#181

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 13:36
von Grstungen386 | 597 Beiträge

Oh, was tobt denn hier für ein Glaubenskrieg !!?? Mein erster Tag, 06.05.81 GAR Eisenach erst in der 9.Kompanie, die hatten Kleinkanonen, wie hiessen die ?? Dann als Brillenschlange ungeeignet für diese Kleinkanonen in die 3.Kompanie, super entspannt, KC-Chef Major Hell...., stellvertretender war Hauptmann Schrö.., am meisten verhasst im ganzen Regiment, schon sicher tot, deshalb Klarname, lieber nicht, Major Frie..., Oberoffizier Ordnung/Sicherheit, "Meine Freunde nennen mich Franz, aber ich habe keine Freunde...."



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#182

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 14:16
von Udo | 1.266 Beiträge

Mein erster Tag ging schon um 5.30 Uhr auf dem Bahnhof Wittenberge los. Da standen dann ein paar Jugendliche, müde, halb besoffen, und jeder schaute den Anderen an um ihn zu fragen, ob er auch hier Gestellung hätte. Niemand wusste, wohin man uns verschickte. Gegen 6.00 Uhr brüllte plötzlich ein bis dahin nicht in Erscheinung getretener Offizier umher, man solle sich gefälligst ordentlich, in Zweierreihen aufstellen. Wir wären ja ab 0.00 Uhr dieses Tages Angehöriger der Grenztruppen der DDR. Das ging ja gut los.
Rein in den Zug und ab Richtung Norden. Zu unserem Erstaunen schmiss man uns nach einer kurzen Strecke in Grabow schon wieder raus. Gebrülle, Zweierreihen, Abmarsch.
In Grabow steckte man uns in große Zelte, was im November nicht gerade lustig ist. Gegen 14.00 Uhr Einkleidung und Fototermin für den WDA, vorher noch alle zum hauseigenen Regimentsfrisör. Danach schrieb ich meinen ersten Brief nach Hause, damit die Angehörigen wenigstens wussten, wo ich war. Auf dem Umschlag gab ich zusätzlich zur Postanschrift und Absender noch die abzuleistende Tageszahl an (540 +h), was den Schreiber des Regimentes umgehend in unser Zelt katapultierte. Nach seiner Intervention strich ich die zusätzliche Angabe deutlich weg.


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#183

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 14:39
von der 39. | 522 Beiträge

Zitat von Grstungen386 im Beitrag #181
Oh, was tobt denn hier für ein Glaubenskrieg !!?? Mein erster Tag, 06.05.81 GAR Eisenach erst in der 9.Kompanie, die hatten Kleinkanonen, wie hiessen die ?? Dann als Brillenschlange ungeeignet für diese Kleinkanonen in die 3.Kompanie, super entspannt, KC-Chef Major Hell...., stellvertretender war Hauptmann Schrö.., am meisten verhasst im ganzen Regiment, schon sicher tot, deshalb Klarname, lieber nicht, Major Frie..., Oberoffizier Ordnung/Sicherheit, "Meine Freunde nennen mich Franz, aber ich habe keine Freunde...."


Hallo Grstungen386,
Ein Glaubenskrieg, Du hast recht.
Ein aufrechter, zur DDR stehender Offizier hat einen Vater im Westen, von dem er sich bereits bei Kriegsende losgesagt hat, weil er ein SD- Offizier war( Geheimdienst der SS). Das erregt bei einem Stasimann den Verdacht: Wenn er nun vielleicht doch Kontakt zu seinem Vater hat,zumal seine Schwester auch im Westen lebt und er selbst ja auch aus dem Westen stammt( Ich bin in Essen geboren) Er organisiert nun eine komplexe Überwachung durch Freunde, und durch seine Frau. Folgerichtig wird auch seine Laufbahn begrenzt. Er wird nicht mehr befördert, muss seine Funktion als Btl-Kdr abgeben. Es gibt bis zum letzten Tag keinen noch so winzigen Beweis für eine DDR-feindliche Tätigkeit.
Diese Szenerie wieder holt sich in seinem Leben noch einmal. Als er als Fachdirektor eingesetzt werden soll, Blockierung, Versetzung in eine unbedeutende Funktion. Auch in diesem Abschnitt keinerlei Bestätigung für irgendeinen Hinweis.
Nun meint die eine "Glaubensrichtung", dass sei ein Einzelfall. Längst nicht jeder DDR-Bürger wurde so verfolgt. Der andre " Glaube" glaubt nun, dieser Fall, der hier so offen gelegt wird, ist ein Beispiel dafür, wie es in der DDR allen ergangen ist.
Ich weiß die Antwort, die sachlich urteilen können, wissen es auch, aber so manch einer, der die Wahrheit nur aus der Westpresse kennt, würde gerne glauben, wie schlimm das doch gewesen sein muss.
Darum geht der " Glaubenskrieg " mit tapferen Kriegern auf beiden Seiten sicher noch weiter.
Was bleibt und ist nicht wegzureden? Meine Perspektiven, meine Laufbahn, mein Lebensweg wurde zweimal abrupt unterbrochen, und das mit gesenktem Visier wenn ihr wisst, was ich meine.
Der 39.


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#184

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 14:52
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Also, 39.iger,

ich habe Deine Geschichte hier gelesen, mit allen Höhen und Tiefen.

Dafür erst einmal danke, war sehr interessant....

Hmm, ich könnte mir vorstellen das Du zu den Zeiten verbittert warst, m.E. nach zu Recht....absolut zu Recht...nur ändern kannst du es nicht mehr.

Ich glaube, heute bist Du auch nicht mehr verbittert, evt. enttäuscht von "Deinem" Staat... Frieden schließen mit der Vergangenheit ist manchmal schwer...Du hättest gern Antwort(en)...ich glaube aber die wird es nicht (mehr) geben...

Nochmals Danke für den Einblick in Dein Leben.

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#185

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 15:11
von der 39. | 522 Beiträge

Hallo berlin3321,
Da ist nicht mehr viel zu sagen, ich bin nicht verbittert und die DDR, wie sie einmal sein sollte, das bessere Deutschland ist immer noch meine DDR, ihre Auswüchse habe ich ertragen, das ist vorbei.. Das bedeutet aber nicht und das hast Du ganz richtig gesehen, das da noch Fragen offen sind und die Hoffnung auf Antwort schwindet.
Grüsse vom 39.


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#186

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 17:02
von TOMMI | 1.987 Beiträge

Zitat von Grstungen386 im Beitrag #181
Oh, was tobt denn hier für ein Glaubenskrieg !!?? Mein erster Tag, 06.05.81 GAR Eisenach erst in der 9.Kompanie, die hatten Kleinkanonen, wie hiessen die ?? Dann als Brillenschlange ungeeignet für diese Kleinkanonen in die 3.Kompanie, super entspannt, KC-Chef Major Hell...., stellvertretender war Hauptmann Schrö.., am meisten verhasst im ganzen Regiment, schon sicher tot, deshalb Klarname, lieber nicht, Major Frie..., Oberoffizier Ordnung/Sicherheit, "Meine Freunde nennen mich Franz, aber ich habe keine Freunde...."


Meintest Du mit diesen Kleinkanonen die sogenannten "Kirschkern-Spucker"?
Sahen aus, wie SMG und hatten ein rundes Magazin. Die offizielle Bezeichnung weiß ich nicht mehr.
War irgendwas mit Granatwerfer Dingsbums.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#187

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 17:10
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von TOMMI im Beitrag #186
Zitat von Grstungen386 im Beitrag #181
Oh, was tobt denn hier für ein Glaubenskrieg !!?? Mein erster Tag, 06.05.81 GAR Eisenach erst in der 9.Kompanie, die hatten Kleinkanonen, wie hiessen die ?? Dann als Brillenschlange ungeeignet für diese Kleinkanonen in die 3.Kompanie, super entspannt, KC-Chef Major Hell...., stellvertretender war Hauptmann Schrö.., am meisten verhasst im ganzen Regiment, schon sicher tot, deshalb Klarname, lieber nicht, Major Frie..., Oberoffizier Ordnung/Sicherheit, "Meine Freunde nennen mich Franz, aber ich habe keine Freunde...."


Meintest Du mit diesen Kleinkanonen die sogenannten "Kirschkern-Spucker"?
Sahen aus, wie SMG und hatten ein rundes Magazin. Die offizielle Bezeichnung weiß ich nicht mehr.
War irgendwas mit Granatwerfer Dingsbums.


Das wäre dann er hier, AGS 17 (Plamya)
Gerd

Angefügte Bilder:
ags.jpg

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zuletzt bearbeitet 13.01.2016 17:50 | nach oben springen

#188

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 17:57
von GKUS64 | 1.609 Beiträge

Zitat von der 39. im Beitrag #185
....und die DDR, wie sie einmal sein sollte, das bessere Deutschland ist immer noch meine DDR, ihre Auswüchse habe ich ertragen, das ist vorbei..
Grüsse vom 39.


Warum gab es eigentlich die DDR?

Also die Entstehungsgeschichte kennen ja fast alle. Am Anfang, da hieß es noch nicht DDR, so Ende Mai 1945, da traten einige mit ehrlichem Herzen an, einen friedlichen und gerechten Neuanfang zu starten. Bald sah man aber wo der Wind her wehte und schnell merkten einige, dass man, mit der nun jetzt schon verordneten Meinung und Staatsräson , bei entsprechender Anpassung, seinen Lebensstandard und seinen Einfluss ganz gut verbessern konnte. Bald entstand auch eine Partei, die immer Recht hatte.
Viele dachten, nach dem verheerenden Krieg wird das schon der richtige Weg sein.
Nach ca. 3 Jahren merkten jedoch schon sehr viele, dass sich die Nutznießer im neuen System durch angepasstes Handeln, angepasste Reden, entsprechende Parteizugehörigkeit etablierten. Das Proletariat, das ja eigentlich das Diktat ausüben sollte, blieb auf der Strecke. Die DDR wurde gegründet, mit Demokratie war es nun ganz vorbei. Nur mit Anpassung kam man voran.
Wer diese Heuchelei nicht mehr ertrug, verließ, wenn möglich, bis 1961 das System.
Danach gab es kleine wirtschaftliche Verbesserungen jedoch das Sagen hatten die nun schon zu richtigen Herrschern aufgestiegenen Funktionäre. Eine Gesellschaft von Angepassten und Duckmäusern entstand. Erst mit Gorbatschow wurden die Menschen etwas mutiger und 1989 hatten sie den Mut und die Kraft sogar die Mauer umzuwerfen!
Was sagt uns das? Nur mit demokratischen Strukturen, einer weitgehend unabhängigen Presse, einem Mehrparteiensystem kann man Egoismen, Emporkömmlinge, Dummschwätzer mit viel Macht,
wirkungsvoll bekämpfen.
Dass es in der Demokratie auch noch genügend Probleme und Emporkömmlinge gibt, steht außer Frage, sie werden aber eher oder später ans Licht gezerrt! (Ist alles nur meine Meinung!)

MfG

GKUS64


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#189

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 20:43
von Gert | 12.354 Beiträge

vertippt


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 13.01.2016 20:44 | nach oben springen

#190

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 20:52
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von der 39. im Beitrag #185
Hallo berlin3321,
Da ist nicht mehr viel zu sagen, ich bin nicht verbittert und die DDR, wie sie einmal sein sollte, das bessere Deutschland ist immer noch meine DDR, ihre Auswüchse habe ich ertragen, das ist vorbei.. Das bedeutet aber nicht und das hast Du ganz richtig gesehen, das da noch Fragen offen sind und die Hoffnung auf Antwort schwindet.
Grüsse vom 39.


also , 39. du hast das alles sehr schön geschildet, das ist ein 1/2 Jahrhundert gelebte deutsche Geschichte. Da hast du viele Nackenschläge von den Herrschenden hinnehmen müssen, Schläge die völlig unmotiviert waren, die völlig unbegründbar und unlogisch waren und hast das mit einer Engelsgeduld ausgehalten und hier erklärt. Was ich aber nie verstehen werde, dass du an dem Politmachwerk der Kommunisten immer noch etwas Positives erkennst. Da stösst du bei mir auf absolutes Unverständnis. Ich habe einen solchen Menschen noch nicht kennengelernt, muss ich ehrlich bekennen. Es ist fast wie in der kirchlichen Lehre, wenn du mich auf die linke Wange schlägst , halte ich die rechte auch noch hin


.
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#191

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 21:57
von Kalubke | 2.296 Beiträge

Zitat von GKUS64 im Beitrag #188
Zitat von der 39. im Beitrag #185
....und die DDR, wie sie einmal sein sollte, das bessere Deutschland ist immer noch meine DDR, ihre Auswüchse habe ich ertragen, das ist vorbei..
Grüsse vom 39.


Warum gab es eigentlich die DDR?

[...]
Nach ca. 3 Jahren merkten jedoch schon sehr viele, dass sich die Nutznießer im neuen System durch angepasstes Handeln, angepasste Reden, entsprechende Parteizugehörigkeit etablierten. Das Proletariat, das ja eigentlich das Diktat ausüben sollte, blieb auf der Strecke. Die DDR wurde gegründet, mit Demokratie war es nun ganz vorbei. Nur mit Anpassung kam man voran.
[...]



Genau, Opportunisten und "Fähnchen in den Wind Hänger" sind der Tod einer jeden guten Idee und Vision.

@Gert, dem 39. gebührt Respekt dafür, dass er trotz der vielen Nackenschläge mit Gelassenheit auf das alles zurückblicken kann. Das nenn ich asiatische Weisheit. Da müssen wir willens-, testosteron- und egogesteuerten Europäer noch einiges lernen, wenn wir auch dort hin kommen wollen.

Gruß Kalubke



der 39., Gert, Grenzläufer, Fritze, GKUS64 und Lutze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#192

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 22:14
von der 39. | 522 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #190
Zitat von der 39. im Beitrag #185
Hallo berlin3321,
Da ist nicht mehr viel zu sagen, ich bin nicht verbittert und die DDR, wie sie einmal sein sollte, das bessere Deutschland ist immer noch meine DDR, ihre Auswüchse habe ich ertragen, das ist vorbei.. Das bedeutet aber nicht und das hast Du ganz richtig gesehen, das da noch Fragen offen sind und die Hoffnung auf Antwort schwindet.
Grüsse vom 39.


also , 39. du hast das alles sehr schön geschildet, das ist ein 1/2 Jahrhundert gelebte deutsche Geschichte. Da hast du viele Nackenschläge von den Herrschenden hinnehmen müssen, Schläge die völlig unmotiviert waren, die völlig unbegründbar und unlogisch waren und hast das mit einer Engelsgeduld ausgehalten und hier erklärt. Was ich aber nie verstehen werde, dass du an dem Politmachwerk der Kommunisten immer noch etwas Positives erkennst. Da stösst du bei mir auf absolutes Unverständnis. Ich habe einen solchen Menschen noch nicht kennengelernt, muss ich ehrlich bekennen. Es ist fast wie in der kirchlichen Lehre, wenn du mich auf die linke Wange schlägst , halte ich die rechte auch noch hin



Lieber Gert,
ich akzeptiere ja, dass Du Dir manches nicht vorstellen kannst, Dich nicht hineindenken kannst. Im Grunde bleibt Dir ja nur, die Geschichten und Ereignisse, die Haltungen und Überzeugungen mit dem Kommunismus-Knüppel zu bearbeiten. Aber das ist nicht mein Kommunismus. Ich bekenne, und das nicht zum ersten mal, dass ich mich selbst als Kommunisten bezeichne und so gut wie gar nichts mit denen gemein habe, die heute und zu vorwendischen Zeiten das Wort Kommunismus benutzen, um ihre wirklichen Ambitionen zu verbergen. Und ich wiederhole es auch gerne noch einmal: Ich träume von einer Welt, in der niemand das Recht hat, sich die Ergebnisse des Schaffens eines Anderen anzueignen, keine Macht dem Kapital, alle Menschen sind gleichwert, jeder an seinem Platz leistet er, zu was er fähig ist. Viel mehr kann ich dazu nicht ausführen, man kann es auch nicht nachlesen, es ist eben ein Traum. Aber inzwischen taucht er immer öfter auf, dieser Traum und viele Geschehnisse heute, wo wir unter der Knute des Kapitals leben, aber auch die, die ich in der Vergangenheit erleben musste, messe ich an diesem Traum und das Ergebnis macht mich immer trauriger.
Gert, vielleicht werden wir uns nie verstehen, ich akzeptiere Dich als Kämpfer, aber wofür Du kämpfst, ist manchmal nicht klar, wohl aber wogegen..
Grüsse vom 39.


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#193

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 22:17
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #191


Genau, Opportunisten und "Fähnchen in den Wind Hänger" sind der Tod einer jeden guten Idee und Vision.

@Gert, dem 39. gebührt Respekt dafür, dass er trotz der vielen Nackenschläge mit Gelassenheit auf das alles zurückblicken kann. Das nenn ich asiatische Weisheit. Da müssen wir willens-, testosteron- und egogesteuerten Europäer noch einiges lernen, wenn wir auch dort hin kommen wollen.

Gruß Kalubke



natürlich Respekt, aber eben auch Unverständnis. Ich kann es einfach nicht nachvollziehen. Ich fühle mich da nicht wieauchimmer gesteuert, aber ich habe eine Lebenserfahrung und die spricht gegen eine solche Haltung.


.
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#194

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 22:30
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von der 39. im Beitrag #192
Zitat von Gert im Beitrag #190
Zitat von der 39. im Beitrag #185
Hallo berlin3321,
Da ist nicht mehr viel zu sagen, ich bin nicht verbittert und die DDR, wie sie einmal sein sollte, das bessere Deutschland ist immer noch meine DDR, ihre Auswüchse habe ich ertragen, das ist vorbei.. Das bedeutet aber nicht und das hast Du ganz richtig gesehen, das da noch Fragen offen sind und die Hoffnung auf Antwort schwindet.
Grüsse vom 39.


also , 39. du hast das alles sehr schön geschildet, das ist ein 1/2 Jahrhundert gelebte deutsche Geschichte. Da hast du viele Nackenschläge von den Herrschenden hinnehmen müssen, Schläge die völlig unmotiviert waren, die völlig unbegründbar und unlogisch waren und hast das mit einer Engelsgeduld ausgehalten und hier erklärt. Was ich aber nie verstehen werde, dass du an dem Politmachwerk der Kommunisten immer noch etwas Positives erkennst. Da stösst du bei mir auf absolutes Unverständnis. Ich habe einen solchen Menschen noch nicht kennengelernt, muss ich ehrlich bekennen. Es ist fast wie in der kirchlichen Lehre, wenn du mich auf die linke Wange schlägst , halte ich die rechte auch noch hin



Lieber Gert,
ich akzeptiere ja, dass Du Dir manches nicht vorstellen kannst, Dich nicht hineindenken kannst. Im Grunde bleibt Dir ja nur, die Geschichten und Ereignisse, die Haltungen und Überzeugungen mit dem Kommunismus-Knüppel zu bearbeiten. Aber das ist nicht mein Kommunismus. Ich bekenne, und das nicht zum ersten mal, dass ich mich selbst als Kommunisten bezeichne und so gut wie gar nichts mit denen gemein habe, die heute und zu vorwendischen Zeiten das Wort Kommunismus benutzen, um ihre wirklichen Ambitionen zu verbergen. Und ich wiederhole es auch gerne noch einmal: Ich träume von einer Welt, in der niemand das Recht hat, sich die Ergebnisse des Schaffens eines Anderen anzueignen, keine Macht dem Kapital, alle Menschen sind gleichwert, jeder an seinem Platz leistet er, zu was er fähig ist. Viel mehr kann ich dazu nicht ausführen, man kann es auch nicht nachlesen, es ist eben ein Traum. Aber inzwischen taucht er immer öfter auf, dieser Traum und viele Geschehnisse heute, wo wir unter der Knute des Kapitals leben, aber auch die, die ich in der Vergangenheit erleben musste, messe ich an diesem Traum und das Ergebnis macht mich immer trauriger.
Gert, vielleicht werden wir uns nie verstehen, ich akzeptiere Dich als Kämpfer, aber wofür Du kämpfst, ist manchmal nicht klar, wohl aber wogegen..
Grüsse vom 39.



kann ich dir sagen. Für Gerechtigkeit, Chancengleicheit, für die Würde des Menschen, Wohlstand für alle. Da ist diese Republik sicher nicht perfekt.
Sie ist aber dem Masterplan sehr nahe. Hast du dir mal Gedanken gemacht, warum 1 Million Menschen Kopf und Kragen risikieren um in unser Land zu kommen ? Nicht einfach nach Europa in irgendwelche Staaten nein nach D ? Warum fliehen die Syrer nicht z.B. nach Russland, ist doch viel näher als D ?


.
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#195

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 13.01.2016 23:02
von Kalubke | 2.296 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #193
Zitat von Kalubke im Beitrag #191


Genau, Opportunisten und "Fähnchen in den Wind Hänger" sind der Tod einer jeden guten Idee und Vision.

@Gert, dem 39. gebührt Respekt dafür, dass er trotz der vielen Nackenschläge mit Gelassenheit auf das alles zurückblicken kann. Das nenn ich asiatische Weisheit. Da müssen wir willens-, testosteron- und egogesteuerten Europäer noch einiges lernen, wenn wir auch dort hin kommen wollen.

Gruß Kalubke



natürlich Respekt, aber eben auch Unverständnis. Ich kann es einfach nicht nachvollziehen. Ich fühle mich da nicht wieauchimmer gesteuert, aber ich habe eine Lebenserfahrung und die spricht gegen eine solche Haltung.


Diese Erfahrungen hast Du doch sicher in einem Lebenalter gemacht, in dem man Ohnmacht gegen das politische Establishment verspürte, weil man dem als junger Mensch nicht gewachsen war und das Meiste nur zähneknirschend hinnehmen musste. Ich kenne das auch, wenn Kritik am politischen System mit gestanzten Killerphrasen abgewürgt wurde.

Wennn man älter und reifer ist, dann müsste man doch aber die Schwäche und Unzulänglichkeit erkennen aus der heraus oft so gehandelt wurde. Da ist doch ein Dialog viel sinnvoller, denn die ehemals Handelnden sind vlt.auch im reiferen Alter zu Erkenntnissen über ihr früheres Tun gekommen (@Signalobermaat z.B. hat in diesem Sinne durchaus auch Kritisches geäußert). Das wäre doch eigentlich viel besser als die Fortsetzung der politischen Grabenkämpfe.

Gruß Kalubke



vs1400, GKUS64 und der 39. haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 13.01.2016 23:17 | nach oben springen

#196

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 14.01.2016 00:34
von vs1400 | 2.392 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #172
Hallo,


wenn das Material in der Abt. XII - das war das Archiv - abgelegt wurde, war es nicht aus der Welt. Wurde die entsprechende Person in der Abt. XII überprüft, bekam der entsprechende Mitarbeiter einen Hinweis, das entsprechendes Material vorhanden ist. Dieses Material konnte dann angefodert werden und der Mitarbeiter konnte sich ein Bild machen.

Und die VSH - Vorverdichtungs - Such und Hinweis - Kartei war doch nur eine kleine Datei. Hier bekam der entsprechende MA auch nur den entsprechenden Hinweis, wenn die Person in dieser Datei überprüft wurde.

Bei entsprechenden Informationen waren die Mitarbeiter immer daran angehalten zu beachten, wie sicher die Informationen sind. Sprich hier hatte jeder Mitarbeiter eine Selbstveranwortung.


hallo Alfred,
wurde diese irgendwie auch intern überprüft?

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#197

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 14.01.2016 06:31
von Alfred | 6.841 Beiträge

Hallo,

selbstverständlich.

Es gab ja entsprechende Vorgesetzte, da konnte ja nicht jeder machen was es wollte. Wenn Du jetzt Hauptabteilungen nimmst, war die Struktur im groben so:

Referat ca. 6 - 10 Mitarbeiter, hier gab es einen Referatsleiter mit einen Stellvertreter. Der bekam z.B. das Papier als erster von dem Mitarbeiter auf den Tisch. Dann folgte der stellvertretende Abteilungsleiter , dann der Abteilungsleiter. ( Eine Abteilung hatte ca. 40 - 50 Mitarbeiter )

Dann konnten auf diesen Weg noch weitere Stationen folgen, vom Stellvertretenden Hauptabteilungsleiter bis zum Leiter der Hauptabteilung. Der nächste, "Weg" wäre dann über den stellvertretenden Minister bis zum Minister gewesen.

Dann gab es noch andere Stationen, wo Informationen "landeten". Dies war z.B. der Bereich Auswertung. Hier gab es entsprechend der Wertigkeit verschiedene Stufen, dies war der Bereich der Abteilung oder der Bereich der Hauptabteilung.

Vieles war dann von der Wertigkeit der Informationen abhängig.

Es gab aber auch die Möglichkeit von Zusätzen unter der Info. So z.B. Info ist oder ist nicht überprüft.


Fritze, der 39. und vs1400 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.01.2016 15:52 | nach oben springen

#198

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 14.01.2016 23:53
von vs1400 | 2.392 Beiträge

das nicht jeder nach gusto handeln durfte ist mir schon klar, Alfred,

nur irgendwie fielen ja einige wohl doch ins 'raster' und wurden eher pauschal beachtet,
was man im nachhinein, je nach ansicht, durchaus unterschiedlich bewerten kann.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#199

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 22.01.2016 22:41
von der 39. | 522 Beiträge

Das Thema, so wie ich es mir eigentlich vorgestellt hatte, ist nach dem Beitrag # 72 doch anders gelaufen, als ich gedacht hatte. Deswegen will ich nun sozusagen an den Beitrag #72 anknüpfen. Es geht um das Nachdenken, über das, was uns geformt hat, uns zu dem gemacht hat, was oder wer wir wirklich sind. Ich habe festgestellt, dass es nicht die glücklichen Momente in meinem Leben waren, die nachhaltig auf mich eingewirkt haben, es war wohl meistens der Schock, das Böse, der Tod, das Unbegreifliche. Ich will nicht sagen, dass es immer auf mir gelastet hätte, dass ich mir dessen immer bewusst gewesen wäre, aber es war doch immer da. Wenn ich mal geschwächelt habe, wenn ich mal sozusagen unbewaffnet war, dann kamen diese prägenden Ereignisse hoch. Sie waren wieder im Bewusstsein und es hat manchmal Wochen gedauert, bis sie wieder in den Tiefen der finstersten Windungen des Gehirns verschwanden.
Ich bin mir aber immer bewusst, dass meine ganze Lebenshaltung, meine Lebensphilosophie solche prägenden Ereignisse als Grundlage hat. Und das ist nicht nur finsterste Vergangenheit, auch heute gibt es bei mir Momente, die ich nicht einfach streichen kann, die immer wieder nach vorne drängen und sozusagen erwarten, dass ich Stellung beziehe.
Mein heutiges Beispiel bezieht sich wieder auf ein Erlebnis in meiner Jugend. Ich bin mit 3 weiteren Schulkamerden aus Vent, am Ende des Ötztals in Tirol im April 1945 geflüchtet. Wir mussten zunächst ins Tal herunter und dann durch das Ötztal bis nach Ötz, wo es eine Bahnlinie gab. Die eigentliche Geschichte folgt wieder als Zitat aus meinem Buch Herbststimmung und verpflichtet mich auf die Urheberrechte zu verweisen.
Zitat:
Der 20.April 1945 begann bei schönem aber kaltem Wetter. Heimlich schlichen wir Vier aus dem Haus, unser spärliches Gepäck und die leeren Kraxen geschultert und der Abstieg begann. Alles klappte planmäßig, im Haus herrschte noch Stille, unsere Flucht war nicht bemerkt worden. Am Vormittag erreichten wir Zwieselstein und gaben im Magazin die Kraxen ab. Die letzte Bindung zu Heim und Schule war getrennt. Nun gab es kein Zurück mehr. So marschierten wir dann bei schönstem Sonnenschein durch das Ötztal in Richtung Ötz, die Bahn durch das Inntal war unser erstes Ziel. Ich war etwas gehandikapt, weil ich eine große Blase hatte, von unserem letzten Brotholen. Ich hatte keine ganzen Strümpfe mehr gehabt und so hatte ich eben eine Blase, die in der einen Woche nicht abheilte. Mit der Angst wegen der Musterung und Einberufung und wegen Sonthofen im Nacken, hätte ich die Flucht auf keinen Fall noch einmal verschoben, nicht einen einzigen Tag. Außerdem fürchteten nun die beiden Essener, dass sich die Ost- und Westfront vereinigten und sie nicht mehr dazwischen durch nach Essen durchschlüpfen konnten.
Kurz hinter Sölden überholte uns ein Militär-Lkw und bremste. Wir dachten schon, sie haben uns erwischt. Doch die SS-Leute wollten wissen, wo wir hin wollen und ob sie uns mitnehmen sollen. Wir waren so verdattert, dass Danny nur Ernteeinsatz einfiel. Auf das große Gelächter der Soldaten hin, korrigierte Danny sich und sagte: Natürlich Frühjahrsbestellung. So kamen wir schnell nach Ötz und zum Bahnhof und nach kurzer Wartezeit kam auch ein Zug nach Bregenz. Der Zug war übervoll, die Fahrt währte nur 2 oder 3 Stationen. Dann hieß es, eine Brücke sei gesprengt, wir müssen bis zur nächsten Station laufen, der Anschlusszug wartet. Meine Blase war jetzt richtig entzündet, wir machten ein Verbandspäckchen darum, der Schuh drückt wahnsinnig. Es ging runter in eine Schlucht und an der anderen Seite wieder hoch.
Angekommen an der nächsten Station war kein Zug zu sehen. Man sagte, wir seien zu langsam gewesen, der Zug sei weg. Immerhin waren auf dem Bahnsteig einige hundert Menschen, Flüchtlinge, ganze Familien, viele Soldaten, überwiegend Verwundete, angekommen. Einige Soldaten zwangen den Stationsvorsteher den Zug zurückzurufen. Als er sich weigerte, wurde er sofort von einem der Soldaten erschossen. Der zweite Eisenbahner kurbelte nun im wahrsten Sinne des Wortes um sein Leben und erreichte tatsächlich, dass nach einer halben Stunde der Zug zurück kam.
Für uns Jungens war der Tod des Bahnhofsvorstehers ein gewaltiger Schock, dass einfach so ein Mensch erschossen werden konnte, wir waren in der rauen Wirklichkeit der letzten Kriegstage angekommen. Zum Glück standen wir nicht daneben, haben nur ansehen müssen, wie der Tote aus dem Häuschen herausgezogen wurde. Es handelte sich nicht etwa um eine reguläre Einheit, sondern wir hatten den Eindruck, dass es sich um einzelne Soldaten handelte, die irgendwohin fuhren. Dann fuhren wir in Richtung Bregenz. Wir waren noch vom Tod des Eisenbahners tief beeindruckt und wechselten kein Wort. Ich hoffte im Stillen, dass wir keine weiteren Toten zu sehen bekommen, doch das blieb nur ein naiver Wunsch, es kam noch viel schlimmer. Wir hatten uns aus dem gutbehüteten Lager heraus auf ein gewaltiges Abenteuer eingelassen, dessen Konsequenzen wir überhaupt nicht annähernd erkannt hatten.
Der 39.

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#200

RE: Der erste Tag

in Grenztruppen der DDR 27.04.2016 22:14
von der 39. | 522 Beiträge

Habe ein Vierteljahr gebraucht bis zum Entschluss, doch noch in diesem Thread weiter zu machen. Habe mich entschlossen, bei den Toten, die ich mit ansehen musste, zu bleiben. Man kann es sehen wie man will, es sind prägende Ereignisse. Tägliche Meldungen über Tote, ob in Afgahnistan, ob in einem Krimi, bei einem Anschlag oder bei den IS-Morden, es beeindruckt uns mehr oder weniger. Ist aber nicht zu vergleichen, wenn der Tod ganz in der Nähe einschlägt, ein guter Freund oder ein naher Verwandter stirbt, da wird Trauer intensiver und macht uns auch nachdenklicher. Doch so schmerzlich es auch sein mag, es ist nicht zu vergleichen, wenn der Tod neben Dir und unter dramatischen Umständen zu schlägt, wenn Du selbst involviert bist. Das prägt sich ein, das prägt auch, das beherrscht auch noch nach Jahrzehnten manchmal unsere Träume.
Ich bringe wieder einmal einen kurzen Auszug aus meinem schon öfter zitierten Buch und verweise wieder auf das Urheberrecht. Der Auszug schließt unmittelbar an den vorherigen Beitrag an, es liegen nur ein paar Tage dazwischen.
Zitat: Ein neues furchtbares Erlebnis wartete auf uns.Wir hatten einen ziemlichen Gewaltmarsch hinter uns, es war schon dunkel geworden. Aber wir fanden keine Unterkunft und kalt war es auch. Also beschlossen wir, noch bis zur nächsten Ortschaft zu marschieren, obwohl wir uns kaum noch auf den Beinen halten konnten.... Dannentdeckten wir im Wald, einige 100 Meter von der Straße entfernt, ein Feuer.. Das war nichts Ungewöhnliches zu der Zeit, meistens schliefen da Flüchtlinge und Soldaten.. Da alles schlief suchten wir uns mit letzter Kraft ein Plätzchen in der Nähe des Feuers und waren auch sofort vor Erschöpfung eingeschlafen. Geweckt wurden wir durch Uttas fürchterliche Schreie. Ich sah nur in der beginnenden Morgendämmerung, dass er blutverschmiert und wie von Sinnen war. Werner hatte die Situation sofort erkannt und schrie: Weg hier, nehmt Utta mit. Wir rannten, den schreienden Utta mitschleppend, bis uns die Luft weg blieb. Dann sahen wir, dass auch wir voller Blut waren..Werner versteckte uns im Gebüsch eines nahen Rinnsals und ordnete an, dass wir uns vom Blut befreien sollten. Er selbst ging noch einmal, war aber schnell wieder da. Alle sechs oder sieben Männer, die schon vor uns am Feuer lagen, waren vermutlich mit Messern getötet worden, noch bevor wir uns dort hingelegt hatten. Äußerst ungewöhnlich war,dass sie alle keine Uniform trugen, aber einheitliche Lederbekleidung d.h. Lederbridges und Lederjacken ohne irgendwelche Dienstgrade an hatten. Wir haben alle gezittert wie Espenlaub und das war bestimmt nicht nur die morgendliche Kühle. Dann setzten wir unseren Marsch fort. Zitatende Utta war einer meiner 4 Klassenkameraden, mit denen ich auf der Flucht war. Werner war ein Flieger-Obergefreiter, dem wir uns angeschlossen hatten.
Der 39.


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