#201

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 09.04.2015 15:26
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #200
Zitat von GZB1 im Beitrag #198

@ABV hieß die frühere und jetzige Wilhelmstr. zu DDR-Zeiten nicht Otto-Grotewohl-Str.?

So weist es jedenfalls der Berliner Stadtplan von 1982/83 aus.

Eine Karl-Marx-Straße gab es zu dieser Zeit in Ostberlin nicht, die war/ist in Westberlin (Neukölln).
In Ostberlin gab es nur die Karl-Marx-Allee (vormals Stalinallee).


Stimmt! Ich habe noch einmal nachgesehen, die Straße hieß tatsächlich Otto-Grotewohl-Straße.
Na ja, ist ja auch schon fast dreißig Jahre her.....

Gruß an alle
Uwe


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#202

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 09.04.2015 15:31
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von diefenbaker im Beitrag #197
Hallo Uwe,

Du hast ja mehrmals den freien Blick aus Eurem Speisesaal nach Westberlin geschildert.
Das heißt doch umgekehrt, von Westberlin aus müsste das Fenster und damit auch ein Teil Eures Gebäudes zu sehen gewesen sein.
Hast Du evtl. ein Foto oder kannst eins ausfindig machen, auf dem von Westberlin aus betrachtet Euer Gebäude zu sehen ist?

Gruss Wolfgang


Hallo Wolfgang!
Dieses Video zeigt den B-Turm vor dem Reichtstag, auf dem ich vom Fenster des Speisesaals geschaut habe. Bei 1:10 siehst du dann auch die -Wache Mitte- inklusive des Fensters.


Bei dem Gebäude vor der Wache, handelte sich meines Wissens nach um den Sitz der DDR-Plattenfirma "Amiga".

Gruß an alle
Uwe


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#203

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 09.04.2015 15:31
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von GZB1 im Beitrag #198
@ABV hieß die frühere und jetzige Wilhelmstr. zu DDR-Zeiten nicht Otto-Grotewohl-Str.?

Die Botschaft der Schweden war, neben einigen anderen, im Neubaukomplex Nr. 3a.
(Afghanistan, Griechenland, Pakistan, Philippinen, Portugal, Simbabwe, Syrien, Zaire)

Und in der Wiener Konvention soll stehen, dass man sich Diplomatenkennzeichen nicht notieren darf?


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#204

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 09.04.2015 15:34
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #203
Zitat von GZB1 im Beitrag #198
@ABV hieß die frühere und jetzige Wilhelmstr. zu DDR-Zeiten nicht Otto-Grotewohl-Str.?

Die Botschaft der Schweden war, neben einigen anderen, im Neubaukomplex Nr. 3a.
(Afghanistan, Griechenland, Pakistan, Philippinen, Portugal, Simbabwe, Syrien, Zaire)

Und in der Wiener Konvention soll stehen, dass man sich Diplomatenkennzeichen nicht notieren darf?




Rotmark
Nein! Die " Wiener Konvention" garantiert den Diplomaten aber uneingeschränkte Freizügigkeit! Dem widersprach, dass die Posten des WKM die An und Abfahrtszeiten einiger bestimmter Diplomaten, hauptsächlich Botschafter, notierten und weitermeldeten.
Dem widersprach auch, dass die Posten den Auftrag hatten das Personal nach Informationen "abzuschöpfen".

Gruß an alle
Uwe


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#205

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 09.04.2015 17:35
von Alfred | 6.841 Beiträge

Das notieren von entsprechenden Zeiten schränk doch die Freizügigkeit nicht ein.


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#206

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 09.04.2015 17:43
von Pit 59 | 10.131 Beiträge

Alfred,Du hattest doch bestimmt einen solchen Pass ? lege Ihn mal neben das Telefon als Beweis


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#207

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 10.04.2015 08:07
von GZB1 | 3.286 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #204
Zitat von ABV im Beitrag #203
Zitat von GZB1 im Beitrag #198
@ABV ...
Und in der Wiener Konvention soll stehen, dass man sich Diplomatenkennzeichen nicht notieren darf?




Rotmark
Nein! Die " Wiener Konvention" garantiert den Diplomaten aber uneingeschränkte Freizügigkeit! Dem widersprach, dass die Posten des WKM die An und Abfahrtszeiten einiger bestimmter Diplomaten, hauptsächlich Botschafter, notierten und weitermeldeten.
Dem widersprach auch, dass die Posten den Auftrag hatten das Personal nach Informationen "abzuschöpfen".

Gruß an alle
Uwe


Freizügigkeit ist das Recht sich dahin zu begeben wohin man möchte, und diese ist den Diplomaten durch Notierung Weitermeldung ihrer KFZ-Kennzeichen nicht verwehrt worden.

Die überweigende Mehrzahl des DDR-Personals der ausländischen Botschaften in der DDR wurde wohl vom Dienstleistungsamt für ausländische Vertretungen gestellt und war handverlesen, soviel zum abschöpfen.

Im Übrigen sind Diplomaten dazu da öffentliche und wenn möglich auch inoffiziell zugängliche Informationen des Gastgeberlandes abzuschöpfen. Das ist ihr Tagesgeschäft. Aus diesem Grunde kennen sich diese mit Informations-Abschöpfungen ziemlich gut aus. Und wenn ein Wachposten mit ihren Mitarbeitern mal einen Schwatz hält ist das sicher auch von den Diplomaten registriert worden, mit entsprechenden Hinweisen. Dies verstößt jedoch nicht gegen die Wiener Konvention, nicht mal gegen zwischenmenschliche Beziehungen.


Dennoch lese ich deine Geschichten gern @ABV


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zuletzt bearbeitet 10.04.2015 08:39 | nach oben springen

#208

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 10.04.2015 16:10
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

An den überbordenden Vorsichts- und Überwachungsmaßnahmen des Osten erkennt man sehr gut, wie die selber bei den anderen vorgegangen sind. Das verrät den Geist dahinter.


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#209

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 10.04.2015 18:44
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Zkom IV im Beitrag #199
Hi Uwe,

gerade aus dem Dienst nach Hause.....und Blick ins Forum.
Ah, eine neue Fortsetzung vom Uwe.

Gleich gelesen bei einem Feierabend Bier.
Und wieder sehr gute Unterhaltung.
Besonders die Stelle mit der Ansage des Kollegen zum Westfernsehen und as anschließende Saufgelage hat mich amüsiert.
Für mich immer wieder interessant der Unterschied zwischen offizieller Meinung und den wirklichen Gedanken der Menschen seinerzeit.

Hier Politunterricht und die immer wiederkehrenden Phrasen und auf der anderen Seite Westfernsehen und meckern über die SED.
Stelle dabei immer wieder fest, soviel Unterschiede gabs zwischen Ost und West gar nicht.

Vielen Dank für diese vielen kleinen Einblicke, die einem sonst verborgen geblieben wären.
Freue mich auf weitere Fortsetzungen.

Gruß in den Oderbruch.
Frank


Richtige " hammerharte Kommunisten" sind mir zu jener Zeit kaum begegnet. Weder beim WKM, noch später im VPKA Seelow. Vielmehr war es stets so, dass im Gespräch untereinander etliche kritische Töne anklangen. Es kam sogar mehr als einmal vor, dass man sich über gewisse "Rituale und Stereotypen" in der SED bzw der DDR, lustig machte. Ja selbst die jungen Bengels vom MfS, die im Bereich der Botschaften Dienst verrichteten, trugen kleine Radios bei sich, aus denen das Musikprogramm von " Rias 2" dudelte.
Dennoch funktionierte wohl der überwiegende Teil bis zum Herbst 89.
Auch innerhalb der Sicherheitsorgane gab es das Phänomen " des zweiten Gesichtes", der offiziellen und inoffiziellen Meinung. Wobei die inoffizielle die richtige, echte Meinung war. Und sich hinter der offiziellen, zumindest in den meisten Fällen, nichts weiter als reine Gefälligkeitsäußerungen verbargen. Man sagte eben das, was der andere hören wollte. Punkt aus!

Gruß an alle
Uwe


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#210

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 18.04.2015 15:44
von ABV | 4.202 Beiträge

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus


Das Ende meines Praktikums rückte immer näher. Leutnant Schöning äußerte eines Tages nebulös „ dass in dem Jahr alle Praktikanten im Anschluss an ihr Praktikum nach Pankow versetzt werden.“

Diese Nachricht sorgte sofort für tiefen Unmut. Pankow galt innerhalb des WKM als „ tiefste Provinz“. Jwd, janz weit draußen, wie der Berliner zu sagen pflegte.

Schöning bemühte sich jedoch aus Leibeskräften die Wogen zu glätten: „ Ich werde um jeden einzelnen Genossen kämpfen! Ihr habt euch bewährt und werdet auch weiterhin hier gebraucht! Das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch die des Wache-Leiters. Also lasst den Kopf nicht hängen, wir bekommen das schon hin.“

Markige Worte, denen wir nur zu gerne Glauben geschenkt hätten. Zu einem gewissen Teil verfehlten sie ihre Wirkung nicht. Meinem aufmerksamen Blick war jedoch nicht verborgen geblieben, dass der sonst so selbstsichere Offizier beim Reden, gegen seine sonstige Gewohnheit, die Augen starr auf dem Boden richtete. So wie ich es früher tat, als ich meinen Eltern vorgaukelte, dass die Mathematikarbeit noch immer im Schubfach des Lehrertisch liegt. Statt ihnen die Fünf zu beichten.

„ Goldi“ versuchte mich ebenfalls aufzurichten: „ Was der Leutnant verspricht, dass hält er auch! Außerdem hat der Alte“, er meinte den Wache-Leiter, „ einen guten Draht nach Kaulsdorf.“

„ Ist es in Pankow wirklich so schlimm?“, erkundigte ich mich bei meinem Lehrwachtmeister. Berlin war für mich Berlin! In meiner dörflichen Naivität konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es zwischen Berlin-Mitte und Berlin-Pankow gravierende Unterschiede gibt.

Grüblerisch zündete sich der VP-Meister eine Zigarette an. „ Was heißt schlimm? Du musst dort genauso deinen Mann stehen wie hier“, antwortete er salomonisch. „ Außerdem bin ich noch nie aus dem Bereich der Wache Mitte herausgekommen.“

Andere Polizisten hielten dagegen weniger hinter dem Berg: „ Pankow ist das allerletzte! Kotzlangweilig und stupide. Manche Objekte befinden sich dort in Mitten von Kleingartenanlagen. Stell dir mal vor, du siehst den ganzen Tag nichts anderes als Gartenpieper und Gartenzwerge. Für mich wäre das ein Kündigungsgrund!“, brabbelte ein Hauptwachtmeister.

Ich hielt das für die üblichen Übertreibungen eines Großstädters. Trotzdem behagte mir der Gedanke die „ Berlins tobende Mitte“ bald zu verlassen, ganz und gar nicht.

Wie mir „ Goldi“ später anvertraute, herrschte im Bereich der Wache Pankow tatsächlich ein hoher Bedarf an neuen Mitarbeitern. Das war einerseits der Tatsache geschuldet, dass sich das Gros der diplomatischen Einrichtungen, Botschaften, Residenzen sowie von Diplomaten genutzte Wohnungen, tatsächlich im „Randbezirk“ Pankow angesiedelt worden war. Andererseits herrschte in der – Wache Pankow“ eine ungewöhnlich hohe Fluktuationsrate. Die sich in etlichen Versetzungs und Entpflichtungsgesuchen, sowie Entlassungen aus „ disziplinarischen Gründen“, wiederspiegelte.

Goldi kratzte sich am rechten Ohr und sagte „ Ich denke mal, dass man deshalb verstärkt junge motivierte Wachtmeister nach Pankow beordert. Einfach um endlich einen vernünftigen Mitarbeiterstamm aufzubauen.“
Mittlerweile kannte ich den VP-Meister gut genug, um zu wissen, dass er das gesagte selbst nicht glaubte. Er wollte mich einfach nur aufmuntern. „ Zerbreche dir nicht zu sehr den Kopf über Pankow, verlasse dich lieber auf Leutnant Schöning“!

In den letzten Märztagen verschärfte sich von einem Tag auf den anderen die Sicherheitslage an den diplomatischen Objekten. Die drohende Versetzung geriet zeitweise völlig in den Hintergrund:

Bei der Einweisung zum Spätdienst betrat Schöning zusammen mit einem mir bislang nicht bekannten Hauptmann den Raum. Schöning übergab dem Hauptmann sofort das Wort. Der Hauptmann, ein drahtiger Mittvierziger, trat mit federnden Schritten vor die Front. Wie ich später erfuhr, gehörte der Offizier dem Kommandostab in Kaulsdorf an.

„ Genossen Wachtmeister und Offiziere, ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ein besonderer Grund vorliegen muss, wenn sich ein Faultier wie ich extra vom Schreibtisch wegbewegt.“
Sekundenlang wartete der Hauptmann die Wirkung seines „ Gags“ ab, ehe er zum Punkt kam:
„ Den Sicherheitsorganen liegen ernstzunehmende Hinweise auf einen in den kommenden Tagen stattfindenden Anschlag auf eine Einrichtung der USA in Berlin vor. Wir wissen jedoch nicht, ob damit Berlin-West oder die Hauptstadt der DDR gemeint ist. Diese Hinweise wurden an die entsprechenden Stellen der USA weitergegeben. Seitens des WKM und des MfS wird der Bereich der USA-Botschaft ab sofort verstärkt überwacht. Verstärkte Präsenz werden wir außerdem bis auf weiteres überall an den westlichen Missionen zeigen. Ich verlange von jedem einzelnen von ihnen eine erhöhte revolutionäre Wachsamkeit. Sollte ihnen irgendetwas nicht ganz koscher vorkommen, dann haben Sie sofort den Diensthabenden darüber in Kenntnis zu setzen. Unter keinen Umständen darf es zu einem Anschlag bei uns kommen! Der außenpolitische Schaden für die DDR wäre immens.“

Aus heutiger Sicht mutet es schon ein wenig befremdlich an, dass sich der Stabsoffizier weniger um Menscheneben oder Sachwerte, sondern einzig allein um das Image der DDR sorgte. Zumal nach einem Sprengstoffanschlag höchstwahrscheinlich auch „ eine Planstelle beim WKM frei geworden wäre“. Aber selbst dieser Umstand spielte bei den Überlegungen keine Rolle.
Für mich übrigens auch nicht-weil ich mir die Möglichkeit eines Attentates in der DDR überhaupt nicht vorstellen konnte.

„ Auf wem oder was sollen wir denn achten?“, erkundigte sich einer der Gruppenführer. Der Hauptmann überlegte kurz: „ Achtet bitte auf südländisch aussehende Personen. Die USA haben sich durch ihre verbrecherische Politik dort eine Menge Feinde gemacht.“

Zu konkreteren Aussagen ließ sich der Offizier nicht hinreißen. Schöning übernahm die übrige Einweisung, die ungewöhnlich kurz ausfiel.
In den kommenden Tagen und Nächten pilgerten ganze Kompanien junger sportlicher, Turnschuhe, Jeans und Windjacken tragender Männer an den Botschaften in Berlins Mitte vorbei. An der Neustädtischen Kirchstraße herrschte regelrechter Belagerungszustand. Posten in Uniform und Zivil behielten jeden Winkel rings um die Botschaft der USA argwöhnisch im Blick. Für den Fall der Fälle standen in Nebenstraßen Mannschaftransporter inklusive eines Eingreiftrupps bereit.

Wie erwartet, geschah zunächst nichts. Dann ging eines Nachmittags ein Funkspruch des Diensthabenden ein, der alle Posten sofort ans Telefon im Wachhäuschen rief: Wir sollten unbedingt auf einen dunklen PKW mit (West)-Berliner Kennzeichen achten. Dieser PKW wäre mit mehreren arabisch aussehenden Männern besetzt. Wenn dieser PKW bei euch auftaucht, dann meldet dieses bitte unverzüglich unter Angabe des konkreten Kennzeichens, des PKW-Typs und der Anzahl der Personen. Das Fahrzeug und dessen Insassen sind nicht zu kontrollieren! Ich wiederhole: Fahrzeug und Insassen sind nicht zu kontrollieren! Habt ihr das verstanden?“

„Goldi“, der die Meldung entgegen genommen hatte, stieß einen leisen Pfiff aus. „ Da ist die Kacke wohl tatsächlich verdammt am Dampfen.“ Wir gingen vor zur belebten Leipziger Straße. Auto an Auto rollte an uns vorbei. „ Falls die Karre über die GÜST Zimmerstraße einreist, dann kommt die hier zuerst vorbei“, meinte der VP-Meister.

Ich hatte den Zusammenhang noch immer nicht verstanden: „ Denken die etwa das die Typen hier eine Bombe hochgehen lassen könnten?“ „ Ja, dass die denken sie“, bestätigte „ Goldi“.

„ Möglicherweise betreiben die Araber auch nur Aufklärung zur Vorbereitung eines Anschlags. Was weiß ich denn!“ „ Warum lässt man uns eigentlich immer so im Dunkeln tappen. Ich meine, ähm, die wissen doch mehr.“ Goldi kniff die Lippen zusammen, dass sie am Ende wie ein einziger Strich aussahen. „ Jeder hat nur so viel zu wissen…..“, „ wie er für die Durchführung seines Dienstes unbedingt benötigt“, beendete ich den Satz. Grinsend tippte mir der VP-Meister den Zeigefinger der rechten Hand gegen die Brust: „ Ich sehe Uwe, wir verstehen uns.“
An diesem Nachmittag tauchte der ominöse PKW im gesamten Bereich der Wache Mitte nicht auf. Jedenfalls kann ich mich an eine anders lautende Mitteilung nicht erinnern.

Wenige Tage später explodierte in der von US-Soldaten frequentierten Westberliner Diskothek „ La Belle“ ein drei Kilo schwerer Sprengsatz. Drei Tote, achtundzwanzig Schwerverletze, zweihundertfünfzig leichtverletzte Diskobesucher und ein immenser Sachschaden-über diese Bilanz freute sich im Wachkommando Missionsschutz meines Wissens niemand. Da ich selbst noch im Alter war das einen Diskothekenbesuch rechtfertigt, ohne mit „ Opa was willst du hier“ bedacht zu werden, fühlte ich durchaus mit den Opfern. Dennoch breitete sich der Nachricht über das erwartungsgemäß in Westberlin stattgefundene Attentat, allgemeine Erleichterung aus.
Die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen konnten nach und nach zurückgefahren werden. Im Augenblick ahnte noch niemand, dass uns „ La Belle“ und dessen Folgen noch viele Monate beschäftigen und den größten Sicherungseinsatz in der Geschichte des WKM auslösen werden.
Ein weiteres Großereignis warf seinen unübersehbaren Schatten voraus: der XI. Parteitag der SED. Möglicherweise mein letzter Einsatz in der Wache Mitte, da kurz darauf mein Praktikum endete.

Und dann…..? Tapfer schob ich den Gedanken zur Seite. In einer der folgenden Nachtschichte musste ich im Zellenbereich wieder einen „ zur Klärung eines Sachverhaltes zugeführten Bürger der DDR“ beaufsichtigen. Der Mann kam jedoch nicht in die Zelle, wir saßen uns auf Stühlen die ganze Zeit gegenüber.

Verstohlen nahm ich mein Gegenüber in Augenschein: 1, 75 m groß, schwarze Haare, schwarzer Schnauzbart. Seine kräftige Gestalt steckte in einem graugrünem Hemd und einer abgetragenen Jeanshose.

Selbst aus der Entfernung mehrerer Meter konnte ich die von ihm ausgehende Alkoholfahne mühelos wahrnehmen. Bier gehört nun einmal zu den Getränken, dass viel besser schmeckt als es riecht.
„ Eh, Du weißt du warum ich hier bin?“, wurde ich von dem „Zugeführten“ gefragt. Automatisch hob ich die Schultern. Schließlich wusste ich es wirklich nicht.

„ Eines äußerst schweren Verbrechens wegen“, die Stimme des Mannes dröhnte regelrecht vor Wut, „ ich war heute eine Molle zischen.“ „ Das ist nicht verboten“, erwiderte ich knapp. Der Schnauzbärtige warf mir einen zornigen Blick zu. „ Deswegen bin ich auch nicht hier.“ „ Sondern?“, „Sondern, weil ich auf dem Heimweg an der Hannoverschen Straße vorbei gekommen bin. Dann habe ich deine Genossen vor der Ständigen Vertretung stehen sehen und einmal ganz laut da steht Honeckers Prätorianer-Garde gerufen. Kurz vor meiner Haustür haben mich dann die Bullen getatzt und hierher verschleppt.“

Kommentarlos nahm ich das eben Gehörte zur Kenntnis. „ Du siehst so aus, als wärst du noch nicht lange dabei. Wie kommt ein junger Mann auf die Idee, sich für solch einen Scheiß-Staat herzugeben? Bist nur zu faul oder zu dämlich zum Arbeiten, total überzeugt oder einfach nur bescheuert?“

„ Vorsicht“, zischte ich leise, eher aufgeregt als bedrohlich. „ Was willst du denn machen? Mich mit deinem Knüppel windelweich schlagen? Das könnt ihr doch am besten ihr Diener eines kranken paranoiden Systems. Oder willst du mir im Ernst einreden, dass mich die Polizei in der Bundesrepublik einsperren würde, bloß weil ich sie als Kohls Prätorianer-Garde betitele?“

„ Warum nicht?“, gab ich zögernd zur Antwort. Ohne davon überzeugt zu sein. Ich fühlte mich zunehmend unwohl. Sagte der Mann überhaupt die Wahrheit, oder unterschlug er die Hauptsache?

Ich wusste aber auch, dass Leute bereits wegen viel weniger im Umfeld der „ StÄV bzw dem „ Objekt 80“ festgenommen wurden. Darunter Mitarbeiter des WKM die sich einen Joke machen wollten, vor dem Eingang der „StÄV“ interessiert die Hälse reckten, zögernd stehen blieben und dann weitergingen.

Der Mann gab jedenfalls nicht auf mich zu „ missionieren“. Mehr oder weniger wortlos hörte ich ihm zu. „ Eh, du höre auf bei dem Verein! Junge, du bist anders als die anderen hier. Du bist keiner von denen, das spüre ich doch.“

In vielen gab ich dem Betrunkenen sogar Recht. Auch wenn es seltsam klingen mag: ich ärgerte mich über mich selbst! Weil mir die Argumente fehlten, um den Mann in die Schranken zu weisen.
Ich belog mich in diesem Moment selbst, wollte die Wahrheit einfach nicht an mich heranlassen. Weil die einzige Konsequenz tatsächlich darin bestehen würde, „ bei dem Verein aufzuhören.“

Aber geht es nicht wirklich zu weit, einen Betrunkenen festzunehmen, nur weil er Polizisten als Prätorianer betitelt hatte? Mussten sich meine Helden von einst, die TV-Polizisten Starsky & Hutch, nicht ganz andere Dinge an den Kopf werfen lassen? Den beiden coolen Typen konterten jedes Mal mit einem nicht minder coolen, witzigen Spruch. Damit war die Situation zu ihren Gunsten entschieden. Der Volkspolizei würde eine Portion Humor sicher gut tun.

Aber das behielt ich für mich. Aus Feigheit, aber auch weil ich selbst nicht mehr wusste, was in diesem Staat richtig oder falsch war.
Erneut wiederholte der Betrunkene, „ dass ich anders als die anderen Bullen sei.“

Wirklich? Kann man das überhaupt für sich selbst einschätzen?

Immerhin, auch ich verspürte zuweilen Gefallen an der Arroganz der verliehenen Macht. Kurz zuvor fand in einer Einrichtung des Ministerrates, an der Straße „ Unter den Linden“, unweit des Brandenburger Tors, eine Feier der „Wache Mitte“ stand. Den Kellnern stand der Unwille an Stelle prominenter Politiker namenlose Polizisten bedienen zu müssen, tief ins Gesicht geschnitten. An diesem Abend trank ich meinen ersten und letzten Whisky meines Lebens. Das Zeug schmeckte wie „ eingeschlafene Füße“. Obwohl es sich, angeblich, um einen Tropfen „ vom Klassenfeind handelte“.

An diesem Abend gab es noch viel mehr zu trinken, was mir fatalerweise viel besser schmeckte als das angebliche Kultgetränk. Gegen Mitternacht stolperten wir sturzbesoffen zum Bahnhof Friedrich-Straße. An der frischen Luft verspürte ich sofort ein so genanntes „ menschliches Bedürfnis“. Was Mitten in Berlin zu einem echten Problem ausarten kann.

In meinem Blutkreislauf „schwammen“ gefühlte drei Promille Alkohol. Um wie viel es sich wirklich handelte, spielt eher eine untergeordnete Rolle. Das „ Beeile dich gefälligst“ meiner vorauseilenden Begleiter im Ohr, verschaffte ich mir an der nächst besten Stelle Erleichterung. Ob es wirklich die beste Stelle war, darüber lässt sich streiten.

Auf jeden Fall handelte es sich um eine Stelle, an der man weder als Volkspolizist, normaler DDR-Bürger oder Tourist pinkeln sollte-die Berliner Mauer. Weil einem derartige Ferkeleien sofort als politische Demonstration ausgelegt werden konnten.
Für derartige Überlegungen fehlte mir die Zeit. Aus den Augenwinkeln bemerkte ich eine Streife der Grenztruppen, die mich aus ihrem Fahrzeug heraus beobachteten.
„ Was machen Sie denn da?“, ertönte eine militärisch geformte Stimme aus dem Dunkeln. „ Nach was sieht es denn wohl aus?“, brabbelte ich albern grinsend.

Unter Ignorierung der Grenzer wollte ich meinen Weg fortsetzen. Da ertönte die voluminöse Stimme erneut: „ Halt Stehenbleiben!“
Ach leck mich doch am Arsch, dachte ich und wollte meinen Kumpels hinterher. Als nächstes hörte ich wie das Grenztruppenfahrzeug heranpreschte. Ein drahtiger Feldwebel, offenbar der „Schreihals“ von eben, jumpte aus der Karre, baute sich vor mir auf und blaffte: „ Ausweis, aber schnell!“

Normalerweise wäre ich jetzt ganz doll erschrocken gewesen. Aber wie gesagt: ich hatte einiges „ Intus“, außerdem stach mich der Hafer. Und da war wohl noch etwas in mir, was ich vorher nie verspürt hatte: das Gefühl von Macht und Überlegenheit.
Selbstsicher fingerte ich meinen Dienstausweis aus der Innentasche der Jacke, klappte ihn auf, hielt ihn den Feldwebel unter die Nase, um nicht minder laut: „ Reicht das, Genossen?“ zu brüllen.

„ Ja, natürlich. Alles in Ordnung Genosse“, wiegelte der Feldwebel sofort ab. Die Grenzer hielten mich wahrscheinlich für einen MfS-Mitarbeiter. Ich hatte deren oftmals überhebliches Verhalten gegenüber den Einlassposten in der – Wache Mitte“ zur Genüge kennen gelernt und imitiert.
Aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Verliehene Macht, selbst wenn sie lediglich auf einem Dienstausweis basiert, kann verdammt verführerisch sein.


Fortsetzung folgt

Gruß an alle
Uwe


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IM Kressin, Elch78, Lutze, Harzwanderer, Kalubke, Zkom IV, kassberg, Rothaut und EK87II haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#211

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 18.04.2015 16:48
von Lutze | 8.033 Beiträge

Ein Glück,das du deinen Dienstausweis mit hattest,
vielleicht hätte ein Kollege von dir wegen
Klärung eines Sachverhaltes auf dich aufpassen müssen
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#212

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 18.04.2015 17:40
von Zkom IV | 320 Beiträge

Hi Uwe,

wäre interessant zu wissen, ob diese Info über den geplanten Anschlag wirklich an die Amis weitergegeben wurde.
Durchaus denkbar, dass ein solcher Hinweis nicht an die entsprechenden US Stellen weitergeleitet wurde, was meiner Meinung nach
eine riesen Sauerei gewesen wäre.

Ich kann mich erinnern, dass dieser Anschlag in West-Berlin viel Verunsicherung ausgelöst hat. Auch bei mir, auch wenn ich nie ein Disco Gänger war.
Man dachte damals immer solche Anschläge passieren überall, nur nicht in Berlin.......und dann das.

Habe später hier auf dem Abschnitt noch mit Kollegen sprechen können, die damals mit vor Ort waren, das La Belle befand sich in der Hauptstraße
in Schöneberg. Sie berichteten von fürchterlichen Bildern und unvorstellbarer Verwüstung.
Ein feiger und hinterhältiger Anschlag.

Ich hoffe zutiefst das diese Stadt von solchen Katastrophen verschont bleibt, aber das wird wohl ein Wunsch bleiben.

Gruß Frank



seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#213

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 18.04.2015 18:14
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Ich hatte am nächsten Morgen zufällig arbeitsmäßig auf einem Marktplatz in der Nähe zu tun, nur etwa einen halben Block von der Stelle des LaBelle-Anschlags entfernt. Kann mich noch an die Lazarettflugzeuge der Amerikaner erinnern, die darüber hinweg nach Tempelhof eingeschwebt sind, um die vielen Verletzten abzuholen. Auch die dort verletzten deutschen Zivilisten haben dafür ausnahmsweise das "Purple Heart"-Verwundetenabzeichen des US-Militärs gekriegt. Mit Militärs insgesamt 53 Leute.


Hier noch die amerikanische Militärzeitung von damals dazu:
http://www.theberlinobserver.com/archive..._n21_may_30.pdf

Die Amerikaner haben als Vergeltung für LaBelle Luftangriffe auf Libyen geflogen. Sie hatten die chiffrierten Funksprüche mit Glückwunsch an die libysche Botschaft in Ost-Berlin nach dem Anschlag abgehört.
http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_El_Dorado_Canyon

Die Amerikaner haben dann ihre Einrichtungen viel stärker abgeriegelt. Vorher konnte man z.B. ins Einkaufszentrum "Truman Plaza" rein, danach kam ein Zaun drum. Und es kamen zusätzliche Truppen aus den USA mit den damals ganz neuen US-Helmen und die Amis in Berlin wurden insgesamt durchmodernisiert. Vorher sah die Ausrüstung teilweise aus, wie aus nem Vietnam-Film geborgt, alte Jeeps und so, danach war es Stand der Technik und alle wurden auf Zack gebracht.


Elch78, ABV, seaman, kassberg und diefenbaker haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.04.2015 18:41 | nach oben springen

#214

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 18.04.2015 19:06
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Zkom IV im Beitrag #212
Hi Uwe,

wäre interessant zu wissen, ob diese Info über den geplanten Anschlag wirklich an die Amis weitergegeben wurde.
Durchaus denkbar, dass ein solcher Hinweis nicht an die entsprechenden US Stellen weitergeleitet wurde, was meiner Meinung nach
eine riesen Sauerei gewesen wäre.

Ich kann mich erinnern, dass dieser Anschlag in West-Berlin viel Verunsicherung ausgelöst hat. Auch bei mir, auch wenn ich nie ein Disco Gänger war.
Man dachte damals immer solche Anschläge passieren überall, nur nicht in Berlin.......und dann das.

Habe später hier auf dem Abschnitt noch mit Kollegen sprechen können, die damals mit vor Ort waren, das La Belle befand sich in der Hauptstraße
in Schöneberg. Sie berichteten von fürchterlichen Bildern und unvorstellbarer Verwüstung.
Ein feiger und hinterhältiger Anschlag.

Ich hoffe zutiefst das diese Stadt von solchen Katastrophen verschont bleibt, aber das wird wohl ein Wunsch bleiben.

Gruß Frank


Hallo Frank!
Ob und in welcher Form der Hinweis weitergegeben wurde, kann ich nicht sagen. Aber dem amerikanischen Botschafter dürften die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen rund um die USA-Botschaft jedenfalls nicht entgangen sein. Da hätte ein Anruf beim Außenministerium der DDR genügt, um Klarheit zu erhalten. Daher gehe ich davon aus, dass die USA darüber Bescheid wusste, dass ein Anschlag geplant war.
In wie weit das MfS das konkrete Anschlagsziel bereits im Vorfeld kannte, wie im vergangenen Jahr von der Presse behauptet, kann ich ebenfalls nicht sagen. Wenn ja, dann wäre das ein Verbrechen gewesen. Vielleicht kann ja @KID mehr dazu sagen?

Viele Grüße aus dem sonnigen Oderbruch
Uwe


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#215

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 18.04.2015 20:00
von Sperrbrecher | 1.653 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #210
An der frischen Luft verspürte ich sofort ein so genanntes „ menschliches Bedürfnis“. Was Mitten in Berlin zu einem echten Problem ausarten kann.

In meinem Blutkreislauf „schwammen“ gefühlte drei Promille Alkohol. Um wie viel es sich wirklich handelte, spielt eher eine untergeordnete Rolle. Das „ Beeile dich gefälligst“ meiner vorauseilenden Begleiter im Ohr, verschaffte ich mir an der nächst besten Stelle Erleichterung. Ob es wirklich die beste Stelle war, darüber lässt sich streiten.

Auf jeden Fall handelte es sich um eine Stelle, an der man weder als Volkspolizist, normaler DDR-Bürger oder Tourist pinkeln sollte-die Berliner Mauer. Weil einem derartige Ferkeleien sofort als politische Demonstration ausgelegt werden konnten.

Ähnliches ist mir mal am Grenzübergang Checkpoint Charlie auf westlicher Seite passiert, als ich ziemlich betrunken ein menschliches Bedürfnis verspürte und mein Wasser direkt an die Mauer versprühte. Dabei befand ich mich schon auf der Friedrichstraße, ein paar Schritte jenseits des weißen Striches, also auf Ost-Berliner Gebiet.

Da tönte es schon vom Beobachtungsturm: "Verlassen Sie sofort das Territorium der Hauptstadt der DDR". Aber zahlreiche Biere brauchten eben doch ihre Zeit, um wieder abfließen zu können.

Die Aufforderung vom Turm war natürlich auch von den alliierten Posten am Checkpoint wahrgenommen worden und führte zur reger Betriebsamkeit, dann jedoch zu allgemeiner Heiterkeit, als sie den Verursacher und die Ursache dieses "Grenzzwischenfalls" ausmachen konnten.

Die Gefahr in die ich mich in meinem Suff begeben hatte, ist mir erst im nüchternen Zustand völlig klar geworden.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


zuletzt bearbeitet 18.04.2015 20:01 | nach oben springen

#216

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 18.04.2015 21:21
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #213
... Auch die dort verletzten deutschen Zivilisten haben dafür ausnahmsweise das "Purple Heart"-Verwundetenabzeichen des US-Militärs gekriegt. ...
Leicht oT, was iss'n eigentlich aus der Idee von Guttenbergs geworden ein deutsches Verwundetenabzeichen zu stiften?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#217

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 18.04.2015 21:41
von Turmwache | 293 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #216
Zitat von Harzwanderer im Beitrag #213
... Auch die dort verletzten deutschen Zivilisten haben dafür ausnahmsweise das "Purple Heart"-Verwundetenabzeichen des US-Militärs gekriegt. ...
Leicht oT, was iss'n eigentlich aus der Idee von Guttenbergs geworden ein deutsches Verwundetenabzeichen zu stiften?



Nu es fehlt noch der triftige Grund, es sind halt nur "Missionen" bzw. "Auslandseinsätze" der angekündigte WW III läßt noch auf sich warten.


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#218

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 18.04.2015 22:02
von 635 | 6 Beiträge

Ich bin zwar erst seit kurzer Zeit in diesem Forum, aber ich muss feststellen, dass alles sehr informativ ist. Besonders angetan bin ich von deiner Beschreibung deiner Dienstzeiten, besonders der in der VP, da es in vielen Punkten mit der meinigen übereinstimmt. Viele Episoden haben sich bei mir ähnlich zugetragen. Viele deiner Gedanken sind mir auch damals durch den Kopf gegangen.
Ich kann nur sagen, schreib weiter so interessante Beiträge.
Gruß
Steffen


ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#219

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 18.04.2015 23:17
von diefenbaker | 584 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #215

...
Die Gefahr in die ich mich in meinem Suff begeben hatte, ist mir erst im nüchternen Zustand völlig klar geworden.


Du warst dabei, den Weltfrieden zu gefährden! (Schäm Dich )

Klingt lustig, aber hätten Sie Dich am Arsch gehabt, hätte es so in Deiner Akte gestanden.

Gruss Wolfgang



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#220

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 19.04.2015 19:02
von KID | 234 Beiträge

@Harzwanderer Ich meine es nicht falsch, doch ich glaube nicht, dass die Purple Heart-Auszeichnung an deutsche Zivilisten verliehen wurde. Das ist 100% gegen die Vorschrift. Verwundet im Kampfeinsatz gegen den Feind ist die Grundvoraussetzung. Es gab zum Beispiel eine sehr grosse Auseinandersetzung mit dem Defense Department, um die Verleihung der Medaille fuer Opfer/Verwundete des Anschlages durch den muslimischen Offiziers in Fort Hood in Texas. Die Medaillen sind erst vorletzte Woche genehmigt worden - als Ausnahme.

Ich sage Folgendes zum Thema "LaBelle":

1. Die Aktion war eine Falsche Flagge-Aktion des israelischen Geheimdienstes.
2. Nur weil einer im lybischen Volksbuero taetig war, bedeutet das lange nicht, das er IM AUFTRAG des lybischen Volksbueros taetig war. (Genau wie ich damals im Auftrag des MfS auf Marienfelde tateig war...)
3. Die Abhoeraktion gegen das Volksbuero war Teil des Planes des Mossad, wobei sehr wenig eigentlich von den USA abgehoert wurde. Vielmehr wurde einen sporadischen unplanmaessigen verschluesselten Funkverkehr zwischen Lybien und Ost-Berlin registriert, vor und nach LaBelle. Das waere unter normalen Umstaenden vielleicht ein Indiz fuer solche Aktivitateten... wenn dieser Funkverkehr nicht gerade von israelischer Seite stammten. Schon vor dem 'Attentat' liess Mossad geheime Sonden in den Kuestengebieten Lybiens verstecken. Diese wurden nach Bedarf und auf Befehl Tel Avivs 'aktiviert; um 'merkwuerdigen Funkverkehr' zu simulieren.
4. Der franzoesische Geheimdienst wusste durch einen eigenen Maulwurf in Israel von dieser Aktion, wollte aber die wertvolle Quelle nicht preisgeben. Aus diesem Grunde, und ohne eine sonst glaubhafte Erklaerung fuer die NATO, lehnte damals die franzoesische Regierung den Ueberflug US-Amerikanischer Kampfflugzeuge ab. Was damals unerklaerich erschien, ist heute verstaendlich.

Wie die nette Richterin Judge Judy sagt: "Macht es keinen Sinn, dann steckt wohl eine Luege drin!"

Jens


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