#1

Meine Zeit im GAR 40 Oranienburg - Teil 2

in Grenztruppen der DDR 03.03.2015 09:55
von Pitti | 39 Beiträge

Nachdem ich meine Ausbildung zum Uffz. abgeschlossen hatte, gab es 2 Tage Lehrgangsurlaub und danach war die Erwartung groß wohin man versetzt wurde. Soweit ich es heute noch weiß wurden alle meine Kameraden auf die Grenzkompanien verteilt.
Ich kam vom Urlaub und meldete mich beim UvD. Der bedeutete mir mich unverzüglich beim Spieß zu melden. Ich also in die Schreibstube, um den Spieß zu suchen.
Der Spieß kam und ich wurde in sein Zimmer beordert. Dort bot er mir einen Stuhl an (?????) und begann mit mir zu plaudern. Wie der Urlaub so war usw., usw.. Ich lernte einen völlig anderen Menschen kennen und war total von den Socken. Der Grund seines Verhaltens war, dass wir ja nun erstmal sozusagen Kollegen wären. Ich: ?????
Dann kam er raus mit den Schmalzstullen:
Von Mai bis Juli 1965 sollte ein Schnellbesohlungslehrgang stattfinden, der ausgesuchte Gefreite und Stabsgefreite aus den Genzkompanien in den 3 Monaten zum Uffz. machen sollte. Und ich war ausgesucht worden bei diesem Lehrgang den Hauptfeldwebel zu mimen.
Man stelle sich vor: Eine ganze Kompanie EK´s aus den Grenzkompanien und ich als frisch gebackener Unteroffizier.
Der Leiter des Lehrgangs war ein Major der Reserve, der neben einem Hauptmann als Politoffizier das ganze managen sollte.
Um es kurz zu machen nur mal eine Episode, die aber symptomatisch ist:
Nachdem die Leute alle angekommen waren und sich eingerichtet hatten war das erste Mal antreten zur Dienstausgabe angesagt. Erstmal dauerte es nach meinem Gefühl ewig, ehe die sich auf dem Innenhof des Schlosses einfandenn (wir waren in einem Seitenflügel untergebracht). Aber irgendwann lungerten sie da mehr oder weniger herum. Den Gruppenführern hatte ich nahegelegt, sich um die Austellung zu kümmern.
Dann kam der Major nebst Politnik und ich brüllte aus Leibeskräften: "Lehrgang Stilllllllstannnn". Die Leute schauten sich entgeistert an und grinsten teilweise und fanden gar kein Verständnis dafür, dass ein so junger Mann am frühen Morgen so laut war. Mein Versuch der Disziplinierung hatte wenig bis gar keinen Erfolg. Intuitiv machte ich das einzig richtige: Ich ignorierte meinen Mißerfolg, baute mich vor dem Major auf und machte meine Meldung. Zackig wie ich es gelernt hatte.
Der Major war aber auch einer, der eher einen Gartenverein leiten konnte als einen Lehrgang mit EK´s.
Das Ganze war schon eine Schmunzelnummer, so sehe ich das im Nachhinein.
Das viertel Jahr ging herum und was nun?
Als die frischen Unteroffiziere wieder in ihre Grenzkompanien abgereist waren und ich alles wieder an den Hauptfeld der Uffz.-Schule übergeben hatte fragte ich nun natürlich nach meiner weiteren Verwendung. Die ließ nicht lange auf sich warten. Ich bekam den Befehl meinen Seesack zu packen, um mich in der 3. Kompanie zu melden.

Ich meldete mich beim UvD der 3. Kompanie und der schickte mich gleich weiter in die Schreibstube. Dort saß ein Stabsfeldwebel, der sich als Hauptfeldwebel Sch. vorstellte, nachdem ich mich zackig gemeldet hatte.
Wir beide waren allein in der Schreibstube. Mein neuer Spieß stand auf, trat auf mich zu und stellte eine völlig unerwartete Frage: Wie lange muss eine Nummer dauern? Ich war sowas von perplex und ratlos, dass ich zunächst gar nichts sagen konnte. War das ein Witz, war das Spaß? Nee, weder noch, er meinte es erst. Sehr ernst sogar, wie ich später heraus bekam.
Soweit mein erster Eindruck von meinem nächsten Vorgesetzten...

Die 3. Kompanie war in einer Holzbaracke untergebracht, die dem nahen ehemaligen KZ Sachsenhausen alle Ehre machte. Keine Heizung in den Stuben, nur ein Kanonenofen, der narürlich keinerlei Speichervermögen hatte, was sich am Morgen in der Raumtemperatur zeigte. Saukalt im Winter.
Ich wurde Gruppenführer, ich glaube im 1. Zug, und das normale Ausbildungsleben begann. Konspekte schreiben, Ausbildung vorbereiten, Einweisung durch den Zugführer usw., usw..

Ich weiß nicht mehr genau wann, kam ein Befehl mich im Stab zu melden bei einem Hauptmann XXX. Der war, so stellte sich heraus, der Chef Kommandantendienst im Regiment. Kurzum, er sagte mir, dass ich ab sofort Gruppenführer der Regulierer sei und im Alarmfall x+30 min bei ihm zum Befehlsempfang zu erscheinen habe. Von der Kompanie hätte mir insoweit keiner mehr was zu sagen. Gleichzeitig wurde ich zum KfZ-Gruppenführer ernannt. Tja, was nun? Ich und KfZ. Ich hatte nicht mal eine Fahrerlaubnis und Angst auf ´nem Moped zu sitzen.
In der Kompanie bekam ich ein gesondertes Zimmer, zusammen mit dem Schreiber und alles war gut.
Die erste Aufgabe gab es auch schon: Ich war Hilfsfahrschullehrer bei der Fahrschule für die jungen Genossen, die Militärkraftfahrer werden sollten. Wir bildeten die für die Grenzkompanien aus. Und ich wiederhole, ich hatte noch nicht mal eine Fahrerlaubnis! Tja, das war die Armee.
Anläßlich einer Regimentsübung holte mich der Stabschef mal beiseite und sagte irgendwie anerkennend: Sie steigen wohl nie ab vom Motorrad, egal was für ein Gelände? Aber warum sitzen sie immer auf dem Sozius und fahren nicht selbst? Da habe ich ihm den Grund gesagt und er war erstaunt und versprach sofortige Änderung. Das war Anfang Dezember 1965. Ich sage Euch, keine 14 Tage später hatte ich die Fahrerlaubnis Klasse 1 + 5 und war ebenso Militärktaftfahrer! Tja, so war es damals.
Und nun fuhr ich wie ein Verrückter. Jede nur erdenkliche Fahrt übernahm ich. Heute würde ich sagen, ich war reglrecht fahrgeil geworden.
Den KfZ bin ich bis zum Schluß treu geblieben, ebenso dem Kommandantendienst (Regulierer).
Ich hatte es nun eigentlich ganz gut getroffen, denn während meine Kameraden zur Ausbildung marschierten, lungerte ich im KfZ-Park herum oder fuhr meinem Kompaniechef seinen neuen Kühlschrank nach Hause. Auch den konspirative Kauf von schöngeistigen Getränken (die mittlerweile per Ministerbefehl in den Kasernen verboten waren) und deren Transport in unsere Kompanie gehörte zu meinen Anforderungen.

Und natürlich gab es hin und wieder auch Grenzdienst für mich. Wenn auch nicht oft, aber dennoch beeindruckend. Insbesondere einige Erlebnisse haben sich mir sehr eingeprägt.
Aber dazu vielleicht später mal mehr.

Gruß
Dieter



Rothaut, hundemuchtel 88 0,5 und VNRut haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: Meine Zeit im GAR 40 Oranienburg - Teil 2

in Grenztruppen der DDR 03.03.2015 11:34
von rotrang (gelöscht)
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Zitat von Pitti im Beitrag #1
Nachdem ich meine Ausbildung zum Uffz. abgeschlossen hatte, gab es 2 Tage Lehrgangsurlaub und danach war die Erwartung groß wohin man versetzt wurde. Soweit ich es heute noch weiß wurden alle meine Kameraden auf die Grenzkompanien verteilt.
Ich kam vom Urlaub und meldete mich beim UvD. Der bedeutete mir mich unverzüglich beim Spieß zu melden. Ich also in die Schreibstube, um den Spieß zu suchen.
Der Spieß kam und ich wurde in sein Zimmer beordert. Dort bot er mir einen Stuhl an (?????) und begann mit mir zu plaudern. Wie der Urlaub so war usw., usw.. Ich lernte einen völlig anderen Menschen kennen und war total von den Socken. Der Grund seines Verhaltens war, dass wir ja nun erstmal sozusagen Kollegen wären. Ich: ?????
Dann kam er raus mit den Schmalzstullen:
Von Mai bis Juli 1965 sollte ein Schnellbesohlungslehrgang stattfinden, der ausgesuchte Gefreite und Stabsgefreite aus den Genzkompanien in den 3 Monaten zum Uffz. machen sollte. Und ich war ausgesucht worden bei diesem Lehrgang den Hauptfeldwebel zu mimen.
Man stelle sich vor: Eine ganze Kompanie EK´s aus den Grenzkompanien und ich als frisch gebackener Unteroffizier.
Der Leiter des Lehrgangs war ein Major der Reserve, der neben einem Hauptmann als Politoffizier das ganze managen sollte.
Um es kurz zu machen nur mal eine Episode, die aber symptomatisch ist:
Nachdem die Leute alle angekommen waren und sich eingerichtet hatten war das erste Mal antreten zur Dienstausgabe angesagt. Erstmal dauerte es nach meinem Gefühl ewig, ehe die sich auf dem Innenhof des Schlosses einfandenn (wir waren in einem Seitenflügel untergebracht). Aber irgendwann lungerten sie da mehr oder weniger herum. Den Gruppenführern hatte ich nahegelegt, sich um die Austellung zu kümmern.
Dann kam der Major nebst Politnik und ich brüllte aus Leibeskräften: "Lehrgang Stilllllllstannnn". Die Leute schauten sich entgeistert an und grinsten teilweise und fanden gar kein Verständnis dafür, dass ein so junger Mann am frühen Morgen so laut war. Mein Versuch der Disziplinierung hatte wenig bis gar keinen Erfolg. Intuitiv machte ich das einzig richtige: Ich ignorierte meinen Mißerfolg, baute mich vor dem Major auf und machte meine Meldung. Zackig wie ich es gelernt hatte.
Der Major war aber auch einer, der eher einen Gartenverein leiten konnte als einen Lehrgang mit EK´s.
Das Ganze war schon eine Schmunzelnummer, so sehe ich das im Nachhinein.
Das viertel Jahr ging herum und was nun?
Als die frischen Unteroffiziere wieder in ihre Grenzkompanien abgereist waren und ich alles wieder an den Hauptfeld der Uffz.-Schule übergeben hatte fragte ich nun natürlich nach meiner weiteren Verwendung. Die ließ nicht lange auf sich warten. Ich bekam den Befehl meinen Seesack zu packen, um mich in der 3. Kompanie zu melden.

Ich meldete mich beim UvD der 3. Kompanie und der schickte mich gleich weiter in die Schreibstube. Dort saß ein Stabsfeldwebel, der sich als Hauptfeldwebel Sch. vorstellte, nachdem ich mich zackig gemeldet hatte.
Wir beide waren allein in der Schreibstube. Mein neuer Spieß stand auf, trat auf mich zu und stellte eine völlig unerwartete Frage: Wie lange muss eine Nummer dauern? Ich war sowas von perplex und ratlos, dass ich zunächst gar nichts sagen konnte. War das ein Witz, war das Spaß? Nee, weder noch, er meinte es erst. Sehr ernst sogar, wie ich später heraus bekam.
Soweit mein erster Eindruck von meinem nächsten Vorgesetzten...

Die 3. Kompanie war in einer Holzbaracke untergebracht, die dem nahen ehemaligen KZ Sachsenhausen alle Ehre machte. Keine Heizung in den Stuben, nur ein Kanonenofen, der narürlich keinerlei Speichervermögen hatte, was sich am Morgen in der Raumtemperatur zeigte. Saukalt im Winter.
Ich wurde Gruppenführer, ich glaube im 1. Zug, und das normale Ausbildungsleben begann. Konspekte schreiben, Ausbildung vorbereiten, Einweisung durch den Zugführer usw., usw..

Ich weiß nicht mehr genau wann, kam ein Befehl mich im Stab zu melden bei einem Hauptmann XXX. Der war, so stellte sich heraus, der Chef Kommandantendienst im Regiment. Kurzum, er sagte mir, dass ich ab sofort Gruppenführer der Regulierer sei und im Alarmfall x+30 min bei ihm zum Befehlsempfang zu erscheinen habe. Von der Kompanie hätte mir insoweit keiner mehr was zu sagen. Gleichzeitig wurde ich zum KfZ-Gruppenführer ernannt. Tja, was nun? Ich und KfZ. Ich hatte nicht mal eine Fahrerlaubnis und Angst auf ´nem Moped zu sitzen.
In der Kompanie bekam ich ein gesondertes Zimmer, zusammen mit dem Schreiber und alles war gut.
Die erste Aufgabe gab es auch schon: Ich war Hilfsfahrschullehrer bei der Fahrschule für die jungen Genossen, die Militärkraftfahrer werden sollten. Wir bildeten die für die Grenzkompanien aus. Und ich wiederhole, ich hatte noch nicht mal eine Fahrerlaubnis! Tja, das war die Armee.
Anläßlich einer Regimentsübung holte mich der Stabschef mal beiseite und sagte irgendwie anerkennend: Sie steigen wohl nie ab vom Motorrad, egal was für ein Gelände? Aber warum sitzen sie immer auf dem Sozius und fahren nicht selbst? Da habe ich ihm den Grund gesagt und er war erstaunt und versprach sofortige Änderung. Das war Anfang Dezember 1965. Ich sage Euch, keine 14 Tage später hatte ich die Fahrerlaubnis Klasse 1 + 5 und war ebenso Militärktaftfahrer! Tja, so war es damals.
Und nun fuhr ich wie ein Verrückter. Jede nur erdenkliche Fahrt übernahm ich. Heute würde ich sagen, ich war reglrecht fahrgeil geworden.
Den KfZ bin ich bis zum Schluß treu geblieben, ebenso dem Kommandantendienst (Regulierer).
Ich hatte es nun eigentlich ganz gut getroffen, denn während meine Kameraden zur Ausbildung marschierten, lungerte ich im KfZ-Park herum oder fuhr meinem Kompaniechef seinen neuen Kühlschrank nach Hause. Auch den konspirative Kauf von schöngeistigen Getränken (die mittlerweile per Ministerbefehl in den Kasernen verboten waren) und deren Transport in unsere Kompanie gehörte zu meinen Anforderungen.

Und natürlich gab es hin und wieder auch Grenzdienst für mich. Wenn auch nicht oft, aber dennoch beeindruckend. Insbesondere einige Erlebnisse haben sich mir sehr eingeprägt.
Aber dazu vielleicht später mal mehr.

Gruß
Dieter








Aber Hallo Dieter das ist doch ein Einstand mit Grenzer Thema Klasse, wir sind ganz


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