#1

Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 27.01.2015 00:04
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hallo,
was gab es denn gar mit welchen Strafverfahren an Korruption in der DDR, also tatsächlich persönlicher Bereicherung?

Nicht als Bereicherung würde ich ansehen wenn Fliesen für die Küche des Waschgerätewerkes Schwareznberg schneller kamen weil eine Waschmaschine "vor Plan" aber bezahlt an die Küche des Fliesenwerkes ginge für deren Berufskleidung, fiktives Beispiel. Wenn die Waschmaschine dort ohne Rechnung einem Betriebsökonom ins Haus gebracht wurde, das wäre Korupption mit Bereicherung nach meiner Meinung.

War das in der DDR ein Problem gegenüber dem was man heute aus Russland und anderswo hört?



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#2

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 14:00
von Commander | 1.055 Beiträge

Hallo SET800,
ich habe eine Geschichte aus der SBZ vom Jahre 48.
Kleine Erklärung dazu.Meine Fam.hat 27 Jahre (seit 1961)in einer Villa eines Meeraner Textilfabrikanten(Rudolf B.) gewohnt.Ihn habe ich nicht mehr gekannt(1962 verst.),aber meine Mutter hat seine Frau bis 1975 betreut.Ich habe sie als liebe "Omi" in Erinnerung.
Nun zur Sache.Es gab 1948 ein Strafverfahren in Meerane wegen angeblicher Korruption.Aber,eine Bereicherung der Angeklagten wurde von den Anklägern konstruiert.Es lief so ab,wie Du es im 2.Abschnitt beschrieben hast.Es waren Kompensationsgeschäfte,die den Arbeitern ein erträglicheres Leben ermöglichen sollten.Nur haben diese Geschäfte die "bösen Kapitalisten" (damals waren fast alle Textilbetriebe noch in priv.Besitz)getätigt.Dies aber mit Zustimmung des sächs.Wirtschaftsministeriums.
Ich stelle mal zwei Links ein,die können das besser darstellen.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44419428.html

http://www.zeit.de/1998/49/In_Stalins_Namen

Ich denke,es passt zum Thema,
schönen Tag,Gruß C.



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#3

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 14:29
von DoreHolm | 7.687 Beiträge

Hatte vor einiger Zeit schon mal was aus den Erzählungen und den Memoieren meines Vaters dazu geschrieben. Will es in kurzen Worten hier noch mal darstellen. In seinem Kombinat, in dessen Leitung er war, ging es um den Einkauf von Spritzgußmaschinen für PU-Hartschaum-Möbelteile. Es kamen mehrere Lieferanten in Frage. In der Leitungsebene waren einschl. Kombinatsleiter einige Leiter dem Angebot eines der möglichen Lieferanten erlegen, hier mit privaten Zuwendungen in einiger Größe die "Entscheidungsfindung" etwas zu beschleunigen. Da mein Vater zu erkennen gab, daß er dieses Spielchen nicht mitmacht, wurde er bei allen folgenden "Verhandlungen" nicht hinzugezogen. Gut, er hätte es erzwingen können und er hätte auch Strafanzeige stellen können, hat er aber nicht gemacht, weil ansonsten ein gutes Verhältnis zwischen den Leitern herrschte. Jedenfalls kam die Sache dann doch irgendwie an´s Licht und die Staatsanwaltschaft einschl. der entsprechenden Abteilung des MfS beschäftigten sich damit. Ich müßte noch mal nachlesen, wie es ausging, aber wimre erfolgten vereinzelt Degradierungen und finanzielle Strafen. Alle abzulösen wäre wohl wenig sinnvoll gewesen, weil diese Leiter ansonsten eine erfolgreiche Firmenpolitik machten, d.h. schwarze Zahlen und viel NSW-Export. Von sog. Kompensationsgeschäften schrieb er auch manchmal. Da wurde schon mal eine Couchgarnitur für den Klubraum eines Lieferanten locker gemacht, wenn im Gegenzug dafür andere Dienstleistungen oder Materialien kamen. Wenn Möbel an Privat gingen, z.B. den Verkäufer oder Leiter einer Firma, von der mein Vater andere Leistungen wollte, dann wurden diese Möbel ordnungsgemäß bezahlt. Auch ich als Sohn und frisch verheiratet hatte davon zwei mal profitiert. Als Schlafzimmerschrank bekam ich das Messemuster (Furnier Finnische Birke), welches sowieso nicht mehr für den öffentlichen Verkauf geeignet war, natürlich mit Preisnachlass, da schon tausendmal betatscht. Eine Couch bekam ich auch einmal und ich sollte diese ganz normal bezahlen. Mein Vater hat mehrfach in der entsprechenden Verkaufsabteilung angemahnt, daß die mir doch endlich mal die Rechnung schicken sollen. Es passierte einfach nichts. Mein Vater hat dann irgendwann nicht mehr gefragt und nur gemeint, daß die wahrscheinlich gar nicht mehr in den Büchern vorhanden ist. So verlief das im Sande. So, mal sehen, ob mir oder meinem alten Herrn hier von Korinthenkackern wieder was angekreidet wird.
Ach ja, im Kleinen: Der Chef meiner Reparaturwerkstatt (Trabant Gitter, EF-Linderbach) sprach mich eines Tages an: "Du, horsche mal, Du arbeitest doch in der Schuhchemie ?". Ja, klar. "Kannst Du mir mal einen Kübel Chemiplast 1302 besorgen und einen Karton Chemiplast 1602-Dichtungsband ? Na klar, kann ich. Wir haben einen Kleinverkauf, ich habe das gekauft und ihm hingebracht. Weiß aber nicht mehr, ob er mir das bezahlt hat oder ob ich es ihm schenkte, aber ich denke doch, da es etliche Kg waren, daß er es bezahlte. Fortan konnte ich immer kommen, wenn mit dem Trabi was war und er hat mich nicht lange warten lassen. Über den normalen Weg über den KfZ-Zulieferhandel oder wie das hieß, bekam er nicht so viel, wie er brauchte.



zuletzt bearbeitet 28.01.2015 14:33 | nach oben springen

#4

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 14:52
von Rüganer (gelöscht)
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Alle ehemaligen Leiter aus der Ex-DDR können davon wohl ganze Lieder singen, mitunter wurde man auch erwischt, mitunter wurde auch bestraft, ohne aber zu sagen, wie es denn anders hätte gehandhabt werden sollen.
Der B1000 der Hauptmechanik, mit dem täglich gefahren wurde, musste dringend instand gesetzt werden. Keine Chance auf offiziellem Wege. Alle Termine waren für Monate vergeben, Ersatzteile - nicht dran zu denken. Durchsickern ließ man seitens der Werkstatt in Berlin wohl, dass man ja nach Feierabend was machen könne, Zielprämie 2000,00 Mark der DDR.
Diese 2000 Mark wiederum ließen sich nicht offiziell beschaffen, jedenfalls fand der damalige Hauptmechaniker den Weg - Prämienfonds. Vertrauenswürdige Kollegen erhielten eine Prämie, von der sie einen kleinen Betrag behalten durften, der Rest ging in die Sparschwein B 1000. Der wurde dann in Berlin einer Grundinstandsetzung unterzogen und alles war solange gut, bis in Neuruppin wegen anderer Dinge die Kripo ermittelte und unter anderem eben auch diese 2000 Mark in das Spiel kamen.
Der Hauptmechaniker wurde seines Postens enthoben, erhielt eine Bewährungsstrafe und wurde Sachbearbeiter in der Produktion.


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#5

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 15:03
von Rüganer (gelöscht)
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Im Übrigen, wo beginnt Korruption?
Ist die Sachbearbeiterin am Schalter der Ersatzteilversorgung schon korrupt, wenn sie Pralinen, frische Eier, Bückling und Räucheraal entgegen nimmt und dafür die Spender bevorzugt?
Man muss sich doch in die Zeit damals zurück versetzen, heute kauft man so etwas vielleicht im Internet, früher zu DDR - Zeiten hat man angestanden, am zuständigen Handel. Wenn der auf Rügen bekannte Eisenwarenhändler König in Putbus Nusskästen herangeschafft hatte, dann half es schon, dort in angenehmer Erinnerung zu sein, dann machte er auch mal die Tür zu diesen Schätzen auf seinem Hof auf. Ansonsten sah man die nicht und dann gab es die gerade auch nicht.
Ist es schon Korruption, wenn der Verkäufer von Kfz- Ersatzteilen sich die Kupplung und Ersatzteile vom Wartburg beiseite gelegt hatte, damit er an der Ostsee bei Fischer Flunder seinen Platz immer bekam und auch mit an der Räuchertonne sitzen und essen durfte?
Diese Dinge sind auch nie bestraft worden, solange sie im Rahmen blieben und keiner mit seinen Kanälen hausieren ging. Letztendlich hätte er sich doch damit nur selbst geschadet.


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#6

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 15:06
von Pit 59 | 10.131 Beiträge

Die Zuteilung von Diesel war auch so ein Problem der Sozialisten.Wie sollte man Material u.s.w. besorgen wenn sich die Räder nicht drehen konnten.
Wir haben das Problem gelöst in dem wir Petroleum zugemischt haben,das gab es ohne Ende.Alle Dieselfahrzeuge liefen bei uns so.


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#7

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 15:25
von damals wars | 12.130 Beiträge

Diesel wurde doch bei den Freunden im Tausch gegen Sprit besorgt.
Wer erinnert sich noch an die Tankwagenkolonnen der CA?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#8

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 15:33
von Gelöschtes Mitglied
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Wer zu DDR -Zeiten mit der Planung -Leitung von Industriebereichen zu Tun hatte , der kann ein Lied davon singen , wichtig war in erster Linie jemanden zu kennen , der in bestimmten Bereichen Verantwortung hatte. Bei mir in der Firma war es so , ab Meister hatte man die Befugnisse mit einen Auftragsblock der mit einer Nummerierung vom Chef Materialversorgung an dem Befugten gegen Unterschrift ausgehändigt wurde. Materialien zu kaufen und Reparaturaufträge an dritte zu erstellen.
Damit konnte man dann in dann in der Volkswirtschaft, Materialien einkaufen und auch Reparaturaufträge erteilen .
Sogar Übernachtungen in Hotels (wen vorhanden ) konnte man damit tätigen.
Kam dann die Rechnung in die Firma , wurde sie in der Buchhaltung mit einer Rechnungsnummer versehen und sie ging wieder zu dem Auftraggeber in der Firma . Er zeichnete sie als richtig gegen und somit waren alle Türen und Tore für Korruption und sonst noch was geöffnet .
Wer wie ich viel mit dem Chef von Materiallager unterwegs war , der lernte hier und dort in den anderen Firmen die Verantwortlichen kennen .So baute sich jeder seine Beziehungen zu einander auf .

Sogar die Polizei gab Benzin für den Omnibus , damit sie mal mit der ganzen Brigade am Samstag nach Potsdam fahren konnten . Der Fahrer wurde von dem eingesammelten Geld bezahlt .
Wer in einem Betrieb tätig war , wo es alles Gewerke gab , da wurde geschoben und gewerkelt . Ob die Renovierung der betriebseigenen Ferienobjekte im Gebirge oder See . Da wurde das Baumaterial hin und her geschoben . Was da alles auf Kosten des Betriebes gekauft wurde .
Elektrische Geräte waren da vorhanden , oh ,oh, oh
Als verantwortlicher Mitarbeiter hatte man ja das Vertrauen des Vorgesetzten auch der hatte wieder einen Vorgesetzten .
Da gab es doch die ABI -Arbeiter und Bauern Inspektion , die spielte doch den Ball mit . ratata


zuletzt bearbeitet 28.01.2015 15:37 | nach oben springen

#9

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 15:47
von damals wars | 12.130 Beiträge

In meiner Wasseraufbereitungsanlage waren PVC Rohre verbaut der Wasserzulauf wurde vollautomatisch mittels Pneumatik geregelt. Durch das Öffnen der Pneumatikklappen kam es in den Rohren zu Wasserschlägen, und PVC Teile flogen durch die Anlage.
Die Österreicher klebten das PVC, in der DDR wurde es geschweißt. Um das Problem zu lösen, ließ ich alle Plasterohre durch Stahlrohre austauschen.
Das erledigte eine Lehrlingsbrigade der Industriemontagen.
dafür hatten sie sich ausbedungen, über die Rohre zu Verfügen. Die Häuslebauer gaben sich dann ein Stelldichein.
Mir egal, die Anlage musste laufen.
Um Mauerwerk wasserdicht zu machen, ga es Klebstoff Aus Westeregeln. Als Schwerpunktbetrieb und Bestandteil des Kombinat VEB chemische Werke BUNA war die Beschaffung kein Problem. So konnte ich wieder Handwerker überreden, meine Anlage am laufen zu halten.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
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zuletzt bearbeitet 28.01.2015 15:49 | nach oben springen

#10

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 16:54
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #5
Im Übrigen, wo beginnt Korruption?
Ist die Sachbearbeiterin am Schalter der Ersatzteilversorgung schon korrupt, wenn sie Pralinen, frische Eier, Bückling und Räucheraal entgegen nimmt und dafür die Spender bevorzugt?


Hallo,
schwer zu sagen, aber spätestens wenn der Betrieb bilanziell gweschädigt wird, also wegen der Pralinen statt 10 Teilen auf der Rechnung 12 übergeben würden, dann ist es kriminell und Korruption, Beispiel.



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#11

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 17:23
von DoreHolm | 7.687 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #6
Die Zuteilung von Diesel war auch so ein Problem der Sozialisten.Wie sollte man Material u.s.w. besorgen wenn sich die Räder nicht drehen konnten.
Wir haben das Problem gelöst in dem wir Petroleum zugemischt haben,das gab es ohne Ende.Alle Dieselfahrzeuge liefen bei uns so.


Ebenso bei uns für den innerbetrieblichen Transport. Dieses reichte nicht, aber wir verarbeiteten Testbenzin als Rohstoff. Ist etwa das, was als Alkydharzfarbenverdünner verwendet wird. damit wurde der Dieses gestreckt und im Winter ging das auch gut. Auch andere Rohstoffe wie Siedegrenzenbenzine, Touol (hochoktanig !) und Benzol konnten man dem B 1000 und Moskwitsch-Tank zumischen. In meine MZ ES 250 habe ich auch schon mal den Tank mit Benzin-Toluol-Öl-Gemisch vollgemacht. Der Trabi fraß auch so manches. 5 l Diesel pro tankfüllung steckte er locker weg, qualmte nur etwas mehr. Die Diesel-Öl-Rückstände von meiner Steinschneiderei (habe damit gekühlt) habe ich über die Wintermonate absetzen lassen und das Klare dann Liter für Liter in den Tank gekippt. keine Probleme.
Dafür hatte ich mal eine Aktion gemacht, die verdammt in´s Auge hätte gehen können. Wir hatten für unsere E-Karren für den innerbetriebl. Transport einen neuen Akku erhalten, aber ohne Akkusäure. Meinen Kumpel aus Studienzeiten von Laborchemie Apolda angerufen. Kein Problem. Mit meinem privaten Trabi hin nach Apolda und einen 25,-l-Balon konzentrierte Schwefelsäure eingeladen und den in die Firma geschafft. Wenn ich mit dieser Ladung einen Unfall gehabt hätte ? Kaum auszudenken. Im Labor-Technikum dann ein großes Fass mit destilliertem Wasser vorgelegt und dann nach und nach die Schwefelsäure zugegeben, bis die entsprechende Dichte erreicht war. Nun konnten wir nach Abkühlen der Brühe den Akku füllen. Sowas hat man eben auch gemacht, damit es weiterging.
Eben dieser Kumpel erzählte mir einmal, daß ein ganzer Kesselwagen reiner Ethylalkohol nachts durch die RB gestellt wurde. Um keine Standzeiten zu bezahlen, gab es in jeder Firma mit Gleisanschluss (auch in unserer) eine Einsatztruppe, die dann kommt und den Kesselwagen oder andere RB-Wagons entläd. Beim "Schnaps"-Kesselwagen gab es da natürlich auch die sog. "Auslaufverluste", die ansonsten aus den Erfahrungen her eingeplant sind. Nun, diese lagen da zwar etwas über dem Durchschnitt, aber das lag wohl nur an der nicht mehr ganz dichten Dichtung des Abfüllschlauches. Jedenfalls, der Eierlikör und Rumtopf für die nächsten Jahre war bei einigen Kollegen gesichert.



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#12

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 17:24
von furry | 3.568 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #7
Diesel wurde doch bei den Freunden im Tausch gegen Sprit besorgt.
Wer erinnert sich noch an die Tankwagenkolonnen der CA?


@damals wars , das musst du jetzt mal genau erklären was Du unter Sprit verstehst.
Sicher nicht Benzin, denn das war doch noch stärker rationiert als Diesel.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#13

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 17:32
von damals wars | 12.130 Beiträge

Ich war im Studentensommer bei einer Truppe der Reichsbahn, die für Handschachtung bezahlt wurde, die sich jedoch einen Bagger aus dem Schrott wieder aufgebaut hatte und die Leistung des Baggers als Handschachtung abrechnete. Auf die Frage, wo sie den den Diesel her haben, wurde mir vom Tauschgeschäft berichtet, Alkohol gegen ein Faß Diesel. Die "Mehrkosten" erarbeitete besagter Bagger. Gearbeitet haben wir in Lauchhammer West.


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#14

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 17:41
von Gelöschtes Mitglied
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Die Mangelwirtschaft hat dazu geführt, dass zwischen den Betrieben Kompensationsgeschäfte abgewickelt wurden. Hilfst Du mir, helfe ich dir. Das würde ich nicht unter Korruption abtun. Dort ging es nicht um persönliche Bereicherung, sondern um Planerfüllung. Da wurde manches gerade gebogen, was die Direktiven zum Plan versaubeutelt hatten. Wir hatte in der LW kein Diesel, sondern ein Benzinproblem. Also wurde in den LO Bus ein Motor des Belarus eingebaut. Kosten für den Umbau spielten keine Rolle. Den Motor habe ich über Umwege und ein geschlachtetes Schwein besorgt. Das war schon irre, aber die wollten es doch so.

Mit Sicherheit wurde in den Betrieben auch geklaut. Aber da haben sich viele auch an ihren Vorbildern orientiert. Der Arbeiter mit der Aktentasche, der Meister mit dem LKW und der Betriebsleiter hat es sich bringen lassen.


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#15

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 17:45
von furry | 3.568 Beiträge

@Merlini , die gleiche Situation hatten wir. Diesel vorhanden, Benzin knapp.
Wir hatten im Betrieb einen tüchtigen Autoschlosser, der hat in den Wolga einen Multicarmotor eingepflanzt. Für Langstrecken ein optimales Fahren.
Und weil der Schlosser das so gut konnte, ging diese Variante fast in Serie.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#16

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 17:48
von DoreHolm | 7.687 Beiträge

Zitat von ratata im Beitrag #8
Wer zu DDR -Zeiten mit der Planung -Leitung von Industriebereichen zu Tun hatte , der kann ein Lied davon singen , wichtig war in erster Linie jemanden zu kennen , der in bestimmten Bereichen Verantwortung hatte. Bei mir in der Firma war es so , ab Meister hatte man die Befugnisse mit einen Auftragsblock der mit einer Nummerierung vom Chef Materialversorgung an dem Befugten gegen Unterschrift ausgehändigt wurde. Materialien zu kaufen und Reparaturaufträge an dritte zu erstellen.
Damit konnte man dann in dann in der Volkswirtschaft, Materialien einkaufen und auch Reparaturaufträge erteilen .
Sogar Übernachtungen in Hotels (wen vorhanden ) konnte man damit tätigen.
Kam dann die Rechnung in die Firma , wurde sie in der Buchhaltung mit einer Rechnungsnummer versehen und sie ging wieder zu dem Auftraggeber in der Firma . Er zeichnete sie als richtig gegen und somit waren alle Türen und Tore für Korruption und sonst noch was geöffnet .
Wer wie ich viel mit dem Chef von Materiallager unterwegs war , der lernte hier und dort in den anderen Firmen die Verantwortlichen kennen .So baute sich jeder seine Beziehungen zu einander auf .

Sogar die Polizei gab Benzin für den Omnibus , damit sie mal mit der ganzen Brigade am Samstag nach Potsdam fahren konnten . Der Fahrer wurde von dem eingesammelten Geld bezahlt .
Wer in einem Betrieb tätig war , wo es alles Gewerke gab , da wurde geschoben und gewerkelt . Ob die Renovierung der betriebseigenen Ferienobjekte im Gebirge oder See . Da wurde das Baumaterial hin und her geschoben . Was da alles auf Kosten des Betriebes gekauft wurde .
Elektrische Geräte waren da vorhanden , oh ,oh, oh
Als verantwortlicher Mitarbeiter hatte man ja das Vertrauen des Vorgesetzten auch der hatte wieder einen Vorgesetzten .
Da gab es doch die ABI -Arbeiter und Bauern Inspektion , die spielte doch den Ball mit . ratata




Grün: Ja, diese Kontrollorgane gab es und sie wurden auch aktiv, wenn etwas publik wurde. Allerdings nicht bei solchen "Peanuts", dann hätte man ein ganzes Ministerium mit tausenden Mitarbeitern aufbauen müssen, um alle diese vergleichsweise kleineren Delikte alle zu ahnden.

QWenn man es sich nicht mit allen wichtigen Mitarbeitern im Betrieb verdorben hat (weil man ein richtiger Stinkstiefel war) und wichtig waren nicht nur Leiter, sondern auch der LKW-Fahrer, der Schlosser und alle, die man wirklich brauchte, gab es natürlich auch Hilfe von der Firma bei privaten Dingen. War ein Transport zu machen, so fuhr auch mal der Betriebstraktor mit Anhänger u.s.w. Meine 16er Doppel-T-Träger für die Kellerdecke der Datsche transportierte unser Fahrer mit verlängertem Hänger von Metallhandel zu unserer Firma. Dort wuchtete ich diese auf die Maschinensäge und schnitt sie auf Länge. Dann konnte ich den Rest mit dem Trabi transportieren. Einen Haufen alte Naturstein-Bordsteine hatte ich beim Abriss einer alten Straße zusammengetragen. Zusammen mit dem Betriebsfahrer und der Zugmaschine mit Hänger luden wir alles auf und fuhren es zu meiner Datsche. Ich glaube nicht, daß sowas in diesem Umfang heute noch möglich wäre. Heute ist es ein Kündigungsgrund, einen Privatbrief mit einer Dienst-Briefmarke zu frankieren oder einen Firmen-Kugelschreiber einzustecken. Aber tonnenweise die Rohstoffe wegschmeißen und als Chef nur die teuersten Hotels zu nehmen, das geht natürlich. Ich hatte schon mal 3.000,-€ zahlen müssen, weil ich damals mit einer whireless-Karte auf meinem Firmen-Laptop privat gesurft hatte. Ich dachte, die Firma hat eine Flatrate und es war nicht ausdrücklich verboten. Bis nach 4 monaten rauskam, wer die höherein Kosten verursacht hat. ich wurde zum gespräch geladen. 6.000,-€ wurden mir nachgewiesen. Ich war wie bedeppert. Abmahnung und die Hälfte davon zahlen. 1.000,- habe ich sofort überwiesen, den Rest in 200,-€-Raten.
hinterher sagte der Betriebleiter, das sei ihm auch schon in der Anfangszeit passiert und schon waren 600,-€ weg, er wollte es am liebsten auf sich beruhen lassen, aber der GF wollte, wie mir meine Chefin später sagte, ein Exempel statuieren. Um so bitter vernahm ich etwa ein Jahr später die Worte meiner Chefin,daß eben dieser GF große Stücke auf mich hielte. Das nützte mir überhaupt nichts und es wäre besser, er hätte das nicht gesagt.



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#17

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 18:31
von Gelöschtes Mitglied
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Es gab auch LPG die sich P 3 beim Vermittlungskontor in Erfurt gekauft haben und dann einen Multicarmotor eingebaut haben. Da wurde schon viel volkswirtschaftlicher Blödsinn gemacht.

Der Hesselfuchs


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#18

RE: Plan, Zuteilung, Korruption?

in DDR Staat und Regime 28.01.2015 18:52
von andy | 1.199 Beiträge

Ende der 70'er Jahre habe ich in der Nähe von SN Landmaschinenschlosser mit Abi gelernt. Bestandteil der BA im 2. Lehrjahr war u.a. der Führerschein Klasse 5 (LKW). Dazu kam regelmäßig ein Typ mit einem W 50 - Fahrschulwagen in den KfL (Kreisbetrieb für Landtechnik), oft auch mit Anhänger. Jeder im KfL wuste, dass während der Fahrschulausbildung mit dem Fahrzeug irgendwelche Dinge von A nach B befördert wurden und somit das sichere verladen von Last auf einem W 50 Bestandteil der Ausbildung wurde
Offensichtlich hat aber keiner gefragt, was da so transportiert wurde und ob das denn alles legal wäre. . . Während meiner Fahrschule habe ich Ziegelsteine, Stahlträger und anderes Baumaterial transportiert und zumindest ich habe mir damals als Lehrling darüber keinen Kopf gemacht. Das Material wurde i.d.R. auf EFH-Baustellen geliefert. Als ich 3. Lehrjahr war hatte das Fahrschulauto während einer Ausbildungsfahrt einen unverschuldeten Verkehrsunfall in der SN-Innenstadt. Die Ladung bestand aus einem Dachstuhl, der zur Montage in das Umland von SN transportiert werden sollte und bei dem Unfall beschädigt wurde. Leider fehlte der Transportauftrag bzw. die Papiere waren nicht korrekt. Lange Rede, kurzer Sinn - die K wurde tätig und jeder, der bei dem Typ Fahrstunden hatte wurde befragt. Es stellte sich am Ende heraus, dass der Fahrlehrer sich im Laufe der Zeit mit dem Fahrschul-LKW, der dem VEB Kraftverkehr gehörte, eine regionale Spedition aufgebaut hatte und die Fahrschüler als billige Arbeitskräfte nutzte (meist 3-4 Fahrschüler auf dem Bock mitt FFw-Führerhaus). Im Laufe der Jahre hatte er wohl ein solches Netzwerk errichtet, dass er potentiellen Bauherren wohl auch Material verschafffen konnte, das es eigentlich gar nicht gab. Im Juni 1980 gab es die Gerichtsverhandlung, an der das damalige 2. Lehrjahr teilnahm. Die haben hinterher erzählt, dass dem Täter schwarze Umsätze aus Transportleistungen i.H. v. über 300.000 Mark und eine Bereicherung bei Materiallieferungen von über 200.000 Mark nachgewiesen werden konnten. Der Mann hat über knapp 10 Jahre wohl jede Fahrschulfahrt zum Transport irgendwelcher Sachen genutzt und davon profitiert. Da viel wohl in bar abgerechnet wurde, war das aber wohl nur ein Bruchteil der tatsächlichen schwarzen Erlöse. Gegeben hat es wohl knappe 11 Jahre Knast. Die Ermittlungen der K gingen nach dem Urteil noch weiter und als ich 1981 in Perleberg an der US VI war las ich in der Zeitung (Wochenpost) einen Artikel über die weiteren Gerichtsurteile gegen die Empfänger der Materialien. Die lagen dann aber nur noch im niedrigen Monatsbereich und waren wohl durchweg alle auf Bewährung ausgesprochen. Den VEB-Direktor hatte man mangels Kontrolle auch gefeuert. Am Stuhl der DDR haben wohl viele gesägt ...


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
zuletzt bearbeitet 28.01.2015 18:58 | nach oben springen


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