#241

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 23.04.2015 10:54
von chris26572 | 13 Beiträge

@S51
ja genau von dieser Vertretung und von der Vertretung/ Botschaft in der Dönhoffstrasse sind mir diese Teile geläufig. Allerdings würde ich sagen die sahen eher aus wie ein "grosses Waffenholster" und nicht wie eine Ledertasche. Meiner Erinnerung nach war es ein gosses Waffenholster und der Lederriemen wurde unter der Jacke/ Blouson getragen. Es fiel ja auch bloss auf weil das Holster wesentlich grösser erschien, als das Holster von der Makarov.

LG Chris


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zuletzt bearbeitet 23.04.2015 10:54 | nach oben springen

#242

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 23.04.2015 11:01
von diefenbaker | 584 Beiträge

zum Thema Tasche oder Holster siehe hier

http://www.delcampe.net/page/item/id,156...language,G.html

Gruss Wolfgang



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#243

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 23.04.2015 11:25
von chris26572 | 13 Beiträge

Zitat von diefenbaker im Beitrag #242
zum Thema Tasche oder Holster siehe hier

http://www.delcampe.net/page/item/id,156...language,G.html

Gruss Wolfgang


Danke Wolfgang.
Genau die grosses Lederdingens meinte ich. Ich würde sagen das ist das Waffenholster, andere sagen Ledertasche... :)
LG Chris


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#244

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 23.04.2015 18:36
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #240
In Kalinka/Schell: Stasi und kein Ende, ist von einem Vorfall im Nachgang des La Belle Attentates die Rede. Im LVB Bonn gab es den Diplomaten Mohammad Ashur, dem die Lybier offenbar die Weitergabe von Informationen an den CIA nachgewiesen haben. Er wurde im Auftrag des Leiters der GD-Residentur im LVB Ostberlin Ali Keshlaf am 01.05.1986 zu einem Treff mit Musbah Eter (Hauptverantwortlicher des La Belle Attentates) und einem Palästinenser auf einen Parkplatz im Treptower Park bestellt. Dort wurde er getötet und am 2. Mai aufgefunden (vieleicht hat @S51 das während seines damaligen Dienstes mitbekommen). Das MfS soll im Rahmen einer konspirativen Wohnngsdurchsuchung die Tatwaffe (Beiretta 7,65, offizielle Waffe des LVB) untersucht haben. Eter wohnte in der Ho-Chi Minh Str. Nr 2 und Chraydi, ebenfalls Attentatsbeteiligter und später auch deswegen verurteilt, in der Hans-Loch Str. Nr. 235 (Nähe Polizeirevier Hans-Loch Str.).

Gruß Kalubke


Ja, beide Wohnungen wurden durchsucht. In einem Fall habe ich die äußere Absicherung durchgeführt. Die Liste der Toten zu dieser Sache allerdings ist weitaus länger und zieht bis in die jüngere Zeit auch bei den früheren Ermittlern eine Spur...


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#245

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 27.04.2015 15:38
von diefenbaker | 584 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #244

...
Ja, beide Wohnungen wurden durchsucht. In einem Fall habe ich die äußere Absicherung durchgeführt. Die Liste der Toten zu dieser Sache allerdings ist weitaus länger und zieht bis in die jüngere Zeit auch bei den früheren Ermittlern eine Spur...


Jetzt habe ich ein paar Tage gewartet, aber keiner fragt nach.
Was hat es mit der weitaus längeren Liste der Toten auf sich?
Ist das hier im Forum schon behandelt worden und nur ich bin unwissend?

Gruss Wolfgang



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#246

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 28.04.2015 00:18
von Kalubke | 2.297 Beiträge

Es werden wohl eine ganze Reihe von Personen aus der lybischen und palästinensischen Szene aus ähnlichen Gründen wie Mohammad Ashur ihr Leben verloren haben, offensichtlich auch auf dem Boden der DDR. Das wurde vor der DDR-Öffentlichkeit damals absolut geheim gehalten so sensibel war das ganze Thema für die DDR.Regierung. Ich jedenfalls kann mich an keine Berichterstattung in dieser Richtung erinnern.

Gruß Kalubke



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#247

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 28.04.2015 08:51
von Merkur | 1.019 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #246
Es werden wohl eine ganze Reihe von Personen aus der lybischen und palästinensischen Szene aus ähnlichen Gründen wie Mohammad Ashur ihr Leben verloren haben, offensichtlich auch auf dem Boden der DDR. Das wurde vor der DDR-Öffentlichkeit damals absolut geheim gehalten so sensibel war das ganze Thema für die DDR.Regierung. Ich jedenfalls kann mich an keine Berichterstattung in dieser Richtung erinnern.

Gruß Kalubke


Es gab in der DDR keine weiteren Tötungsdelikte dieser Art. Das der Tod Ashurs nicht in der Öffentlichkeit breitgetreten wurde, liegt in der Natur der Sache. Die Geheimhaltung brachte es in diesem Fall sogar mit sich, dass die Leiche zur Obduktion vom GMI aus Berlin nach Bad Saarow in das ZAL verbracht wurde.
Ansonsten wäre ich mit dem, was zum Fall La Belle bisher publiziert wurde, misstrauisch. Gerade Journalisten haben sich da nicht sonderlich mit detaillierten Recherchen und Ruhm bekleckert.



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#248

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 28.04.2015 17:39
von ABV | 4.202 Beiträge

Irgendwo im grandiosen Nichts

Zuletzt ging alles schneller als erwartet. Mein Praktikum sollte vorfristig, noch vor dem Beginn des SED-Parteitages enden. Obwohl Schöning noch immer den kämpferischen mimte, pfiffen bereits die Berliner Spatzen von den Dächern, dass alle Praktikanten der „ Wache Mitte“ zum „Strafbataillon Pankow“ versetzt werden sollen.

Je näher das Ende nahte, desto anspruchsvoller gestalteten sich die übertragenen Aufgaben. An einem kühlen Abend durfte ich gar, für wenige Stunden, ganz allein den Dienst an der polnischen Botschaft übernehmen.
An sich keine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Schon gar keine, im damaligen Verständnis, vertrauensvolle Aufgabe. Offiziell gehörte die „ Volksrepublik Polen“, trotz der immer deutlicher hervortretenden politischen Veränderungen, noch immer als „ Freundesland“. „ Freunde“ wurden selbst in der DDR nicht gesondert überwacht. Zumindest nicht vom WKM.

Viel interessanter als die Botschaft selbst, war deren Lage unmittelbar an der historischen Straße „ Unter den Linden“, unweit des bereits zum „ Grenzgebiet“ gehörenden Pariser Platz, dem Vorfeld des Brandenburger Tors. Also quasi direkt an der imaginären Frontlinie zwischen Sozialismus und Kapitalismus. Geschichtlich und politisch gleichermaßen bedeutsam.

Voller Vorfreude aufs kommende, ging ich zu Fuß von der Wache Mitte aus in Richtung Brandenburger Tor. Der reguläre Posten hatte aus einem dringenden persönlichen Grund um eine vorzeitige Ablösung gebeten. Ich konnte es kaum erwarten, gerade hier an diesem exponierten Punkt auf Wache zu stehen.

Nachdem Vollzug der Übergabe lief ich gewichtig, die Arme auf dem Rücken verschränkt, vor dem niedrigen Gitter welches das Betreten des Pariser Platzes verhindern sollte, auf und ab.
Immer wieder soll es in den vergangenen Jahren an dieser Stelle zu „ versuchten illegalen Grenzübertritten“ gekommen sein. Einen etwaigen „Grenzverletzer“ hätte ich als WKM-Posten jedoch lediglich bis zum Gitterzaun verfolgen dürfte. Das Betreten des Pariser Platzes blieb den „richtigen“ Volkspolizisten der Reviere und natürlich den Grenztruppen vorbehalten.
Dennoch wurden an dieser Stelle etliche „ potentielle Grenzverletzer“ von den WKM-Posten festgenommen. Zumeist im Rahmen einer Personenkontrolle, wenn jemand zu lange oder zu intensiv die Sperranlagen in Augenschein nahm.
In einem Fall, der sich während meiner Anwesenheit in der Wache Mitte abspielte, stellte sich ein NVA-Soldat, mit den Worten „ Es hat doch sowieso keinen Sinn“, dem diensttuenden Posten. Der NVA-Soldat hatte lediglich „ vom Barras die Schnauze voll“. Sein Entschluss „ in den Westen abzuhauen“, war eher eine, möglicherweise durch Drill oder Schikane hervorgerufene Kurzschlussreaktion, als ein durchdachter Fluchtplan. Leider ist mir auch das weitere Schicksal dieses Soldaten nicht bekannt.

Den Himmel in ein blutig-feuriges tiefes Rot tauchend, ging die Sonne über dem Brandenburger unter. Leise flatterte die über der Quadriga angebrachte DDR-Fahne im noch kühlen Frühlingswind.
Düster zeichneten sich die Schatten des vor der Mauer hinter dem Brandenburger Tor patrouillierenden Grenzpostenpaares im Dämmerlicht ab. Wohl der exponierten Stellung wegen, trugen die Grenzer Berufsunteroffiziersuniformen, Stiefelhose und Knobelbecher. Maschinenpistolen, den Lauf nach unten gerichtet, baumelten den Soldaten über die Schultern. Knisternd flatterte eine weggeworfene, leere Plastiktüte über den ansonsten leeren, verödeten Pariser Platz.
Das ganze wirkte unbeschreiblich surreal, wie aus einem Weltuntergangsdrama entlehnt.

Immer wieder denselben Weg nehmend, wahrscheinlich weil es keinen anderen gab, trabten die Posten am „ Antifaschistischen Schutzwall“ entlang. Abwechslung versprach diese „ hoch verantwortungsvolle“ Tätigkeit eher nicht. An der Frontlinie zum Klassenfeind herrschte tiefste Ruhe.

Langsam, beinahe im Schritttempo, fuhr ein hellroter, mit zwei sportlichen jungen Männern besetzter Lada, von der Otto-Grotewohl-Straße kommend vorbei, um dann in die Straße „ Unter den Linden“ abzubiegen. MfS oder eine Zivilstreife der VP?

Nach einer Stunde erhielt ich Besuch von einer Fußstreife vom zuständigen Revier. Ein etwas untersetzter Oberwachtmeister, kaum älter als ich selbst. Der Schutzpolizist schien sich zu langweilen, daher suchte er, in der Hoffnung auf etwas Abwechslung, das Gespräch mit mir.
Mein Gesprächspartner erwies sich nicht nur als sehr angenehm, sondern gleichzeitig als profunder Kenner der Berliner Stadtgeschichte: „ Ich bekomme jedes Mal ein unheimliches Gefühl wenn ich hier stehe. Weißt du eigentlich, dass der Pariser Platz einmal einer der belebtesten Orte Berlins war?“ „ Kann sein, ich bin kein Berliner“, antwortete ich, mich etwas unglücklich ausdrückend. „Tatsächlich?“ Der Oberwachtmeister grinste über das ganze Gesicht, was ihn einem leicht asiatischen Touch verlieh. „ Als Ur-Berliner, dessen Wiege im Friedrichshain stand, gehöre ich wohl langsam aber sicher einer aussterbenden Rasse an. Bei mir im Revier wimmelt es nur so von Sachsen, Mecklenburgern und Thüringern. Echte Berliner Jungs sind absolut in der Unterzahl. Wo kommst du denn genau her?“ „ Aus Letschin, im Oderbruch. Aus dem Bezirk Frankfurt.“

Wieder lachte der Oberwachtmeister: „ Aus dem Bezirk Frankfurt? Dann bist du ja ein Preuße und damit fast ein Berliner.“
Die Worte waren natürlich nicht ernst gemeint, bildeten aber eine schöne Überleitung für den sich darauf entwickelnden Exkurs in die Geschichte dieses Platzes: „ Mein Opa hat mir ein Fotoalbum vererbt. Du musst wissen, dass er ein begnadeter Fotograf war und bei jeder Gelegenheit Stadt und Leute auf Zelluloid bannt. Das Umfeld des Brandenburger Tores hat er unzählige Male abgelichtet.“

„ Beim Thema Brandenburger Tor fallen mir erstmal die Fotos aus Staatsbürgerkunde und Geschichtsunterricht ein. Du weißt schon, die mit den Kampfgruppen am 13. August 1961“, bemerkte ich lächelnd.
Halb in Gedanken versunken, winkte der Oberwachtmeister ab. „ Gerade diese Bilder meinte ich nicht. Sondern Aufnahmen die vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden sind. Ehe alles hier in Trümmern fiel.“

Träumend schaute der Oberwachtmeister ins Zwielicht des scheidenden Frühlingstages. „ Stelle dir mal vor, hier sind einst Menschen über Menschen entlang flaniert. Frauen in bunten Kleidern, Männer in Anzügen, zusammen mit ihrem quengelnden Nachwuchs. Das war Leben pur!“
„ Napoleon soll hier auch schon entlang geritten sein“ , bemerkte ich. „ Ach was Napoleon! Mich interessieren eher die kleinen einfachen Leute. Nicht irgendwelche Politiker. Die kommen und gehen, aber die einfachen Leute bleiben.“

Ich hatte es wohl mit einem Propheten in Uniform zu tun, dachte ich etwas irritiert. Einmal in Fahrt gekommen, legte der Oberwachtmeister noch einen drauf: „ Hast du schon mal etwas von dem Hotel Adlon gehört?“ „ Nein“, gab ich beschämt zu. Eigene Wissenslücken, egal welcher Art, ärgern mich immer.

„ Hier drüben hat es gestanden, das Adlon. Einst das beste Hotel am Platz. Alle Promis die in der alten Zeit Berlin besuchten, sind hier abgestiegen: Hans Albers, Marikka Röck, Max Schmeling, Heinz Rühmann.“

Wie selbstverständlich, als könnte er noch immer die Konturen des 1945 zertrümmerten, längst verschwundenen Hotels sehen, zeigte der Oberwachtmeister in jenes grandiose Nichts, des Pariser Platzes Anno April 1986: „ Dort hat es gestanden! Stelle dir mal vor, hier ist der –Blonde Hans- vorgefahren. Umlagert von tausenden kreischenden weiblichen Fans. Hoppla, jetzt komm ich, rufend.“
Mir lief ein Schauer über den Rücken. Besser als es dieser Oberwachtmeister vermochte, konnte wohl kaum jemand den tiefen Kontrast zwischen dem Gestern und Heute in Worte fassen. Ähnlich erging es mir Jahre später, beim Vergleich der unter Büschen versunkenen Küstriner Altstadt mit alten Fotos.

„ Das kann man sich wirklich kaum vorstellen“, entfuhr es mir. Zustimmend nickte der Oberwachtmeister: „ Darum bin ich ja meinem Opa so dankbar. Weil er das Unvorstellbare für die Nachwelt festhielt.“
Dann kam eine Frage, die mir damals noch weitaus unvorstellbarer erschien: „ Ob wohl das Adlon eines Tages wieder aufgebaut wird?“ „ Was, hier an der Mauer?“ „ Nein, in einer Zeit in der die Mauer überflüssig geworden ist.“ „ Also nach dem Sieg des Sozialismus?“ „ Zum Beispiel“, antwortete der Streifenpolizist knapp. „ Jedenfalls in einer Zeit in dem Berlin wieder eine einzige Stadt sein wird.“ „ Das erleben wir beide nicht“, erwiderte ich im Brustton der Überzeugung.

„ Guten Abend an die Genossen von der Schutzpolizei“, rief uns jemand zu. Ganz in der Nähe lief ein Transportpolizist vorbei, öffnete etwas was aus der Ferne wie ein Einstieg aussah, um anschließend in der Unterwelt zu verschwinden.

„ Was war das denn? Ich wusste gar nicht, dass die Trapo neuerdings das Abwassersystem kontrolliert“, rief ich erstaunt aus. „ Das war ein Maulwurf“ antwortete der Oberwachtmeister trocken. „ Ein… was?“ „ Ein Maulwurf. Der werte Genosse bewacht einen wegen des Mauerbaus stillgelegten U-Bahnhofs. Damit bei einem Zwischenhalt keiner in die nach Westberlin fahrende U-Bahn einsteigt.“ „ Ist ja irre!“ „ Ja, das kannst du laut sagen. Ich habe mich vor ein paar Tagen mit einen von ihnen unterhalten. Dort unten ist die Zeit am 13. August 1961 stehen geblieben. An den Wänden hängen sogar noch Veranstaltungshinweise und Reklame aus dieser Zeit. Die Kioske stehen noch dort, allerdings mit verdreckten, blinden Scheiben.“ „ Dort möchte ich aber keinen Dienst schieben. Es gibt schon irre Jobs bei der VP.“ „ Wie zum Beispiel das stundenlange Herumstehen vor einer Botschaft“, blödelte der Oberwachtmeister. „ Immer noch besser, als Orpheus in der Unterwelt zu schieben“, konterte ich.

Wenige Minuten später setzte der Oberwachtmeister seine Streife fort. Erneut hing ich meinen Gedanken nach. Mehr und mehr zog mich die besondere Örtlichkeit in ihren Bann. Diffus schimmerte das Licht der vielen, die Straße des 17. Juni bis zur „ Siegessäule“ beleuchtenden Lampen jenseits des Brandenburger Tors. Einer der jener Grüße aus einer ebenso nahen, wie vermeintlich für alle Zeiten unerreichbaren Welt.

An dieser Stelle lohnt sich ein Sprung in das Jahr 2014. Konkret zum 09. November 2014, dem 25. Jahrestags des Mauerfalls. Anlässlich dieses Tages bin ich an diesem Platz zurückgekehrt. Zunächst mehr aus Neugier, einfach um das Gefühl zu erleben, wenigstens an diesem Tag dabei gewesen zu sein. Denn in der Nacht des eigentlichen Ereignisses hatte ich mich aus Frust, Zukunftsangst und Verunsicherung „ die Kante gegeben“ und den historischen Moment verschlafen.

Gute achtundzwanzig Jahre zuvor hatte ich vergeblich versucht, mir einen von Menschen belebten – Pariser Platz“ vorzustellen. Ebenso vergeblich bemühte ich mich an diesem Tag, vor meinem geistigen Auge noch einmal die versunkene Welt des Frühjahres 1986 Revue passieren zu lassen.
Ameisen gleich, wimmelte ein unübersehbares Heer von Menschen verschiedenster Nationen und verschiedenster Hautfarben über den Pariser Platz. Ob sich wohl dieser unbekannte Oberwachtmeister unter ihnen befindet? Gewundert hätte es mich nicht!
Keine Mauer versperrte mehr den Blick. Tausende Luftballons markieren an diesem Tag noch einmal symbolisch ihren Verlauf. Abends, sollen sie dann leuchtend in den Berliner Himmel entschwinden. Ein figürlich unpassender Darsteller des Preußenkönigs Friedrich II. versucht Touristen Teile der Berliner Stadtgeschichte nahe zu bringen. Hat der Oberwachtmeister etwa nach der Wiedervereinigung das Metier gewechselt. Ich verwerfe den Gedanken sofort wieder, lasse mich aber zusammen mit „ Seiner Majestät“ ablichten.

Dann gehe ich durch das Brandenburger Tor hindurch. Noch immer, selbst nach so vielen Jahren, verspüre ich dabei heftiges Kribbeln in der Magengegend. So als ob ich einen eigentlich für mich verbotenen Raum betreten würde.
Beim Durchgehen fällt mir ein, dass eine frühere Kollegin aus dem VPKA Seelow, dessen Ehemann in der Kreisdienststelle des MfS arbeitete, im Jahre 1988, ganz stolz berichtete am Brandenburger Tor gewesen zu sein. Sie gehörte zu den „Auserlesenen“, die gemeinsam mit anderen Mitarbeitern des MfS und deren Ehepartnern, das hier untergebrachte „ Provokations-Museum“ besichtigen durfte. Unter den Augen der auf der Besucherplattform auf der anderen Seite stehenden Besucher Westberlins.
Unter Provokationen verstand man sämtliche „Angriffe auf die Staatsgrenze“. Der „ Gute Osten“ vers. „ Böser Westen“. Undifferenziert und einsichtig, unserer damaligen Weltsicht entsprechend.
Die Kollegin wusste nach dem Besuch, nach eigenem Bekunden, noch besser wie wichtig der Schutz der Deutschen Demokratischen Republik und damit die Arbeit ihres Gatten seien.

Mitte der Neunziger Jahre ließ sich dieselbe Kollegin von ihrem Mann scheiden, um einen viel jüngeren, aus den „ Alten Bundesländern“ stammenden Kollegen zu heiraten. Was allein nicht verwerflich ist. Das die Dame bei der Scheidung dem unbedarften Richter die „ schlimme für sie unerträgliche Vergangenheit“ ihres Noch-Ehemannes als Grund für das tiefe Zerwürfnis unterjubeln konnte, wohl schon.

Andächtig schaue ich auf die Fassade des wieder aufgebauten „ Adlons“. Dieses grandiose Nichts gab es nicht mehr. Leben, überall Leben. Angetrunkene, halb volle Bierbüchsen schwenkende holländische Touristen treten zu einem Gruppenfoto an. Ob sie wissen, dass unter ihren Füßen einst der „Todesstreifen“ verlief? Spätestens hier wäre es brenzlig geworden.

Nach einer Weile kehre ich „ in den Osten“ zurück. Immer am Adlon vorbei. Dabei stoße ich auf die neue Botschaft der USA. Und, zu meinem großen Erstaunen, auf ein blechernes Postenhäuschen. Viel kleiner und viel enger als die des WKM. Ein Wachpolizist läuft vor dem Eingang der Botschaft auf und ab. Möglicherweise ein nach der Wiedervereinigung übernommener WKM-Angehöriger. Vom Alter her, der Polizist ist schätzungsweise um die Fünfzig, könnte es durchaus sein.

„ Seht ihr da oben die Dinger?“, rief eine auf das Dach der Botschaft weisende Frau ihren Begleitern zu, „ dass sind die Abhöranlagen der NSA. Früher hat uns die Stasi abgehört, heute die Amis“, keifte sie wütend. „ Manche Dinge ändern sich wohl nie.“
Oh doch, denke ich. Früher hätte hier niemand lautstark und folgenlos auf „Abhöranlagen“ der Stasi schimpfen dürfen. Der Posten grinste nur vor sich hin. Noch ein Foto vor der Wachbude, dann ging es wieder nach Hause.

Soweit der kurze Ausflug in die Gegenwart. Einen Tag nach dem Dienst am Brandenburger Tor offerierte mir Schöning bedauernd, „ dass aller Einsatz seinerseits ins Leere gelaufen war.“ Für mich hieß es nun offiziell „ ab nach Pankow“. Nicht nur für mich. Die Praktikanten der anderen Wachabteilungen traf dasselbe Schicksal.

Pankow untergliederte sich in einen A-Bereich, dessen Wache sich in einem Neubau in der Hadlichstraße befand. Und den B-Bereich, in Blankenfelde. Wobei der A-Bereich als die angenehmere Variante galt. Aber auch dieses letzte Fünkchen Hoffnung verlosch bald.
„ Genosse Bräuning, du wirst dich am Montag den 14. April 1986 um 13:00 Uhr in der 4. Wachabteilung in Blankenfelde zum Dienst melden. Noch Fragen? Nein? Wegtreten!“



Fortsetzung folgt

Gruß an alle
Uwe


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#249

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 28.04.2015 18:26
von ABV | 4.202 Beiträge

Hier noch ein paar Fotos zum Beitrag:



Der Pariser Platz wie ihn im April 1986 kaum jemand vorstellen konnte.



Das wieder aufgebaute Hotel "Adlon"



Ein Schnappschuss mit eurer Majestät




Dieser, sich von der Bundesregierung " beschissen" fühlende Zeitgenosse, wäre früher als " Demonstrativtäter" im Gewahrsam gelandet.



Hier kamen Erinnerungen auf. Ein klein wenig fühlte ich mich wie in " alten Zeiten".



Ballons markierten den Verlauf des Mauerstreifens.

Gruß an alle
Uwe


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#250

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 28.04.2015 19:01
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

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#251

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 28.04.2015 19:44
von passport | 2.638 Beiträge

Hallo @ABV

trugen die Grenzer Berufsunteroffiziersuniformen

Danke für Deinen Bericht.

Nachfrage : Diese unterschiedliche Bezeichnung für die Bekleidung von BU / BO kannte ich noch nicht
Aber die BU / BO trugen die gleiche Uniform abhängig von ihrer Waffengattung und natürlich Dienstgrad !





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#252

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 28.04.2015 22:05
von Lutze | 8.035 Beiträge

Da ist dir ja regelrecht ein Wahrsager über'n Weg gelaufen @ABV,
hast du noch Kontakt zu diesen Hauptwachtmeister?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#253

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 28.04.2015 23:49
von Kalubke | 2.297 Beiträge

Das wär ja 'n Ding wenn das vieleicht damals sogar unser @Hans gewesen ist, der da vor Deinen Augen zu Orpheus in die Unterwelt abgestiegen ist. Müsste der S-Bahnhof Unter den Linden gewesen sein, also eher nicht die U-Bahn.

Gruß Kalubke



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#254

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.04.2015 08:45
von Schakal | 271 Beiträge

Vielleicht hat dich der dicke Streifenpolizist mit den nostalgischen Gedanken ja garnicht zufällig auf dieses Thema angesprochen?
Was man heute alles so weiß, würde es mich nicht wundern, wenn das ein Test war. Man soll aber natürlich nicht immer nur das Schlechte im Menschen sehen.


--- Ex oriente lux.---
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zuletzt bearbeitet 29.04.2015 08:55 | nach oben springen

#255

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.04.2015 17:45
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #252
Da ist dir ja regelrecht ein Wahrsager über'n Weg gelaufen @ABV,
hast du noch Kontakt zu diesen Hauptwachtmeister?
Lutze


Nee Lutze. Ich habe den Polizisten nie mehr getroffen. Ich bin ja danach auch gleich weg aus dem Bereich. Zweieinhalb Jahre später bin ich dann aus Berlin wieder in die Heimat zurückgegangen.

Gruß Uwe


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#256

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.04.2015 17:51
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #253
Das wär ja 'n Ding wenn das vieleicht damals sogar unser @Hans gewesen ist, der da vor Deinen Augen zu Orpheus in die Unterwelt abgestiegen ist. Müsste der S-Bahnhof Unter den Linden gewesen sein, also eher nicht die U-Bahn.

Gruß Kalubke


Ich bin mir zu 99, 9 % sicher, das ich dem Hans damals auf dem Bahnhof Friedrichstraße begegnet bin. Hans hatte zu Anfang ein Avatarbild, dass ihn als Transportpolizisten zeigt.
Unser Hans ist ja eine sehr imposante Erscheinung, außerdem hatte er, zumindest damals, eine auffallende Ähnlichkeit mit einem inzwischen verstorbenen Bekannten von mir. Daher habe ich mir sein Gesicht eingeprägt. Als ich dann das Avatarbild sah, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
Ok, so ganz sicher bin ich mir nach fast dreißig Jahren nun auch wieder nicht. Aber doch zu 99, 9 %!
Genauso sicher bin ich mir auch, dass mich der "dicke" Oberwachtmeister nicht testen wollte. Die Gespräche zwischen Volkspolizisten verliefen weitaus normaler als man heute denkt. Das da jemand den anderen, den er noch nicht einmal kannte" " aufs Glatteis führen wollte", möglicherweise im Auftrag des MfS, halte ich für eine Legende. Wobei Ausnahmen auch hier die Regel bestätigen.


Gruß an alle Uwe


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#257

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.04.2015 21:01
von Lutze | 8.035 Beiträge

Die Uniformen hättet ihr mal für eine Schicht
tauschen sollen,@ABV in den Katakomben
und Hans sein Kollege erzählt,wann die
Geisterbahnhöfe wieder eröffnet werden
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#258

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 30.04.2015 07:35
von Hans | 2.166 Beiträge

Morgen, Gemeinde,......
Um das hinterletzte Geheimnis aufzuklären: Ich bin auch der Meinung, das Uwe und ich uns -sogar öfter, über den Weg gelaufen sind. Im Wohnheim Biesdorf waren wir im selben Aufgang untergebracht, da kennt man sich zwar nicht unbedingt dem Namen nach, aber vom sehen mit Sicherheit.
Zu dem Dicken. Na ja, Wahrsager war er wohl eher nicht, mehr so eine Art Geschichtenonkel. Die verstehen es nämlich, ein paar Wahrheiten und ein paar Halbwahrheiten sowie einige Storys zusammen zu rühren. Das hat er m.M.n. gemacht. Manchmal haben diese sogar im Nachhinein richtig gelegen. Übrigens hab ich diesen Owm mehr oder weniger "personalisiert", verbinde ihn also mit einem meiner "Bekannten" aus der Zeit. Ob`s stimmt - wer weiß.
So und -LUTZE ! Die Uniformen tauschen! Na - da währen mir die Hosenbeine mit Mühe über die Knie gegangen und Uwe hätte sie hochrollern müssen. Das hätte ausgesehen! DAT MACHT MAN NICHT.
73, Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
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#259

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 23.05.2015 04:56
von KID | 234 Beiträge

Zum Thema LaBelle (und auch zu allen Themen eigentlich).

Man hat das recht auf die eigene Meinung, doch nicht auf die eigenen Fakten.

Meine Meinung ist genau das, und mehr nicht. Fuer mich ist diese Meinung auf andere Aktionen der Israelis basiert. Ein Kriminalist fragt sich immer in solchen faellen "Wem nuetzt denn das am meisten?", auch wenn offensichtlich ein klarer Taeter vorhanden ist. Das Beispiel des Reichstagsbrandes ist hier angebracht. Auch wenn Marinus Van der Luebbe den eigentlich Brand verursachte, steckte viel mehr dahinter. Gleiwitz? Auch ein solcher Fall. Nun, man darf glauben, was man will. Will man der Sache naeher kommen, bedarf es naeherer Einsicht. Eine freie Diskussion dient dieser Einsicht. Wer hier nicht diskutieren moechte, soll andere Wege finden seine Opferrente zu rechtfertigen.

Ich kann hier keine langwierige Meckerstunde auf Dauer mitmachen, da ich ausserhalb dieses Forums ein Leben habe.

Die DDR ist Geschichte, damit sollte auch das meckern zu Ende sein. Aber ohne DDR und Stasi muesste man dann endlich mit den eigenenTeufeln kaempfen. Das waere zu unangenehm, und deshalb endet jede Diskussion mir der Stasi-Keule.

Das ist ein sonst hervorragendes Thema. Ich moechte es nicht weiter mit dieser Thematik stoeren.

Jens


seaman, Krepp, Rostocker, Kalubke, Fritze, 02_24 und Waldmeister haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.06.2015 15:15 | nach oben springen

#260

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 24.05.2015 00:09
von diefenbaker | 584 Beiträge

Hallo @KID,

ich bin gerade dabei Dein Buch zu lesen und versuche die Zensurlücken zu überbrücken, aber diesen Deinen Beitrag habe ich nicht wirklich verstanden.
Ich bin derzeit mehr dabei Fakten zu sammeln, für Schlussfolgerungen fehlt mir noch Einiges.

Gruss Wolfgang



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