#281

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 14.07.2015 19:37
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Das wundert mich auch. Ein Offizier der vier Besatzungsmächte in Uniform war doch in der Vier-Sektoren-Stadt Groß-Berlin "weisungsberechtigt" gegenüber allen Deutschen in Uniform? Erst Recht vor "seiner" US-Botschaft oder Residenz?

In West-Berlin stand die deutsche Polizei direkt unter Alliierter Führung. Kein Polizeipräsident wurde z.B. ohne deren Zustimmung ernannt.


zuletzt bearbeitet 14.07.2015 19:38 | nach oben springen

#282

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 14.07.2015 20:53
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Ein Offizier einer anderen Besatzungsmacht hatte in einer fremden Besatzungszone wohl kaum was zu befehlen.

Das hätten die Sowjet's sich in ihrer Zone nicht bieten lassen, und die Ami's bei sich erst recht nicht.


zuletzt bearbeitet 14.07.2015 20:57 | nach oben springen

#283

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 14.07.2015 20:54
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #281
Das wundert mich auch. Ein Offizier der vier Besatzungsmächte in Uniform war doch in der Vier-Sektoren-Stadt Groß-Berlin "weisungsberechtigt" gegenüber allen Deutschen in Uniform? Erst Recht vor "seiner" US-Botschaft oder Residenz?

In West-Berlin stand die deutsche Polizei direkt unter Alliierter Führung. Kein Polizeipräsident wurde z.B. ohne deren Zustimmung ernannt.


Das muss dich nicht wundern. Wir hatten die strikte Anweisung, auf ausdrückliches Geheiß des Botschafters der USA, dass dieses Tor nur von ihm selbst und seiner Gattin benutzt werden durfte!!! Und von niemanden sonst. Egal ob Colonel oder General, oder was auch immer.
Stellt euch doch mal vor, wenn der Colonel an jenem Abend wirklich durch dieses Tor gefahren wäre. Spätestens am nächsten Tag wäre ein fürchterliches Donnerwetter über mich hereingebrochen. Denn bindend war für uns in diesem Fall die Weisung des Botschafters.

Gruß an alle
Uwe


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#284

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 14.07.2015 20:59
von Schakal | 271 Beiträge

Aha. Dachte die Weisung kam irgendwo von eurer Seite. Dann hätte der Botschafter das aber seinem Colonel vorher mitteilen müssen. Aber, vielleicht war es wirklich eine Art provokatorischer Test.


--- Ex oriente lux.---
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#285

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 14.07.2015 21:12
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Mit dem Botschafter das leuchtet selbst mir ein.


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#286

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 06.08.2015 15:40
von ABV | 4.202 Beiträge

Weit ist der Weg zurück ins Heimatland

An einem Abend, um die Mitte des Monats Mai, kam ich wie gewohnt zur Nachtschicht. Meine Moral lag auf einer gefühlten Skala von eins bis zehn, irgendwo im äußersten unteren Bereich. Ich wusste jetzt schon, was in den folgenden zwölf Stunden passiert-nichts!

Während ich meine Maschinenpistole aus den Händen des „ Gehilfen des Diensthabenden“, einen geradezu aufreizend gut gelaunten VP-Meister empfing, fiel mir auf das Obermeister Brennstuhl zusammengesunken, aschgrau im Gesicht, wie ein Häufchen Elend auf einem Stuhl in der Ecke des Einweisungsraums saß. Beim Näherkommen bemerkte ich, dass der gestandene Mann wie ein kleines Kind wimmerte, wobei er die Hände vor die Schläfen presste. „ Ich habe solche Kopfschmerzen“, jammerte er kläglich. „Du musst mal wieder so richtig einen trinken“, frotzelte jemand. Ein anderer bot ihm eine Zigarette an. Brennstuhl lehnte, was sicherlich selten vorkam, die angebotene Kippe ab. „ Danke, ich habe mir vorhin eine angesteckt, aber gleich wieder ausgemacht.“ „ Dann bist du wirklich krank“, bemerkte der Kollege, ohne sich wirklich dabei etwas zu denken.
Selbst bei der anschließenden Einweisung schaffte es der sonst so pflichtbewusste Gruppenführer nicht, seinen alles andere als bequemen Platz zu verlassen.

„ Was stimmt denn mit dem Genossen Brennstuhl nicht?“, erkundigte sich Oberleutnant Gottmann, mehr irritiert als besorgt. Obermeister Wulff alias Wowa schlug sich vielsagend mit der Handkante gegen den Hals. „ Aha, der letzte war wohl schlecht“, antwortete der Oberleutnant in völliger Verkennung der Lage.

Anschließend rückten die Posten hinaus auf den Innenhof vor der Baracke, wo der Bus bereits mit laufendem Motor wartete.
Gegen 22:00 Uhr kehrte ich zur Pause ins Objekt zurück. Brennstuhls Platz schien verwaist zu sein. „Es geht ihm wohl wieder besser“, sagte ich zu VP-Meister Haake, einen kleinen dicken, von der Natur mit unbeschreiblich knuffigen Henkelohren „gesegneten“, über fünfzig Jahre alten Polizisten. Wegen besagter Ohren von allen nur Bummi genannt. Bummi fungierte als Hausposten. Selbst die älteren Angehörigen der Abteilungen hatten ihn nirgend anders als in der Pförtnerloge erlebt. Gewöhnlich hatte Bummi stets einen mehr oder weniger schlüpfrigen Witz auf den Lippen. An diesem Abend wirkte sein sonst so strahlendes, verschmitztes Gesicht ernst und traurig. „ Leider Nein“, sagte er stockend. „ Helmut ist vorhin ins Koma gefallen. Herzinfarkt oder Schlaganfall, irgendwas in der Richtung.“

Obwohl ich den kettenrauchenden Gruppenführer kaum kannte, jagte mir die Mitteilung einen gehörigen Schrecken ein. Später, während der Pause, erfuhr ich weitere Details: Obermeister Brennstuhl saß tatsächlich noch mehr als eine Viertelstunde heulend auf dem Stuhl. Bis ihm beinahe die Sinne schwanden. Erst dann reagierten die Verantwortlichen. Allerdings auf eine bezeichnende Art und Weise. Statt einen Krankenwagen zu rufen, lud man den bedauernswerten Obermeister auf die Ladefläche eines Mannschaftstransporters, Typ „ W 50“. Mit diesem ging es dann, in voller Fahrt, zum Krankenhaus der Volkspolizei in Berlin-Mitte. Schlimmer geht’s nimmer!

Gottmann, der soeben sich soeben noch einmal im VP-Krankenhaus nach dem Brennstuhls Befinden erkundigt hatte, senkte, flankiert von „ Wowa“ und „Kolja“ den Kopf. Beide versuchten den Oberleutnant zu trösten. „ Wir haben nichts falsch gemacht, Genosse Oberleutnant. Das hätte nun wirklich keiner ahnen können. Schließlich kam es in der Vergangenheit schon öfter vor, dass der Genosse Brennstuhl nicht ganz nüchtern zum Dienst erschien“, meinte Obermeister Wulff.

Wie dem auch sei: VP-Obermeister Helmut Brennstuhl verstarb, nur zwei Tage später, im Alter von gerade einmal fünfundvierzig Jahren, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben, an den Folgen des an jenem Abend erlittenen schweren Schlaganfalls.
Sicher, „ ganz unschuldig“ war er an seinem frühen Tod nicht. Täglich sechzig bis achtzig Zigaretten fördern nicht gerade die Gesundheit. Dazu kam noch der regelmäßig in größeren Mengen genossene Wodka. Trotzdem hätte er, unter Umständen, bei schneller medizinischer Hilfe und einem entsprechenden geeigneten Transportmittel, gerettet werden können. Heutzutage hätte sich zumindest Gottmann höchstwahrscheinlich wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten müssen.
Immerhin, so traurig das Ganze war, am Ende gab es noch so etwas wie ein Happy End. Natürlich nicht für Obermeister Brennstuhl. Aber für dessen Schwester, einem etwas „ späten Mädchen“. In das sich einer der Offiziere der Wache Blankenfelde, im Zuge der Angehörigenbetreuung vor der Beisetzung, verliebte. Zwei Jahre zuvor war die Ehefrau des besagten Offiziers einem langjährigen Krebsleiden erlegen. Jetzt begegnete ihm die Liebe erneut. Und wurde sogar erwidert. Bereits ein Jahr nach der Beisetzung des unglücklichen VP-Obermeisters gingen die beiden den Bund der Ehe ein. Ein Bund zwischen zwei Menschen, die sich unter anderen Umständen nie hätten kennen gelernt. Dem einen sein Tod ist den anderen sein…..

Aber lassen wir das:
Dienstfrei gehörte noch immer zu den seltenen Kostbarkeiten meines jungen Lebens. In einem der knappen Aufenthalte in der Heimat, begegnete mir der für meinen Wohnort, noch wohnte ich ja offiziell im Oderbruch, zuständige Abschnittsbevollmächtigte, Oberleutnant der VP Lothar Relitz.
Der Oberleutnant hockte auf einer gelben „ Schwalbe“, die braune Kartentasche lässig an der Hüfte baumelnd. Relitz galt privat als trinkfeste Stimmungskanone und dienstlich trotzdem, oder gerade deswegen als absolute Respektperson. Gewissermaßen der Prototyp eines echten Dorfsheriffs. Von diesem Idealbild eines Polizisten war ich noch Lichtjahre entfernt. Falls ich überhaupt mal dorthin kam. Im WKM benötigte man solche Eigenschaften ohnehin nicht.

„ Weißt du eigentlich, dass ich wegen dir tierischen Ärger mit der Kaderzicke vom VPKA Seelow bekommen habe?“, schnaufte mich der ABV an. „ Wieso das denn?“, fragte ich irritiert zurück. „Warum wohl? Warum in aller Welt hast du mir denn nie erzählt, dass du zur Polizei willst? Ich hätte dich doch auch geworben. Jetzt haben dich mir die Heinis vom WKM weggeschnappt. Mir kommt es gar nicht auf die Prämie an. Mensch, die hätten wir zwei gemeinsam in der „ Einigkeit“* versoffen. Aber jetzt hängst du in dieser öden Truppe fest. Oder gefällt es dir im WKM etwa?“
Ich zog ein Gesicht wie zehn Tage Regenwetter. „ Sagen wir mal so, ich hätte mir den Dienst dort anders vorgestellt. Spannend, abwechslungsreich, eben mit viel sinnvoller Arbeit ausgefüllt.“

Relitz verschränkte triumphiert grinsend die Arme vor der Brust. „ Mit anderen Worten, die ganze Scheiße hat mit echter Polizeiarbeit nichts zu tun. Habe ich Recht? Und du willst dort bestimmt so schnell wie möglich wieder weg?“ Nickend bestätigte ich die Worte des Dorfsheriffs. „ Wann musst du wieder los?“ „ Morgen Abend.“ „ Morgen Abend? Dann komme bitte morgen früh um 09:00 Uhr in mein Dienstzimmer.

Am nächsten Tag erschien ich überpünktlich im Letschiner „ Sheriff-Office“. Bisher hatte ich dieses Zimmer nur ein einziges Mal betreten-als vierzehnjähriger Bengel zwecks Beantragung des Personalausweises. In den Räumlichkeiten des ABV befand sich auch eine Filiale der Abteilung „ Pass & Meldewesen“ des VPKA Seelow. Zweimal in der Woche erschien ein älterer Obermeister vor Ort, der sich um die Meldeangelegenheiten der Bürger kümmerte.

Oberleutnant Relitz erwartete mich, hinter seinem Schreibtisch sitzend. Kaum stand ich im Dienstzimmer, da klingelte auch schon das Telefon auf dem Schreibtisch des Abschnittsbevollmächtigten. Dieser Vorgang wiederholte sich beinahe im Minutentakt. Dadurch geriet unser Gespräch immer wieder ins Stocken. Nicht nur am Telefon wurde ständig nach dem ABV verlangt. Immer wieder erschien dieser oder jener im Büro um sich mit einem kleinen oder großen Problem an „ seinen Sheriff“, so wurden die ABV allen heute gängigen Klischees zum Trotz, in der Bevölkerung genannt.

Mir gefiel der Ablauf jedenfalls bedeutend besser, als der monotone, ereignislose Dienst im WKM.
„ Langweilig wird es hier wohl nie“, staunte ich. „ Anders als bei dir“, erwiderte der ABV Augenzwinkernd.
Verlegen starrte ich auf das obligatorische, wohl jede öffentliche Einrichtung zwischen Fichtelberg und Kap Arkona „zierende“ Honecker-Bild über dem Schreibtisch des rührigen Oberleutnants.

„ Ich werde wohl in den nächsten Jahren vom WKM nicht wegkommen“, stellte ich resigniert fest. Relitz knöpfte die Uniformjacke auf, rekelte sich auf seinem Stuhl und antwortete: „ Abwarten! Stelle doch einfach einen Versetzungsantrag. Möchtest du in Berlin bleiben, oder zurück nach Hause?“

„ Ganz ehrlich-ich würde am liebsten wieder zurück ins Oderbruch. Die Aussicht auf eine Wohnung in irgendeinem Silo in Marzahn behagt mir überhaupt nicht.“ Ich fühlte mich mit einmal gleichzeitig befreit und hundeelend. Schwungvoll richtete der Oberleutnant den Zeigefinger der rechten Hand auf mich. „ Das ist eine gesunde Einstellung mein Junge! Das VPKA Seelow braucht dringend gute Polizisten. Also, gib heute Abend noch dein Versetzungsgesuch ab. Um das weitere Prozedere im VPKA kümmere ich mich.“ „ Und wenn das Gesuch abgelehnt wird?“ „ Dann stellst du eben ein neues. Oder noch besser, du drohst damit, im Falle einer Ablehnung den Dienst zu quittieren. Davor haben die Schiss, dass zieht immer.“ „ Was soll ich denn als Begründung anführen? Doch wohl kaum, dass mir der Dienst im WKM wegen akuter Langeweile keinen Spaß macht.“

Relitz überlegte einen Moment. „ Bloß nicht. Dann appellieren die höchstens an dein sozialistisches Bewusstsein. Den Quatsch kenne ich zur Genüge. Das ist aber in Seelow auch nicht anders. Aber dafür ist hier der Dienst interessanter.“
Die Arme wie ein Dirigent in die Höhe reckend, verkündete der ABV „ den ultimativen Geistesblitz“. Gegen den selbst der rhetorisch begabteste Politoffizier machtlos sein musste:

„ Sage einfach, dass dein alter Herr Pflegebedürftig geworden ist.“ „ Mein alter Herr, ich meine mein Vater, ist aber kerngesund“, protestierte ich leicht verstört. Relitz winkte souverän ab. „ Das wissen die doch nicht. Versuche es einfach. Falls es nicht funktioniert, müssen wir uns eine andere Taktik überlegen.“

Als ich mich nach zwei Kaffee, gefühlten hundert Ratschlägen vom WKM wegzukommen und ebenso vielen Glückwünschen schließlich verabschiedete, fühlte ich mich innerlich regelrecht zerrissen. Sollte ich tatsächlich dem Wachabteilungsleiter das Versetzungsgesuch „ um die Ohren hauen“? Eigentlich konnte ich mir an allen zehn Fingern abzählen, wie mein derzeitiger Vorgesetzter reagiert-er würde das Gesuch mit spitzen Fingern anfassen und das bedeutungsschwere Blatt in den Tiefen seines Schreibtisches verschwinden lassen. Offiziell gehörte ich jetzt ein knappes Jahr dem WKM an. Viel zu wenig Zeit für ein Versetzungsgesuch. Sollte ich tatsächlich den von Oberleutnant Relitz empfohlenen „ Trumpf“ aus dem Ärmel ziehen und meinen „kranken“ Vater ins Spiel springen? Mein Vater erfreute sich bester Gesundheit. Dieser Trumpf konnte sich also schnell zur Lusche werden. Zumal eine Lüge wohl kaum eine gute Basis für ein Versetzungsgesuch sein dürfte.

Blieb also nur noch die Drohung mit der sofortigen Entpflichtung. Mein Gefühl, weniger die ohnehin nicht vorhandene Erfahrung, riet mir jedoch vorsichtig zu sein. Was ist, wenn die Führung des WKM die Entpflichtung „ Schulterzuckend“ entgegennimmt? Die Drohung mit der Kündigung kam einer Erpressung gleich. Aber welcher Dienstvorgesetzte lässt sich schon gerne erpressen?

Am frühen Nachmittag fuhr ich wieder nach Berlin zurück. Damals verkehrte noch eine Buslinie von Letschin bis zum S-Bahnhof Strausberg. Quer durchs Oderbruch und Teile des Barnims. Heute wäre solch eine Verbindung unvorstellbar oder für den Normalbürger unbezahlbar.
Die zweieinhalbstündige Fahrt bot mir genügend zum Grübeln. Hin und wieder verfiel ich aber auch in Nostalgie. Führte doch die Buslinie an Orten und Plätzen vorbei, die ich bis zum Beginn meiner Armeezeit, zusammen mit einigen Kumpeln, „ hoch zu Ross“ im Sattel von „ S51“ und Schwalbe“, unsicher gemacht hatte.

In einem Nest, unweit vor den Toren der Kleinstadt Wriezen, hatte ich mal kurzzeitig eine Freundin. Sie hieß Anneliese. Und genauso sah die junge Dame auch aus. Aber für die ersten Erfahrungen genügte sie alle mal. Innerlich grinsend schaute ich aus dem Fenster des Ikarus-Busses auf die Wiese an der Alten Oder. Dort wo………..

Am Bahnhof Wriezen füllte sich der Bus endgültig bis zum letzten Platz. Kaum zu glauben, wer an diesem Tag alles so nach Strausberg wollte.
In meinem Kopf verfasste ich immer wieder aufs Neue den Text des Versetzungsgesuches. Mittlerweile überwog die Entschlossenheit das Schreiben abzugeben, gegen alle Zweifel. Ich nahm mir aber noch immer vor, nicht mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. In mir keimte sogar noch so etwas wie ein Rest von Hoffnung auf. Hoffnung auf ein Einsehen des Wachabteilungsleiters. Schließlich konnte er doch nicht ernsthaft davon glauben, dass der öde Postendienst für einen zweiundzwanzigjährigen Heißsporn wie mich so etwas wie die Erfüllung bedeutet. Schließlich hat doch jeder Mensch so etwas wie eine Chance auf Weiterentwicklung. Glaubte, dachte und hoffte ich.

Kurz vor dem S-Bahnhof Strausberg kam der Bus an der Kreisdienststelle für Staatssicherheit vorbei. Eine ehemalige Villa. Die von außen wirkte, als wäre sie aus einem Buch von Hans Siebe entnommen. Der heute mehr oder weniger vergessene Autor gehörte 1986 zu meinen Lieblingsschriftstellern. Niemand anders lies Volkspolizisten, Grenzer und MfS-Mitarbeiter dermaßen edel erscheinen wie jener Hans Siebe. Dafür wimmelte es auf der anderen Seite des „ Antifaschistischen Schutzwalls“ nur so von finsteren Fieslingen. Alle samt Feinde der Deutschen Republik. Die immer wieder vergeblich versuchten die „ edle DDR-Staatsmacht hinters Licht zu führen.“ Wie bei Karl May waren bei Hans Siebe die „Roten“ immer auch die Guten. Schade nur, dass das Leben kein Hans-Siebe-Roman ist.

Im Wohnheim in Biesdorf angekommen, bereitete ich mich auf den Nachtdienst vor. Über mein Vorhaben breitete ich erst einmal den Mantel des Schweigens aus.

Für die kommenden zwölf Stunden hatte man mir VP-Hauptwachtmeister Göring an die Seite gestellt. Der aus Sachsen stammende und seit einiger Zeit mit seiner Familie in einem Neubaublock in Ahrensfelde wohnende Göring, gehörte zu den „ vernünftigen Angehörigen der Wachabteilung“. Was im Klartext bedeutete, dass er weder rauchte, trank oder Karten spielte. Sein Outfit inklusive der Uniform entsprach den Vorstellungen die ich vor 1985 von einem Volkspolizisten hatte. Hauptwachtmeister Göring, der gern und viel las, zeichnete sein feiner Humor aus. Diese Art von Humor verstand durchaus nicht jeder. Manche missdeuteten ihn gar als Arroganz. Wer Göring genauer kannte, dem blieb nicht verborgen, dass er den Dienst im WKM, speziell einige „rituelle Abläufe“ aus einem geradezu sarkastischen Blickwinkel betrachtete.
Mit anderen Worten: Hauptwachtmeister machte sich über das WKM lustig. Um dem Postendienst zu entgehen, hatte er sich vor einiger Zeit freiwillig als Fourier der Küche zur Verfügung gestellt. In einer derart „ angespannten Lage“ wie sie derzeit herrschte, musste selbst Hauptwachtmeister Göring hin und wieder den Löffel gegen die Maschinenpistole eintauschen.

Göring gehörte er zu den ersten, denen ich mein Vorhaben anvertraute. „ Das ist das beste was du machen kannst Junge“, pflichtete er mir bei. „ Falls du nicht so enden willst, wie ein Großteil der Abteilung. Schau dir doch die kaputten Gestalten an“, sagte er und deutete dabei mit der Kinnspitze in Richtung Haupttor. Ich wusste sofort was und wem er meinte. Nein, so wie die beiden dort vorn wollte ich nun wirklich nicht werden. Und schon gar nicht enden.

Hauptwachtmeister Göring nahm jedoch auch sämtliche Illusionen binnen weniger Monate beim WKM die Segel zu streichen: „ Falls du es mit der Versetzung wirklich ernst meinen solltest, liegt ein schwerer, weiter Weg vor dir. Das ist keine Sache von Wochen oder Monaten.“ „ Sondern?“, piepste ich erschrocken. Göring presste die Lippen aufeinander. „ Von Jahren. Was denn sonst? Drei bis vier Jahre könnte das Prozedere schon dauern. Zwischendurch wird man immer wieder versuchen dich weichzukochen. Erst der Wachabteilungsleiter, dann der Wachenleiter und zwischendurch immer wieder Politoffizier. Du bist ja auch nicht erst seit gestern dabei. Ich brauche dir also nicht zu erklären, was dich erwartet.“

Göring überlegte einen Moment. „ Lass den Kopf nicht hängen. Nach spätestens drei Jahren müssen sie dich wieder zurück in deine Heimatdienststelle gehen lassen. Warum hast du dich denn überhaupt hierher versetzen lassen? Mich hat man damals mit der Aussicht auf eine geräumige Wohnung für mich und meine Familie gelockt. Zuhause in Leipzig hätte ich bis zum Sankt Nimmerleinstag warten können.“ „ Ich habe keine Heimatdienststelle. Jedenfalls noch nicht. Man hat mich direkt im WKM eingestellt.“

Göring schaute mich bedauernd an. „ Oh, dann stehen deine Chancen wohl bei Null Komma Null. Du möchtest ja nicht nur dem WKM sondern gleichzeitig dem Dienst in der Hauptstadt entfliehen. Normalerweise geht die Entwicklung in die andere Richtung. Von der Republik in die Hauptstadt.
Aber nicht umgekehrt. Das sehen unsere geliebten Genossen überhaupt nicht gerne. Die einzige Chance mittelfristig vom WKM wegzukommen wäre eine Versetzung innerhalb Berlins. Auf irgendein Revier wo sonst keiner hin will. Grenzreviere stehen ganz groß im Kurs. Allerdings in negativer Hinsicht. Statt vor einem diplomatischen Objekt latscht du dann hundert oder zweihundert Meter vor der Mauer auf und ab. Da kannst du gleich hier bleiben. Der Stumpfsinn im WKM wird wenigstens besser bezahlt.

Meine Laune sank in den Keller. Am liebsten hätte ich Funkgerät und Maschinenpistole an den Zaun der Residenz gehangen. Um anschließend für immer nach Hause zu gehen.
Und dann? Arbeitslosigkeit gehörte im Jahre 1986 noch nicht zu den brennenden Themen. Aber erstens würde ich nie wieder einen derart gut bezahlten Job bekommen. Und zweitens wollte ich mein Traum ein guter Polizist zu werden, nicht einfach aufgeben. Verfahrene Situationen wie diese fordern stets meinen Kampfgeist heraus.

Fortsetzung folgt

Gruß an alle

Uwe


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zuletzt bearbeitet 06.08.2015 16:05 | nach oben springen

#287

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 12.08.2015 18:09
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

"Ich bin dabei gewesen".
...Möchte man sagen, wenn man Deine Geschichten liest, alle Achtung.
Obwohl ich synchron zu Deinem Werdegang auf völlig anderer Lebenstrasse zum halben Lohn unterwegs war kann ich mich sehr gut in all diese Abläufe, einschließlich der gefühlten Tristesse eines Wachpostens der die Stille bewachte hineinversetzen.
Den einzelnen Figuren, die uns damals Tag für Tag im Alltag begegneten einen exotischen Anstrich zu verleihen, ist wohl eine besondere Gabe von Dir ?
Bemerkenswert auch das Werbegehabe um Interessenten für die jeweilige Sektion, daß die so eifrig wie beim Wehrkundeunterricht und den unzähligen Begegnungen mit den Offizieren am Rande des GST- Lagers meiner Jugendzeit bei den Erwachsenen weiter machen, hätte ich so nicht vermutet, ich dachte, die Weichen wurden da schon früher gestellt und es gab überhaupt nichts mehr zu wünschen.
Aber im Prinzip war es ja auch so.
Mal ganz nebenbei, hast Du Dich im Wachbetrieb nicht doch hin und wieder in die frische Natur am Karpfenteich hineingeträumt ?
Teichwirt (hieß das damals so?) wäre neben meinem Beruf einer der Best of Five.
Gab es eigentlich anders verlaufende Vorgänge als bei Deiner Geschichte vom Nebeneingang des Gebäudekomplexes, durch den irgendwelche uniformierte und bornierte Besucher im Amischlitten Einlaß begehrten ?
Kann es sein, daß es solche Tests (wie auch die US- Embleme an der Dienstkleidung Deines Kameraden) von übergeordneter Stelle organisiert wurden, gab es darüber in der Nachwendezeit Aufklärung ?
Also ich bleibe mal weiter dran an Deiner Geschichte so gut es geht, ähnliches könnte ich auch schreiben, aber da bestünde wohl rosarote Einfärbungsgefahr, so selbstkritisch muß ich da wohl sein, aber egal....Weitermachen !
Gruß Hackel.



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#288

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 14.08.2015 00:07
von ABV | 4.202 Beiträge

Danke Hackel für das Lob Hackel.
Ja, dass waren schon teilweise skurrile Typen die mir damals im WKM begegnet sind. Wahrscheinlich, sehr wahrscheinlich sogar, hat der öde Dienst vor den diplomatischen Objekten bei einigen im Laufe der Jahre deutliche Spuren hinterlassen. Von der Langzeitwirkung des übermäßig genossenen Alkohols, ohne dem man offenbar den, allerdings sehr gut bezahlten Stumpfsinn nicht ertragen konnte, einmal abgesehen.
Ich glaube aber eher nicht, dass der " amerikanische Effekten" tragende Gruppenführer uns nur testen wollte. Der Bursche war echt! Auch wenn "Stars and Strips" nicht unbedingt zu einem Volkspolizisten passen.

Gruß an alle
Uwe


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#289

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 16.08.2015 16:39
von ABV | 4.202 Beiträge

Ich falle in Ungnade

Am nächsten Tag stand ich bereits gegen Mittag auf. Ich wollte die Ruhe in der „ Volkspolizisten –WG“ nutzen, um das Versetzungsgesuch zu schreiben. Den genauen Wortlaut habe ich nicht mehr in Erinnerung. Wohlweislich verzichtete ich lieber von Anfang an auf das vom ABV von Letschin vorgeschlagene, jederzeit zu widerlegende Argument mich um meinen „pflegebedürftigen“ Vater kümmern zu wollen. Viel lieber zog ich es vor von Anfang an bei der Wahrheit zu bleiben. Die Wahrheit lautete, ungeschminkt und in aller Offenheit, dass der Dienst im WKM nicht meinen Vorstellungen vom Leben eines Volkspolizisten entsprach. Viel lieber wollte ich Abschnittsbevollmächtigter werden. Nicht irgendwo. Schon gar nicht im Betondschungel Berlin. Sondern daheim, im flachen, buchstäblich überschaubaren Oderbruch.

Zunächst trat ich wie immer den Dienst an. Kurz vor Einweisung erkundigte ich mich bei Oberleutnant Gottmann, ob ich ihn der Pause sprechen kann. „ Wann ist denn ihre Pause, Genosse Bräuning?“ „ Gegen 23:00 Uhr.“ Gottmann nickte mir zu.
Diese Hürde hätte ich also genommen. Ebenso gut hätte es passieren können, dass Oberleutnant Gottmann ausgerechnet um diese Zeit eine Postenkontrolle geplant hätte.

Aufgeregt wartete ich den Beginn der Pause ab. Instinktiv spürte ich, dass in den kommenden Stunden die Weichen für mein weiteres Leben gestellt werden. Hauptwachtmeister Göring wünschte mir viel Glück. Dem skeptischen Ausdruck in seinem Gesicht nach zu urteilen, räumte er meinem Vorhaben keine realen Erfolgschancen ein.
Meine Knie zitterten mir wie vor dem ersten Rendezvous. Ein fetter Kloss verschloss meinen Hals. Wortlos drückte ich dem verständlicherweise ein wenig überrumpelten Oberleutnant das handgeschriebene Versetzungsgesuch in die Hände.
Gottmann überflog die zunächst die ersten Zeilen. Ich hatte mir, ganz im Gegensatz zu meiner sonstigen Gewohnheit, sogar Mühe gegeben den Text einigermaßen in „Schönschrift“ zu verfassen. Jedenfalls so, dass man das Schreiben entziffern konnte, ohne einen Graphologen zu Rate zu ziehen.

Der gerade über dem Dienstplan brütende Oberleutnant legte die Stirn in Falten. Ärgerlich schob er die vor ihm stehende, halb geleerte Kaffeekanne zur Seite. Gottmann hatte genug andere Sorgen als sich mit meinem Versetzungsgesuch auseinanderzusetzen. Das Kommando in Kaulsdorf saß ihm im Genick. Zunehmend erwies sich, trotz der Verstärkung durch das ZEK, die Personaldecke als viel zu kurz. Einen unpassenderen Moment konnte ich mir wahrlich nicht aussuchen!

„ Ach, der Genosse Bräuning möchte uns verlassen“, stellte er fest. Den sarkastischen Unterton konnte ich beim besten Willen nicht überhören.
Dennoch antwortete ich: „ Ja, Genosse Oberleutnant. Ich möchte das WKM verlassen. Und das so schön wie möglich. Weil….“ Für Sekunden suchte ich nach den passenden Worten. „ Weil?“ zischte mich Gottmann lauernd an. „ Weil ich beruflich vorwärts kommen möchte.“ „ Ach ja? Und das können Sie hier wohl nicht?“ „ Nein. Ja doch, aber jedenfalls nicht in die Richtung die mir vorschwebt.“ „ Was schwebt denn dem Genossen Bräuning so vor?“ „ Ich möchte zunächst in meinem heimatlichen VPKA als Schutzpolizist arbeiten und dann die ABV-Laufbahn einschlagen. In den letzten Wochen ist mir einiges klar geworden. Ich kann mich weder mit dem Dienst im WKM noch mit einem Leben in der Großstadt Berlin identifizieren.“

Gottmann drehte einen Kugelschreiber zwischen den Fingern umher. Sein kantiges Gesicht wirkte auf einem Mal unheimlich grau und müde.
„ Wie lange sind Sie jetzt bei uns?“ „ Was, im WKM? Oder hier in Blankenfelde?“ „ In Blankenfelde.“ „ Zweieinhalb Monate.“ „ Zweieinhalb Monate“, wiederholte Gottmann, wobei er ein gequältes Gelächter ausstieß. „ Sie bilden sich also ein, sich nach zweieinhalb Monaten bereits ein Urteil über den Dienst im WKM erlauben zu können?“

Ich fühlte mich in die Enge getrieben. „ Nein“, stieß ich hervor. „ Oder eigentlich doch.“ „ Was denn nun, Genosse Bräuning!“ Tief Luft holend, rang ich weiter nach den richtigen Worten. Und das um eine Zeit wo gewöhnliche Menschen längst im Bett liegen.
„ Ich kann immerhin so viel sagen, dass mir der Dienst im WKM zu eintönig ist. Hier passiert doch nichts!“

Etwas Dämlicheres hätte mir in dieser Situation wohl nicht über die Lippen kommen können. Dankbar nahm Gottmann meinen „ Fehlpass“ an: „ Genosse Bräuning, ihre Aufgabe besteht darin dafür zu sorgen, dass hier eben nichts passiert. Oder wäre es ihnen lieber, wenn jeden Tag vor einem diplomatischen Objekt in der Hauptstadt der Demokratischen Republik eine Bombe explodiert?“
Der Oberleutnant rekelt sich triumphierend auf der Sitzfläche seines rot gepolsterten Bürostuhls.
„ Nein, natürlich nicht“, stammelte ich hilflos. „ Aber ich möchte mich trotzdem beruflich beweisen und verwirklichen. Postenstehen ist mir auf die Dauer viel zu wenig.“ „ Das verlangt doch keiner von ihnen, Genosse Bräuning. Wenn Sie sich die kommenden zwei Jahre bewähren, steht einer Bewerbung für die Offiziersschule Aschersleben nichts entgegen.“

Gottmann hatte mich an die Wand gequatscht. Trotzdem bestand ich, wohl mehr aus reinem Trotz als Siegeszuversicht, darauf, dass das Versetzungsgesuch weitergeleitet wird.
„ Sie können wegtreten, Genosse Bräuning. Wir werden uns in den nächsten Tagen noch einmal eingehend unterhalten. Ich würde ihnen schon mal den guten Rat mit auf dem Weg geben, dass Sie sich das Versetzungsgesuch aus dem Kopf schlagen. Ihr Platz ist hier. Im Wachkommando Missionsschutz. Und nicht in irgendeiner Kuhbläke in der Provinz.“

Matt und müde verließ ich das Dienstzimmer des Wachabteilungsleiters. Draußen, auf dem langen Flur der Baracke, über dem wie immer eine Wolke aus kaltem Rauch und Bohnerwachs schwebte, begegnete ich Bummi. Den alten netten Hausposten. Der gerade, einen Teller mit Bockwurst in der einen und eine Tasse Kaffee in der anderen Hand, die Küche verließ.

„ Sag mal Uwe, bist du heute per Anhalter zur Schicht gekommen?“, fragte mich der kleine VP-Meister verschmitzt lächelnd. „ Wieso das denn?“ „ Na du siehst so mitgenommen aus“, erwiderte Bummi grinsend. „ Aber im Ernst: was ist denn los Junge?“ „ Bummi, ich habe die Schnauze voll“, antwortete ich wie aus der Pistole geschossen. „ Ich habe dem Gottmann gerade ein Versetzungsgesuch in die Hand gedrückt.“
Bummi bedeutete mir, ihm in den Wachraum zu folgen. Hier konnten wir uns ungestört unterhalten. Wortlos schob er mir den Kaffee zu. „ Du kannst ihn wohl eher brauchen“, sagte er. Geduldig hörte der VP-Meister zu, wie ich ihm von meinem Frust über den Dienst im WKM erzählte.
„ Ich verstehe dich Junge“, meinte er schließlich. „ Als junger Bengel hätten mich keine zehn Pferde hierher gebracht. Aber wenn du erst mal so viele Dienstjahre hinter dir hast wie ich, dann sieht die Welt anders aus. Jetzt bin ich froh, dass ich meine Ruhe habe.“
Bummi zwinkerte mir zu: „ Die Energie die ich hier einspare, kann ich mir für Zuhause, für –Muttern- aufsparen.

Dieser gutmütige sympathische Volkspolizist gab bestimmt einen Superehemann ab. Hatte Bummi eigentlich Kinder? Ich nahm mir vor, ihn danach zu fragen. Dann verwarf ich die mir plötzlich unangemessen erscheinende Frage jedoch rasch wieder. Was ging mir sein Familienleben an?
Ruhig, immer wieder einen Witz einschiebend, bemühte sich Bummi in der kommenden Stunde mich wieder aufzurichten.

In den kommenden Tagen wurde ich wie zufällig von Unterleutnant Heinig, der als Zugführer in der Abteilung agierte, wegen des Versetzungsgesuches angesprochen: „ Ich habe gehört, dass du ABV werden willst. ABV, also ein Offizier.“ Heinig, ein klapperdürrer baumlanger Mann von vierzig Jahren, dessen Adamsapfel beim Sprechen auf und ab hüpfte, schaute mich eindringlich an. „ Offiziere kann nur jemand werden, zu dem die anderen aufschauen. Bist du dir sicher Genosse, dass die anderen Genossen zu dir aufschauen?“

Einigermaßen verblüfft, blieb ich dem Unterleutnant die Antwort schuldig. Andere, die zufällig Zeugen des makabren Vorfalls geworden waren, schüttelten die Köpfe. Das ausgerechnet Heinig, der „ ewige Unterleutnant“ wie er in der Wache spöttisch genannt wurde, sich einbildete das andere zu ihm aufsahen, entbehrte nicht einer gewissen Ironie. Kaum jemand zollte ihm Respekt. Wie es hieß, hatte man ihm seine Offizierswürde, falls man bei einem solch niedrigen Rang überhaupt von Würde sprechen kann, 1977 ehrenhalber für „ besondere Tapferkeit“ verliehen. Heinig und einige andere aus der Abteilung, gehörten zu den Teilnehmern der legendären Straßenschlacht auf dem Alexanderplatz vom Pfingstmontag 1977. Einer der wenigen, dafür jedoch, zumindest bis zum 04. Oktober 1989, einer der härtesten Straßenschlachten in der Geschichte der Deutschen Volkspolizei.
Damals war der als Gruppenführer eingesetzte Heinig, den Erzählungen nach, von einem Steinwurf am Kopf getroffen und schwer verletzt worden. Böse Zungen behaupteten, dass man ihm die Folgen des Volltreffers noch heute anmerkt. Spott hin oder her: Heinig erfüllte an diesem Tag, trotz Brummschädels, seine Pflicht bis zum letzten. So sehr, dass ihn die dankbare Führung später vom Obermeister zum Unterleutnant beförderte. Ohne das Heinig je eine Offiziersschule von innen gesehen hätte. Nicht gerade der gängige Weg auf der Karriereleiter innerhalb der Deutschen Volkspolizei.

VP-Obermeister Friedrich, seines Zeichens Parteisekretär der 4. Wachabteilung, nahm mich als nächster zur Seite. „ Was ist los mit dir? Brauchst du Urlaub? Ich weiß ja, dass es zurzeit ein wenig stressig ist bei uns. Aber glaube mir, es kommen auch wieder bessere Tage.“ „ Stress macht mir nichts aus. Ganz im Gegenteil“, erwiderte ich „leicht angefressen.“ „ Woran liegt es denn dann? Ich meine, warum möchtest du uns nach zwei Monaten bereits wieder verlassen?“ „ Na eben deswegen“, plauzte ich zurück. Friedrich schaute mich voller Unverständnis von der Seite an. „ Das ist doch keine Antwort mein lieber Uwe“, fauchte er leise.

Tief Luftholend antwortete ich: „ Ich möchte ja Stress haben. Von mir aus jeden Tag, rund um die Uhr. Aber bitte richtigen Stress! Alles das was sich der Laie gewöhnlich unter dem Alltag der Volkspolizei vorstellt. Nicht dieses sinnlose Herumstehen.“
Friedrich schaute mich wütend an. Dann schüttelte der Parteisekretär den Kopf, ehe er sich hinter einer der üblichen Phrasen verschanzte: „ Genosse, irgendetwas stimmt an der Einstellung nicht! Überhaupt, was heißt hier sinnlos herumstehen? Durch dieses sinnlose Herumstehen wie du es bezeichnest, verhindern momentan die Angehörigen des WKM möglicherweise einen Dritten Weltkrieg! Dir ist doch hoffentlich bewusst, dass du mit solchen Äußerungen die Bemühungen der anderen Genossen in den Schmutz trittst?“

Nein, das war mir überhaupt nicht bewusst. Was wusste ausgerechnet Parteisekretär Friedrich, was in den Köpfen der WKM-Posten tatsächlich vor sich geht. Außerdem gehöre ich doch selbst zu denen, die angeblich einen Dritten Weltkrieg verhindern. Oder hatte ich mich durch mein Versetzungsgesuch bereits selbst aus dem illustren, in Wirklichkeit überhaupt nicht vorhandenen Kreis gekegelt.
Zwischendurch explodierte im Bereich der WKM-Wache Blankenfelde tatsächlich eine Bombe. Jedoch keine echte. Eine gewisse Sprengkraft besaß die Mitteilung über die plötzliche Entlassung des stets strammen, von einigen wegen seiner Strenge regelrecht gefürchteten Leiters der Wache Blankenfelde, Oberstleutnant Wagner.
„ Ich muss ihnen leider mitteilen, dass der Genosse Oberstleutnant Wagner seit heute aus den Reihen der Volkspolizei ausscheiden musste“, teilte Oberleutnant Gottmann eines Tages während der Einweisung der ungläubig staunenden Belegschaft mit. „ Es gab da diverse Dinge in seinem Leben, die nicht mit dem Leben eines Offiziers der Deutschen Volkspolizei im Einklang stehen.“
Mehr erfuhren wir an diesem Abend nicht. Niemand hatte es etwas anderes erwartet. Personalangelegenheiten, schon gar nicht wenn es sich dabei um einen höheren Offizier handelte, werden auch heute noch nicht offen breitgetreten. Später sickerte durch, dass der Genosse Oberstleutnant hohe Spielschulden hatte. Das passte nun wirklich nicht zum Image eines Offiziers. Obwohl, die uralte Redewendung „ Er hat Schulden wie ein Major“, wohl auch nicht von ungefähr kommt. Aber erstens war, die Betonung liegt tatsächlich auf war, Oberstleutnant, und zweitens ein Offizier der VP. Die Redewendung stammte bestimmt noch aus der Zeit der Pickelhauben.

Übrigens wusste dieselbe Quelle die bereits zu Wagners Verfehlungen „sprudelte“, dass der Sturz des Genossen Ex-Oberstleutnant wohl nicht allzu tief gewesen ist. Dem Vernehmen nach soll man ihn von seinem Chefsessel in der Wache Blankenfelde auf einen ähnlich hochdotierten Posten in der „Deutschen Reichsbahn“ katapultiert haben. Hohe Offiziere stürzten in der Volkspolizei selten tief ab. Es sei denn, die Entlassung erfolgte aus „ politischen Gründen“. So wurde der ehemalige des Diebstahls einer Geldbörse überführte Stabschef des VPKA Seelow, umgehend als Bürgermeister in einem größeren Dorf im Oderbruch eingesetzt.

Immerhin bewahrte mich die unerwartete Entlassung des Wachenleiters vor dessen Zornesausbrüchen. Dafür erhielt ich eine „Audienz“ bei Major Fritschka. Dem Politoffizier der Wache. Einem spindeldürren, eine dicke Hornbrille tragenden, kahlköpfigen Mittvierziger. Auf Fritschkas Schreibtischplatte lag stets eine Ausgabe von Karl Marx „ Kapital“. Der Genosse Major las nicht etwa in jeder freien Sekunde darin. Weit gefehlt! Mittlerweile gehörte es zu den offenen Geheimnissen in der Dienststelle, dass der Wälzer zum Abdecken eines Einschussloches diente. Sichtbares, oder eben viel mehr nicht sichtbares Andenken an eine von Major Fritschka in seinem Dienstzimmer unternommene Waffenreinigung. Woanders als in den „ Bewaffneten Organen“ hätte man jemanden wie diesen Major kaum ernst genommen. Hier aber, in diesem hierarchisch aufgebauten Mikrokosmos durfte er entsprechenden Respekt erwarten.
Fritschka sprach leise und eindringlich. Voller Vorwürfe kommentierte er jede einzelne Zeile meines Versetzungsgesuches. In seinen Augen, angeblich auch in den Augen der anderen Genossen, war ich ein Verräter. Der gerade jetzt, in einer äußerst angespannten Situation „ von der Fahne gehen möchte.“

Meine Gegenargumente verpufften wie ein Furz im Orkan. Fritschka wanderte im Büro hin und her, fuchtelte mit den Armen umher und fragte:
„ Genosse Bräuning, bist du dir überhaupt der hohen Anerkennung welche dir die Regierung der DDR im Voraus geleistet hat, bewusst? Du hast die Ehre, mit der Waffe in der Hand, im Auftrag eben dieser Regierung, vor den diplomatischen Objekten für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Du sorgst damit nicht nur für Ruhe und Ordnung, sondern für eine weitere Erhöhung des internationalen Ansehens der Deutschen Demokratischen Republik. Leider war dieser Vertrauensbonus wohl ein schwerer Fehler. Genosse Bräuning, Sie sind egoistisch. Sie stellen ihre persönlichen Wünsche und Pläne über die der DDR. Ich kann ihnen nur dringend ans Herz legen, diesen Irrweg zu verlassen. Ansonsten ist ihre Karriere in der VP schneller beendet, als sie begonnen hat.“

Fritschkas Worte ärgerten mich nicht nur, sie schmerzten sogar. Ich ein Verräter oder Egoist? Das musste erstmal verdaut werden.
Gelegenheit dafür bot im VP-Wohnheim in Biesdorf lediglich der Alkohol. Die anderen „Insassen“ brachten zwar Verständnis für meinen Schritt auf, schätzten die Erfolgschancen jedoch als gering ein.

Um auf andere Gedanken zu kommen, zog ich, im Anschluss an eine der Tagschichten, mit anderen durch die Nachtbars in der Schönhauser Allee. Für einen Burschen aus dem Oderbruch eine ebenso fremde, wie bunt schillernde Atmosphäre. Dabei spielten sich, aus heutiger Sicht, geradezu unglaubliche Dinge ab. Eines Nachts, irgendwann nach Mitternacht, wollten wir zu fünft in die legendäre „ Sinus-Bar“. „ Alles voll“, maulte ein offenbar als Einlasser fungierender älterer Mann. Gleichzeitig streckte er uns jedoch die geöffnete rechte Hand entgegen. Sofort legte ihm jemand einen Fünfzig-Mark-Schein hinein. „ Immer noch kein Platz“, knurrte der Alte, während der Schein blitzschnell in seiner Jacke verschwand. Wieder streckte er uns die geöffnete Hand entgegen. Wieder wechselte ein Schein seinen Besitzer. „ Dort drüben am Tresen“, knurrte der Alte erneut, wobei er mit dem Kopf die Richtung wies.

Geld spielte zu jener Zeit keine Rolle. Weder für mich, noch für meine Kumpels. Wir verdienten mehr als genug, brauchten trotzdem keine Miete bezahlen und trotzdem war ich nicht glücklich. Was nutzte die bestbezahlteste Arbeit, wenn sie keine Freude macht?
Zurück ins Wohnheim ging es jedes Mal mit einer so genannten „ Schwarztaxe“. Darunter verstand man in Berlin Leute, die auf eigenes Risiko, mit ihren eigenen Autos, ohne behördliche Anmeldung, Fuhrdienste anboten. Von diesen Schwarztaxen wimmelte es in den Nächten in der Schönhauser Allee nur so. Während einer Fahrt wäre dem „Kutscher“ beinahe das Herz in die Hosen gerutscht. Und zwar in dem Moment, als ihm auf Grund des genannten Fahrziels, Biesdorf, Kornmandelweg, unsere Profession dämmerte: „ Ihr seid doch nicht etwa …. Bullen? Ich meine von der Volkspolizei, stotterte der konsternierte Fahrer. „ Mach dir keinen Kopf, du bekommst dein Geld schon. Wir sind einfach nur müde, wollen ins Bett und sind außerdem privat hier.“

Leben und leben lassen, so lautete unsere Devise. Ein einziges Mal hatte jemand eine „Schwarztaxe“ geordert, sich damit bis zum Wohnheim kutschieren lassen, um anschließend dem erschrockenen Fahrer statt des erwarteten Geldes drohend den Dienstausweis unter die Nase gehalten. Die spätere Prahlerei war dem Typ jedoch nicht gut bekommen. Das nächste Mal bezahlte er wieder brav sein „ Schwarztaxi“.
„ Es zwingt dich ja keiner in solch ein Ding einzusteigen“, hatte ihn Gruppenführer Ecki klar gemacht. „Außerdem kannst du froh sein, wenn dich der Fahrer nicht wegen missbräuchlicher Nutzung deines Dienstausweises anscheißt“.

Die gelegentlichen Barbesuche konnten mich jedoch nur wenig von meinem eigentlichen Problem ablenken. Mehr und mehr von den Vorgesetzten in die Enge getrieben, fühlte ich mich immer schlechter. Selbst das vom ABV vom Letschin empfohlene „ Trumpf As“, die Drohung mit der Entpflichtung, verfing gegenüber den hartnäckigen Offizieren des WKM nicht. „ Dann kündigen Sie eben, Genosse Bräuning“, antworte Oberleutnant Gottmann, unter betontem Schulterzucken. „ Das Wachkommando Missionschutz lässt sich nicht erpressen! Weder von ihnen, noch von sonst jemanden. Schreiben Sie sich das gefälligst hinter die Ohren!“

Am Ende kam es wie es kommen musste: ich lies mich auf einen Kompromiss ein. Ein halber Sieg, wie ich mir einzureden versuchte. Nur um mir nicht die völlige Niederlage einzugestehen.
Gottmann fertigte ich einen Vermerk an, wonach ich das aktuelle Versetzungsgesuch zwar zurückziehe, aber dennoch erkläre, perspektivisch meinen Platz anderswo in der Volkspolizei als im WKM sehe.

Perspektivisch, dass bedeutete das vor mir ein langer Weg lag. Dessen Beginn und Ende noch gar nicht feststand. Fünf Jahre? Zehn Jahre? Fünfzehn Jahre? Darüber würden andere entscheiden. Das lag nicht in meiner Hand. Eine Erkenntnis die mir den letzten Mut raubte. In dieser Phase trank ich mehr als gewohnt. Ich fühlte mich nicht wohl dabei. Schon allein der vielen abschreckenden Beispiele in der Abteilung wegen. Ich hatte nur noch ein Ziel vor Augen: Das WKM zu verlassen, sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt! Auch wenn der Zeitpunkt dafür scheinbar in weite Ferne gerückt war.

Fortsetzung folgt

Gruß an alle
Uwe


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#290

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 16.08.2015 17:15
von Lutze | 8.033 Beiträge

Bestand nicht eine Möglichkeit sich über das WKM im Vorfeld zu informieren?
etwas schäbig finde ich die Aussagen deiner Vorgesetzten zu deinem Plan als
zukünftiger ABV,da hätte ich mehr Motivation erwartet,oder kam die noch?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#291

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 16.08.2015 17:36
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

War ja eine ziemliche Pleite und dann noch Bummis blöde Sprüche ("siehst mitgenommen aus...mit Anhalter gekommen ?"... Ha, Ha).
Ich finde Deine Entscheidung aber sehr spontan, fast schon sprunghaft und hätte mir für so ein Gespräch ein Limit von mindestens einem Jahr gesetzt.
Etwas anders ging es da bei uns Eisenbahnern zu, wenn es von der Rangierlok auf die Großdiesel und damit auf die Strecke gehen sollte, da wurde man für die Qualifizierung beobachtet und schließlich ausgesucht, so meine damalige Überzeugung.
Man sah ja auch, wie die Älteren eingetaktet wurden, gedrängelt hat da kaum einer, das war zwecklos.
Allerdings liegt Deine Sache etwas anders, es ging ja nicht um Aufstieg sondern Umstieg.
Hättest Du eigentlich für die Polizeilaufbahn als ABV einen höheren Abschluß oder Mindestdienstjahre gebraucht, gab es da Deinerseits Erfahrungen oder Informationen ?
Wie jung waren eigenlich die jüngsten ABVer in der DDR ?
In meinem Ort waren die ganz sicher nicht unter 50, einer davon war bis Ende der 1980er Jahre sogar mein Onkel (Ehemann von Vaters Schwester).
Die alle machten auf mich aber eher den Eindruck, daß sie es eher ruhig liebten und kaum aggressiv auf Tätersuche gingen, das galt für alle drei, die ich hier in meinem Heimatort kannte, einem davon hatte der Sohn sogar schon mal die Dienstwaffe geklaut, der Genosse blieb aber danach auf seinem Posten, die Story war aber schon spektakulär, da der kleine E. die sogar in die Schule mitbrachte.



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#292

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 16.08.2015 18:54
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #290
Bestand nicht eine Möglichkeit sich über das WKM im Vorfeld zu informieren?
etwas schäbig finde ich die Aussagen deiner Vorgesetzten zu deinem Plan als
zukünftiger ABV,da hätte ich mehr Motivation erwartet,oder kam die noch?
Lutze


Nee Lutze. Da gab es keine realen Möglichkeiten. Es sei denn, du hattest Bekannte oder Freunde im WKM, Ich war nur auf das Gerede der Werber angewiesen.

Gruß Uwe


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#293

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 17.08.2015 06:43
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #291
War ja eine ziemliche Pleite und dann noch Bummis blöde Sprüche ("siehst mitgenommen aus...mit Anhalter gekommen ?"... Ha, Ha).
Ich finde Deine Entscheidung aber sehr spontan, fast schon sprunghaft und hätte mir für so ein Gespräch ein Limit von mindestens einem Jahr gesetzt.
Etwas anders ging es da bei uns Eisenbahnern zu, wenn es von der Rangierlok auf die Großdiesel und damit auf die Strecke gehen sollte, da wurde man für die Qualifizierung beobachtet und schließlich ausgesucht, so meine damalige Überzeugung.
Man sah ja auch, wie die Älteren eingetaktet wurden, gedrängelt hat da kaum einer, das war zwecklos.
Allerdings liegt Deine Sache etwas anders, es ging ja nicht um Aufstieg sondern Umstieg.
Hättest Du eigentlich für die Polizeilaufbahn als ABV einen höheren Abschluß oder Mindestdienstjahre gebraucht, gab es da Deinerseits Erfahrungen oder Informationen ?
Wie jung waren eigenlich die jüngsten ABVer in der DDR ?
In meinem Ort waren die ganz sicher nicht unter 50, einer davon war bis Ende der 1980er Jahre sogar mein Onkel (Ehemann von Vaters Schwester).
Die alle machten auf mich aber eher den Eindruck, daß sie es eher ruhig liebten und kaum aggressiv auf Tätersuche gingen, das galt für alle drei, die ich hier in meinem Heimatort kannte, einem davon hatte der Sohn sogar schon mal die Dienstwaffe geklaut, der Genosse blieb aber danach auf seinem Posten, die Story war aber schon spektakulär, da der kleine E. die sogar in die Schule mitbrachte.




@Hackel39
Ein ABV sollte eigentlich schon ein an Dienst und Lebensjahren gerechnet, "gestandener Mann" sein. Es war jedoch dem Personalmangel in einigen Dienststellen geschuldet, dass diese Posten auch mit jüngeren, um nicht zu sagen viel zu jungen Polizisten besetzt wurden. Ich war bei Dienstantritt als ABV, im August 1989, gerade mal 25 Jahre alt. Eigentlich viel zu jung und unerfahren für diesen Posten.
Der jüngste ABV in unserem Bereich war 23 Jahre alt. Der musste nach einiger Zeit von seinem Posten abgelöst werden, weil er wie ein Tornado durch den Abschnitt gefegt ist. Er hat dabei zwar eine Menge Verwarngelder eingetrieben, aber eben auch sehr viel Unmut in der Bevölkerung ausgelöst.
Meiner heutigen Meinung nach, sollte man für diesen Posten mindestens vierzig Jahre alt gewesen sein. Junge ehrgeizige Heißsporne hatten auf diesen Posten ebenso wenig etwas zu suchen, wie Faulpelze. Denn wenn es darauf ankam, musste auch ein ABV bereit sein. Wenn es sein musste, auch in der Nacht oder an Sonn und Feiertagen.

Gruß an alle
Uwe


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#294

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 17.08.2015 09:10
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #289

(...)
„ Ach, der Genosse Bräuning möchte uns verlassen“, stellte er fest. Den sarkastischen Unterton konnte ich beim besten Willen nicht überhören.
Dennoch antwortete ich: „ Ja, Genosse Oberleutnant. Ich möchte das WKM verlassen. Und das so schön wie möglich. Weil….“ Für Sekunden suchte ich nach den passenden Worten. „ Weil?“ zischte mich Gottmann lauernd an. „ Weil ich beruflich vorwärts kommen möchte.“
(...)



Das klingt mir ja, als wenn Du nicht ABV, sondern Model für die Werbung werden wolltest. Hats denn wenigstens zu Probeaufnahmen gereicht?

Gruss

icke



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#295

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 17.08.2015 09:36
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #294
Zitat von ABV im Beitrag #289

(...)
„ Ach, der Genosse Bräuning möchte uns verlassen“, stellte er fest. Den sarkastischen Unterton konnte ich beim besten Willen nicht überhören.
Dennoch antwortete ich: „ Ja, Genosse Oberleutnant. Ich möchte das WKM verlassen. Und das so schön wie möglich. Weil….“ Für Sekunden suchte ich nach den passenden Worten. „ Weil?“ zischte mich Gottmann lauernd an. „ Weil ich beruflich vorwärts kommen möchte.“
(...)



Das klingt mir ja, als wenn Du nicht ABV, sondern Model für die Werbung werden wolltest. Hats denn wenigstens zu Probeaufnahmen gereicht?

Gruss

icke




Dienstjahre im WKM zählten damals doppelt. Sprich, man wurde schneller alt und hässlich.
Quatsch, ersetze schön mit schnell, dann stimmt die Aussage. Obwohl, die Idee als polizeiliches Fotomodell hat schon was......

Gruß Uwe


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zuletzt bearbeitet 17.08.2015 09:44 | nach oben springen

#296

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 17.08.2015 19:39
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Die VP suchte doch damals bestimmt auch ABVs. Gerade auf dem Lande. Konnte man sich da nicht direkt bewerben und von einem anderen Werber von denen zum ABV abwerben lassen? Oder waren die Aquarienpolizisten eine Stufe höher und "Unberührbare"?


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#297

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 18.08.2015 06:44
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #296
Die VP suchte doch damals bestimmt auch ABVs. Gerade auf dem Lande. Konnte man sich da nicht direkt bewerben und von einem anderen Werber von denen zum ABV abwerben lassen? Oder waren die Aquarienpolizisten eine Stufe höher und "Unberührbare"?


Um ABV zu werden, musste man sich zuvor in der Schutzpolizei des jeweiligen VPKA / Reviers, wie auch immer, bewährt haben. Das heißt im Klartext, die jeweiligen Vorgesetzten mussten dich zuvor gründlich kennen. Eine Direktbewerbung als ABV wäre also nicht möglich gewesen. Sondern nur die Versetzung zum VPKA, mit der Absicht die Laufbahn eines ABV einschlagen zu wollen. Wer einmal ABV war, blieb es in aller Regel auch für den Rest seiner Dienstzeit. Es musste also erst ein ABV ausscheiden, bis ein neuer einsteigen konnte. Innerhalb des VPKA Seelow war es jedoch so, dass aus Altersgründen zwischen 1989 und 1992 einige ABV-Stellen frei geworden wären. Darum sollte ich so schnell wie möglich zur Schutzpolizei des VPKA und dann, perspektivisch, die ABV-Ausbildung, die ja insgesamt drei Jahre dauerte, beginnen.
"Aquariumpolizisten" waren natürlich nicht besser als die anderen Zweige der VP. Selbstverständlich zeigte sich aber jeder Dienstzweig bestrebt, seine eigenen Leute zu behalten. Was interessierte dem Wachabteilungsleiter in Pankow die ABV-Situation im Oderbruch? Das " Desinteresse" würde ich als völlig nachvollziehbar empfinden. Auch bei der VP war sich jeder Dienstzweig "selbst der nächste".

Noch ein paar Worte zu der angesprochenen "Sprunghaftigkeit": Sicher, ein Versetzungsgesuch nach knapp einem Jahr ist ganz sicher ein wenig zeitig. Ich war jedoch total frustriert, noch dazu maßlos enttäuscht, dass sich der angeblich " hochinteressante, abwechslungsreiche Dienst", als ödes Wachestehen entpuppte. Den Rest gab mir die Begegnung mit den vielen "verkrachten Existenzen" innerhalb des WKM und die nervigen Phrasen, mit denen die Vorgesetzten den Dienst "auflockerten".

Aus heutiger Sicht war die 1986 gefällte Entscheidung letztendlich goldrichtig. Sie bewahrte mich davor, in den "Strudel des Untergangs", der ab 1990 sowohl im WKM als auch in der gesamten Berliner VP herrschte, hineingezogen zu werden. Wer weiß wie mein weiteres späteres Leben verlaufen wäre?

Gruß an alle
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#298

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 18.08.2015 17:34
von Lutze | 8.033 Beiträge

Vielleicht wärest du Kriminalbeamter geworden
Lutze


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#299

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 26.08.2015 17:39
von ABV | 4.202 Beiträge

Großeinsatz vor der USA-Residenz

Wir schreiben den 01.Juli 1986. Zum zweiten Mal in meiner Laufbahn erlebe ich den „ Tag der Deutschen Volkspolizei“. Auf dem Innenhof der Wache Blankenfelde, flankiert von grauen Baracken, von denen die Farbe abblättert, traten die Männer der Wachabteilungen zum Appell an. Aus einem Lautsprecher ertönt der „ Marsch des Yorkschen Korps“. Dessen Melodie begleitet mich bereits seit meiner Grundwehrdienstzeit. So erstaunlich das auch klingen mag- der schmissige Marsch gehört noch heute zu meinen Favoriten.
Major Dückert, der Nachfolger von dem in Unehren entlassenen Oberstleutnant Wagner, verliest die Gruß und Dankesworte von Armeegeneral Friedrich Dickel, Chef der Deutschen Volkspolizei und Minister des Innern in Personalunion. Das gleiche Ritual läuft in diesem Moment beinahe in allen Volkspolizeidienststellen der DDR ab. Überall stehen grün oder blau Uniformierte in strammer Haltung, warten auf eine kleine Anerkennung für ihre geleistete Arbeit. Überall regnet es Orden, Prämien und Beförderungen. Überall gibt es Polizisten, an denen dieser „ warme Regen vorbeizieht“. Ich werde planmäßig zum Oberwachtmeister befördert. Von jetzt an trage ich die Gurkenschalen eines Unteroffiziers. Mein Versetzungsantrag scheint kein Thema mehr zu sein. Denke ich jedenfalls. Mit feierlicher Mine überreicht mir der Major die neuen Schulterstücke. „ Ich diene der Deutschen Demokratischen Republik“ sage ich im ernst gemeinten, feierlichen Ernst.

Nach dem Appell tritt meine Abteilung ins Dienstfrei ab. Dienstfrei bis morgen Abend. Spontan entschließe ich mich, nach Hause zu fahren. Um der zu erwartenden, „tödlichen“ Sauforgie im Wohnheim zu entgehen. Mit dem Bus fahre ich zunächst von der Wache zum S-Bahnhof Pankow. Von dort ging es via Ostbahnhof nach Strausberg. Hinter Pankow führten die Bahngleise kurzzeitig direkt an den Sperranlagen der „ Berliner Mauer“ vorbei. Von meinem Fenster aus sah ich ein Postenpaar der Grenztruppen, Maschinenpistolen tragend, an einer Sprechsäule stehen. Während die S-Bahn vorbei rauschte, setzte der Postenführer irgendeine Meldung. Wahrscheinlich bloße Routine. Nichts deutete daraufhin, dass an diesem Tag an dieser Stelle des „ Antifaschistischen Schutzwalls“ besondere Aufregung herrschte. Im Abteil nahm kaum jemand Notiz von der absonderlichen Örtlichkeit, die sekundenlang vor unseren Augen auftauchte. Der Mann vor mir verschanzte sich hinter einer aufgeschlagenen Zeitung. Zuweilen ist auch das absonderliche normal. Man muss es nur oft genug erleben!

In Strausberg habe ich fast zwei Stunden Zeit bis mein Anschlusszug ins Oderbruch fährt. Wie so oft setzte ich mich in die kleine, durchaus nicht ungemütliche Bahnhofskneipe. Die Gaststätte versprühte jenen schmuddeligen, von einem Geruchsmix aus schalem Bier, kaltem Rauch, Kaffee und Bockwurst dominierten unvergessenen typischen „ MITROPA-Charme“. Die Stimme von „Muck“, der in Wahrheit Hartmut Schulze-Gerlach heißt, klang aus dem Lautsprecher des Tresen-Radios. „ Hey kleine Linda“, sang Muck voll melodischer Euphorie. Von draußen, vom Bahnsteig her, drang das Quietschen eines einfahrenden Güterzuges an mein Ohr. So werde ich sie wohl immer in Erinnerung behalten, die gute alte Strausberger Bahnhofskaschemme, in der ich so viele Stunden verbracht habe. Die es heute, wie so vieles, nicht mehr gibt.
Ich bestellte mir ein Kännchen Kaffee. Dazu aß ich eine Portion Rührei mit Speck. Auf Alkohol verzichtete ich. Erstens war es dazu noch viel zu früh. Und zweitens trug ich meine Uniform.
Ich trug jedoch nicht als einziger eine Uniform. Zwei Tische weiter saßen drei leicht angetrunkene NVA-Soldaten. Sie würdigten mich keines Blickes. In ihren Augen war ich ein „Profi“, ein „ länger dienender“. Mit solchen Leuten wollten die meisten Grundwehrdienstleistenden nun einmal nichts zu tun haben.
Zwischenzeitlich betrat ein blauuniformierter Transportpolizist den Raum. „ Hallo Beppo, hast wohl wieder keine Zigaretten mehr?“, begrüßte ihn der Wirt freundlich. „ Du bist wohl Hellseher“, grinste Transportpolizist Beppo. Wortlos, ebenfalls grinsend, schob ihm der Wirt eine Packung „ F6“ zu. Beim Bezahlen bemerkte mich der Transportpolizist. „ Watten, hast du keine Prämie abbekommen, oder warum hockst du hier?“ „ Ich bin auf dem Weg nach Hause“, entgegnete ich knapp. „ Aha“, antwortete Beppo knapp, ehe wieder den Raum verließ.
Zwölf Jahre später traf ich „ Beppo“ in der Polizeiwache Strausberg wieder. Wo wir hin und wieder zusammen Streife fuhren. Den Spitznamen Beppo verdankte der immer gut gelaunte Polizist übrigens seinem Familiennamen-Küster.
Leider ist „ Beppo“ vor einigen Jahren an einem Krebsleiden verstorben.
Nach einiger Zeit trat ein älteres Ehepaar an meinen Tisch. „ Entschuldigen Sie, sind diese beiden Plätze noch frei?“, fragte der Mann. Mit vollem Mund kauend, nickte ich dem gut gekleideten Paar freundlich zu, ohne zunächst von den beiden Notiz zu nehmen.

Nach dem Essen widmete ich mich wieder dem Kaffee. Während dessen kam ein Kellner an unseren Tisch, um sich nach den Wünschen des Paares zu erkundigen. „ Ich habe gesehen, dass Sie Rühreier gegessen haben. Können Sie mir die Eier empfehlen?“, erkundigte sich der Mann. „ Durchaus. Aber Bockwurst und Soljanka schmecken ebenfalls“. Sichtlich amüsiert registrierte der Kellner die Reklame. „ Ach lassen Sie mal, ich habe mich eigentlich schon für die Rühreier entschieden. Was möchtest du Mutti?“ „Mutti“ gab sich mit einer Bockwurst zufrieden.

Immer wieder versuchte der Mann, der vom Alter glatt hätte mein Großvater sein können, mich in ein Gespräch einzubeziehen. Ich bin eigentlich selten sehr gesprächig. An diesem Tag wäre mir ein ungestörtes träumerisches Nachdenken ohnehin lieber gewesen. Aus reiner Höflichkeit warf ich jedoch ab und an ein paar Gesprächsbrocken ein. Möglicherweise wäre das entweder noch bis zur Abfahrt des Zuges so weiter gegangen, oder der Mann hätte einfach die Lust verloren, wenn nicht ein Satz gefallen wäre, der mich aufhorchen ließ.
Der Satz war eigentlich kein Satz, sondern ein nur wenigen bekannten Ausspruch: „ Hanne fasse Mut, es geh nach Reppen.“
Reppen war eine Stadt dreißig Kilometer östlich von Frankfurt (Oder) gelegene Stadt in der seit 1945 zu Polen gehörenden Neumark. Rzepin, sprich Dschepin, hieß der Ort seitdem. Pikiert stieß die Frau ihrem Mann in die Rippen. Vielleicht fürchtete sie Ärger, weil ihr Gemahl gegenüber einem Volkspolizisten den ehemaligen deutschen Namen einer polnischen Kleinstadt benutzte. Selbstverständlich eine unnötige Sorge. Selbst in der DDR störte sich eigentlich niemand daran.
Was war denn aber nun so besonderes an dem Spruch? Ganz einfach, der Spruch gehörte zum Standartrepertoire meines, aus eben jener Neumark stammenden Großvaters.
„ Den Spruch kenne ich. Den verwendet mein Opa auch immer“, bekundete ich daher Augenzwinkernd. Nun horchte ich das Paar auf. „ Stammen ihre Großeltern etwa auch von jenseits der Oder?“ „ Ja“, bestätigte ich nun ebenfalls hellhörig geworden. „ Aus der Nähe von Drossen, das heute wohl Osno heißt“.
Den alten Leuten wich die Farbe aus dem Gesicht. „ Woher genau, junger Mann.“ „ Grunow, aus Grunow. Ein kleines Kuhdorf. Ich war zuletzt 1978 dort…..“.

Mir stockte die Stimme. Wie von einer unsichtbaren Feder getroffen, waren meine Gesprächspartner plötzlich aufgesprungen. „ Heißen ihre Großeltern Paul und Frieda Bräuning?“ „ Ja, aber wieso?“

Die Frage wurde schnell beantwortet: bei dem Ehepaar handelte es sich um die früheren Nachbarn und Freunde meiner Großeltern. In der alten Heimat. Die, offiziell nicht mehr als solche bezeichnet werden durfte. Aber Heimat bleibt nun einmal Heimat! Manche Dinge im Leben hängen von Zufällen ab. Unzweifelhaft gehörte dieser wundersame Moment dazu.
Das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Bezirk Potsdam wohnende Paar befand sich auf dem Weg zu ihrer Tochter. Die nur wenige Kilometer von meinen Großeltern entfernt lebte.
„ Können Sie uns bitte die Adresse ihrer Großeltern geben?“, fragte der Mann. Und ob ich konnte!
Bereits am nächsten Abend standen die beiden bei meinen Großeltern vor der Tür. Leider habe ich den Besuch selbst nicht miterlebt, weil ich zu diesem Zeitpunkt wieder in Berlin „ den Weltfrieden schützte“.
Das Wiedersehen der einstigen Freunde erfolgte keinen Moment zu früh. Nur wenige Wochen darauf verunglückte mein Großvater im Haus schwer. So schwer, dass er das er das Krankenhaus bis zu seinem Tod, im Frühjahr 1987, nie mehr verlassen sollte. Das Leben schreibt nicht nur die schöne, sondern auch tragische Geschichten.

Den kommenden Abend erlebte ich in jenem Rausch, den ich eigentlich durch meine „Flucht“ in heimatliche Gefilde eigentlich entgehen wollte. Ich kam aber trotzdem nicht umhin, auf meine Beförderung zum Oberwachtmeister anzustoßen. Und das nicht nur einmal.

Völlig verkatert, im Mund den Geschmack von Juwel Klaren, quälte ich mich am nächsten Tag aus den Federn. Verdammt, schon halb Elf? In gut zwei Stunden geht der Bus nach Strausberg. Viel zu wenig Zeit, um auszunüchtern. Während Knie und Hände zitterten, öffnete ich den Fensterflügel. Von meinem Zimmer aus konnte ich weit über die angrenzenden Felder schauen. Normalerweise faszinierte mich die schier grenzenlose Weite immer wieder aufs Neue. Aber was nützt der weiteste Horizont, wenn er vor den Augen verschwimmt?

Zwei Stunden zeigte sich mein physischer Zustand noch immer als völlig desolat. Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten, versuchte jedoch angestrengt Haltung zu bewahren. Schließlich trug ich ja die Uniform der Deutschen Volkspolizei! Normalerweise fuhr ich in Zivil nach Hause. Aber da ich mich nun einmal spontan zum Heimatkurzurlaub entschlossen hatte und auf schnellsten Weg wieder zurück zum Dienst wollte, zeigte sich das Tragen der Uniform als unumgänglich. Wer konnte auch mit solch einem Kater rechnen?!

Zwischen Letschin und dem gut fünfzig Kilometer entfernten Strausberg lagen gefühlte tausend Kurven. Jede einzelne dieser fiesen Krümmungen wirbelte meinen kontaminierten Mageninhalt durcheinander. Am liebsten hätte ich dem Busfahrer gebeten, kurz anzuhalten. Damit ich mich endlich erleichtern konnte. Natürlich konnte ein uniformierter Volkspolizist nicht einfach einen Linienbus stoppen, nur um mal eben in die Büsche zu kotzen! Ich konnte schon froh sein, wenn niemand meine Fahne roch.

Gott sei Dank befanden sich nur wenige Fahrgäste im Bus. Außer mir stieg in Letschin lediglich eine elegant gekleidete dunkelhaarige Dame ein, welche ihre Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille verbarg. Na Mädel, hast wohl am Abend zuvor auch einen über den Durst getrunken, dachte ich sarkastisch. Die anderen Fahrgäste erkannten die geheimnisvolle Mitreisende jedoch sofort: „ Det is doch die Monika Herz“, flüsterte eine hinter mir sitzende Frau ihrem Mann zu. Die Nachricht verbreitete sich sofort wie ein Lauffeuer. Monika Herz pflanzte sich rasch auf einen der Sitze, ohne dem Geflüster Notiz zu nehmen. Höchstwahrscheinlich erlebte sie so etwas nicht zum ersten Mal. Stars müssen so etwas „abkönnen“.
Völlig überraschend war das Auftauchen des Schlager-Sternchens im Linienbus von Letschin nach Strausberg jedoch nicht. Stammte sie doch selbst aus dem Oderbruchdorf Letschin, wo ihre Familie zu diesem Zeitpunkt noch lebte. Ihre ersten musikalischen Sporen verdiente sich die in der DDR beliebte Sängerin im Schulchor von Letschin. Eine Tatsache auf der man in Letschin noch heute sehr stolz ist. Monika Herz, die eigentlich Monika Schmidt heißt, ein Name mit dem man nicht einmal in der DDR in den Schlagerhimmel aufsteigen konnte, hatte übrigens denselben Musiklehrer wie ich. Das merkt man aber nicht! Frau Herz-Schmidt schaute die ganze Zeit, direkt vor mir sitzend, träumerisch aus dem Fenster. Ohne zu ahnen, welche Kämpfe ihr Hintermann in diesen Momenten ausfocht. Nicht auszudenken, wenn ich der herzigen Bardin in den Kragen gespuckt hätte….

Mannhaft, unter Aufbringung der letzten Kräfte, schaffte ich es meinen Körper zu besiegen. „ Höllenfahrt nach Strausberg“. „ Stagecoach“ in meiner eigenen persönlichen Version. Zwar ohne Apachen. Dafür jedoch mit viel Feuerwasser. Scheiß Sauferei aber auch!
Wenigstens zeigte ich mich in der nachfolgenden Nachtschicht inzwischen ausreichend wiederhergestellt, um zwölf Stunden Torwache zu überleben. Bloß gut, dass ich damals erst zweiundzwanzig Jahre alt war. Heute würde ich wohl den Heldentod sterben!

Zwei Tage darauf, am 04. Juli, erlebte ich einen der größten Sicherungseinsätze in der Geschichte des Wachkommando Missionsschutzes. USA –Botschafter Francis Mahane hatte anlässlich des 210. Gründungstages der Vereinigten Staaten von Amerika, zu einem Megaempfang in seine Residenz eingeladen. Neben hochrangigen Vertretern beinahe des gesamten in Berlin akkreditierten diplomatischen Korps, erschienen auch amerikanische Militärs und Abgesandte aus der Politik. Nie zu vor in jenen bewegten Tagen, war die Wahrscheinlichkeit eines Anschlages höher, als an diesem, seit jeher für die USA symbolträchtigen Feiertag.

Der besonderen Brisanz wegen, führte Oberstleutnant Kiesling, der Stabschef des WKM, diesen Einsatz persönlich. Vor Beginn der Maßnahmen erfolgte eine geradezu Generalstabsmäßige Einweisung, wie ich sie in dieser Form bislang noch nicht erlebt hatte.
Oberstleutnant Kiesling strahlte jene gelassene Souveränität aus, die einen guten Polizeiführer auszeichnet. Gelassenheit ohne jedoch nachlässig zu wirken. Unaufgeregt, ohne jedoch den Ernst der Lage zu verkennen.
Neben einigen Kräften aus der Wache Blankenfelde, rückten an diesem Tag beinahe das gesamte „ ZEK“ aus dem Kommando Kaulsdorf und die Zivil tragenden Angehörigen der Beobachtergruppe in den Einweisungsraum ein.
An einer riesigen, an der Wand befestigten Straßenkarte, erklärte Kiesling die Modalitäten des Einsatzes: „ Wir haben es in den kommenden Stunden mit drei neuralgischen Punkten zu tun, die unter keinen Umständen aus den Augen verloren werden dürfen“, mahnte Kiesling. „ Dabei handelt es sich im Einzelnen um den Bereich des Haupteingangstors, den Nebeneingang in der Mittelstraße und den Weg entlang des Gartenzauns. Für die Dauer des Einsatzes ist der gesamte Außenbereich der Residenz für die Öffentlichkeit gesperrt. Das gilt auch für die Anwohner! Niemand, ich wiederhole noch einmal, niemand darf diesen Bereich betreten oder befahren. Mit Ausnahme von Diplomaten und Regierungsfahrzeugen. Die Sicherheitskräfte der USA-Botschaft, also die Marines, werden heute ebenfalls auf dem Gelände der Residenz präsent sein. Des Weiteren wird das MfS heute in diesen Bereich mit starken eigenen Kräften handeln, so dass die Sicherheit der Residenz garantiert ist. Trotzdem Genossen, dürfen wir uns keine Unachtsamkeit leisten. Jede Nachlässigkeit kann schwere Folgen für unsere gesamte Republik nach sich ziehen.“
Oberstleutnant Kiesling sprach ruhig und deutlich. Nicht einziges Mal änderte sich die Stimmfarbe. Trotzdem rieselten mir eisige Schauer den Rücken. Wenn an diesem Tag etwas schief läuft, möchte ich nicht in der Haut des dafür verantwortlichen Volkspolizisten stecken. Noch weniger verspürte ich Lust, selbst dieser unglückliche Verantwortliche zu sein. Also Uwe, heute heißt es aufpassen wie ein Luchs!
Der Oberstleutnant verlas Namen und Dienstgrad jedes einzelnen Teilnehmers dieses denkwürdigen Einsatzes, ehe er ihm persönlich die Aufgabe für die kommenden Stunden übertrag.
Mein Auftrag lautete wie immer-Bewachung des Nebeneinganges an der Mittelstraße. An diesem Tag war ich nicht einmal unglücklich über den eigentlich doch vertrauten Auftrag.

Dann stand ich nun glatte acht Stunden, in brütender Hitze, die Maschinenpistole „ PM 63“ an der rechten Hüfte, das Funkgerät über die linke Schulter, den Blick frei gerade aus gerichtet, am Tor. Flankiert von weiteren Uniformierten. Und von Gruppen von Windjacken und Turnschuhe tragenden, sportlichen jungen Männern. Bereits während der Einweisung liefen mir sowohl „mein“ Werber, als auch der Genosse Helmeke, der mich im Dezember 1984 ins VP-Präsidium begleitet hatte, wieder über den Weg. Beide nickten mir kurz zu, wendeten sich aber sofort wieder ab. Ob sie mich nicht mehr erkannten? Vielleicht wollten sie mich auch einfach nicht mehr wiedererkennen? Welcher Werber möchte schon mit einem, von der Realität frustrierten „ Werbeerfolg“ konfrontiert werden.

Der 04. Juli 1986 erwies sich, in meteorologischer Hinsicht, als verdammt heißer Tag. Dafür verlief der Einsatz selbst ohne besondere Vorkommnisse. Oberstleutnant Kiesling hielt, in seinem Befehlsfahrzeug, direkt vor Ort die Fäden in der Hand. Zusammen mit dem Einsatzleiter des MfS, versteht sich.

Ich schwitzte auf meinem Posten Blut und Wasser. Jetzt bloß keinen Fehler machen, jetzt bloß keinen Fehler machen, hämmerte es unaufhörlich in meinem Schädel. Hin und wieder warf ich einen scheuen Blick auf den Innenhof der Residenz, wo geradezu im Minutentakt Gratulanten aus ihren noblen Karossen entstiegen. Egon Krenz befand sich ebenfalls unter den Gästen. Ich beobachtete, wie der grauhaarige DDR-Politiker dem „ Abgesandten des Klassenfeindes“ die Hände schüttelte. Wie zwei alte Freunde, dabei sind sie doch eigentlich spinnefeind, dachte ich. Politik ist schon ein verdammt seltsames Spiel.

Gegen Mittag, mir hing die Zunge längst bis hinunter zu den Kniekehlen, an eine Versorgung der Posten mit Getränken hatte niemand gedacht, wäre es beinahe zu Fauxpas gekommen. Das Ehepaar welches das Eigenheim gegenüber der Residenz bewohnte, wollte ausgerechnet jetzt in den Trabbi steigen, um ein paar Einkäufe zu erledigen.

Hatte ihnen denn niemand Bescheid gesagt? Offenbar nicht! Flinken Schrittes eilte ich über die schmale Straße, hinüber an die Grundstücksausfahrt.
„ Halt, Sie können jetzt nicht raus“, rief ich dem verdutzten Paar zu. „ Wieso, stehen wir etwa unter Hausarrest?“, fragte der Mann lachend. „ Junger Mann, Sie kennen uns doch. Wir wohnen doch nicht erst seit gestern hier. Oder sehen wir aus wie Terroristen?“ „ Nein, Quatsch, aber der gesamte Bereich hier ist für die Dauer des diplomatischen Empfangs in der Residenz gesperrt. Egal ob oder wie lange er hier schon wohnt“, bedauerte ich ehrlichen Herzens. „ Außerdem ist das Ganze nicht auf meinem Mist gewachsen.“ „Ich weiß junger Mann“, sprach der trotz allem freundlich bleibende Herr, wandte sich zu seiner besseren Hälfte um und sagte: „ Komm Mutti, dann halten wir eben Mittagsschlaf. Ewig kann die Veranstaltung ja nicht dauern.“

Schade, das sich nicht alle Menschen derart Einsichtsvoll zeigen, wie dieses Berliner Ehepaar. Die Polizeiwelt könnte um vieles einfacher sein.

Nein, ewig dauerte der Empfang nicht. Mir kam es aber so vor. Ohne einen Tropfen zu trinken, mitten in der prallen Julisonne, artete der Einsatz allmählich zu einem Härtetest aus. Da hatten es die GI’s die auf dem Hof und im Garten der Residenz herumlungerten, um einiges besser. Coca-Cola-Büchsen in den Händen haltend, spazierten die uniformierten Angehörigen der US-Armee, angeregt plaudernd, über das Terrain. Immer wieder prosteten sie mir dabei lachend zu. Scherz oder Provokation? Möglicherweise eine Mischung von beiden. Aber was konnten die Amis dafür, dass das WKM sich nicht im Stande zeigte, die Einsatzkräfte vor Ort mit Getränken zu versorgen?

Neben den Eingangstoren lag das Hauptaugenmerk der Sicherungskräfte auf die sich nördlich hinter der Residenz anschließende, von Büschen und dichtem Gestrüpp durchzogene Brachfläche. Das wilde Terrain bot geradezu ideale Vorrausetzungen, um sich ungesehen bis auf wenige Meter an die Residenz heranzuschleichen. Zumindest an „normalen Tagen“. An diesem Tag entging dem Fernglasverstärkten Auge der „ Schutz & Sicherheitsorgane“ keine verdächtige Bewegung.

Obwohl, immer zu hundert Prozent wachsam zeigten sich die Einsatzkräfte am Ende doch nicht: Am späten Nachmittag, kurz vor dem Ende des Einsatzes, erschien ein blutjunger, sichtlich aufgeregter VP-Meister bei mir. Mir war sofort klar, dass der Genosse Meister der VP, kein echter Meister der VP sein konnte. Diesen Dienstrang erreichte der gewöhnliche Volkspolizist normalerweise frühestens nach fünfzehn Dienstjahren. Der Knabe konnte jedoch kaum älter als zwanzig Jahre alt sein. Ich hatte also einen als Volkspolizisten getarnten Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit vor mir. Ich fand das damals übrigens überhaupt nicht ungewöhnlich. Jedenfalls erkundigte sich der Junge nach einem Bus der US-Armee, der bis vor kurzem noch hinter meinem Tor stand.
„ Weißt du zufällig, wann der Bus abgefahren ist?“ „ Oh je, ich glaube vor etwa zwanzig Minuten.“ Ganz präzise konnte ich ihm die Abfahrzeit aber nicht nennen. Schließlich gehörte es nicht zu meinen Aufgaben, die An und Abfahrtszeiten der Militärbusse zu notieren.
„ Oh Scheiße“, fluchte der „falsche Volkspolizist“ sichtlich erschrocken. Dann winkte er ein paar andere „ Volkspolizisten“ heran, die hektisch in Streifenwagen, oder Fahrzeuge die so aussehen sollten als wären sie Polizeiautos und rasten davon.

Gegen 18:00 Uhr erfolgte endlich die Ablösung. Nie zuvor hatte ich mich so sehr nach dem Angebot unserer Kantine gesehnt, wie an diesem 04. Juli 1986.
Oberstleutnant Kiesling ließ es sich nicht nehmen, im Anschluss an den Einsatz jedem einzelnen seinen Dank auszusprechen. Der Oberstleutnant schien über den Verlauf des Tages erleichtert zu sein. Man konnte wohl kaum erahnen, welche Last auf seinen Schultern lastete. Ein Fehler, die Dummheit eines einzelnen, konnte an diesem Tag schwerwiegende politische Verwicklungen nach sich ziehen. Erich Honecker legte großen Wert auf einigermaßen gute Beziehungen zu den USA, auch wenn es nach außen offiziell nicht so aussehen sollte.

Mir war das völlig egal. Ausgelaugt, die Uniformbluse verschwitzt am Körper klebend, trank ich eine Flasche Limonade „ auf Ex“. Danach verputzte ich drei Bockwürste mit zufälligerweise fast Ofenfrischen Brot. Allmählich kam ich wieder zu Kräften. Auch unser Wachabteilungsleiter sparte nicht mit anerkennenden Worten. Mein Versetzungsgesuch schien endgültig vergessen zu sein.

So glaubte ich jedenfalls. „ Genosse Bräuning“, sagte der Oberleutnant, sich dabei den Nacken kratzend, „ Genosse Bräuning, in der nächsten Woche wirst du für eine Woche an einem Lehrgang für KCB-Aufklärer in Kaulsdorf teilnehmen. Du bist ab sofort Strukturmäßiger KCB-Aufklärer der 4. Wachabteilung. Alles Weitere erfährst du in der kommenden Woche.“

Mir blieb fast der Bissen im Hals stecken. Seitdem ich eine Uniform trug, hasste ich nichts so sehr wie die leidige KCB-Ausbildung. Irgendjemand muss das dem Oberleutnant gesteckt haben. Das war seine Art mir zu zeigen, „ wo im WKM der Hammer hängt“. Von wegen, vergeben und vergessen!“

Fortsetzung folgt

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


EK87II, Elch78, Hackel39, sieben-seen, Fritze, seaman, RudiEK89, Heckenhaus und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#300

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 26.08.2015 18:24
von Heckenhaus | 5.129 Beiträge

Herrlich geschrieben, bitte weiter.


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„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
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