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Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 01.02.2015 19:16
von ABV | 4.202 Beiträge

Wie alles begann!

Berlin, Alexanderplatz, 06. Dezember 1984

Aufgeregt, eine Zigarette nach der anderen rauchend, gehe ich vor der Weltzeituhr auf dem Berliner Alexanderplatz auf und ab. In meiner Grenztruppenuniform falle ich hier kaum auf. Uniformen gehören in (Ost)-Berlin zum Stadtbild. Uniformen sollten mein Leben, über das langsam in greifbare Nähe rückende Ende meiner Grundwehrdienstzeit hinaus, bestimmen. Anders als meine Kameraden, wollte ich nicht ins Zivilleben zurückkehren, sondern lediglich die Uniform der Grenztruppen gegen eine Volkspolizeiuniform eintauschen. Ein Schritt den kaum jemand verstand.
Für mich würde sich jedoch ein lange gehegter Traum erfüllen. Falls die medizinische Tauglichkeitsuntersuchung im Präsidium der Volkspolizei Berlin, zu der man mich heute einbestellt hatte, nicht noch einen unvorhersehbaren Ablehnungsgrund zu Tage fördern würde. Dann würde mein Traum wohl immer nur ein Traum bleiben.
Der Alexanderplatz erschien heute, des grauen nasskalten Wetters wegen, ungewohnt Menschenleer. Nur eine einzelne Schulklasse, angeführt von einer sichtlich genervten Lehrerin, stapfte gelangweilt über die Platte. Als ich selbst noch zur Schule ging, führte der alljährliche Wandertag regelmäßig zum Berliner Alexanderplatz. Wie oft hatten wir an der Weltzeituhr gestanden und voller Staunen festgestellt, wie spät es gerade in Tokio, Melbourne oder Ottawa war. Städte die wir höchstwahrscheinlich niemals betreten werden. Warum sich ausgerechnet die abgeschottete DDR eine Weltzeituhr leistete, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben.

Mehr als vier Jahre waren seitdem ins Land gegangen. Vier Jahre in dem sich mein Leben, zum ersten nicht jedoch zum letzten Mal, hatte sich mein Leben von Grund auf verändert.
Ich krame in der Manteltasche des kratzigen grauen Uniformmantels nach einer Schachtel Zigaretten, Marke „ Cabinet“. Die MHO* in der Hennigsdorfer „ Clara-Zetkin-Kaserne“ verfügte stets über einen großen Vorrat von den in der DDR beliebten Glimmstengeln.
Der Wind wehte den blauen Rauch in Richtung des alles überragenden Fernsehturms davon. Aus dieser Richtung muss jeden Augenblick der Genosse Holter kommen. Genosse Holter ist Volkspolizist und gehört dem „ Wachkommando Missionsschutz“ an. Jener geheimnisvollen VP-Einheit, für der mich einer der eigens zu diesem Zweck in die Kasernen ringsum Berlin entsandten Werber bereits im Juli begeistert hatte.
Obwohl, eigentlich rannte er bei mir „ offene Türen ein“. Interessierte ich mich doch schon seit frühester Jugend für den Polizeidienst. Wobei es mir nicht so sehr darauf ankam, unbedingt ein Volkspolizist zu sein. Polizisten waren für mich Menschen, die sich rund um die Uhr für Gerechtigkeit einsetzte, zu hundert Prozent zu den Guten dieser Welt gehörten, und obendrein ständig Abenteuer erlebten.
Meine ersten Vorbilder hießen, so unglaublich das auch klingen mag: Starsky & Hutch. So wie die beiden Superpolizisten wollte ich auch werden-mit einem coolen Spruch auf den Lippen den Verbrechern das Gruseln lehren. Hauptmann Fuchs spielte bislang eher eine untergeordnete Rolle.
Der Werber schilderte mir den Dienst beim „Wachkommando Missionsschutz“, kurz WKM, in den buntesten Farben. Ich erfuhr, dass das WKM für die Sicherheit der in Berlin akkreditierten Diplomaten zuständig ist. Gewissermaßen eine „Sondereinheit“ der Volkspolizei.
Bei dem Wort „ Wachkommando“ zuckte ich jedoch zurück. Schließlich musste ich bereits bei der Armee genug Wache stehen. Lachend wehrte der Werber ab: „ Du musst dir das nicht so öde vorstellen, wie auf einem Postenturm. Unsere Posten stehen vor Botschaften oder Residenzen, mitten in Berlin, mitten im pulsierenden Leben. Unter den Augen der Weltöffentlichkeit. Mensch, da ist immer was los. Manchmal sogar mehr, als dir lieb sein kann.“
Listig erwähnte der Werber, beinahe beiläufig, das Anfangsgehalt eines WKM-Volkspolizisten: 1300 Mark der DDR. Beinahe das Dreifache von dem was ich in meinem erlernten Beruf als Binnenfischer, in einem Karpfenzuchtbetrieb, bisher verdient hatte. Ein Knochenjob vor dem Herrn, den ich keineswegs bis zur fernen Rente ausüben wollte.
Daher wäre der ausgelegte monetäre Köder nicht unbedingt nötig gewesen. Er bot mir jedoch, gegenüber meinen Kameraden, eine willkommene Ausrede, warum ich immer wieder zum Werbegespräch gerufen wurde. Statt wie der Rest der „Auserwählten“ schon beim ersten Gespräch dankend abzuwinken. „ Bei dem Geld kann man schon mal genauer nachhaken“, antwortete ich auf etwaige Nachfragen. Um sofort, im selben Satz zu bekunden, „ höchstwahrscheinlich doch kein Interesse am Dienst bei der Volkspolizei zu haben.“
Nicht jeden überzeugten die Ausflüchte, genügte jedoch vorerst um allzu Neugierige auf Distanz zu halten. Wer sich während des Grundwehrdienstes entschied anschließend nicht in den Zivilberuf zurückzukehren sondern in eine andere „Sparte der bewaffnete Organe“ zu wechseln, lief Gefahr „schief angesehen zu werden“. In dieser Zeit erlebte ich zum ersten Mal, wie wenig Ansehen die Volkspolizei eigentlich besaß. „ Was, du willst Bulle werden? Mein Vater würde mich totschlagen“, war noch die freundlichste Reaktion die mir entgegenschlug.
Im Spätsommer 1984 überreichte mir „mein“ Werber einen mehrseitigen Fragebogen. In dem ich umfangreich und detailliert Auskünfte über mich und meine Familie abgeben musste. Etwaige Kontakte ins „Nichtsozialistische Weltsystem“, kurz „ NSW“ interessierten, neben Vorstrafen, offenbar ganz besonders.
„ Tja, das ist nun mal so“, hatte mir der Werber halb entschuldigend mit auf dem Weg gegeben, „ wir schauen uns die Kandidaten sehr genau an. Wir nehmen schließlich nicht jeden.“
Hörte ich da etwa eine versteckte Drohung? Ich weiß es nicht. Eines hätte ich aber zu diesem Zeitpunkt niemals für möglich gehalten: „ dass ich diesen Satz knappe sechs Jahre später, unter völlig anderen Voraussetzungen, noch einmal hören sollte. Und zwar aus dem Mund eines Pfarrers, dem es darum ging künftig Volkspolizisten auszusortieren, die nicht in das neue demokratische System passten.
Aber, dass es „einmal anders kommen könnte“, ahnte im Sommer 1984 noch selbstverständlich niemand.
Das Ausfüllen des Fragebogens bereitete mir nur wenige Schwierigkeiten. Kriminelle gab es in meiner Familie nicht. Ich war auch noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Wenn man einmal davon absieht, dass mir einmal der „Dorfsheriff“ von Neubarnim „ in den Arsch treten wollte, falls ich mich noch einmal mit meiner plundrigen Karre in seinen Abschnitt wage“.
Wir verfügten zwar über „ West-Verwandte 2. Grades“, zu denen jedoch kaum Kontakt bestand. Was sollte also schief gehen?
Die Wochen und Monate vergingen, ohne dass sich die Volkspolizei wieder bei mir meldet. Wollten mich die „Grünen“, wie die VP im Volksmund auch genannt wurde, am Ende doch nicht? Mitte November begann mich der Zoll zu umwerben. Dem Typen, einem urgemütlichen, grauhaarigen Opi“ , hätte ich alles abgekauft. Es gab da nur einen Haken: der Zolldienst interessierte mich nicht die Bohne. Ich konnte mir nicht einmal so richtig etwas darunter vorstellen. Immerhin, der nette Opi gab sich große Mühe, mir den Dienst an einem Grenzübergang schmackhaft zu machen.
Selbst als ich erwähnte bereits bei der VP „ in der Pflicht zu stehen“, gab der Zollwerber nicht auf:
„ Komme lieber zu uns. Der Dienst an einer Grenzübergangsstelle ist viel interessanter und vielseitiger als der bei der VP. Hatte ich vorhin richtig gehört? Du willst zum Missionschutz? Genosse, mache dich nicht unglücklich! Möchtest du dein ganzes Berufsleben vor einer Botschaft Wache stehen?“
Egal, mehr oder weniger unfreiwillig forcierte der Zoll doch den Lauf der Dinge. Schon am kommenden Tag traf ich auf dem Kasernenhof, eher zufällig, „meinen“ Werber vom WKM.
„ Und, wie geht’s?“ Was als rhetorische Frage gedacht war, entwickelte sich rasch zum mittelschweren Schock: „ Na ja, ich habe von euch lange nichts mehr gehört. Ich mache mir langsam Gedanken.“ Tief und hörbar einatmend, versuchte mich der Werber zu beschwichtigen. „ Nun werde mir mal nicht ungeduldig, Genosse. Die Kadermühlen bei der Volkspolizei mahlen nun einmal langsam.“ Gerade als er umdrehen und den Weg fortsetzen wollte, zog ich mein As aus dem Ärmel: „ Der Zoll hat sich übrigens bei mir gemeldet. Ich könnte dort vielleicht nach meinem Wehrdienst anfangen.“
Rums, der Schlag hatte gesessen. Dem eben noch so selbstsicheren Polizisten entgleisten buchstäblich sämtliche Gesichtszüge. „ Ach, was der Zoll. Die versprechen immer viel und halten am Ende gar nichts. Dafür sind die doch bekannt. Lass dich bloß nicht von denen einlullen. Du hörst bald wieder von mir“, polterte der Werber und verschwand im mehrstöckigen Stabsgebäude des Grenzregimentes 38.
Keine Woche später überreichte mir der Spieß einen Ausgangsschein für Berlin und eine Fahrkarte. Ich durfte ins Polizeipräsidium zur Einstellungsuntersuchung. Am Donnerstag den 06 Dezember, 11:00 Uhr, würde ich die letzte Hürde auf dem Weg in die Volkspolizei nehmen.
Noch am selben Tag suchte mich der Werber erneut auf. „ Na, hat doch alles geklappt“, grinste er mich an. „Oder willst du immer noch Filzstift werden?“ „ Nein, nein“, wehrte ich. „ Dann ist ja alles im Lot“, stellte der Polizist zufrieden fest. Er hatte wahrscheinlich „ seine Felle davon schwimmen sehen.“ Und mit ihnen die begehrte „Fangprämie.“ Man gönnt sich ja sonst nichts.
„ Leider kann ich dich nicht selbst zur Untersuchung ins Präsidium begleiten“, bedauerte der „Seelenfänger“. „ Der Genosse Holter wird das für mich übernehmen. Richte es so ein, dass du spätestens um halb Elf an der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz bist. Dort wird dich dann der Genosse Holter in Empfang nehmen. Du weißt doch wo die Weltzeituhr ist?“ Der Kerl hielt mich anscheinend für einen provinziellen Trottel. „ Selbstverständlich weiß ich das“, knurrte ich halb beleidigt.
Und nun stehe ich hier, an der berühmten Weltzeituhr. Genosse Hemeke lässt einstweilen noch ein wenig auf sich warten. Dafür sehe ich einen waschechten uniformierten Volkspolizisten über das Trottoire streifen. Die braunlederne Kartentasche baumelte ihm lässig an der rechten Hüfte. Seine kräftigen Hände umklammerten den Trageriemen eines Handfunkgerätes, so als ob daran Halt suchte. Nach Action und Abenteuer sah der Wachtmeister jedoch nicht aus. Eher ähnelte der gelangweilte Gesichtsausdruck denen eines Grenzsoldaten, der bereits seit Stunden vergeblich nach imaginären Fußspuren auf dem Kontrollstreifen fahndete. Ohne wirklich damit zu rechnen, eine Spur zu finden.
Vom Haus des Lehrers her näherte sich eine jugendlich wirkende, Lässigkeit versprühende, blonde männliche Erscheinung. Zielsicher steuerte mich der Blonde an, grinste gewinnend über beide Backen, tippte den Zeigefinger in meine Richtung und sagte: „ Du bist doch bestimmt der Genosse Bräuning?“ Ein großes Risiko ging er mit dieser Frage nicht ein. Schließlich dürfte ihm bekannt sein, dass er einen Grenztruppensoldaten abholten sollte. Außer mir gab es momentan weit und breit keinen anderen Soldaten.
Holter erwies sich als angenehmer Plauderer. Zu zweit gingen wir durch den Fußgängertunnel, der vom Alex aus direkt bis zum Volkspolizeipräsidium führte, entlang. Unterwegs gewährte mir Holter einen kurzen Einblick in seine dienstliche Tätigkeit. Er gehörte, wie übrigens auch mein eigentlicher „Betreuer“, der zivilen Beobachtergruppe des WKM an. Hochinteressant, hochwichtig, aber leider auch hochgeheim. Immerhin erfuhr ich, dass die Beobachtergruppe wichtige diplomatische Empfänge absicherte und beobachtete. Daher wohl auch der Name. Mehr durfte mir der wackere Holter nicht sagen. „ Aber das wirst du ja bald alles selbst aus erster Hand erfahren und erleben“, tröstete er mich vielsagend. Gleichzeitig wies mich Holter daraufhin, dass es momentan keine freien Planstellen in der Beobachtergruppe geben würde. Aber der Job als Posten wäre nicht minder interessant und vielseitig.
Wäre dieser Holter statt bei der Volkspolizei in den Studios der DEFA gelandet, hätte man ihn wahrscheinlich in Propaganda-Schinken entweder einen Lehrer oder einen tatendurstigen, vielseitig talentierten FDJ-Sekretär spielen lassen. Ähnelte er doch dem beliebten, leider viel zu früh verstorbenen Mimen Horst Jonischkan , dem Adams aus „ Die Söhne der Großen Bärin“, auf eine geradezu verblüffende Art und Weise. Horst Jonischkan alias VP-Meister Holter, agierte, wenn er einmal nicht hinter einem Busch hockte und beobachtete, ebenfalls als Werber. Bei der Ausstrahlung dürfte seine Erfolgsquote enorm gewesen sein.
Wenige Minuten darauf stand ich zum ersten Mal vor dem (Ost)Berliner Polizeipräsidium. Einem riesigen, mehrstöckigen grauen Gebäude. Aus dessen Eingangstüren ständig Uniformträger und zumeist Anzug tragende Zivilisten strömten. Ehrfürchtig dackelte ich hinter Holter hinterher. Begierig jeden noch so kleinen Eindruck aufzusaugen, musterte ich die Vorbeilaufenden. Hier arbeitet also Hauptmann Fuchs, schoss es mir unwillkürlich durch den Kopf. Eine absolut blödsinnige, der Respekt einflößenden Lokalität geschuldete Eingebung. An den Revers der Anzüge prangte unübersehbar das Abzeichen der SED. Zwischen den Uniformierten überwog der Anteil der „Raupen schlepper, vom Major bis zum Oberst augenfällig. Die Offiziere wirkten ein wenig steif. Aber was hatte ich denn erwartet? Das mir David Stursky und Ken Hutchinson auf der Treppe entgegen kommen, in ihren roten Flitzer steigen um die Hauptstadt der DDR von allen Bösen zu befreien?
Holter lotste mich zum Einlassposten. Einem streng drein schauenden, sichtlich übergewichtigen Hauptwachtmeister. Mein Begleiter zückte den an einer Lederschnur befestigten Dienstausweis. „ Ich bin mal wieder mit einem Bewerber zur Einstellungsuntersuchung gekommen.“ „ Hier kommen so viele. Meinst du das ich mir jede Larve merken kann?“, konterte der Hauptwachtmeister ungerührt. Dann verlangte er meinen Wehrpass, nahm ihn in Verwahrung, ehe mir einen vorläufigen Passierschein ausfüllte. „ Ordnung muss sein Genosse“, tönte der Posten, wobei er mir den „Prokus“ überreichte. „ Wenn du erstmal einer von uns bist, dann brauchst du die Prozedur nicht mehr über dich ergehen lassen“, meinte Holter augenzwinkernd.
Weiter ging es über Flure und endlos lange Gänge. Über die, wie in einem Ameisenhaufen, ständig irgendwelche Akten und Ordner schleppenden Gestalten, beiderlei Geschlechts, wuselten. Dazwischen pausenloses Geklingel und Geklapper unsichtbar bleibender Telefone und Schreibmaschinen. Eben der typische Sound einer Behörde.
Plötzlich standen wir vor einer mir bis dato unbekannten Beförderungsanlage. Einem so genannten „Pater Noster“. Der ohne Halt seine Passagiere von oben nach unten und umgekehrt, beförderte. Hinein oder hinaus gelangte man mit einem Sprung. Für den immer wieder der bestmöglichste Augenblick gefunden werden musste.
„ Das ist unser Fahrstuhl. Oder möchtest du lieber die vielen Treppen stiegen?“, provozierte mich Holter listig. Ich wollte mir keine Blöße geben. Todesmutig jumpte ich ins offene Abteil. Wie ein nasser Sack taumelte ich hinein. Einer Wasserstoffperl-Dings Bums gefärbter Blondine beinahe auf den blitzsauberen Pumps. Hoppla jetzt komm ich! Holter pruste vor Begeisterung. Während mein Gesicht die Farbe einer Arbeiterfahne annahm.
In der fünften Etage stiegen wir wieder aus. Besser gesagt, Holter stieg aus dem „Pater Noster“. Ich fiel mir oder weniger hinterher. Wieder latschten wir durch einen langen Flur. Flure schien es hier reichlich zu geben. Gefühlte achtzig Prozent der (Ost)Berliner Polizeizentrale bestanden aus Flur.
Holter schob mich in einen großen Raum. In dem bereits andere Kandidaten auf ihre Untersuchung warteten. Bei einer eintretenden Schwester meldete ich mich an. Die Schwester verglich meine Daten mit einer langen Liste, nickte, hakte meinen Namen ab und wies mich an, zu warten bis ich aufgerufen werde.
Etwas anderes blieb mir wohl kaum übrig. Ein wenig beklommen nahm ich neben den noch immer gut gelaunten VP-Meister Holter auf einem rotgepolsterten Stuhl Platz. Neugierig schaute ich mich in dem großen Warteraum um. Mir fiel eine an der Wand befestigte Tafel mit dem Konterfei eines Volkspolizisten ins Auge. Ich erhob mich von meinem Platz, trat näher um den Text darunter besser lesen zu können. Hauptwachtmeister Lutz Lawerenz hieß Volkspolizist, der wie ich erschüttert las, wenige Monate zuvor im Dienst ermordet wurde. Natürlich wusste ich das Polizisten im Dienst zuweilen getötet werden können. Aber nicht, dass so etwas auch VOLKSpolizisten in der friedlichen DDR passiert.
Holter setzte einen betroffenen Gesichtsausdruck auf. „ Schlimm, schlimm“, brubbelte er halblaut, „ der Genosse Lawrenz wollte anscheinend auf seiner nächtlichen Streife im Prenzlauer Berg gegen einen Straftäter einschreiten. Dabei hat man ihn feige erstochen.“ „ Ach du Scheiße“, entfuhr es mir unwillkürlich. „ Messerabwehr lernt man in der VP-Schule. Darum ist es so wichtig, das gelernte immer wieder zu trainieren“, dozierte Holter Oberlehrerhaft. Ein Tick zu viel, um glaubhaft zu klingen.
Die Tafel war so platziert worden, dass der im Dienst getötete Hauptwachtmeister die auf ihre Untersuchung wartenden VP-Kandidaten direkt in die Gesichter schaute. Als Mahnung, als Warnung, ach was weiß ich.
Die verdammte Warterei zerrte an meinen Nerven. Zu allem Überfluss durfte hier nicht geraucht werden. Um mich abzulenken, versuchte ich Holter über die zu erwartende Prozedur auszuquetschen.
„ Na ja, also stelle dir das bitte nicht so vor, wie bei der Musterung zum Militärdienst. Diese Untersuchung ist weitaus umfangreicher. Der harte Dienst bei der VP erfordert eine robuste, widerstandsfähige Gesundheit und absolute Leistungsfähigkeit.“ Ich erbleichte. Sofort schwächte Holter das soeben gesagte wieder ab. „ Du bist jung, du bist kräftig und du bist gesund. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn du die Untersuchung nicht erfolgreich überstehst.“
Ehe es soweit war, ging ich noch schnell auf die Toilette. Auf dem Rückweg kam ich an einem Dienstzimmer vorbei, dessen Tür nur halb geschlossen war. Keck schaute ich hinein. Was ich dort sah, überstieg sämtliche Vorstellungskraft: vor einer großen Leinwand hockten drei zivil gekleidete Männer. Von der Leinwand flimmerte niemand anders als Karl Eduard von Schnitzler! Irritiert zog ich mich zurück. An die Sehgewohnheiten werde ich mich wohl erst noch gewöhnen müssen.
Dann war es soweit. Die Schwester zirpte „ der Genosse Bräuning bitte“ in die illustre Runde. Wackligen Fußes betrat ich den Untersuchungsraum. Der aus verschiedenen Abteilungen bestand. Jeder Teil meines Körpers sah einer umfassenden Begutachtung entgegen. Ok, fast jeder. Zum Anfang trat ich vor eine noch sehr junge, äußerst attraktive Ärztin. Genau die Sorte Frau, vor der man (Mann)sehr gerne die Hose herunterlässt. Gott sei Dank bemerkte ich im letzten Moment, dass sie lediglich meine Augen checken wollte.
Mehr oder weniger souverän hangelte ich mich durch die einzelnen Stationen. Bei der Frage, „ob ich täglich Alkohol trinke“, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Standen wir doch in der Kaserne mehr oder weniger auf dem Trockenen.
Ich weiß nicht mehr, wie lange die Untersuchung dauerte. Überglücklich nahm ich nach einer gefühlten Ewigkeit das vorläufige Ergebnis zur Kenntnis: Ich bin aus medizinischer Sicht uneingeschränkt für den Polizeidienst tauglich!
Voller Überschwang gratulierte mir Holter anschließend auf dem Flur. „ Dann sehen wir uns ja spätestens im kommenden Frühjahr in Kaulsdorf wieder“, jubelte Holter. Er tat tatsächlich so, als bedeutete die Nachricht für ihn so etwas wie ein vorgezogenes Weihnachtsfest. In Wirklichkeit hatte mich der Genosse Holter später, wie übrigens auch mein Werber, keines Blickes mehr gewürdigt. Klappern gehört bekanntlich zum Geschäft!
Glücksstrahlend, unendlich erleichtert, ging ich zurück zum S-Bahnhof. Auf dem Weg dorthin traf ich auf ein verzweifelt weinendes ungefähr sechs Jahre altes Mädchen. „ Ich habe meine Mutti verloren“, schluchzte die Kleine herzzerreißend. Ich sah die Gelegenheit gekommen, mich quasi als zukünftiger Volkspolizist das erste Mal zu bewähren. Kurz entschlossen nahm ich das weinende Mädchen an die Hand. Von der lieben Mutti war weit und breit nichts zu sehen. Von der Transportpolizei oder sonstiger Polizei leider ebenso wenig. „ Keine Angst, wir finden deine Mutti schon wieder“, redete ich auf die Kleine ein. Ein ebenso leichtfertiges, wie leeres Versprechen.
Je länger die Suche dauerte, desto lauter schrie das Mädchen. Ich erntete immer mehr misstrauische Blicke von den Passanten, die wohl in mir einen Kinderschänder vermuteten. Langsam aber sicher fühlte ich mich der Situation nicht mehr gewachsen.
Zu meiner Erleichterung traf ich dann auf eine, offenbar bereits alarmierte Streife der Transportpolizei. In knappen Worten schilderte ich den beiden blau uniformierten Polizisten die Situation, nannte Namen und Dienststelle. „ Danke Genosse“, sagte darauf der Streifenführer, ein baumlanger Obermeister. „ Wir kümmern uns um alles Weitere.“
Vier Monate und drei Wochen trennten mich noch vor dem Eintritt in die Volkspolizei. Ich konnte es kaum noch erwarten!

Fortsetzung folgt


www.Oderbruchfotograf.de

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zuletzt bearbeitet 01.02.2015 19:18 | nach oben springen

#2

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 01.02.2015 19:43
von Lutze | 8.039 Beiträge

warum war der Treffpunkt am Alexanderplatz?
die Adresse vom Polizeipräsidium hätte doch
auch gereicht?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#3

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 02.02.2015 13:14
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #2
warum war der Treffpunkt am Alexanderplatz?
die Adresse vom Polizeipräsidium hätte doch
auch gereicht?
Lutze


Keine Ahnung Lutze. Ehrlich nicht.

Gruß Uwe


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#4

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 02.02.2015 13:52
von rasselbock | 454 Beiträge

Nach meiner Armeezeit an der Grenze wurde ich in der Firma, wo ich arbeitete, zweimal vom Zoll geworben. Ich Dösbaddel hab es damals strikt abgelehnt und wollte mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun haben. Das war der größte Fehler in meinem Leben. Ich hätte heute eine andere Rente bzw. Pension.
Die Polizei, wo ich mich später beworben hatte, hat mich aus gesundheitlichen Gründen (links taub) nicht genommen. Für die Grenze war ich gut genug trotz Schießverbots und Großtante in Friedberg/Hessen !? Ist schon eigenartig.
rasselbock



ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#5

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 02.02.2015 16:27
von ABV | 4.202 Beiträge

Willkommen in der Deutschen Volkspolizei!

Donnerstag, 30 Mai 1985

Meine Militärzeit liegt nun bereits über einen Monat hinter mir. Jubelnd, das unvermeidliche „Reservistentuch“ um den Hals, habe ich in langer Reihe mit anderen gehend, die Clara-Zetkin-Kaserne in Hennigsdorf endlich verlassen. Durch ein Seitentor, um die Wachposten am Haupteingang nicht unnötig in Seelenpein zu stürzen. Dietmar, offiziell Soldat Krautz, den alle nur den „Spitz“ nannten, rief mir ein „ Mensch, bleib hier“ vom Fenster des würfelförmigen Gebäudes, das für ein Jahr mein Zuhause war, hinterher. Ein ganzes Jahr lang waren wir gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Dietmar würde noch sechs Monate auf seine Entlassung warten müssen.

Kurz vor dem Entlassungstag hatte ich noch ein letztes Gespräch mit meinem Werber. „ Genieße deine freie Zeit, erhole dich erstmal von der Armee. Du bekommst in den nächsten Wochen schriftlich Bescheid wie es weitergeht“, offerierte mir der Volkspolizist, dessen Namen ich niemals erfuhr.

Die Wochen vergingen, ohne dass ich etwas vom „ Wachkommando Missionsschutz“ hörte. Zunächst glaubte ich, dass man mir im VPKA Seelow, wo ich meinen Personalausweis wieder in Empfang nehmen durfte, bereits etwas sagen konnte. VP ist schließlich VP, dachte ich in meiner grenzenlosen Einfältigkeit.

Die dralle blonde Genossin Hauptwachtmeister von der Abteilung „ Pass und Meldewesen“ überreichte mir jedoch lediglich, ohne das erhoffte Zwinkern in ihren Augen, so von Genossin Volkspolizistin zu Genossen Volkspolizist. Woher hätte sie auch über meine beruflichen Pläne Bescheid wissen sollen?

Im Wehrkreiskommando Seelow verhielt man sich ähnlich unwissend. Ich meldete mich als „gedienter Reservist“ zurück, obwohl ich, als zukünftiger Volkspolizist der Armee nicht mehr zur Verfügung stand. Falls nicht noch irgendetwas dazwischen kommt!

Zunächst bereite mir die ungewohnte Freizeit einiges Vergnügen. Schließlich gab es nach der „langen“ Militärzeit eine ganze Menge nachzuholen. Je mehr Zeit ins Land ging, desto unruhiger wurde ich. Zumal langsam das Geld knapp zu werden drohte und ich meinen Eltern nicht ewig auf der Tasche liegen wollte. Sollte sich bis Ende Mai niemand vom WKM melden, dann müsste ich, wohl oder übel, wieder mit meinem früheren Betrieb Kontakt aufnehmen.

Die „Funkstille“ gewährte mir aber auch eine Zeit zum Nachdenken. Sollte ich diesen Schritt tatsächlich gehen? Ich würde mich nicht nur beruflich völlig neu orientieren, sondern auch mein geliebtes Oderland gegen die „Betonwüste Berlin“ eintauschen. Knappe einhundert Kilometer lagen zwischen meiner Heimat und dem künftigen Domizil. Für jemanden wie mich eine „enorme Entfernung“. Dazu kamen immer wieder „ desolate“ Gespräche mit alten Kumpels. Die mich von meinem ungewöhnlichen Vorhaben abbringen wollten. Argumente gegen die VP gab es genug. „Zwang“, „Drill“, „Unterordnung“ und immer wieder das grottenschlechte Image der Ordnungshüter. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe und hundertprozentig davon überzeugt bin, dann ziehe ich das auch bis zur letzten Konsequenz durch. Ärgerlich nur, dass „meine Dienststelle“ absolut nichts von sich hören ließ. Ich wollte mir die Blamage die unweigerlich über mich hereinbrechen würde, falls sich das Ganze als „Luftnummer“ herausstellen sollte, lieber nicht vorstellen.

Endlich fand ich eine schmucklose Postkarte im Briefkasten. Mit zitternden Händen las ich den Text: ich sollte mich am Donnerstag den 30. Mai 1985, um 10:00 Uhr, im „ Wachkommando Missionsschutz“, in Berlin-Kaulsdorf, Hellersdorfer Straße, zum Einstellungsgespräch melden.
Von meiner Seele rutschte eine Zentnerlast. Alle Zweifel, alle Sorgen lösten sich auf einen Schlag in Luft auf. Das Einstellungsgespräch erachtete ich lediglich als „symbolische Hürde“. Eine Formsache, kaum der Rede wert.

Trotzdem konnte ich in der Nacht vor dem Gespräch kaum schlafen. Nicht auszudenken wenn der Bus, der mich von meinem Wohnort im Oderbruch zum S-Bahnhof Strausberg bringt, aus welchen Gründen auch immer, ausfällt.

Nichts dergleichen geschah. Ich kam gegen 08:00 Uhr, völlig ohne Vorkommnisse, in Strausberg an. Am Bahnhof herrschte das dort übliche Treiben. Strausberg, genauer gesagt der Bahnhof Strausberg-Vorstadt, besaß bereits zu jener Zeit den Status eines wichtigen Verkehrsknotenpunktes. Am Kiosk gegenüber dem Bahnhofsgebäude kaufte ich mir noch schnell eine Zeitung. Zu meinem Verdruss hatte sich vor dem Fahrkartenschalter eine lange Schlange gebildet. Normalerweise hätte ich, wohlgemerkt damals, „ großzügig auf das Entrichten des Fahrgeldes verzichtet“. Oder auf Deutsch: ich wäre „ Schwarz gefahren“.
An einem Tag wie diesen dürfte ich jedoch kein Risiko mehr eingehen. Falls ich nicht riskieren wollte, von einem Kontrolleur „enttarnt“ und am nächsten Bahnhof vor die Tür gesetzt zu werden.

Pünktlich zur im Fahrplan avisierten Zeit fuhr die aus Richtung Strausberg-Nord kommende, rot-gelbe Bahn ein. Das Abteil hatte ich für mich ganz allein. Die Zeitung legte ich gleich wieder weg. Zu viele Gedanken schossen mir durch den Kopf. Draußen schoss die Landschaft des damaligen Landkreises Strausberg an mir vorbei. Petershagen, Fredersdorf, Neuenhagen, Hoppegarten. Mahlsdorf, die nächste Station, gehörte bereits zu Berlin. Bei jedem Halt füllte sich das Abteil immer mehr. Sogar ein richtiges Punkerpärchen hatte sich unter die Fahrgäste gemischt. Mir kamen die seltsam gekleidet und frisierten, optisch völlig aus dem vorgegebenen „DDR-Rahmen“ fallenden jungen Leute wie Wesen von einem anderen Stern vor.

Kaulsdorf, nichts wie raus! Mit langen Schritten verließ ich das Gelände des S-Bahnhofes. Bei einer Passantin erkundigte ich mich nach dem Weg in die Hellersdorfer Straße. Mein eigentliches Ziel, das „Wachkommando Missionsschutz“, verriet behielt ich lieber für mich. Gerade einmal fünfhundert Meter Fußmarsch lagen noch vor mir. Kaulsdorf gab sich große Mühe dem Besucher vergessen zu machen, dass er sich in der Millionenstadt Berlin befindet. Die schmucken Einfamilienhäuser versprühten alles andere als ein urbanes Flair.

Eine Zigarettenlänge später stand ich zum ersten Mal vor den Toren der besagten VP-Dienststelle. „ Deutsche Volkspolizei-Wachkommando Missionsschutz“, stand auf einer vor der verschlossenen Eingangstür angebrachten Metalltafel. Auf einem ebenfalls verschlossenen Tor prangte ein so genannter Straßenspiegel. Der den Posten auf dem Hof einen Blick auf das Geschehen hier draußen gewährte. Eine hohe Umzäunung umgab das weitläufige Gelände. An dem Zaun angebrachte Platten sollten offenbar neugierige, unbefugte Blicke abwehren. Ein Ausdruck großer Wichtigkeit? Oder einfach nur Paranoia? In Ermangelung eigener Erfahrungen entschied ich mich einstweilen für die erste Variante.

Ich atmete noch einmal tief durch. Dicke Schweißperlen, die nicht nur den an diesem Tag herrschenden Temperaturen geschuldet waren, tropften von meiner Stirn. Alle Kraft zusammennehmend, betätigte ich die Klingel. Ein ungefähr vierzig Jahre alter Volkspolizist, die Augen hinter dunklen Brillengläsern verborgen haltend, öffnete die Tür.

Verdammt, wie sollte ich ihn bloß ansprechen? „ Entschuldigen Sie bitte Genosse“, begann ich devot und hielt ihm, ohne noch viele Worte zu verlieren, die „Einladungskarte“ unter die Nase. Über das schmale sympathische Gesicht des Einlasspostens huschte ein Lächeln. „ Wat ein Neuer? Imma rin in die jute Stube“, begrüßte er mich im besten Berliner Slang.

Winkend bat er mich zum Fenster der Wachstube. Dort saß, neben einem Telefon, ein anderer, offensichtlich jedoch weit älterer, behäbig erscheinender Polizist. „ Ruf ma an, hier is wieder so ein Verrückta der unbedingt Volkspolezist werden will“, bedeutete ihm sein Kollege.

Nach dem Ausfüllen des obligatorischen Passierscheins, „ hier herrscht schließlich Ordnung“, ein Spruch den wohl jeder Einlassposten der VP im Schlaf aufsagen konnte, wurde ich zu einem mehrstöckigen Gebäude gebracht. „ Das ist der Stab“, erklärte mir der Posten. „ Dort wirst du bereits von Oberstleutnant Reben tisch erwartet.“ „ Oberstleutnant Rebentisch?“ „ Ja, der Oberstleutnant führt grundsätzlich jedes Einstellungsgespräch. Er trifft auch die letzte Entscheidung ob der Bewerber genommen wird oder nicht. Du weißt doch, der erste Eindruck ist der entscheidende. Gib dir Mühe, dass der Genosse Oberstleutnant am Ende mit dir zufrieden ist!“

Mir wurde speiübel. Damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet. Von wegen „ bloße Formsache“. Der Posten lieferte mich im zweiten Stock des Stabsgebäudes ab. Vor irgendeinem Dienstzimmer. Dessen Nummer auf meiner „Festplatte“ vor langer Zeit „überschrieben wurde“.
Krampfhaft um Haltung bemüht trat ich ein. Oberstleutnant Rebentisch, ein beinahe sechzig Jahre alter, bebrillter, noch immer gertenschlanker Offizier, schüttelte mir herzlich die Hand. Außer ihm saßen noch weitere Offiziere, darunter der Kaderoffizier des WKM, eine Frau Oberleutnant, an einem Konferenztisch. Von den Anwesenden hing also mein weiteres berufliches Schicksal ab.

Zur Einstimmung musste ich ein minutenlanges „ Frage & Antwortspiel“ über mich ergehen lassen. Der Oberstleutnant wollte explizit von mir wissen, warum ich ein Volkspolizist werden wollte. Instinktiv vermied ich bei der Antwort jegliche Phrasen. Selbstverständlich band ich dem altehrwürdigen Offizier nicht auf die Nase, dass meine ersten beruflichen Vorbilder „ Starsky und Hutch“ hießen.

„ Ich möchte einfach in einem interessanten, vielseitigen Beruf arbeiten, der es mir ermöglicht anderen zu helfen und das Recht durchzusetzen“, schmetterte ich dem Gremium vor die Füße. Rebentisch nickte zufrieden. Zumindest erschien es so. Der Rest imitierte derweilen die undurchschaubare Mimik eines alten Indianers. Übrigens sehr erfolgreich.

„ Wie denkt denn dein persönliches Umfeld darüber?“, wollte Rebentisch weiter wissen. „ Durchaus positiv“, antwortete ich zögerlich. Wohl etwas zu zögerlich. „ Ja, äh, es gibt auch Stimmen die mich von dem Schritt abhalten wollten.“ Der Offizier schob die Brille ein wenig nach oben. „ Ach so, warum das denn?“ Ich schluckte den Kloss herunter. Jetzt bloß nichts Falsches sagen. „ Weil ich meine Freiheit aufgeben würde. Was natürlich völliger Quatsch ist.“ Oberstleutnant Rebentisch schmunzelte. „ Ja, ja das kenne ich, mein Junge. Du glaubst gar nicht was ich mir alles anhören musste, als ich 1945, gerade erst dem verdammten Krieg entronnen, wieder eine Uniform anzog und der neuen Polizei beitrat?“

Ehrfürchtige Schauer liefen mir über den Rücken. Ich hatte es mit einem wahrhaftigen „ Volkspolizisten der ersten Stunde zu tun.“ Dem Oberstleutnant war mein Erstaunen nicht verborgen geblieben. „ Du glaubst wohl nicht, dass ich bereits vierzig Dienstjahre auf dem Buckel habe? Mach dir nichts daraus. Ich kann das manchmal selbst nicht glauben.“ Brav lachten die anderen Offiziere über den Scherz des Oberstleutnants.
Rebentisch ergriff nun das Wort, berichtete vom schweren Anfang nach dem Zweiten Weltkrieg, vom Aufbau der Volkspolizei und der DDR. Wie bei Veteranen üblich durfte der üblich, durfte der Seitenhieb „ dass es unserer Generation heute dagegen doch viel besser gehen würde“ , nicht fehlen.

Der kleine Exkurs in die Geschichte beendete die Prozedur leider nicht. „ Wie stellst du dir denn deinen Werdegang bei der VP eigentlich vor?“, fragte Rebentisch beinahe beiläufig. „ Zuerst möchte ich mit den allgemeinen Gepflogenheiten des Dienstes bekannt machen“, gab ich zur Antwort. „ Davon gehe ich aus. Hast du keine Ambitionen Offizier zu werden?“

Diese Frage traf mich, wie bereits die vorhergehende, auf dem so genannten „falschen Fuß“. Mir wurde bewusst, dass ich zwar ein durch Filme und Literatur geprägtes Idealbild von der Volkspolizei im Kopf hatte, jedoch über keinerlei konkrete Pläne in diesem Beruf. Wäre wohl auch etwas vermessen gewesen, als blutiger Anfänger gleich von der großen Karriere zu träumen.

Ok, wie auch immer-am Ende überzeugten meine Ausführungen den Oberstleutnant. Falls meine Einstellung nicht bereits längst beschlossene Sache war. Frau Genossin „Kader-Scheich“ legte mir feierlich einen bereits ausgefüllten, auf den 01. Juni 1985 vordatierten Dienstvertrag zur Unterschrift vor. An dieser Stelle erfuhr ich meinen ersten Dienstgrad-Wachtmeister der Volkspolizei. Dieser Rang entsprach dem eines Stabsgefreiten bei der Armee. Obwohl es diesen Dienstgrad dort meines Wissens nach nicht mehr gab.

„ Genosse Bräuning, seien Sie herzlich Willkommen in der Deutschen Volkspolizei“, rief der alte Offizier nach der Unterschrift frenetisch aus. Wie ich mich in diesem Moment fühlte? Ganz einfach: Stolz und Überglücklich. Obendrein einer besonderen Gemeinschaft, der Volkspolizei, angehörend. Ich ahnte noch nicht, dass das von mir emsig gehütete Ideal sehr bald „Schönheitsflecke“ bekommen sollte.

Zum Schluss weihte mich der Oberstleutnant in den Aufbau des „Wachkommando Missionsschutz“ ein:

„ Du befindest dich hier im Kommando, der Zentralstelle des WKM. Unsere Dienststelle untergliedert sich in die Wachen Mitte, Pankow und Karlshorst. Wir sind, wie du ja schon weißt, für die Sicherheit der diplomatischen Objekte in der Hauptstadt der DDR zuständig. Die Posten repräsentieren die Deutsche Demokratische Republik. Sei dir dessen stets bewusst, Genosse Bräuning. Das Fehlverhalten eines WKM-Postens kann durchaus eine außenpolitische Krise auslösen.“

Auweia, von dieser Seite hatte ich den Job noch gar nicht betrachtet. Da kommt wohl einiges auf mich zu! Da der 01. Juni 1985 auf einen Samstag fiel, würde ich am 03. Juni zum ersten Mal offiziell zum Dienst antreten. Ich sollte mich früh um 07:00 Uhr, im Haus 4 des Kommandos, beim „ ZEK“ melden. Dort würde ich, bis zum Beginn des obligatorischen „ Dienstanfängerlehrgang“ an der VP-Schule Neustrelitz, „ die ersten Sporen verdienen“. Für eine Unterkunft im Wohnheim der Berliner Volkspolizei in Berlin-Biesdorf, war bereits gesorgt. Mein neues Leben nahm langsam aber sicher deutliche Konturen an.

Fortsetzung folgt

Gruß an alle
Uwe



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#6

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 05.02.2015 12:38
von Lutze | 8.039 Beiträge

wann geht es endlich weiter?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#7

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 05.02.2015 16:13
von ABV | 4.202 Beiträge

Geduld, lieber Lutze, Geduld. Ich denke mal spätestens am Sonntag wird die Fortsetzung " geliefert".

Viele Grüße aus dem Oderland
Uwe


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#8

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 05.02.2015 20:42
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Vielen Dank für die Mühe.


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#9

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 06.02.2015 21:17
von Grenzfuchs | 445 Beiträge

@ABV ... danke für deine interessante Schilderung -> und u.a. -> "... Für eine Unterkunft im Wohnheim der Berliner Volkspolizei in Berlin-Biesdorf, war bereits gesorgt."

Ich war 1979-1980 für ein Jahr dem WKM unterstellt. Dienstort "interessant oder auch nicht" weil begrenzter Streifenbereich der Funk- und Fernsehturm der DDR am Alex.
Bevor ich aber dort zum Einsatz kam, wurde ich noch ca. 14 Tage im Streifeneinzeldienst im Revier 14 - Mitte "getestet", will sagen, dass ich in dieser 14tägigen Zeit immer eigenartige Schatten hinter mir hatte, die dann komischerweise am Funkturm wieder auftauchten, dann aber "Adresse bekannt".

Alles ne lange Geschichte. Ach ja, deswegen kenne ich die Unterkunft in Biesdorf in- und auswendig. 11. Etage ... und dann kommste früh aus der 12h NS mit ner Kiste Bier und der Aufzug streikte .... Wurde eben auf jeder Etage ne kleine Pause eingelegt. Oben angekommen, alle Probleme gelöst ....

Gruß vom Grenzfuchs


Wer mit dem Strom schwimmt, wird nie die Quelle sehen!

GT der DDR, 1972-1975, GKS Süd -> GR-10 "Ernst Grube", II. Bat. Göttengrün / 8.GK Juchhöh - Uffz. - FW. d. Res.
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#10

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 06.02.2015 21:52
von Waldmeister | 149 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #7
Geduld, lieber Lutze, Geduld. Ich denke mal spätestens am Sonntag wird die Fortsetzung " geliefert".

Viele Grüße aus dem Oderland
Uwe


Uwe, das kannst du nicht mit uns machen! Oh, bitte weiter!

Waldmeister


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#11

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 07.02.2015 09:35
von Turmwache | 293 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #2
warum war der Treffpunkt am Alexanderplatz?
die Adresse vom Polizeipräsidium hätte doch
auch gereicht?
Lutze

Nu, da warst Du bestimmt erstmal auf den Bildschirmen begutachtet worden.


zuletzt bearbeitet 07.02.2015 09:41 | nach oben springen

#12

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 07.02.2015 15:33
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Waldmeister im Beitrag #10
Zitat von ABV im Beitrag #7
Geduld, lieber Lutze, Geduld. Ich denke mal spätestens am Sonntag wird die Fortsetzung " geliefert".

Viele Grüße aus dem Oderland
Uwe


Uwe, das kannst du nicht mit uns machen! Oh, bitte weiter!

Waldmeister


Fortsetzung ist in Arbeit

Gruß Uwe


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#13

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 07.02.2015 17:59
von IM Kressin | 918 Beiträge

Hallo @ABV ,

Deine Erlebnisse kommen so authentisch rüber, daß ich beim Lesen das Gefühl habe, beim Einstellungsgespräch dabei gewesen zu sein!

Ich habe „Mauerfall und Wendezeit“ gern gelesen, von besonderem Interesse war für mich naturgemäß das Erleben aus ostdeutschem Blickwinkel.

Hand aufs Herz, hast Du mal daran gedacht, Deine Erfahrungen in Buchform einzubetten?

Schreibst Du aus dem Gedächtnis oder anhand früherer Aufzeichnungen?

Ich bin auch sehr gespannt, wie es weitergeht!

Es grüßt Kressin


"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!
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#14

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 07.02.2015 18:06
von ABV | 4.202 Beiträge

@IM Kressin
Erstmal Danke für deine lobenden Worte. Ja, ich habe schon des Öfteren darüber nachgedacht meine Erinnerungen in Buchform herauszubringen. Das scheiterte bislang jedoch am Desinteresse richtiger Verlage. Falls sich doch mal ein Verlag dafür interessierte, dann sollte ich Unsummen investieren, um mich finanziell an dem Projekt zu beteiligen. Leider fehlen mir dazu die Mittel.
Das Angebot bei dem Buchprojekt " Mauerfall und Wendezeit" mitzuarbeiten, war eine gute Möglichkeit meine Erinnerungen wenigstens teilweise veröffentlichen zu können. Ohne irgendwelche finanziellen Risiken einzugehen. Aber hier im Forum, über das Internet, erreicht man ebenfalls eine Menge interessierter Leser.
Ich schreibe meine "Memoiren" aus der Erinnerung heraus. Notizen hatte ich mir damals keine gemacht.

Viele Grüße aus dem Oderbruch
Uwe


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#15

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 08.02.2015 14:30
von ABV | 4.202 Beiträge

Aller Anfang ist schwer
Wachkommando Missionsschutz Berlin „ Kommando Berlin-Kaulsdorf“, 03.06, 1985

Am Montag den 03. Juni 1985 stehe ich um 06:45 Uhr, mit einer vollbepackten Reisetasche in der Hand, erneut vor dem Kontrolleinlassposten des Wachkommando Missionsschutzes in Berlin-Kaulsdorf. Anders als am Freitag stand ich nicht allein vor dem Tor. Vielmehr schwamm ich geradezu im Strom der zum Dienst erscheinenden, teils uniformierten teils Zivil tragenden Mitarbeiter.

Heute schiebt hier anderer Polizist Dienst am Einlass. Das Heer der zum Dienst erscheinender flanierte an dem Posten vorbei. Jeder einzelne griff zuvor in die Tasche, zauberte einen aufklappbaren Dienstausweis, dass so genannte Dienstbuch, hervor, hielt es dem Posten unter die Nase und ging anschließend weiter. Eines jener alltäglichen, immer wieder kehrenden Rituale. Wehe den, der sein „Dienstbuch“ nicht vorweisen konnte! Der Posten würde ihm, ungeachtet von Namen und Dienstgrad, den Einlass verwehren. Typisch DDR? Nein, wohl eher typisch deutsch!

Mir stellte der Posten keine überflüssigen Fragen. „ Ach noch einer von den Neulingen“, stellt er lediglich augenzwinkernd fest. Offenbar bin ich nicht der einzige, an dem an diesem warmen Frühsommermorgen ein neues Leben begann. Ich übergebe ihm meinen Personalausweis. Wieder bekomme ich einen Passierschein in die Hand gedrückt. „ Haus 4 liegt dort hinten“, sagte der Posten und zeigt dabei mit der rechten Hand in die Richtung eines zweistöckigen, grau verputzen Gebäudes in der Nähe der Umzäunung.

Ich nehme die Tasche in die Hand. Auf dem Weg zum „ Haus 4“ lasse ich meinen Blick über das Gelände schweifen. Normalerweise hatte ich mir unter einer Polizeidienststelle immer ein großes, mehrstöckiges, einzeln stehendes öffentliches Gebäude in Mitten eines Ortes vorgestellt. Diese Dienststelle glich viel mehr einer Kaserne. Nicht allein deshalb, weil es statt einem einzelnen Gebäudes, aus vielen auf dem Terrain verteilten mehr oder weniger großen Bauten bestand. Zum Areal gehörten unter anderem ein eigenes Kulturhaus, inklusive eines riesigen Veranstaltungsraums, den ich später noch eingehend kennen lernen sollte, ein Speisesaal nebst Küche, das bereits erwähnte Stabsgebäude, sowie eine eigene Fahrbereitschaft, nebst Werkstätten und einer Tankstelle.
Auf dem Gelände parkten verschiedene Fahrzeugtypen. Mannschaftstransporter „ Marke LKW W50“, Barkas-Kleinbusse, IKARUS-Busse und einige wenige Streifenwagen.
Eigentlich gab es hier überhaupt keine Öffentlichkeit. Dafür sorgten bereits die blickdichten Zäune. So als würde man hier immense Staatsgeheimnisse hüten. Vielleicht war es ja tatsächlich so? Bei dem Gedanken erfüllte mich ein gewisser Stolz. Stolz darüber, zu den „Auserwählten“ zu zählen, die diesen „hochwichtigen“, daher von allen Blicken abgeschotteten Ort betreten dürfen. Heute kann ich, über meine eigene Naivität, selbst nur noch mit dem Kopf schütteln.

Im „ Haus 4“ , dessen Fenster im unteren Bereich von starken Gittern geschützt wurden, begrüßte mich ein etwa fünfzigjähriger, noch immer sehr schlanker VP-Obermeister, der als Friedrich Wunderlich vorstellte:

„ Guten Morgen. Du musst der Genosse Bräuning sein. Warte, ich bringe dich in unseren Aufenthaltsraum. Dort sind bereits die vier anderen Dienstanfänger. Macht euch erst einmal mit einander bekannt. Alles weiterer findet sich dann schon.“
Obermeister Wunderlich erzählte mir auf dem Weg zum Aufenthaltsraum, dass er hier der „Meister vom Innendienst“ sei. „ Das ist dasselbe wie der „Spieß“ bei der Fahne“, erklärte augenzwinkernd. „Du brauchst aber vor mir nicht die Hacken zusammenzuknallen und mich im normalen Tagesgeschäft auch nicht als Genosse Obermeister anzureden. Ich werde hier von allen Felix genannt“.

Dann betrat ich den Aufenthaltsraum. Der aus einem langen, von zehn Polsterstühlen umstandenen Konferenztisch, einem braunen Aktenschrank, einem Schrank für Kaffeetassen und Wasserkocher und einem Telefon bestand. Wie üblich lächelte der Genosse Erich Honecker von der ansonsten reichlich schmucklosen Wand die Eintretenden an. Neben der Eingangstür hing eine Tafel. Versehen mit einem überdimensionalen VP-Stern. Darunter der in unübersehbaren Lettern gefasste „ Eid der Angehörigen der Deutschen Volkspolizei“.

An dem Konferenztisch saßen ein uniformierter Volkspolizist und vier Zivilisten, vertieft in einem angeregten Gespräch. Den würzigen, mir aus der eben erst beendeten Armeezeit so wohl bekannte Geruchsmix aus frisch gebrühten Kaffee und Zigarettenrauch einsaugend, näherte ich mich den anderen.

Ich wurde sogleich mit lautem Hallo empfangen. So als ob sich alte Bekannte wiedersehen würden. Dabei kannten wir uns doch noch gar nicht. Für meine Begriffe verlief die erste Begrüßung einen Ticken zu euphorisch um echt zu sein. Aber vielleicht bin ich auch nur zu empfindlich?
Besonders ein in der Mitte sitzender, ebenso korpulenter wie lautstarker Zivilist erregte von Anfang mein Missfallen. Nicht zu Unrecht, wie sich später herausstellen sollte.

Der „Dicke“ stellte sich als Jürgen Wohlrabe, dreiundzwanzig Jahre alt, aus der Stadt Brandenburg im Bezirk Potsdam stammend, vor. Wohlrabe, der bis vor kurzem noch im „Stahl & Walzwerk „ in Brandenburg gearbeitet hatte, besaß einen Schwager im Wachkommando Missionsschutz. Besagter Schwager arbeitete in der „ Wache Karlshorst“ und hatte Schwager Jürgen vom Hochofen weg ins WKM gelockt. Allerdings sah sich dieser gezwungen, zunächst zwanzig Kilo Gewicht zu verlieren. Ansonsten wäre es mit der Einstellung „ Essig gewesen“. Zwanzig Kilo? Ich wollte mir lieber nicht vorstellen, wie der „Radaumops“ vor der erzwungenen „Schlankheitskur“ aussah.

Ein anderer Neuling entpuppte sich als ehemaliger „Zehn-Ender“, der seinen NVA-Dienst direkt im „ Ministerium für Nationale Verteidigung“ in Strausberg abgeleistet hatte. Angeblich kannte er Generäle wie Horst Stechbarth oder Fritz Strelitz persönlich. Mich konnte er damit nicht beeindrucken. Ganz einfach , weil mir diese beiden Militärs zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannt waren.

Fred, so hieß der „Zehn-Ender“, warf mit Phrasen nur um sich. „ Ich bin zur Volkspolizei gegangen, um nicht nur vom Staat zu nehmen, sondern den Staat auch einmal etwas zurückzugeben“, bekundete er in einem der ersten Gespräche. Schwer zu sagen, ob er es ernst meinte, oder einfach nur dachte, dass so etwas einfach dazu gehört. Ich kam mir in seiner Gegenwart, als ehemaliger Verehrer von Stursky & Hutch“, reichlich „ klein“ vor. Instinktiv misstraute ich den zu dick aufgetragenen Argumenten. Obwohl mir Fred, seiner Geradlinigkeit wegen, gleichzeitig ein klein wenig imponierte.

Wohltuender Weise erwiesen sich Frank und Ulli, die anderen beiden Neulinge, als völlig normale, ruhige und dem Anlass entsprechend, zurückhaltende Zeitgenossen.

Gegen 07:30 Uhr hielt Hauptmann Nebeling, der grauhaarige schmächtige Leiter des „ZEK“ eine offizielle Rede. Wir Neulinge erfuhren, dass sich hinter den so schmiss klingenden drei Buchstaben keine geheimnisvolle Spezialeinheit, sondern ganz einfach die „Zentralen Einsatzkräfte“ des WKM verbargen. Diese wurden überall dort eingesetzt, wo sich auf Grund besonderer Situationen ein besonderer Kräfteansatz abzeichnete, oder ganz einfach, zum Beispiel wegen einer Grippeepidemie, Leute fehlten. Wer dem „ZEK“ angehörte, kannte sich im gesamten Bereich des WKM aus. Durchaus ein nicht von der Hand zu weisender besonderer Vorteil. Als nachteilig, vor allem für Familienväter, erwies sich der Umstand, dass die Polizisten den Dienstplan für die kommenden Wochen erst wenige Tage, unter Umständen sogar wenige Stunden vor dem eigentlichen Einsatz erfuhren. Dagegen verfügten die anderen Angehörigen des WKM über einen Jahresplan. Das heißt: jeder wusste bereits am Neujahrstag ob er das kommende Sylvester zu Hause feiern konnte. Aber auch hier galt: falls nichts dazwischen kommt!

Nebeling umriss knapp was in den nächsten Tagen und Wochen, bis zum Beginn des „Dienstanfängerlehrgangs“ erwartet: wir sollten die Zeit nutzen und uns umfassend über die Aufgaben der Deutschen Volkspolizei im Allgemeinen und denen des WKM im Besonderen, vertraut machen. Dazu gehörte, unter anderem, ein Studium der Dienstvorschriften. Noch in dieser Woche würden wir im VP-Präsidium Uniformen und Ausrüstungsgegenstände sowie hier im Kommando die Dienstausweise erhalten. Des Weiteren sollte ein erstes Training mit der Dienstwaffe des Volkspolizisten, der Pistole „ Makarow“, auf dem Schießstand des WKM in Kaulsdorf, erfolgen.

Nach dem Frühstück trudelte ein sichtlich gut gelaunter, kleiner dicker Offizier in den Aufenthaltsraum: Hauptmann Werner Füger, von der Politabteilung des WKM. Leutselig begrüßte Füger jeden einzelnen Anwesenden per Handschlag. Wie es schien gehörte das „ Haus 4“ zu den erklärten Lieblingsaufenthaltsorten des lustigen Politoffiziers. Hauptmann Fügers Leidenschaft gehörte dem Fußball. Namentlich dem „ Berliner Fußballclub Dynamo“. Der sich im Allgemeinen in der DDR keiner großen Beliebtheit erfreute. Was Füger, naheliegender Weise, „ Meilenweit am Arsch vorbei ging“.

Wenn es seine Zeit erlaubte, feuerte der Hauptmann die „weinrote Elf“ bei jedem Heimspiel im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sport-Park lautstark an. Als „ förderndes Mitglied“ besaß er einen Platz auf der Ehrentribüne. In Sicht und Hörweite von Armeegeneral Erich Mielke. Minister für Staatssicherheit und „ BFC-Präsident „ in Personalunion. Hauptmann Füger fehlte auf keinem am Ende jeder Saison abgehaltenen „Vereinsball“. Von ihm voller Stolz präsentierte Fotos, die er uns später voller Stolz präsentierte, zeigten ihn in trauter Eintracht mit dem ebenfalls nicht sonderlich beliebten Mielke. Ob Füger, falls er noch unter den Lebenden weilt, diese Fotos heute peinlich sind?

Fortsetzung folgt

Gruß an alle
Uwe


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#16

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 10.02.2015 18:30
von ABV | 4.202 Beiträge

Fortsetzung

In den Räumen des „ZEK“ ging es zu wie in einem Taubenschlag. Zeitweise gaben sich die Eintretenden mit denen die das Haus nach kurzer Unterredung wieder verließen, buchstäblich die Klinke in die Hand.

Die meisten Mitarbeiter holten sich lediglich von Nebeling den Einsatzplan für die kommende Woche, wechselten noch ein paar Worte mit dem Hauptmann und gingen dann wieder. Andere tranken noch schnell einen Kaffee, rauchten eine oder zwei Zigaretten, setzten sich zu uns an den Tisch. Teils aus purer Neugierde. Schließlich wollte man wissen, wer in Zukunft die Reihen des WKM verstärkte.

Ulli traf dabei seinen Werber wieder. Einen freundlichen VP-Meister, der sich nicht nur optisch von dem unterschied, der mich vor gut einem Jahr für den Dienst im Missionsschutz begeisterte. Genau der Typ, mit dem man gerne ein Bier trinken und sämtliche Probleme anvertrauen würde.

Die von meinem Werber aufgebaute Distanz ging VP-Meister Schelling, so lautete sein Name, völlig ab. Kein Wunder also, dass sich Ulli über das Wiedersehen freute. Schelling, der in Petershagen bei Strausberg wohnte, besaß dort ein kleines Eigenheim in der Nähe der S-Bahn. Auf VP-Meister Schelling und dem Eigenheim werde ich später noch einmal zurückkommen.

Nach dem Mittagessen im Speisesaal des WKM, wurden wir Neulinge in einem grauen Barkas ins benachbarte Biesdorf gefahren. Zunächst zu einer Sparkasse, wo sich jeder ein Konto einrichtete. Volkspolizisten erhielten ihr Gehalt stets im Voraus. Spätestens am letzten Werktag des alten Monats stand das Gehalt für den kommenden Monat zur Verfügung. Unser Gehalt für den Juni 1985 wartete in der Finanzabteilung des VP-Präsidiums darauf, überwiesen zu werden.

Der uns begleitende Volkspolizist, ein salopp auftretender Hauptwachtmeister, „wagte“ gar einen „politischen Witz“ zum Besten zu geben: „ Passt ja auf, dass ihr euer Konto niemals überzieht“, mahnte er Augenzwinkernd. „ Laut einem gerade in Kraft getretenen Gesetz werden die Fotos von Bürgern die ihr Konto permanent überziehen, in allen Sparkassenfilialen aufgehängt.“ Grinsend forschte der Hauptwachtmeister in unseren Gesichtern nach einer Reaktion. „ Sonst ergeht es euch wie den hier“, setzte der Polizist unvermittelt fort, wobei er unverfroren auf das im Kassenbereich hängende „ Honecker-Portrait“ zeigte. Wir begannen zu lachen. Selbst die beiden weiblichen Angestellten glucksend albern hinter ihren Schaltern. Witze, vor allem solche Witze, ausgerechnet aus dem Mund eines Ordnungshüters, kamen immer gut an.

Nach Erledigung aller Formalitäten bekam ich ein Scheckheft ausgehändigt. Dinge wie diese kannte ich bestenfalls aus dem Fernsehen. Ungläubig staunend hielt ich das Ding in den Händen. „ In Zukunft brauchen Sie bei größeren Einkäufen kein Bargeld mehr. Einfach die Summe eintragen, dann geht alles ganz automatisch“, erklärte die nette Sparkassenangestellte.

Wieder eine Erneuerung die ich erst verdauen musste. Bei der Binnenfischerei war mir der Lohn Bar immer in einer Tüte übergeben worden. 478 Mark der DDR , zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Noch dazu für beinharte Arbeit. Spätestens Übermorgen würden 1300 Mark, also fast das Dreifache, auf der Haben-Seite meines taufrischen Kontos stehen. Wer hätte sich darüber nicht gefreut?

Draußen gab der Hauptwachtmeister gleich noch eine Kostprobe seines derben Humors. Hatte er doch den Barkas rotzfrech im Parkverbot abgestellt. Was einem zufällig vorbei kommenden Passanten zu einer Schimpfkanonade animierte: „ So ist es richtig! Ihr seid ja schöne Vorbilder. Aber ihr meint wohl, dass ihr euch alles erlauben könnt. Ich werde mich beschweren.“ Ungerührt öffnete der Hauptwachtmeister die Fahrertür, während wir auf den hinteren Sitzen Platz nahmen. Der Passant, ein älterer Herr um die Siebzig, tobte noch immer wie ein Rohrspatz. Den Mund angesäuert verziehend, drehte er sich zu uns um und sagte halblaut: „ Wenn der nicht gleich die Klappe hält, verpasse ich dem Kerl einen Mängelzettel“.

Erst jetzt fiel mir der leere rechte Ärmel auf, der kraftlos an der Seite des Schimpfenden herumbaumelte. Wieder erscholl lautes Gelächter. Wenn auch auf Kosten eines körperlich Versehrten, dem die Heiterkeit der Barakas-Insassen nicht verborgen blieb.

Ohne sich nach dem Einarmigen Opfer seines Witzes umzuschauen, startete der Hauptwachtmeister den Motor. Natürlich grinste ich ebenfalls über beide Backen. Ich konnte mich des schalen Gefühls gerade auf Kosten eines Benachteiligten gelacht zu haben, dennoch nicht völlig erwehren. Wer kann schon von sich behaupten, niemals der sonderbaren Versuchung „ Schwarzen Humors“ erlegen zu ein. Gerade aus dem Mund eines jener von mir „vergötterten“ Volkspolizisten hätte ich solch einen „Scherz“ jedoch am wenigsten erwartet.

Die nächste Station war das zuständige VP-Revier in Berlin-Biesdorf. In der dortigen Meldestelle wurde unsere Nebenwohnung eingetragen: Berlin-Biesdorf, Kornmandelweg 10. Die Anschrift des Wohnheims des VP-Präsidiums Berlin. Mein Domizil für die kommende Zeit. Bis zum Umzug in die erste eigene Neubauwohnung. Irgendwo in Marzahn oder Ahrensfelde.

Last but not least ging es dann über die von Eigenheimen gesäumte Oberfeldstraße zum Wohnheim der Polizei. Der letzten Station des heutigen Tages. Wieder sah ich mich in der Situation eine Vorstellung zu revidieren. Und zwar dem von einem „ Arbeiterwohnheim“. Während meiner Lehrzeit hatte ich einmal ein paar Wochen in solch einem „Heim“ im sächsischen Hagenwerder verbracht. Wohncontainer wäre wohl der passendere Begriff gewesen. Genauso stellte ich mir, in meiner ländlichen Naivität, das VP-Wohnheim im Biesdorfer Kornmandelweg vor. Ich staunte jedoch „ Bauklötze“, als sich der vermeintliche Container, als großer, mehrstöckiger, aus mehreren Aufgängen bestehender Wohnblock herausstellte. Hier in Berlin schien eben alles einen „Tick“ größer zu sein.

Ein niedriger Maschendrahtzaun, dessen vormals blaue Farbe allmählich dem Wetter zum Opfer fiel, trennte das Gelände vom Kornmandelweg. Der Zaun besaß eine breite Durchfahrt. Groß genug für die privaten PKW der Heimbewohner und den Schichtbus der die im Wohnheim lebenden Angehörigen der Wachen Pankow und Blankenfelde zum Dienst beförderte. Schlaff hing ein quer von einem Pfahl zum anderen gespanntes Volleyballnetz in der flirrenden Sonnenglut.

Wir nahmen unser Gepäck in die Hand. Der Hauptwachtmeister lotste uns zur Heimleitung. Präsentiert von einer vollbusigen brünetten Mittdreißigerin, die souverän die „Heimmutti“ mimte. Die Zimmereinteilung stand bereits fest. Ich kam zusammen mit Wohlrabe und Fred in eine Bude im vierten Stock. Ich quittierte den Empfang der Zimmerschlüssel und das ich die von „Mutti“ verlesene Heimordnung verstanden hatte. Vieles ähnelte den in sonstigen „Massenunterkünften“ üblichen Geboten. Oder besser gesagt Verboten. Einige Aspekte wichen, in Punkto Schärfe, erheblich „nach oben“ ab.

„Ihr befindet euch in einem Objekt der Deutschen Volkspolizei. Das heißt, dass hier, wie in anderen Objekten und Dienststellen auch, der Empfang von Westfernsehen oder Westradio streng verboten ist und als Verstoß gegen die Geheimhaltungsordnung geahndet wird“, dozierte „Mutti“ mit hochgezogenen Augenbrauen. „ Das dürfte euch aber nicht schwerfallen! Als Volkspolizisten sind diese Sender für euch ohnehin tabu.“

Diese Vorschrift konnte wohl niemanden der zur Volkspolizei wollte, überraschen. Schon gar nicht von seinem Berufswunsch abhalten. Trotzdem würde ich Starsky & Hutch nicht Lebwohl sagen müssen. Hier griff, wieder einmal, ein für die heutige Generation und „Westgeborene“ unverständliches Prinzip-das des „ offiziellen Gesichtes“. Mein offizielles Gesicht würde ich, wie viele andere, im täglichen Dienst zeigen.

Offiziell bedeutete in diesem Fall mich mit allen Einschränkungen die mir der Dienst bei der Volkspolizei auferlegte, einverstanden zu zeigen. Was blieb mir auch anderes übrig? Nach Dienstschluss aber, in den eigenen vier Wänden, würden diese Einschränkungen und Verbote nicht mehr gelten. Dort würde ich weiter frei sein. Frei in jeder Hinsicht. Auch oder gerade in der Auswahl des „richtigen“ Fernsehprogramms. Warum wurde mir die Schizophrenie dieses Zustands erst so spät bewusst? Möglicherweise, weil sie bereits zum „ganz normalen“ DDR-Alltag gehörte.

Gott sei Dank verfügte das Wohnheim über einen Fahrstuhl. Ansonsten wäre mir die Überwindung der unzähligen Treppenstufen, bis zum hinauf in den vierten Stock, bei geradezu hochsommerlichen Temperaturen, „verdammt sauer geworden“.

Weniger als das ohnehin bekannte „Westfernseh und Fernhörverbot“, störte mich der Umstand, den lauten, fetten Wohlrabe künftig vierundzwanzig Stunden am Stück vor Augen zu haben. Aber wenn ich eines bei „ der Asche“ gelernt habe, dann war es das Zusammenleben mit unsympathischen Zeitgenossen auf engstem Raum. Zumal, anders als bei der Armee, in der gut vierzig Quadratmeter großen Wohnung noch genügend Privatsphäre vorhanden war, um sich nicht dauernd auf den Keks zu gehen. Außerdem würde Wohlrabe doch bestimmt des Öfteren Schwager und Schwester in Marzahn besuchen. Ich gönnte ihm die „Familienzusammenführung“ von ganzen Herzen.

Laut der „Heimmutti“ würden wir Neulinge nicht unter uns sein. Ein Oberwachtmeister Krause, der gerade sein Praktikum in der „ Wache Mitte“ absolvierte, komplettierte die Polizei-WG.

Die Wohnung selbst entsprach dem in der DDR für Neubauwohnung üblichen Standard. Als Bengel hatte ich in den Ferien hin und wieder meine in der Chemiearbeiterstadt Schwedt wohnende Verwandtschaft besucht. Mehr oder weniger unfreiwillig. Meiner zeitweise mäßigen Leistungen im Fach Mathematik wegen. Mein ebenso kluger wie gestrenger Onkel gab mir in den Ferien Nachhilfeunterricht. Fatalerweise erinnerte mich die Struktur der Bude an die qualvollen Stunden des Nachhilfeunterrichtes. Ähnelten sich doch beide Wohnungen wie ein Ei dem anderen. Selbst die Durchreiche, von der Küche ins Wohnzimmer, fehlte nicht.

In einem unterschieden sich die Wohnungen aber doch: im Mobiliar. Kein normaler Mensch würde sich solche mehr zweckmäßigen als schönen Möbel ins Zimmer stellen. Wie in Schwedt gab es auch hier in Biesdorf einen richtigen Balkon. Anders als in Schwedt endete der Blick nicht nach schlappen zweihundert Metern an der Fassade eines Neubaublocks. Nein, weit in der Ferne schimmerten bläulich die Wälder von Köpenick. Berlins „ Grüner Lunge“.

In unmittelbarer Nähe des Wohnheims gab es eine Kaufhalle. Und gleich daneben lockte das „ Bireska“, eine gemütliche Gaststätte, „durstige Kehlen“ an. Das ein großer Teil der Kundschaft aus „Insassen“ des VP-Wohnheims und der auf der anderen Straßenseite gegenüber gelegenen Hochschule der Volkspolizei bestand, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht extra zu betonen.
Nachdem ersten Überblick ging es erstmal in die Kaufhalle. Wieder, zum wievielten Mal eigentlich an diesem Tag, geriet ich in einen Zustand absoluter Verzück. Diesmal lag es am, für meine Begriffe, „ außergewöhnlich reichhaltigen Warenangebot“ der Biesdorfer Kaufhalle. Obst, Gemüse. Fisch, Getränke. Eben alles was das Herz, beziehungsweise der Magen begehrt. Heute würde die von mir empfundene „Vielfalt“ niemanden mehr hinter dem Ofen vorlocken. In den Regalen jedes durchschnittlichen Discounters findet man wohl mindestens das Doppelte an Ware. Und doch erlebte der frischgebackene, aus dem weiten Oderbruch in die Hauptstadt transferierte Wachtmeister der VP Bräuning, so etwas wie einen „Orgasmus der Sinne“. Was wohl nicht gerade für die Warenversorgung auf dem platten Land spricht.

Zurück im Wohnheim, ich wollte mir gerade eine kühle „Club-Cola“ gönnen, drehte sich ein Schlüssel im Schloss der Eingangstür. Ein verschwitzter Oberwachtmeister , die Mütze tief in den Nacken geschoben, betrat den Raum. „ Hey, ihr seid wohl die neuen Genossen? Ich bin der Micha, Micha Krause“, rief er sichtlich erfreut, in breitestem sächsisch.
„ Angenehm. Wir haben schon gerätselt, wie du wohl aussehen magst.“, antwortete Fred, der als erster die Fassung wiedergewann.

„Nun wisst ihr ja Bescheid“, sagte Krause, der dann, noch immer in voller Montur, schnurstracks den Kühlschrank ansteuerte, die Tür öffnete, eine halbvolle Flasche „Meldekorn“ entnahm, die Pulle an den Hals setzte und einen kräftigen Schluck trank. „ Oh, das hat gut getan“, stöhnte Krause wohlig, wischte sich den Mund ab und hielt mir die Flasche hin. „ Willst du auch einen Schluck? Genau das richtige nach acht Stunden Dienst.“

Kopfschüttelnd wehrte ich ab. Mein idealisiertes Volkspolizeibild bekam zum zweiten Mal an diesem Tag Risse. Fuselsaufende Volkspolizisten passten ebenso wenig hinein, wie Volkspolizisten die auf Kosten körperlich Versehrter Heiterkeit fabrizierten. Mehr und mehr geriet ich in Wechselbäder der Gefühle. Wie das nun einmal so ist, wenn man in eine lediglich aus Büchern und Filmen bekannte Welt eintaucht.

Fortsetzung folgt

Gruß an alle
Uwe


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zuletzt bearbeitet 10.02.2015 18:31 | nach oben springen

#17

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 12.02.2015 18:04
von ABV | 4.202 Beiträge

Eine Uniform macht noch lange keinen Polizisten!


Am kommenden Tag fuhr uns der bereits bekannte Spaßvogel von einem Hauptwachtmeister zur Einkleidung ins Volkspolizei-Präsidium in der Keibel-Straße. Zum zweiten Mal im Leben betrat ich die riesige aus unendlich vielen Etagen und ebenso unendlich langen Gängen bestehende Berliner VP-Zentrale.

Routiniert als wäre er in dem Gebäude Zuhause, führte uns der Hauptwachtmeister durchs Labyrinth. Vorbei an Türen mit so interessanten Bezeichnungen wie „ Kriminaltechnisches Institut“ oder „ Untersuchungshaftanstalt“.

Ich blieb einen kurzen Moment vor einer der Türen stehen. „Das interessiert dich wohl brennend?“, fragte der Hauptwachtmeister überlegen grinsend. „ Merke dir eines für die Zukunft: jeder hat nur so viel zu wissen, wie er für seine Dienstdurchführung unbedingt benötigt. Aus, Schluss, Basta. Tröste dich, ich durfte auch noch nie hinter die Türen schauen“

Die Einkleidung verlief völlig anders als beim Militär. Insgeheim hatte ich befürchtet, dass das Ganze ähnlich chaotisch wie in jener kühlen Novembernacht im Jahre 1983 verlief, als ich im Grenzausbildungsregiment Oranienburg von einem Jeans tragenden Zivilisten in einen Soldaten verwandelt wurde. Das genervte „ Passt, passt“, der „Kammerbullen“ hallte noch immer in meinen Ohren. Und von wegen „ Passt, passt“.

Hier in der Bekleidungs und Ausrüstungskammer ( B /A-Kammer) des Berliner VP-Präsidiums traf ich nicht auf „ blökende Uffze“, sondern auf geduldige verständnisvolle Zivilangestellte. Die uns Neulinge verständnisvoll, geduldig und vor allem fachkundig bei der Anprobe der neuen Uniformen mit Rat und Tat zur Seite standen. Das Wort „Passt“ fiel nur, wenn das Kleidungsstück tatsächlich passte und nicht „ ellenlang vom Hintern abstand“.

Beim ersten Blick in den Spiegel hätte ich mich beinahe selbst nicht wiedererkannt. Die Uniform stand mir außerordentlich gut. Fand ich jedenfalls. Eitel wie nie zuvor, betrachtete ich mich von allen Seiten. „Schutzpolizei“ stand in gestickten weißen Buchstaben über dem mit dem VP-Stern versehenen Emblem am linken Ärmel. Das ich immer und immer wieder stolz betrachtete.

Noch heute, nach nun mehr dreißig Dienstjahren und der Erfahrung von drei verschiedenen Polizeiuniformtypen, bekommt die VP-Uniform von mir die beste Note. Das hat nichts damit zu tun, dass ich etwa noch immer DDR und Volkspolizei hinterher trauere. Nein! Aber in punkto Funktionalität,Schnitt und ich nenne es mal so, Formschönheit, rangiert die VP-Uniform noch immer Platz 1.

Dieser Eindruck wird übrigens auch von vielen Polizisten aus den „ Gebrauchten Bundesländern“ geteilt. Als ich, im März 1992, in Steinfurth bei Münster, im Rahmen eines Beamtenaustausches für einige Zeit Dienst verrichtete, konnte ich mir als erstes folgenden Satz anhören: „ Warum habt ihr euch bloß eure schönen Uniformen wegnehmen lassen. Die dämliche „Östergard-Montur“, nach dem Modedesigner Heinz Östergard, dem Schöpfer der vorletzten bundesdeutschen Polizeiuniform, “taugt nicht einmal für die Altkleidersammlung“.

Ich staunte über die Vielzahl von Ausrüstungsgegenständen die man mir in der B/A-Kammer aushändigte. Viele Gegenstände verrieten den „Zwittercharakter“ der Volkspolizei. Halb Polizei, halb Militär. Sogar „ Teil I“ und „ Teil II“ , Gasmaske und der unsägliche Schutzanzug gehörten dazu.

Als nach knapp drei Stunden die Prozedur endlich beendet war, durften wir die aus Hose, kurzer Bluse und der Schirmmütze bestehende Uniform gleich anbehalten. Im Überschwang der Gefühle glaubten wir allen Ernstes nun „ richtige Volkspolizisten zu sein.“ In Wirklichkeit trennten uns noch „Lichtjahre“ von einem echten Polizisten.

Auf dem Rückweg nach Kaulsdorf fuhr der Hauptwachtmeister extra an den Botschaften an der Karl-Marx-Straße und der „Straße unter Linden“ vorbei. Ehrfurchtsvoll schauten wir auf die vor den diplomatischen Objekten stehenden oder patrouillierenden Volkspolizisten. In jedem Postenbereich gab es eines dieser für das WKM so typischen, schmalen Blechhäuschen. Deren verdunkelte Scheiben genau wie die Umzäunung des „ Kommando Kaulsdorf“, dem Unbefugten keinen Einblick gewährten. Zu den „Unbefugten“ gehörten wohl 99, 9999 Prozent der daran vorbeilaufenden.

Eigens für uns steuerte der Kraftfahrer die „ Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland“ in der Hannoverschen Straße an. Dort erblicken wir eine beeindruckende staatliche Machtdemonstration: direkt vor dem hellen Gebäude, an dessen Fassade ein rundes gelbes, mit dem schwarzen Bundesadler versehenes Schild hing, stand eine schier undurchdringliche Polizeikette. Neben der Kette, ein wenig im Hintergrund, dennoch aber gut sichtbar, stand ein Funkstreifenwagen. Sommerlich gekleidete Zivilisten, Regenschirme und schwarze Handgelenktaschen in den Händen haltend, gingen paarweise auf dem Bürgersteig auf und ab.

„ Das ist der Achtziger“, sagte der Hauptwachtmeister beiläufig, den WKM-Internen Tarnnamen für die „Ständige Vertretung“, „ Objekt 80“, erwähnend. „ Von allen Posten im WKM ist dieser hier der stressigste. Stundenlang in der Gegend herumstehen und immer schön aufpassen, dass nicht irgend so ein Dussel herein will, obwohl er da nicht herein darf. Wehe den Posten, die das nicht sofort bemerken. Also, wenn ihr Wert auf eine Degradierung legt, dann braucht ihr nur am Achtziger ein paar Schichten schieben“.

Mittags ging es in den Stab. Zum Fotografen. Den bereits ausgefüllten und von Oberst Benno Tuczek, dem Leiter des Wachkommando Missionsschutz, fehlte nur noch ein Bild des künftigen Inhabers in Uniform.

Schon zwei Stunden darauf hielten wir die begehrten „Klappausweise“ in den Händen. Kaum zu glauben was für eine geheimnisvolle Faszination von solch einem Stück Pappe ausgehen kann. Vor allem bei einem einundzwanzigjährigen „Grünschnabel“ wie mich. Der Dienstausweis verlieh, vermeintlich, Macht. Man konnte ihn lässig aus der Jacke ziehen, jemanden unter die Nase halten, um damit Eindruck zu schinden. Eine zugegebenermaßen „phantastische Vorstellung“.

Zum Dienstausweis gehörte in Berlin noch eine spezielle, nur für den öffentlichen Nahverkehr der Hauptstadt geltende Freikarte.
Felix bremste etwaige Missbrauchsabsichten: „ Wenn ich euch einen guten Rat geben soll Jungs, lasst den Ausweis im Wohnheim wenn ihr abends in die Stadt geht. Bezahlt lieber die paar Pfennige für den Bus oder die S-Bahn. So kommt ihr wenigstens nicht in Versuchung irgendwelchen Blödsinn mit dem Ding anzustellen. Das könnte im Fall des Falles zur sofortigen Entlassung führen.
Und noch eins: hütet den Dienstausweis wie euren Augapfel. Ein Verlust kostet euch mindestens einen Dienstgrad. Wenn nicht gar die Anstellung.“

Die letzten Stunden dieses und den gesamten nächsten Tag verbrachten wir mit dem Studium von Dienstvorschriften. Allgemeine, den VP-Dienst bestimmende Regularien, sowie eigens für das WKM abgestimmte Vorschriften. Darunter eine ganz spezielle Belehrung zur Verschwiegenheit, was gewisse, der Öffentlichkeit absolut unbekannte Tätigkeiten an diplomatischen Einrichtungen des „Klassenfeindes“ betraf. Die Ankunft und Abfahrt bestimmter Diplomaten, insbesondere von Botschaftern und deren Ehegatten, aber auch die anderer hochrangiger Vertreter des diplomatischen Korps, wurde von den Posten akribisch notiert und je nach Lage, sofort an den „ Diensthabenden“ über Telefon weitergemeldet.

Laut der von allen Mitgliedsstaaten der UNO, darunter auch die DDR selbst, anerkannten „ Wiener Konvention“, besaßen akkreditierte Diplomaten in den Gastländern absolute Immunität. Dazu gehörte nicht nur die überall garantierte Unantastbarkeit in Straf und Ordnungsrechtlicher Hinsicht
Sondern eben auch die absolute Bewegungsfreiheit, ohne dass es den „Schutz & Sicherheitsorganen“ des Gastlandes etwas anging, wann , wo und wie lange sich die Diplomaten irgendwo aufhielten.

„ Wir verstoßen also mit unserer Tätigkeit permanent gegen die Wiener Konvention“, sagte Hauptmann Nebeling, scheinbar der Schwere des Verstoßes bewusst. Um dann aber sofort umzuschwenken: „ Der Gegner missbraucht seine diplomatischen Einrichtungen als Geheimdienststützpunkte. Viele dieser angeblichen Diplomaten stehen auf der Gehaltsliste des BND, der CIA oder des MI 5. Sie missbrauchen ihren Status um der Deutschen Demokratischen Republik schweren Schaden zuzufügen. Wir werden also, im Interesse der Sicherheit unserer Republik, vom Feind zu diesem Verstoß gezwungen. Und glaubt bitte nicht, dass die westlichen Staaten sich hundertprozentig an die Wiener Konvention halten. Nichts desto trotz darf nichts davon nach außen dringen. Unter keinen Umständen. Das außenpolitische Ansehen der DDR würde ansonsten einen nicht wieder gut zu machenden Schaden erleiden. Ich brauche euch auch nicht zu sagen, dass demjenigen der vorsätzlich oder fahrlässig dem Gegner davon in Kenntnis setzt, eine harte Bestrafung droht.“

Nach diesen Worten herrschte erst einmal tiefes Stillschweigen. Jeder einzelne von uns musste die im eingehenden Tonfall gesprochenen Worte des Hauptmanns auf sich einwirken lassen. Eigentlich hätten wir an dieser Stelle aufstehen und sofort den Dienst quittieren müssen. Wurden wir doch so eben zu Mitwissern eines ungeheuren Gesetzesverstoßes der DDR! Wollten wir nicht auch noch zu Mittätern werden, hätten wir sofort die Uniform ausziehen und das WKM, beziehungsweise die Volkspolizei verlassen müssen.

Dieser Vorwurf hat sicherlich seine Berechtigung, steht aber dennoch mit der damaligen Lebenswirklichkeit im eklatanten Widerspruch. Mit dem Wissen von Heute, im Abstand vieler Jahre, denke ich genauso. Aber dieses Wissen stand mir und den anderen im Juni 1985 noch nicht zur Verfügung. Wir erkannten die Ungeheuerlichkeit nicht einmal, fühlten uns, einmal mehr, durch Vertrauen geehrt, einer verschworenen Gemeinschaft angehörig.

Nebeling setzte noch einen drauf: eine weitere, „verschwiegene“ Aufgabe der WKM-Posten bestand in der gezielten Gewinnung von Informationen. Das Botschaftspersonal sollte in Gesprächen gezielt „abgeschöpft“ und das Umfeld der zu bewachenden Objekte aufmerksam beobachtet werden. „Jede Information ist wichtig, scheint sie auch noch so unbedeutend“, dozierte Nebeling, der sich langsam in Hochform redete. „ Ihr als Posten könnt nämlich gar nicht einschätzen, ob die Information wichtig ist, oder nicht. Das übernehmen die Auswerter hier im Kommando.“

Die letzte Aussage des Offiziers stimmte nicht. Die „Auswerter“ saßen nicht, wie von allen WKM-Posten angenommen, im Kaulsdorfer Stab. Sondern in der Hauptabteilung II des MfS, dessen besondere Aufmerksamkeit unter anderem dem Wachkommando Missionsschutz galt.

Anders als die übrige VP, wurde das WKM nicht von der „ Hauptabteilung VII“, sondern direkt von der Spionageabwehr „abgesichert“. Das wusste damals jedoch kaum jemand. Höchstwahrscheinlich nicht einmal Hauptmann Nebeling. Denn wie sagte der „ spaßige“ Hauptwachtmeister so schön: Jeder darf nur so viel wissen, wie er für die Erfüllung seiner Aufgaben unbedingt benötigt.“ Mir selbst wurden das Ganze, mehr durch Zufall, unlängst beim Surfen im Internet bekannt.

Fortsetzung folgt

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

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polsam, EK87II, RudiEK89, Unner Gräzer, Lutze, Grenzfuchs, Elch78 und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#18

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 12.02.2015 19:05
von Alfred | 6.849 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #17

Eine Uniform macht noch lange keinen Polizisten!



Eigens für uns steuerte der Kraftfahrer diee Machtdemonstration: direkt vor dem hellen Gebäude, an dessen Fassade ein rundes gelbes, mit dem schwarzen Bundesadler versehenes Schild hing, stand eine schier undurchdringliche Polizeikette. Neben der Kette, ein wenig im Hintergrund, dennoch aber gut sichtbar, stand ein Funkstreifenwagen. Sommerlich gekleidete Zivilisten, Regenschirme und schwarze Handgelenktaschen in den Händen haltend, gingen paarweise auf dem Bürgersteig auf und ab.



Wann gab es denn an der Ständigen Vertretung "undurchdringliche Polizeiketten" ? Ich habe diese in der Art nie gesehen, selbst in den Zeiten wo die Vertretung "besetzt" war. Und auch die Zivilisten hielten sich sehr zurück.

Da wurde im wesentlichen nur die Rückseite "abgesichert", da befand sich ein Parkplatz.

Sonst sah es vor der Ständigen Vertretung recht einsam aus.

http://www.google.de/imgres?imgurl=http%...ved=0CD0QrQMwCQ


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#19

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 12.02.2015 19:55
von Gelöschtes Mitglied
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Beruf verfehlt... Danke für die unterhaltsame Zeit beim lesen.


ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#20

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 12.02.2015 20:01
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Zitat von AkkuGK1 im Beitrag #19
Beruf verfehlt... Danke für die unterhaltsame Zeit beim lesen.

Lass mich bitte nicht raten, warum Beruf vefehlt?


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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