigen Themen genauer beschäftigen und erst dann was schreiben. Aber Mann / Frau kann ja erst mal wieder eine Nebelkerze werfen.


Ach nee @Alfred ;-) Das mit den Nebelkerzen kam sonst immer von Schnattchen :-)))) Aber hier das „Gutachten über die Beschäftigung ehemaliger Mitarbeiter des MfS bei der BStU“ http://downloads.wikileaks-press.org/file/stasi-in-bstu.pdf

Aber zurück zum Thema ;-) Kannst ja ein anderes zu Deinem Problem mit den "Akten" aufmachen.

LG von der Moskwitschka




Und diese Personen setzen sich dann über die entsprechende Gesetzte die sich mit den Unterlagen beschäftigen hinweg ?


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#53

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 10:43
von utkieker | 2.916 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #43
Zitat von Alfred im Beitrag #41

Es geht ganz einfach darum, dass ich seit 1990 nur sehr wenige Personen erlebt habe, die sich objektiv mit bestimmten Themen - rund um das MfS, die Grenztruppen und NVA - beschäftigt haben. Und auch ein Herr Jahn, inkl. "seiner" Behörde gehört bei mir zu jenen, denen es nicht um eine objektive Darstellung geht. So kommen z.B. ehemalige Mitarbeiter des MfS nicht an ihre ehemaligen Materialien. Hier gibt es dann im groben den Hinweis, "dass dies den Tätern" nicht zusteht.



Und da gibt es keine Möglichkeiten "konspirativ" an die Akten heran zu kommen? Arbeiten, Dank Gauck, doch genug ehemalige Mitarrbeiter des MfS bei der BStU.

Da bin ich richtig froh, dass diese Netzwerke nicht funktionieren. Oder doch? ;-)

LG von der Moskwitschka


Einerseits halte ich Roland Jahn durchaus für eine gute Wahl, für das Amt der BSTU. Anders als seine Amtsvorgänger Birthler und Gauck war er wirklich Opfer der DDR. Andererseits muss ich Alfred recht geben, Stasi heißt der Rechtfertigungsgrund um Jemanden auch ohne Gerichtsurteil zum Täter zu erklären. Vorverurteilungen stehen aber einen Rechtsstaat nicht gut zu Gesicht, Pauschalurteile zerstören jeglichen Rechtsgrundsatz. Der Staat zeigt sich befangen und ist nicht in der Lage, daß Problem "Stasi" rechtsstaatlich zu lösen und schaltet eine "moralische" Instanz dazwischen. Bei der "moralischen" Urteilsfindung hat der Delinquent keine Chance, er kann schweigen, alles Abstreiten, sich rechtfertigen oder einen Anwalt nehmen - alles wird in Zweifel gezogen oder gegen ihn verwendet.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#54

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 10:44
von Moskwitschka | 2.529 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #52
Und diese Personen setzen sich dann über die entsprechende Gesetzte die sich mit den Unterlagen beschäftigen hinweg ?


Das war eine Frage mit *zwinker* an Dich @Alfred, der ja sonst immer alles weiß. ;-) Und wieder habe ich gezwinkert.

LG von der Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

zuletzt bearbeitet 07.03.2015 10:44 | nach oben springen

#55

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 10:59
von Dandelion (gelöscht)
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Zitat von Heckenhaus im Beitrag #51
Was bewegt diese Menschen, unbedingt ihr Schicksal an die Öffentlichkeit zu bringen ?
Wer kann das schlüssig beantworten ?

Ich denke, dass diese Fragen nur die "Betroffenen" selber, die Autoren der Bücher oder die Verantwortlichen für Dokumentationen im TV beantworten können. Ich glaube nicht, dass es einen "Einheitsgrund" gibt, der für alle diese Veröffentlichungen gilt. Zudem maße ich mir nicht an, über die Motive von Zeitzeugen zu spekulieren.


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#56

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 11:02
von Moskwitschka | 2.529 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #49
Wohin sollten sich Personen wenden, die vergewaltigt oder missbraucht wurden ?

Z.B. nutzen Personen den Weg zur Polizei.



Das ist einfacher gesagt als getan @Alfred Hier mal auf die Schnelle eine kurze Einführung.

Stumme Hilfeschreie erkennen

Oft schweigen die Opfer von sexuellem Missbrauch aus Angst oder Scham - gerade wenn der Täter aus dem näheren Umfeld stammt. Doch auch dann gibt es Anzeichen, die auf sexuellen Missbrauch hindeuten können.


http://www.br.de/themen/ratgeber/inhalt/...zeichen100.html

Im übrigen geht Frau Marquardt nicht soweit, dass sie den hauptamtlichen Mitarbeitern der Greifswalder Kreisdienststelle unterstellt, dass sie diese Zeichen erkannt haben könnten. Es waren für sie Menschen, die sie mit all ihren anderen Problemen und Sorgen als Jugndliche ernst genommen haben. Zumindest vermittelten sie diesen Eindruck. Daher auch das Vertrauen, das sie ihnen entgegen gebracht hat.

LG von der Moskwitschka


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Kurt Tucholsky

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#57

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 11:07
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #56
Zitat von Alfred im Beitrag #49
Wohin sollten sich Personen wenden, die vergewaltigt oder missbraucht wurden ?

Z.B. nutzen Personen den Weg zur Polizei.



Das ist einfacher gesagt als getan @Alfred Hier mal auf die Schnelle eine kurze Einführung.

Stumme Hilfeschreie erkennen

Oft schweigen die Opfer von sexuellem Missbrauch aus Angst oder Scham - gerade wenn der Täter aus dem näheren Umfeld stammt. Doch auch dann gibt es Anzeichen, die auf sexuellen Missbrauch hindeuten können.


http://www.br.de/themen/ratgeber/inhalt/...zeichen100.html

Im übrigen geht Frau Marquardt nicht soweit, dass sie den hauptamtlichen Mitarbeitern der Greifswalder Kreisdienststelle unterstellt, dass sie diese Zeichen erkannt haben könnten. Es waren für sie Menschen, die sie mit all ihren anderen Problemen und Sorgen als Jugndliche ernst genommen haben. Zumindest vermittelten sie diesen Eindruck. Daher auch das Vertrauen, das sie ihnen entgegen gebracht hat.

LG von der Moskwitschka





Du solltest hier nichts vermischen !

Das es für Opfer von Straftaten nicht immer einfach ist steht doch nicht zur Diskussion. Nur sollte man nicht so tun als gebe es bestimmte Möglichkeiten nicht. Schließlich nutzen auch Vergewaltigungs und Missbrauchsopfer in der DDR entsprechende Möglichkeiten.

Aber all dies ist auch keine Eigenheit der DDR.


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#58

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 11:11
von Lutze | 8.033 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #49
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #42
Zitat von Signalobermaat im Beitrag #37
also warum sollten sie damit aufhören,solange es sich gut verkauft und noch Leute in solche Veranstaltungen gehen, und sich berieseln lassen.




Der sexuelle Missbrauch wird in dem Buch nur angerissen. Und auch nur deswegen, weil er die Persönlickeit eines Mädchen erklärt, das jahrelang diesem ausgesetzt war. Schon erstaunlich, das in diesem Zusammenhang hier nicht die Frage aufgekommen ist - Wie war das damals in der DDR. Wohin konnten sich diese Kinder wenden. Wo hätten sie Hilfe bekommen. Aber nein, solche Fragen interessieren nicht. Denn es ist einfacher auf den Täter einzuschlagen, dem man die Eier abschneiden würde wie in diesem thread mehrfach angeschnitten " Todesstrafe für Kinderschänder"? Man schreibt sowieso lieber über Täter und wie man sie behandeln würde, als über die Folgen für die Opfer. Und im konkreten Fall lässt man auch das aus, denn der Täter war ja ein mehr oder weniger nützlicher Zuträger eines Geheimdienstes. Wie perfide.

Welche Ängste muss dieses Kind über Jahre ausgehalten haben? Da reichen eure wahrscheinlich nicht heran Da hatte ich mal so richtige Angst... Mal Angst gehabt - wenn es nicht so Ernst wäre, wenn man über Ängste schreibt - würde ich mich tot lachen.

LG von der Moskwitschka




Wohin sollten sich Personen wenden, die vergewaltigt oder missbraucht wurden ?

Z.B. nutzen Personen den Weg zur Polizei.


mein Stiefvater hat mich sexuell missbraucht,
und der ist bei der Stasi,
was die Genossen bei der nächsten VPKA-Dienststelle
da wohl gemacht hätten,wenn ein Kind mit dieser Aussage
dort aufgetaucht wäre?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#59

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 11:11
von Moskwitschka | 2.529 Beiträge

Gibt es dazu Veröffentlichungen @Alfred , wie das in der DDR war? Das ist eine ernst gemeinte Frage und würde ein willkommener sachlicher Beitrag zum Thema sein. Denn Gott sei dank musste ich mich persönlich mit dem Thema weder vor noch nach 1989 beschäftigen - Sexueller Mißbrauch von Kindern.

LG von der Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

zuletzt bearbeitet 07.03.2015 11:12 | nach oben springen

#60

RE: Vater, Mutter, Stasi - eine Buchvorstellung

in DDR Staat und Regime 07.03.2015 11:15
von Dandelion (gelöscht)
avatar

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #56
Daher auch das Vertrauen, das sie ihnen entgegen gebracht hat.

Noch eine Anmerkung zu dem "Vertrauen": Beide Eltern waren für das MfS (sie sagt übrigens immer noch "MfS" und benutzt das negativ besetzte Wort "Stasi" abgesehen vom Titel nur selten, das ist mir während der Diskussion aufgefallen) tätig. Die Mitarbeiter pflegten auch außerhalb des Dienstes und auf privater Ebene ihre Kontakte und so waren für sie als Kind die Besucher nicht die Mitarbeiter des MfS, sondern der Thomas oder der Klaus: Freunde ihrer Eltern halt, nicht mehr und nicht weniger. Die sie als Menschen und nicht als Funktionsträger wahrgenommen hat, zu denen sich im Laufe der Jahre auch eine Art von "onkelhaftem" Vertrauensverhältnis aufgebaut hat.

Jedes Kind empfindet es als "normal", was sich in seinem täglichen Umfeld abspielt. Und diese "Normaliität" prägte sie später weiter, auch, als sie erfuhr, welche Aufgaben das MfS hat.


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