#1

Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.08.2009 18:18
von Angelo | 12.397 Beiträge

Nach Angaben der Birthler-Behörde hat sich jeder zweiundsechzigste erwachsene DDR-Bürger als hauptamtlicher oder inoffizieller Mitarbeiter für das MfS werben lassen. „Es war ein gut bezahlter Job und wir hatten in der Kreisdienststelle eine gute Kollegialität“ Ist das denn war das die Staatssicherheit Geruchsproben von DDR Bürgern genommen hat? Und wenn ja,was soll das denn bringen? Und wie wurde das gemacht?


Ich frage das wegen diesem Artikel hier

http://www.die-tagespost.de/2008/index.p...051269&Itemid=1


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#2

RE: Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.08.2009 18:38
von Heldrasteiner (gelöscht)
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Ähm, dazu fällt mir eine Szene aus dem Film "Das Leben der Anderen" ein, in der bei einem Verhör der Beschuldigte die Handflächen auf die Sitzfläche des Stuhles, auf dem er saß, stützen mußte und nach beendeten Verhör der Stuhlsitzbezug abgenommen und ein Stück davon in einem Schraubglas aufbewahrt wurde.

Welchen Sinn das hat?
Kann mir nur vorstellen, daß Fährtenhunde die Spur dieses Menschen besser finden können.


zuletzt bearbeitet 29.08.2009 18:39 | nach oben springen

#3

RE: Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.08.2009 19:14
von Merkur | 1.026 Beiträge

[quote="Angelo"] Und wenn ja,was soll das denn bringen? Und wie wurde das gemacht?
/quote]

Da können sicher die Angehörigen des Diensthundewesens des MdI, hier die Differenzierungshundeführer, Auskunft geben. An deren Spezialschule in Pretzsch sind derartige Methoden der Geruchsidentifizierung entwickelt worden.
Aber ein wenig kann ich dazu auch sagen.
Diese kriminalistische Methode beruhte auf der Feststellung, dass jeder Mensch Träger eines arteigenen und spezifischen Geruchs ist. Durch direkten Kontakt werden Teile des Geruchs auf die berührten Gegenstände unbeabsichtigt und für den Menschen nicht wahrnehmbar übertragen.
Die Sicherung von Geruchsproben erfolgte unter Anwendung steriler Staubtücher, langer Pinzetten oder Klemmzangen unter Vermeidung von Geruchsüberlagerungen an Ereignisorten, Tatwerkzeugen o. a. spurentragenden Gegenständen. Die für die Differenzierung benötigten Vergleichsmaterialien (Geruchskonserven) von verdächtigen Personen wurden bevorzugt durch den direkten Kontakt mit den für die Sicherung bestimmten sterilen Staubtüchern in der Hüft- bzw. Leistengegend gesichert. In Ausnahmefällen konnten Vergleichsmaterialien auch von der Bekleidung der verdächtigen Person oder von ihr berührten Gegenständen gesichert werden. Die Aufbewahrung und der Transport der gesicherten Geruchsspuren und Geruchskonserven erfolgte grundsätzlich in sterilen, luftdicht verschlossenen Weckgläsern.
Das Ergebnis der Geruchsidentifizierung konnte nicht als Beweismittel im Strafverfahren verwendet werden.



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#4

RE: Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.08.2009 19:16
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von Heldrasteiner
Ähm, dazu fällt mir eine Szene aus dem Film "Das Leben der Anderen" ein, in der bei einem Verhör der Beschuldigte die Handflächen auf die Sitzfläche des Stuhles, auf dem er saß, stützen mußte und nach beendeten Verhör der Stuhlsitzbezug abgenommen und ein Stück davon in einem Schraubglas aufbewahrt wurde.

Welchen Sinn das hat?
Kann mir nur vorstellen, daß Fährtenhunde die Spur dieses Menschen besser finden können.



Hallo,
genau so ist das und von diesen Proben gab es nicht nur 2 oder 3 !!

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#5

RE: Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.08.2009 23:19
von Pitti53 | 8.791 Beiträge

Zitat von Merkur
[quote="Angelo"] Und wenn ja,was soll das denn bringen? Und wie wurde das gemacht?
/quote]

Da können sicher die Angehörigen des Diensthundewesens des MdI, hier die Differenzierungshundeführer, Auskunft geben. An deren Spezialschule in Pretzsch sind derartige Methoden der Geruchsidentifizierung entwickelt worden.
Aber ein wenig kann ich dazu auch sagen.
Diese kriminalistische Methode beruhte auf der Feststellung, dass jeder Mensch Träger eines arteigenen und spezifischen Geruchs ist. Durch direkten Kontakt werden Teile des Geruchs auf die berührten Gegenstände unbeabsichtigt und für den Menschen nicht wahrnehmbar übertragen.
Die Sicherung von Geruchsproben erfolgte unter Anwendung steriler Staubtücher, langer Pinzetten oder Klemmzangen unter Vermeidung von Geruchsüberlagerungen an Ereignisorten, Tatwerkzeugen o. a. spurentragenden Gegenständen. Die für die Differenzierung benötigten Vergleichsmaterialien (Geruchskonserven) von verdächtigen Personen wurden bevorzugt durch den direkten Kontakt mit den für die Sicherung bestimmten sterilen Staubtüchern in der Hüft- bzw. Leistengegend gesichert. In Ausnahmefällen konnten Vergleichsmaterialien auch von der Bekleidung der verdächtigen Person oder von ihr berührten Gegenständen gesichert werden. Die Aufbewahrung und der Transport der gesicherten Geruchsspuren und Geruchskonserven erfolgte grundsätzlich in sterilen, luftdicht verschlossenen Weckgläsern.
Das Ergebnis der Geruchsidentifizierung konnte nicht als Beweismittel im Strafverfahren verwendet werden.


aber die könne doch nur zeitlich begrenzt haltbar gewesen sein?


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#6

RE: Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.08.2009 00:35
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von Merkur
Da können sicher die Angehörigen des Diensthundewesens des MdI, hier die Differenzierungshundeführer, Auskunft geben. An deren Spezialschule in Pretzsch sind derartige Methoden der Geruchsidentifizierung entwickelt worden.
Aber ein wenig kann ich dazu auch sagen.
Diese kriminalistische Methode beruhte auf der Feststellung, dass jeder Mensch Träger eines arteigenen und spezifischen Geruchs ist. Durch direkten Kontakt werden Teile des Geruchs auf die berührten Gegenstände unbeabsichtigt und für den Menschen nicht wahrnehmbar übertragen.
Die Sicherung von Geruchsproben erfolgte unter Anwendung steriler Staubtücher, langer Pinzetten oder Klemmzangen unter Vermeidung von Geruchsüberlagerungen an Ereignisorten, Tatwerkzeugen o. a. spurentragenden Gegenständen. Die für die Differenzierung benötigten Vergleichsmaterialien (Geruchskonserven) von verdächtigen Personen wurden bevorzugt durch den direkten Kontakt mit den für die Sicherung bestimmten sterilen Staubtüchern in der Hüft- bzw. Leistengegend gesichert. In Ausnahmefällen konnten Vergleichsmaterialien auch von der Bekleidung der verdächtigen Person oder von ihr berührten Gegenständen gesichert werden. Die Aufbewahrung und der Transport der gesicherten Geruchsspuren und Geruchskonserven erfolgte grundsätzlich in sterilen, luftdicht verschlossenen Weckgläsern.
Das Ergebnis der Geruchsidentifizierung konnte nicht als Beweismittel im Strafverfahren verwendet werden.


Hallo Merkur,

ich danke Dir fuer Deine Antwort. Ich weiss diese Information zu schaetzen, zumal sie aus eigener Erfahrung zu kommen scheint, und so eine gewisse Autentizitaet besitzt die fuer dieses Forum wichtig ist.

Also, nur eine Anmerkung, und dann anschliessend eine Frage.

Als ich von diesen Geruchskonserven zuerst erfuhr (durch einen DVD-Dokufilm) kam es mir zuerst makabre, danach eigentlich naheliegend vor.

Und daher meine Frage, ob diese Technik auch in anderen Laendern bzw. bei anderen Geheimdiensten auch praktiziert wurde ?

Vielen Dank, bis bald im Forum!
Berliner


zuletzt bearbeitet 30.08.2009 00:46 | nach oben springen

#7

RE: Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.08.2009 00:51
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Und daher meine Frage, ob diese Technik auch in anderen Laendern bzw. bei anderen Geheimdiensten auch praktiziert wurde ?

Vielen Dank, bis bald im Forum!
Berliner
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ich würde es mit ja bestätigen.den ein Geheimdienst dieser Welt lernt nie aus.Man lernt nur dazu oder man hat es schon-gelernt.Wie gesagt--ein Staat im Staate.


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#8

RE: Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.08.2009 01:17
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Berliner
Und daher meine Frage, ob diese Technik auch in anderen Laendern bzw. bei anderen Geheimdiensten auch praktiziert wurde ?


Na, wenn das keine Steilvorlage fuer die "usual suspects" ist

Ich hol' mal meine Kristallkugel, und voraus-sag mal das wir jetzt die gewoehnlichen TLA's (und eine 2 stellige + Zahl) geliefert bekommen. Zum Schluss dann der obligatorische Hinweis auf B2M.

-Th


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#9

RE: Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.08.2009 06:30
von S51 | 3.733 Beiträge

Das ist weniger eine spezielle Technik der Geheimdienste, sondern eine der Kriminaltechnik allgemein. Wir haben sie in der Ausbildung auch gelernt. Sie wird auch heute praktiziert zum Beispiel, wenn Hunde eingesetzt werden, um eine vermisste Person oder Spuren ihres Aufenthaltes zu finden. Im Fall M. in Leipzig wurde der Einsatz solcher Hunde und derartiger Proben mal öffentlich gemacht. Aber er ist in speziellen Fällen durchaus die Regel.
In der DDR haben wir sie auch eingesetzt, um Serieneinbrecher zu ermitteln. Ich hatte da einen Fall in Berlin-Lichtenberg. Der hat Gaststätten ausgenommen und wir haben ihn eben auch durch eine solche Geruchsprobe wie auch durch Schuhabdrücke identifiziert.
Deshalb halte ich Sitzbezüge als Spurenträger für eher unwahrscheinlich. Einfach, weil darauf ja auch andere Menschen sitzen. Die Spur wäre unsauber, wie verunreinigte DNA-Spuren auch.
Spurenträger wurden nur von bekannten Serientätern gesichert. Alles andere wäre unökonomisch gewesen. Man stelle sich riesige, klimatisierte Lagerhäuser mit xxxx Gläsern voller Spurenträger vor ... So irre war auch die DDR nicht.
Die Haltbarkeit war ordentlich. zwei Jahre wurden erfolgreich getestet.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 30.08.2009 06:30 | nach oben springen

#10

RE: Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.08.2009 10:02
von manudave (gelöscht)
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Zitat von Pitti53

Zitat von Merkur
[quote="Angelo"] Und wenn ja,was soll das denn bringen? Und wie wurde das gemacht?
/quote]

Da können sicher die Angehörigen des Diensthundewesens des MdI, hier die Differenzierungshundeführer, Auskunft geben. An deren Spezialschule in Pretzsch sind derartige Methoden der Geruchsidentifizierung entwickelt worden.
Aber ein wenig kann ich dazu auch sagen.
Diese kriminalistische Methode beruhte auf der Feststellung, dass jeder Mensch Träger eines arteigenen und spezifischen Geruchs ist. Durch direkten Kontakt werden Teile des Geruchs auf die berührten Gegenstände unbeabsichtigt und für den Menschen nicht wahrnehmbar übertragen.
Die Sicherung von Geruchsproben erfolgte unter Anwendung steriler Staubtücher, langer Pinzetten oder Klemmzangen unter Vermeidung von Geruchsüberlagerungen an Ereignisorten, Tatwerkzeugen o. a. spurentragenden Gegenständen. Die für die Differenzierung benötigten Vergleichsmaterialien (Geruchskonserven) von verdächtigen Personen wurden bevorzugt durch den direkten Kontakt mit den für die Sicherung bestimmten sterilen Staubtüchern in der Hüft- bzw. Leistengegend gesichert. In Ausnahmefällen konnten Vergleichsmaterialien auch von der Bekleidung der verdächtigen Person oder von ihr berührten Gegenständen gesichert werden. Die Aufbewahrung und der Transport der gesicherten Geruchsspuren und Geruchskonserven erfolgte grundsätzlich in sterilen, luftdicht verschlossenen Weckgläsern.
Das Ergebnis der Geruchsidentifizierung konnte nicht als Beweismittel im Strafverfahren verwendet werden.


aber die könne doch nur zeitlich begrenzt haltbar gewesen sein?




Einfach einfrieren - ist wie mit heißen Wasser - einfach einfrieren, kann man immer gebrauchen.


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#11

RE: Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.08.2009 10:11
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Geruchsproben wurden in Gläsern aufbewahrt und konnten mehrfach und über Jahre hinweg zu Erkennung genutzt werden.



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#12

RE: Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 02.09.2009 09:07
von sentry | 1.108 Beiträge

Irgendwo muss von mir auch noch so 'n Weckglas rumgammeln...wahrscheinlich im Weckglas-Himmel.
Da die Probe schon '84 genommen wurde, kann ich mich an das vollständige Prozedere nicht mehr genau erinnern. Auf jeden Fall musste ich mir so ein besagtes Staubtuch eine Weile in die Hosentasche stecken und es dann ins Weckglas werfen.


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#13

RE: Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 02.09.2009 09:19
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@sentry, könntest du mir bitte mal den zusammenhang erklären ? wieso, weshalb, warum ? danke


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#14

RE: Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 02.09.2009 09:25
von sentry | 1.108 Beiträge

Als wir das erste mal darüber sprachen, gab es noch ein BStU-Forum, remember?


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#15

RE: Die Stasi archivierte auch Geruchsproben von Bürgern der DDR

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 02.09.2009 09:45
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von sentry
Als wir das erste mal darüber sprachen, gab es noch ein BStU-Forum, remember?



ja, jetzt alles klar. hatte dich nicht damit in zusammenhang gebracht. danke für den wink...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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